sitzenden daher nochmals, von ihrer Seite darauf hinzuwirken, daß die in der Sitzung vom 19. d. M. endgültig geklärten Mahnahmen für den Neuaufbau des Standes der Industrie mit größter Beschleunigung durchgeführt werden.
Der Kampf
-er „Deutschen Christen".
Berlin, 21.3unu (VDZ. Funkspruch.) Auf einer Kulturausschuhsitzung der Glaubensbewegung „Deutsche Christen" wies der Reichskultur- referent Bierschwale darauf hin, dah der Reichskanzler es abgelehnt habe, den bisher genannten Reichsbischof D. von Dodel - s chwingh zu empfangen, solange nicht klar sei, ob das Kirchenvolk hinter dem Reichsbischof stehe. Die Glaubensbewegung habe nun die Aufgabe, das evangelische Kirchenvolk in ganz Deutschland aufzuklären. Am Dienstag fänden in Berlin 19 Massenversammlungen statt mit dem Thema „Wer soll Reichsbischof werden?". Derartige Kundgebungen würden über das ganze Reich bis in das kleinste Dorf gehen. Erst wenn so das Kirchenvolk aufgeklärt sei, werde die Frage nach der Persönlichkeit des kommenden Bischofes gestellt. Für den Kampf der „Deutschen Christen" sei ein großes Aktionsprogramm in Vorbereitung. Die von den „Deutschen Christen" geführten k i r° chenpolitischen Ausschüsse der deut- schen Sender würden in kurzer Frist nach Berlin berufen, um Richtlinien für ihre Arbeit zu erhalten.
An dem von der Glaubensbewegung am 10. November d. 3. durchzuführenden „Reichs- Lüth e r - T a g" würden Gottesdienste, Schulfeiern, Kundgebungen, Theater- und Filmaufführungen, Rundfunkdarbietungcn usw. im ganzen Reichsgebiet in den Dienst der Sache gestellt. Der Evangelische Bund habe sich entschlossen, sich den Feiern der Glautzknsbewegung anzuschließen. Es werde ein besonderer Ehrenausschuß gebildet, in den sich die führenden Männer von Staat und Kirche eingliedern würden. Der „Reichs-Luther- Tag" soll ein Ausmaß erhalten, wie es die Welt seit Luther um den Namen dieses Reformators noch nicht erlebt habe. Die Hanptveranstaltungen würden stattfinden in Mansfeld, Eisleben, Wittenberg, Eisenach, Speyer, Worms, Augsburg, Berlin, Hamburg usw. Ausland stellen der „Deutschen Christen" beständen bereits im Sudetendeutschland, in Deutschösterreich, in Estland und Ungarn.
LleberleitungderSA.undGG.-Zlieger- stürme in den deutschen Lustsportverband
Berlin, 21. Juni. (TU.) Mittwochoormittag hat der Reichslustfahrtminister, Ministerpräsident Göring, die Führer der SA. und SS.-Flieger- Jtürme sowie die Landesgrupoenführer des Deutschen Luftsportverbandes im Rrichsluftfahrtministe' rium empfangen. Der Zweck des Empfanges war die Ueberleitung der SA. - und SS. - Flieger ft ürme in den deutschen Luft- fportDerbanb. Aus diesem Anlaß richtete der Rcichsluftfahrtminister Göring einen Aufruf an die deutschen Flieger, in dem es u. a. heißt: „Der Führer hat angeordnet, alle Kräfte der deutschen Luftfahrt einheitlich z u s a m m e n zu f a s- s e n. Ich bin daher mit dem Stabschef der SA. und dem Reichsführer der SS. übereingekommen, diese Kräfte im Rahmen des deutschen Luftsportoerbandes zusammenzufasten. Sie werden dort den Grundstock neuer Fliegerstürme bilden. Es gilt, der Zersplitterung in der deutschen Sportfliegerei ein Ende zu bereiten. Die Männer der SA.- und SS.-Fliegerstürme sind in erster Linie berufen, den Geist der Einheit und Zielbewußtsein, durch den die nationalsozialistische Bewegung groß geworden ist, im DLV. zu verbreiten und zu festigen.
Uebernabme der Geschäfte durch den neuen Danziger Senat.
Danzig, 21. Juni. (WTB.) Die neuen Danziger Senatoren haben heute vormittag ihre Dienstgeschäfte übernommen. Der Senatspräsident Dr. Rauschning erledigte die offiziellen Staatsbesuche u. a. bei dem deutschen Generalkonsul 5 r f) r n. o. Therman n, dem Völkerbundskommissar Rosti na sowie dem diplomatischen Vertreter Polens, Minister P a p e e. Zu Ehren der neuen Regierung fand eine Zierliche Flaggenparade statt. Innensenator Greiser legte ein Treuebekenntnis zu den alten ruhmreichen Farben des Reiches und den neuen Bannern der nationalsozialistischen Revolution ab. Unter den Klängen des Präsentiermarsches wurden auf allen im Hafen liegenden Danziaer und reichsdeutschen Schiffen die deutsche Flagge auf Vormast, die Danziger Flagge an der Gaffel und die nationalso- z i a l i st i s ch e Freiheitsfahne als Gösch gesetzt. Der Senat hat dem Dolkstag das Ermächtigung s g e f e tz unterbreitet Die Vorlage enthält u. a. die Möglichkeit zur Aenderung der Wahlae- etze, Neuregelung der Beamtenverhältnisse und An- steichung an die deutschen Dienstbezüge, Bekämp- ung der antireligiösen Propaganda, Aenderung des Sozialversicherungswesens und Einführung der Arbeitsdienstpflicht. Das Ermächtigungsgesetz ist bis zum 30. Juni 1937 befristet.
Aus aller Welt.
Neuer Vorstand des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.
In seiner letzten Vorstandssitzung wählte der Deutsche Akademische Austauschdienst, Berlin, die kulturpolitische Zentralorganisation Deutschlands auf akademischem Gebiet, General E w y l d von M a s s o w , zu seinem Präsidenten. Der neue Vorstand setzt sich zusammen aus je einem Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichsinnenministeriums und des preußischen Kultusministeriums, zu denen der Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP. Dr. h. c. W a g e n e r , staatskom- tniffar Ernst Röhm, der Vorsitzende des Vereins für das Deutschtum im Auslande Dr. Hans S t e i - n a ch e r sowie der Vorsitzende des Verbandes deutscher Hochschulen hinzutreten. In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Studentenschaft die ful- turpolitischen Aufgaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes zukünftig noch wesentlich zu verbreitern, war der Grundgedanke, den der Leiter des Akademischen Austauschdienstes Dr. Adolf Morsbach in der Dorstandssitzung zum Ausdruck brachte.
Lin 17jähriger ZHutlermörbcr verhaftet.
3n einem Cafe am Anhalter Bahnhof in Berlin fiel dem Geschäftsführer dieser Lage ein gut
angezogener junger Mann auf, der nach dem Genuß von zwei Flaschen Sekt stark angetrunken war und in diesem Zustand seine teure .goldene Llhr mit Füßen trat. Der Geschäftsführer benachrichtigte die Kriminalpolizei, die den Verdächtigen festnahm. Auf dem Polizeipräsidium stellte sich heraus, daß es sich um den 17jährigen Paul Schumann, gebürtig aus Sumiswald, Kanton Bern, handelt, der von den Schweizer Behörden laut Polizeifunk wegen Mordes an s ein er Mutter gesucht wird. Der verstorbene Vater des Schumann war Besitzer des Bahnhofshotels in Emmesmatt, der Sohn wohnte mit seiner Mutter in Bolken in der Schweiz, wo er den Mord begangen hat. Nach dem Morde ist Schumann unter Mitnahme einer großen Geldsumme nach Berlin gefahren. Er nahm sich hier unter falschem Namen ein Zimmer im Eden-Hotel. Er unterhielt einen ausgedehnten Verkehr mit Frauen.
Brand im Eßlinger kommunistischen Waldheim.
Das auf dem Eichberg gelegene Eßlinger Waldheim, in dem früher die Kommunisten ihre Unterkunft hatten, ist in Flammen aufgegangen. Das Waldheim war vor längerer Zeit von der Polizei beschlagnahmt worden und hatte kurze Zeit der SA. als Unterkunft gedient. Dann wurde es polizeilich versiegelt. Es liegt zweifellos Brandstiftung vor. Ob von kommunistischer Seite, steht noch nicht fest. Halb geleerte Petroleumflaschen wurden von der SA., SS. und dem Stahlhelm gefunden. Die Eßlinger Feuerwehr rückte mit allen Löschmitteln an, stand jedoch dem Brand infolge Wassermangels völlig machtlos gegenüber, da die Brandstifter das Wasser vorher abgelassen hatten. Die Polizei nahm unter den Zuschauern Massen- verhaftungen vor. Aus der Zahl der Verhafteten wurden 60 Jungkommunisten herausgegriffen. Die sollen in das Konzentrationslager auf dem Heuberg gebracht werden. Der Brand ist vermutlich durch zwei Brandbomben gelegt worden, denn unmittelbar nach dem Aufflammen des Feuers wurden zwei kräftige Detonationen gehört.
SPD-Angehöriger schießt auf SA.
Als am Mittwochabend SA.-Leute in der alten Dahlwitzer Straße in Köpenick eine Durchsuchung vornehmen wollten, schoß der 23jährige SPD.-Angehörige Anton Schmaus von der Wohnungstür aus auf die SA.-Leute. Ein S A.- Mann und eine Zivilperson wurden getötet, zw e i SA.-Leute schwer verletzt. Der Täter konnte fest genommen werden.
Der Prozeß um Rosemarie Boddin.
3m Prozeß gegen Frau Martha Boddin wegen der Mordversuche gegen ihre kleine Tochter Rosemarie kam es in der letzten Verhandlung zu einem dramatischen Zwischenfall. Als Zeugin rief der Vorsitzende eine Frau Wentzel aus Marienburg auf. Diese Frau ist die Mutter der Angeklagten Martha Boddin. Sie sieht aber ihre Tochter, die sie gleich nach der Geburt weggegeben hatte, zum ersten Male wieder. Martha Boddin hat ihre Mutter niemals vorher kennen gelernt. Die Begegnung wirkte auf die alte Frau Wentzel so stark, daß sie am Zeugentisch einen Ohnmachtsanfall erlitt, während gleichzeitig Frau Boddin in Schreikrämpfe ausbrach und durch den Justizwachtmeister aus dem Gerichtssaal in das Gefängnis zurückgeführt werden mußte. ' %
Eisenbahnunglück in Bulgarien. — Sechs Tote, 13 Schwerverletzte.
In Bulgarien ereignete sich auf der Strecke Tup- niza—Radomir eine Eifenbahnkatastrophe, die sechs Tote und 13 Verwundete forderte. In einem Tunnel stieß ein Personenzug mit einer Kipplore zusammen; die Lore kam aus der entgegengesetzten Richtung mit 20 Arbeitern, die zur Arbeit fuhren. Der Zusammenstoß war unvermeidlich, da sich die Lore mit den Arbeitern in voller Fahrt befand. Die Namen der Toten sind noch unbekannt. Die Verwundeten sind fast durchweg hoffnungslos verletzt. Die Behörden haben die Untersuchung eingeleitet.
Bauernunrufjen in Galizien. — Zehn Tote.
Aus Mittelgalizien werden schwere Bauern- Unruhen gemeldet. 3n dieser Gegend soll schon seit längerer Zeit eine starke 3 n v a s i o n von Kommuni st en zu bemerken gewesen fein. Die aufgehetzte Bevölkerung holzte die Privatforsten ab und plünderte die Geschäfte. Bei Nockowa und Medyka kam es zu Schießereien, weil die Bevölkerung die festgenom- menen Führer befreien wollte. 3nsgesamt sind neun Bauern getötet worden, mehrere erhielten Verletzungen. Sechs Polizisten sind durch Steinwürfe und Schüsse verletzt worden. Einer von ihnen ist gestorben.
Kleine politische Nachrichten.
Wie der Zeitungsdienst erfährt, hat dieDeut- sche Arbeitsfront der Hitler-Spende für die Opfer der Arbeit 100 000 Mark durch die Arbeiterbank überwiesen.
*
Reichswart D. Stange hat als Führer der gesamten evangelischen Jugend Deutschlands dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller, den wärmsten Dank dafür ausgesprochen, daß er durch eine bindende Zusage des neuen Reichsjugendsührers Baldur v. Schirach die Weiterarbeit der evangelischen Jugendverbände eindeutig sichergestellt hat. Dadurch sind die Vereinbarungen zwischen der Führung der evangelischen Jugendverbande und dem Reichsjugendführer erneut bestätigt.
*
Mit Rücksicht auf die Llmgestaltung der Kirchenleitung bei der kommenden Verfassungsrevision hat der Kirchensenat der Altpreußischen Kirche beschlossen, die Stelle des Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates bis auf weiteres kommissarisch durch den rheinischen Generalsuperintendenten Dr. Stol- t e n h o f f verwalten zu lassen.
Reichsminister Dr. F r i cf hat die Gauleiterin der NS.-Frauenschast, Gau Düsseldorf, Frau Hanna Sieber, als Referentin für Frauen- fragen in bas Reichsministerium des Innern berufen. Frau Sieber hat insbesondere den Auftrag erhalten, die verschiedenen Frauen verbände zu einer Reichsarbeitsgemeinschaft Deutscher Frauenverbände zusammenzuschließen.
*
Vor seiner Abreise nach Berlin empfing der Reichsauhenminister Freiherr v. Neurath im Dorchester-Hotel die Besuche des italienischen Botschafters G r a n d i und des rumänischen Außenministers Titulescu.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Heute — nicht morgen!
Das Mögliche soll der Entschluß Beherzt sogleich beim Schopfe fassen, Er will es dann nicht fahren lassen, Und wirket weiter, weil er muß.
Jeder Tag bringt uns neue Aufgaben, neue Aufträge. Schon auf dem Frühstückstisch liegt der Dienstbefehl für die nächsten zwölf Stunden. Und was die Morgenstunde noch nicht wußte, vergißt der Mittag sicher nicht. Da bringt die Post ein Ausrufezeichen, oder der Kalender erinnert an sein Recht, das Telephon klingelt und bestimmt aus weiter Ferne Aufgaben in nächster Nähe. Der Hausfrau winken die Küchen- gcister oder die Keilerkobolde: in acht Tagen ist Geburtstag. Kuchen wollen auf den Tisch, und alles will vorbereitet sein. Man weiß, die Zeit geht immer schneller, als man denkt, und gewöhnlich lassen sich die Notwendigkeiten des Tages nicht übers Knie brechen. „... aber von heut auf morgen läßt sich das .Ding schon drehen'." Aha, die Rede ist gefährlich. Was schon von heut auf morgen verschoben wird, gerät auf die lange Bank, und wie peinlich es sich zu Zeiten auf diesem Brett der bequemen Ausreden und Verschleppungstechnik sitzt, weih jeder, der schon in „Druck" kam.
Ach, wir haben schon noch Zeit, immer langsam voran, die Arbeit läuft uns nicht davon, wird schon noch werden! Wir kennen diese schönen Formeln selbstsicherer Gefälligkeit, wir wissen aber auch, daß diese Stegreifritter oft genug vom Stengel fallen, und nachher hört man die andere Seite: ach, hätte ich doch ..., ach, wär' ich doch!
Llnd doch, wie einfach und ruhig läßt sich Arbeit und Pflicht erledigen, wenn man dem guten alten Wort folgt: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!" Allzu lange aufbewahrt, wird schließlich das Ziel sauer, die Lust müde, und das Ende vom Lied ist immer dasselbe: Lieber stürzung, Hast, -Unfertigfcit, Schluderei und Achselzucken oder peinliches Lächeln derer, die darunter leiden müssen.
Also: frisch ans Werk, zugepackt! Die Arbeit geht nochmal so schnell, wenn ihr die Ehre sofortiger Bedienung entgegengebracht wird. Lind gelingt sie auf den ersten Anhieb mal nicht, dann ist noch immer genügend Zeit da, sich zu überlegen, um in glücklicherer Stunde ganze Arbeit zu schaffen.
Die Zeit ist ein feines Musikinstrument, man muß verstehen, auf ihm in Ruhe zu spielen. Wer das kann, ist ein Künstler. 3hm gibt die Zeit mehr als dem andern, der nur im Galopp über sie hinjagt. Dem Kenner und Künstler der Zeit schenkt sich doppelte Zeit, doppelte Freude, doppeltes Leben! Sofort getan, ist doppelter Erfolg und halbe Mühe!
Kornblumen.
Von alters her war die blaue Kornblume eine der Lieblingsblumen des finnigen, gemütvollen Menschen Schon bei den alten Griechen stand sie in hohem Ansehen als die Priesterin im großen Volk der Aehren, wo sie unter den körnergeschwellten Aehren des Roggens fröhlich blüht und empor- schaut zu den Höhen des azurblauen Himmels als ein frommes Bild der Heiterkeit und des zuversichtlichen Glaubens, und noch heute wird die Kornblume geliebt, gesucht und gepflückt von den Kindern. „Windet zum Kranze die goldenen Aehren, flechtet auch blaue Cyanen hinein!" singt der unsterbliche Schiller.
Für die Kornblume, die zu den Flockenblumen und zur großen Familie der Kompositen gehört, hat sich der Naturfreund immer interessiert, dagegen hat sich der Gartenfreund nur wenig um sie be- kümmert. Man vergißt es, daß sie in den ©arten- formen auch ein Schmuck der Gärten ist. Hauptsächlich ist es die Farbe, das reine Blau der Blumenkrone, wie es in der ganzen Blumenwelt nur noch selten vorkommt, die sie zur Lieblingsblume der Blumenfreunde macht. Es tritt aber eine störende Eigenschaft hervor, wenn der Kornblumenstrauß im Zimmer im Wasser steht. Bald wechselt hier und dort eine Blüte den Farbenschmuck, der in ein wenig schönes Weiß übergeht und den ganzen Strauß verunziert, bis beim Verwelken alle Blüten diese Farbe annehmen. Nicht selten findet man aber auch im Kornfelde etliche Kornblumen von grauweißer, aber auch solche von tief oiolettblauer Farbe, noch seltener ist die gefüllte Kornblume anzutreffen. Bei ihr haben die Scheibenblüten gleich den Randblüten eine trichterförmige Gestalt mit mehrfach gespaltenem Saum. Hier ist uns ein Wink gegeben; daß die Kornblumen nicht gerade fest auf dem ihnen verliehenen himmlischen Blau bestehen, sondern auch einem andersfarbigen Kleide nicht abgeneigt sind, daß sie variieren. Und so sind denn Gartenblumen in rein weißer Farbe, in tief dunkelblauer, violetter, rosa und gelber Farbe, niedrige und hohe gefüllte und wohlriechende durch die Züchtung entstanden. Daß übrigens die Kornblume des Feldes auch einen feinen, angenehmen Duft entwickelt, wird wenig beachtet.
Mit dem Niedersinken der goldenen Aehren bei der Ernte ijt auch die Herrlichkeit der Kornblume vorbei, bis sie in den späten Herbsttagen noch einmal ersteht. Auch das wird wenig beachtet. Auf den Stoppelrübenfeldern, auf denen vorher die Kornähren ragten, verblüht die zweite Aussaat der Kornblumen. Stehen sie hier auch nur vereinzelt, so läßt sich dort doch schon mancher Strauß pflücken, der an die Pracht des Sommers erinnert. Und doch auch nicht, die Blumen sind anders, schöner, duftender, geradezu idealer. Das Blau ist in der kühlen Herbstluft dunkler und doch leuchtender, eine wunderbare Farbe, auch die Form ist vollkommener, edler. Und so verdient die herbstliche Kornblume das Lob hervorragender Schönheit und Lieblichkeit. Und gerade dies späte Blühen macht sie für den ©arten wertvoll, die Selbftausfaat auf dem Felde zeigt den Weg, wie die Aussaat geschehen kann. Ihr Blühen ist an keine Zeit gebunden, je nach der Aussaat kann sie von Juni ab bis zu den ersten Frösten im Spätherbst den ©arten schmücken. Auf den Rabatten, besonders bei gemischten Gruppen, auch auf kleinen Rundbeeten für sich allein ist die Kornblume am Platze. Daß sie ein vorzügliches, langstieliges Material zur Füllung von Vasen gibt, dient ihr zur besonderen Empfehlung.
Auch der Bienenzüchter weiß die Kornblume zu schätzen, denn der um die Zeit der Kornblumenblüte eingetragene Honig ist ihm besonders wertvoll. Darum kann sie auch mit gutem Erfolg in der Nähe des Bienenstandes in reicher Menge ausgesät werden, und wenn die Aussaat so eingerichtet wird, daß die Blütezeit in eine Zeit fällt, in der es den fleißigen Immen an reichlicher Nahrung fehlt, bann
zeigt sich der Wert dieser echten Sonnenblume auch in hervorragender Weise nach dieser Seite hin. So ist denn diese Volksblume mit Recht der Gunst der Gartenfreunde zu empfehlen. Gr.
Oie neuen Köttommissionen im Kreise Gießen.
Der Kreistag des Kreises Gießen hat gestern folgende Neubesetzung der Körkommissionen im Kreise Gießen beschlossen:
Für Fleckvieh (S i m m e n t a I e r):l. Mitglieder: Heinrich Görlach, Ober-Hörgern, Ludwig Barner, Röthges, Karl Köhler IV., Langsdorf, Karl Faber II., Leihgestern. — 2. E r s a tz m i t g l i e - der: Bürgermeister Müller, Ober-Hörgern, Bürgermeister Knauß, Stangenrod, Ludw. Schmidt, Langsdorf, Wilhelm Jung V., Leihgestern.
Für Vogelsberger: 1. Mitglieder: Hermann Velten jun., Göbelnrod, Balthasar Philipp 3, Steinberg bei Gießen, Hermann Von-Eiff, ©rünberg, Heinrich Harbach VIII, ©roßen-Buseck. 2. E r s a tz m itglieder : Direktor Landwirtschaftsrat Trautmann, ©rünberg, Wilh. Hofmann, Großen-Linden, Karl Rock I, Quecfborn, Friedr. Ludw. Reuschling, Heuchelheim bei Gießen.
Für Schweine: Ludw. Konr. Luh, Lang- Göns; Heinr. Knauß, Stangenrod.
Für Ziegen: Heinrich Münster, Hattenrod; Ludwig Scheid, Großen-Buseck.
Daten für Donnerstag, 22.Juni.
1767: Der Staatsmann Wilhelm v. Humboldt in Potsdam geboren (gestorben 1835); 1831: Der Admiral Maximilian Graf v. Spee in Kopenhagen geboren (gestorben 1914); 1919: Gründung der LIniversität Köln a. Rh.
Gießener Wochcumarktpreife.
• Gießen, 22.3uni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter 120 Pfennig, Süßrahmbutter 130 bis 135, Kochbutter 90 bis 100, Matte 25, Wirsing (grün) 12 bis 15, Zwiebeln 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10, Mischgemüfe 10. Bohnen (grün) 30 bis 35, Spargel 20 bis 40, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 50 bis 55 Kartoffeln (alte) 3 (proZtr.2,50 bis 3Mk.) (neue) 12, Rhabarber 8 bis 10, Kirschen 25 bis 30, Stachelbeeren 15 bis -20, Erdbeeren 30 bis 45, junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier (inländische) 8,5 bis 9, Käse 4 bis 10, Blumenkohl 10 bis 60, Salatgurken 25 bis 40, Salat 5 b. 10, Oberkohlrabi 5 b. 10, Rettich 10 b. 15 Pfennig pro Stück; Radieschen 5 bis 10, Rüben (gelbe) 10 bis 12, (rote) 15 Pf. pro Bund.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „An heiligen. Wassern" mit Karin Hardt.
*
** Weßlarer Ehrung des Mini st er- Präsidenten Göring. Zu dem Bericht des Wolff-Bureaus über die Fahrt des Ministerpräsidenten Göring durch Hessen-Nassau teilt uns die Firma M. Henfoldt & Söhne, Wetzlar, mit, daß dem Herrn Ministerpräsidenten im Auftrag der nationalsozialistischen Arbeiterschaft und der Geschäftsleitung der Firma durch Herrn Dr. H e n s o l d t jun. ein Fernglas überreicht wurde.
** Straßensperrungsnachricht, mitgeteilt vom Oberhess. Automobil-Club E. V. (A. v. D.) Gießen: Die Sperre auf der Provinzialstraßenstrecke Gießen — Heuchelheim wird ab 25. Juni aufgehoben.
" Volkszählung. 3n einer Bekanntmachung der Bürgermeisterei im heutigen Anzeigenteil werden diejenigen Einwohner, die noch keinen Zählbogen erhalten haben, oder deren Zählbogen noch nicht abgeholt worden ist, gebeten, dies der zuständigen Stelle mitzuteilen. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.
** Listensammlung des VDA. Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland, dessen von der Behörde genehmigte Werbewoche im Bereich des Landesverbandes Hessen zur Zeit im Gange ist, macht hiermit die Oeffentlichkeit darauf aufmerksam, daß jugendliche Sammler, die ihnen nicht persönlich bekannt sind, abzuweisen sind, um so das mit Recht beanstandete Lieberlaufenwerden zu verhindern. Die 3ugend ist ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie nur bei Verwandten und Bekannten
eine Gabe erbitten dürfen und daß dabei der kleinste Pfennigbetrag gern entgegengenommen wird. Den Charakter einer allgemeinen Haussammlung soll die Veranstaltung keinesfalls haben. Cs soll weniger Wert auf die Höhe des Ergebnisses und der Beiträge, als auf die Zahl der Sammler und Spender gelegt werden.
** Sommerurlaubstarten an biß
chif
ührt.
0 ft f e e. An ben Fahrkartenschaltern von etwa 120 ber wichtigsten deutschen Eisenbahnstationen werben
in biejem Jahre mieber vorn 1. Juni an auch Som- merurlaubsfarten nach ben Ostseebäbern Swine- münde, Ahlbeck, Heringsborf, Bansin, Zinnowitz, Rügen mit Göhren, Sellin, Binz unb Saßnitz ausgegeben, bie wahlweise für Eisenbahn ober Schiff gültig finb. Diese Durchgangskarten gelten ebenso 60 Tage wie bte Bahn-Sornrnerurlaubskarten; ihre Preise liegen etwa auf ber gleichen Höhe. Um auch benjenigen Ostseereisenben, deren Reiseweg unterhalb ber 200-Kilornetergrenze der Sommerurlaubs- karte liegt, eine verbilligte Reisemöglichkeit zu cha - fen, haben bie Stettiner Dampfschjffsgesell cha t I. F. Braeunlich unb bie Sroinemünber Dampf chif • fahrts-AG. im Lokalverkehr ab Stettin gleichfalls Rückfahrkarten mit 25 v. H. Ermäßigung einge ührt. Auf bie heutige Anzeige fei besonders 'hingewiesen.
Wettervoraussage.
Im Nordosten ballt sich wohl allmählich hoher Druck auf, doch wirken flache Störungen mit verschiedenartiger Luftzufuhr immer noch ungünstig auf ben Witterungscharakter ein. Da bie Luftfeuchtigkeit in ber Atmosphäre ziemlich hoch ist, ist immer noch Regen zu erwarten, wobei sich auch lokale Gewitterstörungen auslösen. Die Temperaturen werden etwas höhere Werte erhalten als seither.
Vorhersage für Freitag: Teils wolkig, teils aufheiternd, zeitweise noch Regen mit lokalen Gewitterstörungen, im ganzen etwas wärmer.
Vorhersage für Samstag: Ruhigeres, doch noch nicht ganz beständiges Wetter.
Lufttemperaturen. Am 21. Juni: mittags 19 Grab Celsius, abends 14,5 Grab; am 22. Juni: morgens 13,4 Grab; Maximum 19,8 Grab, Minimum 12 Grab; Niederschläge 9,5 mm; Sonnenscheindauer 2K Stunden. — Srbtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 21. Juni: abends 18,9 Grad; am 22. Juni: morgens 15,2 Grab Celsius.


