Ausgabe 
22.9.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Aeitag, 22. September 1933

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 222 Zweiter Blatt

l, gesunden und

163D

bar-

5633 A

,ebra>

In der Reichsmarine wurde zum Flottenchef ernannt Vizeadmiral F ö r st e r , bisher Chef der Marinestation der Nordsee. Der bisherige Flotten­chef, Vizeadmiral Gl ad i sch, tritt in den Ruhe­stand. Zum Chef der Nordsee wurde er­nannt Konteradmiral Schultze, bisher Inspek­teur des Bildungswesens der Marine. Zum I n - spekteur des Bildungswesens der Ma­rine wurde ernannt Konteradmiral Saalwäch - ter, bisher Abteilungsleiter im Reichswehrmini­sterium.

met erhalten Schreibtisch, nd 4 Stühle i Mark

Koos (Straße 14.

> besonders auch kränkliche, M zurückgedliebeneund

Der ungarische Reichsverweser, Admiral v. Hvrthy empfing in Gödöllö Vizekanzler von Papen in Audienz. Nach der Audienz gab er zu Ehren des Vizekanzlers ein Frühstück. Herr von Papen hat daraus Budapest wieder verlassen.

Berlin, 20. Sept. (WTB.) Der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn beriet die Finanzlage. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr sind nicht merklich gestiegen, im Güterverkehr dagegen hat sich die Besserung der letzten Monate fortgesetzt. Die Aus- tragserteilung aus Grund des Arbeitsbeschafsungs- programms ist weiter fortgeschritten und hat die Summe von 300 Millionen Mark erreicht. Mit be- fonderer Besriedigung nahm der Verwaltungsrat da­von Kenntnis, baß es, freilich unter großen finan­ziellen Opfern, 62000 Zeitarbeiter, die im Herbst d. I. hätten entlassen werden müssen, den Winterüber bei Arbeit und Brot zu be­

it dem ich an:

.ohlen- sten, irlkett- ihaufel, ivor- m >achea I bei

er

ten 81*6

Oer Reichskanzler im Reichsarbeits­ministerium.

Berlin, 22. Sept. (TU.) DieKreuzzeitung" meldet: Am Donnerstagabend zwischen 18 und 19 Uhr nahm Reichskanzler Adolf Hitler im Reichsarbeitsministerium einen Vortrag über den Stand des Arbeitsdienstes entgegen. Als der Reichskanzler vor dem Arbeitsministerium vor­fuhr, wurde er von einer zahlreich versammelten Menge stürmisch begrüßt. Reichsarbeitsminister Seldte empfing mit Staatssekretär Kröhne den Reichskanzler an der Pforte des Ministeriums. Außer der Stabswache des Stahlhelms hatte eine Eh r e n a b t e i l u n g des Arbeits­dienstes in ihrer neuen schmucken Arbeitstracht, persönlich geführt von Staatssekretär Hierl, zur Begrüßung des Kanzlers in der Eingangshalle des Ministeriums Aufstellung genommen. In der Be­gleitung des Reichskanzlers befanden sich u. a. Reichsminister D a r r 6 und Reichsstatthalter R ö - oer von Oldenburg. Auf seinem Wege durch das Ministerium und bei seiner Abfahrt wurden dem Reichskanzler, der sich am Wagen von Reichs­arbeitsminister Seldtc und Staatssekretär Hierl

Mit dem 1. Oktober 1933 werden unter Zutei­lung zum Reichswehrministerium zu Marine- aNach Ls ernannt: Der Kapitän zur See Witt- hoeft bei der Botschaft in Washington. Der Fre­gattenkapitän Steffan bei den Gesandtschaften in Stockholm, Kopenhagen, Oslo und Helsingfors mit dem Sitz in Stockholm, der Korvettenkapitän Wenn ecke r bei der Botschaft in Tokio. Zum Ge­hilfen des Militärattaches bei der Botschaft in Moskau wird der Kapitänleutnant v. Baumbach ernannt.

Lin« gesunde-Hendet ternäre' >A,4.2o

L-d«. ^eeL KAedieL'

überraschend schnell.

futter 1 Eßlöffel voll echte» »OL"1 I Vb % 1.60

chtes tRafiol in Originalflafötn irüA. SHein. fitrfteHtr: Qrngeb iden in aUen Apotheken.

herzlich verabschiedete, große Kundgebungen gebracht.

VerwaliungSraissihung her Deutschen Reichsbahn.

Pfund 70 V Pfand 70 P ) und 10 ) Stück 25 PL

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels hat den Pg. Hilgen- f e l d Aum Reichswalter für das gesamte Winterhilfswerk .Kampf gegen Hunaer und Kälte" ernannt. Pg. Hilgenfeld steht an oer Spitze der NS. -Dolkswohlfahrt und hat an den Vorarbeiten für das Winterhilfswerk bereits bis­her lebhaften Anteil genommen.

Zeitschriften.

Das Septemberheft derZeitwende" (C. H. Beckfche Verlagsbuchhandlung, München) geht der Frage nach: Ist derFaschismus" in Deutsch- land einausländischer Import"? Die Gegner der nationalsozialistischen Bewegung möchten uns gerne glauben machen, daß sie unserem Volke einen frem­den Geist aufzwinge. Wer aber dem Wesen des Faschismus überhaupt und seinen geistigen Grund­lagen in Italien tiefer nachgeht was Richard Eckstein in seinem fesselnden EssayDer Faschis­mus und der deutsche Geist" tut, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Faschismus ist sei­nem Wesen und seiner Wortbedeutung nach einfach Bündelung", Zusammenfassung aller Kräfte einer Nation zur Abwehr einer tödlichen Gefahr. Er kam gleichzeitig und unabhängig voneinander in den von Hitler und von Mussolini geführten Bewegun­gen machtvoll zum Durchbruch. Der italienische Faschismus trägt selbst einenpreußischen" Zug, seine geistigen Grundlagen reichen tief in den deut­schen Idealismus hinein. Im gleichen Hefte be? Zeitwenbe" finben sich noch weitere ausgezeichnete Aufsätze:Deutschlands koloniale Forderung" do* Paul Rohrbach und der ungemein aufschlußreiche Alltag im Sowjetleben" von Sigurd Thorn.

e«? gerei,Leo- Ss. Ä*

Deutschland noch immer Gläubiger in Gens Oer Reichsaußenminister vor seiner Abreise.

HllD Mädchen sowie junger MMK imSnteroÄbrcn für sofort gesucht. Liebigitrabe 68 Für stauenloi. Arzt' vausb.wird eine in fäintt einschlägigen Arbeiten erfahrene Haushälterin öer sofort gefudn. Jchnstl.Angeb.nnt Gebaltösordn.und Ans.Uerb.Ul. u Bcisg.em-riDw.

Zur Führung eine! fas» ebrliÄe. altere SauDM

Merkwürdig genug sind die Tischsitten. Das Ab­sonderlichste ist, daß jeder einem anderen Gast, dem er klar machen will, daß er ihn achtet oder liebt, die besten Bissen von seinem Teller in den Mund schiebt. Unser Wirt ließ aus der Küche einen fast meterlangen gebratenen Fisch kommen und Aer- bröckelte ihn vollkommen, nur um mir die schönsten und besten Happen in meinen Napf zu legen und das alles mit dem liebenswürdigsten und freundlichstem Lächeln. Als die Chinesen unzählige Tassen fast kochendheißen Tees getrunken hatten, kamen die Diener mit Kupferbecken voll heißen Wassers. Sie tauchten Handtücher hinein und reich- ten sie uns, wirsäuberten" uns damit. Hsü- Chang-Mi ging von Tisch zu Tisch und sah nach, ob jeder fertig war, dann winkte er dem Haus­hofmeister, und der gab feinen Unterdienern einen Befehl. Diese stürzten sich auf uns, halfen uns in unsere Kleider, brachten die Hüte, und man hatte den Eindruck, hinausgeworfen au werden. Man bricht nämlich unmittelbar nach Dem letzten Dissen ober Schluck auf, und die Ehrengäste müssen zuerst gehen. Der Abschied war wortreich, und dann stand- ich auf der Straße in einer weichgepolsterten Sänfte trugen mich Hsü-Chang-Mis Diener in mein Hotel zurück.

lassen. Es handelt sich hier um Zeitarbeiter, die zu 85 Prozent SA.-, SS- und Stahlhelmformationen angehören. Im Zuge der Maßnahme zur Ver­jüngung des Personals war eine Reihe von leitenden Stellungen neu zu besetzen. Der Verwaltungsrat ermächtigte die Hauptverwal­tung, mit der bayerischen Staatsregierung auf Grund der bisherigen Verhandlungen eine Vereinbarung zu treffen, wonach bie Gruppenverwal- tung Bayern aufgelöst und im Zusammen­hang damit die Reichsbahnorganisation in Bayern neu geordnet werden soll.

Ehestandsdarlehen auch für Bauerntöchter.

Berlin, 21. Sept. (Vdz.) Eine Verordnung der maßgebenden Stellen bestimmt, daß Mädchen und Frauen, die im Haushalt oder Betrieb von Verwandten aufsteigender Linie beschäftigt sind oder waren, ebenfalls ein E h e standsdarlehen erhalten können, wenn in­folge ihres Ausscheidens aus der Beschäftigung nachweislich die Einstellung einer frem­den Arbeitskraft erfolgt. Dabei ist es aus­reichend, wenn die Einstellung im Zeitraum der Hergabe des Darlehens erfolgt ist. Im übrigen gel­ten die allgemeinen Bestimmungen. Durch diese Neuregelung ist insbesondere dem Bauernstand eine wesentliche Hilfe zuteil geworden, da bisher Land­wirtstöchter, die im Betriebe ihrer Eltern ober Großeltern beschäftigt waren, bei Ausgabe ihrer Stellung kein Ehestandsdarlehen erhalten konnten.

Flotte für die amerikanischen Städte gegen Luftangriffe von außen her biete. Es seien bereits Vorbereitungen für den Bat» von 37 Kriegsschiffen getroffen worden, der die Flotte der Vereinigten Staaten auf die Stärke bringen würde, die ihr im Londoner Vertrag erlaubt fei. Vier von diesen Schissen seien 10 000-Tonnen- Kreuzer.

Deutscher Getreidehandels- und Müttertag.

München, 21. Sept. (WTB.) Der Deutsch« Getreidehandels- und Müllertag 1933, der diesmal vom Deutschen Landhandelsbund Berlin veranstaltet wird und an dem sämtliche deutschen Produkten­börsen teilnehmen-, wurde heute bei starkem Besuche eröffnet. Zur Erörterung des soeben verkündeten Gesetzgebungswerkes ergriff bann Ministerialbirektor Dr. Moritz vom Reichsernährungsministerium das Wort, um die in den letzten 48 Stunden schon entstandenen zahlreichen Mihverständ- n i s s e klarzustellen. Unter das Gesetz salle nur der Absatz zwischen Bauern und erster abnehmender Hand (Mühle, Genossenschaft oder Handel). Alle Kaufverträge, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen werden, fallen unter das Gesetz, alle Verträge über Weizen und Roggen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes ab­geschlossen sind, werden so abgewickelt, wie sie vertraglich fe st gelegt wurden. Die Rechte des Wandlungs- und Minderungsabschlags bleiben von dem Gesetz unberührt und für Qualitäten, die keinen Anspruch auf den gesetzlichen Preis haben, können besondere Preise festgesetzt werden. Beson­dere Preise für einzelne Handelsklassen konnten nicht festgesetzt werden, zumal es sich diesmal noch um ein Uebergangsjahr handele. Vor allem werde man dem Prinzip der Stetigkeit und Gleichmäßig- feit in der Preisbildung Rechnung tragen, dafür aber den Umfang der Ablieferung durch den Bauern zu festen Preisen begrenzen.

Das Fleischergewerbe kommt nicht in den Rährstand.

Berlin, 21. Sept. (VDZ.) Jrn Zusammenhang mit dem neuen Reichsgosetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes ist in Kreisen des*Fleischergewerbes die Frage aufgewor­fen worden, ob die Fleischer in den Reichsnähr- stand einbezogen werden würden. § 7 des Ge­setzes erklärt nämlich, daß als landwirtschaftliche Er- Zeugnisse auch die aus ihnen durch Be- oder Ver­arbeitung oder Weiterverarbeitung gewonnenen Er­zeugnisse gelten. Der Generalsekretär des Reichsstan­des des Deutschen Handwerks, Dr. Schild, hat jedoch nach Rücksprache mit dem Agrarpolitischen Amt der NSDAP, sowie mit dem Reichsernährungs­minister festgestellt, daß niemand daran denke, das Fleischerhandwerk aus seiner berufs- ständischen Gliederung bei dem Reichsstande des deutschen Handwerks herauszunehmen.

Amerikanische Flottenrüstuna

Washington, 20.Sept. (WTB.) (Reuter.) Der stellvertretende Marinesekretär führte in einer Rundfunkrede aus, die Besorgnisse, daß das jetzige Flottenbauprogramm der Vereinigten Staaten, des­sen Gesamtkosten während dreier Jahre ungefähr 235 Millionen Dollar ausmachen würden, Anlaß zu einem neuen Wettrü st en geben könnte, seien unberechtigt. Eine angemeffene Kriegsflotte sei eine A r t wirtschaftliche Sicherung und Lebensversicherung für die Ver­einigten Staaten. Der Redner hob besonders den Wert des Schutzes hervor, den die amerikanische

Teppich, an einer Schmalseite stand ein Thron (auf dem der gute Geist des Hauses sitzt), geschmückt war der Raum durch die Einfachheit seiner Holz­täfelung und die seidene Wandbespannung in zar­testen Farben und durch einige schöne uralte Vasen und Krüge. In Awei Ecken standen Kupferbecken, in denen Holzkohlenfeuer glimmen. Vor jedem von uns stand ein Porzellannapf, bemalt mit dem Wappen" des Wirtes und seinemHong" (Na­menszeichen). Daneben standen zwei Holzstäbchen statt des Bestecks, und ein Näpfchen mit Salz- mandeln. Die Gäste gaben dem Wirt die schrift- liche Einladung zurück; man stellte sich vor:Mein bescheidener Name ist Soundso" ober man fragte: Darf ich Sie um Ihren ehrenwerten Namen bitten?"

Den geachtetsten Gästen schenkte unser Wirt dar­auf selbst einen Becher Wein ein, klatschte in die Hände, und die Mahlzeit begann. Diener trugen in schönen Schüsseln ungeheuer viele Gerichte auf, zuerst eine reichhaltige Auswahl von Nüssen, dann alle möglichen Leckerbissen, die den Appetit reizen sollten: saure Schnecken, verschiedene marinierte Fische, Krabben in Del, gehackte Eier mit allen möglichen Kräutern. Es wurden große Krüge war­men Reisweins serviert, aus denen man sich nach Belieben bediente. Aber niemand trank viel von dem an sich nicht gefährlichen Wein; es ist eine Schande für den Gast, wenn er nicht nüchtern bleibt. Während der ganzen Mahlzeit ließ sich übrigens nicht ein einziges weibliches Wesen blicken, aber es schien nicht unerlaubt zu sein, daß sie durch schmale Gucklöcher in den Wänden uns Tafelnden zuschauten. Dann bat mich der Diener, von mehre­ren Suppen die zu wählen, die mir zusagte. Unter fünf verschiedenen Suppen, von denen mir einige zu unheimlich aussahen und zu stark rochen, wählte ich eine Haifischflossensuppe, deren ausgezeichneten Geschmack ich mehrfach erprobt hatte. Man prostete einander zu, unterhielt sich über zwei, drei Tische hinweg, und jedermann machte ein vergnügtes Ge­sicht. Die dicken Suppen aßen die Chinesen mit ihren Stäbchen mit einer unglaublichen Gewandt­heit und so schnell, daß wir Europäer, obwohl wir seit Monaten das Stäbchenessen probiert hatten, einen geradezu hilflosen Eindruck machten. Ueber Politik wurde nicht gesprochen, obwohl die Vor­gänge in China zu jener Zeit alle Gemüter er­regten. Desto mehr wurde, mit einer grenzenlosen Freimütigkeit, aber ohne jeden Zynismus, über Frauen und Siebe geschwatzt. Mich befragte man fortgesetzt über europäische Zustände und hörte auf­merksam zu, wenn ick sprach. Hatte ich etwas für chinesische Begriffe besonders Merkwürdiges gesagt, so wiederholte irgendeiner das von mir Gesprochene,

gelöst werden können. Leider bestehl für eine solche Lösung wenig Aussicht. Bleiben aber die anderen Staaten im Besitz ihrer Militärlustslotten, so wäre eseineunannehmbareForde- r u n g , daß uns die Möglichkeit der einzig wirk­samen Verteidigung gegen Luftangriffe, nämlich

des Flugzeuges, vorenthalten bleiben soll.

Deutschland hat bas gleiche Recht auf Sicherheit w i e alle anderen Länder. Deutschland hat sich in den Verhandlungen über die Abrüstungskonvention stets mit jeder zweckmä­ßigen Form einer Rüstungskontrolle einverstanden erklärt, unter der einzigen Voraussetzung, daß sie für alle Staaten in gleicher Weise gilt und sich in der Praxis gleichmäßig auswirkt. Das ist aber nur möglich, wenn die Konvention bei den hochgerüsteten Staaten wirkliche Rüstungs- Herabsetzungen bringen würde. Die Forde­rung einer einseitigen Rüstungskon- trolle gegenüber Deutschland, die auf eine die internationale Atmosphäre vergiftende Pressehetze wegen angeblicher deutscher Ausrüstung gestützt wird, muß Deutschland dagegen mit aller Schärfe zurückweisen.

Es wird neuerdings in der Presse einiger Länder davon gesprochen, daß die Tatsache der Macht- ergreifungdurchdieRegierungHitler in Deutschland jede Abrüstung in den Deutschland benachbarten Staaten unmöglich mache. Diese Argu­mentation muß ich aus das schärfste zurückweisen. Die neue deutsche Regierung verfolgt keine kriegerischen Ziele. Deutschland ist nach wie vor in der Abrüstungsfrage der Gläubiger. Denn es hat feinen Beitrag zur allgemeinen Ab­rüstung längst geleistet. Es verlangt, daß nun endlich auch bei den anderen mit der Ab» rüftung ernst gemacht wird. Don dieser einzigen und wahren Aufgabe auf der Abrüstungskonferenz darf die Welt nicht durch die Ausstellung von nicht reali­sierbaren Konttollsorderungen abgelenkt werden.

Bündnis der Treue.

Seldte zur Reichsführertagung des Stahlhelms.

Berlin, 21. Sept. (TU.) Der Bundesführer des Stahlhelms, Reichsarbeitsminister Franz Seldte, veröffentlicht anläßlich der bevorstehenden Stahl­helm - Reichsführertagung einBündnis der Treue" überschriebenes Geleitwort. Darin heißt es u. a.: Unsere Gedanken, unser Wollen, unsere Ideen kommen alle aus derselben Urtiefe. Sie kom­men uns aus dem Fronterlebnis des Krieges und aus dem Erlebenmüssen der 15 Jahre Nachkriegszeit. Und nun, nachdem wir in der nationalen Erhebung alle aufgestanden sind, nun wollen wir nicht den Fehler allen deutschen (Erb­übels begehen und den deutschen Bruder­kampf wiederbeginnen. Ich als Gründer und Führer des Stahchelms will keinen Bruder­kampf. Ich will kein zweites Käniggrätz. Und deshalb führe ich die alten Frontsoldaten nicht zum Bruderkampf gegen Adolf Hitler, den nationalen und politischen Sieger, sondern ich führe euch, meine Frontkameraden, i h m zu. Und mit ihm zusammen bewußt getragen von dem Be­griff des Opfernkönnens will ich helfen, die große deutsche Einheit und Einigkeit zu erringen. Wir haben uns selbst das Gesetz gegeben und wir gehorchen nunmehr dem Gesetz, nachdem wir an- getreten sind. Wir haben immer den Führer ?e sucht, und nun, nachdem wir den Führer g e unben haben, nachdem wir ausgeschaut hatten, nunmehr gehorchen wir dem Befehl un­seres eigenen Gesetzes und dienen dem deutschen Schicksal. Wir tun dieses in ehrlicher Treue, in freudiger Gefolgschaft und Mitarbeit und ohne Vorbehalt. Wir marschieren unter Adolf Hit­lers Führung hin auf das große deutsche Freihetts- ziel.

Berlin, 21. Sept. (WTB.) Der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr v. Neurath ge- währte dem. Berliner Dertteter derN e w y o r k Times" ein Interview. Der Minister begrüßte es, daß Norman Davis, sich mit Instruktionen des Präsidenten Roosevelt wieder nach Europa begeben hat, um den Standpunkt der Vereinigten Staaten in den Abrüstungsverhandlungen zu oer- treten. Die amerikanische Regierung sei st e t s für eine einschneidende Verminderung der st ungen ein getreten; [ic habe ins- besondere führend den Gedanken der Abschaf­fung der Angriffswaffen oertreten.

Deutschland hat vorgeschlagen, die Angrissswafsen entsprechend dem Waffenverbot des Versailler Vertrages au bezeichnen. Leider hat die Konferenz den deutschen Vorschlag nicht angenommen und bisher auch keine andere Lösung gefunden, hauptsächlich deshalb, weil einige hochgerüstete Staaten, besonders Frankreich, d i e Grenze zwischen den Angriffs- und Verteidigungswaffen so zu legen versuch- ten, daß f i ? s e l b st von ihren schweren Angriffs- wafsen so gut wie nichts abschafsen mühten. Don der Presse derselben Länder wird mit dem SchlagwortKeine Aufrüstung" gefordert, daß an den Verboten des Versailler Der- träges hinsichtlich der materiellen Rüstung Deutsch- lands nichts geändert werden soll.

Die praktische Bedeutung dieser Forderung wird am besten durch folgende Tatsache beleuchtet: Deutschland ist nicht nur jede Militärluftfahrt, sondern auch der Besitz von Flugab- wehrgeschühen verboten. Dadurch be­findet sich Deutschland in einem Zustand völliger Wehrlosigkeit und grüß- ter Unsicherheit. Durch die totale Abschaf, fung der Militärluftfahrt in allen Staaten und ein völliges verbot des Bombenabwurfs würbe die Frage der Gleichberechtigung und der deut- schen Verteidigung in der Luft ohne weiteres

um allen die Bedeutung des Gesagten klar zu machen. Nun kam aber noch lange nicht das Haupt- aericht, es gab noch einmal Vorspeisen, diesmal besonders schmackhafte: Hirn in Ei gebacken, Wild- fleisch mit Pilzen, Palmenherzen in Eiercreme, kleine Fische in Oel und Sahne, junge Hühner mit scharfen Gewürzen, gebratene Fischfilets. Die Fleischstücke, wie auch alles andere, waren mund- fertig zurechtgefchnitten, da es auf dem Tische weder Messer noch Gabeln gab, womit man die Stücke hätte zerschneiden oder wenigstens ausein- anberAupfen können. Ein Diener brachte eine Schüssel Mehlklöße; von Anfang an standen schon Riesennäpfe mit herrlichem Reis umher.

Wir hatten bereits Unmengen vertilgt. Die Wär­me der Jahreszeit, die scharfgewürzten und warmen Speisen, dazu noch bas Holzkohlenfeuer, hatten uns mächtig erwärmt. Einige fingen an, ihre Jacken und Ueberkleider abzulegen. Das war auch nötig und auf die Dauer unvermeidlich. Diener brachten Stöße von viereckigem dünnem rauhem Papier herbei, die man als Servietten, Taschentücher und zum Trocknen der Stirn benutzte und dann unter den Tisch warf. Die Stimmung war äußerst an­geregt, alles sprach, schrie und gestikulierte.

Nun kam endlich dasHauptgericht", es gab ge­bratenes Wildschwein, Masthühner mit Mandeln gefüllt, Gemüse und herrliche Saucen. Auch davon aßen alle riesige Portionen, um daraus den näch­sten Gang auftischen zu lassen: Torten, Kuchen, Keks, Reisspeisen mit süßen Fruchtfüllungen. Der beliebte Speckkuchen, der beinahe vor Fett triefte und dick mit Zwiebeln übersät war, fand bei den Chinesen riesigen Beifall. Die meisten nahmen von allen diesen süßen Sachen etwas, und so verging fast eine Stunde, ehe dieser Gang zu Ende war. Man legte noch mehr Kleider ab, jeder machte es sich so bequem als nur möglich. Hsü-Chang-Mi strahlte vor Freude, daß seine Gäste so tapfer Zu­griffen. Die Diener brachten neue Krüge voll war­men Weins und dann gab es ten letzten Haupt­gang: gebratene Fische mit Soleiern, gespickte Schweinelenden, fette und wundervoll gebratene Hühner, in Speck eingewickelte gebratene kleine Fische, gebackenen Reis.

Da wir nun schon über drei Stunden bei diesem üppigen Mahle saßen, befürchtete ich angesichts des unbegreiflichen Appetits der meisten, daß sie plat­zen -könnten, aber viele wandten sich den neuen Gerichten mit so viel Freude und Genuß zu, daß man hätte meinen können, sie wären ausgehungert gewesen. Zum Schluß gab es Tee in hauchdünnen henkellosen Tassen, Torten, süße und säuerliche Früchte, eingemacht und rotz

mebr n J N fie ih ^raflen ?ÄhÜ1" °°r. WM HM "end an * iae

puffern

**. it- n linken Arm M legte jhr,

-ÄZMr an noch m-hr leid,

ÄXSU! «al -ine Erkenntnis, bafe Roberta Dlbers ihn liefen od) nie gebaut. Er war bestürz! u,1^Ee sich auf ihn nieder^ eue schwere Last.

mußte er in jäh erwachtem Mit- ehe er noch recht wußte, was er > beiden Worte:Arme Roberta!' ie Lippen.

Sortierung folgt.)

Verschißenes] L W' W-tidoW WB

»r b.

Itenet 0^-7-

W-s

Echt chinesisches Abendessen.

Don Peter ©mm.

Eines Morgens es war vor zwei Jahren in Tientsin klopfte der Hotelboy an meine Tür und übergab mir ein schmales, langes, grünes, perga- mentartiges Kuvert, auf dem mein Name stand. Es enthiett einen langen hauchdünnen Seidenbogen, auf dem in chinesischer und englischer Sprache stand: ,F)-Chang-Mi sieht es für eine Ehre an, Ihrem schmeichelhaften Wunsch, einem echt chinesi- chen Essen beizuwohnen, zu erfüllen und Labet Sie ür den kommenden Wochentag, den der weise Rat- chluß Ihrer Vorfahren als Freitag bezeichnet, in den stillen feierlichen Abendstunden acht bis neun zu einem Mahle in feinem Hause ein". Und in kleineren Schriftzügen standen darunter die Namen der Gäste, die außer mir eingeladen werden sollten, mit der Bitte, mitzuteilen, ob meinen Augen dies wohlgefällig sei. Ich gab dem Diener einige Zeilen mit, in denen ick mich bedankte und blumenreich und höflich versicherte, daß die Ehre und das Ver­gnügen durchaus auf meiner Seite lägen...

2lm Freitag, kurz vor acht (weil es besonders fein ist, recht früh zu erscheinen), kam ich in Hsü- Chang-Mis Haus, das äußerlich ziemlich europäisch aussah, innen jedoch vollkommen im alten chinesi­schen Stil gehalten war. Jrn Dorraum, der Diele, Die mit Lampions, Seidenpapierfahnen (mit Namen, Titeln, Vorzügen und Verdiensten der Gäste be­schrieben und bemalt) und bunten Bändern festlich geschmückt war, empfingen mich drei Diener; der älteste, gewissermaßen der Haushofmeister, verhüllte fein Gesicht für eine kleine Weile, damit meine Augen nicht von seinem Anblick beleidigt würden. Ich sagte meinen Namen, er öffnete eine breite niedere Tür, schlug dreimal gegen ein Gong und rief in das Zimmer, in dem sich die bereits ein­getroffenen Gäste befanden, meinen Namen mit allerlei merkwürdigen und schmeichelhaften Titeln und Ehrenbezeugungen. Ich betrat ein weiteres Vorzimmer, Hsü-Chana-Mi empfing mich; die An­wesenden, mit zwei Ausnahmen alles Chinesen, würdige und reiche Männer, begrüßten mich mit langen stummen Verbeugungen. Da ich der letzte Gast war, klatschte unser Gastgeber in die Hände, eine Tür öffnete sich nach einem kleinen Speife- faal, dessen Breitseite in einen kleinen, aber mär­chenhaft schönen Garten hinausführte. Wir setzten uns an viereckige Tische. Ich saß an der linken, der Ehrenseite des Wirtes. Diener kamen und sam­melten unsere Hüte ein und reichten kleine Käppis, die wir aufsetzten. Im Raume gab es keinen