Kreistag des Kreises Gießen.
3nt Sitzungssaals des Regierungsgebäudes zu Tiehen hielt gestern mittag der neue Kreistag des Kreises Gießen seine erste Sitzung ab- 3n dem in gleicher Weise wie beim Provinzialtag mit den nationalen Symbolen ge- schmückten Saale fanden sich sämtliche Mitglieder des Kreistages ein. Die Fraktion der RSDAP. unter Führung des kommissarischen Gießener Beigeordneten Rechtsanwalt L u l e y war im braunen Ehrenkleid erschienen.
Der Vorsitzende, Regierungsrat Grein, leitete die Sitzung mit herzlichem Willkommen- gruh an die KreiSlagsabgeordneten ein. Dann sagte er in seiner Ansprache u. a.: Es ist das erstemal, daß der Kreistag des Kreises Sieben scii jenem denkwürdigen 5- März zusammentritt, jenem Tage, an dem
das hoffen und Sehnen von Millionen und Abermillionen deutichdenkender und national empfindender deutscher Manner und Jrauen in
Erfüllung gegangen Ist.
Mit elementarer Wucht ist die nationale Bewc- . gung zum Durchbruch gekommen. Runmehr harren grobe Ausgaben der Erfüllung. Unter der Führung unseres verehrten Reichspräsidenten Generalfeldmarschalls v. Hindenburg und seines groben Bolkskanzlers Adolf Hitler, dem Schöpfer einer Volksbewegung in einem Aus- mafje, wie die Welt sie bisher noch nie erlebt hat, soll nunmehr der Wiederaufbau unseres Volkes nach außen und innen auf der Grundlage einer vom nationalen, sozialen und christlichen Gei st e erfüllten Volksgemeinschaft erfolgen; eine Aufgabe, die nicht nur zielbewusster, tatkräftiger und von heiliger Begeisterung für die Sache erfüllter Männer bedarf, sondern auch die Mitarbeit jedes v e r a n t w o r t u n g S b e w u b t e n Deutschen notwendig macht-
wir können Gott danken, dah er uns in der grosten Rotzeit solche Manner gegeben hat, die mit starker Hand die Leitung des Geschickes unsere» Volkes In die Hand genommen und zu denen wir festes vertrauen haben, daß ihnen das grohe Werk des Aufbaues Deutschlands gelingt. An uns liegt es nun, alle unsere Kraft zusammenzunehmen, uns einzusehen und dafür mitzuarbeiten, dah dieses grohe Ziel erreicht wird.
Der Kreistag hat keine großen politischen Aufgaben im eigentlichen Sinne des Wortes zu erfüllen. Seine Beschlüsse wirken sich mehr in wirtschaftlicher Hinsicht aus, sie sind aber deshalb nicht weniger bedeutungsvoll für die Bevölkerung unseres Kreises. Aus dem oorgelegten Voranschlag entnehmen Sie, was für Ausgaben der Kreis als Selbstoerwaltungskörperfchaft $u erfüllen hat. Wie Sie sehen, handelt es sich in der Hauptsache um Aufgaben des Fürsorgewesens, in dessen Rahmen auch die Ertüchtigung unserer Iu- aend von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Der Kreis hat es weiter übernommen, auch an den Aufgaben auf dem Gebiete des Wohnungsbaues, der Landwirtschaft und Kunst und Wissenschaft fördernd mitzuarbeiten.
Wie bei einem Bau jeder Baustein für seinen Teil die Aufgabe hat, den Bau tragen zu helfen, so ist es auch Ausgabe des Kreises, dcks grohe Gebäude unserer Nation zu stützen und sich damit in das große Ganze einzufügen. Das ergibt für uns, die als Kreisoerwaltung, und für Sie, die als Mitglieder des Kreistages berufen find, die Geschicke des Kreises Gießen zu leiten, die 93er- pflichtung,
unsere Entschlüsse stets Im Sinne der nationalen Regierung ju fassen und bei allen Mahnahmen darauf bedacht zu sein, dah wir Dienst am volksganzen zu leisten haben.
Ich hoffe und wünsche, daß sich auf dieser Grundlage ein gedeihliches Zusammenarbei» ten zwischen dem Kreistag und der Kreisoerwaltung entwickeln möge zum Besten unseres Kreises und seiner gesamten Bewohnerschaft.
Die Konstituierung.
hierauf erfolgte die Konstituierung des Kreistages durch Namensaufruf der Mitglieder durch den Vorsitzenden. Es ergab sich dabei, daß sämtliche Mitglieder des Kreistages erschienen waren. Regierungsrat Grein nahm sodann die Verpflichtung der Kreistagsabgeordneten vor und teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß Amtsgerichtsrat Brücket, Gießen, fein Kreistagsmandat niedergelegt habe und an feine Stelle der Kaufmann Adolf Sudheimer in den Kreistag eingetreten sei.
hieraus nahm der Führer der nationalsozialistischen Kreistagsfraktion,
komm. Beigeordneter Rechtsanwalt Luley-Gießen
das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. sagte: Nach dem Durchbruch der nationalsozialistischen Revolution ist es auch im Kreise Gießen vollkommen überflüssig geworden, daß der Kreistag in der Art wie früher Erörterungen pflegt Der Haushaltsvoranschlag ist von der Kreisverwaltung und dem Kreisausschuß sorgfältig geprüft und festgestellt worden, und damit ist die Gewähr gegeben für eine ordnungsmäßige Verwaltung. Die frühere Art der Verhandlungen bedeutete nur eine Verschleuderung von Tagegeldern, da man tagelang zwecklos beraten hat. Das jetzige Verfahren bedeutet also Ersparnis von Geld, aber auch Ersparnis an Zeit. Ich beantrage daher, die Tagesordnung im ganzen an- zunehmen und die Aussprache sofort zu schließen.
Die Beschlußfassung.
Dem Antrag auf Schluß der Aussprache wurde einhellig zugestimmt. Ebenso einstimmig wurde die ganze Tagesordnung angenommen und damit der Haushaltsvoranschlag für das Rj. 1933 mit 785 065 Mark in Einnahme und Ausgabe festgesetzt.
Rechtsanwattundkomm.Beigeordneter Luley-Gießen
hielt hierauf die Schlußansprache, in der er u. a. sagte:
Deutsche Volksgenossen!
Die deutsche Revolution des März 1933 hat nicht nur einen der traurigsten Abschnitte der deutschen Geschichte, die 14jährige Herrschaft des Marxis- rnus und des liberalen Kapitalismus beendigt, sie hat eine Wandlung in dem deutschen Volke heroor- gerufen, die eine Abkehr von all den trennenden
Gegensätzen, die das deutsche Volk in so überreichem Maße bisher aufwies, bedeutet. Klassengegensätze, Stammesgegensätze, konfessionelle Gegensätze, alle sind sie verschwunden in der großen nationalen Einigung, die der Zusammenschluß des deutschen Volkes in der NSDAP, herbeigesührt hat. Bürger, Bauer ober Arbeiter, Arm ober Reich, Gelehrte ober Nichtgelehrte, Katholiken ober Protestanten, Nord ober Süd, alles das existiert für den Nationalsozialismus als Gegensatz nicht.
Es gibt nur deutsche Art und die Leistung.
14 Jahre hat es allerdings gedauert, bis der deutsche nationalsozialistische Gedanke sich durchgesetzt hat. Fast an den Rand des Abgrundes wurde das deutsche Volk von der korrupten Herrschaft des Marxismus und des liberalen Kapitalismus geführt, jahrelang find all die Warnungen und Ermahnungen des Mannes verhallt, der in klarer Erkenntnis das unweigerliche Ende der korrupten und unfähigen Herrschaft der Unsauberkeit und des Verbrechens voraussah. Verlacht und verspottet, eingekerkert, mundtot gemacht, hat er keinen Augenblick an seiner Sendung und an feinei* Ziel gezweifelt, hat er sich, als andere irre wurden, nie über den Weg, der zu beschreiten war, getäuscht und schließlich das gesteckte Ziel erreicht: die Beseitigung der Korrup- tion und die Inangriffnahme des Neuaufbaues des deutschen Volkes.
Menn je ein Mann in der Welt durch feinen Werbegang bewiesen hat, bah er bazu berufen ist, ein Führer feines Volkes zu fein, fo ist bas
Adolf Hitler.
Freilich, die Leistung, die noch beoorsteht, ist gigantisch und bedarf der Mithilfe des ganzen deutschen Volkes, bedarf einer inneren Umkehr aller derer, die in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit auch heute noch nicht die elementare Notwendigkeit des von Adolf Hitler eingeschlagenen Wegs erkannt haben. Alle großen Führer sind Wegbereiter, den Weg, den das deutsche Volk $u gehen hat, hat Adolf Hitler nicht nur ihm gezeigt, er hat ihn auch vorbereitet, und das deutsche Volk in seiner entscheidenden Mehrheit ist gewillt, diesen Weg zu gehen. Dieser Wille der Mehrheit aber bedeutet, daß auf parlamentarischem Weg der Parlamentarismus abgetötet worden ist. Das deutsche Volk hat den ewigen Kuhhandel der Parteien satt. Es hat nicht nur Die Marxisten, sondern auch deren scheinbare Gegenspieler, in Wirklichkeit seine Bundesgenossen und Mitnutznießer, die sogen, bürgerlichen Parteien, bis auf kümmerliche Reste verschwinden lassen.
Dah bas beutsche Volk auf dem richtigen Weg ist, beweist am besten die Stellung des Auslandes jum Deutschen Reich.
Das Wiedererstarken des deutschen Volkes ist dem Ausland ein Dorn im Auge, das arme Oesterreich, das in vollständiger Verkennung der Lage glaubt, den nationalsozialistischen Gedanken befämpjen zu können, erfreut sich nach jahrelanger Mißachtung der besonderen Gunst des Auslandes, weil man die Ausbreitung des Nationalsozialismus in Oesterreich fürchtet. Alles das aber bedeutet für uns nur eins: die klare Erkenntnis der unbedingt notwendigen Einigkeit im Innern, der Stärkung des Willens des deutschen Volkes zur Selbstbehauptung im Wettstreit der Nationen. Damit ist aber auch der Weg für den Nationalsozialismus vorgeschrieben: seine Ziele unablässig zu verfolgen und keine auch noch so geringe Störung des Wegs und damit Zersplitterung der Kräfte zu dulden. Für uns hier in unserem kleinen Aufgabenkreis aber bedeutet das: Ausschaltung jeglicher überflüssiger Arbeit, Kräfte-, Zeit- und Geldoergeudung. Immer wenden wir uns daher wieder an jeden, der deutsch ist, fühlt und denkt mit der Aufforderung:
hilf auch du in deinem Aufgabenkreis, fei er groh oder klein, für Erreichung des gemeinsamen Zieles, der Stärke und Gröhe des deutschen Vaterlands.
Töricht wäre es freilich, zu meinen, daß dieses Ziel in wenigen Wochen ober Monaten erreicht werden kann. Immer wieder ist es notwendig, zu erinnern, daß ein vierjähriger Krieg die deutsche Wirtschaft gestört, eine 14jährige Korruption sie aber zerstört und fast die Seele des deutschen Volkes vergiftet hat. Es wird jahrelanger Arbeit bedürfen, aufzubauen und wiederherzustellen. Es werden noch große Opfer notwendig fein, bis das Ziel erreicht fein wird. Wer aber zweifelt, der mag immer daran denken, daß die Zeiten leichtsinniger Schuldenwirtschaft und die Zeiten der Korruption endgültig vorüber sind, ebenfo auch die Zeit der Knechtschaft unter einem ausbeutenden Kapitalismus und unter einem aussaugenden Feindbund.
Was heute geleistet wird an Gut und Blut, wird für das deutsche Volk und seine Gröhe geleistet.
Das aber können wir unter unseren Führern, dem Reichspräsidenten von Hindenburg und dem Reichs- kanzler Adolf Hitler, und wir geloben ihnen, jeder zu feinem Teil, sie in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu helfen. „Sieg-Heil!"
Freudig wurde der dreimalige Ruf von der 93er- fammlung ausgenommen Während anschließend der erste Vers des Horst-Wesfel-Liedes gelungen wurde, verließen die Vertreter der SPD. den Sitzungssaal.
Aus Der provinzialhaupiüadt.
Schulveranstaltungen am 28. Juni.
Der Hessische Minister für Kultus- und Bildungswesen teilt in einem Schreiben an die Direktionen und Leiter der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten sowie an die Kreis- und Stadtschulämter mit, daß am 28. Juni, dem lag der Wiederkehr der Unterzeichnung des Versailler Diktats, die Anstaltsleiter in allen hesii- schen Schulen in der legten Dormittagsstunde die versammelte Schülerschaft in angebrachter ernster Form au> die Bedeutung dieses Tages und des Versailler Diktats hinzuweifen haben.
LZornottzcn.
— lagestalenber für Donnerstag. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- plag: 15 bis 17 Uhr: Ausstellung „Vorformen künstlerischen Schäftens". — Neues Schloß: 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr: Ausstellung hessischer und rheinischer Kunsttöpfereien. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „An heiligen Wassern" mit Karin Hardt.
•• D i e nützliche Fledermaus. In den Hellen Dämmerstunden der warmen Iuninächte fliegt die langohrige Fledermaus auf Deute.
Auf dem Lande kennt man sie überall, in der Stadt hält sie sich nur in der Rähc von mit Gesträuch oder Daumwuchs bestandenen Plätzen und Gärten auf. Sie flattert um Obfl bäume, fängt Spinnen, Mücken und Motten, vespert auch Raupen und macht sich durch Vernichten zahlreicher Schädlinge recht nützlich. Sie wird von vielen Feinden, von den Eulen, Mardern,
den Iltiften und den Katzen bedroht. Tagsüber halten sich die Fledermäuse gern schlafend im Gemäuer, hinter Läden, an Schornsteinen oder auf Türmen auf. Der Dauernspruch sagt: .Wer eine Fledermaus tötet, vernichtet die Ernte cincS ObstbaumeS." Die Meinung, daß Fledermäuse den Menschen in die Haare stiegen, ist völlig abwegig.
Geschichten ans aller Welt.
TaS Geheimnis des Pferdcstalls.
rt — Berlin.
Im Rorden Berlins liegt Reinickendorf, eine trotz grohzügiger Siedlungsanlagen immer noch etwas ländliche Gegend, der allmähliche Hebet* gang eben der Weltstadt Berlin in die sandige Landschaft der Mark Brandenburg.
In einem Fuhrgeschäft in Reinickendorf-Ost entdeckte man eines Morgen- in dem großen Pferdestall eine wilde Unordnung. Heuballen waren herumgeworfen, der Lehmboden zum Teil aufgehackt, Strohbündel waren zerpflückt und umhergeworfen, und die Tiere selbst zeigten noch gewisse Anzeichen von Unruhe. Zuerst konnte sich niemand die Ursache dieser Zerstörung erklären. Abergläubische Gemüter wußten bereits von dem Umgang eines bösen Geistes zu berichten und in der Umgegend verbreitete sich bald das Gerücht, dah es in dem Pserdestall des Unternehmers Br. nicht geheuer sei.
Da brachten die allmählich zusammengerusenen Kutscher die Erklärung. Sie gestanden nämlich, dah sie — das Fuhrgeschäft war einem großen Margarinewerk angeschlossen — das einkassierte Geld bei ihrer Rückkehr, es handelte sich immer um ein- bis zweitausend Mark, im Boden des Pferdestalles zu vergraben pflegten, weil die Bureaus zu dieser Zeit schon geschlossen hatten und sie das Geld darum nicht mehr ordnungsgemäß abliefern konnten. Die weiteren Rachforschungen ergaben dann, daß einer der Kutscher, der durch einen Grundstückskauf in erhebliche Schulden geraten war, das Geld entwendet hatte. Er kannte den Platz des Versteckes natürlich ganz genau, versuchte aber durch die angerichtete Einordnung den Eindruck zu erwecken, daß ein Unbekannter eingedrungen sei. Die gestohlenen 20)0 Mk. wurden in einer Blechbüchse gefunden, die er auf feinem eigenen unglückseligen Grundstück vergraben hatte. Damit fand der Spuk im Pferdestall seine Aufklärung; er wird in den nächsten Tagen vor Gericht seine Sühne finden.
Puffys Kunststück.
(Avk.) Budapest.
Karl Huszar, genannt .Pufty", ist eine wichtige Persönlichkeit des ungarischen Theaters und des Films. Sogar eine der — gewichtigsten Persönlichkeiten.
Der dicke Puffh besuchte kürzlich in Budapest eine Filmpremiere. Rach Schluß der Vorstellung wollte sich der Komiker vom Direktor des Lichtspieltheaters verabschieden. Dieser unterhielt sich im Vorraum gerade mit einem jungen Offizier. Puffh ging an die beiden heran und meinte: ..Ganz ordentlich der Film, mein Lieber. Hoffent
lich wird es ein gutes Geschäft. Ra, denn auf Wiedersehen!"
Der Direktor machte ein etwa- verlegene- Gesicht. Da griff der junge Offizier in die einseitige Unterhaltung ein und wandte sich an den Schauspieler: .Ich freue mich sehr, Sie persönlich kennenzulernen, Herr Huszar. Ich und meine Familie kennen Sie schon seit Jahren vom Film und können Sie gut leiden. ."
Pufsh lachte breit: »Wa- Sie nicht sagen, Herr Hauptmann?! Sic kennen mich? Kunststück! Wo ich schon seit vierzehn Jahren filme!!!"
..Ich wünsche Ihnen, Sie mögen noch viele vierzehn Jahre weiterfilmen", sagte der Offizier lächelnd und reichte dem Komiker die Hand. Puffh schüttelte sie leutselig: „Rett von Ihnen, Herr Hauptmann, auf Wiedersehen!"
Somit war die Audienz beendet. Puffh batte sie beendet. Der Offizier ging. Die Angestellten des Kinos machten untertänige Kratzfüße. Unb der Direktor schnitt eine süß-saure Grimasse. Puffh begann zu schwitzen: „Wer war denn dieser junge Hauptmann?"
„Erzherzog Joses Franz", lautete die verzweifelte Antwort des Direktors.
Puffh soll auf sein .Kunststück", Königliche Hoheit so unwirsch „verabschiedet" zu haben, nicht gerade stolz gewesen fein.
Orient
(C. R.) Athen.
Folgendes kleine Geschichtchen charakterisiert recht drastisch den Orient. In einem Hasenstädtchen ist der Dampfer zur Abfahrt bereit und wird, wie das hier so üblich ist, von allen möglichen Händlern umgeben, die noch im letzten Augenblick ein Geschäftchen mit den Reisenden abschließen wollen. So sitzt auch in der Barke ein Mann mit einem Vogelbauer, in dem ängstlich ein Kanarienvogel herumflattcrt. Er bietet dieses Tierchen einem sich anscheinend dafür interessierenden Herrn an. „Na, was soll der kosten", fragt der Herr, „100", sagen wir einmal, „100 Schil- finge", ruft der Verkäufer zurück. Der Herr: „100 Schillinge? Wohl verrückt, fünf Schillinge gebe ich, mehr nicht." Beteuerungen des Verkäufers, wie wundervoll der Vogel sänge, er sei unter Brüdern 200 Schillinge wert, nur weil er Geld brauche, sehe er sich in der Notlage usw. usw. Der Herr bleibt hartnäckig bei fünf Schillingen. Die Dampfpfeise gibt das Signal zur Abfahrt, der Dogelhandel wird immer lebhafter, schließlich, im letzten Augenblick, verkauft der arme Händler den Kanarienvogel für fünf Schillinge. Als nun der Verkäufer das Geld und der Herr den Vogelbauer in der Hand hat, ruft der Verkäufer dem glücklichen Kanarienvogelbesitzer zu „Hören Sic, wenn der Vogel singt, bann schreiben Sie mir bitte!" Darauf antwortet der Käufer: „Na, und wenn Sie die fünf Schillinge wechseln können, bann schreiben Sie mir bitte auch!"
Schach-Ecke.
Bearbeitet von Otto Benkner.
Problem Nr. 345.
Bon Freiherrn W. von Holzhausen, Magdeburg.
Weiß 7 Steine: Kg7; Th5; Sa4; Lc4; Bc5, f6, e3. Schwarz 6 Steine: Ke5; Lf5; Be4, e7, c6, c7. Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt.
Problem Nr. 346.
Bon G. D. Duuka, Budapest.
Weiß 7 Steine: Kh2; De7; Lc8; Sg6; Sc2: Tb4; Bb5.
Schwarz 5 Steine: Kd5; Ld2; Sc5; Sf5; Bf6.
Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt.
Partie Nr. 247.
Zur Erinnerung an den verstorbenen Schachmeister Mattison.
Im Internationalen Schachmeisterturnier Karlsbad 1929 gespielt.
Weih: Mattison.
Schwarz: Menschik.
1. e2—e4, c7—c5. 2. Sbl—c3. (Eine wenig übliche Fortsetzung. Weiß verzichtet auf die sofortige Le- setzung des wichtigen Zentralpunktes d4 mittels 2. Sgl—13 und 3. d2—d4.) 2. ...» Sb8—<6. 3. g2—g3, Sg8—16. 4. Lfl—g2. (Eine zurückhaltende Spielweife. Der Ausgleich sollte Schwarz bei genauem Spiel nicht schwer fallen.) 4 ..., g7—gö. 5. Sgl—e2, Lf8—g7. 6. 0—0, d7—d6. 7. d2—d3, Lc8—d7. 8. Sc3—d5, 0—0. 9. c2-c3, Ta8-c8? (Um den drohenden Königsangriff zu parieren, mußte 9. ... Dd8—c8 nebst Ld7—H3 geschehen.) 10. Sd5—e3, Dd8—b6? (Schwarz vernachlässigt die Verteidigung des Königsflügels!) 11. f2—14, e7—e6. 12. H2-h3, Sc6—e7. 13. g3-g4, Kg&-h8. 14. Se2 —g3, Db6—c7. 15. g4—g5, bf6-g8 16. h3-h4, f7—f5, (16..... h7-h5? 17. Sg3Xh5! usw.)
17. h4—h5, Tf8-f7. 18. e4Xf5, e6Xf5? (Was soll Schwarz sonst spielen?) 19. h5—H6, Lg7—k8. 20. c3 —c4!, Se7—c6. 21. b2-b4, Sg8—e7. 22. Lei—b2+, Kh8-g8. 23. b4—b5, Sc6-d8. (Auch Sc6—d4 ist nutzlos.) 24. Ddl—d2, Sd8—e6. 25. Sg3—e2. (Droht Dd2—c3.) 25. .... d6—d5. 26. Se3Xd5, Se7Xd5. 27. Lg2Xd5, Tf7—e7. 28. Tal-el!, Kg8-f7. 29. Se2—cl, Dc7-b6. 30. Scl-b3, Kf7-*8. 31. Lb2—fö, Te7-f7. 32. Ld5Xe6, Ld7Xe6. 33. Tel Xe6+! Aufgegeben.
Lösung de, Problems Nr. 343. E. N. von Frankenstein.
1. Del—bl!, c6—c5. 2. Dbl—f54-! usw.
1. ..., Lg6Xbl. 2. Sd6—f7+ usw.
1. ..., Ke5Xd6. 2. Dbl-b8+ usw.
1. ..Lg6—h5. 2. Sd5—c4+ usw.
1. .... c6—d5. 2. DblXgö 4-ufm.
Lösung des Problems 7lr. 344.
Don K. Seitz.
1. Db5—c6! usw.
Aus der Schachwelt.
Seit dem 23. April 1933 stehen sämtliche schach- licyen Vereine und Verbände unter der einheitlichen Führung des Großdeutschen Schachbundes. Reichsminister Dr. Goebbels hat das Ehrenpräsidium übernommen.
In Bad Pyrmont findet im Juli die Austragung der 1. Schachmeisterschaft von Deutschland unter dem Zeichen der nationalen Erhebung statt Gleichzeitig kommen die westfälischen und niedersächsischen Ver- banbsturnierc zum Ablauf. Der Großdeutsche Schachbund beschließt die Veranstaltungen mit feiner konstituierenden Generalversammlung.
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RebakttonStisch.
Nächtliche Leitungsstörung.
„Aber das ist ja schrecklich", fährt Frau Betty in ihrem Bettchen hoch. „Der Hund jault ja in einer Tour. Was hat denn der alberne Roter?"
Arthur ist auch wach geworden. ,,3d) denke, ihn ärgert der Mond. Es ist doch Vollmond, Betty."
„Na, dann nimm ihn doch zu dir ins Bett!"
„Ausgefchloffen. Was soll ich denn in meinem Bett mit dem Mond?"
Aegypten-Reise.
„Da sehen Sie die Mumie von Ramses dem Zweiten, daneben die kleine Mumie, das ist er, als er noch Kind war!" (Lust. Bl.)
Die klinget.
Der Jüngling bringt sein Mädchen nach Hause. Dor der Tür angelangt, können sie sich noch lange nicht trennen. Plötzlich erschallt aus dem Fenster über ihnen die väterliche Stimme:
„Junger Mann, daß Sie meine Tochter nach House bringen und stundenlang nachts vor der Tür stehen, dagegen habe ich gar nichts. Aber nehmen Sie wenigstens Ihren Ellenbogen von der elektri- schen Klingel." (Lust. Bl.)
Sensation.
Auftreten des berühmten Messerwerfers Billie.
Die schöne Assistentin steht unbewegt vor der Holzwand. Billie ergreift das erste Messer, wiegt es in der Hand... Dann funkelt es durch die Luft — und sitzt zitternd im Holz, knapp einen Zentimeter neben dem Kopf des „Opfers".
Gebannt und ohne Atem starrt die Menge.
Das zweite Messer fliegt — und steckt haarscharf über dem Scheitel der lebenden Zielscheibe.
Und eine mißbilligende Stimme kommt von der Galerie, wo Herr Hebenstreit aus Kötzschenbroda sitzt: „W i d d r b r n ä b e n!" (Lust. Bl.)
Der Backenzahn.
„Wo kommen Sie denn her?"
„Dom Zahnarzt! Mein Backenzahn tat so furchtbar weh!"
„Na — und tut er jetzt noch immer weh?"
„Ich weiß nicht — er hat ihn dabehalten!"


