Zamstag, 21. Moder 1953
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 247 Drittes Blatt
Lokattermin„unte^ dem Reichstag
Gerichtshof und Pressevertreter besichtigen im Reichstagsbrandstifterprozeß den unterirdischen Gang, der vor allem in dem berüchtigten „Braunbuch" eine große Rolle spielt.
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Eine Ehrenhalle für die Kriegsopfer.
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Im Berliner Albert-Leo-Schlageter-chaus wurde anläßlich der Reichstagung der Nationalsozialistiichen Krieqsopserversorgung eine Ehrenhalle geweiht, in der künftig alle Fahnen der Berliner Natlonalsozia- listischen Kriegsopferversorgung untergebracht werden sollen. — Unser Bild zeigt den Reichsfuhrer Hans Oberlindober (X) bei seiner Ansprache.
Graf Helldorf bei der Zeugenaussage.
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Sie
„Wer»"
','Was^hat^ denn das damit zu tun?" Blob weil Sie sagen, er ist grün.
"Das bezieht sich nicht auf unfern Maxie.
"Ach entschuldigen Sie! Ich weiß letzt, was meinen Sie meinen den Watv.
„Nein, den Wald meine ich auch nicht.
"®o^fpiettr feine" !R=Ue Ich meine den Vogel/
"Der Vogel ist prim?"
Lohengrin und der Brummer
von Georg Mühlen-Schwte
Alle Morgen um die Einholestunde stehen die „Tratschen" vor meinem Fenster. Die Tratschen, das sind zwei Frauen mit Marktnetzen am Arm, mit der Wichtigkeit von Geheimkurieren im Gesicht, mit der Ausdauer von Schildwachen in den Kniekehlen, mit dem Mitteilungsbedürfnis von Lyceums- fchülerinnen lm Herzen und mit dem Hellen, frohen Klang von ganz jungen Gockelhähnen in den Halfen.
Alle Morgen haben sich die Tratschen was Neues zu erzählen; sie erfüllen mein stilles, südliches Heim mit der Verkündung wildbewegter Geschehnisse aus Haus, Hof und Garten, und sie bringen mich so nach und nach um Sinn und Verstand.
Das wird jeder begreifen, der zum Beispiel die Unterhaltung der Tratschen von gestern morgen vernimmt:
„Denken Sie sich doch bloß mal an, Frau Schimmeln — unser Maxie hat einen kleinen Vogel..."
„Sehn Sie, das habe ich schon immer zu meinem Mann gesagt." , .q„
„Was haben Sie zu Ihrem Mann gesagt?
„Na ja, ich hab's nicht so direkt gesagt. Ich habe bloß gesagt: Du, der Maxie von Peschkes, der muß einen Pinguin im Ohr haben.
„Wie können Sie denn sowas sagen, Frau Schim- me„21ber Sie sagen es doch selber, Frau Peschke'n." Was sage ich?" „
"Daß Ihr Maxie einen kleinen Vogel hat.
"Das bezieht sich auf was ganz anderes. Lassen Sie mich doch mal au reden."
im Waid
®rd)iftn,annebenUerf. zehn Jahre alt."
Graf Helldorf, der frühere Gruppenführer der Berliner SA., jetzt Polizeipräsident von Potsdam, wird im Reichstagsbrandstifterprozeß als Zeuge vernommen, um die in dem berüchtigten „Braunbuch" gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zu entkräften.
::«eÄ50ift"ee cm Lau»Ir°,ch. Unser Dieter hatte auch mal einen."
„Was reden Sie denn bloß, Frau Schimmel'n? Laubfrosch ist doch kein Vogel."
„Ich habe ja auch nicht gesagt, daß er einen Vogel hatte, unser Dieter. Er hatte einen Laubfrosch. Hektor hieß er. Einmal ist er mir in den Gurkensalat gehüpft. Er wollte einen Brummer fangen "
„Genau wie unser Maxie."
„Machen Sie keine Sachen, Frau Peschke'n! Ihr Maxie ist Ihnen in den Gurkensalat gehüpft?"
„Davon spricht ja keiner. Unser Maxie wollte einen Brummer fangen. Er saß auf dem Fensterbrett ..." .
„Diese Lümmels! Wie leicht hätte er runterrallen können."
„Wer?"
„Ihr Maxie. Dabei wohnen Sie doch im vierten Stock Unser Dieter ist mal als ganz kleines Kind von Hochparterre runtergefallen. Zum Glück hat ihn ein alter Herr aufgefangen."
„Aber er hat ja gar nicht auf dem Fensterbrett alte Herr? Nein, der hat unten auf der Straße gestanden."
Sie verstehen mich falsch, Frau Schimmln. Ich meine, unser Maxie hat nicht aus dem Fensterbrett gesessen. Unser Maxie hat in der Stube gestanden. Aus dem Fensterbrett hat der Brummer gesessen.
„Ach und den wollte Ihr Maxie fangen?"
„Ja. Für Lohengrin."
„Wieso für Lohengrin?"
„Na, für den Vogel."
„Ach, es handelt sich wohl um einen Schwan?
Wie kommen Sie denn darauf, Frau Schim- me'l'n?! Es handelt sich um einen kleinen, grünen Vogel. Einen Zeisig oder sowas. ., r ., „
„Dann kennen Sie aber den Lohengrin schlecht. ",Na^Lohengrin, das ist doch der komische Kürassier mit dem Schwan." , . . - .
„Aber Frau Schimmel'n, das spielt ia gar keine
Das spielt keine Rolle? Dann möchte ich Sie bloß mal fragen, wie so'n kleiner, grüner Zeisig den schweren Mann in dem Blechsakko hinter sich herziehen soll. Ist ja Tierquälerei, sowas.
„Ich meine, das spielt keine Rolle in dem, was ich Ihnen erzähle. Unser Maxie hat den Vogel .Lohengrin' genannt. Das kann ihm kein Mensch verwehren."
„Nein, aber es ist Quatsch!
„Sehn Sie mal an! Und was ist das, wenn Ihr Dieter seinen Frosch .Hektor' nennt?"
„Das hat einen Sinn. Unser Dieter meint, Hektor
Nein, aber Brummer/
wie
er
den
mir ja furchtbar leid. Hat
Tut
dem Hektor, die Sache."
den Brummer fangen
Splitter eingerissen, ganz
dem Splitter, einen Brum-
sich das!
dem Feuer."
„Und ich meine Kartoffeln. Nun aber Schluß, Frau. Schimmel'n! Auf Wiedersehn!"
„Auf Wiedersehn, Frau Peschke'n!"
Zu Alfred Nobels 100. Geburtstage am 21. Oktober
Von Or. Georg Böse.
war ein Frosch, weil er sich von Achilles hat be- siegen lassen." . _ „1L
„Na, jedenfalls hat er sich dabei einen Splitter eingerissen."
„Einen Splitter? Eine Lanze hat er sich ein- gerissen." „ .
„Nicht doch, nicht doch, Frau Schimmeln! Em ganz kleiner Splitter war es. Ich muß es doch wissen; ich habe doch dabei gestanden"
„Nun machen Sie aber'n Punkt, Frau Peschke'n. Wie können Sie denn dabeigestanden haben?! Ist doch mindestens hundertfufzig Jahre her"
„Ach, und wollte..."
„Da hat er recht."
Hand."
„Bäcks! Hoffentlich hat er ihn nicht zerquetscht."
„Wen?"
„Na, den Brummer in seiner Hand."
„Ach, der ist ja weggeflogen."
„Sie sagten doch eben, er hat ihn in der Hand gehabt."
„Aber nicht den Brummer. Den Splitter hat er in der Hand gehabt."
„Was wollte er denn damit?"
„Gar nichts wollte er damit."
„Das verstehe ich nicht. Weshalb greift er denn danach, der dumme Junge."
„Aber paffen Sie doch mal auf, Frau Schimmel'n! Er wollte doch den kleinen, grünen Vogel füttern, den Lohengrin ..."
„Na, frißt denn der Lohengrin Splitter?"
Die Lust zum Erperimentieren lag chm vom Vater her im Blut. Auch das Planen in die ferne Zukunft hinein und die Verbindung von phantasie- beschwingtem Denken und dem sicheren Blick für das praktisch Verwertbare waren Erbteil des Vaters Immanuel Nobel, der viele Jahre seines Lebens als Pulverfabrikant der russischen Regierung in Petersburg verbrachte und durch einige Erfindungen auf dem Gebiet der Explosivstoffe schon in Fachkreisen Aufsehen erregt hatte. In Petersburg wurde Alfred Nobel am 21. Oktober 1833 geboren. Der .Vater kehrte 1859 in seine schwedische Heimat zurück, wo er sich in Stockholm niederließ und unbeirrt an der Verbesserung der Sprengstoffe weiterarbeitete. Mit Hilfe des von ihm erfundenen Zündhutes, der eine Explosion des Nitroglycerins durch Zündung von innen her ermöglichte, wußte er einen .Sprengstoff herzustellen, das Sprengöl. Ein paar Jahre später flog die Fabrik des allen Nobel in die Luft. Mehrere Personen, darunter der jüngste Bruder Alfred Nobels, fanden den Tod. Diese furchtbare Katastrophe und das Verbot der schwedischen Regierung, in Stockholm eine neue Fabrik zu errichten, veranlaßten den alten Nobel, sich auf dem Mälarsee auf einem Floß ein Laboratorium zu bauen, wo die Versuche fortgesetzt wurden. Nichts kann die fast verbissene Zielstrebigkeit, die Vater und Sohn in gleicher Weise auszeichnete, eindrucksvoller veranschaulichen, als diese Tatsache. Der Sohn, der das Unternehmen I bald ganz in die Hand nahm, arbeitete unermüdlich weiter. Der Weg war ihm auch äußerlich oorge-
I zeichnet.
„Was?"
„Na, das mit dem Achilles und Spielt doch im Siebenjährigen Krieg,
„Davon rede ich doch gar nicht." „Na, wovon reoen Sie denn?" „Ich rede von unferm Maxie und den er sich eingerissen hat. Er wollte mer fangen. Und nun stellen Sie sich vor: Der Junge greift zu — bums! —, hat er ihn in der
„Alfted Nobel machte einen sehr sympathischen Eindruck ... er war damals 43 Jahre alt, von Gestalt unter Mittelgröße, weder häßliche noch schöne Züge, etwas düsterer Ausdruck, nur gemildert durch sanfte blaue Augen; in der Stimme einen melancholischen oder abwechselnd satirischen Klang. Traurig oder spöttisch, das war ja auch seine Art. War Byron darum sein Lieblingsdichter?" So schildert ihn im Jahre 1876 einer der wenigen Menschen, mit denen Alfred Nobel durch eine wärmere menschliche Beziehung verbunden war. Man müßte vielleicht hinzufügen, daß er ein heimlicher Dichter mar, und daß tief in ihm der Hang des nordischen Menschen zum Grübeln lebte. Wenn er sich zeitweilig auch von seiner Umwelt abzuschließen pflegte und sich ganz in seine Arbeit vergrub, so war er doch kein Kauz, kein verbitterter Sonderling oder ein grollender Titan. „Er wußte so fesselnd zu plaudern, zu erzählen, zu philosophieren, daß seine Unterhaltung den Geist ganz gefangen nahm. Mit ihm über Welt und Menschen, über Kunst und Leben, über die Probleme der Zeit und Ewigkeit zu reden, war ein geistiger Hochgenuß. Vom gesellschaftlichen Leben hielt er sich fern — gewisse Formen der Schalheit, der Falschheit, Frivolität flößten ihm zornigen Ekel ein." Daß er bis zu seinem Ende unverheiratet blieb, daß ihn das Gefühl des Mißtrauens gegen seine Mitmenschen selten verließ, daß die wenigen Auserwählten bei ihm aber ein fast grenzenloses Vertrauen fanden, daß wir in seinem Leben nichts über die verzehrende und beglückende Leidenschaft der Liebe erfahren: das alles rundet das Bild feiner Persönlichkeit ab.
Allerlei vom Gold.
Mancher hat wohl schon davon geträumt, daß er in einer Münze vor den aufgestapelten Goldbarren die Erlaubnis erhält, soviel mitzunehmen wie er möchte. Aber die Reichtümer, die er wegtragen könnte, wären kaum so groß, wie man sich vorstellt, denn Gold im Werte von etwa 100 000 Mark wiegt schon fast einen Zentner. Das Gewicht des Goldes, das jetzt jährlich aus der Erde gewonnen wird, beläuft sich auf etwa 600 Tonnen. Gold ist in allem Meereswaffer, aber in so geringen Mengen, daß sich die Ausbeutung nicht lohnt. Die große Schwere des Goldes ist der Hauptgrund dafür, daß das Herauswaschen aus den Sanden der goldführenden Flüffe so einfach ist. Da die Gold- stäuvchen etwa siebenmal schwerer sind als der Sand, bleibt das Gold in der Pfanne des Goldwäschers zurück. Als das Gold im Bonanza-Fluß bei Dawson zuerst entdeckt wurde, da behielten manche Wäscher so viel des kostbaren Stoffes in ihren Pfannen, daß sie am Tage 4000 Mark erbeuteten. Heute gibt es nur noch wenige Ströme in Neu-Guinea, Ostafrika und Britisch-Guiäna, in denen das Goldwäschen sich lohnt. Kein so gewaltiges Goldbergwerk wie das in Transvaal ist wieder entdeckt worden, wenngleich in neuester Zeit allenthalben der Goldbau da wieder getrieben wird, wo man ihn bereits eingestellt hatte. In Transvaal schätzt man die Menge goldführenden Gesteins, die noch vorhanden ist, auf 550 Millionen Tonnen. Eine Eigenschaft, die besonders zu dem hohen Wert des Metalls beigetragen hat, ist die große Haltbarkeit des Goldes. 6000 Jahre alter Goldschmuck, der kürzlich in Mesopotamien ausgegraben wurde, war nocy so unversehrt wie am ersten Tage. Wenn man aber meint, daß von dem Goldvorrat der Welt nichts oder wenig verloren geht, so täuscht man sich. Großen Mengen Goldes werden zur Verfertigung von Schmuck, von den Zahnärzten und von verschiedenen Handwerken verwendet. Bei Feuersbrünsten schmilzt häufig auch Gold ein, das man nicht wiederfindet, bei Schiffbrüchen sinkt es auf den Boden des Meeres. Reines Gold ist sehr weich und muß daher bei der Ausmünzung mit Kupfer ober Silber legiert werden. Die Juweliere benutzen verschiedene Metalle zur Goldlegierung und verleihen ihm dadurch eine größere Schönheit. So entsteht das farbige Gold, das heute fo beliebt ist. Rotes Gold wirb burch eine Verbindung von 25 Tellen Kupfer mit 75 Teilen Gold gewonnen, grünes Gold durch eine Legierung von 25 Teilen Silber mit 75 Teilen Gold, während beim Blaugold 25 Teile Eisen zu 75 Teilen Gold hinzukommen.
„Ach so ist
er denn große Schmerzen?"
„Nein, gar nicht. Ist ja längst wieder raus, der Splitter. Es brennt bloß noch ein bißchen."
„Es brennt? Himmlische Güte!"
„Was ist denn? Sie werden ja ganz blaß.
„Ja, mir fällt ein: Ich habe ja mein Fleisch auf


