Ausgabe 
21.10.1933 Zweites Blatt
 
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Nachdruck verboten!

30. Fortsetzung.

Roberta.

entgegnete

Sollte er

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Lin Lied vom Glück

Vornan von Anny von panhuys.

zerrissen und in alle vier Dinde verflogen, lieber chn kam es wie Kampsgesühl. Noch einmal wurde der Mordfall lebendig, noch einmal war es, al» zeige sich eine leise Hoffnung, seine Unschuld irgend wie doch noch zu beweisen. Er wollte gleich in dis Stadl fahren. Wozu Zeit verlieren?

Seine Mutier hatte sich inzwischen leise mit Äo. berta unterhallen. Er wandte sich den beiden zu.

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die in letzter Zeit immer mehr leiden mußte. Die Atemnot war viel schlimmer geworden, sell sich zum letzten Male die weihe Reiterin gezeigt. Sie litt besonders auch darunter, daß der gefundene Dolch die Unschuld ihres Sohnes nicht hatte beweisen kön­nen. Es war nicht möglich gewesen, den Besitzer des Dolches zu ermitteln.

Achim setzte sich zu seiner Mutter und erzahlle ihr schonend von dem soeben erhaltenen Bries. Sie lauschte auf jedes Wort und riet:

Du muht mit Bries und Kleeblatt sofort zum Kriminalkommissar. Wenn das Kleeblatt wirklich genau auf die leere Stelle des Dolchgriffes paßt, bist du wahrscheinlich doch um einen Schritt weiter."

Er war jetzt auch Feuer und Flamme; die Hoff­nung seiner Mutter regte ihn an.

Roberta erschien. Sie sah blendend aus in dem knappen Kostüm aus weißem Tuch, mit weihem Wolljumper und breitrandigem, weihem Filchul. Sie legte jetzt großen Wert auf schicke Kleidung. Sie wollte Achim gefallen.

Sie kehrte vom Morgenritt zurück. Seit vier Wochen gab es auf Maltstein einen neuen Inspek­tor, der sich aber unter Robertas Befehl hatte stel­len müssen.

Sie lachte:

Ich komme schon vom Roggenschlag, habe ein bißchen Feuer hinter die faule Bande gemacht. Der Inspektor laßt die Leute einschlafen. Da habe ich ihnen gezeigt, was 'ne Harke ist."

Ihr fielen erst jetzt die ernsten Gesichter von Mut­ter und Sohn auf. Sie fragte:

Ist etwas geschehen? Hatten Sie wieder einen bösen Anfast, Mutter?"

Achim zeigte auch ihr den Brief. Sie las, und Achim beobachtete, wie blaß ihr von der Luft so kräftig gefärbtes Gesicht wurde. Sie lachte jedoch plötzlich.

Das ist doch alles Unsinn! Diese Werner will wieder mit dir anbändeln und bindet dir ein Mär­chen auf. Mach um des Himmels willen nicht etwa die Dummheit, dem Kommissar damit zu kommen."

Ich werde jetzt zu Kriminalkommissar Murr­mann fahren", erwiderte Achim von Malten.

Sie sagte fast heftig:

Es wäre mir peinlich, wenn du dich lächerlich mochtest. Wo ist übrigens das mitgesandte Klee­blatt?"

Er legte es auf ihre entgegengestreckte Hand. Roberta schüttelte mit dem Kopse.

Rach meiner Ansicht hat das Kleeblatt wirklich nichts mit dem Dolch zu tun. Vielleicht saß es früher auf irgendeinem Kästchen."

Er wollte ihr das Kleeblatt aus der Hand neh­men, doch sie hielt es fest.

Laß mich das Ding doch erst genau bettachten; schließlich ist es immerhin interessant."

Achim von Malten trat an das Fenster. Es war ein strahlend schöner Morgen, alle Rebel, die am frühen Morgen Berge und Wald verschleiert, waren

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Aber was sollte sie nun tun? War das Klee­blatt für die Aufklärung de» Mordes in Schloß Maltstein überhaupt von Irgend welchem Belang? Im ersten Augenblick, und noch, als sie es kaufte, schien es ihr dafür ungemein wichtig, aber nun be­gann sie zu zweifeln. Dieser Zirkuskünstler hatte das Kleeblatt wahrscheinlich auch wieder von je­mand gekauft, und wenn nicht, wo mochte er sein. Vielleicht lebte er nicht mehr oder irgendwo well drüben in einem anderen Erdteil?

Aber dennoch! Manchmal konnte ein winziger Fingerzeig zur Aufklärung helfen, sie durste nicht verbergen, was sie von dem Kleeblatt wußte, und daß sie es besah.

Sie sann lange hin und her, und endlich glaubte sie den richtigen Weg gefunden zu haben.

Ein paar Tage spater erhielt Achim von Malten einenEinschreibebrief" aus Paris. Auf dem Um­schlag befand sich die gedruckte Adresse eines An­walts, und der Brief fühlte sich an, als wenn ein kleines, dickes Stückchen Pappe darin wäre. Viel­leicht eine Photographie.

Er faß an feinem Schreibtisch und öffnete den Umschlag mit dem Gefühl leichter Spannung. Em Brief lag dann vor ihm und zwei mit einem dün­nen Seioenfaben zusammengeoundene Kartonblätt­chen.

Er schnitt den Faden durch und schüttelte mit dem Kopse. Er hielt ein goldenes Kleeblatt an dün­ner Goldkette in den Händen; grüne Steinchen flimmerten. Er betrachtete das Kleeblatt und schüt­telte wieder mit dem Kopfe, ließ es bann auf bie Tischplatte fallen unb nahm ben Brief zur Hanb.

Er las in beutscher Sprache:

Herrn von Mallen, Schloß Maltstein.

Sehr geehrter Herr!

Im Auftrage einer beutschen Dame, Fräulein Marlene Werner, bie sich vorübergehenb hier aufhielt, teile ich Ihnen folgenbes mit: Der Dolch, der in Ihrem Schlosse unter ben Büchern gefun­den wurde, weist eine charakteristische leere Stelle auf, die deutlich die Umrisse eines oierblättrigen Kleeblattes zeigt. Es muß dort einmal als Schmuck oder als Amulett ein Kleeblatt ange­bracht gewesen sein. Fräulein Werner träumte in der ersten Nacht in Ihrem Schlosse von einem Kleeblatt mit grünen Steinen. Eine eingehende Wiedergabe dieses Traumes erübrigt sich, aber ich bitte Sie, mein Herr, im Hinblick auf den heutigen Stand der Wissenschaft in diesen Din­gen, auch einem Traum Wichtigkeit beizumessen. Wie bewiesen wurde, gibt es Wahrträume.

Seine Mutter sah ihn an.

Du hast es nicht eingesteckt. Roberta hat es dir nicht zurückgegeben. Bitte, Roberta, untersuchen eie lieber Ihre Taschen. Sie haben es wahrscheinlich ebenso gedankenlos eingesteckt, wie Sie vorhin ge­dankenlos damit gespielt haben."

Sie streckte selbst die Rechte aus, schob sie in Ro­bertas Iumpertasche.

Sie fühlte sofort das Kleeblatt, zog es daraus hervor.

Nun sehen Sie, wie man sich täuschen kann, wenn man zerstreut ist." Sie gab bas Kleeblatt ihrem Sohn.Mir scheint ber kleine Gegenftanb unendl.ch wichtig. Halte bich nicht mehr auf, Achim, fahre sofort in die Stabt zum Kommissar."

Roberta erbot sich, mitzusahren.

Aber Achim von Malten wehrte ab.

Nein! Bitte, laß mich allein fahren." Er konnte nicht sagen, warum aber Roberta war ihm in biefem Augenblick zuwider.

Eine Viertelstunde fpäter sah er im Auto un­schattete, auf der Chaussee angekommen, höchste Ge- schwindigkeit ein.

Roberta aber suchte bald einen Vorwand, das Zimmer der alten zu verlassen, und zog sich um. Das blendende Weih ihres neuen ReilanzugeH war rot* hin sichtbar, unb sie wollte bei bem, was sie vor­hatte, möglichst unbemerkt bleiben. In einen eia» fachen bunklen Mantel gehüllt, mit einer schwarze, Wollkappe auf bem glänzenden Haar, eilte sie übtr die nahe Grenze, pürjchte sich drüben an das ein/tmt Haus heran, in dem Brussak wohnte, den sie mtk haßte als liebte, ber sich aber nicht abschütteln bei

Er war zu Hause, rief verwundert:

Hast du solche Sehnsucht nach mir gehabt? Hev nacht wolltest du mich doch im Gartensaal erwarte»'

Sie schloß die Tür, überzeugte sich dann, ob leie der Fenster ein wenig offen stand. Nachdem sie D darüber Gewißheit verschafft, sagte sie leise unb V fehlend:

Du mußt hier weg, am besten noch heute, allerbesten auf ber Stelle. Dein Name spielkdjoii bie Mordsache hinein. (Fortsetzung folgt» |

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Htfo Fräulein Werner träumte von einem trier­blättrigen Kleeblatt, das genau fo ausjal), wie beiliegendes Schmuckstück, ©ue enibedte dieses Schmuckstück in Paris im Ladchen eines Alt­warenhändlers einer Montmartre-straße, unb hätte beim Ankauf von bem Händler, daß er das Kleeblatt vor acht Jahren von einem Zirkuskünst­ler namens Bernb Brussak kaufte, anscheinend deutscher oder österreichischer Nationalität. Er trat vor acht Jahren im Zukus in Pans auf. Falls dieser Brussak, der das Kleeblatt an der Uhrkette trug, noch lebt unb aufzufinden ist, mußte er angeben können, auf welche Weise er zu bem Kleeblatt kam. Möglicherweise Iaht sich jo herausbringen, wer ber Besitzer bes Dolches ist.

Fraulein Werner ist fest baoon überzeugt, es hanbelt sich hier um bas Kleeblatt, bas man von bem Dolch abbrach. Man sieht aus ber Ruck- feite beutlich, baß es vorbem auf einem anderen Gegenstand beteiligt gewesen ist. Fraulem Mar- lene Werner stellt Ihnen das Schmuckstück, eben- so wie vorstehende Mitteilung zur Verfügung. Die Dame ist inzwischen ins Ausland abgereqt.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Alfons Dupont.

Mit immer wachsendem Interesse und in steigen- ber (Erregung hatte Achim von Matten ben Bries gelesen. Nun griff er nach bem Kleeblatt, bettachtete es genau. Er entsann sich ber Stelle, bie sich auf bem Griff bes Dolches in Form eines Kleeblattes ° Er^war wie benommen. Marlene hielt bies kleine Schmuckstück für bas Kleeblatt, bas einmal ben Morddolch geziert, unb ließ es ihm senden, ur stützte den Kopf in die Hand. Marlene wollte ihm behilflich sein, seine Unschuld zu beweisen, unb glaubte, bas Kleeblatt könne bozu dienen.

Es war sehr anerkennenswert, daß sie ihm hel­fen wollte.

Marlene! . ,

Er preßte die Handflächen fest aneinander, als könne er so einen Schmerz zerdrücken, der immer da war, immer, seit Marlene gegangen, seit er sie von hier fortgewiesen.

Es ging ihr wohl gut, sonst hatte sie das Schmuckstück kaum kaufen können. Wahrscheinlich hatte sie eine Stellung bei einer reichen Dame an­genommen, die sie aus Reisen begleitete.

Er gab sich einen Ruck. Was ging ihn Marlene an?! Es war sehr anständig vor ihr, ihm den Brief mit dem Kleeblatt schicken zu lassen, und er konnte ihr dafür einmal später über die Adresse ihres Vaters kurzen Dank sagen, auch das Kleeblatt, wenn er es nicht mehr brauchte, zurückschicken: aber damit war bann alles erlebigt. Marlene durfte ihn nie und nimmermehr kümmern, er war mit Ro­berta verlobt, und in ein paar Wochen wurde sie seine Frau.

Er erhob sich und ging zu seiner Mutter hinüber.

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