Ausgabe 
22.12.1933 Erstes Blatt
 
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Yvonnes Geheimnis

Roman von Mothilde von Stegmann llrheberrechtH'chuh: Fünf«Tünne«Det1ag Halle (Saale) 16 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Seeburg fühlte, daß ihn ein Blick traf, in dem noch ein Lauern lag, in dem ober schon ein Funken von tödlichem Hatz aufglomm.

3a, Fräulein Dumont, es gibt nichts auf der Welt, was mich von diesem Standpunkt abbringen könnte!"

Man war vor dem Internationale" angelangt. Eisig klang Yvonnes Stimme, als sie Seeburg ab* schiednehmend die Hand reichte-

Dann bleibt mir nichts übrig, Herr Baron, als mich von Ihnen zu verabschieden, oder", dabei wurde Yvonnes Stimme wieder weicher,soll ich Ihnen doch noch Gelegenheit geben, Ihren starren Stand« punkt zu revidieren?!"

Seeburg beugte sich über ^oonnes Hand.

Wenn das eine Boraussetzung sein sollte es ist unmöglich, Fräulein Dumont! Ich bin kein Be­trüger und will mich nicht in die Gunst einer schönen Frau unter falschen Vorspiegelungen einschleichen, um so weniger, als ich Sie, mein gnädiges Fräulein, bis zu diesem Augenblick mit aller Leidenschaft ge­liebt habe!"

Tief atmete Seeburg auf und ging langsam dem Brandenburger Tor zu. Wenige Schritte davon ließ er sich erschöpft auf einer Bank nieder. In welcher Gefahr hatte er geschwebt! Das also war das Ende einer Leidenschaft?

Man hatte ein frevelhaftes Spiel mit ihm ge­trieben! Aber allzu zeitig hatten Yvonne und Per- lain die Starten aufgedeckt.

Plötzlich stutzte er, sah sich um. Ging das Spiel des Schicksals weiter? Hier saß er auf der gleichen Donk, auf der er vor Wochen Irene weinend ange­troffen hatte.

Was war eigentlich aus Irene geworden? Seit dem Aufkeimen feiner Leidenschaft für Yvonne hatte er sie kaum mehr gesehen. Hatte er überhaupt nichts mehr um sich her gesehen. Es fröstelte ihn. Er schlug den Mantelkragen hoch und erhob sich. Wie müde er auf einmal war! Er lächelte bitter. Eigentlich hätte diese Nacht anders verlausen sollen! Aber viel­leicht bedeutete es Rettung in letzter Stunde, daß es anders gekommen war, wie er erhofft und ge­träumt hatte.

12. Kapitel.

Irene war von ihrer neuen Tätigkeit so befriedigt, daß sie jpitunter für Stunden ihren Kummer um

Seeburg vergaß. Direktor Friedrich war ein liebens­würdiger Herr, mit dem sich gut zu ammen arbeiten ließ. Seme Art war angenehm und rein sachlich. Eine besondere Annehrnuchkett für Irene war es, daß sie nicht lediglich mit Bureauarbeit deichaftigt war. Direktor Friedrich bat sie manchmal, einzelne geschäftliche Gänge zu erledigen, die er anderen Nicht anoertrauen wollte. Auf diese Weise bekam Irene Einblick in die verschiedensten Geschäfte. So hatte Irene ao und zu auch bei einem der Anwälte des Konzerns zu tun, um Verträge entgegenzunehmen, die diskret bleiben sollten.

Eines Tages mußte sie zur Uttro-Filmgesellschaft. Telephonisch hatte Direktor Friedrich die Ungelegen- heit nicht erledigen wollen, und so war Irene in das Direktionsbureau gegangen, um über die Abände­rung einer Stelle des Vertragsentwurfs zu sprechen. Die Sekretärin des Direktors Kortfchakoff erwartete Irene bereits.

Es tut mir furchtbar leid, Fräulein von Merten, Herr Direktor ist eben ins Hotel internationale* gerufen worden. Er bittet Sie, dort in der Halle nach ihm zu fragen. Der Direktor hat eine kurze Besprechung mit einem französischen Filmgewaltigen. Herrn Perlain. Haben Sie einen Wagen unten?"

Rein, ich bin mit der Straßenbahn gekommen!" sagte Irene verlegen. Lachend hatte Fräulein Werk­feld erwidert:

Man merkt, daß Sie Neuling sind!" Und als Irene sie verwundert ansah, fuhr die junge Dame fort:Wir wissen natürlich ganz genau, seit wann Sie bei Herrn Direktor Friedrich sind. In der Film­branche erfährt man alles. Straßenbahnfahren wollen wir doch nicht einführen! Nehmen Sie sich ruhig ein Auto und liquidieren Sie die Kosten, nach oben etwas abgerundet. Bei unserem Millionenver­brauch kommt es auf die paar Mark Spesen wirklich nicht an. Fahren Sie nur schnell zum Hotel »Inter­nationale*, sonst läuft Ihnen Kortfchakoff weg."

Irene befolgte den Rat und fragte in der Hotel­halle, wie verabredet, nach Direktor Kortfchakoff. Man zeigte ihr diskret einen Herrn, der in lebhaftem Gespräch mit einem eleganten, ausländisch aussehen- den Manne in der Nähe saß.

Irene schrieb ein paar Zeilen auf einen Melde­block, die ein Boy auf einem Tablett übergab.

Kortfchakoff ließ Irene bitten, Platz zu nehmen. Er stände in wenigen Minuten zur Verfügung. Von ihrem Sessel aus betrachtete Irene neugierig das leb­hafte Treiben in der ijaUe. Gäste des Hotels, Herren und Damen, die verwandtschaftliche oder auch beruf­liche Beziehungen zu den Durchreisenden hatten, strömten ein und aus. Der zuständige Geschäfts- sichrer hatte ununterbrochen damit zu tun, Auskünfte zu erteilen, Zimmernummern mitzuteilen, durch das Haustelephon anfragen zu lassen, ob wartende Be­sucher angenommen werden könnten, die Fragen nach eingegangener Post zu beantworten, Zugoer- binbungen und Abfahrtzeiten anzusagen. Dazwischen mußten neu eintreffende Gäste untergebracht, Zim-

mer angewiesen und für Beförderung der Koffer Abrciiender geiorgt werden. Eine Flut von Flamen und Ausrufen schwirrte an Irenes Ohr vorbei. Wenn auch mit Rücksicht auf die Gaste der Halle gedämpft gesprochen wurde, so daß wenige Schritte weiter nur nop em Gemurmel hörbar war, saß Irene doch jo i-.ohe, daß sie auch Worte und Namen verstehen mußte. n

Aus ihrer beschaulichen Ruhe fuhr sie plötzlich auf, als die Worte an ihr Ohr drangen.Zimmer 263 ist frei. Madame Dumonts Gepäck zum train bleu an den Bahnhof: Handgepäck, Geoackschein sofort zurück aufs Zimmer. Boy sofort zur Apotheke, eine Schach­tel Eumed für 264. Vermerken Sie für Die Rech, nung 264 1,50 Mark Medikament. 264 wünscht Rechnung."

Irene lächelle über sich selbst. Der Name Dumont schien häufiger zu sein, als sie gewußt hatte. Yvonne war ja verreist. Sie sah auf den Boy, der an sie herantrat: »Herr Direktor Kortfchakoff läßt bitten!"

Jetzt fiel Irene auch ein, daß die Kollegin ihr ja von Direktor Perlain gesprochen hatte, mit dem ihr Chef eine Unterredung im .international" haben wollte. Das war offenbar der elegante Ausländer. Kortfchakoff kam ihr einige Schritte entgegen und bat sie, Platz zu nehmen, als Perlain am Nebentisch sich niederlieb. Während Kortfchakoff nach Irenes erläuternden Worten das ihm übergebene Schrift­stück aufmerksam studierte, sah sie, daß auf einen Wink ein Boy am Nebentisch einen Telephonapparat einstöpselte. In gebrochenem Deutsch verlangte Per­lain Nummer 264. War das nicht die Nummer, die ihr eben aufgefallen war durch die Namensgleichheit?

Die Verbindung schien nicht ganz zu klappen, denn auf die französisch gesprochenen Worte: ,^Hier spricht Perlain! Sind Sie selbst am Apparat, Madame?", schien eine deutsche Antwort zu kommen. Und Per- lains ungeduldige Stimme rief auf deutsch in den Apparat.Ich habe gewünscht die Nummer Sroci- hundertsegfigoier. Madame Yvonne Dumont." Und gleich darauf die Worte:Cest xa, merci bien, mille grace.

Irene war so heftig aufgefahren, daß Direktor Kortfchakoff, der gerade das überbrachte Schriftstück unterzeichnete, erstaunt auftah. Als er die Leichen- bläffe in dem erschreckten Gesicht des jungen Mäd­chens bemerkte, fragte er teilnehmend:

Ist Ihnen nicht gut, mein Fräulein? Darf ich Ihnen etwas reichen lassen?"

Irene, die sich bereits wieder gefaßt hatte, dankte mit einem matten Lächeln:

Vielen Dank, Herr Direktor es hat nichts zu bedeuten!"

Kortfchakoff übergab ihr das Schriftstück mit ein paar Zeilen für Direktor Friedrich. Vollkommen ver- wirrt, verließ Irene die Halle des Hotels. Unwill­kürlich schaute sie nochmals zurück. Da sah sie aus dem List Yvonne Dumont steigen, die geradeswegs auf den Franzosen zuging, der offenbar Perlain war. Ein Wirbel von Gedanken flog durch Irenes

Hkm. Yvonne und Perkain wie gehörten die bei» den jammen? Warum hatte Yvonne zu Hau>e eine Reife oorgeschützt? Sie senkte den Kopf, schmerz und Scham waren in ihr. Und Angst um Seevurg. Was sie soeben beobachtet hatte, mußte Doktor Miller erfahren.

Seeburg blätterte in den Eingängen, die der Bureaudote Krause ihm eben überbracht hatte. Er überlegte einen Augenblick.

Richtig, Herr Krauje, lassen Sie doch einmal Nach­sehen, wann die nächste Sitzung der Jilmoberpruf» stelle anberaumt ist! Es wird ja wohl zur Beilage geschrieben fein, aber ich mochte den Termin wissen; zweitens, wer mit J>er Vertretung des Amts beauf­tragt ist! Sagen Sie in der Registratur an, man mochte mir die Akten fchnellstens «chicken, falls ich dran bin. sonst gehen die Akten natürlich an den zuständigen Kollegen."

Krause zögerte beim Hinausgehen:

»Wird sofort besorgt werden, Herr Legationsratl Aber, wenn ich mir eine Frage geftutten da:s: suhlen sich Herr Legationsrat nicht wohl? Hann ich irgend etwas besorgen?"

Danke schön, Herr Krause! Ich bin ganz gesunül Wieso kommen Sie denn darauf?"

»Weil der Herr LegaÜonsrat heute ganz krank aussehen! Hoffentlich kommt nicht was!" Leise schloß der alte Krause die Tür hinter sich. Draußen schul- telte er noch den Kopf.Miserabel sieht Herr von Seeburg aus", murmelte er.Gefällt mir gar nicht, s ist halt doch nichts mit den Junggesellen! Keiner kümmert sich so richtig um sie."

Seeburg hatte sich wieder seinen Akten zugewandt. Die Enttäuschung durch Yvonne war doch tiefer ge­gangen, als er gedacht hatte. Daß er schlecht aussah, damit mochte der alte Krause recht haben. Er halte ja auch die ganze Nacht kein Auge Augetan. Er wuß.e nicht, was ihn mehr bedrückte: die Liebcsenttauschung durch Yvonne oder die Beschämung über sich selbst. Wie ein dummer Junge war er Yvonne auf den Leim gegangen! Denn ganz klar war es ihm in der schlaflosen Nacht geworden: Yvonne hatte ihn nie geliebt! Sie hatte, klug berechnend, seine Leidenschaft gesteigert, um ihr Ziel zu erreichen. Er war eine ijigur in ihrem Spiel gewesen, die sich beliebig hin und her schieben lassen sollte! Hätte sie auch nur eine Spur von Neigung für ihn gehabt, auch nur eine Spur von Achtung nie hätte sie glauben dürfen, ihn mit ihrer Hingabe erkaufen zu können.

Oh, sie hatte klug spekuliert. Als ritterlicher Mann wäre er dann fast gezwungen gewesen, Yvonne» Wünschen zu willfahren, sollte nicht ein Skandal daraus entstehen. Da Yvonne und Perlain alles |o trefflich voraus berechnet hatten, würden sie sicher auch eine Möglichkeit gefunden haben, daß man sie beide imInternational" gesehen hätte. Welch ein Narr war er gewesen, zu glauben, daß eine leiden« schriftliche Frau aus Liebe zu ihm sich über alle Schranken hinwegsetzen wollte! (Forts, folgt.)

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In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde am 22. November 1933 bei der I Firma Carl Schwand in Gießen folgendes eingetragen: Die Prokura der Friedrich Seebold Ehefrau Emilie, geborene Haas, in Gießen ist erloschen. Dem Heinrich Seebold zu Gießen ist Prokura erteilt.

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In unser Handelsregister. Abteilung B wurde am 2. Dezember 1933 eingetragen' Herren-vekleidungshau, Gesellschaft mit beschränkter tjafhing. oottnal» Gebrüder Stamm. Gießen. Gegenstand des Unter­nehmens ist die Uebernahme und IDeiter- [übrung des unter der Firma Gebrüder -stamm betriebenen Herren- und Knaben- betleibunge- und Mahanfertigungsgeschaft» «afee 2 zu Gießen Die Errichtung r Erwerb gleicher und ähnlicher Geschäfte ist vorgesehen. Da» Stammkap,. tal beträgt 20 000 RM Der Gesellschaft-, vertrag ist am 1. November 1933 errichtet und am 6. November 1933 hinsichtlich der Firma geändert. Die Gesellschaft wird durch einen, zwei oder mehrere Geschäfts fuhrer vertreten. Zunächst ist Adolf Mahl in Gießen einzelzeichnung-berechtigter Ge­schäftsführer. Aktiva und Passiva der unter her Firma Gebrüder Stamm betriebenen

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