Aeitag, 22. September 1933
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 222 Zweiter Blatt
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In der Reichsmarine wurde zum Flottenchef ernannt Vizeadmiral F ö r st e r , bisher Chef der Marinestation der Nordsee. Der bisherige Flottenchef, Vizeadmiral Gl ad i sch, tritt in den Ruhestand. Zum Chef der Nordsee wurde ernannt Konteradmiral Schultze, bisher Inspekteur des Bildungswesens der Marine. Zum I n - spekteur des Bildungswesens der Marine wurde ernannt Konteradmiral Saalwäch - ter, bisher Abteilungsleiter im Reichswehrministerium.
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Koos (Straße 14.
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Der ungarische Reichsverweser, Admiral v. Hvrthy empfing in Gödöllö Vizekanzler von Papen in Audienz. Nach der Audienz gab er zu Ehren des Vizekanzlers ein Frühstück. Herr von Papen hat daraus Budapest wieder verlassen.
Berlin, 20. Sept. (WTB.) Der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn beriet die Finanzlage. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr sind nicht merklich gestiegen, im Güterverkehr dagegen hat sich die Besserung der letzten Monate fortgesetzt. Die Aus- tragserteilung aus Grund des Arbeitsbeschafsungs- programms ist weiter fortgeschritten und hat die Summe von 300 Millionen Mark erreicht. Mit be- fonderer Besriedigung nahm der Verwaltungsrat davon Kenntnis, baß es, freilich unter großen finanziellen Opfern, 62000 Zeitarbeiter, die im Herbst d. I. hätten entlassen werden müssen, den Winterüber bei Arbeit und Brot zu be
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Oer Reichskanzler im Reichsarbeitsministerium.
Berlin, 22. Sept. (TU.) Die „Kreuzzeitung" meldet: Am Donnerstagabend zwischen 18 und 19 Uhr nahm Reichskanzler Adolf Hitler im Reichsarbeitsministerium einen Vortrag über den Stand des Arbeitsdienstes entgegen. Als der Reichskanzler vor dem Arbeitsministerium vorfuhr, wurde er von einer zahlreich versammelten Menge stürmisch begrüßt. Reichsarbeitsminister Seldte empfing mit Staatssekretär Kröhne den Reichskanzler an der Pforte des Ministeriums. Außer der Stabswache des Stahlhelms hatte eine Eh r e n a b t e i l u n g des Arbeitsdienstes in ihrer neuen schmucken Arbeitstracht, persönlich geführt von Staatssekretär Hierl, zur Begrüßung des Kanzlers in der Eingangshalle des Ministeriums Aufstellung genommen. In der Begleitung des Reichskanzlers befanden sich u. a. Reichsminister D a r r 6 und Reichsstatthalter R ö - oer von Oldenburg. Auf seinem Wege durch das Ministerium und bei seiner Abfahrt wurden dem Reichskanzler, der sich am Wagen von Reichsarbeitsminister Seldtc und Staatssekretär Hierl
Mit dem 1. Oktober 1933 werden unter Zuteilung zum Reichswehrministerium zu Marine- aNach Ls ernannt: Der Kapitän zur See Witt- hoeft bei der Botschaft in Washington. Der Fregattenkapitän Steffan bei den Gesandtschaften in Stockholm, Kopenhagen, Oslo und Helsingfors mit dem Sitz in Stockholm, der Korvettenkapitän Wenn ecke r bei der Botschaft in Tokio. Zum Gehilfen des Militärattaches bei der Botschaft in Moskau wird der Kapitänleutnant v. Baumbach ernannt.
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herzlich verabschiedete, große Kundgebungen gebracht.
VerwaliungSraissihung her Deutschen Reichsbahn.
Pfund 70 V Pfand 70 P ) und 10 • ) Stück 25 PL
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels hat den Pg. Hilgen- f e l d Aum Reichswalter für das gesamte Winterhilfswerk .Kampf gegen Hunaer und Kälte" ernannt. Pg. Hilgenfeld steht an oer Spitze der NS. -Dolkswohlfahrt und hat an den Vorarbeiten für das Winterhilfswerk bereits bisher lebhaften Anteil genommen.
Zeitschriften.
— Das Septemberheft der „Zeitwende" (C. H. Beckfche Verlagsbuchhandlung, München) geht der Frage nach: Ist der „Faschismus" in Deutsch- land ein „ausländischer Import"? Die Gegner der nationalsozialistischen Bewegung möchten uns gerne glauben machen, daß sie unserem Volke einen fremden Geist aufzwinge. Wer aber dem Wesen des Faschismus überhaupt und seinen geistigen Grundlagen in Italien tiefer nachgeht — was Richard Eckstein in seinem fesselnden Essay „Der Faschismus und der deutsche Geist" tut —, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Faschismus ist seinem Wesen und seiner Wortbedeutung nach einfach „Bündelung", Zusammenfassung aller Kräfte einer Nation zur Abwehr einer tödlichen Gefahr. Er kam gleichzeitig und unabhängig voneinander in den von Hitler und von Mussolini geführten Bewegungen machtvoll zum Durchbruch. Der italienische Faschismus trägt selbst einen „preußischen" Zug, seine geistigen Grundlagen reichen tief in den deutschen Idealismus hinein. — Im gleichen Hefte be? „Zeitwenbe" finben sich noch weitere ausgezeichnete Aufsätze: „Deutschlands koloniale Forderung" do* Paul Rohrbach und der ungemein aufschlußreiche „Alltag im Sowjetleben" von Sigurd Thorn.
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Deutschland noch immer Gläubiger in Gens Oer Reichsaußenminister vor seiner Abreise.
HllD Mädchen sowie junger MMK imSnteroÄbrcn für sofort gesucht. Liebigitrabe 68 Für stauenloi. Arzt' vausb.wird eine in fäintt einschlägigen Arbeiten erfahrene Haushälterin öer sofort gefudn. Jchnstl.Angeb.nnt Gebaltösordn.und Ans.Uerb.Ul. u Bcisg.em-riDw.
Zur Führung eine! fas» ebrliÄe. altere SauDM
Merkwürdig genug sind die Tischsitten. Das Absonderlichste ist, daß jeder einem anderen Gast, dem er klar machen will, daß er ihn achtet oder liebt, die besten Bissen von seinem Teller in den Mund schiebt. Unser Wirt ließ aus der Küche einen fast meterlangen gebratenen Fisch kommen und Aer- bröckelte ihn vollkommen, nur um mir die schönsten und besten Happen in meinen Napf zu legen — und das alles mit dem liebenswürdigsten und freundlichstem Lächeln. Als die Chinesen unzählige Tassen fast kochendheißen Tees getrunken hatten, kamen die Diener mit Kupferbecken voll heißen Wassers. Sie tauchten Handtücher hinein und reich- ten sie uns, wir „säuberten" uns damit. Hsü- Chang-Mi ging von Tisch zu Tisch und sah nach, ob jeder fertig war, dann winkte er dem Haushofmeister, und der gab feinen Unterdienern einen Befehl. Diese stürzten sich auf uns, halfen uns in unsere Kleider, brachten die Hüte, und man hatte den Eindruck, hinausgeworfen au werden. Man bricht nämlich unmittelbar nach Dem letzten Dissen ■ober Schluck auf, und die Ehrengäste müssen zuerst gehen. Der Abschied war wortreich, und dann stand- ich auf der Straße — in einer weichgepolsterten Sänfte trugen mich Hsü-Chang-Mis Diener in mein Hotel zurück.
lassen. Es handelt sich hier um Zeitarbeiter, die zu 85 Prozent SA.-, SS- und Stahlhelmformationen angehören. Im Zuge der Maßnahme zur Verjüngung des Personals war eine Reihe von leitenden Stellungen neu zu besetzen. Der Verwaltungsrat ermächtigte die Hauptverwaltung, mit der bayerischen Staatsregierung auf Grund der bisherigen Verhandlungen eine Vereinbarung zu treffen, wonach bie Gruppenverwal- tung Bayern aufgelöst und im Zusammenhang damit die Reichsbahnorganisation in Bayern neu geordnet werden soll.
Ehestandsdarlehen auch für Bauerntöchter.
Berlin, 21. Sept. (Vdz.) Eine Verordnung der maßgebenden Stellen bestimmt, daß Mädchen und Frauen, die im Haushalt oder Betrieb von Verwandten aufsteigender Linie beschäftigt sind oder waren, ebenfalls ein E h e ■ standsdarlehen erhalten können, wenn infolge ihres Ausscheidens aus der Beschäftigung nachweislich die Einstellung einer fremden Arbeitskraft erfolgt. Dabei ist es ausreichend, wenn die Einstellung im Zeitraum der Hergabe des Darlehens erfolgt ist. Im übrigen gelten die allgemeinen Bestimmungen. Durch diese Neuregelung ist insbesondere dem Bauernstand eine wesentliche Hilfe zuteil geworden, da bisher Landwirtstöchter, die im Betriebe ihrer Eltern ober Großeltern beschäftigt waren, bei Ausgabe ihrer Stellung kein Ehestandsdarlehen erhalten konnten.
Flotte für die amerikanischen Städte gegen Luftangriffe von außen her biete. Es seien bereits Vorbereitungen für den Bat» von 37 Kriegsschiffen getroffen worden, der die Flotte der Vereinigten Staaten auf die Stärke bringen würde, die ihr im Londoner Vertrag erlaubt fei. Vier von diesen Schissen seien 10 000-Tonnen- Kreuzer.
Deutscher Getreidehandels- und Müttertag.
München, 21. Sept. (WTB.) Der Deutsch« Getreidehandels- und Müllertag 1933, der diesmal vom Deutschen Landhandelsbund Berlin veranstaltet wird und an dem sämtliche deutschen Produktenbörsen teilnehmen-, wurde heute bei starkem Besuche eröffnet. Zur Erörterung des soeben verkündeten Gesetzgebungswerkes ergriff bann Ministerialbirektor Dr. Moritz vom Reichsernährungsministerium das Wort, um die in den letzten 48 Stunden schon entstandenen zahlreichen Mihverständ- n i s s e klarzustellen. Unter das Gesetz salle nur der Absatz zwischen Bauern und erster abnehmender Hand (Mühle, Genossenschaft oder Handel). Alle Kaufverträge, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen werden, fallen unter das Gesetz, alle Verträge über Weizen und Roggen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen sind, werden so abgewickelt, wie sie vertraglich fe st gelegt wurden. Die Rechte des Wandlungs- und Minderungsabschlags bleiben von dem Gesetz unberührt und für Qualitäten, die keinen Anspruch auf den gesetzlichen Preis haben, können besondere Preise festgesetzt werden. Besondere Preise für einzelne Handelsklassen konnten nicht festgesetzt werden, zumal es sich diesmal noch um ein Uebergangsjahr handele. Vor allem werde man dem Prinzip der Stetigkeit und Gleichmäßig- feit in der Preisbildung Rechnung tragen, dafür aber den Umfang der Ablieferung durch den Bauern zu festen Preisen begrenzen.
Das Fleischergewerbe kommt nicht in den Rährstand.
Berlin, 21. Sept. (VDZ.) Jrn Zusammenhang mit dem neuen Reichsgosetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes ist in Kreisen des*Fleischergewerbes die Frage aufgeworfen worden, ob die Fleischer in den Reichsnähr- stand einbezogen werden würden. § 7 des Gesetzes erklärt nämlich, daß als landwirtschaftliche Er- Zeugnisse auch die aus ihnen durch Be- oder Verarbeitung oder Weiterverarbeitung gewonnenen Erzeugnisse gelten. Der Generalsekretär des Reichsstandes des Deutschen Handwerks, Dr. Schild, hat jedoch nach Rücksprache mit dem Agrarpolitischen Amt der NSDAP, sowie mit dem Reichsernährungsminister festgestellt, daß niemand daran denke, das Fleischerhandwerk aus seiner berufs- ständischen Gliederung bei dem Reichsstande des deutschen Handwerks herauszunehmen.
Amerikanische Flottenrüstuna
Washington, 20.Sept. (WTB.) (Reuter.) Der stellvertretende Marinesekretär führte in einer Rundfunkrede aus, die Besorgnisse, daß das jetzige Flottenbauprogramm der Vereinigten Staaten, dessen Gesamtkosten während dreier Jahre ungefähr 235 Millionen Dollar ausmachen würden, Anlaß zu einem neuen Wettrü st en geben könnte, seien unberechtigt. Eine angemeffene Kriegsflotte sei eine A r t wirtschaftliche Sicherung und Lebensversicherung für die Vereinigten Staaten. Der Redner hob besonders den Wert des Schutzes hervor, den die amerikanische
Teppich, an einer Schmalseite stand ein Thron (auf dem der gute Geist des Hauses sitzt), geschmückt war der Raum durch die Einfachheit seiner Holztäfelung und die seidene Wandbespannung in zartesten Farben und durch einige schöne uralte Vasen und Krüge. In Awei Ecken standen Kupferbecken, in denen Holzkohlenfeuer glimmen. Vor jedem von uns stand ein Porzellannapf, bemalt mit dem „Wappen" des Wirtes und seinem „Hong" (Namenszeichen). Daneben standen zwei Holzstäbchen statt des Bestecks, und ein Näpfchen mit Salz- mandeln. Die Gäste gaben dem Wirt die schrift- liche Einladung zurück; man stellte sich vor: „Mein bescheidener Name ist Soundso" ober man fragte: „Darf ich Sie um Ihren ehrenwerten Namen bitten?"
Den geachtetsten Gästen schenkte unser Wirt darauf selbst einen Becher Wein ein, klatschte in die Hände, und die Mahlzeit begann. Diener trugen in schönen Schüsseln ungeheuer viele Gerichte auf, zuerst eine reichhaltige Auswahl von Nüssen, dann alle möglichen Leckerbissen, die den Appetit reizen sollten: saure Schnecken, verschiedene marinierte Fische, Krabben in Del, gehackte Eier mit allen möglichen Kräutern. Es wurden große Krüge warmen Reisweins serviert, aus denen man sich nach Belieben bediente. Aber niemand trank viel von dem an sich nicht gefährlichen Wein; es ist eine Schande für den Gast, wenn er nicht nüchtern bleibt. Während der ganzen Mahlzeit ließ sich übrigens nicht ein einziges weibliches Wesen blicken, aber es schien nicht unerlaubt zu sein, daß sie durch schmale Gucklöcher in den Wänden uns Tafelnden zuschauten. Dann bat mich der Diener, von mehreren Suppen die zu wählen, die mir zusagte. Unter fünf verschiedenen Suppen, von denen mir einige zu unheimlich aussahen und zu stark rochen, wählte ich eine Haifischflossensuppe, deren ausgezeichneten Geschmack ich mehrfach erprobt hatte. Man prostete einander zu, unterhielt sich über zwei, drei Tische hinweg, und jedermann machte ein vergnügtes Gesicht. Die dicken Suppen aßen die Chinesen mit ihren Stäbchen mit einer unglaublichen Gewandtheit und so schnell, daß wir Europäer, obwohl wir seit Monaten das Stäbchenessen probiert hatten, einen geradezu hilflosen Eindruck machten. Ueber Politik wurde nicht gesprochen, obwohl die Vorgänge in China zu jener Zeit alle Gemüter erregten. Desto mehr wurde, mit einer grenzenlosen Freimütigkeit, aber ohne jeden Zynismus, über Frauen und Siebe geschwatzt. Mich befragte man fortgesetzt über europäische Zustände und hörte aufmerksam zu, wenn ick sprach. Hatte ich etwas für chinesische Begriffe besonders Merkwürdiges gesagt, so wiederholte irgendeiner das von mir Gesprochene,
gelöst werden können. Leider bestehl für eine solche Lösung wenig Aussicht. Bleiben aber die anderen Staaten im Besitz ihrer Militärlustslotten, so wäre eseineunannehmbareForde- r u n g , daß uns die Möglichkeit der einzig wirksamen Verteidigung gegen Luftangriffe, nämlich
des Flugzeuges, vorenthalten bleiben soll.
Deutschland hat bas gleiche Recht auf Sicherheit w i e alle anderen Länder. Deutschland hat sich in den Verhandlungen über die Abrüstungskonvention stets mit jeder zweckmäßigen Form einer Rüstungskontrolle einverstanden erklärt, unter der einzigen Voraussetzung, daß sie für alle Staaten in gleicher Weise gilt und sich in der Praxis gleichmäßig auswirkt. Das ist aber nur möglich, wenn die Konvention bei den hochgerüsteten Staaten wirkliche Rüstungs- Herabsetzungen bringen würde. Die Forderung einer einseitigen Rüstungskon- trolle gegenüber Deutschland, die auf eine die internationale Atmosphäre vergiftende Pressehetze wegen angeblicher deutscher Ausrüstung gestützt wird, muß Deutschland dagegen mit aller Schärfe zurückweisen.
Es wird neuerdings in der Presse einiger Länder davon gesprochen, daß die Tatsache der Macht- ergreifungdurchdieRegierungHitler in Deutschland jede Abrüstung in den Deutschland benachbarten Staaten unmöglich mache. Diese Argumentation muß ich aus das schärfste zurückweisen. Die neue deutsche Regierung verfolgt keine kriegerischen Ziele. Deutschland ist nach wie vor in der Abrüstungsfrage der Gläubiger. Denn es hat feinen Beitrag zur allgemeinen Abrüstung längst geleistet. Es verlangt, daß nun endlich auch bei den anderen mit der Ab» rüftung ernst gemacht wird. Don dieser einzigen und wahren Aufgabe auf der Abrüstungskonferenz darf die Welt nicht durch die Ausstellung von nicht realisierbaren Konttollsorderungen abgelenkt werden.
Bündnis der Treue.
Seldte zur Reichsführertagung des Stahlhelms.
Berlin, 21. Sept. (TU.) Der Bundesführer des Stahlhelms, Reichsarbeitsminister Franz Seldte, veröffentlicht anläßlich der bevorstehenden Stahlhelm - Reichsführertagung ein „Bündnis der Treue" überschriebenes Geleitwort. Darin heißt es u. a.: Unsere Gedanken, unser Wollen, unsere Ideen kommen alle aus derselben Urtiefe. Sie kommen uns aus dem Fronterlebnis des Krieges und aus dem Erlebenmüssen der 15 Jahre Nachkriegszeit. Und nun, nachdem wir in der nationalen Erhebung alle aufgestanden sind, nun wollen wir nicht den Fehler allen deutschen (Erbübels begehen und den deutschen Bruderkampf wiederbeginnen. Ich als Gründer und Führer des Stahchelms will keinen Bruderkampf. Ich will kein zweites Käniggrätz. Und deshalb führe ich die alten Frontsoldaten nicht zum Bruderkampf gegen Adolf Hitler, den nationalen und politischen Sieger, sondern ich führe euch, meine Frontkameraden, i h m zu. Und mit ihm zusammen bewußt getragen von dem Begriff des Opfernkönnens will ich helfen, die große deutsche Einheit und Einigkeit zu erringen. Wir haben uns selbst das Gesetz gegeben und wir gehorchen nunmehr dem Gesetz, nachdem wir an- getreten sind. Wir haben immer den Führer ?e sucht, und nun, nachdem wir den Führer g e • unben haben, nachdem wir ausgeschaut hatten, nunmehr gehorchen wir dem Befehl unseres eigenen Gesetzes und dienen dem deutschen Schicksal. Wir tun dieses in ehrlicher Treue, in freudiger Gefolgschaft und Mitarbeit und ohne Vorbehalt. Wir marschieren unter Adolf Hitlers Führung hin auf das große deutsche Freihetts- ziel.
Berlin, 21. Sept. (WTB.) Der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr v. Neurath ge- währte dem. Berliner Dertteter der „N e w y o r k Times" ein Interview. Der Minister begrüßte es, daß Norman Davis, sich mit Instruktionen des Präsidenten Roosevelt wieder nach Europa begeben hat, um den Standpunkt der Vereinigten Staaten in den Abrüstungsverhandlungen zu oer- treten. Die amerikanische Regierung sei st e t s für eine einschneidende Verminderung der Rü st ungen ein getreten; [ic habe ins- besondere führend den Gedanken der Abschaffung der Angriffswaffen oertreten.
Deutschland hat vorgeschlagen, die Angrissswafsen entsprechend dem Waffenverbot des Versailler Vertrages au bezeichnen. Leider hat die Konferenz den deutschen Vorschlag nicht angenommen und bisher auch keine andere Lösung gefunden, hauptsächlich deshalb, weil einige hochgerüstete Staaten, besonders Frankreich, d i e Grenze zwischen den Angriffs- und Verteidigungswaffen so zu legen versuch- ten, daß f i ? s e l b st von ihren schweren Angriffs- wafsen so gut wie nichts abschafsen mühten. Don der Presse derselben Länder wird mit dem Schlagwort „Keine Aufrüstung" gefordert, daß an den Verboten des Versailler Der- träges hinsichtlich der materiellen Rüstung Deutsch- lands nichts geändert werden soll.
Die praktische Bedeutung dieser Forderung wird am besten durch folgende Tatsache beleuchtet: Deutschland ist nicht nur jede Militärluftfahrt, sondern auch der Besitz von Flugab- wehrgeschühen verboten. Dadurch befindet sich Deutschland in einem Zustand völliger Wehrlosigkeit und grüß- ter Unsicherheit. Durch die totale Abschaf, fung der Militärluftfahrt in allen Staaten und ein völliges verbot des Bombenabwurfs würbe die Frage der Gleichberechtigung und der deut- schen Verteidigung in der Luft ohne weiteres
um allen die Bedeutung des Gesagten klar zu machen. Nun kam aber noch lange nicht das Haupt- aericht, es gab noch einmal Vorspeisen, diesmal besonders schmackhafte: Hirn in Ei gebacken, Wild- fleisch mit Pilzen, Palmenherzen in Eiercreme, kleine Fische in Oel und Sahne, junge Hühner mit scharfen Gewürzen, gebratene Fischfilets. Die Fleischstücke, wie auch alles andere, waren mund- fertig zurechtgefchnitten, da es auf dem Tische weder Messer noch Gabeln gab, womit man die Stücke hätte zerschneiden oder wenigstens ausein- anberAupfen können. Ein Diener brachte eine Schüssel Mehlklöße; von Anfang an standen schon Riesennäpfe mit herrlichem Reis umher.
Wir hatten bereits Unmengen vertilgt. Die Wärme der Jahreszeit, die scharfgewürzten und warmen Speisen, dazu noch bas Holzkohlenfeuer, hatten uns mächtig erwärmt. Einige fingen an, ihre Jacken und Ueberkleider abzulegen. Das war auch nötig und auf die Dauer unvermeidlich. Diener brachten Stöße von viereckigem dünnem rauhem Papier herbei, die man als Servietten, Taschentücher und zum Trocknen der Stirn benutzte und dann unter den Tisch warf. Die Stimmung war äußerst angeregt, alles sprach, schrie und gestikulierte.
Nun kam endlich das „Hauptgericht", es gab gebratenes Wildschwein, Masthühner mit Mandeln gefüllt, Gemüse und herrliche Saucen. Auch davon aßen alle riesige Portionen, um daraus den nächsten Gang auftischen zu lassen: Torten, Kuchen, Keks, Reisspeisen mit süßen Fruchtfüllungen. Der beliebte Speckkuchen, der beinahe vor Fett triefte und dick mit Zwiebeln übersät war, fand bei den Chinesen riesigen Beifall. Die meisten nahmen von allen diesen süßen Sachen etwas, und so verging fast eine Stunde, ehe dieser Gang zu Ende war. Man legte noch mehr Kleider ab, jeder machte es sich so bequem als nur möglich. Hsü-Chang-Mi strahlte vor Freude, daß seine Gäste so tapfer Zugriffen. Die Diener brachten neue Krüge voll warmen Weins und dann gab es ten letzten Hauptgang: gebratene Fische mit Soleiern, gespickte Schweinelenden, fette und wundervoll gebratene Hühner, in Speck eingewickelte gebratene kleine Fische, gebackenen Reis.
Da wir nun schon über drei Stunden bei diesem üppigen Mahle saßen, befürchtete ich angesichts des unbegreiflichen Appetits der meisten, daß sie platzen -könnten, aber viele wandten sich den neuen Gerichten mit so viel Freude und Genuß zu, daß man hätte meinen können, sie wären ausgehungert gewesen. Zum Schluß gab es Tee in hauchdünnen henkellosen Tassen, Torten, süße und säuerliche Früchte, eingemacht und rotz
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Sortierung folgt.)
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Echt chinesisches Abendessen.
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Eines Morgens — es war vor zwei Jahren in Tientsin — klopfte der Hotelboy an meine Tür und übergab mir ein schmales, langes, grünes, perga- mentartiges Kuvert, auf dem mein Name stand. Es enthiett einen langen hauchdünnen Seidenbogen, auf dem in chinesischer und englischer Sprache stand: ,F)sü-Chang-Mi sieht es für eine Ehre an, Ihrem schmeichelhaften Wunsch, einem echt chinesi- chen Essen beizuwohnen, zu erfüllen und Labet Sie ür den kommenden Wochentag, den der weise Rat- chluß Ihrer Vorfahren als Freitag bezeichnet, in den stillen feierlichen Abendstunden acht bis neun zu einem Mahle in feinem Hause ein". Und in kleineren Schriftzügen standen darunter die Namen der Gäste, die außer mir eingeladen werden sollten, mit der Bitte, mitzuteilen, ob meinen Augen dies wohlgefällig sei. Ich gab dem Diener einige Zeilen mit, in denen ick mich bedankte und blumenreich und höflich versicherte, daß die Ehre und das Vergnügen durchaus auf meiner Seite lägen...
2lm Freitag, kurz vor acht (weil es besonders fein ist, recht früh zu erscheinen), kam ich in Hsü- Chang-Mis Haus, das äußerlich ziemlich europäisch aussah, innen jedoch vollkommen im alten chinesischen Stil gehalten war. Jrn Dorraum, der Diele, Die mit Lampions, Seidenpapierfahnen (mit Namen, Titeln, Vorzügen und Verdiensten der Gäste beschrieben und bemalt) und bunten Bändern festlich geschmückt war, empfingen mich drei Diener; der älteste, gewissermaßen der Haushofmeister, verhüllte fein Gesicht für eine kleine Weile, damit meine Augen nicht von seinem Anblick beleidigt würden. Ich sagte meinen Namen, er öffnete eine breite niedere Tür, schlug dreimal gegen ein Gong und rief in das Zimmer, in dem sich die bereits eingetroffenen Gäste befanden, meinen Namen mit allerlei merkwürdigen und schmeichelhaften Titeln und Ehrenbezeugungen. Ich betrat ein weiteres Vorzimmer, Hsü-Chana-Mi empfing mich; die Anwesenden, mit zwei Ausnahmen alles Chinesen, würdige und reiche Männer, begrüßten mich mit langen stummen Verbeugungen. Da ich der letzte Gast war, klatschte unser Gastgeber in die Hände, eine Tür öffnete sich nach einem kleinen Speife- faal, dessen Breitseite in einen kleinen, aber märchenhaft schönen Garten hinausführte. Wir setzten uns an viereckige Tische. Ich saß an der linken, der Ehrenseite des Wirtes. Diener kamen und sammelten unsere Hüte ein und reichten kleine Käppis, die wir aufsetzten. Im Raume gab es keinen


