Ausgabe 
22.7.1933 Erstes Blatt
 
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Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen.

Wanderfahrten.

Bietet helfhol; Hohensolms Altenberg Bubenrod Bieber.

Wir wandern von Bieber (Sonntagskarte) durch daS schöne Biebertal bis kurz vor die Obermühle, wo wir die Landstraße verlassen und in eine Pap. pelallee einbiegen. Bei der nächsten Teilung des Wege- schlagen wir den linken ein und gelangen alSoald an die schwarzen Punkte, die vom Düns- berg kommen «hier hübscher Rückblick noch der Obermühle). Wir folgen jetzt dem Zeichen, das uns zunächst über eine Wiese zum bewaldeten Sberstein führt. Rach geraumer Zeit, nachdem wir die frühere Oberförsterei Strupbach passiert haben, genießen wir am Waldrand einen präch­tigen Blick auf Königsberg und noch Ueberschrei- ten eines freien Feldes am jenseitigen Waldrand einen Ausblick auf den Dünsberg. 3n langsamer Steigung führt unser Weg an der Philippstanne vorüber hinauf nach dem hochgelegenen Hohen­solms (gute Einkehr), unterwegs stets herrliche Ausblicke gewährend. Wir gehen nunmehr ein Stück auf der Landstraße an einigen alten Linden vorbei, roten Strichen nach hinauf zum Alten­berg, von dessen steinernem Turm sich ein ent­zückender Rundblick bietet. Das Zeichen leitet uns weiter über den bewaldeten Bleidenberg nach dem gastlichen Hofgut Bubenrod, wo wir rasten kön­nen. Rote Kreuze führen uns von hier nach un­serem Endziel Bieber. Wanderzeit etwa vier Stunden.

Fronhausen hafsenhaufen Allendorf Climbach Großen-Buseck.

Dom Bahnhof Fronhausen gehen wir über den Bahnkörper und folgen roten Strichen durch Dellnhausen und Hattenhausen, hinter dem der Wald beginnt, an Hof Fortbach vorüber nach dem Lumdatal, das bei Allendorf erreicht wird. (Gute Gasthäuser.) Don hier folgen wir den vom Toten­berg kommenden roten Punkten, die uns über das hochgelegene Climbach und den Aspenkippel, einen ehemaligen Dulkankrater führen. Eine Waldblöhe bietet reizvolle Ausblicke in das Lumdatal mit einigen Ortschaften, nach Burg Staufenberg und unseren Rachbar-Burgen. Durch schöne Waldun­gen führt uns das Zeichen über den Hohen Berg nach insgesamt fünfstündiger Wanderung zu un­serem Endziel Grohen-Buseck.

Weilburg, Limburg, Diez.

Schöne Städtebilder im Lahntal.

Die landschaftlich reizvoll gezeichnete Talbucht der Lahn ist reich an geschichtlichen Erinnerungen. Die alten Städte an diesem Grenzfluß des Westev- waldes und der nassauischen Lande beherbergen eine Reihe eindrucksvoller Schloßbauten.

Da ist zunächst Weilburg mit seinem vorneh­men Renaissancebau. Der Rundgang durch die dreihundert Räume des mächtigen Gebäudekom­plexes gibt einen anschaulichen Einblick in die Wohnkultur gekrönter Häupter vor dem Kriege. Richts zeigt die Schnellebigkeit unserer Zeit ein­dringlicher als solche Prunkstücke von vorgestern; nur die hochstämmigen Blutbuchen im Schloßgar­ten bleiben nach wie vor bewundernswert in ihren ruhigen, natürlich gewachsenen Formen. Einzig­artig schön ist der Schloßhof, der bekannten Ma­lern zum Motiv diente. Don der Terrasse aus gesehen, liegt zum Greifen nahe das Miniatur­bild des Städtchens an der Schleife der Lahn. Eine Merkwürdigkeit bleibe nicht unerwähnt: wenn wir in die Stadt hinabsteigen, kehren wir nach Deutschland zurück, denn hier oben im Be­reich des Schlosses befanden wir uns auf neu­

tralem Boden, sozusagen in Luxemburg, deren re­gierender Großherzogin das Schloß gehört.

Lleberall, flußab am Ufer der Lahn, zeigen sich alte vieltürmige Etädtebilder in der Stimmung mittelalterlicher Kupferstiche. Aus einem Llferfel- sen der Lahn wächst der Limburger Dom in überwältigender siebentürmiger Pracht empor. Gegenüber diesem geweihten Kunstwerk, das in einer selten so ursprünglich anzutreffenden Der- bindung von Ratur und menschlichem Schöpfer­geist errichtet ist und den harmonischen Zusam- menklang reifer romanischer Kunst mit der er­wachenden Gotik in sich vereinigt, verblaßt schlecht­hin alles, was die alte Lahnstadt an Werten und Schönheiten zu bieten hat. DaS will viel heißen, denn Limburg besitzt rund um seine alten Markt­plätze einen erstaunlichen Reichtum an formvollen­

deten Patrizierhäusern und Fachwerkbauten. Sehenswert sind das Alte Schloß in unmittelba­rer Rähe des Domes und die mächtige Stein­brücke über die Lahn mit scharsprvsiliertem Wach­turm.

Auch Diez ist wieder so ein schmeichelndes ehrwürdiges Stadtbild mit dem formgebcnden Burgbau auf felsigem Mittelpunkt. .Die Stadt der schönen Ausblicke" gewährt einen eigenartigen Reiz aus der Sicht der Talhöhen, wenn die Sonne um die bläulichen Schieferhelme der Dächer spielt und die spitzen Giebelnasen der allen Bauten ge­heimnisvoll aus dem Gewirr der Gäßchen und Winkel stechen. Bewundernswert ist der Lebens­mut der flcincn Stadt, die sich ein neuzeitliches Raturheilbad eingerichtet hat und ihre Gäste stets auf das aufmerksamste empfängt.

Bekanntes und unbekanntes Ostpreußen.

Reift in deutsches Grenzland.

Bon Hans Zippel, Berlin.

Wie der Januskopf im Wappen der schönen Stadt Lyck, so hat Ostpreußen, das jüngste deutsche Reise­land, gleichsam zwei Gesichter: eines, das heute schon Tausenden von Ostlandfahrern lieb und ver­traut ist, und ein anderes, das bislang erst wenige Auserwählte, wenigeEntdecker" zu schauen ver­mochten. Hinter dem bekannten Ostpreußen mit sei­nen Städten, Badeorten, Waldern, Seen liegt still und ein wenig abseits jenes andere, noch kaum er­schlossene Ostpreußen, ein weites, einsames, ur­wüchsiges Land, in dem auch heute noch die blaue Blume der Romantik für alle diejenigen blüht, die sie zu finden wissen.

Das bekannte Ostpreußen das sind von Danzig bis Memel, ja weiter: von dem mondänen Zoppot bis hinauf zu dem der Bevölkerung nach auch jetzt noch deutschen Nimmersatt alle die Badeorte, die seit Jahrzehnten schon von Sommergästen aus allen deutschen Gauen aufgesucht werden. Auf der Frischen Nehrung das liebliche Kahlberg mit seinen prachtvollen Wäldern und seiner einzigartigen Fülle von Dampferausflugsmöglichkeiten; unweit Pillau das stille Neuhäuser mit seinen freundlichen Billen und Gärten; Groß- und Kleinkuhren, die Malerwinkel der samländischen Steilküste: das auf­strebende Georgenswalde und Rauschen, die Perle des Samlandes". Neukuhren, das das ein­zige Aquarium der Ostsee besitzt, und Cranz, das sich eines besonders starken Wellenschlages rühmen darf. Und schließlich das Wunderland der Ku ri­sch en Nehrung mit Ross itten, Pillkoppen, Nidden und Schwarzort, mit Wanderdünen und Elchrevier, Segel- und Bogelflug, das alles find seit langem viel besuchte Reiseziele.

Das bekannte Ostpreußen das ist Masuren, das Land der tausend Seen. Das ist die einzigschöne Dampferfahrt von Angerburg hoch im Norden der Eeenkete über L ö tz e n bis nach Nudczanny im Süden. Das sind vor allem die modern einge­richteten, entzückend gelegenen Kurhäuser in Anger- bürg und Rudczanny: dieses inmiten der Johannis­burger Heide, hoch über dem lieblichen Niedersee, das andere auf der Jägerhöhe über dem Schwenzait- fee, nahe dem weihevollsten aller deutschen Solda­tenfriedhöfe. Auch das geräumige Kurhaus in Lätzen, das so schön am Wasser liegt, gehört hier­her, und vielleicht sogar das kleinere, schlichte Fähr­haus Wiersba, in dem dieSpezialisten" unter den Masurenfahrern, die Angler, Jäger und Wasser­sportler, Quartier zu nehmen pflegen.

Und was ist noch bekannt? Das Tannenberg- Nationaldenkmal bei Allenstein das 1928 von Generalfeldmarschall von Hindenburg, dem Befreier Ostpreußens, geweiht wurdeden

Gefallene, zum Gedächtnis, den Ueberlcbenben zur Mahnung, den kommenden Geschlechtern zur Nach, ciferung!" Königsberg, Insterburg und Trakehnen, die Hauptzuchtstätten des edlen Warmbluts Trakehner Abstammung"; vielleicht auch noch Tilsit, die Heimat Max von Schen­kendorffs, das alles sind Namen, die jedem Deut­schen vertraut sind, mit denen sich fest der Begriff des Sehenswerten, geschichtlich Bedeutsamen ver­bindet.

Aber nun das unbekannte O st preußen! Wer im Reiche kennt beispielsweise die Groß-Scho- reller Plinis oder die Osznagorrer Schweiz? Wer hätte es schon unternommen, in zwar etwas be­schwerlicher, aber reizvoller Wanderung die mäch­tigen Wälder zwischen Tilsit und Eydlkuhnen, die Trappöner, die Neu-Luböhncr, die Uszballener, die Weszkallener Forst zuerforschen"? Wer weiß etwas von der grenzenlosen Einsamkeit des Großen Moosbruchs bei Labiau, von dem einzigen noch wachsenden deutschen Hochmoor des Zehlaubruches zwischen Tapiau und Friedland, von dem urwüchsig wilden Elchreoier der Jbenhorstcr und der Tawell- ningkener Forsten an der Ostküste des Kurischen Haffs? Da liegt zwischen Treuburg und Lyck, tief in Ostmasuren und inmitten der prachtvollen Rothe- buder Forst ein Seenreoier der Litigaino-, der Haaszner-, der Schwalg-, der Pillwungsee, in dem Reiher und wilde Schwäne, Kormorans und schwarze Störche noch nicht zu den Seltenheiten ge- hören. Da trifft man in Ortelsburg einen Fal­kenhof, in dem Jagdfalken gezogen und Reiher­beizen veranstaltet werden. Da gibt es Flußläufe und Gewässer, die den Faltbootfahrer durch geheim­nisvoll unbekannte Waldreviere geleiten, durch Dörfer, denen die Ankunft eines Fremden noch Sel­tenes Ereignis ist. Da liegt, ein wenig abseits der Dampferroute, zwischen Angerburg und Lötzen, Schloß Sie in ort, inmitten eines Parks, der über 200 wohl tausendjährige Rieseneichen enthält. Da trifft man, in einer lieblich bewegten Land­schaft überraschend auf die Wallfahrtskirche von Heiligelinde, deren Barock sich ebenbürtig neben zahllose bekanntere Bauwerke gleichen Stils im Reiche stellt; oder auf die romantische kleine Burg zu Rössel, deren Bergfried so keck und steil emporragt, als stünde er irgendwo in der Schwä­bischen Alb oder am Saalestrande. Auch unter den vielen kleinen Städten des Landes gibt es so manche, die der Fremdenstrom aus dem Reiche bisher nicht erfaßte. Freystadt z. Bf, dessen Bürgermeister alle Jahre die Freude hat, den greisen Reichspräsi- denten von Hindenburg willkommen zu heißen, wenn er nach dem nahen Neudeck fährt; oder das

noch heute wehrhaft anmutende, kleine Pr. Hol­land, das man gelegentlich einer Fahrt über die geneigten Ebenen des Oberländischen Kanals be­suchen kann. Oder auch G a r n \ e c , dem die Grenz­ziehung von Versailles den Bahnhof abfchnitt. Nicht mehr unbekannt, aber doch noch immer viel zu wenig bekannt und erkannt ist auch die Weich- selgrenze von Kurzebrack bis nach Weißenberg, DemDeutschen Eck im Osten", die man von Ma­rienwerder ober Marienburg aus erreicht.

Das bekannte wie das unbekannte Ostpreußen vermoacn ihren Besuchern so manches unerwartet Interessante, Neuartige und Eigenartige zu bieten: dem geruhigen Reisenden, der es liebt, mit Bahn und Schiff ober auch im eigenen Wagen gemächlich von Ort zu Ort zu fahren, ebenso wie ber entberfer- und abenteuerfrohen Jugend, die Einsamkeit und unberührte Urnatur sucht. Mit einer freudigen Gast­lichkeit, die dem Gefühl der Dereinsamung ent- springt, harrt Ostpreußen der Gäste aus dem Reiche. Denn es bedarf als Grenzland besonders dringend des Zuspruches der deutschen Volks­genossen aus dem Mutterlande!

/ Vom Darmstädter Sondergericht.

Darmstadt, 21. Juli. (WSN.) Das Sonder- gericht, das am Freitag ununterbrochen neun Stun- den tagte, befaßte sich unter Ausschluß der Oessent- lichkeit mit einem Sprengstossvergehen, das zehn Jahre zurückliegt. Zu je einem Jahre Zucht­haus wurden vier Kommunisten aus Bir­kenau verurteilt, die Handgranaten hergestellt hat­ten. Wegen Beihilfe erhielten drei Arbeiter je 45 Monate Gefängnis und wegen Anstiftung ein Maler aus Weinheim sechs Monate Ge- fängnis. Ein Schreiner aus Lampertheim wurde wegen Beleidigung ber NSDAP, unb Nichtabliefe­rung einer Schußwaffe mit sechs Monaten Gefäng­nis bestraft, ebenfalls ein Dachbecker aus Darm- stabt, ber sich beleibigenb über die Wachmannschaft des Konzentrationslagers Osthofen geäußert hatte. Ein Kesselschmied auf ber Wanderschaft hatte im Mainzer Krankenhaus ben Reichskanzler beschimpft. Er würbe zu einem Jahr Gefängnis ver­urteilt. Mangels Beweises freigesprochen würbe ber frühere Direktor bes Offenbacher Arbeitsamtes von ber Anklage, die auf Verächtlichmachung der Reichs­regierung lautete. Wegen Beleidigung des Ministers Göring erhielt ein Landwirtschaftsarbeiter in Albig vier Monate Gefängnis, ein durch­reisender Maschinenschlosser, der in Gießen Greuelmärchen erzählte, mußte dieses Vergehen mit a ch t Monaten Gefängnis büßen, sechs Monate Gefängnis wurden einem Mechaniker zudiktiert, der im Vilbeler Krankenhaus die SA. beschimpft hatte.

Spielp!a:i der Frankfurter Theater«

Opernhaus. Sonntag, 23.3uli, 19 Uhr: Der Rosenkavalier. Bon Montag, den 24. 3uli 1933, an bleibt das Opernhaus ferienhalber ge­schlossen.

Schauspielhaus. 1 Sonntag, 23. 3uli. 20.15 Ahr: Römerberg: Egmont. 20: Schau­spielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. Montag 24., 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. Dienstag, 25.3uli, 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. Mittwoch, 26. 3uli, 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. Donnerstag. 27. 3uli. 20.15: Römerberg: Die 3ungfrau von Orleans. 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Dra­chen. Freitag, 28.3uli, 20.15: Römerberg: Die 3ungfrau von Orleans. 20: Schauspiel­haus: Der Kampf mit dem Drachen. Sams­tag, 29.3uli, 20.15: Römerberg: Egmont. 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Dra­chen.

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