Ausgabe 
22.12.1933 Drittes Blatt
 
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menttich auf Herrn Adam Lotz von hier, der von 1927 bis 1931 als Gießener Drtsgruppenleiter und zugleich als Kreisleiter de» -reise» Gießen an der Spitze der nationalsozialistischen Organisation in unserer engeren Heimat stand. Die morgige Ehrung burd) die Parteiorganisation wird diesen elf alten Mititreitern Adolf Hitlers die wohlverdiente Aner­kennung für ihre Treue zum Führer bringen.

Hiller Zungen-Kamerabschaft.

Die Pressestelle des Oberbannführers der Hiller- Lugend teilt mit:

Die Hiller-Jugend hat es sich an diesen Weih- nachten zur Pflicht gemacht, keinen ihrer Kamera­den ohne Freude beiseite stehen zu lassen. Die Eltern und die Erwachsenen überhaupt werden gebeten, den Hitler-Lungen bei dieser ihrer Aufgabe zu hel­fen und ihre Parole wahrnehmen zu laßen: Keinen Hitler-Lungen an Weihnachten ohne Freude im Kameradenkrei»!"

Chokalblasen vom Turm her Stadt- kirche am £ eiligen Abend.

Der neugeschaffene Musikzug der Gießener Hitler­jugend wird am Heiligen Abend um 16 30 Uhr vom Turm der Stadtkirche folgende Choräle zu Gehör bringen: 1. Lobt Gott ihr Christen allzugleich. 2. Dom Himmel hoch: 3. Stille Nacht und 4. O du fröhliche. Das Choralblosen wird an anderen Sonn­tagen Wiederholung finden.

Kmberbescherung beim Llnleroffizier- korps unseres Bataillons.

Am Mittwoch fand in den Räumen de» Unter­offizier-Kasinos in der Reuen Kaserne die Besche­rung der Kinder der Unteroffiziere und 10 Kmder der NS -Dolkswohlfahrt statt. Bei Kaffee und Ku- chen und herrlichen Weihnacktsliedern, gespielt von einem Teil des Musikkorps I./15, ließen es sich die Kleinen in den ausoeschmückten Räumen des Unter- offizier-Kasinos wohlgefallen. Dann kam die lieber- raschung: Der Weihnachtsmann! Für alle Kinder hatte er schöne Spielsachen und einen Geschenk- beutel mit Weihnachtsgebälk. Die Kinder der NS.- Dolkswohlfahrt erhielten außerdem je einen v-r- schloffenen Briefumschlag, der 5 Mark enthielt. Die Freude war groß!

Weihnachtsfeier im ZechtveremWaisenschuh".

Gestern nachmittag bereitete der Zweigoerein Gießen des Hessischen FechtvereinsWaisenschutz" 30 Halbwaisen aus unserer Stadt eine Weihnachts­bescherung in der Kinderkrippe des Evangelischen Schwesternhauses. Rach einer kurzen Weihnacht»- ondacht unter dem lichtergeschmückten Tannenbaum, bei der Pfarrer Ausfeld den Kindern in an­schaulicher Weise die Weihnachtsgeschichte nahe- brachte, wurden 30 Kinder zur Bescherung an den Gabentisch geführt. Jedes Kind erhielt ein Paar gute Schuhe, ferner mancherlei Weihnachtsgebäck. Die fd)ön hergerichteten Geschenkpakete wurden von den Kindern und ihren erwachsenen Begleitern mit herzlicher Dankbarkeit für denWaisenschutz" entgeaengenomme». Die Feier, der auch eine An­zahl Borstandsmitglieder des Vereins beiwohnten, offenbarte wieder die segensreiche Tätigkeit des Vereins.

W i nach en im GießenerSiadiiheale

Au» dem Stadttheatcrdüro wird uns berichtet: Dav Stadttheater hat für die Weihnachtsfeiertage einen abwechslungsreichen Spielplan aufgestellt, der den Wünschen jedes Theaterfreundes in jeher Weife gerecht wird.

Den Auftakt des Festes bildet am Sonntag, 24. Dezember, die Aufführung des lustigen Mär- chenspiels mit Gesang und lanrSchneeweißchen und Rosenrof Hermann Steuer hat für kind­liche Art des Märchcn-Bühnenzaubers eine leichte, glückliche Hand und eine gute Portion Phantasie; es fällt ihm immer etwas hübsches und überraschen- Des ein, so daß das junge Volk schon In rechter Märchenstimmung ist, ehe unser Märchenonkel Karl D o l ck das Märchen recht begonnen hat. Konzert­meister Franz K e r z i s n i k, der auch die musika­lische Leitung hat, stellte eine Märchenmusik zu­sammen, die in ihren bekannten Melodien allen Kindern geläufig ist. Hannah Spohr füllt das lustige Spiel mit hübschen Kindertänzen, die von Kindern für Kinder gedacht find. Karl Löfflers Bühnenbilder lassen die Märchenwelt entstehen, wie sie kindlichem Glauben entsprechen. Es ist eine» von jenen Weihnachtsmärchen, die den Kindern die Auaen blank und die Backen feurig machen. Und auch den Zeitverhällnissen hat die Intendanz Rech­nung getragen. Die Theaterleitung geht von dem Grundsatz aus: ,Hcdem Kind sein Weihnachtsmär­chen!". Die Preise für dos Märchen sind daher die denkbar kleinsten und zwar non 0,30 bis 1,50 Mark. Spieldauer von 15 bi« 17,30 Uhr.

Am Montag, 25 Dezember (1. Weihnachtsfeier- log) kommt um 19 Uhr die Operette:Anneliese von Dessau" von Keßler-Winterbero unter Heinrich Hub» Spielleitung zur Erstaufführung. Die Anneliese von Dessau" ist wie geschaffen für die heutige Seit; die Textfassung geschickt angelegt und voesievoll ausgestaltet. Winteroero schrieb die Mu­sik gewissenhaft, flüssig, mit modulationsreichen Ein­fällen über den Rahmen der seichten Operette hin­aus. Die Grundhaltung diese» musikalischen Lust- spiel» ist so bewußt deutsch, so entzückend gestaltet, frisch und fröhlich, daß der forsche Fürst Leopold, Der späterealte Dessauer", und seine Anneliese da» Ziel unserer Theaterbesucher fein werden, um in bester Stimmung einen unterhaltenden, gediegenen Weihnachtsabend im Theater zu verbringen. Am Dirigentenpult Kapellmeister Fritz C u f 6 , für die Einstudierung der Tänze zeichnet Hannah Spohr. Die Erstaufführung ist außer Abonnement und zu ermäßigten Operettenpreisen. Ende 22 Uhr.

Dienstag. 26. Dezember (2. Weihnachtstag), van 15 bi» 17.30 Uhr, eine Wiederholung des Weih- nachtsmärchen»Schneeweißchen und Rosenrot" tu kleinen Preisen von 0,30 bi* 1.50 Mark. 19 Uhr hat die Intendanz die letzte Wiederholung der klas­sischen OperetteWiener Blut" von Johann Strauß angesetzt. Spielleitung Paul Wrede: musikalische Leitung: Kapellmeister Fritz 6 u j * : choreogravhi- sche Leitung der großen Tanz- und Balletieinlagen: Ballettmeister Theo B ä u l k e. Kleine Preise von 0,50 bl» 2,50 Mark. Ende 21,30 Uhr.

Dottskundltche Darbietungen im Siebener Stadttbeater.

Am Samstag, 13. Januar, und Sonntag, 14. Januar, nachmittag», finden Im hiesigen otabl- thealer unter Leitung von Georg Heß (Veibqcftern) DolMimMutw Darbtet ngen ftatt Unter Mitwir­kung von Schwälmern, Schlitzern, Morburaern, Trachtenträgern au» der Rhon, Katzenbergern (Kreis Alsseld) und Hüttenbergern. Insgesamt etwa 60 bodenständige Trachtentrager, kommen im ersten I Teil der Veranstaltung Dialekt-Gedichte und «tte

Mundart und Zweisprachigkeit

Vortrag im Gau Ausland des AS-LehrerbunbeS.

Der Gau Ausland im R a t i o n a l f o z I a - liftIjchen Lehrerbund de» Kreises Gießen beschloß am Mittwoch in der neuen Pestalozzischule mit einem weiteren Vortragsabend seine Arbett im ersten Jahre» seines Bestehens. Gleichzettig wurde mtt diesem Vortrag auch der Vortragszyklus von

ttretsschulrat Or. Lenh

über bas Problem der Zweisprachigkeit beschlossen. Den Ausführungen des Redners in diesem letzten Dortrag sei folgendes entnommen:

Zweisprachigkeit sei bereits da anzutreffen, wo eine ausgesprochene Mundart auf die hochdeutsche Sprache treffe. Bei der Behandlung de» Thema» Mundart und Zweifprachigkeit" gelte es, das Pro­blem der Zweisprachigkeit innerhalb eines an sich geschlossenen Sprachgebiete» zu betrachten. Mund­art sei in den Gegenden, in denen Dialekt gespro­chen werde, Muttersprache. Dem Umstand der Zwei­sprachigkeit de» Landkindes sei von der psychologi- jchcn Seite her noch nicht genügend Rechnung ge­tragen. Es müsse in erster Linie berücksichtigt wer- den, daß das Kind in seiner Muttersprache fühle und denke. In Preußen habe man deshalb den Gedanken der Munbartpfleye schon im Jahre 1919 aufgegriffen und besonders in niederdeutschen Schu­len die plattdeutsche Mundart in den Unterricht eingefügt. Der Lehrer müsse allerdings die Mund­art beherrschen und mit ihr im Geiste verbunden (ein. Bei den In Preußen vorherrschenden Gedanken- gangen über die Pflege der Mundart werde aller­dings mehr davon ausgegangen, in der Mundart ein Mittel zu sehen, mit dem ein bestimmte» Er­ziehungsziel leichter erreicht werden solle. Psycho­logische Erwägungen stünden weniger im Vorder­grund.

Die Mundart fei dem Landkinde ureigenste» Besitztum, von dem aus sich da» Kind die Melk erobere. Jedes der Mundart fremde Wort mache das Sind stutzig und mißtrauisch. Es tausche ungern seine eigenen Worte gegen andere ein. Der Zwang ;um fremden Wort mache bas Canbfinb stumm, raube ihm die sonst so natürliche und ungehemmte Sprech­freude.

Wenn auch die deutschen Mundarten und die hochdeutsche Sprache miteinander verwandt seien, o sei eine vorhandene Zweisprachigkeit doch nicht zu leugnen. Man vergegenwärtige sich, wie schwer eine Mundart zu lernen sei. Am schwersten fei Hollän­disch zu lernen, obwohl gerade diese Sprache der deutschen am verwandtesten sei. Fremde Sprachen eien demgegenüber viel leichter zu erfassen. Da» Lernen einer fremden Sprache bedeute Mecha­nik, das Erlernen einer der Muttersprache ver­wandten Sprache aber Feinmechanik. Sprache ei mehr als Sprechen. Sprache sei Ausdruck völki- chen Gefühls, Aulturfaktor und von Vätern er­erbtes Gut. Wenn heute zum Beispiel in Elsaß ober in Südtirol die Kinder Französisch bzw. Italie­nisch lernen sollten, und zwar unter völliger Ans­chaltung der Muttersprache, so bedeute das ein großes Unrecht, weil das Recht auf Muttersprache ein natürliches und unantastbare» Recht des Menschen feit. Don einer Mundart zu einer arllremd"n Sprache führe überhaupt fein Weg. Es frage sich nun, ob bei zweisprachigen .'and- I

linbern ebensolche Störungen aufträten, wie sie bei Untersuchungen in den schulen von Wale» an Kindern festgestellt worden seien.

Da» viel beklagte verstummen der Sinder nach einigen Wochen de» ersten Schulbesuche» lasse daraus schließen, daß Hemmungen vorhanden seien, die durch die rlebersetzung der Mundart mit der hochdeutschen Sprache ausgetöft war- den seien.

Es könne sehr wohl sein, daß von dieser Art der Zweisprachigkeit ein schädlicher Einfluß ausgehe, denn die Möglichkeit, daß das Kind feine Mundart als minderwertig betrachte, sei durchaus ge­geben. Dieses Minderwertigkeitsgefühl könne im Gefolge Haven, daß das Landkino auch feine Lei­stungen für minderwertig halte.

Mundart beeinflusse naturgemäß auch die Rein­heit des hochdeutschen Ausdrucks. Die Sprache des- fen, der in der Jugend Mundart sprach, werde im­mer mundartlich gefärbt bleiben. Auf manche» Landkind wirke bei allzu plötzlicher Heranbringung des Hochdeutschen bas Hochdeutsche wie eine fremde Sprache. Diese Erscheinung trete besonders bei Kin­dern der jüngsten Jahraänge auf. Die Auswirkung dessen sei, um ein Beispiel zu gebrauchen, so, als ob sich Meltau auf einen blühenden Daum senke. Andererseits wirke die Mundart ständig befruchtend auf die hochdeutsche Sprache.

In den ersten Schuljahren solle die Mundart ins­besondere beim Sprechen gepflegt werden. Dabei dürfte die Mundart nicht etwa nur als ge­duldet gelten. Das Rechtschreiben werde unter diesem Umstand naturgemäß zunächst leiden. Später aber vollziehe sich die Uebersetzung um so leichter, da ja bas Kind bann auf bem festen Urgrund seiner Muttersprache aufbauen könne.

Das Gefühlsleben des Kindes auf dem Lande fei mit der Mundart auf bas innigste verbunden; weni­ger die Intelligenz.

Das mundartliche Gedicht finde schnell ;um Herzen des Kindes, der mundartsprechende Lehrer gewinne die Kinder Im Fluge für sich, weil sich alle» geistige Sein und Leben auf die Heimatsprache und den Heimatboden gründe. Unmittelbare Erlebniswerte fänden immer in der Mundart ihren charakteristischen Ausdruck. Dabei empfinde das Kind stärker und reiner als der er­wachsene Mensch. Die Trennung des Gefühls und des Intellekts in der Sprache fei völlig klar. Das Volk fei allein in feiner Mundart schöpferisch. Die plötzliche Herantragung des Hochdeutschen an die Mundart lasse Störungen unvermeidlich werden; dabei werde die neue Sprache nie ganz begriffen. Eine Ueberleitung dürfe nur allmählich geschehen, wenn das quicklebende Wesen im Kinde nicht stumpf gemacht werden solle.

Mundart und hochdeutsch mühten sich In logi- scher Folge ergänzen, wenn dem Kinde die volle Kraft und die unbeschränkte Fähigkeit de» Aus­drucks erhalten bleiben solle. (tiebh. Beifall.) Der Vortrag löste eine reae Aussprache aus, in der insbesondere praktische Erfahrungen ausgetauscht wurden, die In ihrer Gesamtheit die Ausführungen des Redners beftätiaten. Mit den heften Wünschen für das Weihnachtsfest und für die Arbeit im kom­menden Jahre schloß Kreisschulrat Dr. Henß den interessanten Abend.

Spinnstubenlieder zum Vortrag, außerdem gelan- en die für die einzelnen Trachtenträger typischen Volkstänze zur Ausführung. Der zweite Teil der Veranstaltung zeigt drei Bilder aus der Zeit vor, während und nach der Spinnstube. Die ganze Gruppe geht am folgenden Montag weiter an bas Lanbestheater Darmftabt. Ferner werben in den darauf folgenden Tagen die Städte Maitzz, Worms und Frankfurt a. M. besucht.

Verwa'.lungsstreilsachen vor fern P.ovinz a ausschuß.

3n der öffentlichen Sitzung des Provinzialaus» chuffes der Provinz Oderhesfen am vorigen Sams­tag kamen folgende Derwaltungsstreitsachen zur Derhandung:

Eine Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Afchaf- fendurg-Stabt gegen ben ßanbesfürforgeoerbanb Hessen, vertreten durch ben Bezirksfürforgeverbanb des Kreises Friedberg, auf Erstattung von Fürsorge- aufroenbungen für Arthur Eichenbaum, aus Reut­lingen, würbe als unbegrünbet kostenpflichtig zu­rückgewiesen.

Die Klage bes Bezirkssürsorgeverbanbes bes Landkreise» Wetzlar, vertreten burd) ben Bürger­meister in Wetzlar, gegen ben Bezirksfürsorgever- banb bes Kreise» Friedberg wegen Erstattung von Krankenhauskosten für ben Melker Friebrich Lück au» Gronau, wurde ebenfalls kostenpflichtig zurück­gewiesen.

Der Landesfürsorgeverband Hessen, vertreten durch ben Bezirksfürsorgeoerbanb bes Kreises Friel), berg, würbe auf Grund einer von bem Bezirks- fürforgeoerbanb ber Stabt Gießen anhängig ge­machten Klage verurteilt, an ben Kläger 709,89 Mark nebst 6 Prozent Verzugszinsen seit 14. Juli 1932 als Ersatz von Fürsorgeauswenbungen für Hermann (Berner aus Diebach zu bezahlen

Vorsicht mit Weihnachtsbaumen.

Die Hessische Branboersicherungsanstalt empfiehlt, bei ber Aufstellung von Weihnachtsbäumen Vor­sicht walten zu lassen, da sonst leichi Brände ent­stehen können, und gibt für die Behandlung ber Weihnachlsbäume einige wichtige Richttinien:

1. Der Weihnachtsbaum soll einen schweren, festen Fuß haben, in dem ber Stamm bes Baume» ord­nungsgemäß und sicher befestigt sein muß, damit ein Umfallen verhütet wird.

2. Man vermeide Unterlagen au» Teppichen, Tüchern und Papier.

3. Man stelle ben Weihnachtsbaum frei Im Zlm- iner auf, von Gardinen und Vorhängen soweit ent­fernt, daß Zuglust sie den Kerzen nicht nahebringen kann.

4. Die Kerzen müssen haltbar befestigt fein.

5. Man vermeide möglichst jeden Papier- und Zelluloidschmuck. Lus keinen Fall darf solcher «chmuck in der Nähe einer Kerze oder gar darüber angebracht werden.

S. Auf die Verwendung der sog. Wunderkerzen, die durchaus nicht so ungefährlich sind, wie getagt wirb, verzichte man lieber.

7. Die Kerzen be» Baume» zünde man m ber Reihenfolge von oben nach unten an. da man um- gekehrt seine Kleider und sich selber In Feuersge- fahr bringen kann.

Äelämp ung der schädlichen Nagetiere

Von der Lanbesbauernschast Hessen-Nassau, Haupt- abteilung II (Bauernkammer), J^aupt (teile für Pflanzenschutz in Gießen, wird uns ge­schrieben:

Jetzt ist die beste Zeit für die Bekämpfung der schädlichen Nagetiere, besonders der Ratten, Kanin- chen und Mäuse. Gegen die Feldmäuseplage, die in diesem Jahre fast überall groß ist, wird mit großem Erfolge Giftgetreide anaewendet. Dabei muh aber so verfahren werden, daß keine Vögel Schaden neh­men. Die Gistkörner müssen deshalb möglichst tief in die Mäuselöcher gebracht werben. Dies ist mit ben Legeröhren ober sog. Legeflinten leicht mögl.ch. Die mit Gift belegten Löcher müssen offen bleiben und find keinesfalls zuzutreten. Zugetretene Löcher wer­den nämlich von den Mäusen wieder aufgegraben, die dabei die Gistkörner mit herauswühlen, fo daß sie bann für die Vögel zugänglich herumliegen. Völ­lig unzulässig ist es, das Gift breitroürfig auszu­streuen. Will man für die Mäuse Futterplätze mit Giftgetreide anlegen, so muß dafür gesorgt werden, bah bie Gistkörner gut verdeckt und für die Vögel unzugänglich bleiben. Deshalb sind bie Körner in die Dränröhren, die man dazu benutzt, hinreichend tief hineinzuschieben. Wo Fasanen vorhanden find, muh bas häufig übliche Ueberdecken ber Dränröhren mit Stroh unterbleiben, ba die Vögel sonst tum Schar­ren im Stroh veranlaßt werben, wobei es häufig zum Verschieben der Röhren und zum Verstreuen bes Giftes kommt.

Im übrigen ist burch Einrichten besonderer Vogel- futterplätze der Vogelwelt über die Tage ber Rot hinwegzuhelfen. Jetzt ist es auch Zeit, bie Pflan­zenschutzgeräte zum Verspritzen und Verstauben ber Bekämpfungsmittel in Ordnung zu bringen, damit sie während bes Winters keinen Schaden leiben und im Frühjahr gebrauchsfertig sind.

Auf folgend« Flug- und Merkblätter, die jetzt be­sonders zeitgemäß sind, wird hingewiesen:

Merkblatt 3: Mittel zur Bekämpfung schädlicher Nagetiere, Merkblatt 4: Auskunftsstellen des Deut­schen Pflanzenschutzbienstes. Flugblatt 7: Kaninchen- plage. 13: Mäuseplagc; 66: Rattenplage; 67. Vogel­schutz 64: Bisamratte und Flugblatt 89: Spriß- und ötäubgeräte für ben Pflanzenschutz. Preis ber Flug- und Merkblätter je Nummer 5 Pf. portofrei; Bezug durch bie Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Haupt­abteilung II. Hauptstelle für Pflanzenschutz in G i e - h m, Postscheckkonto in Frankfurt a. M. Nr. 372 59.

Bananen« oder Ap elw nter?

Von der Landesbauernschaft Hessen- Nassau, Hauptabteilung II, erhalten wir folgende Zuschrift:

Jede Hausfrau hat ihre Sorgen. E» sind meist immer dieselben Sorgen, nämlich die Frage, wie ernähre ich meine Familie gesund, ausreichend und billig Der Winter bringt zu den täglichen Sorgen noch die Frage mit, wie Mann und Kinder am ge­sündesten und billigsten mit vitaminreichem Obst er­nährt werden können. Bananen? Apfelsinen ober Datteln?

Rein, liebe Hauslrau, daran denkst du heute allein nicht, denn du weißt, baß c» auch während der öintermonate genügenb deuttche» Obst gibt. Uebrigen» sind gerade in der letzten Zett verschie­dene versuche angeftellt worden, deren Ergebnis

26, ihren

Hum Notar ernannt. Durch ben Herrn Reichsstatthalter in Hessen wurde auf Vorschlag ber hest.schen Regierung ber Rechtsanwalt Wilhelm Lulcy zu Gießen unter Berufung in da» Beam- tenoerhäitnis mit Wirkung vom 1. Dezember 1933

war, daß man bei bem Kauf beutfchen Obste» wett besser fährt als bei bem Kauf oft noch teurer aus- länbifcher Südfrüchte. So ist B. in 1 Kilogramm Bananen nur 0,58 Kilogramm ber Masse genußfähig, während bei einem deutschen Apfel man hat bie SorteSchöner von Boskoop" zum vergleich herangezogen 92 v. H. bes ® e wichts z u genießen sinb. Da der Nährwert beider Fruchtarten annähernd gleich ist, nimmt man Sanz offensichtlich beim Genuß eines deutschen

pfels weit mehr Nährstoffe auf. Auch an diäti­schen Stoffen, z. B. an Fruchtsäure, ist der Apfel reicher als die Banane. Dadurch ist der Apfel für ben Körper viel gesünder al» bie mehlige Südfrucht. Auch ist zu berücksichtigen, baß bie Bananen in un­reifem Zustand vom Erzeugerland verschickt werden und erst auf der Reise eine mangelhafte künstliche Reife durchmachen, was den gesundheitlichen Wert beeinträchtigt.

Bedenkt man schließlich, daß der Preis für die gleiche Handelsmenge beim deutschen Apfel wesent­lich geringer ist als bei der ausländischen Banane, bann versteht man nicht, warum eigentlich die Haus­frauen bie Frage: beutsches Obst ober auslänbisches Obst, überhaupt aufwersen. Sie ist heute für bie kluge Hausfrau l ä n g ft entschieden, bie Ant­wort lautet:

Auch im Winker nur deutsche» Obst!

Daten für Arcitast, 22.Dezember.

1848: ber Sprachforscher Ulrich v. Wilamowltz- Moellenbors in Markowitz in Posen geboren; 1915: General Otto v. Emmich in Hannover gestor­ben (geboren 1848); 1917: Beginn ber Friedens- verhanblungen in Brest-Litowsk.

Bornottzcn.

Tageskalender für Freitag. L.cht- spielhaus, Bahnhofstraße:Der Sieg bes Glaubens. Turmhaus am Brand: 16 bis 18.30 Uhr, Kunst­ausstellung. DHD.: 15 bi» 19.J) Uhr, Heim, Louy- straße 18, GesundheitsschauKamps der Krankheit".

Eine Generaimitgliederoersamm- (und ber Gießener Ortsgruppen ber NSDAP, finbet am morgigen Samstag, 20.15 Uhr, im Cafö Leib statt. Sämtlichen Mitgliedern wirb das Erscheinen zur Pflicht gemacht.

zum Notar mit bem Amtssitz in Gießen als Nach- folger des Notars Justizrat Dr. Rosenberg ernannt

" Eine Achtzigjährige. Am heutigen Freitag begeht die Sozialrentnerin Frau Gertrude Velten, geb. Moritz, Löberstraße

80. Geburtstag In voller geistiger und körperlicher

Gesundheit.

"Heute Ausfall der Vorstellung Im Stadttheaterk Aus dem otoöfthraterbüro wirb uns geschrieben: Die für heute, 20 Uhr, angesetzte 12. Vorstellung im Freitag-AbonnementU-Boot 116 muß wegen Erkrankung im Personal ausfallen.

" Den Straßenbahnoerkehr nach dem Neuen Friedhof in ber Weihnachtszeit und an Neujahr betrifft eine Bekanntmachung der Etraßcnbahnbirektion in unserem heutigen Anzei­genteil, die ber Ausmerksamkeit unserer tiefer empfohlen fct.

" Da» städtische Dolksbad ist an den beiden kommenden Samstagen di» 21 Uhr geöffnet. Man beachte die heutige Anzeige.

Die Amtsräume de» Hauptzoll- amtsGießen, Liebigstraße 8, sinb am Sonntag, 24 Dezember, von 10 bis 12 Uhr und am Montag, 1. Feiertag, von 11 bis 12 Uhr zur Abfertigung von aus dem Ausland eingegangenen Weihnachtspost- fendungen geöffnet

Ehrt ft vesper in ber Johannes- kl r ch e. Der Gottesdienst, der am Heiligen Abend um 17 Uhr in der Johanneskirche ftattfinbet, ist als Christvesper gedacht und wird musikalisch^ und gesanglich ausgestaltet werden. E» wirkest mit Fräu­lein von ber j) e t) b t, die bie ArieSüßer Trost, mein Jesus kömmt" aus der Kantate Nr. 151 von Bach singt, ferner Herr Obermufifmeifter Krauße mit (IdlODorträgen, außerdem der Kirchengesang- verein, die Chorschule ber Johanneskirche und ein Frauenchor.

"ArbeitsjudilSen bei Rinn ft C l o o ». Bei ber Firma Rinn ft Eloos A -G , Heuchel­heim, wurden in diesen lagen wieder 33 Arbeiter und Angestellten, die auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblickcn konnten, geehrt. In besonderen An­sprachen vor versammelter Belegschaft wurde den Acbettsjubilaren Dank und Anerkennung für die ge« leisteten Dienste ausgesprochen und jedem einzelnen eine Ehrenurkunde, nebst einem namhaften Geld­geschenk überreicht

I^eickSstatthatter Sprenger beim Vinterh.lfswerk Darmffabt.

WSN. Darmstadt, 21. Dez. Der Reichsstatt­halter in Hessen Gauleiter Sprenger besichtigte heute in Begleitung bes WHW -Gauführers Bürger­meister Haug einige Einrichtungen bes Winker« hilfswerkes in Darmftabt Bei ber Orts­gruppe 2 Bedungen war man gerade bet der Ausgabe ber Lebensmittelpakete. Nach kurzen Begrünungs- worten bes WHW.-Gauführers Haug an den f)ewn Rcichs'kattbalter und bem Bekenntnis, baß stch die große Opferbereitfchaft ber ganzen Bevöl­kerung im Winterhilfwerk erfreulich widerspiegele, erkannte der Herr R e i d? 5 ft a 11 b a 11 e r da» Ge- leistete an und wie» daraus hin, baß die Arbeit nicht Nachlaßen dürfe. Rach bem Willen des Führer» solle in diesem Winter in Deutschland keiner hun­gern und frieren. Trotz noch so guter Organisation gebe es immer noch verschämte Arme, bie übersehen werden könnten. Auch sie müßten ersaßt werden. In diesem Winter dürfe bie Arbeitskraft der noch arbeitslosen Volksqeno'sen nicht erliegen, sondern es gelte sie für den kommenden großen An- griff gegen bie Arbeitslosigkeit im Frühjahr des nächsten Jahre» zu erhallen. Rach einer Besicht!- gung der Geschäftsstellen der Ortsgruppe 7 Llexan- derfkraße und ber neuen Räume der Kreisoerwak- tung des WHW. ging es zu der Küche 1 des WHW. m der Mackensen-Straße, die täglich 350 Mittag­essen verabreicht Insgesamt liefern bie fünf Darm­städter WHW -Küchen im Dezember 26 000 Portio- nen an hilfsbedürftige Einzelesser. Sehr aufschluß­reich war auch ein Besuch in der Kleiberstelle, in ber wirklich erfolgreiche Arbeit geleistet wirb; ee war überraschend, zu sehen, wie aus ben abgelteferten Brocken" hübsche und brauchbare Kleidungsstücke für Groß und Klein erstehen. Insgesamt ein erfreu­licher Einblick in die hervorragende Organisation und Arbeit des WHW. in Darmftabt unter Leitung des (Bauführers Pg. Haug, den bie Bevölkerung willig und opferbereit unterstützt.