Ausgabe 
22.12.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

hingeben. Durch diesen gemeinsamen Schritt des Reichsbischojs und des Reichsjugendführers werden alle Gerüchte endgültig widerlegt, die aus einer mißverstandenen Aeußerung des Reichsjugendfüh­rers glauben machen wollten, daß der Reichsjugend­führer nicht auf dem Boden des positiven Christen­tums stehe. Mit einem Schlage treten mehr als eine halbe Million deutscher Jungen und Madel in die Reihen der nationalsozialistischen Jugend. Es wird damit die Aufgabe der bisherigen organisier- ten evangelischen Jugend zu einem Auftrag der Kirche, nunmehr in neuen Formen und Möglich­keiten der gesamten evangelischen Jugend zu die­nen. Anderseits ist die einheitliche Erziehung der deutschen Jugend durch den nationalsozialistischen Staat und damit durch die Hitlerjugend als die Trägerin der Staatsidee durch die evangelische Kirche anerkannt. Die Hitlerjugend grüßt die neuen Kameraden als Mitstreiter für die Einheit der deut­schen Jugend und damit der kommenden Gene­ration.

Das Lahr -er Erfüllung.

Eine Weihnachtskundgebung FranzSeldtes

Berlin, 21. Dez. (TU.) Der Bundesführer des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, Reichsarbeits­minister Franz S e l d t e, veröffentlicht imStahl­helm" eineDas Jahr der Erfüllung!" überschrie­bene Weihnachtskundgebung, in der es u. a. heißt:

Unser Frontsoldateninstinkt hat uns nicht ge­täuscht: 1933 ist nicht nur das Jahr der Entschei­dung es ist auch das Jahr der Erfüllung gewor­den. Die Zeit der Prüfung, die Zeit der Schmerzen,' die Zeit des Anmarsches und der Vorbereitung ist vorbei. In einem freien Deutschland ent­zünden wir die Kerzen unserer Weihnachtsbäume und sagen aus tiefstem Herzen: Es ist nicht u m - sonst gewesen, daß wir da draußen vier Jahre gekämpft und gestanden haben, es ist nicht umsonst gewesen, daß wir im November 1918 unseren Stahlhelm gründeten und ihn in bit­terem Kampf durchhielten, die langen schweren Jahre bis zum Einsatz, bis der 30 Januar 1933 die nationale innere Befreiung Deutschlands einleitete.

Nach einem Rückblick auf die großen nationalen Ereignisse des Jahres fährt Seldte fort: Wir Kame­raden des Stahlhelm waren bereit, in das Dunkel des Jahres 1933 zu marschieren. Wir Kameraden des Stahlhelm sind glücklich, in den lichten Morgen des Jahres 1934 hineinzumarschie­ren. Erfüllt im Herzen von Feiertagsgefühl und tiefen inneren Dank, erfüllt aber auch von dem Willen, gerade im Jahre 1934 mit allen unseren Kräften und Sinnen die deutsche Arbeit zu leisten. Weilburg bekommt eine Hochschule für

Lehrerbildung.

Berlin, 21. Dez. (CNB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, werden im Früh­jahr 1934 die Hochschulen für Lehrerbildung in Frankfurt a. d. Oder, Hannover und Cottbus wieder eröffnet. Gleichzeitig wer­den die Hochschulen für Lehrerbildung in Frank­furt a. M. und Halle a. d. Saale geschlos­sen. Dafür wird in Weilburg (Oberlahnkreis) und in H i r s ch fr e r g in Schlesien im Zuge der neuen Lehrerbildungspolitik je eine neue Hoch­schule eröffnet. Fast alle Hochschulen für Lehrer- b ldung nehmen im Frühjahr 1934 eine größere Zahl von Studierenden auf. In Hannover werden nur Studentinnen zugelassen. Aufnahmegesuche sind bis spätestens 15. Januar 1934 bei den Hochschulen ein­zureichen.

Arbeitsfront und Krankenkasse.

B e r I i n, 21. Dez. (CNB.) Der Führer der DAF. Dr. Ley hat folgende Verfügung erlassen: In der Öffentlichkeit werden immer wieder Gerüchte ver­breitet, nach denen die DAF. mit Plänen in Zusam­menhang gebracht wird, die jetzt bestehenden Er­satz k a s s e n einschließlich der B e r u f s k r a n k e n- kassen der Angestellten zusammenzu­legen. Es wird hiermit ausdrücklich festgestellt, daß die DAF. jegliche Maßnahmen ad­le h n t, die der endgültigen Entscheidung über die künftige Gestaltung der Deutschen Sozialversicherung vorgreifen. Ich ordne daher an, daß Kranken­kassen, die mit den der DAF. angegliederten Ver­bänden in Zusammenhang stehen, nur mit G e - nehmigung des Sozialamtes der DAF. zusammengeschlossen werden dürfen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident o. Hindenburg emp­fing den Reichsminister der Finanzen Graf Schwerin von Krosigk zum Vortrag.

*

RechtsanwaltDr. Thor mann, der Verteidiger des Angeklagten im M.-Gladbacher Dolksvereins- Prozeß, ist, wie von der Frankfurter Polizei mitge­teilt wird, in S ch u tz h a f t genommen worden.

*

Der Reichsminister des Innern hat den Münche­ner Oberbürgermeister F i e h l e r zum Vorsitzenden des Deutschen Gemeindetages bestellt. Oberbürgermeister Fiehler hatte als Leiter des Am­tes für Kommunalpolitik der Reichsleitung der NSDAP, bereits bei der vorläufigen Bildung des Deutschen Gemeindetages im Mai 1933 die einst­weilige Führung übernommen.

*

Die Theaterdirektion des Städtischen Schauspiel­hauses Memel ist durch den Kommandanten des Memelgebietes angewiesen worden, fortan alle Theaterstücke der litauischen politischen Poli­zei zu unterbreiten.

Der belgische Außenminister Hymans wird am 27. Dezember in Paris eintreffen, um mit Außen­minister Paul Boncour und anderen Poll- titern Fühlung zu nehmen.

*

Der griechische Außenminister Max im off ist nach Agram gereift, wo er von König Alexander empfangen und auch mit dem jugoslawischen Außen- Minister Ieftitich eine Unterredung haben wird, wobei jedenfalls die Ergebnisse des Belgrader Be- suches des Königs Boris erörtert werden dürften. Von Agram fährt Maximoff nach Rom weiter, wo er mit Mussolini zusammentreffen wird.

*

Der Untersuchungsrichter beim irischen Obersten Gerichtshof hat die Freilassung O ' D u s s y s, des Führers der irischen Blauhemden und seines Parteigängers Sullivan angeordnet, da ihre Fest­nahme zu unrecht erfolgt sei.

*

Bolivien hat die Waffenstillstandsoorschläge t m Gran-Chaco-Streit angenommen.

Die grauen Glücksmänner.

Ja, durch ganz Deutschland sind sie auf dem An­marsch, die grauen Glücksmänner der Reichswinterhilfe! Im Nahmen des tzro- hcn Winterhilfswerkes des deutschen Volkes ist in allen Städten und auf dem Lande seit 20. Dezem­ber die Straßen-Lotterie eingesetzt, die in seiner programmatischen Rede über das Winter- hilfswerk Herr Reichsminister Dr. Goebbels bereits angekündigt hat. Die Straßenlotterie, die der Reichsleitung der NSDAP, unterstellt ist, gibt jedem die Möglichkeit, für den guten Zweck des Winter­hilfswerkes etwas beizutragen und auch noch per­sönlich einen hohen Geldbetrag zu gewinnen, wenn das Glück ihm gewogen ist.

3m Gewinnplan einer jeden Serie der Strahen- Lotterie sind insgesamt 150 000 Gewinne ent­halten und eine Prämie im Werte von zusam­men 125 000 Mark. Der Lospreis beträgt 50 Pfennig, die dazu bestimmt sind, mitzu- helfen im Kampf gegen hunger und Kälte. 3n jeder Serie kann für diese 50 Pfennig der jeweilige Hauptgewinn von 5000 Mark gezogen werden, oder die Prämie, die ebensoviel be­trägt. Als Höchstgewinn kann man sogar 10 000 Mark gewinnen. Ferner werden in jeder Serie zwei Hauptgewinne zu je 1000 Mark ausgespielt; zehn Gewinne zu je 500 Mark;

51 Gewinne zu je 100 Mark; 101 Gewinne zu je 50 Mark; 335 Gewinne zu je 10 Mark;

1000 Gewinne zu je 5 Mark; 3500 Gewinne zu je 2 Mark; 20 000 Gewinne zu je 1 Mark und 125 000 Einsahgewinne zu je 50 Pfennig.

Diese 150 000 Gewinne einer Serie sind mit so­fortigem Gewinnentscheid. Die Auszahlung der Ge­winne erfolgt gegen Rückgabe des Originalloses und zwar bis einschließlich fünf Mark durch den Lose­oerkäufer, für 10 Mark und darüber durch sämt­liche öffentlichen Spar« und Girokassen, Lotterie­geschäfte und Banken, sowie durch die Reichsleitung der NSDAP., Abteilung Lotterie, München, Mar« tius-Straße 4, und durch alle Lotteriegeschäftsstel­len des Winterhilfswerkes 1933/34.

Die grauen Glücksmänner der Strafjenlotterie werden dem Deutschland des Hilfswerkes für den harten Winter 1933/34 ein neues sichtbares Zei­chen tätiger Nächstenliebe fein,

einer Nächstenliebe in dreifachem Sinne: Dem, der kauft! Dem, für den gekauft wird! Dem, der verkauft!

Es wird Tausenden von Arbeitslosen durch diese Straßenlotterie in der Wintersnot eine Arbeits­möglichkeit verschafft. Für 50 Pfennig kann jeder Glück kaufen, kann jeder Glück verschenken.

Grönlandforscher Knud Rasmussen f.

Oer größte Forscher des dänischen Boltes-ein Vorbild für dieZugend aller Völker.

Der bekannte dänische Grönlandforscher Dr. Knud Rasmussen ist am Donnerstag im Alter von 54 Jahren in Kopenhagen an den Folgen einer schweren Fleischvergiftung g e st o r b e n , die er sich auf seiner letzten Expedition in Grönland zugezogen hatte.

Rasmussen wurde am 7. Juni 1879 in Jacobs- Hafen (Nordgrönland) geboren. Seine Mutter war eine Eskimofrau. 1910 errichtete Rasmussen im Kap Por-Distrikt die Arktische Station Thule für wissenschaftliche Expeditionen und auch als Handels­station. Von hier leitete er mehrere Expeditionen.

Die fünfte Expedition trat er im Januar 1921 an. lieber 15 Monate war er verschollen, und man hielt ihn schon für verloren, als er endlich im August 19'24 nahe der Behringstraße wieder auf- lauste. Diese Reise war die größte Hundeschlitten­reise in der Geschichte der arktischen Forschung über­haupt. Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Rei­sen legte Rasmussen in zahlreichen Schriften in dä­nischer, englischer und auch in der Eskimosprache nieder. In Deutschland muibcn von Rasmussens Büchern besonders dieThulefahrt" und dieMy­then und Sagen aus Grönland" bekannt.

Rasmyffen suchte die Urheimat der Eskimos. Seine Theorie war, -daß die verschiedenen Stämme der Eskimo einer Urrasse entstammen, die sich vom äußersten Asien in völkerwandernder Bewegung über das nördlichste Amerika, Grönland und das Polarinselreich ausgebreitet hat. Die sprachlichen, folkloristischen und archäologischen Ergebnisse seiner letzten Expedition bestätigten seine Theorie aufs glänzendste. Von 1927 ab bereitete er eine neue Thule-Expedition vor, die er auf zwei Jahre be­rechnete und die er mit besonderer Sorgfalt m Bezug auf das Film-Material ausstattete. Als er im Sommer 1932 aus den Eisregionen zurückkehrte, erklärte er als interessantestes Ergebnis feiner For­schungen die Bestätigung der von dem deutschen deutschen Geographen Wegener aufgestellten Theo­rie, daß sich das grönländische Festland in einer fest­stellbaren Bewegung nach Westen befinde. Nach

seinen Messungen verschiebe es sich in jedem Jahre um etwa 20 Meter. Rasmussen war Ehrenmit­glied zahlreicher geographischer Gesellschaften, wurde mehrfach mit deren goldenen Medaillen ausgezeich­net und 1925 mit der an der Kopenhagener Uni- versität ganz seltenen Auszeichnung eines Dr. h. c. bedacht.

Dänemark trauert um feinen großen und ge­treuen Sohn, die Welt verliert einen der fähigsten und erfolgreichsten Polarforscher unserer Zeit. Die nun tödlich verlaufene Krankheit hatte er sich auf der letzten Expedition nach Grönland augezogen, übrigens im Dienste des Films, der gerade damals interessante und neuartige Aufnahmen nur deshalb Herstellen konnte, weil der dänische Forscher wich- tige Hilfe dazu leistete. Ein an Abenteuern reiches Leben sand seinen Abschluß. Rasmussen verlebte seine Jugend wie die andern Eskimokinder in einer an Schönheit armen Natur, bie aber vom Menschen die Einsetzung seiner besten Kräfte fordert. Das ist für Rasmussen, der später in Kopenhagen studierte, zur Bewältigung seiner Lebensaufgabe von aus­schlaggebender Bedeutung geworden. Weil er so­zusagen ein halber Eskimo war, und weil er wie ein ganzer Eskimo den Kampf mit der rauhen Arktis aufnehmen konnte, gelangen ihm große Erfolge auf dem Gebiete der Erforschung des Polargebietes. Unzählige Expeditionen hat er mitgemacht; seit 1904 war er Teilnehmer beinahe jeder dänischen Forschungsfahrt nach der Arktis, später unternahm er auf Grund seiner reichen Er­fahrungen eigene Vorstöße nach Grönland. 1921 begann er mit der Durchquerung Zentral- grönlands, das ewig in Eis und Schnee liegt, auf Hundeschlitten.

Rasmussen pflegte herzliche Beziehungen zu der deutschen Arktisforschung. Seinem Lande galt er als einer der großen Eroberer, und wie ein gewaltiger Fürst der Vorzeit wurde er von seinen sonst so geruhigen Landsleuten gefeiert. Dänemarks Polar- Wissenschaft, durch den Besitz von Grönland stets ausgezeichnet orientiert, verdankt Rasmussen eine unendliche Fülle von Material. Mehr als zwan­zigtausend wichtige Funde aus Grönland übergab er dem Nationalmuseum in Kopenhagen. Er stellte im Verlaufe seiner Forschungsfahrten die Einheit­lichkeit der Sprache bei allen Eskimos von Asien über Grönland bis nach Alaska fest, er erforschte die großen Wanderungsbewegungen der Eskimos, und er hat nicht nur neue unbekannte Gebiete der Arktis entdeckt, sondern sie auch sehr sorgfältig ver­messen und durch Flugzeugaufnahmen ergänzt. Ein tatenreiches Leben fand seinen Abschluß; die Trauer der Welt ist auch unsere Trauer.

Berlingske Tibende" veröffentlicht folgende Bei- leidsäußerung von Reichsminister Dr. Goebbels zum Tode von Knud Rasmussen:Ich erhalte so­eben die Kunde von dem schweren Verlust, den das dänische Volk durch den Tod seines größten For­schers erlitten hat. Knud Rasmussen wird der Wett immer als tapferer Kämpfer vor Armen stehen, der weit über feine wissenschaftlichen Verdienste hinaus als männlicher Typ der Jugend aller Völker ein Vorbild fein wird."

Aus aller Wett.

Drei Kinder bei einem Zimmerbrand ums Leben gekommen.

In Ludwigshafen am Rhein hat sich in der Wohnung des Tagelöhners Rudolf Heß ein schreck­licher Unglücksfall ereignet. Die drei Kinder des Heß im Alter von drei, vier und fünf Jahren zwei Knaben und ein Mädchen, die sich allein in der Wohnung befunden hatten, waren in der ausgebrannten Wohnung tot aufgefunden worden, lieber die Ursache des Unglücks konnte nichts Näheres in Erfahrung gebracht werden. Man vermutet, daß die Kinder mit Feuer ge- spielt haben, ober daß aus dem Ofen Glut ge- fallen ist, wodurch der Zimmerbrand entstanden ist.

Starkes Listreiben auf dem Rhein. Hochwassergefahr bei Oberwesel.

Von der Loreley ab wird der Abgang von star- k e n T r e i b e i s m a s s e n auf dem Rhein gemeldet. Ab Koblenz haben sich die Eismassen in Bewegung gesetzt und es herrscht rheinabwärts starker Eis- gang. Nach Abwanderung der Eismassen, was nicht mehr zu lange dauern dürfte, wird die Schiffahrts- kommission über die Wiederaufnahme der Rhein- schiffahrt zu beschließen haben. Zur Zeit ruht noch jeder Betrieb.

Die Eisversetzungen am oberen Rande der Eis­stauung bei Oberwesel haben sich verschärft. Durch die aufgeftauten Eisbarren wird ein normales Ab­fließen des Wassers zu Tal verhindert. Das Wasser st derart gestiegen, daß die Anlagen und die Ufer- traßen von Oberwesel überschwemmt sind und Ge- ahr besteht, daß die mit Eisschollen und Eisblöcken vermischten Wassermassen in die Stadtteile von Oberwesel eindringen. SA., Feuerwehr und alle

erreichbaren Hilfskräfte sind eingesetzt, um die durch das Steigen des Wassers und bie durch den Eis­druck heraufbeschworenen Gefahren abzuwenden ober zu minbern. Im Hafen haben sich bie Eis­mauern zu wahren Gistürmen aufgestaut, bie un­ter bem ftänbigen Druck bes rasch anfließenden Wassers in dauernder Bewegung stehen. Die Gis» harren stehen derart fest, daß angesichts des hohen Wasserstandes in der Bevölkerung die größten Be­fürchtungen gehegt werden.

München im Schnee.

Seit Mittwoch abend sind in Südbayern und in München starke Schneefälle zu verzeichnen. München vot, namentlich Donnerstagftüh, ein tief winterliches Bild. In den Straßen wurde eine Schneehöhe van 10 Zentimeter festgestellt. 42 Schnee- pflüge rückten zur Räumung aus. Außerdem waren 2200 Hilfsarbeiter neben den ständigen Arbeits­kräften zum Schneeräumen eingesetzt. Der Verkehr wurde durch das Schneetreiben ziemlich behindert, namentlich im Bahnverkehr sind starke Verspätun­gen zu verzeichnen. So kamen die Frühschnelizüge durchweg mit Verspätungen von 40 bis 60 Minu­ten am Münchener Hauptbahnhof an. Der D-Zug aus Holland hatte sogar 90 Minuten Verspätung. Dieser Dezember ist der schneereichste seit langen Jahren.

Schwedischer Dampfer gesunken. Sieben Mann ertrunken.

In einer der letzten Nächte stieß in der Nord­see der schwedische DampferGaftor" aus Solees« borg mit bem englischen DampferGurb" zusam­men. Das schwedische Schiff sank beinahe augen­blicklich und nahm sieben Mann der Besatzung,

die sich in den inneren Schiffsräumen befanden, mit in die Tiefe. Die übrigen sechs Angehörigen der Besatzung wurden von bem englischen Damp­fer gerettet. Der Kapitän bes englischen Schiffes teilte funkentelegraphisch mit, daß er den nächsten Hasen anlaufen werde.

Die Bolschewisten im Kamps gegen bas Weihnachlssest.

Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die russische Regierung sechs Tonfilme in verschiedenen Sprachen drehen lassen, die gegen das Weihnachtsfest gerich­tet sind und die Gottlosenbewegung unterstützen sollen.

Der Brüsseler Bestechungsskandal.

Der Unterdirektor im belgischen Arbeitsministe­rium Lejeune ist in Zusammenhang mit der großen Bestechungsaffäre, die um den Brüsseler Polizeipräsidenten herum spielt, in Haft genommen worden. Lejeune hatte in amtlicher Eigenschaft die Vorschläge für Ordensver­leihungen in feinem Departement zu bearbei­ten. Gr wird beschuldigt, seit drei Jahren wertvolle Geschenke von dem ehemaligen Polizeikommissar, jetzigen Oelhändler P a u w e l s angenommen zu haben. Als Gegenleistung bevorzugte er bie Ordens- fanbibaten, bie ihm von Pauwels vorgeschlagen wurden.

Kunst und Wissenschaft.

Die endgültige Gliederung der Reichsschrifttumskammer.

Der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Dr. Hans Friedrich B1 unck, erläßt eine Bekannt­machung über die endgültige Gliederung der Reichsschrifttumskammer. Danach sind in dieser Kammer folgende Verbände zusam­mengefaßt: 1. Der Reichsoerband Deutscher Schrift­steller. 2. Der Börsenverein der deutschen Buchhänd­ler. 3. Der Verband der Deutschen Volksbibliothe- fare e. V. 4. Der Verein Deutscher Bibliotekare e. V. 5. Die Gesellschaft der Bibliophilen. 6. Die Reichsfachschast Buchhandel im Deutschen Handllungs- gehilfenverband. 7. Die Gesellschaft für Senderechte. 8. Die im Aufbau befindlichen Arbeitsgemeinschaften a) der Volksbüchereien und Werksbibliotheken, b) der Buchgemeinschaften, c) der literarischen Gesell­schaften und Dortragsveranstatter, d) der Stiftungen und Verteiler literarischer Preise, e) der Verlags­vertreter und selbständigen Buchreisenden (Kolpor­teure), f) der amtlichen, parteiamtlichen, städtischen, studentischen oder privatwirtschaftlichen Buchbeschaf­fungsämter bzw. Bucheinkaufsstellen.

In der Bekanntmachung wird im Einzelnen fest­gelegt, wer den genannten in der Reichsschrifttums­kammer zusammengefaßten Verbänden anzugehören hat. Alle von diesen Bestimmungen betroffenen Per­sonen haben unverzüglich ihre gesetzliche Anmelde­pflicht, soweit dies noch nicht geschehen ist, späte­stens bis zum 1. Januar 1934 bei der für sie zu­ständigen Stelle nachzuholen.

Dr. Goebbels hilft freien Künstlern.

Auf Veranlassung des Reichsministers Dr. 0 o e fr- bels hat bie Reichsrundfunkgesellschaft einen Be­trag von 100000 Mark zur Verfügung gestellt, der noch in der Weihnachtswoche allen Sendern zu- gewiesen werden und dazu dienen soll, freiberuflich tätige Künstler zu engagieren und mit den Mitteln aus diesem Fonds zu bevorschussen, so daß auch bei später stattfindenden Sendungen schon jetzt zu Weih­nachten Honorare aus diesem Fond ausgezahtt wer­den und damit Hunderten von freien Künstlern eine Weihnachtsfreude bereitet werden kann.

Nalionalbenkmal für Richard Magner in Leipzig.

Oberbürgermeister Dr. ©oerbeler und Stadt­rat Hauptmann (Leipzig), wurden in her Reichs­kanzlei vom Führer zum Vortrag über den Plan der Aufstellung eines Richar d-Wagner-Denk­mal s in Leipzig empfangen. Reichskanzler Adolf Hitler ließ sich an Hand der Modelle und Pläne über Einzelheiten der Ausgestaltung unter­richten und erklärte feine Zustimmung zu der städte­baulichen Anlage und der künstlerischen Ausführung des Denkmals. Mit der Bauleitung ist der Stutt­garter Bildhauer Hipp beauftragt worden. Hipp ist der Verfertiger des Entwurfes, der in einem Wettbewerb als der beste bezeichnet wurde. Das Leipziger Richard-Wagner-Denkmal soll als Natio­naldenkmal des deutschen Volkes für seinen großen Tonschöpfer errichtet werden. Die Mittel sollen durch Sammlungen aufgebracht werden.

Wettervoraussage.

Noch immer lagert das Hochdruckgebiet mit Baro­meterständen von über 780 Milimeter über Frank­reich, um dessen Nordseite Warmluft der nördlichen Störung herumfließt und nach Deutschland gelangt. Da sich über bem Baltikum sehr kalte Luft befinbet, baut sich auch dort hoher Druck auf, so daß eine Hochdruckbrücke entsteht, die Deutschland mit in ihren Bereich nehmen wird. Obwohl infolge der zufließen­den ozeanischen Luft die Temperaturen vorerst noch über Null zu liegen kommen, und weiterhin Bewöl­kung entsteht, dürfte der Hochdruckeinfluß doch mit der Zeit weiter durchgreifen, zu Aufklaren und auch zu nächtlichem Temperaturrückgang führen.

Aussichten für Samstag: Teils bewölkt, teils aufflarenö, Temperaturen zunächst wenig ver­ändert, meist trocken.

Aussichten für Sonntag: Keine wesent­liche Aenderung der Wetterlage, doch Temperatu­ren nachts weiter zurückgehend.

Lufttemperaturen am 21. Dezember: mittags 4,7 Grad Celsius, abends 2,6 Grad; am 22. Dezember: morgens 1,9 Grad. Maximum 5,3 Grad, Minimum 1,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Dezember: abends0,7 Grad; am 22. Dezem­ber: morgens0,5 Grad Celsius. Niederschläge 0,1 mm.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Vogelsberg, Hoherodskopf: Nebel, 4 Grad, 23 Zentimeter Schnee, 5 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit im Walde sehr gut, auf der Heide Schneedecke verweht. Her -- chenhainer Höhe: Dunstig, 2 Grad, 25 Zentimeter Schnee, 10 Zentimeter Neuschnee, Pul­verschnee, Sportmöglichkeit gut. Hochwald hau- f e n : bedeckt, 1 Grad, 10 bis 15 Zentimeter Schnee, kein Neuschnee, verharscht, Sportmöglichkeit für Ski mäßig, für Rodel gut.

SaueTlanb, Winterberg. Nebel, 3 Grab, 28 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit gut.

Schwarzwalb, Feldberg: Wolkig,5 Grab, 10 Zentimeter Schnee, mit Raureif, bedeckt, Sportmöglichkeit stellenweise vorhanden.

Alpen, Garmisch-Partenkirchen: 2 Grad, 54 Zentimeter Schnee, 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee, Pappschnee, nur Ski möglich. Zu g ° spitze: stärkerer Schneefall,12 Grad, 140 Zenti­meter Schnee, 5 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, nur Ski möglich.