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22/12/1933 Drittes Blatt
 
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Keitag, 22. Dezember M3

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 500 Drittes Blatt

Weihnachten im Äorsschulhaus.

Von Emil Vaader.

Weihnachten auf dem Dorfe kann etwas Wunder- bares jein. Durch hohen Schnee waten die Menschen in der Gottesfrühe zur Christmette. Die Fenster der Dorfkirche strahlen weit hinaus in die Nacht. Die alten Weihnachtslieder klingen wie Hirten- und Engelsgesang.

Am Abend ist im überfüllten Dorswirtshaus­saal die ganze Gemeinde versammelt: Das wunder­bare Geschehnis von Bethlehem geht über die Bret­ter der Dorsbühne. Die Sternsinger treten auf im schimmernden Gewand, Gottvater erscheint im blauen, sternbesäten Mantel. Der Engel Gabriel schwebt hernieder, die weiße Lilie in Händen, zur Jungfrau Maria. Guldinsack, der Wirt zum Pal­menbaum, und sein böses Weib erscheinen. Die Hirten kommen in dicken Schafpelzen, dem Kind ihre Gaben zu brinaen: Aepfel, ein Fläschlein Wein, ein wenig Wolle,damit das Kind nit frieren tu". Die Könige aus dem Morgenland erscheinen mit goldenen Kronen: Kaspar, Melcher und Balthasar. Herodes mit seinen Trabanten tritt auf; Tod und Teufel holen unter Blitz und Donner den Böse­wicht. Und Lieder klingen auf dazwischen, daß den Menschen warm ums Herz wird. Dann erfüllt der Weihnachtsbaum mit seinem Glanz den Saal.

Im Dorfschulhau aber steht die Weihnachts­wochen über eine wundersame Stube, erfüllt von Tannenduft und niegesehenen Dingen, den Men- schen des Dorfes offen. Da hängen Weihnachtsbil­der von Hans Baldung und Albrecht Altdorfer, von Hugo van der Goes und den Brüdern Schiestl. Und Kinder und Bauern und Bäuerinnen kommen, zu schauen.

Dom Kindervolk aus, dessen Seele allen großen und schönen Dingen geöffnet ist, wird das Interesse und die Liebe für unsere großen deutschen Meister in die Häuser des Dorfes getragen. Wir lernten durch Leo Weismantels schönes Buch unseren fränkischen Meister Rudolf Schiestl kennen, der inzwischen leider bereits gestorben ist. Wir schauten und lasen Schiestls schöne BilderbücherAus der guten alten Zeit",Von Riesen und Zwergen", Abenteurer",Fröhliche Jugend". Voll Begeiste- rung luden wir den Maler in unser Dorf ein. Wie ferundlich war die Antwort, die er uns schrieb:

Aus ver Provinzialhauptstavt.

Vogelschutz im Winter.

Von Heinrich Schmidt, 1.3 rsihender des Kanarienzucht- und Vogelschutzvereins Gießen.

Täglich ergeht durch denGießener Anzeiger" an alle die Mahnung:Gedenkt der hungernden Vögel" Diese Parole bedeutet für die Vogelwelt dasselbe wie die Parole unseres großen Volkskanzlers für die Aermsten der Armen:Keiner darf in diesem Winter frieren, keiner darf hungern." Diese Mah­nung gilt aber im Winter auch besonders unserer heimischen Vogelwelt gegenüber. Vogelschutz ist Dienst am Volk. Auch für die gefiederte Welt bedeutet der Winter bittere Notzeit, besonders wenn Rauhreis Schnee und Eis den Tisch der Vogelwelt in ihren Bann schlagen. Solange der Boden von Schnee und Eis frei ist, gibt es für den stets hungrigen Magen noch allerlei an Beeren, Insektenlarven und Jnsek- teneiern und -Puppen, sowie Unkrautsamen zu fin­den und man soll nicht zu früh und wenn es noch nicht notwendig ist, zuviel füttern, damit die Vögel ihrer eigentlichen Zweckbestimmung nicht entwöhnt werden, nämlich dem Vertilgen der Schädlinge in Tier- und Pflanzenreich.

Es wäre jedoch vollständig verfehlt, wollte man die Futterstellen erst einrichten, wenn schon starker Schneefall, Rauhreif und Glatteis über Nacht die Ritzen der Stämme und damit die Nahrungsquellen der Vögel verschließen. Dann sieht man die armen Sänger'mit gesträubtem Gefieder hungrig und frie­rend umhersitzen und oft vergebens nach etwas Genießbarem Umschau halten. Anhaltende Erntbeh- rungen raffen aber in kurzer Zeit tausende unserer gefieberten Freunde dahin. Man sorge daher schon frühzeitig für geeignete Futterstellen und gewöhne die Vögel vorerst durch geringe Gütermengen an die Futterplätze. Besonders hinfällig sind sämtliche Meisenarten, die doch nun einmal zu unseren nütz­lichsten Vögeln zählen. Die körperliche Konstitution der Kleinvögel bedingt eine dauernde Nahrungs­zufuhr und das um so mehr bei Kälte, so daß schon eine Unterbrechung von 1 bis 2 Tagen da bei nur 8 Stunden Tageslicht die Nahrungsaufnahme ohnehin beschränkt ist den sicheren Tod durch Er­mattung herbeiführt. Daher können sich nur die­jenigen Vögel erhalten, denen eine Stelle bekannt ist, wo sie unabhängig vom Wetter und der Auf- merkjamkeit der Menschen etwas trockenes Futter finden.

Für unser Wirtschaftsleben, insbesondere für Forst- und Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau ist ein wirksamer Vogelschutz unbedingt notwendig, ja eine Lebensfrage, ob es gelingen wird, die alles zer­störenden Schädlinge in Schranken zu halten. Um den Lesern ein Bild von dem außerordentlichen Nutzen der schon erwähnten Meisen zu geben, er­wähne ich eine amtliche Feststellung der Biologi­schen Reichsanstalt zu Dahlem bei Berlin, wonach eine einzige Meisenfamilie deren Kinderzahl ja bekanntlich bis zu 13 Stück beträgt jährlich we­nigstens einen Zentner lebende Insekten oder ent­sprechend 120 Millionen Jnsekteneier oder 150 000 Raupen vertilgt. Ein einziges Pärchen im Obstgar­ten ist ein besserer Schutz gegen alles Ungeziefer, als alle die vielen angepriesenen chemischen Mittel. Man suche daher durch Aufhängen von Nistkästen und Nisthöhlen die gefiederte Wald- und Feldpolizei anzusiedeln.

Für die sachgemäße Durchführung eines wirk­samen Wintervogelschutzes ist die Beachtung folgen­der Winke unerläßlich:

1. W o füttere i ch ? Der Futterplatz muß völlig wettersicher sein, damit bei Schneetreiben und Rauhreif das Futter den Vögeln in bester Beschaf­fenheit und trocken an einem geschützten Orte zu­gänglich ist. Am geeignetsten für eine wettersichere Futterstelle ist ein weitüberspringendes Dach. Dort bringt man in Höhe des Dachrandes ein großes Futterbrett wagerecht an, so daß die Vögel von unten einfliegen können. Weitere geeignete Stellen sind Untersahrten, Gartenlauben, geschützte Balkons und Schuppen. Von den im Handel erhältlichen Futterkrippen sind die nach dem System des Frei­herrn v. Berlepsch erbauten empfehlenswert.

2. W ie füttere i ch ? Soll die Vogelfütterung ihren Zweck erfüllen, so muß sie täglich und regel­mäßig geschehen: denn die an einen bestimmten Futterplatz gewöhnten Vögel werden beim Fehlen

Sammlung für das WinlMsswerk erlaubt

Belt.: Sammlung von Lebensrnitteln und Geld­spenden.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß jeg- Uche Sammeltätigkeit zu unterbleiben hat. Es dürfen nur NS.-Volkswohlfahrl und die von ihr beauf­tragten Organisationen mit den amtlichen Sammel­listen sammeln.

Allen anderen Organisationen, SA., SS., t)3.» Jungvolk, Bb2H., ist das Sammeln für eigene Zwecke und Sonderveranstaltungen untersagt.

Gegen jegliche Nebertretung dieser Anordnung wird rücksichtslos vorgegangen werden.

Die Kreisleitung der NSDAP.: gez. Dr. Harth.

Kreisführung des WHW.: Klöß, Kreisführer.

Erledigung MererLandessteumülkstände.

In einem anfangs November in der Presse ver­öffentlichten Aufruf habe ich die Erwartung ausge­sprochen, daß alle Dolksgenossen, die zur Mitarbeit am Aufbau des neuen Reiches bereit find, von der durch den Erlaß der hessischen Regierung vom 19. Oktober 1933 gebotenen Möglichkeit, sich von den rückständigen Landessteuern zu befreien, Gebrauch machen werden, um eine pünktliche Entrichtung der laufenden Steuern zu erreichen. Die von dem Fi­nanzamt zu diesem Zweck ergangenen Aufforde­rungen sind nicht sämtlich beachtet worden. Ich führe dies darauf zurück, daß in der Oesfentlichkeit weitere steuerliche Ermäßigungsrnöglichkeiten durch Flüssig­machung von Steuerrückständen für die Arbeits­beschaffung erwartet wurden. Die bisher nur für Rückstände an Reichssteuern in Frage kommenden Lrlaßmöglichkeiten sind nunmehr auch unter ge­wissen Voraussetzungen auf die Landessteuerrück­stände, die vor dem 1. Januar 1933 fällig geworden

waren, ausgedehnt worden. Ich nehme deshalb noch­mals Veranlassung, auf diese sich nicht wieder­holende Möglichkeit zur Tilgung älterer Steuerrück­stände nachdrücklichst hinzuweisen. Mit geradezu bei­spiellosem Mut hat sich die neue Regierung an den Abbau des bisherigen drückenden Steuersystems her­angewagt, es muß deshalb gefordert werden, daß die Bevölkerung ihrerseits die anfallenden Steuern pünktlich entrichtet, damit die Durchführung der ge­planten Steuerreform nicht gefährdet wird.

TDer sich den steuerlichen Verpflichtungen entzieht, stellt sich damit außerhalb der Volksgemeinschaft, wer jetzt nicht diese letzte Gelegenheit ergreift, um seine Steuerrürfftänöe zu bereinigen, muß gewärtig fein, daß diese ohne einen Nachlaß von Zinsen und Kosten mit allen Mitteln von dem Finanzamt bei­getrieben werden.

Gez: Dr. Harth, Kreisleiter.

des Futters an Tagen mit starkem Rauhreif, Glatt­eis und hohem Schnee selten die Kraft aufbringen, um noch lange nach anderen Futtergelegenheiten zu suchen.

3. Was soll ich füttern? Alle Jnsekten- und Körnerfrejser bevorzugen fetthaltige Stoffe z. B. reines Fett, Talg, ungesalzenen Speck und ölhal­tige Sämereien, wie Hanf, Mohn, Sonnenblumen­kerne und Leinsamen. Rübsen wird von den meisten Vögeln wegen feines meist bitteren Geschmackes nicht gern genommen. Das Füttern der Vögel mit Brot oder Kartoffeln ist auf alle Fälle zu vermei­den, da besonders Brot leicht säuert und die meisten Vögel eingehen, wenn sie diese Futtermittel in nassem Zustande fressen. Von allen Vögeln gerne genommen und in den meisten Futterapparaten ver- oendbar ist eine Futtermischung, die annähernd zu gleichen Teilen aus Fett und gemischtem Körner- sutter besteht. Im Handel befindet sich diese Zu- fammenftellung unter dem Namen Futterküchen und Futterringe. Die Herstellung kann jeder selbst vor­nehmen. Man mische 250 Gramm ganzen Hanf, 10 Gramm gebrochenen Hafer (grobe Hafergrütze ober Haferslocken), 200 Gramm gemahlenes Brot, 100 Gramm Mohnsamen, 100 Gramm weiße Hirse, 100 Gramm getrocknete Holunberbeeren unb 200 Gramm Sonnenblumen ferne. Diese Mischung wirb mit 2% Pfund siedendem ungesalzenem Rinder- und Ham­meltalg übergossen und nach gutem Durchrühren erkalten lassen oder in handliche Formen gegossen. Die erstarrte Masse ist dann für unsere Schützlinge ein sparsames und äußerst bekömmliches Winter­futter. Mit der angegebenen Mischung kann man auch den geplünderten Weihnachtsbaum begießen und an geschützter Stelle aufstellen. Ganze Scharen von Vögeln tummeln sich dann auf dem Baume. Durch das Fett werden alle Futterstoffe gegen Ver- derben und Feuchtwerden geschützt und das Fett selbst ist als wärmeerzeugender Futterstoff den Vögeln besonders zuträglich. Die Futtermasse wird zerkleinert und in die Futterapparate, Krippen und Häuschen gebracht. Allgemein gilt für die Winter­fütterungsapparate, daß in Bezirken, wo sie zum ersten Male Verwendung finden, die Vögel durch Ausstreuen von Futter in ihrer Nähe unb auf die Apparate usw. anzulocken sinb. Billiges Streufutter, bas besonders auf dem Lande zu haben ist, bilden Dreschrückstände und Heusamen. Sichtbar hangende Speckschwarten und grüne Nadelholzzweige ziehen die Vögel ebenfalls an._________________________

Das den Vögeln gebotene Wasser muß in einem von großmaschigem Sieb überdeckten Trinkgefäß ge­reicht werden, da die Tiere sonst darin baden und durch das schnelle Gefrieren bas Wasser im Gefieber flugunfähig und dann leicht ein Opfer ihrer Feinde werden.

Ausfallende Sprechstunden.

Das Staatspresseamt teilt mit: Die Sprech­stunden des Herrn Staatsmini st ers fallen am Samstag, 23. Dezember 1933, und zwischen den Jahren aus; desgleichen die Sprechstunden sämtlicher Ministerialabteilungen in der gleichen Zeit. Oie Crbgesundheitsgerichte in Hessen.

Durch Verordnung des Hessischen Staatsministers Jung vom 18. Dezember werden in Hessen fol­gende Erbgesundheitsgerichte eingerich­tet: beim Amtsgericht in Offenbach für den Bezirk der Provinz Starkenburg, in Gießen für den Bezirk der Provinz Oberhessen und m Worms für den Bezirk der Provinz Rheinhessen. Das Erbgesundheits-Obergericht für Hessen wird beim Oberlandesgericht Darmstadt gebildet.

Winterhilfswerk!

Betr.: Fettscheine.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Gutscheine für Schweineschmalz nur bei den von den Drtsgruppenroaltern bekanntgegebenen Metzgereien eingelöst werden.

Heil Hitler!

gez. K l ö ß , Kreiswalter der NSV.

F.d.R.: gez. Mo Haupt, Kreisgeschäftsführer.

NG-DolkSwohlfahrt Gießen Süd.

Am Freitag, 22. Dezember, werden im Hotel Hop- feld (Saal) Zucker und Mehl an alle Hilfsbedürftigen ber Ortsgruppe Gießen-Süb ausgegeben, unb zwar von 1430 bis 16.30 Uhr für die Zellen 4, 5 und 6, von 16.30 bis 18.30 Uhr für die Zellen 1, 2 unb 3. Heil Hitler!

Gez.: Friedel, Ortsgruppenwalter.

EinWerhnachtsbaum in jedemHauS...

Die Ministerialabteilung für Bilbungswesen, Kul­tus, Kunst unb Volkstum hat folgenden Erlaß an die Direktionen der höheren Schulen, der gewerb­lichen Unterrichtsanstalten und an die Stadt- und Kreisschulämter gerichtet:__________________

Eure lieben Briefe, geschmückt mit so lieblichen Blümlein und zierlichen Buchstaben, haben mir und der kleinen Notburga eine so große Freude gemacht, daß ich mich am liebsten gleich in die Eisenbahn gesetzt hätte, um über Würzburg nach Eubigheim zu fahren, um Euch zu besuchen. Ihr habt mir ja so schöne Landkarten darauf gemalt, daß man gar nicht irre gehen kann, und habt mir so schön von Eurer schönen Heimat, Eurem Dorf, Euren Bergen, von wo man so schön auf Bretzingen herunterschauen kann, erzählt, daß es einem Malersmann schwer wird, es länger in der rußigen Stadt auszuhal­ten ... Ich verspreche Euch, so wie ich es machen kann, Euch im schönen Erfgrund einmal heimzu­juchen ...' . . ri .....

Durch diesen Briefwechsel war innigste Fühlung hergejtellt zwischen unserem Dorf und dem Nürn­berger Meister. Und als in den Vorweihnachts- tagen große Sendungen ankamen aus München und Nürnberg mit vielen Bildern und Büchern von Ru­dolf Schiestl, da war die Freude im Dorf groß. Und alle, die Albrecht Dürer und Hans Thoma sahen, kommen nun, Rudolf Schiestls Bilder zu schauen. Schulklassen aus Nachbarorten kommen, lernbegierige Jungbauerngruppen, die Männer vom Gejangverein füllen an einem Abend den Raum und werden des Schauens nicht müde. Und am Sonn­tag nachmittag sitzt manch einer statt beim Karten- jpiel einmal vor den Bildern seiner Heimat: Ehr­furcht vor dem Schaffen deutscher Maler steigt in ihm auf und neue Liebe zum heimischen Boden.

Und aufmerksam lauschen die Besucher, wenn ich einiges berichte vom Werdegang des Künstlers: vom alten Bildschnitzer Mathäus Schiestl, der aus dem Zillertal stammte und über Salzburg nach Würzburg kam, von den drei Brüdern Heinrich, Mathäus und Rudolf. Man einer nimmt zum Nach­lesen das schöne BüchleinDie drei Brüder Schiestl" mit, manch einer freut sich des Brögerschen Legen­denbuchsDie vierzehn Nothelfer", die unser Meister mit so schönen Holzschnitten geschmückt hat.

Und eines schönen Nachmittags um die Weih­nachtszeit, kommen die Lehrer der Umgegend in der Rudolf-Schiestl-Bilderstube zusammen. Da wird geschaut, erzählt, gesungen unb gelesen. Die weih­nachtliche Bilderstube weitet sich zur großen fränki­schen Heimat. Geschichte, Kunst und Kultur der fränkischen Landschaft lassen wir auferstehen vor uns. Wir lesen zur Weihnachtsfeier aus Büchern

unserer alten fränkischen Dichter: Wolfram und Walter, Hans Sachs und Jean Paul. Und wir gedenken der heutigen fränkischen Dichter: Wilhelm Weigand und Benno Rüttenauer, Maximilian Dauthendey und Julius Maria Becker, Leo Weis- mantel, Karl Bröger und Friedrich Schnack. Wir erzählen von unseren Sommersahrten durch unser Frankenland; von Würzburg, der Stadt Riemen­schneiders und Balthasar Neumanns; von Bamberg, der Stadt des großen deutschen Domes; von Nürn­berg der Stadt Dürers. Und dabei sind wir um­geben von Rudolf Schiestls Bauerngestalten, Hirten, Walljahrern und Bettlern, von seinen Maindörfern und Hopfenhäusern, Spargeläckern und Wallfahrts- landschasten.

Wenn der Abend sich blau über die Dächer des Dorfes senkt, dann zünden wir noch einmal in unserer Bilderstube den Weihnachtsbaum an: O ja, Weihnachten auf dem Dorf kann etwas Wunder- bares fein!

(Siner der letzten Reiter von MarS-la-Tour.

Die Zeit fordert unerbittlich ihren Tribut von uns. Der Kreis ber Veteranen von 1870/71 wird immer enger, einer nach dem anderen muß zum letzten großen Appell. Vor einigen Tagen ging durch die Presse eine kurze Meldung, daß von den Teilnehmern an dem berühmten Todesritt von Mars-la-Tour der letzte gestorben fei. Diese Mel­dung beruht auf einem Irrtum. Es leben von den alten Reitern noch mehrere. Einer von ihnen ist der Berliner Rudolf Hiemke, ein Greis im hoben Alter von 84 Jahren, aber noch gesund und rüstig, der im Haushalt seiner Enkeltochter einen gejegneten Lebensabend verbringt. Wirtschaftliche Sorgen hat er nicht, denn er war 46 Jahre lang im Dienste ber Post als Oberpostschafsner unb bezieht natürlich seine kleine aber auskömmliche Pension. Er hat auch noch gar keine Lust, in die große Armee einjutreten, denn er sei jaerst" 84 Jahre alt unb fein Großvater ist 108 Jahre alt geworden. Er hat gedient beim 1. Brandenburgifchen Ulanen- regiment Kaiser von Rußland Nr. 3, unb zwar trat er in das Regiment 1868 als Freiwilliger ein. Vier Jahre später hot er als Gefreiter seinen Abschied genommen. Sein Ulanenregiment kam gleich bei

Hiiler schasst Arbeit!

weitere bewilligte Maßnahmen im Arbeils- beschasfungsprogramm:

Tagewerk«

auf der

Maßnahme: Baustellen

Entwässerung und Kultivierung von Oed­land Gemeinde S t r e i t b e r g HOO

Acker- u. wiefendränage Gemeinde Rü­che n b a ch 1200

Acker- und Wiesendränage Gemeinde

Misselberg 300

Prosilerweiterung der Nidda und Herstel­lung der Durchstiche Gemeinde Nie- derslorstadt 13500

Bachregulierung und Wiesenmeliorationen Gemeinde Quotshausen 1200

Bachregulierung und Wiesenmeliorationen Gemeinde Breidenbach 5000

Bachregulierung und vorflutbefchassung in der Gemeinde Nieder-Mörten 1100

Es ist der Wunsch ber Reichsführung für das Winterhilfswerk, daß jedes deutsche Haus ein Weih« nachtsbäurnchen erhält. In Zusammenarbeit der Schulleitungen mit dem Nationalsozialistischen Leh- rerbunb, bem Führer des örtlichen Winterhilfswer. kes und den politischen (Bau-, Kreis- und Ortsgrup« penführern ist dafür Sorge zu tragen, daß am letz» ten Schultage vor den Weihnachtsferien die erfor­derliche Anzahl kleiner Weihnachtsbäumchen durch die Schulkinder geschmückt und den Bedürftigen ins Haus gebracht wird.

NSBO. - Kreisbetriebszellenabteilung Gießen.

Sämtliche Aufnahmen zur NSBO. von Arbeit­gebern, die Parteigenossen sind, müssen durch die zu­ständigen Kreisbetriebszellen-Abteilungen an dis Gaubetriebszellenleitung jeweils gesammelt einge­reicht werden. Die Aufnahmegebühren werden durch die Gaubetriebszellenabteilung von den einzelnen Antragstellern direkt erhoben. In jedem Falle ist die Mitgliedsnummer der NSDAP, auf bem Aufnahme» jchein anzugeben.

Aufnahme als Einzelmilglied in die Deutsche Arbeitsfront.

Es wirb nochmals darauf hingewiefen, baß ab 1. Januar 1934 eine Sperre für die gesamte Arbeits­front eintritt. Aus diesem Grunde wollen sofort die noch Außenstehenden ihre Einzelmitgliebschaft für dis Deutsche Arbeitsfront bei den zuständigen NSBO.« Stellen beantragen.

Heil Hitler!

Gez.: Wagner, Kreisbetriebszellenobmann. F.d.R.: Hahn, stellv. Kreisbetriebszellenobmann«

Ehrung der alten Parteigenossen des Führers.

In einer Generalversammlung der Gießener Ortsgruppen der NSDAP, am morgigen Samstag, 20.15 Uhr, im Cafö Leib, zu der allen Mit­gliedern das Erscheinen zur Pflicht gemacht ist, sollen die alten Mitglieder der NSDAP., die un« unterbrochen Mitglied waren unb die Mitglieds- nummer unter 100 000 haben, durch die lieber« reichung des vom Führer gestifteten Ehrenzeichens ausgezeichnet werden. Es handelt sich dabei uni fol­gende Herren: Adam Lotz, Fritz Walter, Hein­rich K 1 ö ß, Georg E r m e r t, August Horn, Heinz Horn, Hermann Stoll, Willy Wenderoth, Franz S o l d a n und Jean Bullmann, sämt­lich in Gießen, ferner Otto Keilaus Ettingshausen, Diese alte Garde des Führers im Gießener Kreis hat in den Jahren der schwersten Kämpfe der NSDAP, große Opfer aller Art für ihre (Befolg*« mannstreue gebracht und unter den Machthabei-n des früheren Systems vielfache Verfolgungen unb Schädigungen erdulden müssen. Das besonders Schwergewicht dieser leidensvollen Kampfzeit ruhte natürlich auf den Männern, die damals ganz be­sonders im Vordergrund standen, unter ihnen na-

Beginn des Krieges in die vorderste Front und stand schon am 7.August 1870 bei Forbach im Ge- fecht. Am 14., 16. und 18. August folgten bann bi« Kämpfe vor Metz, bei benen Hiemke durch einen Säbelhieb am rechten Zeigefinger verwundet wurde. Sonst hat er den Krieg gut überstanden. Er er­klärte, daß die französischen MitraiUeusen, die Ku- gelfpritzen damals schrecklich unter den deutschen Truppen aufgeräumt haben. Er hält aber das Ge­fecht von Mars-la-Tour nicht für die schwerst« Kampfhandlung, an der er beteiligt war, für sein Regiment sei das Gefecht bei Saint Privat, das zwei Tage später stattfand, viel schlimmer gewesen. Seinen Militärpaß hat die Familie sorgfältig auf­hoben. Daraus geht hervor, daß er gut ein Dutzend Gefechte mitgemacht hat. Nach den Kämpfen um Metz stand sein Regiment bei Orleans, bei L« Mans, bei Vieille im Feuer, und die jetzigen Ge­fechte, bei denen Ulanen eingesetzt wurden, fanden noch im Januar 1871 statt. Hiemke hat an allen Gefechten teilgenommen unb die Verdienstmedaille sowie das Eiserne Kreuz bekommen. Im Weltkrieg standen seine Söhne an der Front. Zu seinem 80. Geburtstag hat der alte Veteran ein Glückwunsch­schreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg er­halten.

Festschriften.

Das Weihnachtsheft desI n s e l f ch i f f 5* bringt aus der diesjährigen Produktion des Ver­lages eine Fülle wertvoller Proben deutschen und ausländischen Schrifttums aus alter und neuer Zeit. Zum Beispiel: eine Anzahl von Lutherbriefen (an Staupitz, Spalatin unb den Erzbischof Albrecht von Mainz) aus einem von Reinhard Buchwald be­sorgten neuen Auswahlband; zwei sehr schöne Ge­dichte aus dem Nachlaß von Rilke; drei Kapitel aus Carossas LebensgedenkbuchFührung und Geleit", auf das schon mehrfach an dieser Stelle hingewiesen wurde; zwei Lieder aus der berühmten Manessi­schen Handschrift; Proben aus Waggerls neuem Ro- manDas Jahr des Herrn"; Gedanken und Aus­sprüche aus dem Bismarck-Brevier der Insel- Bücherei eine flämische Geschichte aus derBun­ten Schüssel" von Timmermans, ein Gedicht von Friedrich Schnack, dessen RomanDer (Sternenbaum* jetzt in ben Familienblättern erscheint; und ein« Winterlandschaft In Prosa aus bem RomanEines Mannes Weg" von Frans Eemil Sillanpää.