Ausgabe 
22.2.1933 Erstes Blatt
 
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Wirtschaft.

Berlin im Verlaufe freundlicher.

Berlin, 22. Febr. (WTB. Funkspruch./'Die Anfangsnotierungen lagen auf einige Glattstellun­gen, denen gegenüber zunächst nur ziemlich wenig Aufnahmeneigung bestand, teilweise etwas schwächer. Die Grundstimmung war jedoch ziemlich wider st andsfähig: im allge­meinen betrugen die Abweichungen nicht mehr als 1 Prozent nach unten oder oben. Die Tendenz der Auslandbörsen, sowie die noch immer nicht voll b:hobenen Dankschwierigkeiten in Teilen der USA. und in Belgien wurden mit Interesse zur Kenntnis genommen, vermochten sich aber kurs- mähig kaum auszuwirken. Verschiedentlich ge­langten wieder Stillhaltegelder zur Anlage.

Ilse und Dortmunder Änion waren aus Divi­dendenbefürchtungen stärker angeboten. Jlse- Dcrgbau wurden etwa 7 Proz. schwächer taxiert, Ilse-Genuhscheine verloren 1,5 Proz. und Dort­munder Union 2,5 Prozent. Außerdem bemerkte man bei Rheinische Braunkohlen, den Werten des Salzdetfurth-Konzerns, Orcnstein und Koppel, Deutsche Linoleum, Siemens. Schultheis und Braubank Verluste bis zu 2 Prozent. Ausfallend fest lagen AEG., die angeblich neue Aufträge des Reiches erhalten haben sollen. Dieses Papier zog nach und nach bis auf 28,38 Proz. nach gestern 26,50 Proz. an. Hiervon ausgehend ergaben sich im Verlaufe ziemlich allgemein Erholungen. Die Kurse waren unmittelbar nach der Eröffnung bis zu 0,5 Proz. abgebröckelt und zogen dann vielfach bis etwas über Anfang an. Chadeaktien gingen gegen 13 Uhr um 3 Mark auf 128 Mk. herauf.

Deutsche Anleihen lagen ruhig, Altbesitz fester. Der Gewinn betrug insgesamt etwa 0,75 Prozent. Variable Industrieobligativnen hatten kaum Veränderungen au^uweisen. Reichsschuld­buchforderungen konnten such bis zu 0,50 Prozent bessern. An den übrigen festverzinslichen Märk­ten mochte sich etwas Angebot bemerkbar. Die Kurse lagen nur knapp behauptet. Recht freund- lich blieben Reichsbahnvorzugsaktien, die bis auf 94,13 Prozent anzogen. Von Ausländern waren Bosnier etwas stärker gedrückt, d. h. 0,50 Prozent rückgängig. Sonst ergaben sich nur kleinere Ab­bröckelungen.

Am Geldmarkt blieben die Sähe unverän­dert, doch war Tagesgeld weiter gesuchter. Pri­vatdiskonten waren gefragt, doch lag in Erwar­tung der Diskontermähigung kaum Angebot vor. Bei kleinem Geschäft hielt die Rachfrage nach Reichswechseln per 20. Mai und Reichsschatz- anweisungcn per 16. Oktober an.

Frankfurt: Aktien fd)tt>Mer,Henfen fest.

Frankfurt, 22. Febr. (WTB. Drahtmeldung.) Auf Grund der erneuten Ermattung der gestrigen Auslandsbörsen herrschte zum heutigen Börsenbe­ginn wieder stärkste Zurückhaltung, zu­mal Anregungen fehlten und vor allem keine Orders der Kundschaft vorlagen.

Auf kleine Abgaben der Spekulation neigten die Kurse am Aktienmarkt überwiegend etwas zur Schwäche, doch hielten sich die Deränderun- gen im Rahmen von 0,25 bis 0,50 v. H. Lediglich einige Spezialwerte, wie Reichsbank, Siemens, Ilse Bergbau-Genuß und Lahmeyer waren mehr ge­drückt und gaben bis zu 1,50 v. f). nach. Es kamen zunächst nur sehr wenig Werte zur amtlichen No­tiz, von denen Scheideanstalt, Gesfürel, Aku und Stahloerein 0,25 bis 0,50 v. H. niedriger lagen und anderseits LG., Deutsche Erdöl, Licht und Kraft und Holzmann unverändert eröffneten. Etwas fester lagen am Elektromarkt AEG. mit plus 0,90 v.H. auf Gerüchte, wonach eine Sanierung von 2:1 gegenüber früheren Vermutungen von 3:1 beab- fei. Chadeaktien lagen um 1 v. 5). erholt.

Auf den übrigen Marktgebieten stagnierte das Ge­schäft fast vollkommen. Rach den ersten Notierun­gen ergaben sich für die Mehrzahl der Aktienkurse Abschwächungen von 0,25 bis 0,50 v. H., mit Aus­nahme von AEG. und Chade, die gut behauptet blieben.

Zm Gegensatz zum Aktienmarkt verkehrten die Rentenpapiere überwiegend freundlicher, wobei man dis Hoffnung hegt, daß noch in dieser Woche die Reichsbank eine Diskontsenkung vorneh. men werde. Bei relativ lebhaftem Geschäft zogen Altbesitz 0,90 und späte Reichsschuldbuchsorderungen 0,75 v.H. an, Neubesitz lagen unverändert. Gold­pfandbriefe lagen uneinheitlich. Während Frank­furter Hypothekenbank etwa 0,50 v. H. bis 0,75 v. H. höher lagen, blieben die Kurse der übrigen Insti­tute nur behauptet. Liquidationspfandbriese gaben zum Teil bis 0,50 v. H. nach. Kommunalobligatio­nen waren nur wenig verändert, und Staats- und Stadtanleihen lagen still.

Im Verlaufe war die Tendenz des Aktien- Marktes, ausgehend von der festen Haltung der AEG., die erneut um 1,25 v. H. anzog, etwas freundlicher und die Anfangsverluste wurden meist aufgeholt. Darüber hinaus lagen einige Pa­piere von 0,25 bis 0,50 v. H. höher. Deutsche A n - leihen lagen auf dem erhöhten Niveau gut be­hauptet. Tagesgeld war zu 3,50 v.H. unverändert.

Schweinemarki in Gießen.

Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 112 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel bis 6 Wochen alt 13 bis 16 Mk.. 6 bis 8 Wochen alt 16 bis 20 Mk.. 8 bis 13 Wochen alt 20 bis 25 ML Tendenz: Schleppend, ausver­kauft.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

:/: G r o ß e n - B u s e ck, 21. Febr. Der Zweig­vereinDuseckertal" des Vogelsberger- hen-Clubs hielt im Saale der Wirtschaft Gerlach sein Jahres- und Auszeichnungsfest unter Vor­sitz von L. I u n g (Grohen-Buseck) ab. Des ver­storbenen Mitglieds Aug. Gerlach wurde ehrend gedacht. Die Mitgliederzahl ist auf 28 gesunken. Die vom Rechner Friedr. Hahn (Grohen-Buseck) vorgclegte Rechnung zeigt einen guten Stand, so daß für 1933 eine Ermäßigung des Beitrags ein­treten konnte. Mit der Plakette zur Goldenen Ra­del konnten den erreichten Wandertagen gemäß ausgezeichnet werden: Gisela Iung (Grohen- Buseck) mit 25, Siegsr. Günther (Beuern) mit 25, Frau Jun g (Grohen-Buseck) mit 50, Frau Stumpf (Wicseck) mit 50, Ludw. Wehrum (Gießen) mit 75, Johanna Schmidt (Alten- Buscck) mit 100, Frau Kahle (Beuern) mit ICO, und Val. Stumpf (Wieseck) mit 100. Eine wei­tere Auszeichnung erfolgt bei 50 Wanderungen mit einem Wanderstock und bei je 100 Wanderun­gen mit einem silbernen Ring zum Stock.

2$. Reiskirchen, 21. Febr. Vor Mitglie­dern des hiesigen Kriegervereins und der H a s s i o" - 2 u g en d sprach am Samstagabend der Schriftsteller Reuter von Dornholzhausen über das ThemaSo war der Weltkrieg". Der Vortragende schilderte eine Reihe feiner Erleb­nisse aus dem Weltkrieg und außerdem die Eindrücke, dir er bei einer Reise zu den Krieger­gräbern in Frankreich gesammelt hat. Mit der Ermahnung an die Iugend durch I. A. F. Glaub, die Tugenden des Frontkriegers vor das eigeneIch" zu stellen, fand der Vortrag seinen Abschluß. Gemeinsam wurde dann das Deutschlandlied gesungen.

OeufscA

Amtsgericht Gießen.

Ein Arbeiter aus Gießen hat sich der schweren Mißhandlung eines kleinen, etwa l1/. Jahre alten Kindes schuldig gemacht. Sie trug ihm unter Aus­schluß mildernder älmstände eine Gefängnis- strafe von 3 Monaten ein. Es handelte sich um ein uneheliches Kind, das unter der Für­sorge der Mutter stand. Diese hat den Angeklag­ten einige Wochen nach der Mißhandlung ge­heiratet. Als die Mißhandlung sich zutrua, war die Mutter seine Braut: er weilte zufällig bei ihr, als das Kind, das zu Ungezogenheiten neigte, wiederum ungezogen war. und der Angeklagte gab ihm nut Zustimmung der Mutter zur Ab­wehr der Ungezogenheiten ein paar Schläge. Aus den Schlägen wurde aber eine fortgesetzte grau­same Mißhandlung. Er warf das Kind zu Boden, versetzte ihm wahllos Schläge ins Ge­sicht, so daß dieses auf beiden Seiten bis zu den Schläfen anschwoll. Weiterhin wies der Körper des Kindes eine große Reihe blutiger und blutunterlaufener Stellen auf. die ebenfalls von Schlägen der Arzt nahm deren 20 an her­rührten. Eine Rachbarsfrau hatte das Kind als­bald nach der Mißhandlung zum Arzt gebracht. Dann kam es in die Kinderklinik, wo es 5 Tage verblieb. Mildernde Umstände konnten nirgends gefunden werden. Im einzelnen war die Be­weisaufnahme schwierig, da die Mutter als Frau des Angeklagten - sie war die einzige Tatzeu­gin in ihren Aussagen sehr zurückhaltend war. Die überaus rohe Mißhandlung des Kindes stand fest und die ausgesprochene Strafe war durchaus geboten.

Ein Kaufmann hatte derart minderwertige und der Vereinbarung mit seinem Abnehmer nicht entsprechende Kohlen gegen eine Anzahlung von 50 Mk. geliefert, daß es dem Käufer unmöglich war. die Kohlen auch nur in einem einzigen sei­ner Oefen zu brennen. Eie waren für ihn wert­los. Der Verkäufer soll dadurch einen Betrug be­gangen haben, konnte aber nicht überführt wer­den, namentlich deshalb nicht, weil die Kohlen von der Bahn aus unmittelbar an den Abneh­mer geliefert werden waren. Der Angeklagte will sie gar nicht gesehen haben. Trotz des Dorlie­gens mancher Verdachtsgründe erfolgte Frei­sprechung wegen nicht ausreichenden Bewei­ses. Der Geschädigte muh nunmehr versuchen, sein Recht auf dem Zivilgerichtsweg zu finden.

Oer Volksbank-prozeß in Darmstadt.

WER. Darmstadt, 21. Febr. In der Dienstagsitzung des Volisbankprozesses wurde die Vernehmung des sachverständigen Zeugen Ver­bandsrevisor Schneider fortgesetzt. Eingehend wurde der Revisionsberich't 1929 behandelt und dessen Besprechung im Aufsichtsrat. Rach An­sicht des Zeugen sind Termingeschäfte auch bei Genossenschaften grundsätzlich nicht zu beanstan­den, wenn die nötigen Sicherheiten und Ein­schüsse durch die Auftraggeber geleistet werden. Der Zeuge erklärt, er habe seinerzeit, als in der Generalversammlung der Au, si^tsratsvo.fixende Rohl fragte, ob der Revisionsbericht verlesen werden sollte, hinzugefügt, daß er Beanstandun­gen nicht enthalte, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rohl deshalb Vorhaltungen gemacht, da ja der Bericht 1929 tatsächlich kritische Bemerkungen enthielt. Der Angeklagte P a e ch erklärte dazu, daß er seinerzeit in dieser Aussichtsratssitzung sich energisch gegen die hohen Kredite ausgesprochen habe und daß die Kredite seinerzeit nur weiterbe­standen. weil angesichts der wirtschaftlichen Lage eine Herabsetzung in dem gewünschten Tempo nicyt möglich war. Auch der Revisionsbericht 1931 mit der gleichzeitigen Vernehmung eines weiteren Verbandsrevisors enthält die starken Bedenken der Revisoren gegen die hohen Kredite und die Art ihrer Sicherung. Die Liquidität betrug nur 35 Prozent, die Höchstkreditgrenze war in neun Fällen überschritten und die vielen unterdeckten und Blankokredite in Verbindung mit den dubio­sen Sicherheiten haben eine starke Gefahr für den Bestand der Volksbank bedeutet. Die Verhand­lung wird am Mittwoch fortgesetzt.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Scbristleitung )

L. ß. 111. 1. Ein Vermieter ist nicht berechtigt, ohne Zustimmung des Mieters einen diesem auf Grund mündlich oder schriftlich abgeschlossenen Mietvertrags überlassenen Raum (Zimmer) ohne weiteres deshalb zu entziehen, weil er durch den Insassen dieses Raumes in seiner Ruhe gestört wird. Ist diese Ruhestörung aber erheblich und hilft der Mieter der Ruhestörung nicht ab. so kann er vom Vermieter auf Unterlassung oder auf Aufhebung des Mietverhältnisses verklagt werden. 2. Das Verlangen, einen Briefkasten im Hausflur anzubringen, hätte beim Abschluß des Mietvertrages gestellt und vereinbart werden müssen. Einem späteren Verlangen des Vermie­ters, den Briefkasten, wie angegeben, aufzuhän- gen, muh der Mieter nicht Folge leisten. 3. Bei Vorhandensein einer Waschküche muh diese auch vom Mieter im üblichen Turnus benutzt werden. Die Wohnungsküche darf der Mieter nur für kleinere Wäsche benutzen, vorausgesetzt, dah die Küche durch den entstehenden Wasserdampf hier­bei nicht beschädigt wird. Ist letzteres der Fall, so kann letzten Endes der Vermieter wie unter pos. 1 angegeben verfahren.

Queckborn. 1. Nach Ihrer Schilderung der Sach­lage ist der betreffende Spar- und Kreditverein verpflichtet, die ihm von dem Rotar überwiesene Summe unverzüglich an Sie zur Auszahlung zu bringen, vorausgesetzt, dah der Rotar über das Geld verfügungsberechtigt war. Dieses dürfte aber anzunehmen sein. Sie können die betreffende Genossenschaft auf Zahlung verklagen. 2. Die Entscheidung darüber, ob Sie sich mit einem Sparbuch der Genossenschaft begnügen wollen, steht bei Ihnen und ist abhängig davon, ob Sie das Geld der Genossenschaft als Einlage, d. h. als Kredit, überlassen können und wollen. Einen entsprechenden Anspruch hat die Kasse nicht.

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Frau MarieWallwaey

geborene Wendt

im Alter von 58 Jahren.

Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen:

Wilhelm Wallwaey.

Kineenbacher Mühle, den 21 Februar 1933.

Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Februar, nachmittags um 7,4 Uhr statt.

Donnerstag, den 23. Februar 1933, nach­mittags 2 lihr, versteigere ich imLöwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1306D

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