Ausgabe 
22.4.1933 Frühausgabe
 
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W. .xhcmen,

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oie Evangelische Kirche in Deffen und der Tag der nationalen Arbeit.

WEN. In einem Ausschreiben des Evangelischen Landeskirchenamts heiftt es: Durch Retchsgesetz vom 10. Aprll 1933 ist der 1. Mai von der Reichsreaie. rung zum Feiertag der nationalen ar­beit erklärt worden. Der sittliche, nationale und soziale hohe Zweck, dem dieser Feiertag dienen soll, machl es für die Kirche zur selbstverständlichen Pflicht, in chrer Weife diesen Feiertag zu begehen bzw. zu würdigen. Der Deutsche Evangelische ftir« chenausschuß hat sich auch mit dabingehenden An­regungen an die Deutsche Evangelische Äirchenregie- rung gewandt. Da die slaailichen Veranstaltungen den Tag des 1. Mai selbst für die geplanten Feier­lichkeiten und ftunögebungen in Anspruch nehmen werden, ist es das Richtige und entspricht der Ver- einbarung -wischen dem Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß und dem Reichspropagandaministc rium, wenn die kirchlichen Feiern bereits am Sonntag, 30. April, als Rüstfeier für den Feiertag der nationalen Arbeit am 1. Mai ge­ballen werden Im Einverständnis mit dem Deut­schen Evangelischen Kirchenausschuß und um auch hierin die Einheitlichkeit der deutschen evangelischen Kirchen deutlich zum Ausdruck zu bringen, ordnen wir demgemäß an: 1. dah am Sonntag, 3 0. April, in den Gottesdiensten der F e i e r t a g der nationalen Arbeit gewürdigt wird. Wo es von den Gemeinden gewünscht wird, können zu diesem Zwecke etwa am Abend Sondergot­tesdienste veranstaltet werden-, 2. dah, sofern die Gebäude der Reichs- und Staatsbehörden am 1. Mai beflaggt werden, auf den kirchlichen Gebäu­den die K i r ch e n f 1 a g g e gehißt wird.

Straßensperre.

Das Polizeiamt Gießen teilt folgendes mit: Die Frankfurter Straße und die Liebig st raße werden von der Liebigstrahe bis Wilhelmstraße und von der Frankfurter Straße bis Ludwigstraße für die Zeit vom 24. bis 29. April für den gesamten Verkehr polizeilich gesperrt. Die Benutzung des Drückensteges an der Heberführung der Frank­furter Strafte ist für den Fußgängerverkehr ge­stattet.

Die Sperrung ist im Interesse der Sicherheit des Eisenbahnverkehrs notwendig. Die Umlei­tung in Richtung Frankfurt erfolgt durch die Alicenstraße, Ludwigstraße, Wilhelm- straße, die Umleitung nach der Stadt durch Wilhelmstraße, Ludwigstraße, Alicenstraße. Die ausgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.

Vornotizen.

Aus dem Stadttheater-B ureau wird uns geschrieben: Morgen, Sonntag, Frem- denvorstellung zu ermäßigten Preisen mit einer Aufführung des SchwankesHasenklein kann nichts dafür", von Mahner-Mons unter der Spielleitung Karl Hehlers mit Ludwig Linkmann vom Reuhischen Theater Gera aL8 Gast in der Rolle deS Schneidermeisters Titus Hasenklein. Wegen

des Gastspiels des Gießener Ensembles in Dad- Rauheim zur Feier deS Geburtstages des Führers Adolf Hitler beginnt die Zremdenvorstellung aus­nahmsweise bereits um 15 Uhr und endet 17.15 Uhr. Dienstag, 25. April, 29. Dorstellung im Dienstag-Abonnement:Die vier Musketiere", Dolksstück von Sigmund Grafs. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. Mitt­woch, 26. April, 27. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement. Operngastspiel des Hessischen Lan- destheaters Darmstadt mit Ludwig van Deetho- vens Oper .Fidelio". Opernpreise: Vorzugs- und Rundfunkgutlcheine haben Gültigkeit. Freitag, 28. April, 28. Vorstellung im Freitag-Abonne- ment, Erstaufführung der Operette.Liselott", von Künneke, Spielleitung: Paul Wrede, musika­lische Leitung: Kapellmeister Fritz Eujs, Einstu­dierung der Tänze: Dalettmeister Ewald 2 ä u l k e: Operettenpreise.

3 in Derner Oberland". Am Sonn­tagvormittag bringt das Lichtspielhaus, Vahn- hofstraße, wieder einen Kulturfilm. Richard D r e- to i n g , von dem man vor einiger Zeit bereits einen hervorragenden Film im Lichtspielhaus zu sehen bekam, photographierte das Berner Ober­land mit seinen vielerlei Schönheiten. Der Bild­streifen, 2400 Meter lang und als Lehrfilm an­erkannt, zeigt die Landschaft, die Menschen, die Wirtschaft, die Technik im Lande, die Ratur- getoalten, die dort wirksam sind und den Men­schen immer wieder Gottes Größe sinnfällig be­wußt werden lassen. So lernt der Besucher die Städte und Dörfer, die idyllischen Bergseen, Gletscher und Sturzbäche, Dergpäsie und lieb­reizenden Almen kennen, er hat Gelegenheit, dem Holz- und Elfenbeinschnitzer über die Schul­ter zu sehen und die Bäuerinnen beim Spitzen» klöppeln zu beobachten: der Film folgt den Sen­nen in ihre Hütten und führt zu den herrlichen Schlössern am Thuner See. Die Freunde des guten Killturfilms sollten diese Vorstellung nicht versäumen. Auf die Anzeige vom Donnerstag sei besonders aufmerksam gemacht.

Der Spar erbund (Ortsgruppe Gießen) veranstaltet am heutigen Samstag, 20.15 Uhr, im Katholischen Vereinshaus eine öffentliche Ver­sammlung, in der Bankprokurist König-Berlin über das Thema:Der Sparer im neuen Deutsch­land" sprechen wird. Auf die gestrige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.

Besuchszeiten der Museen. Die Museen und Sammlungen im Alten und Reuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.

Sonntagsrückfahrkarten am Wei­ße n Sonntag. Am Weißen Sonntag gibt die Reichsbahn von allen Bahnhöfen nach allen Bahn­höfen im jeweiligen Umkreis von 75 Kilometer Sonntagsrückfahrkarten aus. Diese Sonntagsrück­fahrkarten haben die Vergünstigung, daß sie be­reits von Samstag 0 Uhr ab zur Hinfahrt benutzt werden können. Spätester Antritt der Rückreise Montag 12 Uhr.

Naturschutz und deutsches Volk - ein Schlagwort oder eine Forderung nationaler Kultur?

Eine Buchbesprechung von Or. Karl Rudolf Fischer.

Lassen wir uns erzählen, wie Deutschland noch vor 50 Jahren aussah, dann werden wir finden, daß es nur noch wenige Orte und Landschaften darin gibt, die sich in ihrem ursprünglichen Zustand erhallen haben. Wie war das möglich?

Die Entwicklungsgeschichte der Natur hat Aeonen gebraucht, die Menschheitsgeschichte Jahrtausende, die Völkergeschichte Jahrhunderte, das Zeitaller der Zivilisation aber rechnet mit Jahrzehnten, und ein Fünfjahresplan von heute wiegt den Entwick­lungsgang eines Jahrhunderts von früher auf.

Die Erschließung der Natur durch die Zivilisation des Menschen geht im Lawinentempo vonstatten. Früher drang der Mensch schrittweise in die Wild­nis vor, und Jahrhunderte dauerte fein Kampf um einen Platz an der Sonne. Heute ist das anders. Da wird ein Sd)ienenftrang durch die unwirtlichste Ge° gegend gelegt, ein Zug trägt das ganze moderne elektrische Arsenal herbei, und wo eben noch Dschungelleben und Urwaldschrecken war, entstehen Industrien, Sirenen gellen, Autos chasten.

Heber die Natur bricht das herein wie Föhn fturm über ein Winterland. Nicht einmal der Natur­forscher kann Schritt hallen mit diesem Tempo. Er behält gar nicht Zeit genug, den Stoff zusammen­zutragen zu Reminiszenzen:So war cs einst."

Wer einmal etwa von Hannover aus über Norddeutschland geflogen ift, der wird bestürzt fein, unter sich nichts nichts als Flurkarten zu finden, die aussehen wie Kartoffeläcker: Wälder, schön sau­ber in Quadrate gedrillt.

So hat sich das ursprüngliche Landschastsbild durch Menschenhand von Grund auf verzerrt. Wo Heide war, hat man aufgeforstet, wo Wald war, hat man Feld gemacht, was bodenständig war, hat man aus» gerottet, wasweit her" war, fremd war, hat man eingeführt. Allüberall das gleiche Bild.

*

Ja, gibt es denn gar keine Natur mehr in Deutsch­land? Doch, es gibt ja noch Mustergutfelder mit Rüben und Korn, von der Feldbereinigung schon sauber aus der Buntheit und Reichheit der Rusti- kalparzellierung der bäuerlichen Kleinflächennutzung hinübergekoppell in Großmaße langweiligster Ein­tönigkeit und Landschaftsverblödung. Es gibt schließlich noch Kartoffeläcker, Bohnen- und Gurken­plantagen, wie es auch noch sehr schon lebende Streichholzfabriken, sogenannte Wälder, gibt. Vie­len ist das noch genugNatur". Sonst keine Hecke mehr, kein Strauch, kein Schmetterling, ke^n Vogel.

Wer heute noch Hirsch und Wildsau, Seidelbast und Aronstab, buntgeftaltige Flora und reiches Tierleben wie efnftens finden will, 0er mu& gar weit in die einsamen Lande und in die Berg- well gehen, dort, wo die letzten Reste eine letz-e Heimstatt fanden. __

Hier hat sich manchmal noch ein Stückchen echter aller deutscher Heimatnatur erhallen. Und wenn jene Orte verschon! bleiben vor dem Schicksal der allen Lüneburger Hriide, die noch äller ist als Ger- maniens Geschichte, woselbst, nachdem man sieent­deckt" hatte, mit der Fruchtbarkeit der Pllze nerven- hellende Ruhesitze abgetatetter Großstadtbonzen aus

der Erde schossen (in der Nähe automobilfähiger Straften natürlich), die mit ihrem Kilometerstänker durch die Rosmarinpracht sausen und einen Krach machen, daß die Heidehasen glauben, die Treibjagd ginge los, und die Luft mit Rauch verpesten, daft die Rehe die Schwindsucht kriegen, wenn solche alten Orte also von gleichem Schicksal verschont bleiben, dann hat das Volk einer treibenden Forderung sei­ner nationalen Kultur genügt. Hier hat der Natur schütz einzufetzen. Diel gibt es ja nicht mehr zu schätzen, denn bei diesen allerletzten Resten müssen wir schon sehr ins Kleine gehen; sonst hätte ein Wort wie Naturdenkmal"" ja nie aufkommen kön­nen, und es hätte von Anfang an Naturschutz,che- wegung" geheiften. Aber wir sind ja so bescheiden geworden! doch kann es auf die Dauer nicht gut gehen, daft wir Deutsche die Mutter unseres Heimat­lebens, die Heimatnatur, verleugnen. Man mag es mit der allen Heilswahrheit des Buddhismus hal­ten: Tote nicht, denn was du tötest, das bist zu selbst! Woher sollten unsere Führer, unsere Dichter und Künstler die ewig tragenden Kulturwerte unt­rerer Geistigkeit, unseres Brauchtums und unserer Volkheit noch schöpfen, wenn der Urquell alles Wer­dens und alles Fortbestehens, die Heimatnatur, ver­siegte? Das frage ich ganz besonders den Deutschen. Etwa aus den Museen, die uns zeigen, was einst­mals war? Etwa aus einer überall gleichartig jchablonifiertenNatur"? Können von dorther blut- nahe Erlebnisse kommen, aufrichtende Stimmungs­werte entstehen? Wenn es uns auch nicht gelingen sollte, jedem Ehrfurcht vor der Natur und ihren Werten beizubringen, dann muß es doch in der Ge- burtsstunde des nationalen Deutschland möglich fein, dem jungen Menschen die Gedankenlosigkeit der Natur gegenüber abzugewöhnen und ein Erzie­hungsprinzip zu finden, das mit Selbstkritik an die Handlung herantritt und fragt: ,Lst bas richtig, muß das sein?"

So also ist Heimatschutz und Naturerhallung eine Kronpfllcht der nationalen Selbstbehauptung, ist Dienst an der Heimat, ift Dienst am Doll. Wenn dieses Walten und Wirken der Naturkräfte im Voll bei uns auch nicht wie in den allen Ländern (in denen Tier und Pflanze heilig find) religiös zu fein braucht, so muß ihre Erhallung bei uns doch wieder ein Stück unserer Weltanschauung werden, eine Forderung unserer Kultur! Wer ihr dient, dient seinem Vaterland! Diese Erkennmis ist, ihrem ideellen Unterbau nach gesehen, die bedeutendste Abkehr von jenem Marxismus der Internationale: ubi bene, ibi patria!

Die Konkretisierung dieser Idee, die abseits (und damit nicht nur Idol bleibend) von jegllcher nutz­los verpufften Propagandiftik planklar und real- intensiv den vottsstUzerstörenden und ganzhettzer- setzenden Zellgeist des Materialismus zu bekämp­fen fähig ift, ist angesichts der Tausendfälligkeit der natürlichen Derhällnijse und der Schwierigkeit der Verwirklichungsmöglichkellen zu einem Gegenstand exakt wissenschaftlicher Studien geworden. Seitdem ist Naturschutz und Heimatkunde herausgehoben worden aus dem Dilettanteniüoeau des Menschen, der die Natur mir mit den Augen des Kindes sieht, und der

Weg ward frei zu der Erkenntnis, daft nur der Schutz des Lebensraumes und nicht allein der pa- piergeschriebene Schutz des Individuums die An zu erhallen vermag. Man muß also Lanbfchafts- erhallung oder Raumschutz treiben, wenn man be­drohtes Heimatgut vor dem KultuNoü retten will. Soll diese Idee nun und das ist wichtig nicht mit dem aus Gründen der volkswirtschaftlichen Selbsterhallung notwendigen Kutturfortschritt in Konflikt geraten, dann kann das Ziel des Natur­schutzes nicht etwa auf eine Zurückschraubung der derzeitigen ökonomischen Landschaftsnutzung auf den einstmaligen Stand gerichtet fein, sondern es ergibt sich von vornherein die Forderung: Schaffung von Naturasylen in bedrohter Umwell, weitestgehende Erhaltung vom Restbestand einstmaliger Werte!

Unter diesem Gesichtspunkt war es eine der besten Ideen des deutschen Verlegerwesens, eine regelrechte Naturschutz-Bücherei zu schaffen, die allen Fragen )e nach der speziellen Problemstellung ge- recht zu werden vermag. Der bekannte Verlag Hugo Bermühler, Berlin-Lichterfelde, in wissenschaft­lichen Streifen besonders ob feiner ausgezeichneten ZeitschriftDer Naturforscher" geschätzt und geachtet, der übrigens aus im Gießener Anzeiger mit Recht des öfteren zu Worte kommt, hat sich in den Dienst der guten Sache gestellt und in seiner Naturschutz-Bücherei eine Reihe ausgezeichneter Bände herausgebracht, von denen im Folgenden ein Teil kurz dem interessierten Leser nahegebracht fei.

Da ist zum Beispiel ein Bändchen den mannig­fachen Beziehungen zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft gewidmet (104), als dessen Verfasser kein Geringerer als der bekannte Dor tämpfer der forstlichen Naturschutzidee, Feucht, gewonnen war. Dor kurzem warf man (und nicht mit Unrecht) der Forstwirtschaft noch vor, sie treibe Vercinfeitigungspolitik im Forst durch den zucht- mäßigen Anbau einzelner, bevorzugter Pflanzen > und mache den Wald arm an Tieren und Pflanzen. | Kommt hinzu, daß sie Naturverfälfchung durch Hineinbringen von ausländischen Hölzern trieb. Heute stehen diese Mängel zurück dank Feucht, der feit Jahren für Heimatschutz und Naturerhaltung im forstlichen Waldbau geworben hat. Die vorlic gende Arbeit, ausgezeichnet mit vielen Bildern, gibt eine Gesamtschau von der Vielheit der Probleme, die sich um das KapitelForstästhetik" gruppieren, nennt die Wünsche des Naturschutzes im Wald: Ab kehr von den großen, geradlinig begrenzten Kahl schlügen. Abkehr von der Nur-Nadelholzwirtschaft, Abkehr von der Reihenpflanzung bei Schonungen, Berücksichtigung heimischer Laubhölzer in wohl­geordneter Vereinigung mit den Forderungen der Waldwirtschaft.

Weiterhin dient ein BandV o m deutschen W e i d w e r k" von K o e p e r t (101.) dem Gedan ken der Verbindung zwischen Jäger und Natur­freund: er will über die Weidgcrechtigkell weg zur Naturfreude gelangen. Sie soll der Wilderhaltung dienen. Daher ift dieses Buch kein Jagdbuch im üblichen Sinne, sondern eher eine Geschichte der Jagd, verbunden mit einer feinen Auslese von Schilderungen aller Jagdklassiker. In welcher Weise man den Naturschutzgedanken schon den Allerkleinsten, damit aber tief in das Herz der jungen Menschen unseres Volkes hineinzutragen vermag, zeigt Schonichen in dem BandN a - turfchutz und Arbeitsschule" (111.) An zahlreichen Beispielen wird bargetan, wie die neu­zeitliche Arbeitsschule in den Dienst des Natur­schutzes gestellt werden kann. Beispiele von werk­tätigem Schaffen der Jugend, Proben und Muster der Schularbeiten find darin verarbeitet. Diese Dinge wurden übrigens erstmalig der größeren Oeffentlichkeit 1927 auf dem zweiten deutschen Naturschutztag in Kassel nähergebracht. Ein weiterer Band von Schonichen, der übrigens auch die Herausgabe der Sammlung besorgt und als Leiter der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen wie kein zweiter dazu berufen ist, nennt sichUmgang mit Mutter Grün" (109.). Es ist ein Sünden- und Sittenbuch für jedermann, vom richtigen Be­nehmen in Wald und Feld. Nicht tantenhafte Er- uiahnungen werden da verabfolgt oder schulmeister­liche Zurechtweisungen, keine salbungsvollen Pre­digten über den tugendhaften Lebenswandel eines wahren Naturfreundes gehalten und auch kein

doktrinärer Knigge für Naturfragen gereicht:nur kleine Dosen, mit viel Humor gewürzt und Satire gebeizt, von dem, was alltäglich an kleinem Un­heil und großen Sünden da draußen passiert, wo es kreucht und fleugt. Ein herzerfrischendes und äußerst lehrreiches Buch, worin sich mitunter auch einmal einer selbst ertappen kann. Viel gute Bil­der! Ernst Ludwig Schellenberg bringt einen BandDeutsche Landschaft" (107). Nicht Geschichte der Landschaftsmalerei und -dich- tung will cs vermitteln, sondern anwegzeigenden Beispielen das Eigentümliche germanischer Natur­innigkeit erläutern". Kant hat einmal gesagt:Die Natur war schon, wenn sie wie Kunst aussah". Das b e ro e i ft dieses Buch. Durch Malerei zur deut­schen Landschaft und zur deutschen Natur durch Heimattiebe zum Naturschutz, das ift sein Sinn, 'Nicht die Landschaft als zufällige geographische Ge­staltungsform sehen wollen, als architektonisch« Tatsache der Schöpfung, mit der man sicheinfach" abfindet, sondern sie als seelische Nötigung empsin- den, das will dieses Buch vermitteln. Dann kommt ein ausgezeichneter Band von Dr.-Ing. Werner LindnerIngenieur werk und 'Naturschutz" (100), gut cingefüftrl schon durch fein Leitmotiv:Jeder Fortschritt in Wißen und Können, der mit dem sittlichen Wachsen nicht Schritt halten kann, bedeutet einen Rückgang. Erweitertes Stoffgebiet erfordert hoher entwickelte Willensmächte zu feiner Beherrschung." Dieser Satz gilt als Ziel­setzung besonders für das natur und kullurnotwen dige Streben des Technikers, einen versöhnlichen Ausgleich zwischen Technik und Landschaftscigcn- gepräge zu finden. Alles wirtschaftliche und tech nischc Schaffen des einzelnen und der Zeit hat ethische Bindungen. Ein (geschichtlich und organisch gewordenes) sittliches Wollen muft bei der Ausein andersetzung zwischen moderner Technik und dein Rahmenbau der Raturlandschast vorhanden fein. Fehlt es, dann sind alle Versuche, dem Bauwerk eine ästhetische Form zu geben, Zugeständnisse an die öffentliche Meinung und ein Narrenbekenntnis für jeden selbst schöpferischen Geist, sind vielleicht auch Plagiat, und zwar eines, das aber auch nicht das Geringste mit einem guten Epigonentum zu tun hat oder aber wie meistens eine indivi duell geborene, selbst nicht verstandene, spielerische Zutat eines geistigen Gernegroß. Alles das wären Vergehen gegen geistige Gäter des Volkes und Ur kundenfälschung jener besonders üblen Art, wie sie die Scheinkultur der vergangenen Bauweise an sich hatte. Dem Gedanken des Heimatschutzes sind zwei Bände gewidmet, und zwar der klassische von Rudorfs, das schon vor dreißig Jahren als cpoche und schrittmachende Erftauflagc erschien (102) und zwar diesmal neubearbeitet wurde von Pros. Schultze-Naumburg im Auftrag des deut schen Bundes für Heimatschutz, und der Band ,^)ci- matpflege und Heimatschuß" (105) von Rektor Hermann Wille. Beider Bücher Sinn ift aus die Erhaltung der alten Heiinatwertc gerichtet, ein großes Aufgabenfeld ist erschlossen hinsichtlich der vielseitigen Möglichkeiten ihrer Auswertung im heimatkundlichen Sinne, z. B. was mit Altherkomm lichen als Lehrgebiet gemacht werden kann: sein Werdegang ift als Richtungsweifer für den Volks neudau gegeben. HeberN aturbentmäler aus der Doge 1 wc11" schreibt L u c a n u s (103). Zehn KapitelVogel der Heimat" auf dem Aussterbeetat, nämlich Adler, Wanderfalk, Hühner­habicht, Uhu und viele andere: von allen bringt er Tragödien, die typisch für ihr Schicksal find. Daß der Naturschutz bei der Bewältigung seiner wissen schafttichen Aufgaben und vor allem bei feiner (nicht minder wichtigen) Werbetätigkeit nicht auf die Pho tographie verzichten kann, leuchtet ein. Ein Band Kamera und Naturschutz" (110) von Dr. Walter Effenberger zeigt das. Ein gutes Licht­bild bringt den Beschauer in ein persönliches Ver­hältnis, bleibt objektiv und hat den Wert einer Na- tururtunbe. Den schwierigen Wea zur Praxis und zur Verwirklichung der gesetzten Aufgaben führt die­ses Buch in hervorragendem Text und glänzend gelungenen Abbildungen.

Alles in allem; ein dankenswerter und zeitakuter Schritt des Hugo Bermühler Verlages, eine dank­bare und glänzend geloste Aufgabe der Verfasser, und eine dankbare Lektüre für den deutschen Leser, der in diesen Bänden seine, deine, unsere Heimat neuentdeckt".

Ehningen desReichskanzlers in Oberhessen

Landkreis Gietzeu.

X Wiescck, 21. April. Die NSDAP, beging ge­stern abend im Parteilokal Braun in würdiger, schlich­ter Weise den Geburtstag ihres Führers. Zcl- lenroart Beigeordneter K. Euler begrüßte die sehr zahlreich Erschienenen, unter denen man u. a. auch den Bürgermeister und Vertreter der Lehrerschaft bemerkte. Truppführer Kirchner brachte dann inteeffante Einzelheiten und Skizzen aus dem Leben Hitlers. Der als Abgeordneter für den Kreistag auf- gestellte Pfarrer Sattler gab feiner Freude über die mächtig anwachfende Bewegung gerade in Wiefeck Ausdruck und wies in längeren Ausfüh­rungen auf die Aufgaben hin, die insbesondere der Jugend als Träger der Idee des Führers zufällt. Teile aus Reden Hillers, Goebbels' und Kubes wur­den auf Schallplatten übertragen, die in bunter Reihe mit Gedichtvorträgen von Mitgliedern des BDM Erna Weber, Irene Strack und Liselotte Schäfer wechselten. Die Feier schloß mil dem Zapfenstreich.

ck Heuchelheim. 21. April- In der hiesigen Turnhalle oeranfialtetete am Mittwoch der Sturm 12. zu dem die SA. von Heuchelheim ge­hört, eine Feier anläßlich des Geburtstages des Reichskanzlers Adolf Hitler. Die An­sprache des Abends hielt Pfarrer ftn a b, der nach einem Rückblick auf die Rachkriegsjahre das Wirken und die Mission des Reichskanzlers Adolf Hitler schilderte. Unter der Leitung des Truppführers Reinecke folgten dann Volks- tärrze. lebende Vilder und ein beifällig auf­genommenes Eoldatenstück. Die Musik wurde von der SA- gestellt. Alle Darbietungen fan­den reichenBeifall. Erfreulich war auch das Ergebnis der Hitler-Spende in unserem Orte. Es gingen ungefähr 203 Mk. Bargeld und viele Lebensrnittel ein, so daß 53 Orts arme unterstützt werden konnten-

rLang-Göns, 21- April. Unter Beteiligung sämtlicher Vereine und einer zahlreichen Zu­hörerschaft beging die hiesige Gemeinde am Donnerstagabend im überfüllten Saale der Gast­wirtschaft Hebbel in einfacher, aber doch er­hebender Weise den Geburtstag des Reichskanzlers Adolf Hitler. Die im Entstehen begriffene EA>-Kapelle unter Leitung

des Dirigenten Wilhelm Müller spielte den Eingangsmarsch und gab während deS ganzen Abends die besten Beweise ihres Könnens. Die Begrüßungsansprache hielt der Ortsgruppen­leiter der RSDAP Karl Wenzel. Es folgte ein gemeinsamer Ehor der beiden Gesangvereine Frohsinn" undGermania":Das ist der Tag des Herrn!". Frl. Schwinn, Leiterin der Ra- tionalsozialiftischen Frauenschaft, sprach sodann ein Treuegelöbnis für den Volkskanzler Adolf Hitler, das reichen Beifall auslöste. Die Fest­rede hielt Tierarzt Dr. Mehl, der in kurzen, aber kernhaften Ausführungen zunächst auf die vergangenen Jahre hinwies und die Bedeutung, das Wollen und Streben des Reichskanzlers beleuchtete. In das Sieg-Heil stimmte die Ver­sammlung freudig ein. Das Deutschlandlied schloß sich an. In der weiteren Programm­abwicklung gefielen besonders die Gedichtvor­träge der Kinder: Annemarie Mehl. Margot Kaiser und Maria Wenzel. Auch die Ge­sangvereine traten einzeln in Tätigkeit und brachten ihre besten Lieder zu Gehör. Eine Ab­teilung der Mädchenriege des Turn- Vereins erfreute die Zuschauer mit einigen Hebungen im Keulenschwingen. Der gemeinsame Gelang von vaterländischen Liedern, die Dar­stellung einiger lebender Bilder sügten sich glück­lich in den Rahmen des Abends- Der Orts­gruppenleiter, sowie Frl- Schwinn forderten zum Schluß noch einmal dringend auf, nun auch der RSDÄP beizutreten und so mitzuhelfen am Gelingen des Einigungswerkes. Der große Zapfenstreich, Deutlchland- und Horst-Wessel-Lied bildeten den Abschluß der würdig verlaufenen Feier- , , v

. 0 ® rüningen. 21. April. Gestern abend fand anläßlich des Geburtstages des ReichskanzlersAdolfHitlererne Feier der Ortsgruppe der RSDAP. auf dem Krrchen- plah statt. Der Ortsgruppenleiter. Otto Mär­st e 11 e r , eröffnete die Feier und begrüßte die zahlreich Erschienenen. Unter feierlichem Glocken­geläute wurde zu Ehren des Reichskanzlers die Adolf-Hitler-Linde gepflanzt. L. Bender schilderte den Lebenslauf Hitlers. Bei dem Ge­sang des Horst-Wessel-Liedes wurde eine Flasche mit einer Hrfunbe versenkt, die vorher von Bür-