Ausgabe 
22.9.1933 Erstes Blatt
 
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Saarkampf und Saar-Ausstellung Ln Frankfurt am Main.

von Dr. Karl Klinghardt

Als Nachklang zur großen Saarkundgebung am Niederwalddenkmal wurde in Frankfurt a. M. vor wenigen Tagen die Saar-Aus st ellung feier­lich eröffnet, die das beste und schönste Saar- Material zeigt, das in Deutschland überhaupt existiert.

Es ist ein Genuß, sich an Hand der farbigen Pläne, der schönen Dioramen, der Glasbilder und Zeichnungen, der Modelle und Reliefkarten und zahlloser künstlerischer Photographien zu vergegen­wärtigen, wie deutsch, wie kerndeutsch Land­schaft und Leben, Mensch und Kultur tm Saar- oebiet sind. Zunächst sieht man, daß das Wort Saarland und Saarbecken, das die Franzosen gern gebrauchen, schon ein betrügerisch ge­münzter politischer Ausdruck ist. Das Saargebiet ist eben kein selbständiger Landesteil, der beliebig nach Osten oder Westen angegliedert werden kann, sondern er gehört nach landschaft­lichem Bild, nach geologischer Struktur ebenso gut und ebenso untrennbar zur Stromland­schaft des Rheines, wie nach Volkstum, Kultur und Geschichte.

Eins freilich ist klar, daß das eroberungslustige Frankreich seit Jahrhunderten und verstärkt seit Ludwig XIV. alles getan hat und tut, um das deutsche Volkstum, um das deutsche Land vom Westen her anzunageln, zu zerstören und zu unter­jochen. Prächtig sind die Darstellungen, die in der Ausstellung diese Entwicklung überzeugend vor­führen. Auf der einen Seite Fleiß, Handwerkseifer in Stadt und Land. Saubere Dörfer, stolze deutsche Kirchen und Schlösser, Bergwerks- und Jndustrie- werke mit gediegener sozialer Fürsorge und plan­mäßigem fürsorglichen Betrieb. Auf der anderen Seite Neid und Raublust, Dünkel und Reklame, gewaltmäßiger Einmarsch, Brandschatzung und hun­dertfältige Gewalttat oftmals seit Ludwig XIV.

Und jetzt Raubbau, unverantwortlicher Raub­bau, der auch dem Unwissendsten den Charakter desSaarkampfes" deutlich enthüllt: Nach dem Raub Elfaß-Lothringens und seiner unermeßlichen Bodenschätze soll auch das letzte Stück des deut­schen Wesens mit besonderem Reichtum an Erz und Kohle, dem deutschen Volk entzogen werden. Da man aber nicht sicher ist, ob dieser Raub ge­lingen wird, weil die Saarbewohner in pracht­voller unerschütterlicher Haltung zur deutschen Hei­mat stehen, ist man zur Methode des Raubbaues übergegangen. Da, wo die stärksten Kohlenreserven des ganzen Gebietes liegen, die man deutscherseits planmäßig unangetastet ließ, hat der französische Raubbau eingesetzt, der teilweise seine Schächte von außerhalb der Grenzen, vom französischen Lothrin­gen her unter das Saargebiet hinuntertreibt und dort herausholt, was zu holen ist, unbekümmert, ob droben selbst Dörfer zu wackeln beginnen und teilweise unbewohnbar werden. Die Bewohner des Saargebiets ballen die Faust, aber vorläufig sind sie ja weitgehend in der Hand Frankreichs, das nur zu gut den Kampf um deutsches Land und deutsche Menschen auf dem wirtschaftlichen Wege zu füh­ren weiß.

Laut Friedensvertrag sind alle deutschen Gruben völlig schuldenfrei an Frankreich abgetreten wor­den. Fällt das Gebiet, wie es natürlich ist und selbstverständlich sein dürfte, im Januar 1935 an Deutschland zurück, so muß Deutschland die gesam­ten Saargruben zu einem in Gold zahl­baren Preis zurückkaufen. Herrschte wirk­lich Gerechtigkeit und Vernunft, dann müßten nicht wir die Gruben zurückkaufen, sondern Frankreich müßte uns eine Wiedergutmachung zahlen für den Schaden, der durch unsinnigen Raubbau an den Gruben und ihren Beständen entstanden ist. Wie es aber liegt, sind wir obendrein durch Zwangs­liquidation des Grubeneigentums bedroht, wenn wir den Goldpreis nicht binnen Jahresfrist erlegen können. Ursprünglich hatte diese sogar nur auf sechs Monate beschränkt werden sollen.

Wunderbar anschaulich ist in der Ausstellung der Vorwand zerstört, unter dem Frankreich diese Rechtseinbrüche durchgesetzt hat. Die Saar sollte Entschädigung sein für die durch den Krieg zer­störten Gruben in Nordfrankreich. An violetten und blauen Holzpfeilern ist deutlich dargestellt, wie die französische Kohlenförderung durch die elsaß-lothrin­gischen Gruben schon im Jahr 1925 d i e volle Vorkriegshöhe wieder erreicht hat. Dann wird die französische Förderung noch weiter getrieben. Darauf setzt sich aber nun die fast ebenso große Saarförderung, die in ständigem Wachsen ist. Während die großen lothringischen Kohlenreserven noch heute unangetastet liegen, soll in der Saar alles ausgeräumt werden, um es Deutschland zu entziehen, falls es den Wiederbesitz der Gruben wirklich antritt.

Grubenbesitzer, Bergarbeiter und Gesamtbevölke­rung wissen genau, um was hier gespielt wird und wie gespielt wird, aber 60 000 Menschen sind als reine Grubenbelegschaft wirtschaftlich in französischer Hand, das sind mit den Fa­milien vielleicht 250 000 Menschen von den 760 000 Einwohnern des Saargebietes die dem französischen Einfluß entscheidend ausgesetzt sind. Der deutschen Treue wird hier der Hunger entgegen­gestellt werden, um die Entscheidung zu französi­schen Gunsten zu falschen. Freilich gerade auch diese Bergarbeiter sahen wir am Niederwalddenkmal und wir dürfen hoffen, daß an ihrer deutschen Mann­haftigkeit die feindliche Woge zerschellt. Viele Kom­munisten freilich, die saarländischer Geburt sind, wurden hinübergelockt ins Lothringische und arbei­ten von dort aus im Saargebiet... unter Tay! Diese Abtrünnigen, die in Siedlungen um die lothringischen Einfuhrschächte wohnen, werden ye- aehegt und gepflegt. Als saarbürtig werden sie tm Januar 1935 mit abstimmen.

Unerschöpflich ist die Saar-Ausstellung an Be­lehrungsmaterial. Wieoiele von uns wissen, daß der Umsatz der Saarwirtschaft, men­genmäßig gemessen, fast um 70 Prozent über die Umjatzmenge des gesamten Württemberg hinaus­geht. 1931 betrug der Gesamtumsatz in Württem­berg nach Menge 11 Millionen Tonnen, der Um­satz des gleichen Jahres im Saargebiet 18 Mil­lionen Tonnen, demnach wäre es an reiner Wirt­schaftskraft und Bedeutung gemessen, nicht ein kleines Grenzgebiet, das uns mit dem Saargebiet entwunden würde, sondern es wäre für unseren Wirtschaftsumsatz, als würde Baden und Württem­berg vom Reiche abgetrennt.

Das sind Tatsachen, geeignet, den deutschen Michel aus dem Schlafe zu wecken, in den er gern immer wieder verfällt. Wir an der Westmark haben wahr­lich besondere Pflichten im Kampf um die Erhal­tung der deutschen Saar und die nächste Pflicht,

die die Bevölkerung bezüglich dieser für Deutschland lebenswichtiyen Entscheidung zu erfüllen hat, ist der Besuch und die Werbung für die Frankfurter Saar- Ausstellung. Wer einmal dort war, das wissen wir bereits, kommt wieder. Die Ausstellung befindet sich in der Junghofstraße 11, ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet, Vereinigungen und Gruppen er­halten Ermäßigung. Es hat Opfer und viel Liebe gekostet, diese Ausstellung zustande zu bringen, nun erfülle Deine Pflicht, rhein-mainisches deutsches Publikum.

Kaiserswerth in Hessen.

Von Pfarrer Röhricht, Direktor der Inneren Mission in Hessen.

Am 17.September waren es 100 Jahre, seitdem Pastor Fliedner in Kaiserswerth den Grund gelegt hat zu dem Neubau der Diakonissensache der evan­gelischen Kirche. (Vgl. den Aufsatz von Oberkonsisto- nalrat D. Schreiber in Nr. 217 vom 16. Sep­tember.) Fliedners Anregungen zündeten auch in Hessen. Hofprediger Bender, einer der Führer der damaligen Erweckungsbewegung, hatte einen kleinen Kreis von Männern und Frauen, zu dem auch die Prinzessin Karl von Hessen zählte, um sich - gesammelt. Dieser kleine Kreis bil­dete den ersten Missionsverein. Von ihm ging die Gründung des R e t tungshaufes in Hühnlein aus. Und hier wurden auch die ersten Samenkörner für ein hessisches Diakonissenwerk gelegt.

Seit einigen Wochen geht allabendlich in Ber­lin im Nollendorf-Theater ein historisches Schau­spiel über die Bühne, das einige Szenen aus den Jahren 1812 und 1813 darstellt. Die Person d'es preußischen Staatskanzlers Hardenberg, jenes Mannes im Hintergrund und ohne Popularität, feine Staatspolitik der ruhigen und klugen Abwä­gung der Chancen und Möglichkeiten wird m Ge- aensatz gestellt zu dem Ueberschwang der Jugend, Dem Aufwallen des Nationalgefühls und Frei­heitsdrangs im Herzen der akademischen Vertreter des Volkes, Professoren und Studenten.

Das Schauspiel des Freiherrn Hartmann von R i ch t h o f e n, unter dem TitelDer Staats- k a n z l e r", ist ganz zweifellos nur zum Teil ge­lungen. Es reicht in feinem dramatischen Aufbau und feiner Wirkung nicht an das vor etwa sechs Jahren in Berlin und ganz Deutschland zu Hun­derten von Malen gespielte Stück von Wolfgang Goetz heran, der für die Darstellung der Besrei- ungskriegszeit den Grafen Neithardt von G n ei­se n a u in den Vordergrund gestellt hatte. Goetz erzielte damals bedeutend stärkere Wirkungen, weil er bewußt darauf verzichtet hat, sich streng an die geschichtlichen Vorgänge zu halten und weil er, die poetische Lizenz" benutzend, in ausdrucksvoller Weise Menschen und Charaktere geformt und ver­lebendigt hat. In dem StückDer Staatskanzler" ist trotz der Lebendigkeit mancher Szenen sehr we­nig Leben. Der Verfasser des Stückes, den man tm Gegensatz zu Wolfgang Goetz wohl kaum Dichter nennen kann, hat ein gutes Stück historischer Hand­werksarbeit vorgelegt. Er ist aber das zeigt die Aufführung in Berlin, mit so hervorragenden Schauspielern wie Paul Wegener, Tyeodor Loos, Ernst Stahl-Nachbaur in deutlichster Weise unbedingt darauf angewiesen, daß die Regie und die Darstellung dem Stück Leben ein­hauchen, weil Aufbau und Inhalt des Stückes leicht die Starrheit der Wachsfiguren und ihre Worte oft das Schriftdeutsch her historischenWälzer" haben

Wenn trotzdem das Stuck em voller Erfolg ist, wenn allabendlich ein gefülltes Haus in atemloser Spannung und mit sich steigender innerer Anteil­nahme den Vorgängen auf der Bühne folgt, so ist dies in erster Linie darauf zurllckzuführen, daß hier vom Schicksal oder besser der Tragik eines Mannes der Schleier gelüftet wird, der bei der Schilderung und Betrachtung der Zeit der Be- fteiunaskriege, bei der Verteilung der Preise für den Anteil an diesem großen Werk neben den Scharnhorst, Theodor Körner, Blücher, Gneisenau, Pork und wie sie alle heißen die Helden der Schlachten, schlecht, sehr schlecht weg­kommt. Gewiß, die Geschichtsschreibung nennt den Namen Hardenberg nicht ohne Ehrfurcht. Es ist schon etwas, wenn mit dem Namen Stein- Hardenberg entscheidende Reformarbeiten in Preußen unlöslich verbunden sind. Auch hier steht Hardenbery im Schatten des Freiherrn vom Stein, obwohl seine Verdienste nicht geringer sind und ein großer Teil der Verwaltungsreform und der durchgreifenden Befreiunasmaßnahmen von ihm im Gegensatz zu Stein durchgeführt wurden, um die Grundlage für ein Staatsvolk zu schaffen, das frei von vielen Fesseln und Ketten, von leiblicher und geistiger Sklaverei, langsam reif wurde für den nationalen Begriff der Freiheit. Hardenberg stand im Hintergrund, wollte im Hintergrund bleiben. Er, der zweimal auf Napoleons Geheiß von sei­nem Posten als Minister der auswärtigen An­gelegenheiten Preußens 1806 und zum zweiten Mal 1807 nach dem Frieden von Tilsit entfernt werden mußte, der im Jahre 1810 in der Zeit der tiefsten preußischen Erniedrigung die Gesamtleitung der preußischen Staatsgeschäfte als Kanzler nur mit Zustimmung Napoleons übernehmen konnte, wird uns in dem StückDer Staatskanzler" auf dem für ihn persönlich tragischen Höhepunkt seines Wirkens gezeigt. *

Es ist wirklich erschütternd, in der meisterhaften Menschendarstellung Paul Wegeners die Gestalt Hardenbergs im Schauspiel zu erleben. Die vom Verfasser des Stückes beabsichtigte Kontrastwirkung ist vielleicht etwas kraß. Aber wahr und richtig ist geschichtlich wahr und richtig, daß dem preu­ßischen Volke der Staatskanzler von Hardenberg als ein Verräter galt, daß die Studenten Berlins und anderer Universitäten ihr Spottlied mit dem Pereat dem Hardenberg" falt öffentlich fangen, daß der Staatskanzler viel Unbill, viel Schimpf über sich ergehen ließ, weil für ihn die Gebote der Staatsklugheit, der Zukunftsentwicklung höher ftan»

Der Minister o. D a l w l g k hatte sich zur Pflege feiner Frau eine Diakonisse von Straßburg kommen lassen. Deren Tätigkeit hatte ihn so sehr von der Gute und Bedeutung dieser Liebesarbeit überzeugt, daß er dem Hosprediger Bender den Auftrag gab, zu veranlassen, daß das städtische Spital in Darm­stadt von Diakonissen besetzt mürbe. Der Magistrat aber weigerte sich entschieden. Da erklärte Bender, es gebe kein anderes Mittel, die Sache im Land zu fordern, als die Gründung eines kleinen Kran- fern und Diakonisfenhaufes. Die Prinzessin Karl griff den Gedanken mit besonderer Lebhaftigkeit auf und spendete sofort 9000 Gulden. Ein Ausschuß wurde gebildet, ein Platz gekauft und am 9. Juni 1856 wurde der Grundstein zu dem Diakonis - senhaus Elisabethen st ist gelegt.

Auch hier sing das Werk klein an. Aus Berlin mußte man sich die ersten Schwestern kommen las­sen. 1859 trat als erste hessische Schwester Lina Hessia aus Michelstadt ein, aber auch hier ging die Sache voran. 1862 konnte als erste Diakonissen­station das*Spital in Darmstadt übernommen wer­den. Es folgte das deutsche Krankenhaus in L o n o o n und bas Hospital in Worms, in dem vorher Kaiserswerther Diakonissen yearbeitet hatten. Heute aber hat die Zahl derStiftsschwe- ftern" 400 überschritten.

So hat auch, unser Hessenland teil an dem großen Kaiserswerther' Liebeswerk. In rund 45 Kranken­häusern und Anstalten Hessens stehen Diakonissen aus dem Elisabethenstift in der Arbeit, und in un­gefähr 50 evangelischen Kleinkinberschulen arbeiten sie mit an der Erziehung unserer Jugend. Auf rund 80 Gemeindepflegestationen üben sie' Armen- und Krankenpflege in den Gemeinden. Nach Tausenden zählt die Schar derer, die allmählich sich den Dienst dieser Diakonissen gern gefallen lassen und dankbar segnen auch wir Hessen bas Andenken des Mannes, der vor 100 Jahren in der Stille das begann, was im Laufe der Jahre zu einem Länder und Meere umspannenden Werk sich entfaltet hat.

den als eine Popularität, die er so leicht hätte haben können, wenn er, dem Drängen der Heißblü­tigen nachgebend, 1812, als Napoleons Heere zer­lumpt und zerschlagen durch Deutschland sich schlepp­ten,losgeschlagen" hätte, ohne das russische Bünd­nis sicher zu haben, ohne zu wissen, was der Schwiegervater des Korsen, Franz von Oesterreich, plante. Not und Bedrückung Preußens seit 1807, als Friedrich Wilhelm III. sich, von der Volksstimmung stark beeinflußt, zum Kampfe gegen den großen Eroberer entschloß, waren seit Tilsit so riesenhaft, daß es verständlich war, wenn das Volk an den Ketten rüttelte, das Preußenvolk, das die Segnungen der Stein-Hardenbergschen Reformen am eigenen Leibe spürte und nun die zum Teil

L u c i e Höflich, die bedeutende deutsche Schau­spielerin, wurde zur Leiterin der Staatlichen Schau­spielschule in Berlin ernannt.

gewonnene Freiheit des Einzelmenschen als Frei­heitsstreben für die Nation ausstrahlte.

Der Staatskanzler Hardenberg, verantwortlich dem König und dem Staat für den Erfolg der Po­litik, muß den Zauderer spielen, solange bis die Frucht gereift ist, die. er selbst gesät, die er in unsäglichen Mühen zur Blüte gebracht, heimlich im Kampfe mit dem König, mit den Militärs, mit dem Volk, vielleicht sogar manchmal im tragischen Kampf gegen das eigene überquellende Gefühl, die Frucht, die das stellt der Autor des Stückes in plasti­scher Weise dar heißblütige Studenten kurze aber doch entscheidende Zeit vor der endgültigen Reife pflücken wollen. Dieser Staatskan^ler Har­denberg wächst ins Riesenhafte, wenn er, bas heiße Herz bändigend, den Professoren und Studenten, die ihm mit der Forderung entgegentreten, nun endlich bas erlösende Wort zu sprechen, statt der populären Geste des Einschlagens in die ihm bar­gebotene Rechte der Vertreter eines edlen Teils des Volkes, Mäßigung predigt, die Mißbilligung der Tauroggener Konvention P o r rf s erneut aus­spricht und schließlich dem heißblütigen Vertreter der Jugend in fast demütiger Form entgegen­hält, daß den zwanzig Lebensjahren, die der Stu­dent ins Treffen zu führen hat, vierzig Jahre Staatsdienst gegenüberstehen, die dazu berechtigen, das Rad des Schicksals aufzuhalten, wenn die Staatsnotwendigkeiten es erfordern. Hardenbergs Anteil am Befreiungswerk Preußens im Jahre 1813 ist das Ergebnis einer klugen und abwägen­den, abwartenden, bis zur wiederholten Demüti­gung duldenden Politik, die es vermeidet, den zwei­ten Schritt zu tun, ehe der erste getan ist, um den Erfolg des Endzieles sicherzustellen.

Es ist als ein erfreuliches Ereignis zu buchen, daß das deutsche Volk in der Gegenwart, wo täg­lich Geschichte gemacht wird, den Ereignissen der Vergangenheit von 120 Jahren solche Beachtung schenkt wie es durch die Aufführung und das große Interesse an dem StückDer Staatskanzler" be­wiesen wirb.

Daten für Freitag, 22. September.

1792: der französische Nationalkonvent proklamiert die Republik-, 1862: Aufhebung der Sklaverei in Amerika durch Abraham Lincoln: 1914. Kapitän­leutnant Weddigen, der Führer von U-Boot 9, vernichtet drei englische Panzerkreuzer bei Hoek van Holland.

Geschichte im Schauspiel.

Theaterbrief aus der Reichshauptstadt

Wallensteins 3S0 Geburtstag.

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Am 24. September 1583 wurde Albrecht Wenzel von W a l l e n st e i n in Herrnanitz (Böhmen) geboren. Unser Bild zeigt das Porträt des Feldherrn von oan Dyck.

Eine Funkausstellung in Frankfurt a. M.

Die von der Nationalsozialistischen Rundfunk­kammer genehmigte Bezirks Funk - Au s - ft ellung Frankfurt a. M. findet in der Zeit vom 14. bis 18. Oktober unter dem Titel

Erste Südwestdeutsche Funk-Ausstellung

Frankfurt a. ITC.

zusammen mit derBraunen e f f e" und der hauswirtschaftlichen AusstellungDie Hausfrau in Stadt und Land" auf dem Festhallengelände in Frankfurt a. M. statt.

Veranstalter sind: Der Reichsoerband Deut­scher Rundfunkteilnehmer, Kreisgruppe Frankfurt am Main, der Radio-Großhändler-Verband, Lan­desgruppe Südwestdeutschland, und der Reichsver- band Deutscher Funkhändler, Landesgruppe Süd­westdeutschland, in Zusammenarbeit mit der Süd- westdeutschen Rundfunk G. m. b. H., Frankfurt a. M.

Für die Ausstellung hat der Reichsstatlhalltzr in Hessen, Gauleiter Sprenger, die Schirm­herrschaft übernommen.

Zu Ausschußmitgltedem sind ernannt: Gaufunk- roart für Hessen-Nassau, Stadtrat Wamboldt, NSDAP.-Kreissunkwart Lutz, 1. Vorsitzender des Reichsverbandes Deutscher Rundfunkteilnehmer, Kreisgruppe Frankfurt a. M., I. C. Günther, 1. Vorsitzender des Radio-Großhändler-Verbandss, K. Thomas, 1. Vorsitzender des Reichsverband-s Deutscher Funkhändler, Landesgruppe Süwest- deutschland.

Weiter werden die Herren Syndikus Dipl-K'm. Heinrich Schäfer, Frankfurt a. M., und Direktor Julius Schnorr, Frankfurt a. M., als Aus­stellungsleiter bestimmt; die technische Durchführung Der Ausstellung liegt in den Händen der Messe- und Ausstellungsgesellschaft m. b. H., Frankfurt am Main.

Wie wir hören, findet die Ausstellung bei der Rundfunkindustrie die stärkste Beachtung, so daß eine recht große Beteiligung von Ausstellern zu er­warten ist.

Auslands-Preffeverireter in Osthofen.

WSN. Osthofen, 21. Sept. Vom Besuch des alten Worms kommend, war den Vertretern der ausländischen Presse auf ihrer Hessenfahrt auch Gelegenheit gegeben, das Konzentra­tionslager Osthofen zu besichtigen. Polizei­direktor Jost (Worms) richtete vor der Führung einige erklärende Worte an die Journalisten. Er sprach von der gewaltigen kommunisti­schen Gefahr, wie sie durch die neuen Ver­öffentlichungen noch einmal besonders eindringlich klargele'gt wurde. Er zeigte auch, wie die O st - hofener SS. in uneigennütziger Weise aus dem verwahrlosten, mit Schutt- und Trümmerhaufen und fußhohem Staub übel genug zugerichteten Fabrikgebäude ein sauberes und tadel­loses Konzentrationslager hergerichtet hatte. Er führte die Gäste durch alle Einrichtungen des Lagers, wobei Sturmbannführer und Lager- oerwalter d ' A n g e l o Begleiter war. Aerzte- zimmer und Küche, Aufenthalts- und Schlafräume, Arbeitsstätten und die Aufenthaltsi^ume der SS. alles wurde den Gästen gezeigt und sie konnten sich in freimütiger Weise mit den Gefangenen unterhalten. Sie konn­ten Auskünfte hören, die sämtlich das Essen und die menschliche Behandlung lobten. In ein paar Schlußworten bat Polizeidirektor Iost, mitzu- helsen an der Aufklärung über das wahre Deutsch­land.Wir wünschen nur, daß Sie das schildern, was Sie gesehen haben, damit wird der Unsinn, der in so vielen ausländischen Blättern berichtet wird, genügend widerlegt."

Opel und das Winterhilfswerk.

Rüsselsheim, 21. Sept. In der vergangenen Woche wurde der Entschluß der Adam Opel A. - G. bekanntgegeben, die 10 0 0 0 K ö p f e z ä h- lende Belegschaft den Winter über durchzuhalten, ohne Rücksicht auf den saison- mäßigen Produktionsrückgang und trotz der damit verbundenen hohen finanziellen Opfer. Diese Maß­nahme stellt fraglos eine planvolle Unterstützung des großen Winterhilfswerkes der Regierung dar, indem sie den Opel-Arbeitern und »Angestellten, zu­sammen mit Familien-Anqehörigen über 30 000 deutsche Volksgenossen, Lebensunterhalt während des Winters sichert. Heute erfahren wir, daß di- Adam Opel A.-G. darüber hinaus noch für das Winterhilfswerk der Regierung direkt einen Betrag von 50000 Mark zur Ver­fügung gestellt hat