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22/06/1933 Frühausgabe
 
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stoßenden Straßen waren ebenfalls mit Menschen überfüllt. Die Kundgebung wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Reichsleiters der ÄSDO., Schuhmann, der der Genfer Abordnung air­gehörte. Er ertlärte, die deutsche Abordnung sei nach Genf gefahren mit dem unerschütterlichen Willen, dem deutschen Arbeiter in der Welt die Geltung und Achtung wieder zu erringen, die ihm seit 1918 durch die Marxisten genommen worden sei. Sie seien grauenhaft enttäuscht worden. Aller Wille zur Mitarbeit, aller gren­zenloser Idealismus sei von den Arbeitervertre­tern der übrigen Lander mit Füßen getre- t e n worden. Der Franzose I o u h a u x habe den Führer der deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, denGefängniswärter der deutschen Arbeiterschaft" genannt. Die deutschen Vertreter seien diesen Angriffen in schärfster, aber würdigster Art entgegengetreten. Weil der deutschen Abordnung keine Genugtuung gegeben worden sei, hätte sie die Genfer Giftbude verlassen

Dr. Erdmann, der als Vertreter der Arbeit­geber an den Genfer Verhandlungen beteiligt war. unterstrich, daß zum ersten Mat seit Bestehen des internationalen Arbeitsamtes Vertreter deutscher Arbeiter. Angestellten und Unter­nehmer Schulter an Schulter in ver­trauensvoller Zusammenarbeit ge­kämpft hätten. Die deutsche Abordnung habe der Welt gezeigt, daß es von seht ab in Deutschland nur einen Gei st und einen Dillen gebe, den Dillen zu gemeinschaftlicher Arbeit im Inter­esse des deutschen Vaterlandes und zum Aufbau der Wirtschaft. Als Vertreter der deutschen Unterneh­mer sei es ihm Herzensbedürfnis, vor aller Welt ein Bekenntnis zu dem Gei ft gemein­schaftlichen handelns. Arbeitens und vertrauens zu geben.

Oer Führer der Deutschen Arbeitsfront/ Staatsratspräsident Dr. Ley,

führte u. a. aus, er habe aus Genf die Erkenntnis milgebracht, daß die Marxisten in Genf nicht anders seien als die Marxisten in Deutschland. Die inter­nationale Welt mache keinen Unterschied zwischen dem Schicksal des deutschen Arbeiters und dem Schicksal des deutschen Unternehmers. Sie kenne nur eines: Wie gebrauche ich und wie miß­brauche ich die menschliche Schwäche des Klassen­kampfes des deutschen Volkes, um das ganze deutsche Volk zu vernichten.

Die nächste Woche diene der Generalsäu­berung und dem Zusammenschweitzen bis in die letzte Zelle hinein. Rücksichtslos und brutal müß­ten alle Roten und Schwarzen, alle, die die Ra­tionalsozialisten einmal bekämpft hätten, weichen und an ihre Stelle müsse die neue Garde der RSVO. treten. Man werde nicht allein innerhalb der Arbeitsfront säubern, sondern auch manche Bureau st ube müsse aufs Korn ge­nommen werden. Wenn manche glauben, die Re­aktion in Bureaustuben konservieren zu können, werde man gegen sie kämpfen, um die Bureaukra- tie zu vernichten. Bei aller Ehrfurcht vor der Kirche sagen wir den Kirchen: Sorgt für das Heil der Seelen unseres Volkes, aber zum Seelen­heil gehört nicht, daß man katholische Turnver­eine, evangelische oder katholische Arbeitervereine hat. Das ist Sache des Staates. Die Re­volution ist noch nicht zu Ende. Wir stehen erst im Anfang. Mein Führer hat mir soeben verspro­chen, daß die Arbeitsfront schon in allernächster Zukunft eine Körperschaft des öffent­lichen Rechts werden wird. Das Gesetz ist be­reits in der Ausarbeitung. Reben der deutschen Arbeitsfront gibt es keine Vertretung, weder der Arbeitnehmer noch der Unternehmer. Die Ver­tretung des deutschen schaffenden Menschen ist die Arbeitsfront. Alles andere hat sich zu unterwer­fen, oder wir werden es vernichten.

Dr. Ley gab bann einen Aufruf an bi e deutsche Arbeiterschaft bekannt, in ber der NSBO. unb allen Gutgesinnten in der deutschen Arbeitsfront zwei Aufgaben gestellt roerben:

Brotbacken.

Don Charlotte Hauser.

Wenn ich davon spreche, muß ich zuerst an die Vorräte denken, die im bäuerlichen Haus­halt nufgestapelt sind. Der Besitz und das Wirt­schaften mit diesen Vorräten ist etwas köstliches. Mit das köstlichste aber sind die Vorräte an Getreide und Mehl. Da liegt auf den trockenen, gepflegten Speichern das Korn, der Weizen goldgelbe, glänzend saubere Körner aufge- schüttet in großen, flachen Haufen. Ein Teil ist zur Fütterung des Viehs bestimmt. Ein Teil, immer das schönste, zur Saat und der größte Haufen, das ist das, was gemahlen und ver­backen werden darf.

Stattlich groß ist der Mehlkasten, vom Schrei­ner gezimmert, eines der wichtigsten Möbel. Linser Mehlkasten war ein besonders schöner, glatt und fein gehobelt, innen und außen. Er barg immer einen großen Vorrat an Brotmehl und einen kleineren an Weißmehl für Kuchen.

Einmal jede Woche wurde Brot gebacken. Es ist eine jener Arbeiten und Handlungen, die so recht das vielseitige des bäuerlichen Lebens und Arbeitens zeigen. Am Vorabend des Backtages wurde Mehl vom Speicher geholt und in die Backmulde gefüllt, die dann auf zwei Stühlen in der Küche aufgestellt wurde. War es Winter und das Mehl vielleicht sehr durchkältet, muhte es schon einen oder zwei Tage früher mit der Mulde in die durchwärmte Küche gestellt werden, weil sonst das Brot beim Backen nicht recht auf­ging undspeckig" werden konnte. Das Mehl an sich mußte schon locker sein und das wurde es durch Wärme.

Am Vorabend auch wurde das Mehl ein­gemehrt. Sauerteig, ein Rest Teig, der in kleiner Schüssel vom letzten Backtag noch stand und in­zwischen sauer geworden war, wurde in lau­warmem Wasser aufgelöst und damit ein Teil des Mehles durchmengt. Cs war nicht viel, was durchgemengt wurde, ein kleiner Teich, in der Mitte des ringsum aufgehäuften Mehles, mit dem die Mulde gefüllt war. Aber am anderen Morgen war dieser kleine Teich ge­wachsen, war hochgeschossen, hatte sich aus­gebreitet und warf vor Wildheit Blasen. Ietzt wurden Hände voll Salz darüber gestreut, war­mes Wasser noch hinzugegossen und das ganze zu Teig durchgeknetet. Das war eine harte Ar- feit. Ein bis zwei Stunden lang mußte der Teig durchgeknetet und geschlagen werden, bis er beim Schlagen ganz allein von der Hand sich

1. Die Generalsäuberung bis in die letzte Zelle unb den letzten Betriebsrat hinein; bis zum 1. 21 u g u ft hat der Gefamtoerbanb der Angestell- ten unb ber Gefamtoerbanb ber Arbeiter zu melben. daß biefe Säuberung durchgeführt ist.

2. Alle Mitglieber ber NSBO. unb alle Gut­gesinnten in ber Arbeitsfront werben aufgeforbert, ihre letzten Kräfte einzusetzen, bamit ein noch nie bagewesener Werbefelbzug durchgeführt wirb.

Die Verbände haben bis zum 1. Juli zu melden, wie dieser Kampf durchgeführt wird.

Der Landesführer ber NSBO., Staatskommissar Engel, erklärte, baß ber heutige Protest ernster gemeint sei, als man bei ben Protestoersammlungen ber Parteien früher gewöhnt gewesen sei. Der Pro­test werbe weit hinausgehen über ben Lustgarten unb werbe in ber ganzen Welt Wiberhall finben. Die Veranstaltung schloß mit stürmischen Kunb- gebungen für ben Nationalsozialismus.

9er Stahlhelm gliedert sich in die nationalsozialistische Bewegung ein.

Berlin, 21. Juni. (TU.) Die Reichspressestelle der NSDAP, teilt mit:

3n einer heute (Mittwoch) ftattgefunbenen B e - sprechung zwischen dem Herrn Reichskanz­ler, dem Herrn Reichsarbeitsminister Selbtc, dem Herrn Reichswehrmini st er und dem Herrn Vizekanzler v on Popen wurde folgendes vereinbart:

Zur Sicherung der Schlagkraft der national­sozialistischen Revolution gliedert sich der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, in die nationalsozialistische Bewegung in folgender Weise ein:

a) ber S e r n - S t a h l h e l m bleibt wie zuvor bet Führung des Bnndesführers unterstellt,

b) der Bundesführer verbietet von jetzt ab den Mitgliedern des Kern-Stahlhelms jede andere Parteizugehörigkeit als die zur NSDAP.,

c) der Führer der NSDAP. Adolf Hitler gibt somit d i e Mitgliedschaft des Stahlhelms zur NSDAP, frei,

d) der Jungstahlhelm tritt neben SA. und SS. und wird dem obersten 5 2L- Führer unterteilt DerScham- tj o r ft wird indiehitlerjugendein- gegliedert,

e) der Jungstahlhelmführer von Morozo- w i c z tritt zum Stabe des ober st en S A. - F ü h r e r s.

Berlin, den 21. Juni 1933.

Gez. Adolf Hitler, Franz Seldte."

Die Landesführer des Stahlhelm bei Seldte.

Berlin, 22. Ium. (TU.) DieKreuzzeitung" meldet: Der Dundesführer des Stahlhelms, Reichsarbeitsministers Franz S e l d t e, hatte für Mittwochnachmittag mit Rücksicht auf die schwebenden politischen Verhältnisse seine Landesführer nach Berlin in das Reichs­arbeitsministerium Berufen. Er konnte den voll­zählig versammelten Landesführern das unmit­telbar vorher mit dem Führer der national­sozialistischen Bewegung Reichskanzler Adolf

Hitler abgeschlossene Abkommen zur Kennt­nis bringen. Der Eindruck war außerordentlich stark. Aus innerstem Herzen heraus spendeten die Landesführer ihrem Bundesführer begei­sterten Beifall. Unter dem Eindruck der Stunde wurde in die Besprechung der vorge­sehenen Tagesordnung nicht einqetreten. Die Ver­sammlung sprach dem Bundesführer ihr voll­stes Vertrauen aus und bekundete ihm erneut Treue und unbedingte Ge­folgschaft.

Zur Bekundung dieses Gefühls brachte der Bundeshauptmann und Landesführer von Groß- Berlin, Major von Stephani ein begeistert aufgenommenes dreifaches Frontheil auf Franz Seldte aus. Die historische Führ er Versammlung ging sodann auseinander, nachdem der Bundes­führer und alle Landesführer den Stahlhelm- kameraüen im Lande draußen ihren Dank für all ihre Treue in guten und- fen Stunden zum Ausdruck gebracht hatten. Der Bundesführer beauftragte die Landesführer, in ihren Verbänden den Kameraden feine höchste Anerkennung und Dank für die von ihnen gewahrte mustergültige Haltung und Disziplin auszusprechen.

Oer Stahlhelm im Kreise Oels aufgelöst.

Oels, 21. Juni. (WTB.) Der Lanbrat von Oels hat auf Grunb einer eingehenden polizeilichen Durchsuchung unb Beschlagnahme mit bem heutigen Tage ben Stahlhelm für ben gesamten Kreis Oels aufgelöst. Die Ermittlungen haben ergeben, baß ber Stahlhelm bzw. die Stahl­helmselbsthilfe mehr als 5 0 Prozent kom ° munistischer bzw. sozialdemokrati­scher Elemente in sich ausgenommen haben. Mit Rücksicht auf bie baburch entstehende Gefahr für bie öffentliche Sicherheit und Orbnung mußte beshalb ber Stahlhelm aufgelöst werben. Weiter hat ber Lanbrat ben bisherigen Kreisführer des Stahlhelms Oberst do n Thaer gebeten, eine Neubildung des Stahlhelms aus ben bis­herigen einmanbfreien nationalen Mitgliedern vorzunehmen. Auf Anordnung des Landrats wurden in S ch u tz h a f t genommen der Geschäftsführer der Deutschnationalen Front Dr. U e b e r s ch a e r, der Führer ber Stahlhelm- selbsthilfe Oberzollinspektor Evers unb ber Stahl­helmführer Friebrich aus Bernstabt.

9ie Auslösung ber beuffchnationalkn kainpsnnge.

Umfassendes Belastungsmaterial der

Berlin, 21. Juni. (TU.) Das Verbot der Kampfringe der deutschnationalen Front und der Bismarckjugend ist am Mittwoch in ganz Preu­ßen durch die geheime Staatspolizei in Verbin­dung mit den besonderen Bereitschaflen der Schutz­polizei durchgeführt worden. Der preußische Mi­nisterpräsident mußte sich, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, zu dieser Maßnahme um so mehr veranlaßt sehen, als die Führung der Kampfstaffeln eine unglaubliche E i n s i ch t s -

Polizei für marxistische Durchsetzung.

losigkeit angesichts des ihr loyalerweise bekannt- gegebenen Materials an den Tag legte und eine A b st e 11 n n g der unerträglichen Zustände nicht in Angriff genommen hat. ,

J m Reich ist die entsprechende Maßnahme gleichmäßig erfolgt. Die Anweisung dazu ist von der Zentral st eile über die Reichs st atthalter ergangen. Die aus dem Reich vorliegenden Ergebnisse b e st ä t i g e n die Auffassung, daß überall eine weitgehende

löste- Tat er das, dann war es gut. Ietzt durfte er zwei bis drei Stunden wieder ruhen. In dieser Zeit trieb der Sauerteig ihn hoch, daß er ganz locker wurde, gleichsam luftig.

In dieser Zwischenzeit heizte meine Mutter den Backofen, der an die Küche angebaut war, und zwar so, daß Feueröffnung und Rauchfang in der Küche waren. Ein tiefer und breiter Schlund war dieser Backofen, eine Höhle, die, wenn kein Feuer darin brannte, nicht zu über­sehen war. Am Backtag aber flammte diese Höhle in Glut. Mit Reisig wurde das Feuer zuerst angesteckt und dann, große, dicke Holz­scheite nachgeschoben. Das knisterte und flammte, warf Hitze, daß meine Mutter nur mit wenigem bekleidet vor diesem Feuerbrand hantieren konnte. Aber wie hantierte sie da. Ich denke immer mit Bewunderung daran. Sie dirigierte ge­wissermaßen das Feuer, schob die brennenden Scheite in alle Winkel der Ofenhöhle, damit die Hitze darin sich gleichmäßig verteile und regu­lierte den Rauchfang. Sie hatte kein Thermo­meter und keinerlei komplizierte Vorrichtung, um den Hitzegrad zu prüfen. Sie machte das alles aus ihrer Erfahrung.

Und während das Feuer im Backofen flammte unb knisterte, wurden die Brotlaibe ausge- wergt acht bis zehn große Laibe jede Woche und in Strohnäpfen in die Aähe des wärmen­den Backofens gestellt. Der Sauerteig trieb in den rund geformten Laiben weiter, sie traten bald über den Rand der Räpfe. Ietzt war es Zeit, sie in den Ofen zu bringen. Mit langer Krücke wurden die glühenden Holzkohlen aus dem Backofen herausgeholt; er lag jetzt wieder dunkel, aber von glühender Hitze erfüllt. Ich lief und holte denDackofenschreßer", ein rund geformtes, dünnes Brett an langer Stange. Die Mutter stand jetzt wieder am Backofen, legte dort das Brett desSchießers" auf, ich reichte ihr die gefüllten Räpfe, sie nahm sie, warf sie spielend leicht, mit einem Schwung die Teiglaibe heraus auf das Brett desSchießers" und geschwind und sicher schob sie sie nun in die Hchhle des Backofen-, ihnen dort einen Platz anweifend, ffiin Teiglaib nach dem anderen verschwand so. 2m Ru wareingeschossen", die eiserne Tür des Backofens wurde geschloffen und das Brot konnte baden. Wenn es dann schließlich ge­backen war, herausgenommen wurde, wieder mit dem dünnenSchießer", dann duftete das ganze Haus nach frischem Brot. Die großen Laibe kamen wieder in ihre Räpfe, wurden im kühlen Flur deS Hauses aufgeftellt, wo sie kalt werden konnten. Dort standen sie bis zum nächsten Tag,

wurden dann in den Keller gebracht und in die Brothange" gelegt. Das waren zwei parallel laufende Stangen, die mit großen Haken an der gewölbten Decke des Kellers festgemacht waren. Dort blieb das Brot frisch, schimmelte auch nicht und jeden Tag wurde so ein großer Laib heraufgeholt, angeschnitten und auch verzehrt.

Sprach ich nicht von der Vielgestaltigkeit des bäuerlichen Lebens? Unter dem Dach des Hauses stand in großem Kasten dos Mehl. Bis es als Brot in der Drothange des Kellers landete, hatte es alle Frauenhände des Hauses beschäf­tigt. Meine Mutter, meine Schwestern, ich selbst wir alle hatten etwas dazu getan und es machte schließlich unser Leben aus, zu säen, zu ernten und zu bereiten.

llnbekannie Werke von Philipp Otto ZRunge.

Philipp Otto Runge, der große Hamburger Maler, stellt in der Entwicklung der deutschen Kunst das Bindeglied dar, das von dem Stil des Rokoko und Empire zur Romantik überleitet. Während man ihn wie gewöhnlich als reinen Ro­mantiker auffatzt, hat Dr. Otto Böttcher diese Zwischenstellung des Meisters in einer demnächst erscheinenden Arbeit nachgewiesen und teilt be­reits einige Ergebnisse in der Bruckmannschen Mo­natsschriftDie Kun st" mit. Bei feinen For­schungen ist es ihm geglückt, nicht weniger als 20 unbekannte Werke des Meisters, von dem bis­her so wenige Arbeiten festgestellt waren, zu ent­decken. Einige von diesen geben neuen Aufschluß über seine Entwicklung. So zeigt ein Selbstbildnis, das aus seiner Studienzeit an der Kopenhagener Akademie vom Ende des Iahres 1799 stammt, seine Herauslösung aus dem Zopfstil, den fein Lehrer Iens Iuel vertrat. Bei diesem Streben, sich von der unnatürlichen Pose und dem klassi­schen Pathos zu befreien, wurde Runge von dem Dresdner Maler Anton Graff unterstützt, und die neu aufgefundenen Studien zu feinem berühmten Elternbildnis lassen fein neues Porträt-Ideal er­kennen. Der Künstler sucht hier in unerbittlicher Strenge der Linienführung ein ganz schlichtes, na­turgetreues Bild der Eltern zu geben und gelangt dadurch zu einer großen Monumentalität. Rach der Vollendung dieses Werkes wollte er sich vom Porträt weg entwickeln, und so erklärt es sich, daß das im Iahr darauf 1807 entstandene Bildnis der Freifrau von Langermann eher einen Rück­schritt bedeutet. Runge gelangt in feinen Bild­nissen zu einer ganz neuen Form, durch die er zum Wegwriser für das Porträt der Biedermeierzeit

kommunistische Zersetzung sich vurchgeseht hat. Der Bismarcfbunb, der sich von der Zer­setzung s r e i g e h a l t en hat, ist Gegenstand des Verbots geworden, weil die Annahme gerechtfertigt erschien, daß er als Unterschlupf für die in ihrer Existenz gefährdeten Kampf­staffeln benutzt werden sollte.

Unter den in Berlin Verhafteten befand sich auch der Reffe des Reichsministers Dr. Hugen- berg, der Volontär bei derDeutschen 3ei- tung'? ist. Er ist inzwischen wieder auf freien Fuß gefetzt worden. In Berlin find etwa 40 Personen in polizeilicher Haft behalten worden, denen nachgewiesen werden konnte, daß sie sich bis in die allerletzte Zeit hinein kommu­nistisch betätigt haben. Unter den Verhafteten ist auch ein Reffe des früheren kommunistischen Reichstagsabgeordneten T o r g I e r .

Der Reichskampfringführer, Staatssekretär z. D. v. Bismarck, wurde zu einer Vernehmung vorgeladen. Er hat sich bereits eingehend zu den Vorgängen geäußert und lehnt es ab, eine kom­munistische Zersetzung der Kampfstafleln in dem erwähnten Umfange zuzugeben. Bismarck hatte bereits des öfteren in Aussicht gestellt, eine Rei­nigung der Kampfstaffeln an Haupt und Glie­dern vorzunehmen. Man hat aber an maßgeben­der Stelle nicht den Eindruck gewonnen, daß tatsächlich eine ernste Absicht b e - ftand, die Kampfstaffeln umzuändern.

Aus dem von der geheimen Staatspolizei bei der Durchführung des Verbots beschlagnahmten Material find die früheren Feststellungen er­härtet worden, wonach die Kampfstaffeln z u mehr als 60 bis 70 Prozent kommu­nistisch und marxistisch verseucht wa­ren. Die Prüfung der Mitgliederlisten hatte ergeben, daß nicht nur die unbekannteren Mit­glieder der marxistischen Organisationen, sondern z. T. auch Funktionäre sich in die Kampf­staffeln haben aufnehmen lassen, die auf diese Art weiterhin im Sinne ihrer staatsfeindlichen und zersetzenden Tendenz hetzten. Es handelt sich teilweise um Elemente, die bereits fr ü h e r aus den nationalen Wehrverbänden wegen ihrer verdächtigen Gesinnung ausgeschlossen wur­den und andere, deren Aufnahme von der SA. aus diesen Gründen mehrfach abgelehnt wurde.

Selbstverständlich befinden sich unter den Mit­gliedern der Kampfstaffeln a u ch zuverläs­sige nationale Leute, die sich im guten Glauben für die Kampfstaffeln eingesetzt haben. Die Gesamtstärke der KS. in Berlin dürfte etwa 3000 betragen haben. Von diesen find mehr als 2000 schätzungsweise bis in die letzte Zeit hinein im marxistischen Lager tätig gewesen. Sie sind nur deshalb in die Kampffront eingetreten, um auf diesem Wege ihre staatsfeindlichen Plane durchzuführen. In dem beschlagnahmten Dries eines Berliner Kommuni st en an einen Kommunisten in Pommern heißt es wörtlich: Hier tritt alles der Kampffront bei. Die ist marxi­stisch verseucht bis auf die Knochen. Hitler wird sie wahrscheinlich bestehen lassen". Die kommunistischen Elemente haben es verstanden, sich bis in die oberste Führung der KS. hineinzumanövrieren. So soll der Führer der Stabskampfstaffeln, Schuster, nach den frei­willigen Angaben eines KS.-Mannes ehemals bekannter Rotarmist und Hetzer bei der roten Dolksmarine gewesen sein. Ein anderer Führer einer Sonderkampf staffel, Diet­rich , gehörte der Fremdenlegion an, welches Merkmal bei den Mitgliedern der KS. ebenfalls nicht selten gewesen sein soll.

Hugenberg beim Reichskanzler.

Berlin, 21. Juni. (TU.) Am Mittwochabend sand zwischen dem Reichskanzler Adolf Hitler und dem Reichsminister hugenberg eine Unterredung statt, in der die Verhandlungen in London und die Maßnahmen gegen die deutsch­nationalen Kampfringe erörtert wurden. Der Reichs­kanzler legte die Gründe dar, die zur Auf­lösung der deutschnationalen Kampf­ringe geführt haben.

wird. Für ihn war der Mensch als Träger des Göttlichen die Einheit von Körper und Geist, und diese Harmonie hat er meisterhaft gestaltet.

40 Jahre auf der Schmetterlingsjagd.

Eine Sammlung von nicht weniger als 100 000 Schmetterlingen, die zu den berühmtesten Kollek­tionen dieser Art gehört, ist jetzt in Paris aus­gestellt. Sie bildet die Lebensarbeit des For­schungsreisenden Frühstorger, der 40 Iahre auf der Schmetterlingsjagd verbracht und die seltensten Exemplare aus allen Teilen der Welt zusammen­gebracht hat. Er hat Schmetterlinge in den un­zugänglichsten Gebieten der schneegekrönten Höhen des Himalaja und in den ebenfalls mit ewigem Schnee bedeckten Eiswüsten Grönlands gesammelt. Aber die farbenprächtigsten Stücke spendeten ihm die tropischen Gefilde von Amerika, die Sümpfe der Malaienstaaten, die Urwälder von Sumatra und Borneo. Vier Iahrzehnte voller Mühen und Gefahren, voll Ausdauer und Geduld sind von ihm darauf verwendet worden, um diese wunder­bare Pracht der Farben und Formen in die vielen Glaskästen zu bringen, die jetzt die Ausstellung schmücken.

Zeitschriften.

DieDeutsche Zeitschrift", die neue Folge des Kunstworts (Verlag Callweh, Mün­chen), hat neben der zielbewußten Verfolgung einer deutschen Kulturpolitik schon in den letzten Iahren die gewiß nicht immer dankbare, aber immer notwendigere Aufgabe übernommen, den für politische Dinge im allgemeinen uninteressier­ten deutschen Gebildeten auch für politisches Den­ken und für eine geistige Durchdringung der gro­ßen politischen Zusammenhänge, abseits von ein­seitiger Parteimeinung, zu gewinnen. Es ver­stand sich für diese deutsch-bewußte Kulturzcit- fchrift daher von selbst, daß sie, ihre politische Arbeit auf der schon längst eingeschlagenen Linie forisehend, eindeutig für die zum siegreichen Durchbruch gelangte nationale Idee eintritt. So unternimmt es Wilhelm Michel in seinem Auf­satzDer deutsche Umschwung" im Iuniheft, dem deutschen Gebildeten, der in intellektualistischer Skepsis und Kritik feine Zustimmung zur totalen deutschen Revolution noch nicht vorbehaltlos geben zu können glaubt, klarzumachen, daß der deutsche Umschwung, wie auf dem Gebiete der Politik sich ebenso natumotwendig, historisch und geistesge­schichtlich bedingt, auch in den Bereichen der Kul­tur und Kunst vollziehen müsse.