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22/06/1933 Frühausgabe
 
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Nr N3 Krühausgabe

183. Zahrgang

Donnerstag, 22.3uni 1933

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TbyrlOt; für den übrigen Teil Ernst Vlumfchein unMür ben21n- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gietzeu.

Reichsminister Dr. Goebbels in Frankfurt.

Der Reichspropagandaminister spricht vor her presse über Aufgaben und Ziel her nationalsozialistischen Revolution.

Dr. Goedbels' Ankunft auf dem Flughafen Frankfurt a. M.

WER. Frankfurt a. 1. 21.3unl Heute mittag traf Reichsminister Dr. Goebbels auf dem Flugplatz zu einem kurzen Aufenthalt in Frankfurt a. 1 ein. Reichsstatthalter Spren­ger, Oberpräfident Prinz Philipp von Hessen, sowie Oberbürgermeister Dr. Krebs begrüßten den Minister auf dem Flugplatz, woraus Dr. Goebbels die Front der SA., SS., Hitlerjugend, des Arbeitsdienstes und des Bundes Deutscher Mädchen abschritt. Bon den einzelnen Formationen wurden dem Minister Blumen über­reicht. Alsdann bestieg Dr. Goebbels den Wagen des Reichsstatthalters und begab sich, von der Bevölkerung stürmisch begrüßt, nach dem Rat­haus, wo er die Sehenswürdigkeiten des Hauses besichtigte und einen Imbiß in der Dorhalle des Kaisersaales einnahm.

Besuch im Funkhaus.

Rach dem Empfang im Rathaus besuchte Dr. Goebbels den Südwe ft deutschen Rund­funk. 3m großen Sendefaal, wo sich die gesamte Belegschaft versammelt hatte, fand die Degrü- szung durch den 3ntendanten Walther B e u m e I- burg statt, auf die Reichsminist->r Dr. Goeb­bels u. a. folgendes erwiderte: Alles Leben, das einen Sinn und Zweck habe und etwas er­reichen wolle, müsse notwendigerweise eine be­stimmte Richtung, also Tendenz, haben, Unb eine solche ausgesprochene, klare und feste Ten­denz fei ja gewiß dem Rationalismus eigen. Diese gelte es auch im Rundfunk rein und klar zu erfüllen und in allen Sendungen zum Ausdruck zu bringen. Der Rundfunk darf nicht blutleer fein, sondern er muß versuchen, den herzensmä­ßigen Anschluß an die neue Zeit zu finden. Der Rundfunk wird erst dann seiner Auf­gabe gerecht werden, wenn die Menschen, die ihn betreuen, innerlich in der nationalso­zialistischen Weltanschauung aufge- ff a n g e n sind. Dr. Goebbels schloß seine An- prache, indem er der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß Deutschland nach Bollendung seiner inneren revolutionären Entwicklung dadurch einen Dor­sprung vor allen anderen Rationen in Europa haben werde.

Dr. Goebbels vor her presse.

Der Minister besichtigte anschließend verschie­dene technische Einzelheiten des Sendebetriebs und begab sich sodann zurück zum Rathaus, wo er vor Vertretern der Presse aus Hessen-Rassau und Hessen nach kurzen Begrüßungsworten durch Direktor T r a u p e l (Frankfurter Dolksblattj u. a. folgendes ausführte

Ich bin in der Absicht hierher gekommen, uni vor Ihnen über eine Reihe von Problemen zu sprechen, die im Zusammenhang mit der großen inneren Umwandlung stehen, die wir national soziali st ische Revolution nennen. Es ist sehr bald nach der Machtübernahme das Wort von der nationalsozialistischen Revolution geprägt worden. Dieses Wort trifft auch recht eigentlich den Kern der Sache, denn Das, was sich in Deutschland seit Dein 30. Januar abgespielt hat, ist in der Tat eine Revolution, eine Reform der deutschen 'Ration an Haupt und Gliedern.

Ich habe des öftern während der Opposition dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß die Po­litik sich nicht nur in her Politik der Regierung erschöpft, sondern daß sieauchoondervp Position betrieben werden kann, was wir aber früher erlebten, das war nicht mehr ein kritisieren, sondern die Kritik war ein D i n g a n s i ch , dazu geeignet, eine Regierung zum Sturz zu bringen und an ihre Stelle eine Oppositionspartei zu sehen. Dieses Recht zur Kritik st reiten wir unseren Gegnern ab. wenn wir uns in den ver­gangenen Jahren eine Kritik angemaßt haben, so hatten wir dazu einen inneren Anlaß, denn wir hatten noch keine Möglichkeit gehabt, unsere Ideen praktisch unter Beweis zu stellen. 3n dem Augenblick, in dem die nationalsozialistische Be­wegung an die Macht kam, war damit ein ein­deutiges Votum der deutschen Oessentlichkeit gesprochen.

Man kann keine Wir.schast reformieren, wenn man nicht weiß, wie die politischen Dinge sich auswirten werden. Dagegen haben wir uns aufgelehnt. Wir haben 14 3ahre lang in der Oesientlichleit dem Gedanken Ausdruck gegeben, baß erst in dem Augenblick, in dem eine autoritäre Regierung am Ruder sei, eine Behebung dieses inneren Krisenstoffes mög­lich erscheine, daß einmal an dem Tage, an dem wir uns im vollen Besitz der Macht be­finden, eine Inangriffnahme der großen politi­schen Probleme im Bereich der Möglichkeit liege. Das Wesentliche der Politik ist in derAußen- Politik begründet. Man kann nicht der Welt gegenüber ein Dolk in Front bringen, wenn das Bplk innerlich gelähmt ist. Deshalb haben wir die gesamte deutsche Außenpolitik von 1918 ab für falsch gehalten. Selbst wenn manche Außenpolitik richtig war, sie besaß nicht die Rückendeckung des Dolles. Die Regie­

rung, die sie vollzog, war nicht die Willens­vollstreckerin des Volkes, sie hatte in der Welt keine Durchschlagskraft.

Das ist endlich zu Ende dadurch, daß die natio­nalsozialistische Bewegung die Macht übernahm. Dadurch, daß sie im vollen Besitz der Macht ist und dadurch, daß sie Entschlußkraft hat, die Mittel der Macht zu gebrauchen, steht Deutsch­land wieder als einheitlicher Kraftkörper der weit gegenüber. Es ist heute nicht möglich, ein zweites Gesicht dieser deutschen well zu zeigen Dieses Gesicht wird in voller Uebereinstimmung mit dem Volke gezeichnet von der Regierung selbst.

Diese Regierung ist im wahrsten Sinne des Wortes eine autoritäre Regierung Sie besitzt einen Umfang von Autorität, wie vordem auf deut­schem Loden niemals eine Regierung. Sie ist in den Besitz der Macht gekommen durch eine Revolution. Aber diese Revolution nnterscheidet sich von revolu­tionären Akten ähnlichen Umsangs durch ein we­sentliches Merkmal: Sie ist nicht eine Revolution von oben, sondern sie ist eine Revolution von unten. Sie ist aus dem Lolksboden selbst emporgewachsen Sie hat ihren Ursprung in der kleinsten Bolkszelle. Es ist ganz selbstverständlich, daß Revolutionen auf die Dauer niemals verteidigt werden können, die von der Staatsmacht vollzogen wurden; die Revolutionen müssen ihre Macht im Volke suchen und finden Wenn ich zurück- schaue auf die jüngste Vergangenheit, auf jene vier bis fünf Monate in denen wir die Macht besitzen, welch ungeheure staatspolitischen Aufgaben zu tun und der Vollendung entgegengeführt worden sind, dann kann ich mit rußigem Gewissen gestehen, daß in diesen vier bis fünf Monateni, historisch gesehen, mehr geleistet worden ist als in den vergangenen 14 Jahren.

Das Ergebnis, das wir heute vor uns sehen, ist vielleicht am prägnantesten umrissen mit der Formulierung einer germanischen Demokratie, einer Demokratie, in der das Volk in unmittel­bare Beziehung zu feinem polilifchen Schicksal gestellt wird, in der das Volk aber nicht selbst Politik macht, sondern den Vollzug feiner Po­litik Männern seines Vertrauens überläßt, wir haben den Zustand, daß das ganze Volk ein innerliches Verhältnis zur Politik hat, daß es aber dabei selbst nicht den Ehrgeiz besitzt, auch Politik zu machen. Es wird nicht die geistige politische Entwicklung des Volkes selbst gehemmt oder aufgehoben, aber über dieser geistigen politischen Entwicklung steht die Autorität, die sie reguliert und reglementiert, die sie nicht übers Ziel hinausschießen läßt.

Man macht uns den Dorwurf, daß die national- fozialistifche Bewegung in Deutschland eine D i k- tatur errichtet habe. Das ist nicht richtig aus­gedrückt. Wie kann man von einer Diktatur reden, wenn die überwiegende Mehrzahl eines Dolkes diese Diktatur wünscht? Diktatur ist, wenn Einer regiert gegen den Willen des Dolkes, aber nicht, wenn eine Regierung vom Willen des Dolkes getragen wird. Wenn ihr die Mehrheit des Dolkes eine dikta­torische Dollmacht überträgt, dann kann man nicht von Diktatur reden, sondern es handelt sich um eine wohlaufgebaute, politische Führung. Der nationalsozialistische Staat ist eine Füh­rungshierarchie, und diese Hierarchie wird nicht von liberalen Prinzipien getragen, sondern sie ist wie eine Pyramide, die sich allmählich nach der oberen Spitze verengt. Es kann keinem Zwei­fel unterliegen, daß in innerlich aufgewühlten Zeilen gerade wir jungen Männer die

Chance haben, emporzusteigen. Das ist aber immer so in der Geschichte gewesen. Diese Ge­neration hat die Pflicht, eine Organisation zu erfinden, die, selbst wenn einmal Männer kom­men, die nicht großes Format aufweisen, noch funktioniert, und wir haben Beispiele in der Vergangenheit. 3n der preußischen Armee hat es nicht immer große Generäle gegeben, aber sie hatte eine Organisation ge­schaffen, die auch hielt, wenn große Talente fehlten.

Es wird die Aufgabe der nationalsozialistischen .Bewegung fein, Achnliches auf politi,chem Ge­biete zu schassen, und es darf nicht der Ehrgeiz der führenden Generation fein, einen Staat zu organisieren, es muß vielmehr ihr Ehrgeiz sein, das große Ziel zu erreichen, nämlich ein System zu stabilisieren, das Jahrhunderte hält, wir sind zietbewußt auf den ganzen Staat zugegangen, und wir werden nicht rasten und ruhen, bis der Staat vollständig unser ist.

Daß das den Anderen unangenehm ist, das wol­len wir ihnen nicht Übelnehmen. Es ist n a i v o o n der Kommuni st ischen Partei zu glauben, sie brauche sich nur in hie nationale Koa­lition hineinzu st ecken und schwarzweiß rote Zeichen zu tragen. Beim 15. werden wir schon aufmerksam, beim 25 wird schon unser Ohr ge­spitzt, beim 30. sind unsere Arme erhoben, und beim 4 0. schlagen w i r zu Dann hört der Spaß auf Man soll nicht glauben, daß wir uns von der Koalition verwirren lassen. Wir haben die historische Mission, den Kommunismus zu unter­binden. Wie der Kommunismus noch heute tätig ist.

Die Genfer Delegation wieher in Berlin.

Berlin, 21. 3unt ($11.) Am Mittwoch traf die aus Genf zurückkehrende deutsche Arbei­te r a b o r b n u n g, die die Internationale Ar-

ut

Darüber folgender Vorgang: Vor einigen Wochen besuchte ich das Reichsprösidentenpalnis. Etwa 2 5 0 Deutfchnationalc brachten dem Reichs­präsidenten eine Ovation dar Zufällig batte der Reichskanzler Gelegenheit, dieser Ovation zuzu- schauen. Und der Kanzler erkannte sofort mit ge­übtem Blick, daß das keine Deutsch natio­nalen, sondern Spitzel waren. Sie wur­den beim Abmarsch in eine Kaserne getrieben, und es wurde dann festgestellt, wer denn nun ro i r f l i ch national und wer international eingestellt war. Es stellte sich heraus, daß in der ganzen Gruppe nur 40 Deutschnationale waren, alle anderen Reichsban.nerleutc und Kommunisten. Glaubt man, wir ließen die Konterrevolution unter unseren Augen auf­ziehen? Die Herren werden sich täuschen, und h i e KPD. wird i h r blaues Wunder er­leben.

Es ist ein Irrtum, wenn demokratische Intel­lektuelle immer wieder die Phrase gebrauchen, das Volk wolle sich selbst regieren. Das Volk will nur, daß es anständig regiert wird. Ls wird bann in Versuchung kommen, selbst zu re­gieren, wenn es bas Empfinden hat, daß cs nicht anständig regiert wird. Die Minderheit hat die Pflicht, anständig zu regieren, und das Volk wird vertrauensvoll feine Geschicke in die Hände dieser Minderheit legen.

Ich glaube, daß es notwendig sein wird, von Zeit zu Zeit unsere Tore zuzusperren gegen den Ansturm der Menschen, die in unsere Or­ganisation hineinströmen. Es ist aber auch notwen­dig, daß wir unsere Tore immer offen hal­ten für d i e Jugend. Die nationalfozialistische Revolution ist noch im Vollzug. Ich habe in Ham­burg ausdrücklich betont, haß wir vielleicht im Laufe dieses Jahres revolutionäre Akte er­leben, Denen gegenüber das bisher Erlebte Ouver­türe gewesen ist. Vielleicht ist die Auseinander­setzung mit her Konterrevolution der Auftakt dazu. Die Revolution macht nirgends halt, s i e wird s!ch durchsetzen, bis fj e das Ziel erreicht hat.

Die Presse habe die Ausgabe, der Zeit den Weg zu ebnen und nicht zu versperren. Die Zeitungen müßten versuchen, ein posi­tives Verhältnis zum Rational- fozialismus zu finden, wenn nicht mit dem Herzen, fo mit dem verstand. Der Minister schloß:Wir glauben von der presse jenes Maß von innerer Disziplin verlangen zu können, das notwendig ist, umdiegroßen Ausgaben meistern zu können, die uns gestellt sind. Ich bin der Aeberzeugung, baß bas beutsche Volk vor einer Epoche enormen Aufstiegs steht. Wir begrü­ßen jeben, bet mitmarschiert unb be­dauern den, her cs nicht tut. Durch unb mit uns für bas beutsche Volk. Wir haben ben Krieg verloren, aber bie Revlution wer­den ro i r gewinnen.

Die Ansprache des Ministers wurde mit leb­haftem Beifall aufgenommen. Die Deranstaltung schloß mit Dankesworten von Direktor Traupel an Den Minister und mit einem begeistert auf­genommenen Sieg-Heil auf den Führer, Reichs­kanzler Adolf Hitler. 3m Anschluß fand eine in­terne Kreisleitertagung statt. Kurz nach 18 Uhr begab sich der Minister noch einmal auf Den Bal­kon des Römers, wo er von der viele Stunden harrenden Menge stürmisch begrüßt wurde. Gegen 18.30 Uhr trat er den Rückflug nach Berlin an.

beitskonferenz unter Protest verlassen hatte, wieder in Berlin ein. Auf Dem Bahnsteig und auf dem Bahnhofsvorplatz hatte sich eine vieltaufendköpfige Menschenmenge eingefunden, darunter zahlreiche Ar beit er - ab ordnungen, die in der Mittagspause die Betriebe verließen, um ihre aus Genf zurück­kehrenden Führer zu begrüßen. Auf dem Bahn­steig selbst hatten sich die Führer der Reichsleitung der RSDO. eingefunden. Als die Mitglieder der deutschen Abordnung mit ihrem Führer Dr. Leh den Zug verließen, wur­den sie mit einem dreifachenSieg- Heil' begrüßt. Sie begaben sich durch ein dichtes Spalier auf den Bahnhofsvorplatz, wo eine SA. - Kapelle das Deutschland­lied spielte, das von der riesigen Men­schenmenge begeistert mitgesungen wurde. In zahlreichen Zurufen wieDas habt ihr richtig gemacht" oderEndlich wurde wieder einmal in Genf deutsch gesprochen" bekundeten die Teilnehmer den Arbeiterführern ihre Sym­pathien.

Riesenkundgebung

im Berliner Lustgarten.

Tr. Ley kündigt große Läuberungsaktion an

Berlin, 21. 3unL (TU.) Die Berliner Ar­beiterschaft protestierte am Mittwochabend in einer machtvollen Kundgebung im Lustgarten ge­gen die Vorgänge auf der internationalen Ar­beitskonferenz in Genf. In endlosen Zügen mar­schierten die Arbeiter Berlins zum Lustgarten, der die Massen nicht zu fassen vermochte. Die

Stürmischer Protest der deutschen Arbeiterschast gegen die Vorgänge in Gens.