Ausgabe 
22.11.1933 Erstes Blatt
 
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lich. Die jung st e Lage in Genf lass« sich etwa wie folgt darlegen:

Sir Zahn Simon habe an einer Reihe von Betreuungen mit Henderson und mit den führenden Delegierten der übrigen in Gens vertretenen Staaten teilgenommen, Bespre­chungen, die durchaus freundschaftlichen Cha­rakter getragen hätten und als nützlich )U bezeichnen seien, heule sei er aus Genf zurück- gekehrt. Er habe berichtet, bafo man in Genf entschlossen sei, die Probleme durch Gemein­schaftsarbeit zu lösen. Cs bestehe keine 21 b - sicht, das Werk der Abrüstung schei­tern zu lassen, doch sei die Ansicht weit verbreitet, daß man neben den Arbeiten in Genf Bemühungen a u f diplomati­schem Wege unternehmen müsse, um die Ar­beiten der Abrüstungskonferenz wirksam zu un­terstützen. Sir John S i m o n , fo erklärte 2Hac- donald als Erwiderung auf gewisse Zeilungs- polemifen dann, vertrete in Genf das gesamte britische Kabinett. Die bri­tische Regierung hoffe, dah Deutschland an dem Meinungsaustausch über die schweben­den Probleme sich beteiligen werde, und dah Frankreich und Italien die Be­mühungen fortsehen werden, diewir zu­sammen so einmütig unternommen haben und auch weiterhin unternehmen werden, um die Konferenz zu guten Ergebnissen zu führen." In allen diesen Fragen werde man mit den Vereinigten Staaten in enger Füh­lung bleiben. Wo es einen Willen gäbe, da gäbe es auch einen Weg, die britische Regierung habe bestimmt den Willen, der Abrüstungskonferenz frurn Erfolge zu verhelfen. Sie werde keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um einen Weg zu finden und ihn bis zum erfolgreichen Ende zu verfolgen. Zum Austritt Deutschlands aus der Ab­rüstungskonferenz erklärte der Ministerpräsident u. a.: Die deutsche Politik habe zweifellos das Werk von Genf nachteilig berührt. Dah die Konferenz roeitergefiifjrt werden müsse, habe niemals in Frage gestanden. Der einzige Zweifel habe darüber be­standen, welches das bestgeeignete Verfahren sei.

Heftige Ausfälle Ehmchüls gegen Berlin und Rom.

Biermächtcpakt und Völtcrbuno.

Churchill nannte Macdonalds Leitung der auswärtigen Angelegenheiten als Haupt der sozia­listischen ebenso wie als Haupt der nationalen Re­gierung vom Unglück begleitet. Das Lausanner Abkommen sei ein sehr großer Fehler gewesen, weil.es Deutschland von seinen Zahlungen befreite, ohne England irgendeinen Vorteil vor den anderen Ländern zu bringen. Der Gedanke, daß der Abrüstungskonventionsentwurf imstande fei, Frankreich und Deutschland auszusöhnen, sei lächer­lich. Der Plan mache Deutschland und Ita­lien zahlenmäßig ft ä r f e r als Frankreich und ft öre Das bestehende europäische Gleich­gewicht. Die Abrüstungskonferenz sei eine Ge­fährdung des Friedens von Europa gewesen und habe auch den Völkerbund selbst in schwere Gefahr gebracht. Wenn die Abgeordneten während der kommenden Wochen die Handlungen Italiens genau verfolgen würden, fo würden sie sehen, daß ein neuer Mittelpunkt geschaffen fei, der bei weiterer Entwicklung den Völkerbund ungeheuer schwächen werde. Der Gedanke des Viermächte­paktes sei ein Rivale für den Völker­bund. Es würde ein großes Unglück fein, den Völkerbund dadurch zu schwächen, daß man ihn dazu veranlaßt, Dinge zu unternehmen, die er nicht ausführen könnte, und dadurch, daß verschiedene Großmächte streben, sich von dem Völkerbund los­zulösen und lebenswichtige Angelegenheiten Euro­pas durch andere Stellen zu erledigen.

Starke Aufmerksamkeit zog bei der Eröffnung des Unterhauses die Ueberfieblung der 30 6a« muel-ßiberalen auf d i e Dppofitions» b ä n l e auf sich. Nur ein oder zwei Mitglieder der Samuelfraktion verblieben auf den Regierungs­bänken

Der liberale Führer, Sir Herbert Samuel, begründete den Uebcrgang feiner Fraktion zur Opposition. Zur Mbrüftungsfrage erklärte er, er be­grüße die Mitteilung, daß die Abrüftungsbemühnn- gen fortgesetzt werden sollen.

(Separatismus in China.

Die Provinz Fukien erklärt ihre Nnab- hänsiiftkeit von Nanking.

London, 21. Roo. (WTB.) General Tsai- tingkai, der Befehlshaber der 19. Armee, hat die Unabhängigkeit der s ü d ch i n e f i f ch e n Provinz Fukien verkündet. Infolge des Aus- bleibens von Geldern für feine Armee fei er genö­tigt, die Einnahmen der Provinz und die Zweigstelle der Zentralbank zu übernehmen. General Ifaitingfai hat sich im Januar und Februar des vergangenen Jahres einen Namen durch feine heldenmütige Ver­teidigung Schanghais gegen die Japaner ge­macht. Die neue Bewegung soll im schärfsten Gegen- faß zu Kuomintang stehen. Ihr Programm soll für China eine völlige Zollautonomie fordern. Ferner soll sie für eine Abschaffung der u n gleichen Verträge mit den westlichen Mächten sowie für Streikrecht, Religionsfreiheit, Verstaatli­chung des Bodens, der Forsten und der Bergwerke und für eine Aufrechterhaltung des Widerstandes gegen Japan eintreten. Die Aufständischen sollen in Amok; zwei Bataillone Seesoldaten entwaffnet und sich des Telegraphenamtes und der drahtlosen Sta­tion in Futschau bemächtigt haben

Die Unabhängigkeitserklärung der Provinz Fukien wurde durch die Bildung einer unabhängi­gen Regierung bekräftigt. Zum Außenminister wurde der frühere Außenminister der Rankingregie- rung, Dr. Eugen 11 di e n , ernannt. Die Nanking- reglerung bereitet scharfe Maßnahmen gegen die ab­trünnige Provinz vor.

Gynen wird selbständig.

Paris, 21. Noo. (WTB.) Zwischen Frankreich und Syrien ist heute ein Vertrag unterzeichnet worden, der die Aufhebung des franzö. ischen Mandates über ©nrien und Selb- tändigmachung Snriens in ähnliche! Form wie »er vor einem Jahre abgeschlossene Vertrag Eng­lands mit dem Irak vorsieht. Der Vertrag sieht eine vierjährige Uebcrgangsperiobe vor, während die zukünftigen Beziehungen zwifchen Syrien und Frankreich im einzelnen geregelt werder sollen. Dem Vertrag sind zwei Protokolle beigegeben, bie

Gleich zu Beginn der Sitjung trieben Die syrischen Nationalsozialisten heftige O b ft r u k Hon so daß inmitten eines großen Tumults der Präsident die Sitzung aufheben mußte. Der Oberkommifsar ür Syrien hatte das Parlament vor einer intram iaenten Haltung gewarnt und gedroht, daß dadurch »ie Aufhebung des Mandats nur erichwert würde.

ein Militärabkommen, ein Gerichtsabkommen, Fi­nanzabmachungen und ein Abkommen über das Statut der französischen Beamten in ©grien Dor- sehen. Im syrischen Parlament sollte heute früh die Aussprache über den Vertrag beginnen.

Der Sitzung trieben die syrischen heftige Obstruktion, so

Gegen den Mißbrauch Der Hitlerjugend

Berlin, 22. Roo. (TU.) wie dervölkische Be­obachter meldet, gibt Der Reich sjugendfüh- r e r des Deutschen Reiches, BalDur von Schi - rach, folgendes bekannt: In letzter Zeit wird aus allen Teilen des Reiches ein erheblicher Mißbrauch der hi 11 er-3ugenö, des Jungvolks und des BdM. zu Sammel- zwecken gemeldet. Ich untersage hiermit den mir unterstellten Jugendverbänden ausdrücklich jede Sammeltätigkeit nach 21 Uhr, insbeson­dere Sammlungen in Lichtspieltheatern und Ver­sammlungen. Ausnahmen bedürfen in jedem Fall meiner vorherigen Genehmigung. Die HJ.-Führer haben Darüber hinaus Sorge zu tragen, dah die HI. nicht zu Veranstaltungen anderer Dien st st eilen herangezogen wird, wenn diese bis in die Rächt hinein dauern. Zahl- reiche Stichproben haben ergeben, daß Jugendliche

Durch andere Organisationen überGe- bühr herangezogen würben, wodurch hier und da Ueberanffrengangen entstanden. Der HI.-Führer trägt öle Berantroor- tung für bie Gesundheit seiner Kame­raden. Lr soll die ihm anoertraute Jugend nicht verweichlichen, aber er Hot die Pflicht, olles ob­zulehnen und zu unterlagen, was seine Kameraden gesundheitlich schädigen könnte.

öu Amtseinführung Des Reichsbischofs.

Einführungsfcieram erftcnAdventsonntag im Berliner Tom.

Berlin, 21. Nov (CNB.) Die feierliche (Ein­führung des Reichsbischofes in (ein hohes Amt, ist, wie Der Evangelische Pressedienst erfährt, endgültig aus den er st en Adventsonntag, Den 3. Dezember, festgesetzt worden. Die Feier fin­det im Berliner Dorn statt. Die Führer der Landeskirchen aus Dem ganzen Reich, Repräsen­tanten Des ganzen Reiches und Der Länder, hohe Gäste aus dem Auslande und Vertreter des evan­gelischen Auslandsdeutschtums nehmen an b?m feier­lichen Akt teil. Es ist geplant, den Reichsbischof durch ein bischöfliches Geleit von der Siegesallee durch das Brandenburger Tor über die Linden zum Schloß zu führen. Dort wird ihn die übrige Geistlichkeit empfangen und z n m Dom geleiten. Abordnungen der kirchlichen und politischen Verbände werden nach der Anord­nung der Landesstelle Berlin des Reichspropaganda­ministeriums Spalier bilden. Die Feier wird vom Rundfunk übernommen.

Weiterhin günstige Entwicklung der Arbeitsmarktlage im Reich.

Besondere Festigkeit der industriellen Bezirke.

Berlin, 21. Nov. (TU.) Nach dem Bericht Der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung unb Arbeits­losenversicherung brachten, wieregelmäßigum Diese Jahreszeit in Der ersten Hälfte Des November Zugänge aus Saisonberusen ein gerin­ges Anwachsen Der Arbeitslosenzahl. Mitte November rourDen 3 776 000 Arbeitslose bei Den Arbeitsämtern gezählt, gegen 3 745 600 zu Be­ginn Des Monats. Der Zuwachs um runD 31 000 ist im Vergleich zu Den Vorjahren, Die für Den gleichen Zeitraum 156 000 für 1932, 220 000 bzw. 232 000 für 1931 unD 1930 aufzuweisen hatten, wenig be« Dcutfam. Die Entwicklung war bezirklich verschieben.

Für Die innere Festigung Des Arbeitsmarkts spricht neben Der in Vergleich jum Vorjahr sehr ge­ringen Zunahme Der Arbeitslosen Die Tatsache, Daß Westfalen unD Schlesien noch einen Rückgang Der Arbeitslosigkeit be­richten konnten, unD Daß die Zunahme Inoden mehr industriellen unD für Den winterlichen Ar­beitsmarkt beDeutfameren Bezirken, wie Sach- | e n mit plus 0,2 und Rheinland mit plus 0,9 v.h. ganz geringfügig geblieben ist.

Bon Den Arbeitslosen erhielten Arbeitslosenunter­stützung 328 000 (plus 11000), Krisenunterstützung 1 063 000 (minus 9000). Der BestanD an anerkann­ten Wohlfahrtserwerbslosen wirD zum Stichtag Monatsmitte nicht ausgezählt. Die Zahl Der N o t st a n D s a r b e i t e r, Die bei Den mit Mitteln Der Reichsanstalt geförDerten Arbeiten beschäftigt sinh, betrug zu Beginn Des Monats 314 500 unD Dürfte inzwischen weitergestiegen sein; sie hat sich gegenüber Dem Vorjahr Durch Das tatkräftige Vorgehen Der Reichsanftalt beinahe vervierfacht.

Die jetzt vorliegenDen Zahlen Der Kranken- kaffenmltglieDer-Statiftik über Die Ent­wicklung im Monat Oktober zeigt bei einem Be­stanD von über 14 Millionen Beschäftigten am 31. Oktober 1933 eine weitere Zunahme um 1 4 1 3 6 0. Auch hier ist es für Die Erkenntnis Der hinter Der Arbeitsmarktentwicklung stehenDen Kräfte

beDeutfam, daß bie industriellen Bezirke Die ftärfften Zunahmen an Beschäftig- t e n aufzuweifen haben, fo in runDen Zahlen: MittelDeutschlanD plus 28 900, RheinlanD plus 21000, Schlesien plus 19 500, Sachsen plus 15 000 unD Westfalen plus 12 000. Demgegenüber hat Ost­preußen einen leichten Rückgang Der Beschäftigten­zahl um runD 3900.

Die Ergebnisse Dieser ganz unabhängig von Den Arbeitsämtern geführten Beschäftigungsstatiftik Der Reichsanftalt b e ft ä t i g e n Die aus Der Arbeitslosenstatiftik abzulesenden Erfolge Des ersten Abschnitts der Arbeitsschlacht in o olle m 2TI a fo e; sie lassen sogar Diesen Er­folg noch größer erscheinen, Denn währenD vom Höhepunkt Der Arbeitslosigkeit bis zum 31. Oktober Die Zahl Der bei Den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen um runD 2 256 000 zurückgegangen Ist, hat vom Tiefpunkt der Be­schäftigung bis zum 31. Oktober Die Beschäftigten­zahl darüber hinaus sogar um 319 000 mehr zugenommen.

Es ist Darauf hinzuweisen, Daß Die Zahl Der Wohlfahrtserwerbslosen nur einmal im Monat von Den GemeinDen abgerechnet wird Wer im Laufe des Monats Arbeit erhält, scheidet also erst Ende Des Monats aus Der Statistik aus. Es hat sich bereits in Den letzten Monaten gezeigt, Daß zwar in Den Berichten Der Reichsan­ftalt, Die Mitte Des Monats ausgegeben wer­den, eine geringe Zunahme Der Erwerbslosen festgestellt wurDe, Daß aber Dem am EnDe Des Monats stets eine erhebliche Abnahme Der Erwerbslosenzahl gegenüberftanh. So wurDe Mitte Oktober eine Zunahme von 1500 Arbeitslosen aus­gewiesen, währenD am Schluß Des Monats Oktober sich eine Abnahme um runD runD 120 000 zeigte. Es ist also Damit zu rechnen, Daß auch EnDe No­vember wieDer eine Abnahme Der Erwerbs­losenzahl festgestellt werben wirD.

Gegen eine Verstaallichnng des Bankwesens.

6ine Aussprache im Untersuchungsausschuß für dos Bankwesen.

Berlin, 21. Noo. Der Untersuchungsausschuß für Das Bankwesen trat zu feiner ersten öffentlichen Sitzung zusammen. ReichsbankpräsiDent D r. Schacht wies Darauf hin. Daß wir in einem Wirtschaftssystem leben, das nicht nur auf Theo­rien aufgebaut, sonDern historisch entftanben fei unD eine große TraDition in sich schließe. Das K a p i - t a l als solches spiele in jeDer Wirtschaft eine Rolle, eine ganz befonbers große BeDeutung falle ihm aber in einer fo komplizierten Wirtschaft wie Der unfrigen zu. Das Leihkapital fei etwas an s i ch nützliches, Diejenigen Die sich mit Der Ver­mittlung unD Beschaffung dieses Leih­kapitals befassen, nämlich hie Banken, bildeten eine nützliche und volkswirtschaftliche Einrichtung. Dr. Schacht hob sodann den Unterschied zwischen den Begriffen Geld unbKa- pital hervor. Durch Vermehrung Des Geldes könne nicht auch das Kapital vermehrt werden. Kapital könne nur erarbeitet und erspart werden. Wenn man Kapitalgüter ausleihe, fo könne man nicht ohne ein gewisses Vertrauen in Der Wirtschaft auskommen. Der Wiederaufbau des Ver­trauens fei Daher als eine Der wichtigsten Forbe- rungen zu betrachten. Die Moral Des Schuld­ners fei in den letzten Jahren hier und da min­destens ebenso angreifbar gewesen, rote Die Moral des Gläubigers. Die ge­setzlichen Gundlagen für die Gläubiger- und Schuld­ner-Moral müßten wiederhergestellt werden. Man habe viel davon gestochen, daß eine Verstaat- lidjung des Bankwesens Platz greifen müsse und daß dadurch bie Fehler, bie im Privat- banksystem entstauben seien, genünbert werben könn­ten. Deshalb werbe an bie Spitze Der Erörterungen Die Frage Der Verstaatlichung Des Bankwesens ge­stellt.

Dr. Schacht richtete sobann in biefem Zusammen­hang eine Reihe von Fragen an Professor Dr. Hermann Bente von ber Universität Kiel. Pro­fessor Bente wies barauf hin, baß bas 93 er- trauen z u ben Sparkassen in weiten I Schichten ber Bevölkerung so außerorbentlich groß gewesen fei, daß man Die Frage ob ein float- li d)e s Institut größeres Vertrauen als eine private Bank finde, bejahen könne. Bisher

habe die Anschauung vorgeherrscht, daß bas private Bankwesen bie Wirtschaft billiger mit Leih­kapital versorgen könne, als bas öffentliche Bank­wesen. Es sei jeboch nicht einzusehen, warum bie öffentlichen Betriebe bie Kunst bes Wirtschaftens nicht ebenso gut beherrschen könnten. Der Groß­betrieb, ob privat ober öffentlich, werbe bem Kleinbetrieb immer wirtschaftlich überlegen sein. Oeffentliche Bewirtschaftung bes Krebits schließe seine Dezentralisation keineswegs aus.

Der AR.-Vorfitzenbe ber Ov-Bank, Direktor U r b i g , wies auf bie ungeheure Rolle bes Per­sönlichen hin unb bie machtvolle Initiative, bie bas deutsche Bankwesen vor bem Kriege groß- gemacht habe. Ein staatliches Bankwesen hätte biese Leistungen niemals vollbracht, und wenn man ben Großbanken heute Vorwürfe mache, fo müsse man vor allem bas Ansteigen ihrer Unkosten von 16 v S). ihres Kapitals in 1913 auf 70 o. H. von 1925 ab berücksichtigen.

Der Präfibent her Deutschen Zentralgenossen- schaftskasse, Helff er ich, betonte, bafo bie p r i vatwirtfchaftliche Initiative im Bank­wesen vorherrschen müsse, baß sie aber einer Kor­rektur ba bedürfe, wo sie sich mit allgemeinen volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten be­rühre. Im Genossenschaftswesen sei bei voller Aus­nutzung ber privaten Initiative bas Gemeinwohl burch Gesetzgebung usw. sichergestellt.

Präsibent Helserich sprach sich gegen eine Verstaatlichung bes Bankwesens aus, betonte aber, bafo bie brei Großbanken mit Außen- ftänben von 7 bis 8 Milliarben Mark, mit benen sie große Teile bes wirtschaftlichen Lebens be- herrschen, aus ber Sphäre ber Privatwirtschaft im ©runbe herausgewachsen seien, wozu noch ihre große Emifsions- und Leihkapazität trete. Prä­sibent Helserich empfahl, daß bie Reichsgesetzgebung bie Satzungen ber brei Großbanken nach ihrem Ermessen gestalte unb Damit Die Berücksichtigung Der allgemeinen volkswirtschaftlichen (Zrforberniffe sicherstelle. Aus biese Weife könne auch bie Expan­sion Der Großbanken im Bereich bes mittleren Bankwesen» verhindert werben.

Generalkonsul o. Schön, Aufsichtsratsmitglieb ber Adca, sprach sich als Vertreter eines führenden

provinziellen Bankinstituts ebenfalls gegen eine Verstaatlichung des Bankwesens unter Hin­weis auf bie Bebeutuna der prioatwirtschastlicheO Initiative aus. Der Präsident des Sächsischen Giro- verbandes Eberle entwickelte ben Sinn bes klei­nen Perfonalkrebits ber Sparkassen unb feines Zusammenhang mit bem Leben in ben kleine» Stabten, ber bei Zentralisierung fortfallen würde.

Herr von Möller erklärte, bem Staat bürst nicht nur kein stärkerer Einflufo in ben firebitappa» rat eingeräumt werden, bas Bestreben müsse viel­mehr bahin gehen, ihn in weitestem Maße^ aus ber bestehenden Verwicklung zu lösen. Die Steue­rung bes Krebilwesens könne nur von einer un­abhängigen zentralen Notenbank aus erfolgen.

Staatsrat Friedrich Reinhart (Commerz- unb Privatbank) roanbte sich gegen bie Beschulbtgung, bafo bas private Bankgewerbe in kritischer Zeit ver­sagt habe. Man bürst nicht oergeffen, bafo es viel­fach auch eine Hilfsstellung für das öffentliche B.mk- gemerbe eingenommen habe. Die Privatbanken hätten Leistungen vollbracht, die von keiner anderen Seite erreicht worden feien. Die Hauptschuld an der Krise des Bankgewerbes sei in bem Versagen der früheren politischen und wirtschaftlichen Staatslei­tung zu suchen. Verstaatlichung würbe vollständige Bürokratisierung bedeuten. Der Staat sei nicht berufen, Wirtschaft zu führen.

Reichsbankpräsibent Dr. Schacht stellte fest, bafo sich Die Erörterungen einstimmig in Der Richtung bewegt hätten, bafo von einer totalen Hier- ftaatlidjung bes Bankwesens abge­raten werben müsse. Eine gesunbe Bankpolitik sei nur im Rahmen einer gesunben allgemeinen Wirtschaftspolitik möglich. Zwischen ber staatlichen Wirtschaftspolitik und ber gesamten Privatwirtschaft müsse ein harmonisches Verhältnis bestehen. Der Verlust, ben bas Privatbankwesen in ber Krisenzeit erlitten habe, sei von ber Reichsbank auf etwa 12 v. H. ber Bilanzsumme errechnet worben. Bei ben öffentlichen 21 n ft alten betrage er etwa 7,5 v. H. Der Vergleich falle also keineswegs sehr stark zuungunsten Der Privat- banken aus. Die öffentliche Hanö habe an Den privaten Banken kaum mehr verloren als an hem öffentlichen Bankwesen. Es müße auch noch berücksichtigt roerhen. Daß Die Privatbanken viel größere Risiken getragen hätten, mäh- renh sich Die öffentlichen Institute von Diesen Risi­ken beDeutenD stärker hätten sernhalten können.

Reuorganisatwn Der Haupi- gemeinschastdesEmzelhandels

Berlin, 21. Nov. (VDZ.) Auf ©runD ber in ber TtitglieberDerfammlung ber Hauptgcmeinfchast bes Einzelhanbels vom 4. Mai 1933 erteilten Voll­macht hat Präsibent Freubemann vor einer Versammlung ber Vertreter ber Einzelhanbelsver- bänbe in Braunschweig am Abenb bes 20. Novem­ber Die neue Satzung ber Hauptgemeinschaft oertünbet unb bie Führer ber Verbanbe burch Hanbsch 1 ag verpflichtet. In der neuen Satzung her Hauptgemeinschast ist bas Füh­rerprinzip burchgeführt. Zugleich wirb burch sie bie bisher bei ben bezirklichen bzw. fachlichen Verbänben begrünbete Mitgliebschaft ber einzelnen Firmen birekt auf bie Hauptgemeinschaft überge­führt. Die ©runbsätze ber neuen Verfassung ber Hauptgemeinschaft sollen nunmehr schrittweise Durch eine entsprechenbe Umgestaltung der Mit- gliedskörperschaften verwirklicht werden. Sobald bie neue Verfassung völlig burchgeführt ist, wirb die Hauptgemeinschaft eine zentrale Or­ganisation bilben für bie etwa 650 000 deut­schen Einzelhanbelsbetriebe, während bie Hauptge­meinschaft bisher nur ein Bunb von Verbänben gewesen ist.

Auf ein Huldigungstelegramm des Führers des Reichsstandes des Deutschen Handels D r. von Renteln aus Braunschweig hat der Herr Reichspräsident die folgende Antwort über­mittelt: Den im Reichsstand Des Deutschen Handels geeinten Angehörigen Des deutschen Handels danke ich für Das freunDliche MeingeDenken. Möge diese erste Tagung Den Zusammenhalt stärken unD Den Reichsstand Des HanDels unlösbar eingliebern in Den D i e n ft bes heut- schen Volkes unb Baterlanbes. Mit freundlichen ©rüfoen (gez.) von Hinbenburg. Reichspräsibent.

Kundgebung des Groß- und lleberieehandels.

Aus Anlaß bes Tages bes Deutschen Handels veranstaltete Der Reichsverband Des Deutschen ©roß- unb Ueberjeefoanbels in Braunschweig eine Kunb- gebung. Die so stark besucht war. Daß mehrere Pa- ralleloersammlungen abgehalten roerhen mußten. Nach Der Begrüßungsansprache von Geheimrat Schmidt-Braunschweig, erklärte Der geschaftsfüh- renDe Präsibent Otto Keinath u. a je verfei­nerter Die Wirtschaft, Desto wichtiger roerDe bie Tä­tigkeit Des Großhandels, Der aus taufenDen von spezialisierten ProDuktionsstätten bie Ware (am- mele und sie wieher an tausenbe unb abertaujenbe von Einzelhändlern, Handwerkern unb Industrielle- trieben weiterleite. Der ©roßhanhel sei also kei­neswegs ein unnötiges 3roi f d) e n gli e b, sonbern er hätte äufoerft wertvolle Vorteile für In- buftrie, Handwerk, Einzelhandel, Landwirtschaft unb für bie Allgemeinheit. Der Rebner roanbte sich ent- schieben gegen bie Behauptung, baß ber Großhanbel die Ware oertcure; in ber Preisfrage müsse bas Leitmotiv fein: Weber ein Schunbpreis noch ein Monopolpreis, sondern ein angemessener Preis, ber ber Probuktion, bem Großhandel, bem Handwerk und bem Einzelhanbel eine angenmessene Existenzgrundlage beläßt. Präsident Keinath sorderte bann bie Beseitigung aller Begünstigungen ber ge- nossenschaftlichen Vertriebsform unb gab zum Schiuß der Ansicht Ausdruck, baß eine Beseitigung der Hous zins st euer bem Großhandel neue Kredit- Möglichkeiten gegen Deckung durch Grundbesitz er­öffnen würde.

Staatssekretär Feder

überbrachte bie Grüße ber Reichsregierung. Er sagte u. a.: Der Groß- unb Ueberfeehanbel ist bas Auge Deutfdjlanbs nach bem Ausland. Auch heute bedarf ber Außenhandel ber i n t e n f i o ft e n Pflege der Reichsreaierung, dl« ich Ihnen auflbrüdlid) zufichere. In ben Strukturwanblungen unserer Zeit wollen wir bie Entwicklung ber West- wirtschaft nicht aus den Augen verlieren. Die be­stehenden Verbindungen nach dem Ausland sind mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Aber trüge­risch ist Der Glaube mancher an eine plötzliche unge­ahnt. Blüte. Die stationäre Epoche her Wirr» schäft hat begonnen, unb her neue Zustanb muß jetzt organisiert werben. Dem Wunsch her Seestädte gemäß soll nichts unversucht