Ausgabe 
21.10.1933 Zweites Blatt
 
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Das Anla genkonzert der SA. ° Re« serve-Kapelle, das zum Abschluß der Hand­werks-Werbewoche am morgigen Sonntag um 11 Uhr am Hindenburgwall stattfindet, wird unter Leitung des Kapellmeisters Bruno Hermann ge­geben. Bortragsfolge: 1.Schneidige Truppe", Marsch von Leonhard, 2. OuvertüreLeichte Kaval­lerie" von Suppö, 3.Eine Mondnacht auf der Alster", Walzer von Fetras, 4. Große Fantasie aus Oberon" von Weber, 5. Badenweiler Marsch, von Fürst. Zahlreicher Besuch dieser Kon^ertoeranstal- tung wird erwartet. Insbesondere hofft man, un­sere Mitbürger aus dem Handwerk und selbstver­ständlich die SA.-Kameraden vollzählig au sehen.

** Die Besuchszeiten d e r Museen. Das Oberhessische Museum im Alten Schloß am Brand­platz, sowie das Bölkermuseum und das Kriegs­museum im Neuen Schloß am Landgraf-Philipp. Platz sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.

* Hitlerjunge Quex" vor den Be- rufsfchulern. Das Stadtschulamt werft darauf hin, daß am Dienstag, 24. Oktober, für die Schüler der Berufs-(Fortbildungs-)fchulen eine Sondervor» führung des FilmsHitlerjunge Quer" stattfindet. Eintritt 20 Pfennig. Die Schüler treffen sich um 8 Uhr in ihrer Schule. An dem Besuch der Dorsüh- rung nehmen auch die Schüler teil, die am Diens­tag keinen Unterricht haben. Sie gehen nach der

Spenden für die NS.-Volkswohlsahrt

werden eingezahlt auf Konto Nr. 4513 NS.-Dolkswohlfahrt des Kreises Gießen bei der Bezirkssparkasse Gießen.

Das Schuhmacherhandwerk wirbt!

Von Innungsführer d. Kraus.

Handwerk und Qualitätsarbeit sind zwei Begriffe, die nicht au trennen find. Ohne den Qualitätsgedanken verliert das Handwerk feine Berechtigung. Wohl am meisten hatte das Handwerk in der verflossenen Zeit gerade darunter zu leiden, daß im Bolle der Sinn für Qualitätsarbeit in weitem Maße ver­loren gegangen war. Billig hieß die Parole und wenn tausendmal nachgewiesen war, daß billig und schlecht im Endeffekt doch das Allerkostspieligste ist für den Verbraucher. Das Produkt dieser Ten­denz im kaufenden Publikum war das, was man heute Ramsch nennt.

Der Darenhausramsch überflutete den Markt und drohte die Qualitätsarbeit zu verdrängen. Das gesamte Handwerk und nicht zuletzt das ehrsame Schuhmacherhandwerk hatte darunter sehr zu leiden.

Hier im Schuhmacherhandwerk lagen die Dinge so, daß der von allen guten Instinkten ver­lassene Großstädter sich im Kaufhaus ein Paar billige Schuhe kaufte, die schlechten Sohlen in we- niaen Wochen verschliß, um sie dann in der Schnell­besohlanstalt bitte. Sie können drauf warten! erneuern zu lassen. Er kaufte sich so im Laufe eines Jahres 4 bis 5 Paar Schuhe von jener schäbigen Eleganz, die diesen Typ des Großstädters kenn­zeichnet. Drückte ihn der Schuh, so riskierte er gerne ein Hühnerauge der lieben Eitelkeit wegen oder er kaufte sich ein Paar teure Einlagen, um sie meist bald unbefriedigt wieder zur Seite zu legen. Die volkswirtschaftliche und nationalpolitische Seite seiner Handlungsweise kannte er nicht; was ging

ihn das auch an? Verantwortung? Es kann doch jeder tun, was er will!

Heute ist das anders. Unser Volk lernt wieder Qualitätsarbeit schätzen, und gewinnt wieder Ach­tung vor dem Handwerk. Man gibt wieder jedem das Seine. Man lernt einsehen, daß jede Schnell» I besohlanstalt 10 arbeitslose und der öffentlichen Wohlfahrt zur Last fallende Schuhmacher bedeutet.

Man lernt einsehen, daß die beste Arbeit und das beste Material das Billigste ist.

Und an die Stelle billiger Eleganz, die jeder echten Vornehmheit entbehrt, tritt wieder die gediegene Wertarbeit. Es gibt wieder Menschen, die ihre Schuhe lieben und pflegen wie ein gutes Kleid und die ihre Füße nicht geringer achten als ihren übri­gen Körper. Menschen, die zum Arzt gehen, wenn sie des Arztes bedürfen und zum Schuhmacher, wenn sie der Schuh drückt.

Das Schuhmacherhandwerk ist heute in der Lage, allen Anforderungen zu entsprechen, die Technik, Wissenschaft und Mode zu stellen vermögen. Das haben die Gießener Meister ganz besonders ein­dringlich bewiesen durch ihre Ausstellung auf der Braunen Messe. Man konnte neben dem einfachsten Gebrauchsschuh den vornehmsten Gesellschaftsschuh, neben dem Tourenstiefel den Reitstiefel sehen und alles durchaus nach orthopädischen Gesichtspunkten gearbeitet.

So wirbt der Schuhmacher für die Handwerks­kunst, für den Maßschuh und gute Schuhrepara­turen!

Vorstellung in ihre Arbeitsstellen zurück. Für diese Schüler zählt die Teilnahme als Schulbesuch, d. h. sie werden am nächsten Schultag zwei Stunden frü- her in ihre Lehrstellen entlassen.

** Arbeitsvermittlung für Musiker. Dom Arbeitsamt wird uns geschrieben: Beim Ar­beitsamt Gießen besteht eine besondere Vermitt- lungsabteilung für Musiker. Der Leiter der Ar­beitsvermittlung ist der Vertrauensmann des Ver­bandes deutscher Theaterangestellten und ähnl. Be­rufe, in dem alle Berufsmustker zufammengeschlos- sen find. Die Verfügung der Gau-Kreisleitung der NSDAP., daß die Einstellung von Arbeitskräften nur durch das Arbeitsamt zu erfolgen habe, gilt selbstverständlich auch für die Arbeitsvermittlung der Musiker. Sprechstunden der Vermittlung für Musiker sind täglich von 8 bis 10 Uhr, Frankfur­ter Straße 29, im Raume der Angestelltenoermitt- lung.

** Berufs kundlicher Rundfunkvor­trag. Am Mittwoch, 25. Oktober, bringt der Süd- westdeutsche Rundfunk von 10.10 Uhr bis 10.40 Uhr einen Vortrag über das Thema:V o r der Be­rufswahl. Es wird die Berufswahl der Abi­turienten zur Besprechung kommen. Der Vortrag dürfte nicht nur Schülern höherer Lehranstalten und deren Eltern, sondern auch allen berufspolitisch in­teressierten Kreisen sehr zu empfehlen fein.

** Die Gründung einer Bezirks- gruppe des Reichsverbandes des Ver- ficherungs - Außendienstes fand in einer Versammlung am Donnerstagnachmittag im Hotel Prinz (Tarr statt. Als Beauftragter der Landes­gruppe Frankfurt sprachen Werner D r e i h und Dr. Rodern er aus Frankfurt. Zum ersten Füh­rer der Bezirksgruppe wurde Herr H. Schwenke (Neue Frankfurter Allgemeine) bestimmt. Dieser berief zu seinem Stellvertreter (2. Vorsitzenden) Herrn Hermann Eckert (Neue Frankfurter Allge­meine). Als Schriftführer wurde Herr F. C. Kretschmer (Allianz und Stuttgarter Verein, Vers.-AG.), als Kassierer Herr I u l l m a n n (Gotha) als Beisitzer Herr Thomas (Barmenia) bestimmt. Der unter nationalsozialistischer Führung stehende Reichsverband des Verficherungsaußendienstes setzt sich wie man uns berichtet durch Gleichschal­tung aus dem Reichsverband der Deutschen Ver­sicherungs-Generalagenten und dem Reichsbund der Deutschen Versicherungsvertreter zusammen. An jedem zweiten Montag im Monat soll in Gießen im HotelPrinz Earl eine Zusammenkunft statt- sinden, zu der auch Nichtmitglieder Zutritt haben. Die beiden Vertreter der Landesgruppe schilderten in der Versammlung die Ziele des Reichsverbandes und ermahnten die noch nicht angeschlossenen Kol­legen, unverzüglich der Organisation beizutreten, da nach dem 1. Januar 1934 voraussichtlich der Kon- zessionierungszwang für Versicherungsvertreter ein­treten wird. Ein entsprechender Gesetzentwurf, ebenso auch über die Sicherstellung der Verfiche- rungsbeamten, sowie über die Schäftung einer Ständekammer, liegt zur Zeit der Reichsregierung vor. Nichtmitglieder mögen sich umgehend an den Schriftführer, F. C. Kretschmer (Gießen), Karl- Vogt-Straße 19, wenden, der Auskunft erteilt und Anmeldeformulare aushändigt. Der Ortsgruppe Gießen ist der nördliche Teil Oberhessens mit Mar­burg, Wetzlar und Umgebung angegliedert.

** DerVWA., Verband der weiblichen A n g e st e l l t e n, ist als einzige Frauenorganisa- tion der großen Deuftchen Arbeitsftont eingeglie­dert. Die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen halten monatlich eine Versammlung ab, in der sie sich schulen wollen für die großen Aufgaben der deut­schen Frau als Trägerin der Rasse, Erzieherin der Jugend, Hüterin der Familie, Sachwalterin des deutschen Einkommens, Kulturträgerin des deut­schen Volkes. Es ist Wunsch und Wille unseres all- verehrten Führers Adolf Hiller, daß alle Glieder der großen Arbeitsfront in ihren einzelnen Berufs- gruppen das Gemeinschaftsleben pflegen. Diesem Zwecke dienen auch die Zusammenkünfte der Orts­gruppe. Wer ihnen fernbletot, beweist damit, daß er den Nationalsozialismus weder mit dem Herzen, nach mit dem Vorstand erfaßt hat. Die Ortsgruppe pflegt ferner edle Geselligkeit und bietet den Mit­gliedern Gelegenheit, sich in ihrem Berufe zu ver­vollkommnen, damit sie aufsteigen können in ihren Stellungen und hre Lebenslage verbessern. Man beachte die heutige Anzeige.

** Der Po st verein 1906 hatte dieser Tage, wie man uns berichtet, seine Mitglieder zu einer außerordentlichen General-Versammlung zwecks Gleichschaltung in dasHotel Kobel" einberufen. Der als Gast eingeladene Ortsgruppenführer der NSDAP., Herr Thomas, verstand es, in kurzen Zügen die Ziele und Zwecke der Gleichschaltung im neuen Staate klar darzulegen. Nach einer kurzen Aussprache wurde Herr Postassistent Adam Lotz als Führer des Vereins in Vorschlag gebracht und bestätigt. Dieser ernannte zu seinen Vertretern den seitherigen 1. Vorsitzenden, Herrn Postassistent Karl G u m b e l und Herrn Postsekretär Heinrich Schmieder. Als 1. Schriftführer wurde Herr Postschaffner Karl E i n h ä u s e r, als 1. Rechner Herr Postassistent Karl Muller bestimmt.

Vom Buchbinderhandwerk.

Von H. Steinhäuser, Innungsführer.

Schon lange bevor es eine Bu<P>ruckerkunst gab, schrieben fromme Mönche die unvergänglichen Werke der mittelalterlichen Literatur auf Perga­ment und fügten sie zu kostbaren Einbänden, die wir heute noch in den Bivliotheken und Museen bewundern. Erst nach Erfindung derSchwarzen Kunst" wurde die Buchbinderei ein selbständiges Handwerk und brachte als solches schöpferische Lei­stungen hervor, die den Fachmann und den Bücher­liebhaber noch heute auf das höchste entzücken. Wie im gesamten Handwerk, so setzte auch mit den kul­turzerstörenden Kriegen im 16. Jahrhundert der Dersall der Buchbinderei ein, die bis dahin ein aus- gesprochenes Kunsthandwerk war.

Das Buch und sein Kleid spiegeln wie kaum ein zweites Erzeugnis die jeweilige Kulturhöhe in den verschiedenen Zeitabschnitten der deutschen Ge­schichte wieder. Mit der zunehmenden Verbreiterung der deutschen Literatur ging der Charakter des Bucheinbandes als selbständiges Kunstwerk immer mehr verloren. Die neuere Zeit mit ihrer vorwie­gend materialistischen Einstellung gestand dem Buch­einband nur mehr einen Nützlichkeitswert zu, und heute gibt es Krefte, die in einem handwerklichen Kleide des Buches nur ein notwendiges liebel er­blicken.

Für den wahrhaft ästhetisch empfindenden deutschen Menschen ist es eine tief beklagens­werte Tatsache, daß ein großer Teil des deut­schen Volkes vor dem höchsten, das seine Na­tion geschaffen hat, vor den geistigen Gütern der deutschen Nation, seinem deutschen Schrift­tum, so wenig Achtung hat, daß er sie unge­bunden und in zersetztem Zustand, oder in un­soliden Fabrikeinbänden aufbewahrt.

Oft, noch dazu in einem kostbaren Bücherschränke, mährend der grünseidene Vorhang die lieblose Be­handlung der geistigen Kinder unserer Volksbesten verhüllt.

Jeder deutsche Volksgenosse sollte sich bewußt sein, daß der Wiederaufstieg zu kultureller Höhe großen­teils über das deutsche Buch führt. Er sollte lernen, für das deutsche Buch und sein materialechtes, so­lides Kleid, das nur der handwerkliche Buchbinder- meister Herstellen kann, das Verständnis wieder­zufinden. Ein kleiner Grundstock, den jedes deutsche Haus aufweisen sollte und der tausendfältige Früchte tragen wird, ist eine grbrängte Auswahl der Schrif­ten unserer kerndeutschen Geistesgrößen. Zu jedem Geburtstage, zu jedem Christfest ein weiteres gutes deutsches Vuch, solid und schön vom Buchbinder- meister gebunden, das schasst dauernden Le­bensgewinn und echte Freude ins Haus und kostet gar nicht viel, besonders dann nicht, wenn man anderseits allen unnötigen Plunder und Kitsch verachtet, mit dem uns das Warenhaus in eigen» nützig-profitgieriger Absicht beglückt hat.

Das Buchbinderhandwerk empfängt nur zum kleinsten Teil feine Aufträge aus den Händen der deutschen Volksgenossen, von dem allein es nicht leben könnte. Seine Hauptauftraggeber waren stets die staatlichen und kommunalen Behörden, Biolio- theken, Schulen und sonstige gemeinnützige, der Volksaufklärung dienende Einrichtngen. Leider hat man in der heute glücklich überwundenen marxisti­schen Regierungsperiode die Daseinsberechtigung des selbständigen Handwerkers verneint und insbeson­dere das Einbinden von Büchern in eigenen Hausbuchbindereien vorgenommen.

Damit hat man dem Buchbinderhandwerk seine eigentliche Arbeit genommen und sie ihm, ent­gegen dem Programm der NSDAP, und damit unserer heutigen Staatsauffassung, bis zum heutigen Tage vorenthalten.

Im Zeichen der Reichshandwerkerwoche spricht das Gießener Buchbinderhandwerk den berechtigten Wunsch aus,daß die in Gießen noch vorhandenen Hausbuchbindereien der Behörden aufgelöst und die Arbeiten dem selbständigen Hand­werk wieder restlos zugeführt werden.

Das Spengler- und Mallatem Handwerk.

Von Obermeister Rudolf Rüdiger.

Einen Hoffnungsstrahl sieht auch mein Gewerbe in der Abhaltung der Handwerker-Werbewoche. Was feit vielen Jahren erstrebt und erhofft, was immer wieder von einsichtsvollen Kollegen gefor­dert wurde, soll nun enblich Wirklichkeit werden.

Lange hätte es auch nicht mehr bauern bürfen, sonst märe ein einst blühenbes Hanbwerk, von bem man mit Recht sagte, baß es einen golbenen Boben hatte, vom Erbboben verjchwunben.

Oerabe bas Spengler- unb Jnstallateur-Hanb- werk hat wohl mit am meisten unter ben Maß­nahmen der früheren Regierungen leiben müssen. Die Warenhäuser führten bie billigen unb schlechten Blechwaren ein, verkauften auch sonst burchweg bie allerleichtesten Installations-Zubehörteile.

Während die Handwerksbetriebe mit immer neu ausgedachten Steuern bedacht wurden, er­hielten die Warenhäuser und Konsumvereine Zuwendungen aller Art, die manchmal höhen erreichten, über die der Handwerker einfach staunen muhte.

Aber auch manche Eisenwarenhändler glaubten, aus ihren Lüden ein richtiges Warenhaus machen zu müssen, indem sie alles, was eigentlich nur durch gelernte Fachleute installiert werden sollte, auch an Private und sogar an Behörden und Verwaltungen lieferten.

Das größte liebel unb bie schärfste Konkurrenz schufen aber bie frühere Regierung unb bie ihr un­terstellten Stabtoermaltungen in ben Regiebe­trieben ber Gas- unb Wasserwerke. Die Werke, bie erbaut wurden, um der Bürger­schaft Licht, Wärme und Wasser zuführen zu kön­nen, die berufen waren, Gas herzustellen, die Rohr­netze unb Anschlüsse zu überwachen, mußten bei ber immer mehr sich zuspitzenben Gelbknappheit ber Stabtkassen auch zu allen Mitteln greifen, unb bem ortsansässigen Hanbwerk schärfste Konkurrenz machen. Wer kann sich nicht noch an bas Muster» lager in Beleuchtungskörpern unb Campen in ben Räumen bes Verwaltungsgebäudes des Gaswerks erinnern?

Unb mit ber zunehmenden Technik der Gas­geräte, Badeöfen, sowohl als auch Gasherde wurde der Verkauf dieser Apparate durch die Gaswerke ausgenommen, und man kann sagen zur höchsten Blüte gebracht. Denn den Werken standen ja in den Steuergroschen ihrer Bürger so große Kapi­talien zur Verfügung, daß der gesamte Handel in diesen Geraten fast ausschließlich in den Händen

der Werke war. Aber auch hiermit nicht genug. In den Gas- und Wasserwerken wurden auch Repara­turen und Ausbesserungen an Gas- und Wasser­leitungen, sowie Apparaten angenommen und aus­geführt, und oft konnte man die Beobachtung machen, daß die Gas- und Wasserwerke sogar Klosettschüsseln lieferten unb fetzten.O schöne Zeit, o selige Zeit", in ber

bie eigenen Stadtverwaltungen ihre steuer­zählenden Bürger in ber schwersten Weise schädigten.

Und mancher Bürger glaubte, sich ein beson­deres Verdienst zu erwerben, wenn er seine In» standsetzungsarbeiten durch das Gas- und Wasser­werk ausführen ließ. Er bedachte dabei nicht, daß er durch ein solches Verhalten sich selbst schädigte und seinen eigenen Mitmenschen die Lebensnotwen­digkeiten untergrub.

Das alles soll nun im Dritten Reich anders wer- den. Voll Hoffnuung schauen Tausende von Speng­ler- und Installateur-Meister, Gesellen und Lehr­linge auf unseren Volkskanzler, der das nie für möglich gehaltene fertiggebracht hat. Denn ein Hauptpunkt in dem Programm der NSDAP, ist nicht nur die Beseitigung der Warenhäuser, Kon- sumvereine und Schwarzarbeiter, sondern auch die Abschaffung der Regie-Arbeiten ber Stäbte.

Darum wollen auch wir Spengler und Installa­teure fest zu der Regierung Adolf Hitler» stehen und mit aller Wacht mitarbeiten an dem Aufstieg unseres über alles geliebten Vater­landes.

Euch Mitbürgern rufen wir aber zu: Gebt eure ge­tarnten Arbeiten und Lieferungen an Gas-, Waffer- unb Entwässerungsleitungen nur an gelernte Spengler- und Jnstallateurmeister unb deckt auch euren Bedarf in allen Materialien und Geräten nur bei ben Mitgliebern ber Speng­ler» unb Installateur-Innung.

Die Preise werden so niedrig wie nur irgend möglich gehalten und auch dauernd kontrolliert.

Die Innung wird alles emsetzen, um der Bürger­schaft durch schnelle, gute und preiswerte Arbeit zu beweisen, daß es den Spengler- und Installateur- meistern bitter Ernst ist, an der Gesundung des Handwerks mitzuarbeiten, zum Wohle unseres ge­liebten Vaterlandes; darum

Kauft beim Handwerker, denn er ist Fachmann.

Die Hausangestellten in der Deutschen Arbeitsfront.

Die Ortsgruppe Gießen bes Verbanbes ber Heimarbeiter unb Hausangestellten in ber Deutschen Arbeitsfront hiell am Mittwoch» abenb im Caf6 Leib eine Versammlung ab, zu der besonders die weiblichen Hausangestellten erschienen waren.

Aezirksleiier Mahner, Frankfurt a. M. sprach über das Thema:Ziele und Zwecke der Deutschen Arbeitsfront". Die Deut« sche Arbeitsfront wolle alle Schaffenden vereinigen und den Klasse nkampfgedanken re st los beseitigen. Die Gewerkschaften, die ursprüng­lichen Arbeitervereine, wie sie zu Beginn der Ar­beiterbewegung bestanden, wollten anfänglich ledig­lich ihre wirtschaftlichen Interessen vertreten, sie entwickelten sich jedoch unter dem Einfluß ihrer Führer zu Zentren marxistischer Weltanschauung. Die Gewerkschaften seien schon vor dem Kriege der Zersplitterung anheimgefallen, insbesondere von den freien Gewerkschaften her sei der Arbeiter auf die Wege des Klassenkampfes gedrängt worden.

Der Warxismus sei eine jüdische Schöpfung, eine Theorie der Zersetzung, mit deren Hilfe die Weltherrschaft des Judentums erreicht werden sollte.

Im Jahre 1918 seien die Gewerkschaften fast völlig der Sozialdemokratie angeschlosfen worden, deren Führerschaft sich aber nicht ernsthaft um die Besser­stellung der Arbeitenden bemüht habe. Vielmehr seien die Wunden am Körper der Arbeiterschaft immer öfter gehalten worden, damit Agitations­stoff vorhanden gewesen sei unb bie Existenznot- menbigteit ber Parteiorganisation nachgewiesen werben konnte. Nach bem Kriege habe in ber Ar­beiterbewegung ber Jube bie Oberhanb bekommen unb seinen bemoralifierenben Einfluß ausgeübt. Der Jube habe bas alljüdische Weltreich auf den Trümmern Deutschlands aufrichten wollen. Da habe der Nationalsozialismus gerade noch zur rechten Zeit eingegriffen und der verhängnisvollen Entwicklung Einhalt geboten. Bisher fei für die Hausangestellten, dem ärmsten Teil der deuftchen Arbeiterschaft, wenig geschehen; das solle nun anders werden.

Die Hausgehilfin dürfe nicht mehr nur die Existenz der völligen Abhängigkeit führen. Die Hausgehilfin müsse als vollwertige Volks­genossin betrachtet werden.

Die alte Gesindeordnung, die noch bei mancher Herrschaft in Erinnerung spuke, gelte längst nicht mehr. Für die Hausangestellten gelte gegenwärtig ein Tarif, aber auch nur insoweit, als der bis 1930 bestehende Tarif im einzelnen Fall nicht ausdrück­lich gekündigt worden sei. Bis jetzt bestehe ein neuer Tarif nicht, man werde sich aber in nächster Zeit mit größter Energie dafür einsetzen, einen Tarif zu schaffen, der den Hausangestellten gerechte Entlohnung, Urlaub unb angemessene Arbeitszeit sichere. Von ben bisherigen Gewerkschaften sei nur wenig zum Wohle ber Arbeiterschaft geleistet wor­den, vielmehr sei die Arbeiterschaft durch sie zer­rissen worden. Der Jude habe dabei eine sehr an­fechtbare Rolle gefpielt Durch die Religions­losigkeit, die gewaltsam gepredigt worden sei, habe man

dem deutschen Volke bewußt den sittlich-mora­lischen Boden entziehen wollen.

Aus gleichem Interesse sei der Kampf gegen den § 218 geführt worden. Der Jude habe zielsicher alles getan, um die Schaffung einer jüdischen Welt­herrschaft zu fördern. Adolf Hitler habe diesem Bestreben ein energischesHalt!" entgegengesetzt. So sei der bis dahin international gefeierte 1. Mai zum nationalen Feiertag geworden, am 2. Mai habe dann die NSBO. die Gewerkschaften über- nornmen, ohne Widerstand der damaligen Gewerk­schaftsführer zu finden.

Für die Zukunft müsse man sich darüber klar sein, daß Arbeiter und Arbeitgeber zusam- Mengehören. Arbeitgeber sei auch der Arbei­ter als Verbraucher. Was der Nationalsozialismus bisher geleistet habe, werde in vollem Ausmaß erst der nächsten Generation zum Bewußtsein kommen. Der Führer habe alle schaffenden Menschen in kürzester Zeit in der Deutschen Arbeitsftont Ber­einigt, die alle Vertretung wirtschafllicher oder beruflicher Art übernehme. Es gebe neben der Deutschen Arbeitsftont keine andere Berufsorgani­sation mehr.

Die Sozialversicherung werde demnächst von der Deutschen Arbeitsfront von Grund auf umgestoltet. Besondere Aufmerksamkeit werde man dabei der Altersversicherung zuwenden.

Es dürfe in Zukunft keine Sorge um seinen Le­bensabend mehr für denjenigen geben, der ein arbeitsreiches Leben hinter sich habe. Das Pro­gramm der NSDAP, werde in allen 25 Punkten restlos durchgeführt. Die Entwicklung und die Er­füllung aller daraus erwachsenden Aufgaben werde sich naturgemäß nur langsam vollziehen können.

Neben der wirtschaftlichen Förderung ihrer Mit­glieder wolle die Deutsche Arbeitsfront auch dem kulturellen Aufbau dienen. Heute werbe man nicht nur um den äußeren, sondern auch um den inne­ren Menschen. Es solle der gute Kern erfaßt wer­den, der überall in unserem Volke erhalten sei. Gleichzeitig solle den Müden und Ueberdrüssigen neuer Lebensgeist eingehaucht werden.

Dec deutsche schaffende Wensch verdiene einen angemessenen Lebensstandard. Zur Erfüllung dieser Aufgaben müsse jedermann sein Teil beitragen, müsse zum Opfer bereit sein, denn im neuen Staat werde niemand an Errungen­schaften teilnehmen können, der nicht zuvor Opfer gebracht habe für und um des Volks­ganzen willen. (Lebhafter Beifall!)

In feinem Schlußwort beschäftigte sich der Redner noch mit der Frage der Arbeitszeit der Hausangestellten. Er betonte u. a., daß cs in Zukunft nur noch organisierte Hausangestellte geben dürfe. Nur die organisierte Hausgehilfin werde geachtet werden und ihre Rechte gewahrt sehen. Allerdings verlange die Deutsche Arbeits­front restlose Pflichterfüllung jeder einzelnen in ihrem Aufgabenkreis. Jeder Hausangestellten werde alle nur mögliche Unterstützung bei der Verfechtung ihrer Rechte zuteil. Mithelfen müßten aber alle an der Verwirklichung der Ziele. Ideale müßten wie­der in den Vordergrund treten. Dpfergeift mu,se verlangt werden, nicht um des Verbandes willen, sondern um der gemeinsamen großen Sache unsere» Vaterlandes willen! , .

Mit einem dreifachenSieg-Heil" auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler unb mit bem ge­meinsam gefangenen ersten Vers bes Deutschland­liedes wurde die Kundgebung geschlossen.