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22/03/1933 Frühausgabe
 
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der Wehrverbände ab. Hierauf hörte man fol­gende

Ansprache des Majors von Wachter:

In dieser Mittagsstunde stehen im ganzen Deut­schen Reich Wehrmacht und Polizei, Wehrver­bände mit SA. und SS. in feierlicher Aufstel­lung, um auctf heute ihren Willen zu bekunden, stets die starken Stützen des Reichs zu sein, die sichtbaren Träger der Wehrkraft und des Wehrwillens. Mit ihnen zusammen stehen in unwandelbarer Treue die Vertreter der Be­hörden und darüber hinaus die vielen ungezähl­ten Deutschen, die dieser Feierstunde nicht fern­bleiben wollten.

Sn diesen Minuten, während wir hier un­ter präsentiertem Gewehr stehen, während über deutsche Lande und deutsche Meere die Batte­rien des Reichsheeres und sämtliche Schlacht­schiffe Salut schießen, schreitet der greise, ehrwür­dige Feldmarschall-Reichspräsident zur Gruft der beiden großen Preußcnkönige, um an ihren Sar­kophagen einen Lorbeerkranz niederzulegen, nicht nur als Zeichen der Verehrung, sondern auch zum Zeichen dafür, daß

die pflichtauffassungen und die Tugenden dieser beiden königlichen Herrscher dem vom Volke ge­wählten Führer Vorbild und Richtlinie sein sollen, um uns, das Volk, wieder emporzuheben aus dem Sumpf der sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Verelendung der letzten Jahre und es einer neuen, einer deutschen Zukunft entgegenzuführen.

Unsere Aufgabe ist es, jeder an seiner Stelle, aber da mit seiner ganzen Kraft, mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit mitzuarbeiten, mitzuwirken in deutscher Treue, mit blinder Treue, mit opferbereitem Gehorsam. Wir, die Wehrmacht und alle Verbände, die den Wehrwillen aus ihr Banner geschrieben und de­ren Jugend wir hoffentlich bald in unseren Reihen sehen werden, wir sind das Schwert in der Hand des Führers. Aber der Klang dieses Schwertes ist nur hell und rein, wenn jeder sich freudig und willig ein­schmieden läßt in den ehernen Stahl. Jede Stelle mit Eigenwillen oder Sonderwünschen wird zur Scharte, wenn das Schwert einstmals zum Schlage ausholen sollte.

Wir alle, die wir hier in Reih und Glied stehen, sind vorn gleichen Stofs, wir alle sind beseelt vom gleichen Opfersinn für die Farben Schwarzweißrot. für die Millioneü ihr höchstes, das Leben, geopfert haben.

Für uns sind diese Farben eng verwoben und verflochten mit zwei schwarzen Kreuzen, dem Eisernen Kreuz hier oben auf den Gebäuden, dem Hakenkreuz hier in der Paradeaufstellung: beide Kreuze sind Zeichen st o l z e r, s e l b st - bewußter vaterländischer Gesin­nung. beide erstanden in Zeiten tiefster deut­scher Rot. Mit Liebe haben wir Soldaten stets auf das Eiserne Kreuz in unserer Kriegsflagge gesehen, das Zeichen einer stolzen Vergangenheit, das mahnende Sinnbild einer hohen Tradition, die wir mit heißem Herzen gepflegt haben auch zu Zeiten, als cs vielfach üblich war, über Ver­gangenes und Gewesenes zu lächeln. Mit Freude sehen wir auf das Hakenkreuz, das. Kreuz, das Millionen und Abermillionen ent­facht hat zu glühender Liebe und flammender Be­geisterung fürs Vaterland. Die Kräfte, die diese beiden Kreuze ausstrahlen, haben sich zusammen­

gefunden, sie wurden die in dieser Wucht kaum, je gekannte geeinte nationale Kraft.

Diese geeinte nationale Kraft gibt unseren Führern, dem Präsidenten und dem Kanzler des Reiches, die Möglichkeit, im Innern wieder auszubauen, nach außen die deutsche Stimme wieder in die Waagschale im Kreis der Völker zu werfen. Die deutsche Stimme wiegt wieder? Die Zeiten sind endgültig vorbei, wo über unser Schicksal entschieden wurde, ohne uns überhaupt zu fragen.

Die geeinte nationale Kraft entscheidet über Deutschlands Zukunft. So ist es unsere heilige Pflicht, dafür zu sorgen, daß sie nie erlahme. Es ist unsere heilige Pflicht, sie zu nähren mit unserem Gut, mit unserem Blut! ilnfer ganzes Denken und Fühlen kenne immer nur unser Vaterland! Das sei unser Gelübde in dieser Feierstunde, in der die nationale Erhebung des Voltes durch die deutschen Führer ihre Krö­nung erfährt durch den Staatsakt in der Gar­nisonkirche zu Potsdam.

Diesem Gelübde verleihen wir Ausdruck durch den Ruf: Unser heißgeliebtes deutsches Vater­land Hurra! * __ ,

Begeistert stimmten die Truppen, die Wehr­verbände und die riesige Menschenmenge in den dreimaligen Hurra-Ruf ein. Hieraus wurde unter den Klängen der Militärkapelle gemeinsam das Deutschlandlied gesungen.

Oer Vorbeimarsch der Truppen und der Wehrverbände.

Rach der Ansprache des Kommandeurs for­mierten sich die Kompanien, die Polizei und Hilfspolizei, die SS., SA. und der Stahlhelm zum Vorbeimarsch vor dem Dataillonskomman- deur. Auf dessen Einladung nahmen die Ehren­gäste in seiner unmittelbaren Rähe Aufstellung, um hier Zeuge des eindrucksvollen Geschehens zu sein. Sn schneidiger Weise, in prächtigem Paradeschritt marschierten die Kompanieü in Zü­gen vor ihrem Kommandeur vorüber. Trefflich und in guter Marschdisziplin folgten ihnen die Schutzpolizei und die Hilfspolizei, anschließend die Wehrverbände. Es war ein denkwürdiges Erleb­nis, dessen Zeuge die riesige Zuschauermenge hier wurde, und ein überzeugender Beweis für die Stärke des hohen nationalen Schwungs, der nun wieder nach langen Sahren des Riederbruchs zu neuem, opferbereiten Wirken ans Tageslicht gekommen ist und in dem Vorbeimarsch unserer Gießener Wehrmacht und der nationalen Ver­bände sichtbaren Ausdruck fand. Mit diesem Er­lebnis fand die erhebende Feier auf dem Ka- sernenhof ihren Abschluß.

Unter den Klängen der Militärmusik rückte kurz darauf die 3. Kompanie unter Führung ihres Ch^fs, Hauptmann Caesar, in Beglei­tung einer riesigen Menge von der Reuen Ka­serne zur Zeughauskaserne ab. Die SS., SA. und der Stahlhelm schlossen sich von der Kaserne aus diesem Marsche an, um unterwigs nach ihren Standorten abzuschwenken.

Militärische Platzmusik.

Von 18 bis 19 Ahr gab unsere Militär­kapelle unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e auf der Südanlage ein Platzkon­zert, das von einer großey Menschenmenge be­sucht war. Die schneidigen Weisen der Militär­musik sanden mit Recht allenthalben lebhafte An­erkennung und wurden zu einer guten Aeberlei- tung zu dem großen Erlebnis, das unsere Bürger­schaft in einzigartiger Weise am Abend hatte.

Oer Fackelzug.

Cs ist schwer, alles das in Worte zu fassen, was gestern abend vor und bei dem Fackelzug an innerem Erleben zu verzeichnen war. Zunächst eines: Der Wettergott, der den Rachmittag durch häufige Regenschauer gründlich verdarb, hatte Einsicht und für den Abend ein Wetter beschert, das eine ungestörte Durchführung des Fackelzuaes ermöglichte: über dem festlichen Bild unserer Stra­ßen leuchteten sogar die Gestirne des Himmels. Damit war die Vorbedingung für einen guten und freudigen Abschluß des nationalen Festtages ge­geben.

3n den Straßen herrschte schon von 19 Uhr ab Großbetrieb.

Immer mehr famm Lc< ,idie Menschenmassen an. Allmählich wurde die Menge immer noch grö­ßer. Sn den Marschstraßen von der Marburger Straße ab stellten sich Kopf an Kopf Tausende zu beiden Seiten der Fahrbahnen aus und gaben da­mit einen wunderbaren Rahmen für das grandiose Bild, das sich etwa eine Stunde später allenthal­ben in den Marschstraßen des Fackelzuges ent­rollte.

Der Zug stellte sich mit der Spitze an der Ecke Marburger Straße Steinstraße auf. Sn dichten Kolonnen standen die Formationen der Zugteil­nehmer. An der Spitze war die SS. zu sehen. Erfreulicherweise unmittelbar hinter ihr, also zur Eröffnung des Fackelzuges, als Re­präsentantin der Gießener Garnison die Mili­tärkapelle unter Leitung von Obermusikmei- ster K r a u ß e. Anschließend folgten die Forma­tionen der SA., dann die weiteren Gruppen der RSDAP. Bei der großen Fülle der Teilnehmer ist es unmöglich, jede einzelne Organisation oder Gruppe registrierend hier zu vermerken. Als Ge­samtbild sei gekennzeichnet, daß es wohl keinen Verein oder Verband, die der neuen Staatsfüh­rung Gefolgschaft leistet, gegeben hat, der sich gestern abend ausgeschlossen hätte

Ohne eine Organisation zurücksehen zu wollen erwähnen wir als Beispiele für die Viel­seitigkeit der Zusammensetzung des Fackelzuges nur folgendes: Man sah neben den schon er­wähnten Organisationen die Studentenschaft in Wichs mit ihren Fahnen, die Lurnerschalt, den Stahlhelm, den Sungdeutschen Orden, viele Ver­treter und Beamte aller Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, von der Spitze angesangen bis zum letzten Mitarbeiter: Vertretungen des Handwerks mit ihren ehrwürdigen Fahnen; die Sportvereine aller Arten, selbstverständlich auch die verschiedenen Militärvereine. Die Polizei marschierte unter Führung ihrer obersten Be­amten mit zwei großen Hakenkreuzfahnen und Hakenkreuzarmbinden geschlossen mzt. Die Be­amtenschaft unseres Bahnhofs, der Reichspost, des Zollamts und die Straßenbahner waren als geschlossene starke Gruppen, z.T. mit Fahnen, eben­falls besonders bemerkenswert. Weiter sah man erfreulicherweise die Sagend in zahlreichen Or­ganisationen und auch in Schulklassen, Frauen­

gruppen der verschiedensten Organisationen, so­gar die Reiterei war durch eine Abordnung des Reitervereins beritten im Zuge vertreten. Sehr zahlreich waren die Pfadfinder und artver­wandte Organisationen, kurzum die gesamte bün- dische Sugend, erschienen. Den Schluß des Zuges bildeten die beiden Gießener Feuerwehren. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hatte sich selbstverständlich wieder in opferbereiter Weise selbstlos in den Dienst der guten Sache gestellt und begleitete den Zug ebenso wie eine Anzahl Feuerwehrleute, die zur Sicherung bei etwaigen Anfällen sogleich zur Stelle waren. Erfreulicherweise ging aber alles glatt vorüber.

Die Aufstellung des Zuges reichte von der Ecke Steinftcaße 2Tiarburger Straße trotz enger Grup­pierung der Organisationen bis weit in die IDeft­anlage hinein.

Ein prächtiges Bild hatte man dort schon, als die Fackeln entzündet wurden. Der Marsch begann gegen 21 Uhr. Er ging durch die Marburger Straße, Wall- torstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Markt­straße, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Neuenweg, Gartenstraße, Lud- wigsplatz, Kaiserallee zum Trieb. Aus dieser Strecke bot sich ein wunderbares und unvergleichliches Bild. Nach mehrfachen Beobachtungen, die mit unseren eigenen Wahrnehmungen übereinstimmen, war

die Spitze des Zuges schon in der'Liebigstraße angelangt, als sich die Feuerwehr als Schluß auf der Westanlage eben in Bewegung fetzte. Schätzungsweise haben an dem Fackelzug etwa 5000 Personen leilgenommen.

Grandios war der Anblick, den man bei langgestreck­ten Straßenteilen auf die unübersehbare wandelnde Feuerschlange hatte. Ueberall begrüßte die Bevölke­rung durch herzliche Zurufe, zum Teil durch leb­haftes Händeklatschen einzelne Gruppen oder Ver­bände des Zuges. Daß die Gießener Bevölkerung fast vollkommen und zu vielen Tausenden die Marschstraßen besetzt hatte, konnten wir daraus schließen, daß beim Passieren von einigen durch den Zug nicht berührten Straßen meist unbeleuchtete Wohnungsfenster zu sehen waren und auf den Stra­ßen geradezu Todesstille herrschte.

Die Begeisterung führte sogar dazu, daß vor dem Stadttheater eine ganze Anzahl Personeir erschienen, die die Theatervorstellung veranlaßt hatten, um sich das unvergeßliche Schauspiel dieses Zuges anzusehen. Aebrigens war das Stadttheater an diesem einzigartigen Abend na- türl'.ch sehr schlecht besetzt.

Auf dem Trieb fand der Fackelzug, dem in Gießen bisher etwas Gleichartiges oder annä­hernd Aehnllches überhaupt nicht zur Seite zu fetzen ist, seinen Abschluß.

In weitem und mehrfach in der Tiefe geglie­dertem Viereck marschierten die Zugteilnehmer mit ihren Fackeln auf. Ein herrlicher Anblick, die

Tausende von brennenden Fackeln in der dunklen Nacht zu sehen. Rundherum eine unübersehbare, riesige Menschenmenge. Immer und immer wieder obwohl schon etwa ein Drittel des Zuges vor uns auf dem Trieb angekommen war be­obachteten wir neue wechselvolle und interessante Bilder der anmarschierenden Organisationen. Mu­sik und Spielleute sorgten auf dem ganzen Wege für flottes Tempo und auf dem Trieb für schnei­digen Anmarsch. Vielfach erklang froher Lieder­gesang. Rach länger Zeit des Vorbeimarsches kam endlich die Feuerwehr als Schlußteil an. 3m Handumdrehen hatte sich der riesige Kreis ge­schlossen. And nun sand die beim Einmarsch aller Organisationen unermüdlich spielende Mili­tärkapelle eine kurze Atempause. Gleich dar­auf spielte sie die

drei Verse des Deutschlandliedes als gemein­sames nationales Bekenntnis. Mächtig klang der Gesang der Tausende von Menschen zum nächt­lichen Himmel empor.

Hierauf brachte der Kreisleiter der RSDAP.. Landtagsabgeordneter Dr. Harth, ein begeistert aufgenommenes dreifaches Sieg-Heil auf den Füh­rer des Dritten Reiches, Reichskanzler Adolf H i t- l e r aus. Anschließend sang die Menge unter Be­gleitung der Militärkapelle das Horst-Wessel- Lied. Begeistert wurde sodann dreimal in die von Major a. D. Hanneken ausgebrachten Hurra-Rufe auf den Feldmarschall-Reichspräsi­denten von Hindenburg eingestimmt.

Damit hatte die Kundgebung, die für jeden Teil­nehmer unvergeßlich bleiben wird, ihren Ab­schluß gefunden. 3n vollkommener Ordnung rück­ten die Kolonnen dann nach der Stadt ab, beglei­tet von der riesigen Menschenmenge.

photographische Aufnahmen

von der Feier auf dem Hof? der Neuen S.aferne sind seit heute früh im Bilderkasten an unserem Geschäftshaus zu sehen. Unsere Mitbürger seien besonders darauf hingewiesen.

Was hist Du dem Buche schuldig?

Zum Tag des Buches: 22. März.

Bon Or. Johannes Günther.

Was bist du dem Buche schuldig? Oh, du bist sehr verwöhnt, mein Lieber. Denn meistens wird die Frage umgekehrt gestellt: was ist das Buch dir schuldig? Der Autor hat es schwer, sich beim Schrei­ben auf seine Arbeit zu sammeln. Er möchte ganz für das Wesentliche seines Stoffes da sein, aber es mischt sich viel Anderes ein: die Wünsche der Leserschaft. DieWünsche", die er ja eigentlich gar nicht kennt und gar nicht kennen kann, die ihm aber als undeutliche Aeußerungen, meistens in Form verneinender Vorwürfe vom Verleger, vom Buchhändler zugetragen werden und die sich in ihm dann fcstsetzen als Wahnvorstellungen, alsKom­plexe", wie man heute sagt, die ihn aber mehr beirren als fördern.

Laß mich dieseKomplexe" nur einmal für ein paar Augenblicke heraufbeschwören:Spannend soll das Buch sein und es soll doch nicht so an die Nerven gehen, daß man dabei nicht auf der Chaiselongue liegen könnte.Etwas Beson­deres" soll das Buch sein, aber die Grund­festen des Hergebrachten, auf denen man garantiert sicher wohnt, darf es nicht erschüttern. Geistreich und witzig soll der Verfasser fein, er soll Satire ris­kieren, aber fein Stand will sich beleidigt füh­len. Gesinnung soll bas Buch an den Tag legen aber wehe, wenn irgend- ein Leser sagt: es ist nicht meine Gesinnung. Das Buch soll der Zeit entsprechen, es soll einZeitbuch" sein und doch wiegen einige Weise ihre Häupter und sagen: wir wollen Bücher, die nicht der Zeit verhaftet sind, sondern der Ewigkeit dienen (und ihnen möchte das Gewissen des Schriftstellers recht geben). Das Buch soll umfangreich sein, man will etwas in der Hand haben für sein Geld jedoch allzuviel Geld kann und will man nicht anlegen, darum darf die Seitenzahl übers vierte Hundert nicht hinausgehen. Ein schlicht eingebundenes Buch wird nicht gekauft, esgeht" nicht. DieAusstat­tung" mußerstklassig" sein. Bestes Papier. Sorg­sam gewählte Lettern (die Fachausdrücke, ich möchte fast sagen: die Kosenamen, für die Schrifttypen sind den Bezeichnungen verwandt, welche die Meister­singer ihren Liederweisen gaben, als da waren Rosmarin-Weis",hohe Firmamentweis" usw.). Und elegant soll der Einband fein, wirkungsvoll das Umschlagpapier aber was istelegant" und waswirkt"?

All' das soll dir das Buch schuldig sein. Zuge­geben. Aber du kannst es dann dem guten Geiste des Buches nicht verübeln, wenn er sich auch ein­mal zum Worte meldet und ausspricht, was d u als Leser i h m schuldig bist.

Das Buch, das aus hohem Sehnen und Wollen, ich möchte fast sagen: mit heiligender Kraft, ge­schrieben,gedichtet" worden ist ich denke im Folgenden an Werke der erzählenden und lyrischen Poesie ein solches Buch hat den Anspruch dar­auf, von dir in einer Stunde der Sammlung, ich könnte wohl auch sagen: der Andacht, in die Hand genommen zu werden. Zu guter Zeit mußt du lesen. Das Buch muß dich irgendwie bereit finden. Das Buch ist nicht bloß dazu da, daß du dich aus ihm über einen Stoff, über einen Geschehnis- Ablauforientierst", daß du esverschlingst". Du mußt wahrhaftig lesen. Lies langsam, lies Wort um Wort. Lies laut Das Wort, geschrieben, ge­druckt, ist der Note gleich, die im Notenheft ein verwunschenes Leben führt, .bis der Sänger, der Musiker, sie zum Klange erlöst. Das gedruckte Wort ist, wie es da schwarz auf weiß steht, nur erst eine Notiz, ein Erinnerungsmittel, nur erst etwas Un­fertiges, Vorläufiges. Es will und muß unbedingt

ausgesprochen werden dann zeigt sich sein Wert, dann wird die Schönheit offenbar, die der Dichter meinte, als er das Wort schrieb. Fürchte dich nicht, in deinem Zimmer für dich laut zu lesen. Nimm es gern auf dich, wenn Leute, die dich be­lauschen, dich um deinesseltsamen" Tuns willen einen Narren nennen. Noch besser aber, du lieft gemeinsam mit andern. Es ist eine schöne Bewe­gung, die sich für Hausmusik einsetzt. Es lohnte sich ebensosehr, zur Bildung von Lesegemeinschaften, im Familien-, im FreundesKreise aufzurufen. Wir wollen nicht die gräßliche Gepflogenheit, ein Buch mit dem Ablauf seines Erscheinungsjahrs aus der Mode kommen zu lassen, mitmachen. Gegen­wärtig ist es ja so (und ist schon eine der wichtig­stenTatsachen" für die verlegerische Kalkulation): ein Buch muß in einem Fahre abgesetzt und aus­verkauft sein denn im nächsten Jahre ist, wenig­stens mit der bisherigen Auflage, kein Geschäft mehr damit zu machen, inf nächsten Jahr sucht das Publikum auf den Tischen der Sortimentsbuch­handlungen nach neuen Büchern. Das ist traurig! Immer die Gier nach Neuem! Nein: der Leser sollte zu guten Büchern immer wieder zurückkehren, bei ihnen immer wieder das Wunder des Klangwerdens erleben und: sein eige­nes Ausdrucksvermögen an ihnen bilden.

Wenn du einen Gedanken, ein kurzes Geschehen bei einem guten Schriftsteller besonders lebendig und eindringlich gestaltet findest, bann klappe, nach­dem du gelesen hast, bas Buch zu, nimm Feber und Papier ünb versuche ben Inhalt des Gelesenen, sy gut wie du es kannst, niederzuschreibön, und dann nimm bas Buch roieber vor unb vergleiche bein Geschriebenes mit bem Gebrückten nicht, um bich burchaus zu beschämen, aber um zu erkennen, wie man einen Gebauten, ein Geschehen zum Ausbruck bringt, in welcher Hinsicht bu es hättest besser ma­chen können und müssen; und du bekommst bei sol­chen Erwägungen auch eine Ahnung von bem, was dichten", was Worte künstlerisch behandeln heißt. Das sind Stilübungen, die reichen Ertrag bieten, wenn man sie mit geduldigem Streben wiederholt. Die gewonnenen stilistischen Standpunkte bieten dir allmählich auch einen Maßstab zur Beurteilung von Büchern, die dir begegnen, also auch zum Erken­nen minderwertiger Literatur.

Wenn du dir über ein Buch eine gegründete, reiflich erarbeitete Meinung gebildet yast (oder, wenn du mit einem Buch ober einem Teil des Buckes, gleichfalls nach reiflichem Durchdenken, nicht fertig wirst", das heißt: vor Rätseln stehst), dann suche Anschluß und Klärung bei andern. Diese Notwendigkeit würde dir leichter gemacht, wenn du bereits in einer Lesegemeinschaft ständest. Mit einem Gespräch über Bücher wendet ihr wohltuend den Klatsch ab. Empfiehl ein Buch, das dir ge­fallen hat. Immerhin dränge deinen Geschmack keinem anderen auf; sei auch zurückhaltend damit, vor Büchern zuwarnen", die du glaubst ver­urteilen zu müssen. Dann freilich, wenn cs dich unwiderstehlich zum Bekenntnis treibt, predige getrost und mit ganzem Einsatz: dafür ober da­gegen! Man soll Bücher nicht verleihen davon werden Dichter unb Buchhändler nicht satt, man soll zum Kauf veranlassen: das ist zwiefach beherzi­genswert in einer Zeit, wo (es ist bitter zu hören) um wirtschaftlicher Not willen Ausgaben für geistige Güter gestrichen werden aus dem Etat des Ein­zelnen und der Gesamtheit. Von dem, was du also Dem Dichterschuldig" bist, wird er nichtsatt". Seine Bitte ist ideell. Das rechne ihm hoch an und erfülle sie!

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.Waldlauf im Lahn -Oünsberg Gau.

Anter starker Veteiligung führte am vergan­genen Sonntag der Lahn-Dünsberg-Gau feinen diesjährigen Frühjahrs-Waldlauf durch. Die Veranstaltung wurde von Turnverein Launsbach ausgerichtet. Sieger in der 3ugendunterstuse (2000 Meter) wurde Karl B e ch t h o l d - Launsbach, Zeit 9:04,5 Min. 3n der Jugend-Oberstufe (3000 Meter) sicherte sich L. Dender - Garbenheim in 12:22,5 Minuten den Sieg. 3n der Klasse der Handballer (3000 Meter) wurde K. Psass - Launsbach Erster. 3n der Klasse der Aktiven, die über 5000 Meter zu starten hatte, wurde Karl Bremer- Erda erster Sieger. Ausführlicher Bericht folgt.

Flugsport 1933 im Flughafen Gießen.

Nachdem bereits im Jahre 1932 die Sportluftfahrt auf dem Flugplatz Gießen erfreuliche Fortschritte ge­macht hat, scheint das Jahr 1933 neuen Auftrieb der Luftfahrt Oberhessens zu bringen. Ende vorigen Jahres waren in Gießen fünf Flugzeuge beheimatet. Es waren die Flugzeuge D 1866 und D 2249 der Südwestdeutschen Sportflieger - Vereinigung, die Klemm-Maschine D 2119 des Vereins für Luftfahrt Wetzlar, das Schulflugzeug D 1638 der Flieger­gruppe Polytechnikum Friedberg und der Doppel­decker D 2249 des Sportfliegers Erbprinz Otto z u Hohenfolms-Lich.

In den letzten Wochen trafen drei weitere ^Flug­zeuge ein, die endgültig auf dem Flugplatz Gießen stationiert wurden, und zwar Das Flugzeug Cas­par 32 D 1145, das Lbunstflugzeug BFW. D 1858,

(Eigentümer Fluglehrer Maier, Gießen), unb der Doppeldecker D 492, Typ Dietrich DP Ila, der Flie­gergruppe Friedberg. Da weiter in diesen Tagen die Fliegergruppe Friedberg noch ein Flugzeug, Typ Klemm L 26, zu Schulzwecken erhält, besteht der Flugzeugpark nunmehr aus neun Motorflugzeugen, zu denen sich noch einige Segelflugzeuge gesellen.

Reger Flugbetrieb herrscht zur Zeit auf dem Flug­hafen, da die Fliegergruppe Friedberg einen Schu­lungskursus durchführt und die Südwestdeutsche Sportfliegeroereinigung Trainingsflüge erledigt und Rundflüge über Gießen nach Bedarf ausführt.

Verbandsspiel-Ergebuiffe aus dem Gau Gießen-Wehlar.

Bezirkskiassel (Gruppe Lahn): Wetz­larer SV. Ockershausen 5:1 (2:0).

Bezirksklasse II: Aßlar Ehrings­hausen 6:0 (3:0); Bissenberg SV. Wetzlar II 6:1 (2:1); SC. Wehlar-Riedergirmes Weil­burg 4:1 (3:0); Steinberg VfB. Gießen II 2:1 (1:0); Lollar Ettingshausen, für Lollar gewonnen. Ehringshausen verzichtet auf Spiel und Punkte.

Gauklassel: Aßlar II Werdorf 1:2 (0:0). Heuchelheim Lieh 1:0 (0:0); Wieseck gegen 1900 Gießen III 2:6 (2:3); Grohen-Buseck gegen Stembach 0:3 (0:0); Rieder-Weisel Garben­teich 4:4 (3:2); Butzbach II Dutenhofen 6:2 (3:1).

Gauklasse II: Allendorf II Leun, für Leun gewonnen; Weickartshain Flensungen U. für Weickartshain gewonnen.