Oer nationale Feiertag in Gießen.
die
Festakt der Garnison und der Wehwerbände
nicht anders zu
Tippmann, Hamel und
Die gefällig abgerundete, musikalisch und szenisch wohltemperierte Aufführung war ein Produkt der verständnisvoll auseinander abgestimmten Arbeit des bewährten Operettenregie-Kollektivs. Herr W r e ö e besorgte eine schmissige und nuancenreiche Inszenierung; Kapellmeister Walter Woehl leitete das Orchester und sand eine lohnende Aufgabe in der Interpretation der dankbaren Partitur; Herr Daulke hatte die Tanzregie, er betreute die Parade seiner sechs schottisch-karierten Girls und steuerte selber einen modernen Step-Tanz als Einlage bei; die Herren Löffler (Bühnenbild), Keim (Beleuchtung) und Huber (Kostüme) statteten das Werkchen liebenswürdig aus. Das Reisebureau, die kleine Bar am Wannsee und das Schlußbild dürfen als besonders gut gelungen notiert werden.
Die Darstellung stand auf dem gleichen erfreulichen Riveau. Herr F i e r m e n t sang den Hartenau mit grobem Einsatz; im Spiel angenehm reserviert, stimmlich, besonders im ersten Art, fast in anspruchsvollerem Rahmen, als man es bei einer zeitgenössischen Operette gewohnt ist. — Herrn W r e d e sah man als Schwarzenberg^ mit einem leicht parodistischen Einschlag, übrigens gewandt und gleichmäßig sicher im Dialog wie in den gesanglichen und tänzerischen Erkursionen dieser Partie. Besonders lustig geriet das Terzett Beling-Wrede-Bruck im Mittelakt.
Mit der komischen Person des Reisebureau- dircktors Homann wußte Herr B r u ck die Leute recht witzig zum Lachen zu bringen- — Kühnes Regierungsrat wirkte in dieser Umgebung schon fast ein wenig zu seriös; eigentlich eine Luftspielfigur. — In kleineren Aufgaben machten sich die Damen Wielander, Walther-Lederer,
Schubert-Jüngling und die Herren Siete n, 3 o Id, Eggemann verdient. —
teilzunehmen. Der Zutritt zum Kasernenhof war für jedermann offen. Eine riesige, nach Tausenden zahlende Menschenmenge postierte sich auf dem großen Kasernenhofe in vielfacher Tiefengliederung. Die Flure und Fenster der Kasernengebaude waren für die Besucher gleichfalls zum Aufenthalt sreigcgeben und von vielen Hunderten Kopf an Kopf beseht. Die militärischen Gebäude zeigten zum ersten Male wieder seit langen Jahren die ehrwürdigen Fahnen Schwarzweihrot mit dem Eisernen Kreuz, die künftig über unserem betoun- dernswerten Reichsheer flattern werden. Das fest- liebe Bild wurde verschönt durch leuchtenden Früh- jahrs-Eonnenschein, der den leider reichlich kalten Sturmwind leichter ertragen lieh.
Auf dem Kaserneuhofe waren in einem weiten offenen Viereck unser Bataillon, die staatliche Polizei mit der Hilfspolizei, die SS-, 581. und der Stahlhelm aufmarschiert.
Jetzt liegt diese Zeit hinter uns wie ein langer schwerer Traum, aus dem wir nun erwacht find, und wir knüpfen wieder an an das, was wir in den ersten Kriegsjahren erlebten, da die Kirchen sich füllten und unser deutsches Volk ein betendes Volk war.
Darum kommt, mir wollen wieder zu dem Herrn unferm Gott. Seine Kirche ist nicht bloß dazu da, um besonders feierliche Stunden im Leben des Volks und des einzelnen festlich zu verbrämen, sie hat die größere Aufgabe, allen ohne Ausnahme das ewige Wort des allmächtigen Gottes zu verkündigen, von dessen Annahme oder Verwerfung auch für ganze Völker das Heil oder Unheil abhängt. Darum: „Kommt, wir wollen wieder zu dem Herrn". Wir wollen uns nicht länger von Menschen in die Irre führen lassen, sondern Gott die Ehre geben, seinem Willen uns unterwerfen, sein Wort die Richtschnur sein lassen im Leben des Staates und im Leben jedes einzelnen. Wir wollen sein Antlitz suchen, wenn wir sein Wort hören in unseren Gottesdiensten, und wenn wir es lesen daheim in unserer Bibel. Er befiehlt, wir gehorchen. Er redet, wir sprechen: „Rede Herr, dein Knecht hört". Wenn dieses Gelöbnis der Treue die Antwort unseres Volkes auf Gottes gnädige Hilfe ist, wenn wir alle es wahr machen: „Kommt, wir wollen wieder zu dem Herrn", dann beginnt wirklich heute_________
Heimat und Wett.
Von GrnfI Wiechert.
Wenn ich mit meinem Bater abends aus dem Walde ging, nach Hause, blieb ich bei den letzten Pilzen ftef^n und fragte, wann sie nach Hause gingen. Sie könnten nicht gehen, sagte mein Bater. Sie seien zu Hause, wo sie ständen. Ich verstand das nicht. Die Bögel flogen in ihre Bester, die Ache zogen in ihr Bett, der kleinste Käfer barg sich in seinem dunklen, warmen Hans. Sie aber hatten kein Dach über dem Kopf, als den großen Waldesraum und das Gewölbe der Sterne, und manchmal deckte ich heimlich ein Tuch über sie, damit sie zu Hause wären in der dunklen Rächt.
Täglich ging ich zu ihnen. Ich sah, daß ihre Kinder um sie wuchsen, klein, ftiH, mit Hüten, die viel zu groß für sie waren. Auch sie hatten kein Zuhause, der Regen schlug ans sie nieder. Schnecken fraßen an ihrer Wehrlosigkeit, und vor dem ersten Schnee waren sie verfallen, und ihre kleinen Leichen lagen überall auf dem Moos.
Ich bin geneigt, zu lächeln über den Kinderschmerz und es würde doch nicht richtig sein, denn das erste, große, ganz umfassende Gefühl des Kindes war das Heimatgefühl, und ihm schien verloren und ausgestoßen, was ohne Heimat war. Llnd das Kind selbst? Wir alle, als wir klein waren, mit zu großen Hüten, hatten wir mehr über uns als einen dunklen Waldessaum und ein Gewölbe hoher Sterne? Da war das Antlitz der Mutter, das uns Sonne, Mond und Sterne war, da war das Wunder der Lampe am stillen Abend, der Winkel am Ofen und ein paar Wände, die ihn begrenzten. Hub weiter war nichts, älnd zur Rächt deckte man vielleicht ein Tuch über unser Gesicht, damit wir „ju Haufe" wären. Das im kleinen Kreise Kriechende waren wir, das nicht Wandernde, das Hilflose, das vor einem Käfer schrie. So klein war unsere Welt, so eng wie die eines jungen Tieres, wie jener kleinen Gesellen mit den großen Hüten, die immer verzaubert aussahen, gebannt, nicht zu erlösen.
^lnd heute sind wir die Herren der Welt. Der Raum ist unser, und die Zeit ist unser. Wir stehen in den Museen, die Zeit bricht auf, und unsere Hand kann rückwärts tasten bis zu den Zeiten der Aeghpter und Babylonier. Wir stehen in den Sternwarten, der Raum bricht auf, und unser Auge kann hinaustaften bis an die Ewigkeit des Orion-Rebels. „Amerika", sagt jemand. und vor unserem Bewußtsein steigt gehorsam die Welt empor, die ehemals eine „neue Welt" war. Steigt empor, zusammengesetzt aus
Oie Bevölkerung ver oberhessischen Provinzialhauptstadt feiert mit Begeisterung die nationale Wende 2ck. Marz ck9o3 Eindrucksvolle Kundgebung der Garnison und der Bürgerschafi. - Ein beispielloser, gewaltiger Fackelzug.
Helm Aufstellung zum
^eldgottesdienst.
Das Musikkorps unter Leitung von Obermusik- rneister Krauße leitete die gottesdienstliche Feier in feiner Weise mit dem Cargo von Händel ein. Anschließend spielte sie einen Vers des Chorals „Ohm danket alle Gott". Hierauf sprach der evangelische Etandortpfarrer
Landeskirchenrai Ausfeld.
Er legte seiner Predigt das Wort Hosea 6, 1: „Kommt wir wollen wieder zu dem Herrn" zugrunde. In der Predigt sagte er u. a.
In dieser Stunde versammeln sich die gewählten Vertreter des deutschen Volkes in der Kirche, die mit den stolzesten Erinnerungen der alten preußischen Armee verknüpft ist, über der Gruft des Königs, der des Staates erster Diener fein wollte, dessen hohes Pflichtbewußtsein dem preußischen Staat sein Gepräge gegeben hat und
Der Besuch war (wie gestern erwarten) schwach; die Aufnahme sehr freub sich. hth.
fonal Gelegenheit gegeben werde, an den Feiern in der Mittagsstunde teilzunehmen, aber auch zu dem Zwecke, dah dem denkwürdigen Tage wenigstens zu einem Teile ein sonntäglicher Anstrich gegeben werden konnte. Bereits vor dieser Anordnung der Regierung war in einigen Unternehmungen durch die Initiative .ihrer Leitung 1 freiwillig dem festlichen Charatter des Tages Rechnung getragen worden. So wurde in dem Hauptbetrieb der Tabakfabrik Georg Philipp Gail AG. und in den Gailschen Tonwerken von H.30 bis 13.30 Uhr die Arbeit unterbrochen. Das Personal versammelte sich in einem Raume der Betriebe und hörte dort durch Lautsprecher die Uebertragung der Feierlichkeiten in Potsdam. Heber 300 Personen konnten auf diese Weise in den beiden Gailschen BetriebenDhrenzeuge des geschichtlichen Vorganges fein. 3n den Filialbetrieben der Fa. Gail wurde die Mrbeit in der Mittagsstunde eingestellt, der Rest des Tages galt als Sonntag. Ferner hatte die Zigarrenfabrik Julius Holtmann G. m. b. H. ihren Betrieb geschlossen und die Angestellten am Rachmittag beurlaubt.
Um die Mittagsstunde wurde der rege Verkehr in den Straßen immer stärker. Eine wahre Völierwanderung setzte nach der Reuen Kaserne ein. Zu Fuß und auf Fahrzeugen, sowie mit der Straßenbahn strebten Tausende der Kaserne zu, um dort an dem
Der denkwürdige nationale Feiertag am gestrigen 21 März aus Anlaß der seierlichen Eröffnung deS neuen Reichstages fand auch in unserer Stadt begeisterten, vieltaufendstimmigen Widerhall. Rachdem noch am Montagabend Sturm und Regen wenig erfreuliche Aussichten auf den Festtag eröffnet hatten, strahlte der Morgen des gelingen Tages nach einem Wetterumschlag wahrend der Rächt in schönstem Frühlingssonnenlicht.
Die Straßen zeigten schon vom frühen Morgen ab reichen Schmuck durch schwarzweihrote und durch Hakenkreuzfahnen, *ber auch durch die rotweißen hessischen Landesfarben. Erfreulicherweise war in so großem Ausmaß geflaggt worden, wie noch nie zuvor seit dem Kriege.
In allen Straßen sah man den leuchtenden Fahnenschmuck, vielfach mehrere Fahnen an einem Haus Ueberall wollte ntan dadurch sichtbar seine Freude über den Durchbruch be« nationalen Gedankens und die entscheidende Wende in der deutschen Reichsführung zum Ausdruck bringen.
Die Behörden hatten Sonntagsdienst. Die Schu- len waren geschlossen. Um den feierlichen Charakter des Tages noch zu erhöhen, hatte die nationale hessische Regierung noch am Montagabend angeordnet, dah die Geschäfte in der Zeit von 11 bis 15 Uhr schliehen sollten, damit dem Per-
tausend Vorstellungen und Begriffen, gelernt, gelesen, erfahren, Landschaften, Menschen, Sprache, Geschichte, Vergangenheit und Zukunst. Die Erde gehört uns, das Meer, die Luft, der Aether, die Unendlichkeit. Wir haben die Welt erobert, jeder einzelne von uns. „Heim" bedeutet im Sanskrit die Wohnung, im Litauischen den Bauernhof, im Gotischen das Dorf. Und „Welt" bedeutet das Mannesalter, das Menschenalter, das All. Ungeheure Spannung, die zwischen den beiden Begriffen sich dehnt. Summe aller Menschheitswege, vom dämmernden Wandel des Kin- derlebens bis zum unendlichen All. Summe alles Suchens und Sehnens, aller Mühe und Wagnis, aller Opfer und Hingabe, alles Blutes, aller Tränen, aller Triumphe. Im Mutterleibe begonnen wie die Frucht aller Kreatur, dumpf, nicht wissend, ahnungslos, „selbstlos", und nun lächelnd über die Schmerzen und Träume der Kindheit, der Ratur sich entreißend, der Zeit und ihren Gesetzen, dem Raum und seinen Bindungen, hin- ausgeschleudert über die kleinen Brüder in Pflanze und Tier, ausgezogen wie Saul, uni seine Eselin zu suchen, und heimkehrend mit einer Königskrone. Vom Pfahlbürger zum Weltbürger, vom Höhlenbewohner zum Herrn des Aethers, von der Stummheit des Tierblickes zum Lächeln, zur Träne, zur Anbetung. Heimkeh- rend? 3a, wohin? Wo ist das Schloß, in dem man uns den Mantel von den Schultern lost, wo das Kissen, auf das wir unsere Krone zur Rächt legen können, wo die Hand, die ein Tuch über unser Gesicht deckt, damit wir „Zuhause" sind? Ein König ohne Krone ist ein schmerzliches Bild, aber ein König, der seine Krone nicht von der etimc nehmen kann, ist ein verzweifeltes Bild. Gibt es nicht ein Kirchenlied: „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?". Ist auch dies ein Kinderlied, des milden Lächelns wert, der spielerischen Erinnerung? Oder pocht es leise, wie der Ruf eines Schicksals? Mahnt es, dah wir bezahlen müssen für das, was wir gewannen, in Treuen und gerecht, wie in Gotteshaushalt bezahlt werden muh? Das Glück mit den Tränen, das Leben mit dem Tode, die Welt mit der Heimat?
Rein, wir wollen nicht zurückweichen, auch nicht vor diesem Preise. Und wenn wir es auch wollten, wir können es nicht. So wenig wie eine Speiche im donnernden Rade anhalten kann, weil ihr vor dem Kommenden graut. Aber wir können es ein wenig bedenken. Auch an der Schwelle der „Welt", des Alls, können wir ein wenig die Schuhe ausziehen, wie wir als Kinder vor de« Schwelle der Heimat taten.
eine neue Zeit für unser Volk, eine Zeil de» Heils und des Segens.
Darum laßt uns ihn, an dessen Segen alles gelegen ist, bitten:
Sprich Ja zu unseren Taten, hilf selbst das Bette raten, Den Anfang, Mitt' und Ende, Ach Herr zum Besten wende.
Amen.
Anschließend spielte die Militärkapelle „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" von Beethoven, 'sodann sprach der katholische Standortgeistliche
Pfarrer £>r. HemmeS.
Seiner Predigt schickte er als Losung die Worte des 18. Psalms voraus:
Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, was seine Hände können, macht kund das Firmament. Es raunt ein Tag dem nächsten Botschaft zu. und eine Nacht vermeldet es der andern.
Ihr Schall geht hinaus in die ganze Wett, bis an die Grenzen der Erde dringt ihr Laut.
Dem Sonnenball wies (Gott) ein Ruhezeit im Meere an;
er tritt hervor wie aus dem Brautgemach ein Bräutigam, und freut sich einem Helden gleich, die Bahn zu laufen. Von einem End des Himmels ist sein Ausgang, und bis zum fernsten Ende reicht fein Umlauf; und nichts kann sich entziehen seiner Glut.
Kameraden! In dieser weihevollen Stunde weilen unsre Gedanken und Herzen an der bedeutungsvolle,n Stätte, an der die Führer des Reiches, nachdem sie den Beistand des unsichtbaren obersten Führers an gerufen, die lleberschrift aus eines neues Blatt der deutschen Geschichte setzen.
Der Sturmschritt der Zeil eilt voran, ein Neues wird. Aber dieses Neue erhebt sich auf der Grundlage des soliden Alten. Des ist uns Bürge das Banner Schwarzweißrot. Die alten bewährten Tugenden fallen von neuem aufblühen und
Zucht, Ordnung und Wohlstand verkünden.
Fest und treu, nach alter Weise, ein Vorbild fei= nem Volke, steht der deutsche Soldat. Er hat die Welt erfüllt mit seinem Ruhme. Freund und Feind, ob willig oder widerwillig,^mußten in Achtung sich neigen vor dem deutschen Soldaten, und s o f o I [’s bleiben!
Es ist nicht nötig, daß man viel von den alten Soldatentugenden redet, sie müssen in die Knochen hinein. Wo immer einer einem Soldaten begegnet, da sollte die Achtung in ihm aufzucken vor dem gewapp- neten Mann des Volkes, der in unerschütterlichem Gehorsam bis aufs Blut unsre gerechte Sache zu seiner eignen macht.
Kameraden? höchste Wertschätzung des Berufes, als des Vermächtnisses der gefallenen Helden. Einsatz und Hingabe aller Leibes- und Seelenkräfte, auf Grund vaterländisch-religiöser Gesinnung, das fei das Gelöbnis, das wir am heutigen Tag mit dem schönsten und tiefsten aller Gebete, dem Vater Unser, zum Himmel schicken: Vater Unser ...
Mit dem Niederländischen Dankgebet, von der Militärkapelle gespielt, sand der Feldgottesdienst seinen Abschluß.
Rach einer kurzen Pause begann unter großer Spannung der vieltausendköpfigen Zuschauermenge die Parade.
Aus das Kommando des Hauptmanns v o n i Stockhausen präsentierten die Kompanien, > während die Wehrverbände in strammer mili- : tärischer Haltung verharrten. Unter den Klängen i des Präsentiermarsches schritt der Bataillonskommandeur die Front der Truppe, der Polizei und
eine Anzahl höhere Beamte der Justizbehörde, den Kreisleiter der RSDAP.. Landtagsabgeordneten Dr. Harth (Allendorf a. d. Lda.) und viele andere. Das ganze Bild machte bei dem klaren Frühlingswetter und dem leuchtenden Sonnenschein einen festlichen Eindruck.
Gegen 11.40 Ahr gab der Führer der Parade- aufstellung, Hauptmann von Stockhausen vom Stabe unseres Bataillons, das Kommando „Stillgestanden!". Während die Front in militärischer Straffheit stand, meldete Hauptmann von Stockhausen dem herannahenden Dataillons- Kommandeur, Major von Wachter, das Bataillon und die Wehrverbände zum Feldgottesdienst und zur Parade. Der Kommandeur grüßte zunächst die Ehrengäste und nahm dann mi: Hauptmann von Stockhausen, dem Adjutanten Oberleutnant Breithaupt, Polizeimajor Hofmann, als Kommandeur der Schutzpolizei, Etandarken-Adjutant M ü n ? e r und Sturmbannführer Rickel als Führer der SA. bzw. SS., Dr. Dehne! und Kaufmann Petri vom Stahl-
Frl. Deling als Monika Brink: eine richtige, ihrem beweglichen Temperament angemeffene, ihren vielseitigen Begabungen entgegenkommende, mit allerlei drolligen Pointen ausgestattete Operettenfigur. Frl. Flemming spielte die Lona in wirksamem Kontrast etwas opernmähig-hoch- dramatisch; gesanglich hatte sie mit dem Chanson von der wirllichen Freundin ihre beste Szene.
Gießener Gtadtthearer.
Eduard Künncle: „Glück-iche Reise".
Das Motto zu dieser Operette in drei Akten (sieben Bildern) von Ulaj Bertuch und Kurt Schwabach erscheint während der Ouvertüre in Gestatt einer auf die Leinwand projizierten Zeitungsanzeige: zwei Ausländsdeutsche auf einer schrecklich einsamen und trostlosen südamerikanischen Farm suchen, vom Tropenkoller und vom Heimweh nach der alten Heimit gequält, mit zwei netten jungen Mädels wenigstens brieflicherweise übers große Wasser hinweg in Verbindung zu treten. Ein glücklicher Zufall gibt ihnen nach langer Zeit die Möglichkeit zur Heb erfahrt nach Deutschland. Aber erst als fie hier glücklich gelandet sind, werden sie gewahr, in was für ein Abenteuer sie sich eingelassen haben, und was für Schwierigkeiten sich einer paarweisen Rückkehr auf ihre gottverlassene Farm am Amazonas (da wohnen unsere Ahnen und schmeißen mit Bananen) ihnen bevorstchen.
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Was sich an Zwischenfällen und Überraschungen während ihrer Brautschau in Deutschland alles ereignet, bis sich die vier seligen Hochzeitsreisenden an Bord begeben und gemeinsam in See stechen können, macht den eigentlichen Inhalt des Librettos aus, das sich stellenweise toie ein ganz seriöses Sprechstück gebärdet und jeben- falls unter Verzicht auf die konventionellen Mn» gereimtbeiten und den holden ilnfinn des durchschnittlichen Operettenschemas die Fabel nut allerlei netten Einfällen auszuftatten und zum heiteren Finale zu steuern versteht.
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Die Vertonung stammt von Eduard K ü n n e l e, einem der Erfolgreichsten aus der jüngeren Operettengeneration. Seine Partitur ist ihrer ganzen Anlage und der Welodienführung nach, oyne in der Instrumentation übertrieben modern zu wirken, dem etwas exotischen Einschlag der romantischen Handlung, vor allem in der rhhth- ' mischen Akzentuierung, nicht ungeschickt angepaßt. Der Komponist scheint überdies den Ehrgeiz gehabt zu haben, mit feiner Musik nicht bloß die obligate Begleitung zur Dühnenhandlung zu geben; er macht sich, zumal im letzten Zwischenakt, auf eine nicht einmal unsympathische Art ein bißchen selbständig; einige lautmalerische Effekte, die den Leuten immer Spaß machen, ergaben sich zwanglos und gewissermaßen unter der Hand.
Ursache, den Allmächttgen au Preisen, der Herzen der Menschen lenkt wie die Wasserbäche und der es gnädig gefügt hat, daß wir diese so lange ersehnte und so heiß erflehte Wendung in der Geschichte unseres Volkes erleben dursten. Darum sprechen wir: „Kommt wir wollen wieder zu dem Herrn, dem allein die Ehre gebührt." Große politische Ereignisie sind — das zeigt die Geschichte — nur dann der Beginn einer neuen besseren Zeit, wenn sie sich verbinden mit einer Rückkehr zu Gott und seiner Kirche zu dem Glauben unserer Väter, die es einst in den Stürmen der Freiheitskriege gelernt haben, zu bekennen: „Wer ist ein Mann? Wer beten kann und Gott dem Herrn vertraut."
Was hat unser Volk gelernt im großen Krieg, den wir durchlebt haben? Wenn man heute zurück- schaut auf die Welle religiöser Begeisterung in den ersten Kriegsjahren und auf den Abfall der letzten 15 Jahre, dann muß man sich sagen: Vielleicht hat Gott uns diese Jahre des Niedergangs geschickt, um uns zu zeigen, wohin ein großes und mächtiges Volk kommt, wenn es feinen Gott verläßt, wenn es wandelt im Rate der Gottlosen, wenn es tritt auf den Weg der Sünder und sitzt, da die Spötter sitzen.
dessen Siege den Grund gelegt haben zu der Größe und Macht Preußens und damit zu der Gröhe und Macht Deutschlands.
Es ist nicht zufällig, daß der neue Reichstag heute dort zufarnmentritt, in einem Gotteshause.
Ls ist ein Bekenntnis zu einem neuen Deutschland, das wieder ein christliches Deutschland fein will, wie es das alte Reich war, dessen stolze Farben Schwarzweißrot uns wieder grüßen von euren Kokarden und von unseren Fahnen, ein Deutschland, das die Ketten derer zerrissen hat, die Gott und sein Evangelium aus dem gesamten Leden unseres Volkes, aus der Gefehgebung, aus der Schule, aus dem ganzen öffentlichen Leben ausfchalten wollten.
Da haben wir wohl alle Ursache, den Choral zu singen, der einst nach heiß erkämpftem Sieg über das Schlachtfeld von Leuthen klang:
„Run danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden."
An der Ost- und an der Südseite des weiten Platzes standen die Kompanien unseres Datall- lons. unmittelbar anschließend waren auf der Westseite die Schutzpolizei und Hllfspolizei unter Führung von Polizeimajor Hofmann, die SA. und SS. unter Führung des Standarten-Adjutan- ten M ü n k e r und der Stahlhelm BdF. unter Führung von Dr. Dehner aufmarschiert. Die Truppen und die Wehrverbände wurden von der riesigen Menschenmasse dicht umsäumt. An der offenen (nördlichen) Seite des Vierecks waren der Altar und die Kanzel für den Feldgottesdienst in militärischer Art hergerichtet, ferner hatten hier die Ehrengäste, Mitglieder der militärischen Ver» eine, Kriegsbeschädigte und eine weitere große Menschenmenge Aufstellung genommen. Unter den Ehrengästen bemerkte man den früheren Kommandeur unserer Garnison, Generalmajor a. D. Fritz, ferner eine Reihe alter Offiziere, Se. Magnifizenz den Rettor der Landesumversitat Pros. Dr. Ieß, Regierungsrat Grein, als» Vertreter des Äreisamtes und der Provinzialdi- 1 rcltion, Polizeidirektor Dr. Kayher, Bürger» . meister Dr. Seib als Vertreter der Stadt Gießen, |


