Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen.
Wanderfahrten.
Bietet — helfhol; — Hohensolms — Altenberg — Bubenrod — Bieber.
Wir wandern von Bieber (Sonntagskarte) durch daS schöne Biebertal bis kurz vor die Obermühle, wo wir die Landstraße verlassen und in eine Pap. pelallee einbiegen. Bei der nächsten Teilung des Wege- schlagen wir den linken ein und gelangen alSoald an die schwarzen Punkte, die vom Düns- berg kommen «hier hübscher Rückblick noch der Obermühle). Wir folgen jetzt dem Zeichen, das uns zunächst über eine Wiese zum bewaldeten Sberstein führt. Rach geraumer Zeit, nachdem wir die frühere Oberförsterei Strupbach passiert haben, genießen wir am Waldrand einen prächtigen Blick auf Königsberg und noch Ueberschrei- ten eines freien Feldes am jenseitigen Waldrand einen Ausblick auf den Dünsberg. 3n langsamer Steigung führt unser Weg an der Philippstanne vorüber hinauf nach dem hochgelegenen Hohensolms (gute Einkehr), unterwegs stets herrliche Ausblicke gewährend. Wir gehen nunmehr ein Stück auf der Landstraße an einigen alten Linden vorbei, roten Strichen nach hinauf zum Altenberg, von dessen steinernem Turm sich ein entzückender Rundblick bietet. Das Zeichen leitet uns weiter über den bewaldeten Bleidenberg nach dem gastlichen Hofgut Bubenrod, wo wir rasten können. Rote Kreuze führen uns von hier nach unserem Endziel Bieber. Wanderzeit etwa vier Stunden.
Fronhausen — hafsenhaufen — Allendorf — Climbach — Großen-Buseck.
Dom Bahnhof Fronhausen gehen wir über den Bahnkörper und folgen roten Strichen durch Dellnhausen und Hattenhausen, hinter dem der Wald beginnt, an Hof Fortbach vorüber nach dem Lumdatal, das bei Allendorf erreicht wird. (Gute Gasthäuser.) Don hier folgen wir den vom Totenberg kommenden roten Punkten, die uns über das hochgelegene Climbach und den Aspenkippel, einen ehemaligen Dulkankrater führen. Eine Waldblöhe bietet reizvolle Ausblicke in das Lumdatal mit einigen Ortschaften, nach Burg Staufenberg und unseren Rachbar-Burgen. Durch schöne Waldungen führt uns das Zeichen über den Hohen Berg nach insgesamt fünfstündiger Wanderung zu unserem Endziel Grohen-Buseck.
Weilburg, Limburg, Diez.
Schöne Städtebilder im Lahntal.
Die landschaftlich reizvoll gezeichnete Talbucht der Lahn ist reich an geschichtlichen Erinnerungen. Die alten Städte an diesem Grenzfluß des Westev- waldes und der nassauischen Lande beherbergen eine Reihe eindrucksvoller Schloßbauten.
Da ist zunächst Weilburg mit seinem vornehmen Renaissancebau. Der Rundgang durch die dreihundert Räume des mächtigen Gebäudekomplexes gibt einen anschaulichen Einblick in die Wohnkultur gekrönter Häupter vor dem Kriege. Richts zeigt die Schnellebigkeit unserer Zeit eindringlicher als solche Prunkstücke von vorgestern; nur die hochstämmigen Blutbuchen im Schloßgarten bleiben nach wie vor bewundernswert in ihren ruhigen, natürlich gewachsenen Formen. Einzigartig schön ist der Schloßhof, der bekannten Malern zum Motiv diente. Don der Terrasse aus gesehen, liegt zum Greifen nahe das Miniaturbild des Städtchens an der Schleife der Lahn. Eine Merkwürdigkeit bleibe nicht unerwähnt: wenn wir in die Stadt hinabsteigen, kehren wir nach Deutschland zurück, denn hier oben im Bereich des Schlosses befanden wir uns auf neu
tralem Boden, sozusagen in Luxemburg, deren regierender Großherzogin das Schloß gehört.
Lleberall, flußab am Ufer der Lahn, zeigen sich alte vieltürmige Etädtebilder in der Stimmung mittelalterlicher Kupferstiche. Aus einem Llferfel- sen der Lahn wächst der Limburger Dom in überwältigender siebentürmiger Pracht empor. Gegenüber diesem geweihten Kunstwerk, das in einer selten so ursprünglich anzutreffenden Der- bindung von Ratur und menschlichem Schöpfergeist errichtet ist und den harmonischen Zusam- menklang reifer romanischer Kunst mit der erwachenden Gotik in sich vereinigt, verblaßt schlechthin alles, was die alte Lahnstadt an Werten und Schönheiten zu bieten hat. DaS will viel heißen, denn Limburg besitzt rund um seine alten Marktplätze einen erstaunlichen Reichtum an formvollen
deten Patrizierhäusern und Fachwerkbauten. Sehenswert sind das Alte Schloß in unmittelbarer Rähe des Domes und die mächtige Steinbrücke über die Lahn mit scharsprvsiliertem Wachturm.
Auch Diez ist wieder so ein schmeichelndes ehrwürdiges Stadtbild mit dem formgebcnden Burgbau auf felsigem Mittelpunkt. .Die Stadt der schönen Ausblicke" gewährt einen eigenartigen Reiz aus der Sicht der Talhöhen, wenn die Sonne um die bläulichen Schieferhelme der Dächer spielt und die spitzen Giebelnasen der allen Bauten geheimnisvoll aus dem Gewirr der Gäßchen und Winkel stechen. Bewundernswert ist der Lebensmut der flcincn Stadt, die sich ein neuzeitliches Raturheilbad eingerichtet hat und ihre Gäste stets auf das aufmerksamste empfängt.
Bekanntes und unbekanntes Ostpreußen.
Reift in deutsches Grenzland.
Bon Hans Zippel, Berlin.
Wie der Januskopf im Wappen der schönen Stadt Lyck, so hat Ostpreußen, das jüngste deutsche Reiseland, gleichsam zwei Gesichter: eines, das heute schon Tausenden von Ostlandfahrern lieb und vertraut ist, und ein anderes, das bislang erst wenige Auserwählte, wenige „Entdecker" zu schauen vermochten. Hinter dem bekannten Ostpreußen mit seinen Städten, Badeorten, Waldern, Seen liegt still und ein wenig abseits jenes andere, noch kaum erschlossene Ostpreußen, ein weites, einsames, urwüchsiges Land, in dem auch heute noch die blaue Blume der Romantik für alle diejenigen blüht, die sie zu finden wissen.
Das bekannte Ostpreußen — das sind von Danzig bis Memel, ja weiter: von dem mondänen Zoppot bis hinauf zu dem der Bevölkerung nach auch jetzt noch deutschen Nimmersatt alle die Badeorte, die seit Jahrzehnten schon von Sommergästen aus allen deutschen Gauen aufgesucht werden. Auf der Frischen Nehrung das liebliche Kahlberg mit seinen prachtvollen Wäldern und seiner einzigartigen Fülle von Dampferausflugsmöglichkeiten; unweit Pillau das stille Neuhäuser mit seinen freundlichen Billen und Gärten; Groß- und Kleinkuhren, die Malerwinkel der samländischen Steilküste: das aufstrebende Georgenswalde und Rauschen, die „Perle des Samlandes". Neukuhren, das das einzige Aquarium der Ostsee besitzt, und Cranz, das sich eines besonders starken Wellenschlages rühmen darf. Und schließlich das Wunderland der Ku risch en Nehrung mit Ross itten, Pillkoppen, Nidden und Schwarzort, mit Wanderdünen und Elchrevier, Segel- und Bogelflug, das alles find seit langem viel besuchte Reiseziele.
Das bekannte Ostpreußen — das ist Masuren, das Land der tausend Seen. Das ist die einzigschöne Dampferfahrt von Angerburg hoch im Norden der Eeenkete über L ö tz e n bis nach Nudczanny im Süden. Das sind vor allem die modern eingerichteten, entzückend gelegenen Kurhäuser in Anger- bürg und Rudczanny: dieses inmiten der Johannisburger Heide, hoch über dem lieblichen Niedersee, das andere auf der Jägerhöhe über dem Schwenzait- fee, nahe dem weihevollsten aller deutschen Soldatenfriedhöfe. Auch das geräumige Kurhaus in Lätzen, das so schön am Wasser liegt, gehört hierher, und vielleicht sogar das kleinere, schlichte Fährhaus Wiersba, in dem die „Spezialisten" unter den Masurenfahrern, die Angler, Jäger und Wassersportler, Quartier zu nehmen pflegen.
Und was ist noch bekannt? Das Tannenberg- Nationaldenkmal bei Allenstein das 1928 von Generalfeldmarschall von Hindenburg, dem Befreier Ostpreußens, geweiht wurde „den
Gefallene, zum Gedächtnis, den Ueberlcbenben zur Mahnung, den kommenden Geschlechtern zur Nach, ciferung!" Königsberg, Insterburg und Trakehnen, die Hauptzuchtstätten des edlen „Warmbluts Trakehner Abstammung"; vielleicht auch noch Tilsit, die Heimat Max von Schenkendorffs, das alles sind Namen, die jedem Deutschen vertraut sind, mit denen sich fest der Begriff des Sehenswerten, geschichtlich Bedeutsamen verbindet.
Aber nun das unbekannte O st preußen! Wer im Reiche kennt beispielsweise die Groß-Scho- reller Plinis oder die Osznagorrer Schweiz? Wer hätte es schon unternommen, in zwar etwas beschwerlicher, aber reizvoller Wanderung die mächtigen Wälder zwischen Tilsit und Eydlkuhnen, die Trappöner, die Neu-Luböhncr, die Uszballener, die Weszkallener Forst zu „erforschen"? Wer weiß etwas von der grenzenlosen Einsamkeit des Großen Moosbruchs bei Labiau, von dem einzigen noch wachsenden deutschen Hochmoor des Zehlaubruches zwischen Tapiau und Friedland, von dem urwüchsig wilden Elchreoier der Jbenhorstcr und der Tawell- ningkener Forsten an der Ostküste des Kurischen Haffs? Da liegt zwischen Treuburg und Lyck, tief in Ostmasuren und inmitten der prachtvollen Rothe- buder Forst ein Seenreoier — der Litigaino-, der Haaszner-, der Schwalg-, der Pillwungsee, in dem Reiher und wilde Schwäne, Kormorans und schwarze Störche noch nicht zu den Seltenheiten ge- hören. Da trifft man in Ortelsburg einen Falkenhof, in dem Jagdfalken gezogen und Reiherbeizen veranstaltet werden. Da gibt es Flußläufe und Gewässer, die den Faltbootfahrer durch geheimnisvoll unbekannte Waldreviere geleiten, durch Dörfer, denen die Ankunft eines Fremden noch Seltenes Ereignis ist. Da liegt, ein wenig abseits der Dampferroute, zwischen Angerburg und Lötzen, Schloß Sie in ort, inmitten eines Parks, der über 200 wohl tausendjährige Rieseneichen enthält. Da trifft man, in einer lieblich bewegten Landschaft überraschend auf die Wallfahrtskirche von Heiligelinde, deren Barock sich ebenbürtig neben zahllose bekanntere Bauwerke gleichen Stils im Reiche stellt; oder auf die romantische kleine Burg zu Rössel, deren Bergfried so keck und steil emporragt, als stünde er irgendwo in der Schwäbischen Alb oder am Saalestrande. Auch unter den vielen kleinen Städten des Landes gibt es so manche, die der Fremdenstrom aus dem Reiche bisher nicht erfaßte. Freystadt z. Bf, dessen Bürgermeister alle Jahre die Freude hat, den greisen Reichspräsi- denten von Hindenburg willkommen zu heißen, wenn er nach dem nahen Neudeck fährt; oder das
noch heute wehrhaft anmutende, kleine Pr. Holland, das man gelegentlich einer Fahrt über die geneigten Ebenen des Oberländischen Kanals besuchen kann. Oder auch G a r n \ e c , dem die Grenzziehung von Versailles den Bahnhof abfchnitt. — Nicht mehr unbekannt, aber doch noch immer viel zu wenig bekannt und erkannt ist auch die Weich- selgrenze von Kurzebrack bis nach Weißenberg, Dem „Deutschen Eck im Osten", die man von Marienwerder ober Marienburg aus erreicht.
Das bekannte wie das unbekannte Ostpreußen vermoacn ihren Besuchern so manches unerwartet Interessante, Neuartige und Eigenartige zu bieten: dem geruhigen Reisenden, der es liebt, mit Bahn und Schiff ober auch im eigenen Wagen gemächlich von Ort zu Ort zu fahren, ebenso wie ber entberfer- und abenteuerfrohen Jugend, die Einsamkeit und unberührte Urnatur sucht. Mit einer freudigen Gastlichkeit, die dem Gefühl der Dereinsamung ent- springt, harrt Ostpreußen der Gäste aus dem Reiche. Denn es bedarf als Grenzland besonders dringend des Zuspruches der deutschen Volksgenossen aus dem Mutterlande!
/ Vom Darmstädter Sondergericht.
Darmstadt, 21. Juli. (WSN.) Das Sonder- gericht, das am Freitag ununterbrochen neun Stun- den tagte, befaßte sich unter Ausschluß der Oessent- lichkeit mit einem Sprengstossvergehen, das zehn Jahre zurückliegt. Zu je einem Jahre Zuchthaus wurden vier Kommunisten aus Birkenau verurteilt, die Handgranaten hergestellt hatten. Wegen Beihilfe erhielten drei Arbeiter je 45 Monate Gefängnis und wegen Anstiftung ein Maler aus Weinheim sechs Monate Ge- fängnis. Ein Schreiner aus Lampertheim wurde wegen Beleidigung ber NSDAP, unb Nichtablieferung einer Schußwaffe mit sechs Monaten Gefängnis bestraft, ebenfalls ein Dachbecker aus Darm- stabt, ber sich beleibigenb über die Wachmannschaft des Konzentrationslagers Osthofen geäußert hatte. Ein Kesselschmied auf ber Wanderschaft hatte im Mainzer Krankenhaus ben Reichskanzler beschimpft. Er würbe zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Mangels Beweises freigesprochen würbe ber frühere Direktor bes Offenbacher Arbeitsamtes von ber Anklage, die auf Verächtlichmachung der Reichsregierung lautete. Wegen Beleidigung des Ministers Göring erhielt ein Landwirtschaftsarbeiter in Albig vier Monate Gefängnis, ein durchreisender Maschinenschlosser, der in Gießen Greuelmärchen erzählte, mußte dieses Vergehen mit a ch t Monaten Gefängnis büßen, sechs Monate Gefängnis wurden einem Mechaniker zudiktiert, der im Vilbeler Krankenhaus die SA. beschimpft hatte.
Spielp!a:i der Frankfurter Theater«
Opernhaus. Sonntag, 23.3uli, 19 Uhr: Der Rosenkavalier. — Bon Montag, den 24. 3uli 1933, an bleibt das Opernhaus ferienhalber geschlossen.
Schauspielhaus. 1 Sonntag, 23. 3uli. 20.15 Ahr: Römerberg: Egmont. — 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. — Montag 24., 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. — Dienstag, 25.3uli, 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. — Mittwoch, 26. 3uli, 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. — Donnerstag. 27. 3uli. 20.15: Römerberg: Die 3ungfrau von Orleans.— 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. — Freitag, 28.3uli, 20.15: Römerberg: Die 3ungfrau von Orleans. — 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen. — Samstag, 29.3uli, 20.15: Römerberg: Egmont. — 20: Schauspielhaus: Der Kampf mit dem Drachen.
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