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Er erhob sich.
.Lassen Sie Fräulein Inspektor eintreten."
Roberta Olbers wurde offiziell „Fräulein spektor" genannt.
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Bekanntmachung.
Betr.: Die Bildung der Brotpreise.
Die Bekanntmachung des Herrn Staatssekretärs (Preisüberwachungsstelle) vom 12. September 1933 — abgedruckt im Amrs- verkündigungsblatt Nr. 48 vom 15. September 1933 — über die Bestimmung von Brotpreishöchstspannen ist in den städti- scheu Aushängekasten zu jedermanns Einsichtnahme angeschlagen. 5803C
Gießen, den 19. September 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Seib.
Freitag, den 22. September, ab 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28:
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Versteigerung bestimmt.
L Hartmeh
Am 16. September ist unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter
Frau Marie Habicht, geb. Herget
im 85. Lebensjahre zur ewigen Ruhe eingegangen.
Die trauernden Hinterbliebenen t August Habicht, Lehrer i. R. Marie Habicht, geb. Weitzel Auguste Habicht.
Gießen, Wiesbaden, den 21. September 1933.
Die Beerdigung hat in der Stille stattgefunden.
iZlmmerwohming
im I.Sfockv. 1.10.
Danksagung.
Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer teuren Entschlafenen, besonders für die zahlreichen Blumenspenden, Karten und die trostreichen Worte des Herrn Dekans sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Heinrich Müller.
Lollar, den 21. September 1933.
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Es klopfte. Der ältere Diener trat ein, meldete: „Fräulein Inspektor Olbers wünscht Herrn von Malten zu sprechen."
Achim von Malten war mit seinen Gedanken zu sehr in das furchtbare, große, düstere Ereignis seines Lebens verstrickt gewesen; es kostete ' Anstrengung, sich umzustellen.
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Die Angemeldete trat gleich darauf ein.
Marlene Werner und Olga Zabrow waren stürzt in der Bibliothek zurückgeblieben. Sie hatten erst noch ein Weilchen auf die geschlossene Tür gestarrt, hinter der Achim von Malten verschwunden war, und dann wechselten sie stumme Blicke, wagten nicht, ihre Meinung auszutauschen, weil sie fürchteten, er könne es wieder hören, obwohl die Tür fest geschlossen war.
Lin Lied vom Glück
Vornan von Anny von panhuys.
Sie begannen wie auf Verabredung mit größtem Eifer die Bücher zu ordnen; aber dabei dachten beide an Achim von Malten und an das, was er gesagt hatte. Die Bücher lagen weit hinein ins Zimmer verstreut, manche einzeln, andere wieder dicht neben» und übereinander oder in wirren kleineren und größeren Haufen.
Warlene Werner war, als höre sie den großen, schlanken Mann wieder wie vorhin sagen: Die ganze Welt müßte Zusammenstürzen, ob der Lächerlichkeit der Anklage!
Sie grübelte, wie furchtbar der Schlag auf Achim von Malten gewirkt haben mußte. Vielleicht hatte er die Ermordete geliebt. Und die Tat war ohne Sühne geblieben. Ihn selbst hatte man schwer verdächtigt. Wie leid er ihr tat, wie unsagbar leid!
Während sie sich so mit allerlei Gedanken beschäftigte, wühlten ihre Hände fast mechanisch zwischen den Büchern, legten die zusammengehörenden sauber aufeinander. Die Finger ihrer Rechten berührten dabei etwas Kühles, Metallenes. Sie senkte suchend die Augen dorthin, wo ihre Finger lagen, und sah — das Herz stand ihr fast still vor Schreck und Grauen — einen Dolch zwischen den Büchern. Wahrscheinlich hatte er zwischen oder hinter ihnen gesteckt.
Sie erinnerte sich deutlich, daß die Wirtschafterin gestern abend erzählt hatte, die Waffe, mit der man den Mord begangen, wäre, trotzdem sorgfältig gesucht wurde, nicht gefunden worden.
Ihre Augen entdeckten dunkle Flecke an dem Stahl, und sie spürte es mit starker, eindringlicher Gewißheit, der Dolch, der da vor ihr lag, noch ein wenig verdeckt von einem Buche, war die Waffe, mit der die Tat begangen wurde.
Sie wollte aufspringen, zu Achim von Malten eilen, ihm ihren Fund bringen, aber ihre Glieder
waren wie gelähmt. Es war, als käme sie gar nicht vom Boden hoch. Ein ganz furchtbarer Gedanke bannte fie an ihren Platz — ein Gedanke, der sie überwältigte. Der Gedanke: Was würde geschehen, wenn der Dolch mit den dunklen Flecken LUhim von Maltens Eigentum war?
Olga Zabrow saß wohl drei Meter weit von Marlene entfernt und hatte schon mehrmals be< fremdet zu ihr hinübergeschaut. Jetzt fragte sie ängstlich:
»Fehlt Ihnen etwas? Sie sehen aus, als hätten Sie etwas Schreckliches gesehen?" Noch leiser klang es an Marlenes Ohr: „Hat Sie das ebenso aufgeregt, das mit Herrn von Malten?" Sie wartete keine Antwort ab und sprang auf. „Ich hole Ihnen ein Glas frisches Wasser."
Marlene schob scheinbar absichtslos noch ein paar große Bücher über die Waffe und antwortete: --Mir ist ein wenig flau, und wenn Sie mir ein ©las Wasser holen würden, wäre ich Ihnen sehr dankbar."
„Aber gern!" Die Baronesse verschwand schon.
In Marlenes Kops drängten sich die Gedanken ? « ^stig durcheinander. Was mußte Sie sollte sie mit ihrem Fund anfangen?
Zeit zum Ueberlegen blieb ihr nicht. Sie um« rottfelte bie Spitze des Dolches dick mit ihrem Taschentuch und schob ihn, weil ihr war, als höre sie vor der Tür Schritte, tief in den Ausschnitt ihres Kleides. Sie suhlte den Stahl, trotz des Ta- schentuches, eisig kalt an ihrem Herzen. Wenn fie nur auf die Weife mit der ziemlich großen Waffe ihr Zimmer erreichen konnte!
Sie erhob sich und stellte an der Tür fest es war niemand zu sehen. Oder doch! Eben bog Olga um die Ecke des Ganges. Sie trug auf einem Teller ein Glas Wasser und rief ihr vorwurfsvoll entgegen: „Hätten Sie doch gewartet. Liebste! Aber kommen Sie! Ich bringe Sie in Ihr Zimmer!"
Marlene schüttelte den Kopf.
„Nein, nein, mir ist schon besser." Sie'nahm das Glas und trank. „Dielen Dank, und, bitte, bleiben Sie nur, ich werde sofort zurück sein."
Sie lief schon die Treppe hinauf, wartete gar keine Antwort ab.
Die Baronesse blickte ihr flüchtig nach und schüttelte den Kopf. Sie betrat zögernd die Bibliothek und ließ die Tür ein wenig offen. Ihr war auch nicht besonders wohl zumute. Es war doch ein be- drückender Gedanke, sich allein in dem Raum zu befinden, in dem vor zwei Jahren jemand ermordet worden war. Während sie sich bemühte, ihre ganze Aufmerksamkeit den Büchern zu schenken, ertappte sie sich mehrfach dabei, wie sie hinüberschaute auf die Stelle, wo die Ermordete gelegen haben sollte.
Solange Marlene Werner hier gewesen, war das unheimliche Gefühl, das sie jetzt quälte, gar nicht zu stark in ihr aufgekommen, und sie dachte: wenn Marlene Werner nur nicht zu lange ausbliebe!
lFortsetzung folgt.)
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Auch Olga war gern bereit, sich mit dem Wiederaufstellen Der Bücher zu beschäftigen. So hockten sie denn bald darauf in der sehr langgestreckten Bibliothek, deren Fenster nach dem Park zu lagen, auf dem Teppich und begannen ihre Aufräumungsarbeit. Ab und zu wechselten Sie einen Satz. Aber nur mit gedämpfter Stimme, weil sie ja wußten, die Bibliothek war vor zwei Jahren der Schauplatz des Mordes gewesen. Das beengte sie hier, und ihre Augen suchten scheu umher, als erwarteten sie, daß die Stelle, wo die Tote gelegen, irgendwie gekennzeichnet wäre. Einmal fuhr die Baronesse, von einem Gedanken erschreckt, jäh hoch. Sie oer- goß vor Entsetzen sogar das Flüstern.
„Vielleicht habe ich eben auf derselben Stelle des Teppichs gesessen, wo sie gelegen hat."
Marlene hob leicht die Schultern.
„Vielleicht sitze ich auf der Stelle. Wir wissen es nicht und brauchen es nicht zu wissen. Es liegt wahrscheinlich längst ein anderer Teppich hier als der von damals."
„Ja, es liegt längst ein anderer Teppich hier!" bestätigte eine tiefe und klangvolle, aber traurige Stimme von der nahen Tür her.
Achim von Malten trat ein und schloß die Tür hinter sich. Marlene blickte nach der Tür, als sähe sie dort ein Gespenst. Sie erhob sich fast taumelnd. Weshalb hatte sie das eben nur so laut geäußert! Wie hatte sie die Vorsicht, die hier im Hause geboten war, völlig außer acht lassen können!
Aber Achim von Malten lächelte sie an, freilich sehr matt und trübe. Und er sagte mit diesem matten, trüben Lächeln: „Machen Sie nicht so erschreckte Gesichter, meine Damen. Ich wußte wohl, meine Mutter beabsichtigte. Sie zu bitten, hier Ordnung zu schaffen; aber ich wußte nicht, daß Sie schon damit beschäftigt waren. Ich wollte mir die Sache noch einmal ansehen und hörte nun zufällig, wovon Sie beidö sprachen."
Es wies nach links in eine Ecke, wo noch ein kleinerer Teppich auf dem großen Teppich lag, der das ganze Zimmer bedeckte.
„Dort drüben fand ich die arme Ermordete. Der alte Teppich ist bei der Polizei geblieben und dort vergessen worden. Hier hat allerdings niemand Interesse daran gehabt, ihn zurückzufordern. Auch befinden sich jetzt andere Möbel im Zimmer als damals. Aber in diesem Raum wurde Die Tat begangen, die einem lieben, schönen Mädel das Leben kostete und mir die Ehre nahm. Sie werden wahrscheinlich noch viel Geklatsch darüber hören, denn im allgemeinen hält man mich für den Mär- der."
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Sein Atem ging heftig, und um seinen Mund war das matte, trübe Lächeln weggewischt. Zwei harte, scharfe Linien zogen sich jetzt von den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln, und seine grauen Augen sahen fast dunkel aus. „Ich ein Mörder! Die ganze Welt müßte Zusammenstürzen, ob der Lächerlichkeit der Anklage." Er fuhr sich über die Stirn, sagte ruhiger: „Eben war ich im Begriff, vor Ihnen eine Verteidigungsrede zu halten. Aber warum ich es beinah getan, verstehe ich nicht."
Seine Augen ruhten auf Marlenes Zügen, und er dachte, das blasse Gesicht mit den tiefen blauen Augen hatte ihn dazu gebracht. Die übergroßen blauen Augen hatten ihn anders sprechen lassen, als er es beabsichtigt. Vorhin hatte er zufällig ihre Antwort auf eine Frage der anderen Gesellschafterin gehört, und als er, dessen Eintreten beide nicht bemerkt hatten, dann gesagt: Ja, es liegt längst ein anderer Teppich hier!, hatte er das nur getan, um beide zu erschrecken, weil es ihm an die Nieren gegangen, daß sie, die noch nicht einmal im Hause warm geworden, sich schon mit dem grausigen Erlebnis befaßten, das fein Leben so jämmerlich zerstört. Aber die ängstlichen Augen der Braunhaarigen hatten seinen Zorn sofort erstickt und ihn dazu gebracht, mehr zu reden, als nötig gewesen.
Mochten sich die beiden über die traurige, unselige Geschichte unterhalten, so viel sie wollten; alle Dienstboten hier taten es ja, und die Bauern im Dorfe auch. Und abends am Stammtische in der nahen Stadt mochte das blutige Ereignis von Maltstein noch oft den Hauptgefprächsstoff liefern. Er vermochte ja doch nicht, alle Zungen zum Schweigen zu bringen.
Er ging in fein Zimmer und nahm dort am Schreibtische Platz. Er war ärgerlich auf sich selbst. Wie war er nur dazu gekommen, sich vor den zwei jungen Samen, die ihn gar nichts angingen, rechtfertigen zu wollen? Sie würden so wenig an feine vollkommene Unschuld glauben, wie die meisten anderen Menschen es getan. Und wäre er nicht sehr reich, sondern ein armer Schlucker, sähe ihn nach diesem entehrenden Freispruch überhaupt kein Mensch mehr an. Damit mußte er sich abfinden.
Er stützte den Kopf in die Hände und schloß die Augen.
So spurlos war das Verbrechen geschehen, so ganz unverständlich spurlos! Weder die Polizei noch die geschicktesten Detektive, die er mit Nachforschungen betraut, haften auch nur die geringste Spur entdecken können. Ungesühnt war die entsetz- liehe Tat geblieben, und an ihm hing der Verdacht wie ekles Ungeziefer. Er malte sich oft aus, er selbst entdeckte eines Tages den Mörder. Und malte sich weiter aus, er übergäbe ihn nicht gleich dem Gericht, sondern marterte ihn auf irgendwelche unerhörte Art, um seine Rachegelüste zu befriedigen. Er drückte den Kopf fest in die Hände und seufzte. Der Mörder, den man, trotz eifrigen Suchens, bis- her nicht gefunden, würde immer schwerer zu fin»
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