Donnerstag, 21. September 1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 221 Drittes Blatt
Das Münchener Oktobersest eröffnet
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Znö Konzentrationslager verbracht.
Herborn, 20. Sept. (WSN.) In Mornshausen a.d. Salzböde hatte sich ein hiesiger Einwohner in einer Gastwirtschaft staatsfeindlich gegen die Regierung ausgesprochen. Er wurde sofort verhaftet und einem Konzentrationslager zugeführt.
Autounfall des Polizeidirektors Hauer.
WSN. E b e r st a d t, 20. Sept. Der gestern zum kommissarischen Polizeidirektor in Darmstadt ernannte Brigadeführer Hauer erlitt in der vergangenen Nacht hier einen A u t o u n f a l l, bei dem er einen Knöchelbruch davontrug, so daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Das Auto wurde stark beschädigt. _______________
ich hiermit alle Mers- Oie (Einlabunq ttgtty w mMW, tön V ^x 'öOX* tmyWu mtibm konnten, t yi ermitteln waren. 3d) feinen Bereinigungen, mir 1er mitguieilen, wieviel Milan dem Kommers sich be- abe ist wegen der Regelung ^forderlich.
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n e r mit Anerkennung zu erwähnen. Werner Richard H e y m a n n schrieb die Musik zu diesem Film, der, nach dem Besuch am ersten Tage zu schließen, auch bei uns seine allenthalben bewiesene Anziehungskraft nicht zu verfehlen scheint. — 3m Beiprogramm findet man u. a. ein nettes Lustspielchen mit Hans Brause wett er und die neue Wochenschau. So wird man zwei Stunden lang abwechslungsreich und anregend unterhalten.
ßin englischer Gigant der Lüste bei Brooklands abgestürzt.
„Saison in Kairo."
Lichtspielhaus.
Reichsstatthalter General von Epp und neben ihm links der bayerische Ministerpräsident Sie b ert beim Rundgang durch die Landwirtschaftsausstellung, dem Mittelpunkt des berühmten Oktoberfestes.
Das Prunkstück der Ausstellung, ein sieben Meier breites Flugzeug, das völlig aus toeipe i 45 wurde. Zur Herstellung wurden nicht weniger als 100 Zentner Seife gebraucht.
Kirchweihe im alten Oeutsch-Ostafrika.
Eindrucksvolle Bilder, die den unvermittelten Gegensatz zwischen dem Eindringen der Zivilisation und dem Fortbestehen der alten Sitten im früheren Deutsch-Ostafrika zeigen, entfalteten sich bei der Einweihung der neuen Schottischen Kirche zu Ki- kuju, über die aus Nairobi berichtet wird. Das Gebäude steht auf der Spitze eines grasbedeckten Felsen, dessen Abhänge hie und da mit Baumen betäuben sind. Rings um diesen Hügel versammelten ich nun Tausende von Männern, Frauen und Kin- Dem des Wakikuju-Stammes, die an der Feier teilnahmen. Die Frauen waren vielfach in bunte Gewänder aus Seide oder Baumwolle aekleidet; die Mehrzahl der Männer trug europäische An- züge mit Kragen und Schlips und weiche Hüte. Aber mitten zwischen diesen befanden sich Hunderte von Männern und Frauen in der alten Tracht aus Fellen und Tüchern. Manche der jünaeren Frauen trugen bunte Perlenkronen auf den Köpfen, einige Männer waren bis auf den Lendenschurz nackt, die Körper eingefettet und bemalt, die Köpfe mit Federn geschmückt. Diese Versammlung wurde in Ordnung gehalten durch andere Wakikuju, die die Pfadfinder-Uniform trugen. 3n der Kirche drängten sich an die 3000 Menschen, darunter ein paar Hundert weiße Männer und Frauen, die in der Mitte eingekeilt waren. Schottische Geistliche und afrikanische Priester, alle in ihren Amtsroben, nahmen an dem Goitesdienst teil, und die Kirche erdröhnte wider von den bekannten Kirchenliedern, die z. T. auf englisch, z. T. in der Sprache der Afrikaner gelungen wurden. Während der Ansprache und der Gebete hörte man bisweilen das helle Schreien und Weinen der schwarzen Babys, die, in bunte Tücher eingebündelt, auf den Rücken ihrer Mütter thronten. Ob durch Zufall oder im Gefühl ihrer Wurde, jedenfalls hatten die alten Häuptlinge in den -vordersten Reihen Platz genommen. Da saßen Jie mit ihrem Kopfschmuck von wehenden Straußenfedern, die Gewänder aus Affenfellen malerisch Umgebungen, die Gesichter mit roter und gelber Farbe verschmiert, ihre hohen reichgeschnitzten Amtsstabe in den Händen. Die Ohren waren schwer belastet mit Schmuck aus Kupferdraht. Sie waren die eindrucksvollen Vertreter des alten Afrika. Hinter ihnen kamen die Reihen des jüngeren Geschlechts, alle europäisch gekleidet, mit schöngebundenen Bibeln bewaffnet, aus denen sie eifrig beteten. Sie verkörperten den Vortrupp des neuen Afrika, der in den Regierungsbüros, im Eifenbahndienft oder hinter dem Ladentisch schon europäische Sitten angenommen hat. Der „Klingelbeutel", der aus verschiedenen
trennte und sich der Freidenkerbewegung anschloß, die theosophische Weltbewegung geführt und das Erbe der russischen Mystikerin B l a o a t s k y ver- waltet. Als einzige europäische Persönlichkeit ist Annie B e s a n t in die Brahmanenkaste ausgenommen worden. ,
Annie Besant lehrte die Abkehr vom europäischen Wissen und die Vertiefung, die Konzentration, die Versenkung in das Göttliche. Sie verschmolz ober suchte zu verschmelzen die passive Duldungslehre des Indertums mit gewissen europäischen Vorstellungen, und sie glaubte nach langem Harren in dem Inder Kr ishnamurti die Reinkarnation, also die leib- liche Wiederkehr des Buddha, gefunden zu haben, zog sich aber später enttäuscht von ihm zurück. Auch vermochte sie als Enländerin nicht, sich mit den politisierenden Jung-Indern zu vertragen. — Vot ihrem Hinscheiden setzte Annie Besant ihren ©laubigen auseinander, daß sie als einfacher Hindu zum zweiten irdischen Wandel zurückkehre und die Welt aus dem Unglauben erretten werde.
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Oer Chirurg Lorenz Heister.
Der Mann, der das Ansehen der deutschen Chirurgie begründete und eine wissenschaftliche Wundarzneikunde in Deutschland schuf, Lorenz H c i st e r , erblickte vor 250 Jahren in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Bei den Hollandern, die damals in der Medizin mit an der Spitze standen, erhielt er seine Ausbildung und brachte den Gebrauch der Geburtszange nach Deutschland mit, den er durch Johann Palfyn tenncngelernt hatte Er wirkte dann an der Universität Altdorf und von 1720 ab an der von Helmstedt bis zu seinem Tode am 18. April 1758. Seine Bedeutung beruht in erster Linie auf feinem 1718 erschienenen Lehrbuch der Chirurgie, das das erste derartige Werk in deutscher Sprache war, weite Verbreitung fand und in alle europäischen Sprachen übersetzt rourbe. In dieser Arbeit, in der nach dem Titel „alles, was zur Wundarznei gehört, nach der neuesten und besten Art gründlich abgehandelt wird , ist auf Grund eingehender anatomischer Studien, sowie langjähriger praktischer Erfahrung und genauer Kenntnis des damaligen medizinischen Schrifttums ein Uebcrblitf über das ganze Gebiet der Wundarznei gegeben. Eine kleine Ausgabe dieses Hauptwerkes wurde zum Handbuch für alle Wundärzte und Bader. Heister beschäftigte sich aber dar- in auch mit der Kosmetik und gibt z. B. folgende Anweisungen: „Wenn eine gelbliche oder schwärzliche Kruste die Zähne Überzieht, so verursacht solches nicht nur besondere Häßlichkeit, sondern auch üblen Geruch des Mundes. Zur Präservation ist dienlich ein gutes Zahnpulver ein oder zweimal wöchentlich zu gebrauchen. Als solches werden präparierte Krebsaugen, zerstoßene Perlmuttermuscheln und Kreide mit Violwurzel versetzt." Heister war aber nicht nur Chirurg und Anatom, sondern be- saß auch große Kenntnisie in den Naturwissenschaften. Den Botanischen Garten in Helmstedt gestaltete er zu einer Musteranlage aus und schuf em großes Herbarium, das 98 Bände mit je etwa 70 getrockneten Pflanzen umfaßte.
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großen Tellern bestand, wies neben Geld viels andere Gaben auf, wie z. B. Eier und Mais- kolben. Viele Teilnehmer hatten Ziegen und Schafe als Spenden für die Kirche mitgebracht.
Oie Theosophin Annie Besant f.
In Adjar (Indien) ist die bekannte Theosophin Dr. Annie Besant im Alter von 86 Jahren g e • ft o r b e n. Fast ein halbes Jahrhundert lang hat Annie Besant, die sich nach fünfjähriger Ehe von dem Pfarrer der Englischen Hochkirche Frank Besant
Das Lichtspielhaus eröffnete gestern Winterspielzeit mit dem feit langem angekundigten großen Ufa-Film „Saison in Kairo". Das Kmo- publikum feierte nach geraumer Unterbrechung cm fröhliches Wiedersehen mit zweien seiner liebsten Lieblinge: mit Renate Müller und Willy Fritsch. Die Ufa Hai es sich wieder was kosten lassen und stellt ihre Leute in einer ganz neuartigen und ungewohnten Umgebung vor die Scheinwerfer; sie hat eine kleine Expedition nach Aegypten ausgerüstet und hat die lustspielmaßige Handlung dieses unterhaltsamen Films (Manuskript ' Walter' Reisch) im Lande der Pharaonen gedreht am Rande der Wüste, vor den weißen Mauern und Türmen von Kairo, im Schatten der Pyramiden und der großen Sphinx, unter Palmen und mit einem beträchtlichen Aufwand stilechten Kolorit-, mit Kamelrennen, mit Reiterkavalkaden, mit wilden Beduinentänzen und einem originalägyptischen Hochzeitszug — alles für die Fremden und alles fürs Publikum. Dabei war für den Regisseur Reinhold Sckünzel dieses bunte, bewegte, fremdartige Panorama 'fast ebenso wichtig wie die eigentliche Spiel- handlung, die, ziemlich locker gefugt, auf einer schwankmäßigen Verwechslung und einer Anzahl grotester Situationseinfalle beruht. Höhepunkte des Films find die weiträumig gesehenen, malerischen und gut geschnittenen Landschaftsaufnahmen. Ein Augenblick heiterster Komik: der Aufbruch der kamelreitenden Europäer zum Hochzeitszug in die Wüste. Willy Fritsch ist noch immer der sym- vatbische und unternehmungslustige große Junge, als den seine zahlreichen Freunde ihn hebgeroon- nen haben. Renate Müller, deren Ausstieg w.e man sich erinnern wird, mit der "P/'uatsekretarin begann ’ ift hier durch den Charakter ihrer Rolle ein wenig an der vollen Entfaltung ihrer Fähigkeiten gehindert. (Man darf darau gespannt fern ob nickst doch noch einmal ihr L.eblmbswun ch, die große Katharina von Rußland zu spielen, in E Füllung geht.) Mindestens in einem Atem mit Dielen beiden Lieblingen muffen aber zwei minder populäre Darsteller der älteren Generation genannt werden: Leopoldine Konstantin und Gustav Waldau. Sie sind beide ausgezeichnet; die Konstantin entfaltet ihren angeborenen Charme und ihre natürliche Heiterkeit im Zusammenspiel mit einem Partner, der einer der herrlichsten Bonvivants der deutschen Bühne gewesen ist. Von den übrigen sind Jakob Tiedtkeund Anton Point-
e.n her Räbe der Rennbahn bei Brootlands stürzte eines der größten englischen Militärflugzeuge und wurde vollkommen"zertrümmert. Der Pilot wurde getötet und mehrere Mann der Besatzung schwer verletzt. _____________________
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Die große Stadthalle in Hannover, in deren Kuppelsaal die Führerbesprechung stattsinden- wir^ - Unks der Stabschef der SA., Röhm, und rechts Re.chsmimfter Seldte, die die Ansprachen hatten werden.
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