Ausgabe 
21.9.1933 Erstes Blatt
 
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Polizeibericht

her Staatspolizeistelle Gießen.

Am Montag, 18. September, wurden sieben Per­sonen aus den Kreisen Friedberg, Gießen und Schotten, sowie aus der Stadt Gießen wegen anti­nationalem Verhalten in das K o n z e n t r a t i o n s. lager Osthofen übergeführt.

Zwei Männer aus Trohe wurden vorübergehend feftgenommen, weil festgestellt worden war, daß dem einen ein Brief zugegangen ist mit einem illegalen kommunistischen Flugblatt.

Bei dieser Gelegenheit wird nochmals darauf hin­gewiesen, daß jeder verpflichtet ist, zwecks Vermei- düng von Strafverfolgung, irgend welche zuge- schickten Flugblätter und sonstige illegale Schriften sofort der Staatspolizeistelle Gießen oder der näch­sten Polizeidienststelle abzuliefern.

Oie Bettlerplage.

1064 Bettler an einem Haus in knapp 9 Monaten!

Es ist sehr zu begrüßen, daß nun auch gegen den wilden Bettel von feiten Der Regierung vorgegangen wird. Wie groß dieser Unfug gewor- den ist, geht daraus hervor, daß an der Tur des Pfarrhauses zu Lang-Gons das an her großen Straße Frankfurt Kassel liegt, vom 1. Januar 1933 bis 18. September nicht weniger als 10 64 Menschen um eine Unter- stützung gebeten und zum größten Teil auch er- hallen haben. Der Evangelische grauen- verein in Lang-Göns hat in den beiden letzten Wintern bei wöchentlich dreimaliger frei-

Kind verdienender Eltern die Beibringung des Pfennigs. Die in den einzelnen Klassen gesammel­ten Monatsbeträge sind jeweils sofort an den Lei­ter der Schule abzuliefern, der die Betrage zunächst in Verwahr nimmt und vierteljährlich an den Gau Main-Rhein-Lahn-Fulda des Jugendherbergesver- bandes in Frankfurt a. M., Hansa-Allee 150, Post- scheckkonto Frankfurt a. M. 472 48, zahlt.

Die vierteljährlich an den Gau gezahlten Bettäge werden von den Rektoren usw. an den Volks­schulen unter Angabe der Schülerzahl und der Monatsbeträge an das zuständige Kreis- oder Stadtschulamt und von letzteren an uns gemeldet. Die Direktionen und Leiter der Höheren Schu- len haben die vierteljährlichen Zahlungen an den vorerwähnten Gau unter Angabe der Schülerzahl und der Monatsbeträge unmittelbar an uns zu melden. Die Meldungen aller Schulen müssen |- testens am 15. der Monate Januar, April, Juli und Oktober hier vorliegen.

Ein Vertreter unserer Ministerialabteilung wird in die Leitung des Gaues berufen, um einen Ein­blick in die Verwendung der gesammelten Beträge zu habend

Mehr Mui!

Der Intendant des Gießener Stadttheaters bittet uns um die Veröffentlichung folgender Zeilen:

Sehr verehrte Gießener Theaterfreunde!

Auf die anonymen Anfragen und Anregungen all der Herrschaften, Lenen der Mut fehlt. Den Namen unter zuaesandte Schriftsachen zu setzen, teile ich mit, daß sämtliche nichtunterschriebenen Briefe ungelesen in den Papierkorb wandern. Ich stehe jedem gerne Rede und Antwort.

gez.: Hanns König.

Achtung! Mittwoch-Abonnenten!

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Jnsolge der ursprünglichen Absicht, das Mittwoch- Abonnement aufzulösen, wurde eine ganze Reihe seitheriger Mittwoch-Abonnenten in das Dienstag- und Freitag-Abonnement e i n g e r s i h t. Die Notwendigkeit erforderte jedoch erfreulicherweise die Wiedereinführung des Mitt­woch-Abonnements. Diejenigen Mittwoch-Abonnen­ten, die wieder in den Mittwoch zurück wollen, werden gebeten, dies der Kasse bis fpätc» stens Freitagabend mitzuteilen. Nachträglich mit­geteilte Wünsche bezüglich des Abonnementstags­wechsels ehemaliger Mittwoch.Abonnenten können und werden auf keinen Fall Berücksichtigung finden.

OieBraune Messe" in Gießen.

Die Vorarbeiten aut Messe gehen rüstig vor­wärts Mit dem Aufschlagen der Messestände in der Nolkshalle wird bereits begonnen. Einem Teil der Aussteller soweit dies bereits ange­meldet ist werden durch das städtiscbe Elektrizi­tätswerk Sonderanschlüsse für Licht und Kraft ge­legt. So erhält u. a. die Metzgereiinnung eine kleine Kraftanlage zum Betrieb einer Wurstfabrik. Die Bäckerinnung wird mit einem elektrischen Back­ofen vertreten sein und die von früheren Veranstal­tungen her bestens bekanntenWurstwecke" ver­kaufen. Auch ein Glasbläser wird seine Kunst zei­gen. Die Besucher aus landwirtschaftlichen Kreisen dürste besonders die in einem größeren Raum zu­sammengebrachte Sonderschau interessieren, für die die einschlägigen Institute der Universität Gewahr geben, daß das dort Gebotene auch auf großes Allgemeininteresse stößt. So sind darunter Der- treten: Institut für Pflanzenbau und Pflanzen­züchtung, Hauptstelle für Pslanzenschutz (hier be­sonders Schädlingsbekämpfung in der Landwirt­schaft), Tierzuchtgut und Versuchsgut u. a. Das Liebigmuseum wird Nachbildungen von alten Glas- gefäßen zeigen, die auch Liebhaber käuflich erwer- den können. Geh. Rat Professor Dr. Sommer überläßt der Ausstellungsleitung einige in Zinn getriebene künstlerisch gearbeitete Gegenstände aus seiner Prioatsammlung. Die Polizeidirektion Gie- ßen wird mit einer Ausstellung vonNationalem Kitsch" vertreten sein.

Da die Plätze auch auf der Liebigshohe nahezu vergeben sind, besteht kein Zweifels daß die diesmalige Veranstaltung hinsichtlich ihrer Reich­haltigkeit alles seither Gebotene übertrifft.

Wie bekannt, besteht mit der Straßenbahn ein Uebereinkommen, wonach gegen Zahlung von 40 Pf. eine Eintrittskarte zur Messe in allen Stra­ßenbahnwagen zu haben ist, die zur freien Hin- und Rückfahrt von und bis Marktplatz berechtigt. Bei Aufzahlung von 10 Pf. pro Person kann auch die Straßenbahn vom Bahnhof oder von Wieseck aus benutzt werden.

Große Kundgebung der Gaststätteninhaber.

Sämtliche Gaftstätteninhaber des Kreises Gießen treffen sich am kommenden Mittwoch, 27. Septem­ber, im großen Saale des Casä Leib zu einer großen öffentlichen Kundgebung des geeinten deutschen Gaststä11engewer- be s. In dieser Versammlung, zu der auch die Be­hörden geladen wurden, spricht Derbandsgauoer- walter Döring (Darmstadt) über die Aufgaben und Ziele des Reichseinheitsverbandes des deut­schen Gaststättengewerbes. Man beachte die heutige Anzeige.

Warum Braune Messen?

Don Waldemar Steinecker, Dortmund,

Landesbeauftragter im Znstisut für

In allen Dingen des menschlichen Lebens sind die Grundlagen der Gegensätze dadurch gegeben, daß der Mensch bestrebt ist, seinen Lebensraum und seinen Lebensinhalt selbst zu bestimmen, Dabei natur» gemäß das Lolksganze, das immer bestimmend bleiben wird für das Leben einer Nation, über­sieht. So war es in der liberaliftischen, noch stärker in der marxistischen Welt. Das ,Lch" war bestim­mend, nicht dasDu", sei es auf politischem, kul­turellem oder wirtschaftlichem Gebiet. Mit einem kaum zu überbietenden Fanatismus hat der Mar­xismus dieses ,Lch" in den Vordergrund gestellt, Wirtschaftsformen konstruiert, die durch ihre innere Unwahrhastigkeit nur dazu angetan sein konnten, zu Recht bestehende Spielregeln der Wirtschaft ab­zuleugnen und so das, was wir unter Wirtschaft verstehen, zu negieren, um nahezu erplosio alles zu vernichten, was an Werten vorhanden war.

Auf keinem Gebiete hat die große Volksmasse die Irrlehre des Marxismus so sehr verspürt, ist dagegen so instinktiv angerannt, wie im Dirt- schaftvleben.

Damit kann nicht gesagt sein, daß breitere Schich­ten unseres Volkes nationalsozialistische Wirtschasts- grundsätze verstanden haben und deshalb auch nur im großen Rahmen freudig billigen könnten. Be­sonders die lebende Generation ist neben den mar- xistischen Irrlehren auch zu sehr von den Heber- Lieferungen des Liberalismus umstrickt, steht dem Nationalsozialismus noch so weltsremd gegenüber, daß lange Erziehungsarbeit erforderlich ist, um diese Generation dem nationalsozialistischen Gedan­kengut näher zu bringen. Deshalb ist es selbstver­ständlich, daß die Betonung bei der Erziehungs­arbeit auf die wachsende Generation ge­legt werden muß, ohne diese Erziehungsarbeit bei der jetzt bestimmenden Generation nicht wirken zu lassen. Das ideelle Gedankengut des National­sozialismus wird den Volksgenossen besonders auf wirtschaftlichem Gebiet schwer beizubringen fein. -Diese Erkenntnis ist deshalb nicht zu leugnen, weil der Trümmerhaufen, den wir Nationalsozialisten bei der politischen Machtübernahme vorgesunden haben, riesengroß ist. Wie wir aber in den letzten 14 Jahren gekämpft haben, so werden wir auch weiter um die Seele des deutschen Volkes ringen und trotz jetzt sich schüchtern vorwagender Rand­bemerkungen, die nationalsozialistische Revolution sei abgeschlossen, die Bewegung trete aus der Agi­tation in die praktische Arbeit, genau so zäh und gründlich, wie wir um die politische Macht gerun­gen haben, um die Verwirklichung aller uns ge- steckter Ziele ringen.

Wer die Vorgänge auf wirtschaftlichem Gebiet in den letzten Monaten ganz nüchtern, ohne Be­geisterung für den Nationalsozialismus bettach- tet, muß zu der Ueberzeugung kommen, daß uns die Verwirklichung der uns gesteckten Ziele heiliger Ernst ist, und die angewandten Mittel nur gebilligt werden können.

Wenn wir auf wirtschaftlichem Gebiet die Initia­tive ergriffen haben, so sind wir uns klar darüber, daß das Wirtschaftsgebiet mit seinen seinen Ver­ästelungen mit größter Vorsicht bereinigt werden muß. Es geht nicht an, hier sprunghaft zu handeln, sondern es muß schrittweise vor gegangen werden, damit keine Störungen eintreten, die schließlich das ganze Wollen abbiegen würden. Des­halb liegt vor uns eine kaum zu begrenzende Kleinarbeit-, die ganxe Verbraucherschaft muß erzogen werden, sie muß sich innerlich loslösen von den bisherigen gedankenlosen Gepflogenheiten, da­mit sie die Grundlage für eine vernunftgemäße, dem ganzen Volkswohl dienenden Wirtschaft gibt. Es ist ein Irrtum, wenn angenommen wird, nur durch die Eroberung des Weltmarktes seien alle Nöte zu bannen. Dort ist das Chaos größer, als auf dem Binnenmarkt.

wir müssen uns als Volk gemeinsam auf den Nenner einigen, zunächst den zerstörten Binnen­markt wieder aufzurichten.

Unbeirrbar, frei von allen inteftiationalen Bin­dungen, muß das Augenmerk auf die nationale Wirtschaft gelenkt werden, weil wir nur nach der Gesundung des Binnenmarktes uns auch wie­der Geltung, Ansehen und Absatzmöglichkeiten auf dem Weltmarkt verschaffen können.

Der Nationalsozialismus rückt das Volks- ganze immer und immer wieder in den Vor­

Deutsche Wittschastspropaganda. bergrunb, beshalb müssen auch die noch be­stehenden Gegensätze zwischen der deutschen Land­wirtschaft und der deutschen Industrie ausgeräumt werden. Nur eine gesunde Landwirtschaft ist Garant für eine gesunde Industrie. Des­halb sollten alle Maßnahmen, die seitens der Reichsregierung für die Landwirtschaft getroffen wurden, von der Industrie freubig begrüßt werben: benn in ber Nationalwirtschaft kann nur die Land­wirtschaft den Leerlauf der übrigen Wirtschafts­zweige beseitigen.

Diese Tatsache muß auch der deutschen H a u s f r a u ausgezeigt werden. Sie muß darüber zum Nachdenken angeregt werden, wie sehr sie dem Dolksganzen schadet, wenn sie nicht die Produkte der deutschen Landwirtschaft bevorzugt.

Die deutsche Hausfrau muß dazu erzogen wer­den, daß Opferbereitschast nichts anderes be­deutet, als das Co» aller deutschen Volksgenossen zu erleichtern. Dem volksganzen wird aber auch dadurch geholfen, wenn der schwer ringende Mit­telstand wieder zu einem kräftigen Zweig In der deutschen wirtschast heranwachsen kann.

Das vorn Marxismus viel gepriesene Heilmittel, durch Zusammenfassen großer Käuferschichten Ein­zelhandel und Handwerk die Existenzgrundlagen zu entziehen, hat die Zertrümmerung der Gesamtwirt­schaft nur beschleunigen können. Der Einzelhändler und der Handwerker hat trotz allem in der großen Mehrzahl den gesunden Sinn für Qualitäts­arbeit trotz schwerster seelischer und materieller Opfer nicht verloren, und damit die Grundlagen für einen Wiederaufbau erhalten. Hier ist es wieoer die Aufgabe ber deutschen Haussrau, Einzelhandel und Handwerker zu stützen. Auch hier muß durch systematische Er­ziehungsarbeit die bestehende Disziplinlosigkeit der ganzen Frauenwelt gebrochen werden. Sicher ist nicht zu übersehen, daß Die Vielzahl unserer Haus­frauen in einem so engen Rahmen wirtschaften muß, daß die Ramschware ein verlockendes Siel zur Befriedigung der Notwendigkeiten des täglichen Lebens ist. Wie ist es aber möglich, anscheinend bil­lige Waren auf den Markt zu werfen? Zunächst geht die Gedankenlosigkeit so weit, daß die Quali­tät bei der Prüfung der Ware saft restlos aus­scheidet. Der Preis ist ausschlaggebend, alles an- dere tritt zurück. Diese gedrückten Preise können aber nur wieder zustande kommen, wenn die Kräfte der diese Ramschware herstellenden Volks- genossen ausgeplündert werden.

Der scheinbare Vorteil des billigen Einkaufs kann also nur dadurch ermöglicht sein, daß eine große Anzahl von Volksgenossen durch geringe

Bezahlung dem Elend preisgegeben wird.

Wie ist es weiter mit ber billigen Herstellung, bei- spielsweile von Möbeln? Einer Fabrik werben größere Aufträge erteilt, wenn ber vom Groh- Händler vorgeschriebene Preis gebilligt wirb. Es ist verständlich, wenn ber Fabrikant den Auftrag um jeben Preis annimmt, um nicht das Los still- liegender Betriebe zu teilen. Der weitere Werde­gang wird dann klar. Der Arbeiter muß sich mit geringeren Löhnen begnügen, auf gute Arbeit kann bei den gedrückten Preisen kein Wert gelegt wer­den; denn die ganze Betonung liegt aufbillig". Den letzten Schaden hat natürlich der Käufer, der Die billig erstandenen Möbelstücke wiederholt er­setzen muß, während er vom ehrlichen deutschen Handwerker Möbelstücke bezogen hätte, die ein ganzes Leben überdauern. Solcher Beispiele ließen sich viele anführen. Diese aufgexeigten Tatsachen outen aber Klarheit Darüber bringen, wie die Erziehungsarbeit angesetzt werden muß.

Solche Erziehungsarbeit soll auch dieBraune Messe" sein.

Das gesprochene und geschriebene Wort kann nie so durchschlagskräftig sein, wie der Anschau­ungsunterricht. Mit diesem Anschauungs­unterricht muß allerdings das gesprochene und ge­schriebene Wort verbunden werden, wenn die Er­ziehungsarbeit andauernde Erfolge haben soll. Die bestehenden Widerstände müssen überwunden wer­den, eine wahre Volksgemeinschaft muß sich auftun. Darum auchBraune Messe", die nicht Selbstzweck ist, sondern Wegbereiter für eine auch außenpolitisch vertretbare National- w i r t scy a f t.

williger Speisung rund je 850 Menschen oerföftigt. Es wäre eine Wohltat, wenn ein Weg gesunden würde, diese Bettelei abzustellen, da unter der Masse sicherlich eine große Menge mit- unterlaufen, die die Lage ausnutzen.

Kein unzeitgemäßes Liedgut bei Kundgebungen.

Die Deutsche Sängerbundeszeitung, das Amts­blatt des DSB., richtet an die Vereine des Bundes die eindringliche Aufforderung, auch bei großen Kundgebungen die neue Literatur zu berücksich­tigen. Es heißt dort u. a.:

Beim öffentlichen Singen anläßlich nationaler Kundgebungen tragen unsere Vereine vielfach noch Chorwerke und Lieder vor, die textlich und musika- lisch schon seit Jahren überholt sind, seit dem Aus- bruch der Nation aber überhaupt nicht mehr ver­antwortet werden können. Es sei daran erinnert, daß der Geist der neuen Zeit auch in den Vor­trägen unserer Vereine sich ausprägen muß und daß daher nur ein Liedgut verwendet werden kann, das der neuen Zeit wirklich entspricht. Bei weitem nicht jedes sogenannte vaterländische Lied trifft den Geist und Sinn der neuen Zeit. Ehrliche und nüchterne Prüfung wird unschwer erkennen lassen, was in diesem Sinne gut ist und was als überholt, veraltet ober unbrauchbar abgetan wer­den muß. Auch was in der jüngsten Zeit anChö­ren Der nationalen Erhebung" auf Den Tlartt ge­kommen ist, enthält musikalisch und vor allen Din­gen textlich oft so viel Kitsch, daß auch beim Er- werb von Neuerscheinungen zu strengster Prüfung geraten werden muß. Selbstverständlich sind von ernsthaften Verlagen viele brauchbare Chöre her- ausgebracht worden. Eine gute Handhabe zur Er­kenntnis brauchbarer Neuerscheinungen bieten die regelmäßig in Der DSBZ. erscheinenden Be­sprechungen der jüngsten Erzeugnisse. Wir verwei­sen auch auf die in der Reihe Der .Liederblätter des DSB." erschienenenZwei Zeitsprüche" und V»er Zeitlieder" von Hermann Simon und Her­mann Erdlen, die wegen ihrer herben und doch

einfachen musikalischen Linie und ihres trefflidjen textlichen Inhaltes allen Vereinen dringend emp­fohlen werden können. Um sich vor Fehlgriffen zu schützen, die nicht nur örtlichen Schaden anrichten, sondern darüber hinaus den ganzen DSB. in Miß­kredit bringen können, wird dringend empfohlen, die für öffentliche Kundgebungen in Aussicht ge­nommenen Chorwerke sich begutachten zu lassen. Gruppen-, Gau- unb- Bundeschormeister sind da­für verantwortlich, daß ihre öffentlichen Vortrags­folgen einwandfrei sind.

Ofeninstandsehung ein Kapitel Arbeitsbeschaffung.

Der Stubenofen, der lange unbeachtet im Zim­mer stand, jetzt aber wieder zu Ehren kommen soll, macht uns gegenwärtig zu schaffen, weil wir ihm in den Sommermonaten nicht die erforder­liche Pflege haben angedeihen lassen. Er zieht nicht, heizt nicht, raucht! Ratlos steht die Hausfrau da­vor. Dabei warten Taufende von arbeitswilligen Händen, diesem Hebel abzuhelfen. Wer sich Aerger ersparen will, denke daran, daß es jetzt Zeit ist, den Ofen instandsetzen zu lassen. Sind die Jnnen- wandungen der Kachelöfen von Ruh und Flug­asche gereinigt, so wird ber Ofen mit geringerem Kohlenoerbrauch besser heizen. Verzogene und ge­loderte Türen, undichte Kittfalze und Risse in den Fugen lassen kalte Luft in das Ofeninnere strömen und beeinttächtigen die Heizwirkung; auch ihnen müssen wir abhelfen und tun deshalb gut, Oefen, die dauernd geheizt worden sind, durch einen zu­verlässigen Töpfermeister nachsehen zu lassen. Daß diese Arbeiten jetzt oorgenommen werden, ist schon aus dem Grunde wichtig, damit das zum Aus­mauern verwendete Material bis zum Eintritt Der Heizperiode gut abbindet und trocknet. Ferner ist Darauf zu achten, daß ein genügend großes Eisen­blech vor dem Ofen angebracht ist, damit die etwa aus Dem Ofen harausfallenden glühenden Kohlen Den Holzfußboden nicht in BranD setzen können. Auch Der eiserne Ofen muß einer gründlichen Jnnen- reinigung unterzogen werden. Ebenso bedürfen die

Schornsteine einer ständigen Aussicht, Denn pe müßen dicht sein, wenn sie den Rauch gefahrlos über das Dach führen sollen. Schornsteinköpfe, Schornsteinwandungen und Verschlüsse sind darum so srüh als möglich instand zu setzen, die Verschlüsse gut gangbar und festschließend yerzustellen.

Jeder Hauswirt überprüfe die Feuerungsanlagen seines Hauses und trage auch aus diese Weise mit dazu bei, Das Werk unseres Volkskanzlers zur Ar­beitsbeschaffung zu unterstützen. Durch die erwähn­ten Vorsichtsmaßnahmen können zahlreiche Brand­schäden vermieden werden. Es sei auch an Dieser Stelle ermähnt, daß 75 v H aller Brandschäden aus Hnvorsichtigkeit zurückzusühren sind. Jeder ist darür verantwortlich, daß Das deutsche Volksver­mögen in dieser Notzeit durch vermeidbare Brand­schäden nicht geschwächt wird

Oie organisatorische Vertretung aus» geschiedener Wehrmachtangeböriger. Nach einer amtlichen Mitteilung des Reichswehr­ministeriums hat wie uns die Ortsgruppe Gie- ßen des Reichsbundes Der Zioildienstl>erechtigten schreibt die Leitung der Deutschen Arbeitsfront erklärt, daß ausgeschiedenc Soldaten der Wehrmacht als Angestellte oder Arbeiter nicht in die Organisa­tionen der Angestellten oder Arbeiter einzlltreten haben, solange sie als Dersorgungsanwärter auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen (Anstellunas- grundsätze) bei Behörden im Sinne des § 4 der An« stellungsgrundsätze vorgemerkt sind.

In der amtlichen Verlautbarung heißt es dann weiter, daß für dies« Versorgungsanwärter und Die­jenigen abgefunDenen Dersorgungsanwärter, die noch keine Beschäftigung gefunden Haden, allein der Reichsbund Der Zivildienstberechtigten (RdZ.) Die berufliche Vertretung ist.

Die eripähnte amtliche Verlautbarung stellt Dann noch fest, daß Diejenigen MitglieDer Des Reichs- bundes der Zivildienstderechtigten, die ihre plan­mäßige Anstellung als Beamte bereits erreicht haben, oder im sonstigen Deutschen Wirtschaftsleben ihre Existenzsicherung bereits gesunden haben, ihr« berufliche Vertretung in Den ihren Berujen entsprechenden Organisationen finden. Für dies« ehemaligen Berufssoldaten ist der Reichsbund Der Zioildienstberechtigten also die umfassende große kameradschaftliche Vereinigung.

Der Reichsbund Der Zivildienstberechtigten ist nun­mehr Die unter Der Führnug des bekannten natio­nalsozialistischen Coburger Oberbürgermeisters Schwede stehende, in 26 Landes- bzw. Provin- zialoerbänden mit 1000 Ortsgruppen gegliederte ka- meradschaftliche Vereinigung, mit einem Mitglieder­bestand von zyr Zeit 135 000 ehemaligen Berufs- soldaten und Polizeibeamten. Der RdZ. hat nach dieser amtlichen Erklärung bi« Pflege echter solda­tischer Kameradengemeinschaft und außerdem für Die aus Der Wehrmacht gusgeschiedenen Soldaten bis zur Anstellung als Beamte die volle berufliche Ver­tretung durchzuführen. Er ist die Vereinigung aller ehemaligen Soldaten der alten und der neuen Wehr­macht ohne Unterschied Des DienftgraDes; Der RDZ. ist zum Reichstreubund ehemaliger Solidaten ge- worden.

Sonderzüge zur Heichsführertagung des Stahlhelms in Hannover.

Vom Bahnhof Gießen wird mitgeteilt: Es verkehren: In der Nacht vorn 22. zum 23. Septem­ber der Stahlhelm - Sonderpersonenzug Nr. 45 WiesbadenGießenHannover Hbf. Frankfurt am Main-West ab 22.55 Hhr, Friedberg 23.28, Gießen 0.11, Marburg 1.00, Hannover HBf. an 6.29 Hhr. Die Teilnehmer dieses Zuges fahren mit dem Stahlhelmsonderzug Nr. 645 zurück. Dieser ver­kehrt: Hannover Hbf. ab 21.50 Hhr am 25. Sept., Gießen an 3.38, Friedberg 4.19, Frankfurt a. M- West an 4.51 Hhr am 26. September.

Der Fahrpreis (75 v. H. Fahrpreisermäßigung) beträgt ab Frankfurt a. M.-West 7,40 RM., ab Friedberg 6,70, ab Gießen 6,10, ab Marburg 5,50 Reichsmark. Die Sonderzüge sind für Den öffent­lichen Verkehr freigegeben, jedoch nur soweit, als sie nach der Besetzung durch den Stahlhelm noch aufnahmefähig sind.

Weiter verkehren noch Stahlhelmsonderzug N. 58 von Trier Hbhf. nach Hannover Hbhs. Nacht 22.1 23. September Gießen an 3.14 Hhr ab 3.24 Hhr, Hannover Hbhf. an 9.20 Hhr; Rückfahrt Nr. 658 Hannover Hbhf. ab 8.20 Hhr am 25. September, Gießen an 13.42 Uhr. Ferner verkehrt der Zug Nr. 59 am 22 /23 September KoblenzHannover Hbhf., Gießen an 4.00 Hhr ab 4.09 Hhr, Hannover Hbhf. an 9.35 Hhr. Rückfahrt Nr. 659 Hannover Hbhf. ab 8.40 Uhr am 25. September, Gießen an 14.28 Hhr.

Gießener Wochcnmarktpreise.

* Gießen, 21. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Kochbutter 1,10 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 11, Wir­sing (grün). Das Pfund 10, Weißkraut 6 bis 8, Rot- traut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8, Bohnen (grün und gelb) 20, Tomaten 10, Zwiebeln 8 bis 10, Meer­rettich 40 bis 70, Kürbis 6, Kartoffeln 3 Pf., der Zentner 2,30 bis 2,50 Mark. Frühäpfel, das Pfund 12 bis 15 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 30 bis 45, Preißelbeeren 25, Aepfel 10 bis 20, Birnen 10 bis 15, Zwetschen 6 bis 8, Mirabellen 15, junge Hähne 70 bis 80, Suppenhühner 60 bis 70, Tauben, das Stück 40 bis 50, Blumenkohl 5 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 25, Endivien 10 bis 15, Ober­kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 20, Radieschen, das Bund 5 Pf.

Talen für Donnerstag, 21. September.

1558: Kaiser Karl V. im Kloster San Juste in Spanien gestorben (geboren 1500); 1832: der schottische Dichter Walter Scott in Abbotsford ge­storben (geboren 1771); 1860: der Philosoph Artur Schopenhauer in Frankfurt a. M. gestorben (geboren 1788); 1890: der Fliegeroffizier Max Jmrnelmann in Dresden geboren (gestorben 1916).

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* Von der Landesuniversität. Von der Pressestelle der Hniversität Gießen wird uns mitgeteilt: Der außerordentliche Professor an der Hniversität Heidelberg, Dr. Hermann Glöckner, hat den an ihn ergangenen Ruf an unsere Hniversi­tät als Nachfolger des Professors Dr. v o n Aster angenommen.

" Evangelisch-kirchliche Dlenst Nach­richten. Durch die Kirchenregierung wurden die Pfarrer Ludwig Ehrhard zu Hirzenhain, Jakob Steinmetz zu Bickenbach und David Gürtler zu Wersau auf ihr Nachsuchen und unter Anerken­nung ihrer langjährigen treuen Dienste mit Wir­kung vom 1. Oktober und Pfarrer Philipp A ld e- k a m p zu Wolfsheim auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. September in den Ruhestand versetzt.