Ausgabe 
21.10.1933 Zweites Blatt
 
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An alle Einwohner und Behörden

Lus dem

eaterbüro wird

die Blüten der Lust.

Fr. R. Richter.

Entbehren möchte

kann.

Der

da» Album zur Erde und

beide bückten sich, um

es aufzuheben. Sie fliehen

Rollende Mark Macht Handwerk stark!

Der vor kurzem von der österreichischen Regie» rung strafweise pensionierte Ordinarius für Straf»

dabei mit den Köpfen zusammen, und ihre Schul­tern berührten sich.

** D e r neue Präsident des Landes- finanzamts Darmstadt. Wie derReichs- an^eiger" meldet, wurde der Ministerialrat im Reichsfinanzministerium Giese zum Präsidenten des Landesfinanzamts Darmstadt ernannt.

** ®in Dreiundneunzigjähriger. Herx 5riehrid) Muhl, Licher Straße 7, kann am heu­tigen Samstag. 21. Oktober, bei guter körperlicher und geistiger Gesundheit seinen 93. Geburtstag feiern.

Slas der provlmialbauptfiadt.

Oer Segen der Arbeit.

Lbelt kochet dem Leben die nie versiegen­den Säfte. Ohne Arbeit wie krank schienen

Buchdrucker Buchbinder Steinmetze Friseure Photographen Metzger und Hausmetzger Bäcker usw.

Volksgenossen! Behördenoorsteher? wir fordern Luch hiermit auf. an Hand vorstehender Aufstellung (EurenArbeitsbeschaffungsplan für das Handwerk" aufzustellen, wir wissen, Millionenaufträge kann In Stadt und Land weder der einzelne, noch die Be­hörde vergeben. Aber wir erwarten, daß ans jedem Privathaushalt, ans jedem Amt znr Beichshand- werkswoche Aufträge mögen sie Neuanschaffun­gen oder Ausbesserungen betreffen in einem Maße herauskommen, daß daraus da» Verständnis für die Not de» Handwerks und der Wille, tat­kräftig zu helfen, erkennbar ist.

von dem untezeichneten RS.-Hago-Führer gebildete Ausschuß gibt Auftragslisten von Haus zu Haus, von Amt zu Amt, die u. a. folgende Frage- Spalten enthalten:

zuziehen, aber sie rief:Rein, nein!" und hielt nur noch fester. Dabei fiel i

Der Segen der Arbeit ist gar mannigfach. Mag sie uns oft drängen und drücken, sie doch kein rechter Mensch.

Schiffe haben ihre Ladegrenze. Sie sind gefähr­det. wenn ihre Belastung darüber hinousgeht. Aber wenn sie leicht und leer auf den Wogen des Mee­res tanzen sollten, wären sie nicht minder gefährdet. Und leere Schiffe läßt niemand fahren. Sie wären

Cs war zwar angenehm zu denken, daß er auch I entsetzlich unter diesem furchtbaren Ungemach des I Schicksals litt, aber e» war doch nur ein schlechter I

liebe im liegen.

Bon Mor6 Stahl.

Mm Morgen war der Himmel noch fast blau qc- oelen, nur etwas getrübt am Horizont. Aber gegen Mittag nahm das Gewölk zu, es wurde richtig dunkel so daß Marianne ganz bestürzt auf die »eranba hinauatrat. Da fielen auch schon die ersten Tropfen. E» regnet!" rief sie ganz vernichtet und sank auf einen Korbsessel.

Seiner hatte diesen verzweifelten Ausruf gehört Sie war ganz allein mit ihrem Kummer. Die Tante kam heraus und trug zwei 3hamerlinben Im Arm, Ite ging mit vorsichtigen Schritten die Steintreppe hinab und stellte die beiden Hellen grünen Bäume in den Regen. (Em Wagen mit Heu kam im Galopp au den Hof gesaust und fuhr in elegantem Bogen auf die Tenne. ö

Bud) der Onkel kam heraus und streckte die Hand au» dem Fenster.Gott sei Dank, e» regnet", sagte

befriedigt, ..das wird den Rüben gut tun " "Und den Kartoffeln!" sagte die Xante, die grabe wieder die Treppe hinauskam.

Beide Iahen auf Marianne, die ganz gebrochen auf dem eeffel lauerte.Ist dir was, Marianne?" Bewahre", sagte Marianne,mir ist ganz gut."

®le konnte sie sagen, daß sie jetzt nicht Ernst unten am «ee treffen konnte Und er wollte sogar einen Kahn besorgen vom Fischereipächter, auf dem wollten sie zur Insel fahren.

Sie stand auf und ging ins hau». Dieser Enthu- sia.'nu» über den Regen ging ihr auf die Nerven, oie stieg die steile Treppe zur Giebelstube empor unb betrachtete bort wehmütig ba» weiße Kleid mit ben ^lreublumchcn. ba» so wunderbar geplättet über her Bettlehne hing. Oh. e» war zum Wahn­sinnigwerden.

ff» regnete leise unb gleichmäßig. Da» war das verhängnisvolle, daß c» fo leise ansing, nicht mit einem tüchtigen Guß. der sich halb von selbst er­schöpfen mußte, sondern fo bedachtsam, wie jemand der mit seinen Kräften spart, weil sie noch lange vorhalten sollen. Der Himmel war jetzt nicht mehr so dunkel, er war perlgrau, e» war nicht mehr Zorn in leinen Mienen, nur sanfter Schmerz, er meinte sanft unb einbringiich.

Sie malle sich au», wie Ernst jetzt etwa sieben Kilometer entfernt, ebenfalls in einem Hous, bas ein (Barten umgab, ebenfalls unter einem weinen­den Himmel, ebenfalls In einem Giebelzimmer mit ebendemselben unendlich bitteren (Befühl auf die Bäume yinausschaute.

Bahnhofstraße: 14,16,18 u. 2030 Uhr, ,J)itierjungt Quer. Aftoria-Lichlspiele, Seltersweg: JDi» große Fahrt". Hotel Prinz Carl: 11 bis 18 Uht^ Ausstellung handgetriebener Silberschmuck von Metallbildhauer Küchel.

Lebens. Richt» hörte sie, der Regen plätscherte, die Dachtraufen liefen über, aus der Regentonne fiel ein kleiner Wasserfall in regelmäßigen Inter» vollen auf den Gartenkies.

Dann holte die kleine Uhr aus und schlug fünf eilige, silberne Schläge. Sie fuhren einen Moment auseinander und sanken sich dann erneut in die Anne.

Das Photographiealbum lag aufgeschlagen an der (Erbe, aber niemanb interessierte sich dafür. Ein Bild zeigte die kleine Marianne im Alter von sechs Mo­naten, wie sie als krähende» nacktes Baby auf einem weichen Bärenfell lag.

Ernst hoo das Buch vom Boden auf und legte e» achtlos auf den Tisch. Er hatte vergessen, warum e» eigentlich auf der Erde gelegen hatte.

Er legte den Arm um Marianne und fragtet .Liebst du mich, Marianne?"

Schrecklich!" sagte sie leise.

Immer und in alle Ewigkeit?"

,Ln alle Ewigkeit!"

Die Tante rief aus der Küche:Der Apfel» kuchen ist fertig, kommt Kaffee trinken."

Sie gingen auf die Veranda.

»Arme Kinder", sagte die Tante und legte jedem ein ordenlliches Stück Kuchen auf den Teller,ihr habt heute lange auf den Kaffee warten müssen, habt ihr euch wenigsten» gut unterhalten?"

»Es ging , sagte Ernst heuchlerisch und reicht» die Kaffeetasse herüber zum Einschenken,bei dem Regen."

..Aber wie gut wird er den Rüben bekommen", antwortete Marianne, unb beide brachen ganz ohn» Grund in ein Gelächter au».

öod?fd>u!ndd?ri(bfett

Der bekannte Staatsrechtler der Universität Köln, preußischer Staatsrat Professor Dr Karl S ch m i t £ bat einen Ruf an die Universität Berlin er­halten.

Der bedeutende Berliner Physiker Professor Dr. Erwin S ch r ö d i n ge r hat einen Ruf an di» Uni­versität Oxford erhalten.

Der Ordinarius für angewandte Mathematik an ber Universität Berlin, Professor Dr. Richard von Mieses hat einen Ruf an Me Universität Konstantinopel angenommen.

Professor Dr. L. Spitzer von der Universität K ö l n hat einen Ruf ai» Ordinarius für romanisch» Philologie an die türkische Universität Istanbul erhalten und angenommen.

1. Name der hasidwerter bzw. Handwerke­rinnen, die den Auftrag ausführen sollen.

2. Kurz« Beschreibung der Aufträge.

Die Listen sind bis zum Dienstag. 24. Oktober, auszufüllen unb in verschlossenem Umschlag, ber jeber Liste beigefügt wird, den Abholern anszn- händigen.

Die Aufträge werden dann von einem Vertrauens- ausschuß (Kreisleitung NS.-Hago), der zu streng vertraulicher Behandlung verpfsichtet ist, den Hand- werkern zugeleitet.

Deine Hand dem Handwerk!

15. bis 21. Oktober 1933!"

Gießen, den 14. Oktober 1933.

heil Hitler!

fi. Schimmel

NS.-hago-Kreisführer unb komm. Vorsitzender ber Handwerkskammer für Oberhessen.

21. März 1933 der Staatsanwaltschaft Gießen vorge­führt. Gegen ben Mann wird jedenfalls Haftbefehl erlassen werden.

Der Wanderbursche Friedrich Bornhold aus Elmshorn bettelte in Allendorf a. d. Lahn und be­leidigte dort in gemeiner Weise den Bürgermeister und die SA. Er wurde festgenommen, noch Gießen verbracht und nach Aufklärung des Sachverhalts der Staatsanwaltschaft oorgeführt, die Haftbefehl beantragte, der auch vom Richter erlassen wurde.

Ein Former aus Merlau, der in Gießen beschäf­tigt ist, äußerte gegenüber einem Mitarbeiter, das wäre die Ankurbelung und wenn er noch einmal heil Hitler sage, dann schlage er ihn irr. Der Foi> mer wurde dem Schnellrichter oorgeführt. Wegen groben Unfugs erhielt er drei Wochen haft, die so­fort zu verbüßen sind.

Gestern wurden aus dem Kreise Lauterbach und Friedberg, sowie aus der Stadt Gießen zehn Per- fönen in das Konzentrationslager Osthofen über­führt.

(^ieficner Wochenmarktpreisc.

Gießen, 21. Okt. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,25 bis 1,30 Mark, Kochbutter 1, bis 1,10 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 13, Wirsing (grün), das Pfund 7 bis 10, Weißkraut 5 bis 8 Pf., der Zentner 3 Mark, Rotkraut, das Pfund 7 bis 10 Psi, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 15, Römischkohl 10,

Es war ganz merkwürdig und stand gar nicht im o , Programm, ab?r auf einmal h.elien sie sich in ben I recht an ber Universität W i e n' Prof. Dr. Wenzel Armen unb küßten sich. E» war em langer Kuh, Graf Gleispach. hat «Berufungen an bk llntoe» «ehr innig unb sehr kindlich, der erste Kuß ihre» I sitaten Berlin unb Leipzig erhalten.

ein Sinnbalb der Zwecklosigkeit de» Daseins.

Unserem Leben gibt die Arbeit zweck- unb sinn­vollen Inhalt! Unb bamit zugleich halt und Stetig­keit im Wellenspiel de» Leben». Gewiß, wir seuf­zen oft über ben harten Kampf um» tägliche Brot, unb wir geraten in allerlei Abhängigkeiten. Unb unsere Tage gehören uns nicht ganz. Aber wenn wir un» die Menschen anschauen, die nicht» arbei­ten ober ble trotz besten Willen» nicht arbeiten können ob wir ihre kahle Existenz beneiben?

Arbeit erzieht. Ihre Last stärkt unsere Muskeln, ihre Hnforberungen stählen unseren Willen. Es kommt damit etwas Feste» in unser Leben. Durch ba» Müssen lernen wir da» Können. Unb da» macht stolz und froh. Wer gäbe eine Kunst her für bte Muhe, die er beim Erlernen hatte?

Die Arbeit, die unserem eigenen kleinen Dasein seine Zwecke setzt, verknüpft uns dadurch auch mit den großen Zwecken des Universums. Denn aus lau­ter kleinen Zwecken bauen sich schließlich die aller­größten auf. Jede zweckoolle Arbeit knüpft ein Band zwischen uns und ben letzten Zwecken der Welt, läßt in die Kreise unsere» Leben» etwas hinein- leuchten von großen Zielen und Ideen. Das gibt uns Wert für andere wie für un» selbst. Das hebt unsere Interessen auf höhere Stufen. Und je mehr uns von diesem Sinn unserer Arbeit zum Bewußt­sein kommt, um so leichter werden wir ihr oer- !eiben können, wo sie uns einmal hart angeht. Um o voller werden wir die Befriedigung ausschöpfen, ie sie unb nur sie der Menschenseele dauernd zu bieten hat.

pünktlicher Dorfteilungsbeginn im Gtadttheaier.

Die Intendanz des Stadttheaters macht alle Theaterbesucher daraus aufmerksam, daß die Dor­stellungen vor allem tm Interesse der auswärtigen Theaterbesucher unbedingt pünktlich beginnen müs­sen. Bei besonderen Aufführungen behält sich die

Intendanz vor, zu spät kommende Theaterbesucher im Interesse der pünktlich Erschienenen und der Schauspieler, somit im Interesse der Gesamtauf- fuhrung evtl, sogar erst nach dem ersten Akt in den Zuschauerraum zu lassen.

Spenden für das Winterhilfswerk.

An Spenden für das Winterhilfswerk 1933/34 Singen bei der Ortsgruppe Gießen-Süd der NS.- lolkswohlfahrt u. a. ein: Ludwig Rinn, Wilhelm- straße 20, 5Ö0 Mark und 10 Mark: Dr. E. Pauly, Wilhelmstraße 32, 100 Mark (monatlich); Heinrich Gärtner, Wilhelmftr. 25, 20 Mark; Frl. Sy Schaaf, Wilhelmstraße 36, 15 Mark; Frl. L. Schaaf, Wil­helmstraße 36, 15 Mark; Dürr & Forstner, Liebig- straße, 15 «Mark. Zur Verfügung gestellt wurden: Lebensrnittel (für 40 Mark) W. Haas, Schubert- straße 2; 30 Laib Brote, Paul Bender, Schubert- straße 2. «Weitere Spenden werden erbeten. NS- Dolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd, Konto Nr. 4536 Bezirksfparkaffe Gießen.

Heil Hitler! Friedel, Ortsgruppenwalter. Pol zeibericht

der Staatspolizeistelle Gießen.

Ein Dachdecker aus Gießen wurde festgenommen, weil er in einer Wirtschaft In Laubach geäußert hat, die braune Bande bekommen wir doch noch klein", und Thälmann als seinen Freund bezeichnete Er wird wegen Vergehens gegen die Verordnung vom

volksgenofsen! Die R e c ch s h a n d w e r k s - woche soll nach Dem Willen des Führers einen machtvollen Anstoß geben zur Sättigung der Ar- beitslofigfeit des Standes, der ehemals goldenen Boden Halle, heute aber mehr denn jeher andere durch bas großkapitalistische Wirttchaftsgebaren bes entschwundenen Systems an ben 'Rand Des Ab­arundes gebracht worden ist.

9 Rettet das ehrbare Handwerk!" Dieser Ruf soll auch in Ober Hessen nicht ungehört verhallen. Dazu gehört, daß wirklich jeder mit Herz und Hand bereit ist in die Bresche zu springen und $u helfen, wo es fehlt. Der Kamps gegen die Krise ist häufig nur ein Kamps gegen Eigennutz und Gedankenlosigkeit. Volksgenossen! Schaltet diese Grundübel liberalifti- scher Denkart aus und bezeugt Eure nationalsozia- listische Gesinnung durch die Tat!

Was not tut, ist eigentlich nur guter Wille! Denn Arbeit kann jeder beschaffen. Und Arbeit muß jeder beschaffen, wenn die Werbewoche des deut­schen Handwerks im Sinne des Führers auch in Oberhessen ihre Aufgabe erfüllen soll.

Alle Handwerkszrveige warten in Oberhessen auf Beschäftigung.

Herrenmaßschneider

Weißzeugschneidereien

Schneiderinnen

Schuhmacher

Maurer

Maler und Weißbinder

Tiefbauer und Pflasterer

Glaser

Holzbildhauer

Schreiner

Spengler, Installateure, Elektro-Installateure Zimmerleute

Dachdecker

Schornsteinfeger

Schlosser, Kraftfahrzeugschlosser, Mechaniker und Dreher

Küfer

Wagner

Schmiede

Drechsler

Feilenhauer

Messerschmied

Sattler und Polsterer

Seiler

Uhrmacher

Müller

Ersatz für einen Nachmittag auf dem großen schwär­en Fischerkahn, der so geruhig über den hellen See zu der winzigen Insel gefahren wäre.

Wie, wenn sie doch zum See ging? Aber sie be­saß keinen Regenmantel, sie würde den großen vor­sintflutlichen Schirm der Tante nehmen müssen, einen Schirm, man konnte damit nicht auf einem "ahn fahren, ohne sich lächerlich zu machen. Es sah auch gar nicht gut aus, wenn sie fo durch Regen unb Sturm auf alle Fälle hinkam. Er konnte sich vielleicht etwas Darauf einbilben, es sah aus, als ob sie ihm nachliefe. Man hörte den Regen lauter, es regnete stärker, entsetzlich!

Sie entschloß sich, zu meinen. Sie war von den überreichlich strömenden Regengüssen da draußen angesteckt worden. Sie weinte lange und herz­brechend, das war immerhin ein kleiner Ersatz.

Sie hörte dabei gar nicht, daß jemand auf den Hof nti, der Laut ging auch in dem Glucksen der Regenrinnen verloren und dem tausendfachen trap­pelnden Geräusch des Regens, der auf das Dach trommelte, verloren.

Die Tante hatte den Reiter zuerst bemerkt.Gott, ricf st* überrascht,bist du denn nicht klitschnaß, mein Junge."

Ernst war verlegen, er schaute sich so suchend auf ber Diele um, daß die Tante fragte, ob er etwas

TrLW/ ^?er er sagte nur:Nein, wieso, hoffentlich halte ich dich nicht auf, Tantchen." Aber Tantchen behauptete, er störe sie nie. Sie führte «)n, nachdem er sich umständlich die Reitstiefel auf Der lurmatte abgeputzt hatte, in das kleine Zim- mer mit den Pluschmobeln unb empfahl ihm, o- hinge das Photographiealbum anzusehen, bis sie Marianne zu ferner Gesellschaft herbeigeholt habe.

Bei diesen Worten verschwand die Nervosität au» den M.enen Des guten Jungen unb machte einer mS ?rC ble er selbst, wenn er sich Im Spiegel betrachtet hatte, nur mit Höbe bezeich- nen konnte 0 '

Er sah aber nicht in Den Spiegel, fonbern blät- terte aufgeregt in bem Photoalbum

bauerte eine ganze Weile, bis Marianne kam v'e war zu Tobe erschrocken, als es an bie Tür klopfte aber zum Gluck Hatte sie abgeschlossen unb memanb sah. baß sie meinte. Sie rief nur, baß sie lofort herunterkäme, mas Denn los fei. ffrnft fei gekommen, rief die Tante, roarum sie Denn abfle- Ipcrrt habe, unb es märe gut, roenn sie sich beeilte Denn sie muffe in bie Küche zurück, zu ihrem Apfel­kuchen.

Marianne war fo erregt, bah sie sich am Tilch feftbalten muhte. Sie versuchte so hastig in Das roetfce Rieth mit ben Streublümchen zu schlüpfen öah ht es zweimal verkehrt aiuog unb e» wieher' mUn!l,eben mu6te- Äem Knopf schloß, bie Bermel waren ganz verdreht unb ber Kragen umgekrem­

pelt. Dabei klopfte ihr Herz so stark, daß sie dachte ohnmächtig zu werden. Aber endlich war das Kunst- stück gelunaen, sie hatte das Kleid glücklich an unb sie sand, daß sie heute abscheulich aussehe, ihre Augen waren rot, ihre Nase sogar etwas geschwol- len, schien ihr, die Wangen hatte rote Flecken, unb Das Haar war in Unordnung. Sie setzte sich ver­zweifelt auf die Dettkante. Aber bei dem Gedanken, daß Ernst vielleicht wieder fortreiten könnte, wenn sie nicht bald kam, sprang sie auf und stürzte fast Die Treppe hinunter, so eilig lief sie.

Endlich trat sie ins Zimmer. Ernst war auf­gesprungen und ging ihr entgegen. Aber es schien ihm plötzlich, als ob seine Beine seltsam weich seien, er stapfte nicht über einen mäßig weichen Teppich, sondern mitten durch dicke Watte. Es war wie im Traum, wenn man sich zu laufen bemüht unb nicht von der Stelle kommt.

Marianne streckte ihm die Hand entgegen und sagte:Guten Tag!", aber mitten im Wort brach ihre Stimme, und sie wurde glühend rot. Sie flau- den beide voreinander, ohne es zu wissen, sie stan­den lange so und sahen sich unentwegt an.

Plötzlich schlug ber Zugwind die Tür hinter Ma­rianne ins Schloß. Sie erwachten beide au» ihrer Versunkenheit und bemerkten erst jetzt, wie unge- hörig ihr Anstarren war. Sie wurden nun beide rot, und Marianne besann sich darauf, bah sie ble Gastgeberin machen sollte unb sagte förmlich: , «Wol­len Sie nicht Platz nehmen?" worauf Ernst hastig antwortete:Selbstverständlich, bitte sehr" unb ihr ftolpernb zum Sofa folgte.

Es entstand eine ratlose Stille. Es war fo schwer, einen Gesprächsstoff au inben, wenn man ba» ein­zige, was sie interessierte, nicht besprechen konnte, nämlich ihre Verliebtheit.

Vielleicht sehen wir Photographien an", schlug Marianne vor, al» sie ba» Album da liegen sah und griff danach, wie nach einem rettenden Stroh­halm, Ernst sagte wieder:Ader sehr gern, bitte lehr", und Mariannes kleine braune Hand blätterte die steifen Karton» der Seiten um.

Die Uhr tickte ganz leise in der Ecke, und bie Fliegen summten nur manchmal wie gejagt im Zimmer herum, um sich bann wieher auf ihren Liedlingsplatz an ber Lampenalocke zu setzen

Plötzlich schrie Marianne ,Dh!" unb hielt die Hanb über ein Bild. Ernst versuchte ihre Hand fort-

uns geschrieben: Sonntag, 22. Oktober, einmalige Wiederholung de» Erfolg-Gastspiel»Die vier Nach- richter" mit Ihrem Ensemble;Der Esel ist los". Stück mit Musik, Gesang unb Tanz in 9 Silbern, unter Mitwirkung des Theaterorchesters. Außer Abonnement. Preise von 0,50 bis 2,50 Mark. An- fang: 19.30 Uhr, Ende: 22 Uhr. Dienstag, 24. Oktober, vierte Vorstellung im Dienstag-Adon- nement ,4)ie Männer lind mal so", Lustspiel-Ope­rette von Walter Kollo. Operettenpreise. Spiel­dauer von 20 bi» 22 Uhr. Mittwoch, 25. Oktober, vierte Vorstellung im Mittwoch-Abonnement ,4>i» Männer sind mal so", Operettenpreise. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. Donnerstag, 26. Oktober, Deutsche Bühne", zweite Oktobervorstellung für ungerade Mitgliedsnummern (blaue «Mitglieds­karten)Die Freundin eine» großen Mannes", hei­teres Spiel um eine Bühne von Möller unb Lorenz Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. Freitag, 27. Ok- vierie Vorstellung im Freitag-Abonnement, »Wo die Lerche singt", Operette von Fran; Lehar. Operettenpreise. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. Samstag, 28. Oktober,Deutsche Bühne", zweit» Oktoberoorstellung für gerade Mitgliedsnummern (gelbe Mitgliedskarten)Die Hermannsschlacht", Freiheitsdrama von Heinrich von Kleist. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. Sonntag, 29. Oktober, außer Abonnement, die Lustspiel-Operette:Dis Männer find mal so". Ermäßigte Operettenpreise. Spieldauer von 19.30 bi» 21.30 Uhr.

Dom Konzertoerein wirb uns ge­schrieben: Der Gießener Konzertoerein, auf dessen Veranstaltungen vor kurzem an dieser Stelle hin­gewiesen wurde, eröffnet seine Saison am Sonn­tag, 5. November, 17 Uhr, in ber Aula ber Uni­versität mit dem 1. Solistenkonzert. Gewonnen wurde dazu Profesior Dr. h. c. Gustav Have - mann au» Berlin, der Führer de» Reichskartell» der deutschen Musikerschaft. Prof. Haoemann, hier ja schon rühmlichst bekannt, wird Werke von Bach, Beethoven und Schubert spielen. Sein Be­gleiter, Herr Theopold au» Detmold, spielt zu Den Diolinwerken die .Händel-Variationen von Brahms". Herr T h e o p o l D , ein noch junger, sehr talentierter Pianist, hat in Berlin eine ausgezeich­nete Presse erhallen. Auskunft über die wesentlich verbilligten Eintrittspreise und bas überaus gün­stige Abonnement erteilt Herr E. E h o l l i e r, Musikalienhandlung.

Der Krei »- Obst - und Gartenbau­verein Gießen veranstaltet am Freitag, 27 Ok­tober, 15.30 Uhr, im kleinen Saale bes Katholischen Dereinshauses feine außerordentliche Hauptver­sammlung. Die Tagesordnung sieht folgende Punkte vor: Neuorganisation im Obstbau; vorläufige Rech­nungsablage 1932 und Bestimmung eines kommis­sarischen Leiters. Auf die gestrige Anzeige sei be­sonders aufmerksam gemacht.

Schmuckausstellung Heinr. Küchel. Der Metallbildhauer Heinrich Küchel zeigt auch in diesem Jahre wieder, und zwar am heutigen Sams­tag (15 bis 19 Uhr) und am morgigen Sonntag (11 bis 18 Uhr), im Hotel Prinz Earl feine Ar­beiten. Der Künstler, der schon auf größeren Aus­stellungen in Berlin und Leipzig alle Beachtung sand, zeigt diesmal besonders Schmuckstücke in der Gestaltung nach alten nordischen Vorbildern, bie er an alten Heidefunden in NorddeutschlanD studieren konnte. Die Ausstellung Dürfte einen Besuch loh- nen. Auf die gestrige Anzeige sei hingewiesen.

Bohnen (grün) 15, Unterkohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 15 bis 20 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 25 bis 50, Schwarzwurzeln 20 bis 25, Kürbis 5 bis 7, Pilze 25 bis 50, Kartoffeln 3S Pf., Der Zentner 2,50 bis 2,80 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 18 Pf., Birnen 10 bis 15, Zwetfchen 10 bis 18, junge Hähne 65 bis 80, Suppenhühner 60 dis 70, Gänse 60 bis 75, Tauben, das Stück 40 bis 55, Blumenkohl 5 bis 25, Salat 3 bis 8, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 5 bis 20, Radieschen, das Bund 10 Pf.

Bornotizcn.

Tageskalender für Samstag. Evan­gelischer Bund: Stadtkirche, 19.30 Uhr, Evangeli­scher Abend Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz: 20 Uhr, Eaf6 Leib, Deutscher Abend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Hitlerjunge Ouex". Astoria - Lichtspiele, Seltersrocg:Die große Fahrt". Vereinigung ehemaliger hessischer Gre­nadiere: 20 Uhr,Hessischer Hof", Familienabend. Hotel Prinz Carl: 15 bis 19 Uhr, Ausstellung von Metallbildhauer H. Küchel (handgetriebener Silberschmuck). VfB.: 20.30 Uhr, Vereinsheim, Familienabend.

Tageskalender für Sonntag. Stadt­theater: 19.30 bis 22 Uhr, GastspielDie vier Nach­richter":Der Esel ist los". DHD. 10,30 Uhr: Besichtigung des Stadttheaters. Lichtspielhaus

Unser Rus ergeht selbstverständlich auch an die Handwerksmeister selbst! Ueberlege sich jeder, durch welche Aufträge er dem Kollegen, der Kollegin helfen kann.