Landesversammlung des Evangelischen Bundes in Offenbach.
Offenbach a. M., 20. September. (EPH.) Der Evangelische Bund hielt feine Landesoersammlung am Sonntag hier ab. Ueberaus stark war nicht nur das Interesse der Behörden an dieser Versammlung, sondern auch die Anteilnahme der Offenbacher evangelischen Bevölkerung. Schon
die Gottesdienste
des Sonntagvormittags in allen Kirchen Offenbachs und der näheren Umgebung waren überfüllt. In der Schloßkirche predigte Pfarrer Dr. Bergör (Darmstadt), in der Friedenskirche Pfarrer Eckhardt (Worms), in der Lutherkirche Pfarrer C o - l i n (Beerfelden) und in der Stadtkirche Pfarrer Weinberger (Friedberg). Nach den Gottesdiensten fand auf dem WUhelmsplatz eine
öffentliche Kundgebung
statt, en der nahezu 5000 Personen teilnahmen. Der Führer des Bundes, Landeskirchenrat B e r ck (Roßdorf), sprach von dem Bekenntnis des Bundes, das es gelte vor der Oeffentlichkeit abzulegen. Es ist ein Vierfaches und heißt: Evangelisch, prote st antisch, national und sozial. Der Redner schloß: „Laßt uns dieses Bekenntnis hineintragen in unsere Häuser und Straßen und die Werkstätten, da unsere Brüder stehen und ringen ums tägliche Brot. Möge der Herrgott in seiner Gnade dies vierfache Band auch durch diese Tagung des Evangelischen Bundes stärken. Nehme jeder von dieser Stunde und von diesem Tag den Ernst des Lutherwortes mit: „Niemand lasse den Glauben daran fahren, daß Gott durch ihn eine Tat will".
Oie irachmittagsversammlung
in der Turnhalle war so stark besucht, daß die große Halle die Menschen nicht zu fassen vermochte. Nach der Eröffnung durch die vereinigten evangelischen Posaunenchöre Offenbachs sprach Landeskirchenrat Berck ein Begrüßungswort, das besonders den Vertretern der kirchlichen, staatlichen und kommunalen Behörden galt Er erklärte bann: „Wir vom Evangelischen Bund haben den Doppeldienst Kirche und Staat zu unserem Programm erhoben. Der Staat ist uns, wie es Luther gelehrt hat, in demselben Grad eine Schöpfung aus der Gnade des Allmächtigen, wie die Kirche. Auch er steht im Dienste Gottes. In fast 50jähriaem Dienst ist der Evangelische Bund für die Durchsetzung dieser lutherischen Ideen eingetreten. Das Jahr 1933 hat uns die Erfüllung heißer Sehnsüchte gebracht."
Ministerialrat Ringshausen wies darauf hin, wie auch die nationalsozialistische Bewegung ein Glaube sei. Die beiden Kräfte, die in Luther lebendig waren. Vaterland und Glaube, sind auch im gegenwärtigen Staat verkörpert, Glaube ist Sache der Nation. Wir stehen zu derselben Freiheit, zu der Luther gestanden und die zugleich Gebundenheit an Gott und Vaterland ist. Der Redner schloß mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Dolkskanzler Adolf zitier.
Prälat D. Dr. Dr. Diehl erinnerte in seinem Grußwort an eine Entschließung evangelischer Pfarrer in Nidda 1549 und an ihren Glaubenstrotz. Er hob hervor, welch schweren Kampf die evangelische Kirche und ihr Prälat in den letzten 10 Jahren zu kämpfen gehabt hatten. Der Evangelische Bund hat in dieser Zeit immer in der vordersten Linie des Kampfes gestanden. Die Kirche will auch in der neuen Zeit mithelfen und mitarbeiten. An der alten Losung wird sie dabei festhalten, der Losung von der Vornehmheit des Dienens.
Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Professor D. Bornkamm führte aus, daß er nur im Namen von fünf Männern spreche: der Professoren der Theologie in Gießen. Er könne es, weil er fühle, daß der Evangelische Bund sich zu der Sache bekenne, die er vertrete, nämlich der evangelischen Theologie. Er zeigte, wie diese Theologie tm besonderen Verhältnis stünde zu Staat, Kirche und auch zum Evangelischen Bund. „Es ist mir ein Stolz, daß in den Zeiten, wo es nicht sehr populär war unter den Theologen, wir in der Mitarbeit am Evangelischen Bund gestanden haben. Wir mögen den Evangelischen Bund nicht missen. In der Berührung mit dem Leben kann sich die Theologie erst entscheiden und bewähren." Es soll so bleiben zwischen dem Evangelischen Bund und uns. Alle Arbeit steht unter dem Losungswort Philipps des Großmütigen: „Gottes Wort bleibt in Ewigkeit"
Oberbürgermeister Dr. S ch ö n h a l s (Offenbach) hieß den Evangelischen Bund in Offenbach willkommen.
Nach diesen Begrüßungswortrn hielt Pfarrer P r o b st (Frankfurt) einen Vortrag über das Thema der Tagung
Evangelium und Volkstum.
Der Redner verstand es, die innige Verbundenheit von Evangelium und Vaterland darzutun. In Bildern aus dem Kriegsleben schilderte er die Entwicklung der politischen und religiösen Verhältnisse in dem Deutschland der Nachkriegszeit, ferner die tapfere Verteidigung der evangelischen Kirche gegenüber dem Bolschewismus, den zermürbenden Stellungskampf und endlich die sieghafte Durchbruchsschlacht. Bei all dem sei evangelisches Kirchentum und deutsches Volkstum nicht zu trennen gewesen. In den kommenden Zeiten sei es die schwerste Aufgabe, die letzte Festung zu zerschlagen: das menschliche Herz in seiner Selbstsucht und Sünde. Diese Festung werde allein durch das Evangelium überwunden. Mit einem Appell an die Zuhörer schloß der eindrucksvolle Vortrag.
Als zweiter Redner sprach Dr. M a n i t i u s von der Reichsgeschäftsstelle des Evangelischen Bundes in Berlin über das gleiche Thema. In klarer Rede wußte er das unzerstörbare Verhältnis von Evan- gelium und Vaterland darzustellen. Jetzt klinge der alte Klang, Evangelium und Volkstum, wieder von neuem. Im Grunde fülle er das ganze Leben der Menschen aus. Das Volkstum sei der Ort in der Zeit, in der Geschichte, wo Evangelium verkündet werden solle und wo es wirksam werde. Das alte Evangelium breche sich mannigfach in den Völkern der Erde. Das sei unsere große Freude, daß es auch mit der deutschen Art sich vermähle, daß wir eine Sendung haben an die Welt. Die Kirche habe die Aufgabe, das unveränderliche Evangelium dem Volke immer neu zu schenken. Die Verknüpfung des deutschen Volkstums mit evangelischem Christentum sei unsere Hoffnung.
Am Abend fanden sich noch einmal viele Hunderte tm Evangelischen Vereinshaus zur
Abendversammlung
zusammen. Der Superintendent der Provinz Ober» kirchenrat Dr. Müller umriß die Tätigkeit des
Evangelischen Bundes im Kampf um den deutschen Menschen protestantischer Prägung im Dienste des deutschen Volkstums. Nach weiteren Grußworten und einer Ansprache von Dr. M a n i t i u s (Berlin) sprach Pfarrer Dr. B e r g 6 r (Darmstadt) zum Thema des Tages. Er ging aus von dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald und der geschichtlichen Bedeutung des Kampfes zwischen Germanentum und Römertum, der sich durch zwei Jahrtausende deutscher Geschichte bis in unsere Tage fortsetze. In geistigem Kampfe werde diese Auseinandersetzung heute fortgeführt werden müssen Donf Evangelischen Bund. Wie die Inschrift am Hermannsdenkmal lehre, werde der Kampf nur dann siegreich sein, wenn er geführt werde in deutscher Einigkeit. Mit einem Bild aus Danzigs Rathause schloß die Mahnung zur Einigkeit und mit ihr die bedeutsame Tagung des Evangelischen Bundes in Offenbach am Main.
Am Montagmorgen versammelten sich zahlreiche Abgeordnete des Bundes zur
Vertreterversammlung und Arbeitstagung.
Nach der Entgegennahme des Jahres- und Kassenberichtes, sowie des Berichtes des österreichischen Hilfsausschusses wurde dem Bundesführer, Landeskirchenrat Berck (Roßdorf), eine Ermächtigung zuteil, von sich aus die für das Bundesleben erforderlichen Maßnahmen, namentlich auch im Hinblick auf die Vereinigung der benachbarten Hauptvereine im Gebiet der Großhefsifchen Kirche, zu treffen.
Zm 100. Lebensjahr gestorben.
Dillenburg, 20. Sept. (WSN.) Im Kreisort Waldaubach ist dieser Tage der Landwirt Joh. Peter Scheid im 10 0. Lebensjahr g e - ft o r b e n. Es handelt sich um den ältesten Mann des Kreises Dillenburg.
Einweihung eines Wichernheinies in Mainz.
EPH. Mainz, 20. Sept. Die Gedenkfeier an das 100jährige Bestehen des Rauhen Hauses, der großartigen Schöpfung Johann W i ch e r n s, des Vaters der Inneren Mission, in Hamburg, wurde in Mainz in besonderer Weise begangen. Nachdem der evangelischen Gemeinde aus Neichsbesitz das Haus Schillerplatz 9 auf längere Zeit überlassen worden ist, wird der evangelische Jugend- und Wohlfahrtsdienst dort unter Leitung von Jugendpfarrer Page und Direktor Matthes seine umfangreiche Tätigkeit entfalten.
Aus Anlaß der Weihe dieses nach Wichern benannten Hauses fanden in allen evangelischen Kirchen von Mainz Festgottesdienste statt. Führende Männer der Inneren Mission in Hessen standen auf den Kanzeln, ebenso war die Kirchenbehörde durch Prälat D. Dr. Dr. Diehl und Vizepräsident Dr. Dahlem vertreten. Ein F e st a k t im Sitzungssaal des Heimes brachte nach einem Vortrag vom Direktor der Diakonissenanstalt Karlshöhe, Pfarrer M ö ß n e r, über „Wichern und die Gegenwart" die Glückwünsche der Behörden und anderer Wohlfahrtsorganisationen. Gleichzeitig konzertierten die vereinigten Posaunenchöre auf dem Schillerplatz vor dem Hause unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung.
Nachmittags marschierten unter Vorantritt ihrer Fahnen und Wimpel die Evangelischen im geschlossenen Zuge nach dem ebenfalls neu übernommenen Platz hinter dem ehemaligen Fort Bingen, der im Laufe des Sommers von freiwilligen Kräften in eine Volkserholungsstätte umgewandelt worden ist. In früheren Kasematten sind viele Räume für die Unterbringung von Gästen und die Veranstaltung von Speisungen geschaffen worden. Ein Friedrich-B nbeck-Haus,so benannt nach dem früh vers! nen Gründer der Mainzer evangelischen Winterh.^e, bildet den Mittelpunkt des geräumigen Platzes, der fortan den Namen „W i - chernhöhe" tragen soll und durch Oberkirchenrat Zentgraf- Mainz feiner Bestimmung übergeben wurde.
Den Abschluß des Nachmittags bildete fröhliches Treiben der Jugend und Konzert der Bläferchöre.
„Zum Rhein, zum Rhein!"
Huldigungsfahrt zum Erntedankfest. — Eine großzügige Veranstaltung des Kampfbundes für deutsche Kultur.
Halb acht Uhr: Die ersten Rauchwölkchen steigen auf und ziehen durch das rnorgenfrrsche Sitzungszimmer. Berichte über Reisen und Verhandlungen werden erstattet. In sich versunken sitzt der Mann von der Organisation hinter seiner großen Pfeife. „Festschiffe werden gestellt von ..Plötzlich wird der Pfeifenmann munter, das gehört in sein Ressort, er ist für die Abfahrtszeiten der Schiffe verantwortlich und schnell ergänzt er feine Liste. — Der künstlerische Leiter macht sich Notizen. Skizzen über den Ausbau der vielen Festschiffe gehen ihm zu, er prüft, ändert, entwirft, um den Schiffsfestzug so eindrucksvoll und malerisch wie nur möglich zu gestalten. — Der Derkehrsmann berichtet von Derkehrszahlen, der Anforderung von Sonderzügen. — Ein Plakatentwurf wird schnell geprüft, der Drucker wartet ... die Zeit drängt!
Stichwortartig folgen Situationsberichte und Anweisungen. Ein Telephonanruf jagt den andern. Anmeldung folgt auf Anmeldung; bald wird der eine, bald der andere Referent zu einer Auskunft, zu einer kurzen Besprechung gerufen. Unter flinken Händen lichtet sich der Berg von Postsachen. Die vielen Arbeitsmappen füllen sich.
Dom Rhein, Main, der Lahn, Mosel, Nahe, dem Neckar häufen sich die Telegramme. Sie lassen ahnen, wie volkstümlich, wie groß und eigenartig die 23er»
Obecheffen.
Verlobung im Licher Fürstenhaus.
— Lich, 20. Sept. Gestern verlobte sich auf Jagdschloß Hoppenrade bei Löwenberg in der Mark Seme Durchlaucht Erbprinz Dr. Hermann Otto zu Solms-Hohensolms-Lich mit Freiin Gertrud von Werthern, Tochter des Freiherrn Heinrich von Werthern auf Schloß Groß-Neuhausen bei Erfurt und seiner Gemahlin Anneliese, geb. Gräfin zu Stolberg-Wernigerode. Die Braut steht im 20. Lebensjahr. Erbprinz Hermann Otto wurde geboren am 12. Dezember 1902 als Sohn des Fürsten Reinhard zu SolmsHohen- solms-Lich und feiner Gemahlin Marka, geb. Gräfin zu Solms-Sonnenwalde. Nach Beendigung feiner landwirtschaftlichen Studien promovierte er zum Dr. phil. Bei den großen Flugtagen zeichnete er sich als Sport- und Kunstflieger besonders aus, auch am Deutschlandflug nahm er teil. Die Bevölkerung unserer Stadt nimmt freudigen Anteil an der Verlobung und bringt ihre herzlichen Glück- und Segenswunsche dar.
Jugendtreffen in Holzheim.
> Holzheim, 20. Sept. Am Samstag und am Sonntag sand hier das erste Treffen des neugebildeten Stammes „F a l k e n ft e i n" statt. In den Nachmittagsstunden des Samstags trafen bereits einzelne Gruppen ein. Am Abend fand auf dem Sportplatz eine Kundgebung statt. Ein Holzstoß wurde entzündet, die neue Fahne des Stammes Falkenstein durch den Dberjungbanm führer Rupprecht Hainer (Butzbach) geweiht und dem Stammesführer Klotz (Holzheim) überreicht. Ferner wurden noch einige Wimpel verschiedener Jungzüge geweiht. Im Anschluß daran fanden Spiele und Gesänge der Jungens statt. Am Sonntag um 6 Uhr wurde geweckt. Um 8 Uhr wurde ein Feldgottesdienst am Kriegerdenkmal abgehalten. Das Mittagessen wurde durch den BdM. Golzheim zubereitet und schmeckte den Jungens vortrefflich. Einen Umzug durch die mit Fahnen geschmückten Straßen des Dorfes folgten Spiele und Gruppenwettkämpfe auf dem Sportplätze. Der Jungvolkzug Gambach errang dabei den 1. Sieg, für den ihm vom Stamm ein Wimpel überreicht wurde, der bei dreimaligem Sieg in dessen Eigentum übergeht. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes wurde das Treffen beendet.
Landkreis Gießen.
00 Klein-Linden, 20. Sept. In einer Versammlung der NSDAP., Zelle Klein-Linden, die im Saale des Gasthauses „Zur deutschen
anftaltung des Kampfbundes für Deutsche Kultur werden wird.
Aus den Angeboten und Prospekten von Pyrotechnikern, Schaustellern und Künstlern wachsen unter Wahrung des kulturellen Gedankens, den die Veranstaltung trägt, buntbewegte Dolksparks, ersteht die festlich-schöne Beleuchtung des Rheinufers, das Höhenfeuerwerk auf dem Ehrenbreitstein mit all den glitzernden Sternen, den zischenden Raketen und den über den Himmel gestreuten Gold- und Silbergarben.
Richtlinien, Dienstanweisungen unterrichten in schneller Folge die örtlichen 23eranftalter, schriftlich und telephonisch jagen Anfragen und Antworten hin und her. Es muß für vieles gesorgt, gar vieles bedacht werden, bis alles reibungslos klappt. Die Unterstützung der Regierung hilft da und dort auftauchende Schwierigkeiten beseitigen.
Der Grundton, der aus allem klingt, der alle Arbeit, selbst in den kleinsten Orten beherrscht, ist der einer ehrlichen Begeisterung, einer freudigen Hingabe an die kulturelle Aufgabe, die die Veranstaltung des Kampfbundes für deutsche Kultur erfüllen will.
D.e Freude am Werk hilft die Arbeit beschleunigen, reißt alle mit sich. Knapp fünf Wochen galten der Vorbereitung, noch vierzehn Tage find zur Verfügung — die Zeit drängt.
Eiche" abgehalten wurde, sprach die Führerin der NS.-Frauenschaften des Kreises Schotten, Frau B r i n k h o s - Laubach, über Zweck und Ziele der NS.-Frauenschaften. Frau Dr. Harth- Allendorf (Lumda) gab Auskunft über den Ausbau der NS.» Frauenschaft. Anschließend regte Zellenleiter Dr. Crößmann die Gründung einer Ortsgruppe der NS. -Frauenschaft an, die vorgenommen wurde. Mehr als 40 der anwesenden Frauen erklärten ihren Beitritt. Mit der Leitung der Ortsgruppe wurde Frau Dr. Crößmann beauftragt. Mehrstimmige Chöre des BdM. umrahmten die Gründungsfeier.
5 Steinbach, 20. Sept. Die Zahl der Konfirmanden ist dieses Jahr gegen die Vorjahre ab 1930 mehr als doppelt so groß. In A l b a ch sind es 6, 4 Jungen und 2 Mädchen, gegen 3 Mädchen im Vorjahre. In Steinbach wurden 15 Jungen und 12 Mädchen gegen 6 Jungen und 5 Mädchen im Vorjahre ausgenommen in den Unterricht. Einschließlich eines Kindes von außerhalb besuchen 34 Kinder in diesem Jahre die Konfirmandenstunde. — Der Evan g. -kirchliche Frauenverein (Frauenhilfe) und der Evang. Frauenchor machten am Sonntag ihren diesjährigen Ausflug nach Marburg. Nach dem Gottesdienst ging die Fahrt mit zwei Postautobussen nach dem Reiseziel. In Marburg wurden die Elisabethkirche und das Schloß besichtigt, auch sonst die malerische Stadt bergauf und bergab durchwandert. Im Melanchthonhause fand auf dessen schöner Terrasse die Rast statt, die allen nach dem vielen Sehen und Treppensteigen sehr wohltat. Bei fröhlicher Unterhaltung und Gesang verging rasch die Zeit. Nach einem Spaziergang der Lahn entlang erfolgte dann die Heimfahrt. Die Lieder während dieser Fahrt durch die abendlichen Fluren zeigten, daß es die Frauen und Mädchen unserer Vereine nicht bereut hatten, nach den sauren Wochen der Erntearbeiten ihren durch den Pfarrerwechsel verschobenen Ausflug noch im Herbste gemacht zu haben.
f. ©rüningen, 20. Sept. Gestern vormittag ging ein Personenkraftwagen kurz vor unserem Ort auf der Straße Langgöns—Grüningen durch einen Vergaserbrand in Flammen auf. Der Besitzer konnte sich noch retten, bevor der Benzintank explodierte. Der Wagen brannte bis auf das Fahrgestell nieder.
* Obbornhofen, 20. Sept. In dem Bericht über die epidemischen Erkrankungen in unserem Orte (vgl. Nr. 217 des „Gießener Anzeigers" vom 16. Sept, Drittes Blatt) mußte es in der 8. Zeile von unten nicht Atmungserkrankungen, sondern Mumpser kcankungen heißen.
ch Lauter, 20. Sept. In einer sehr gut Be« suchten Bauernversammlung in der Wirtschaft des Bürgermeisters Pitz sand die Grün» düng einer Ortsgruppe der Hessisch» Nassauischen Bauernschaft statt. Bürgermeister P i tz leitete die Versammlung und ernannte den Metzger und Landwirt Hrch. Keil zum Führer der Ortsgruppe.
Kreis Friedberg.
WSN. Friedberg, 20. Sept. Der 26jährige Sohn eines Schreinermeisters aus Rodheim vor der Höhe wurde auf der Straße vor Nieder» Wöllstadt mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden. Im hiesigen Bürgerhospital ist der junge Mann bald darauf g e ft o r b e n. Wie oer- lau tet, soll ein fremd er Radfahrer, mit dem der junge Mann zusammengestoßen war, diesem die todbringenden Verletzungen beigebracht haben.
Kreis Büdingen.
* Nidda, 20. Sept. Die Schülerzahl in hiesigen allgemeinen und gewerblichen Berufs« schulk 1 assen ist z. Z. sehr gering, etliche Klassen werden nur von 8 bis 10 Schülern, ebenso die Hand- werkerklassen der Filialorte teilweise nur von zehn Schülern besucht. Der Zuwachs im Oktober d. I. durch Schülerinnen) aus der Landwirtschaft dahier und der Umgebung ist ebenso gering, so daß bei der zu erwartenden Neuorganisation die bett. Klassen voraussichtlich nicht alle aufrechterhalten werden können.
△ Nidda, 20. Sept. Der Metzger und Wirt Samuel Salm, hier, verkaufte sein Geschäftshaus in der Mühlstraße an feinen Nachbar, Bäckermeister Philipp Rank, für 7000 Dtark und fein kleineres Haus an der Ecke Mühlstraße-Schillerstraße an den Nebenläger Spenglermeister (3eorg Rr em b e r für 4000 Mark. Salm will in Kürze nach Amerika auswandern, wo er schon vor drei Jahren einige Zeit als Metzger beschäftigt war, während feine Frau das hiesige Geschäft allein weiterführte. — Manufakturwarenhändler Max Katz verkaufte sein Geschäftshaus Markt Nr. 16 an den Leiter der hiesigen Filiale der Firma Schade & Füllgrabe, Frankfurt a. M., Kaufmann H. Schnell, der schon viele Jahre hier das genannte Lebensmittelgeschäft mit gutem Erfolg geführt hat. — Weiter schweben noch zur Zeit Verhandlungen über den Verkauf des Kasinogebäudes, das der hiesige Ortsgruppenverband der NSDAP, von der Kasinogesellschaft erwerben will.
* Nidda, -20. Sept. Am ^amstagnadjmittag hielt der NS.-Lehrerbund' des Kreises Büdingen hier im Gamdrinussaale seine Kreismitglie« deroersammlung ab, wozu fast sämtliche Lehrkräfte des Kreises, etwa 170 Personen, erschienen waren. Der Vorsitzende, Studienrat Dr. C u l m a n n von hier, wies auf die eindrucksvollen Erlebnisse hin, die er auf der Reichsparteitagung in Nürnberg ausgenommen habe. Besonderen Gruß entbot er dem neuen Kreisleiter der NSDAP., Oberstudiendirektor Dr. Heiland aus Büdingen, und Schulrat Dr. Weigand aus Friedberg. Als neuer Amtsleiter wurde Studienrat Lind- Büdingen und als Prefsewart für den nach Offenbach a. M. versetzten Lehrer Reitz- Borsdorf Lehrer Fritz Geiger- Nidda ernannt. Ferner wurden für einige Arbeitsgemeinschaften Arbeitsleiter bestimmt. Dann erteilte der Vorsitzende dem Studienrat Dr. G r a f = Rüsselsheim das Wort zu einem äußerst lehrreichen und wissenschaftlich tiefgründigen Vortrag über „Allgemeine und menschliche Erblichkeitslehre als Grundlage der Rassenpflege". Unter Zuhilfenahme von Lichtbildern führte der Redner die Versammlung in klarer Weise in die Gesetze der Beerbung ein und gab Aufschluß über die Fragen: „Was wird vererbt und was nicht?" Großer Beifall und herzliche Dankesworte des Vorsitzenden lohnten den Redner, der demnächst einen weiteren Vortrag als Fortsetzung desselben Themas halten wird. Zum Schlüsse wurde noch eine Besichtigung der historisch außerordentlich wichtigen und interessanten Ausgrabungen auf der Glauburg bei Stockheim mit den einzelnen Schulklassen empfohlen. Das Lehrer- Streichorchester trug durch mehrere treffliche Musikstücke zum schönen Verlauf der Tagung bei. Sie wurde mit Gesang der ersten Strophe vom Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied und dreimaligem „Sieg Heil" auf Reichspräsident und Volkskanzler Hiller geschlossen.
Schöffengericht Gießen.
Der Metzger W. D. aus Friedberg kollidierte fm Juni mit seinem Auto auf der Durchfahrt in Okarben mit einem landwirtschaftlichen Fuhrwerk dergestalt, daß der Führer durch das Scheuen feiner Pferde so unglücklich vom Wagen fiel, daß er bald darauf verstarb. I. hatte sich heute wegen fahrlässiger Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu verantworten. Der Angeklagte galt nach Aussage der Zeugen als überführt. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, nachdem der Staatsanwalt eine solche von sechs Monaten beantragte. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last.
Dem Holzarbeiter Wilhelm Jäger aus Lauterbach, der seinerzeit der KPD. angehörte, legte die Anklage zur Last, strafbare Handlungen im Sinne der §§ 185 ff. RStGB. und des § 3 der Verordnung hes Reichspräsidenten zum Schutze der Regierung gegen heimtückische Angriffe begangen zu haben. Als das Vermögen des Arbeiter-Radfahrervereins von Lauterbach beschlagnahmt wurde, bezichtigte er die damit beauftragten SS.-Leute des Diebstahls. Der Staatsanwalt beantragte die gesetzliche Mindeststrafe von drei Monaten. In Anbetracht des stark angetrunkenen Zustandes, in dem sich der Angeklagte damals befand, belegte ihn das Gericht mit einer Geldstrafe von 50 Mark und den Verfahrenskosten.
In einem anderen Falle machte ein Kaufmann aus Koburg in einem hiesigen Lokal die NSDAP, verächtlich, indem er ihre Mitglieder „Verbrecher" nannte. Das Gericht verurteilte den Angeklagten koftenfällig entsprechend dem Antrag des Anklagevertreters zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten.
Wegen unbefugten Waffen- und Sprengstoff- befitzes hatte sich der Gast- und Landwirt Adolf Marx von Münster zu verantworten. Nach Anhören des Sachverständigen beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Das Urteil lautete auf vier Monate G e - f ä n g n t s , außerdem Einziehung der Waffen. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.)
TB. Sch., fiL-C. In dieser Sache hat iSan Ihnen einen schlechten Scherz aufhängen wollen, denn in Wirklichkeit ist der geschilderte Vorgang völlig ausgeschlossen.


