Änderung der Arbeitslosenhilfe. Herausnahme der Landwirtschaft. — Neuverteilung der Lasten.
Berlin, 20. Sept. (WTB.) Die Reicksreyie- rung hat ein Gesetz über Aenderung der 'Zlrbeds- losenhilfe beschlossen, daß zunächst die Heraus- nähme der Land, und Forstwirtschaft und Binnensischerei einschließlich Teichwirtschaft und Küstenfischerei aus der Arbeitslosenversicherung bringt. Mit der Befreiung von der Bersicherungs- pflicht entfällt für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der betreffenden Berufe die Pflicht, Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Bei der Erleichterung, die das Gesetz hiernach den betreffenden Arbeitgebern bringt, muß erwartet werden, daß diese Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer in diesem Winter weitgehend durchhalten werden. Soweit Arbeitslose dieser Berufe bis zum 30. September 1933 die Anwartschaft auf die Leistungen der Arbeitslosenhilfe bereits erworben haben, werden ihre Ansprüche durch die Neuregelung nicht berührt. Der Begriff der Landwirtschaft ist in dem Gesetz genau umschrieben. Dabei ist die bisher umstrittene Frage, ob der Gartenbau zur Landwirtschaft zu rechnen ist, in bejahendem Sinne entschieden.
In weiteren Vorschriften wird die Finanzie- rungder Arbeitslose nhilfe zum Teil ne u geregelt. Während die Aufwendungen der Sri- senfürsorge bisher zu vier. Fünfteln das Reich und zu einem Fünftel die Gemeinden getragen haben, fallen die Kosten der Krisenfürsorge künftig der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversilyerung zur Last.
Eidlich ist die E i g e n l a st der Gemeinden für die anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen für die Zeit vom 1. Oktober 1933 bis 31. März 1934 auf monatlich 26% Mil- I i o n e n festgesetzt. Durch diese Bestimmungen werden die bisherigen Lasten der Gemeinden für diese Aufgaben entsprechend dem dringenden Bedürfnis der Gemeinden herabgesetzt und, um den Gemeinden die Ausstellung eines klaren Haushaltes zu ermöglichen, für die nächste Zeit fest begrenzt. Das Gesetz soll am 1. Oktober 1933 in Kraft treten.
Aufruf Or. Leys zum Werdefeldzug der Deutschen Arbeitsfront.
Berlin, 20. Sept. (WTB.) Wie bereits angekündigt, findet im Rahmen des großen Propagandafeldzuges des Reichspropagandaministeriums gegen Hunger und Kälte ein Werbefeldzug der Deutschen Arbeitsfront statt. Unter dem Motto „W ir gehen in b i e Betriebe" darf in diesen Wochen lein Betrieb Deutschlands unberührt bleiben. Ich selbst werde im Verein mit den Führern der Gesamtverbände der Deutschen Arbeitsfront Tag für Tag unterwegs fein und erwarte, daß alle Dienststellen und Redner der Deutschen Arbeitsfront das Gleiche tun. Wir wollen dem arbeitenden MenfchenimBetriebedieHanddrücken. Es muß wahr werden in diesem Winter, daß ke i n Volksgenosse hungert und friert. Die früheren Machthaber führten das Wort Sozialismus auf den Lippen, wir wollen es in die Tat um-
zur Zerstörung der wirtschaft und des ganzen Lebens führen. Diese Ideologie beruhe auf der Angst vor dem Nächsten, auf der Furcht, irgendwie hervor,utrelen. und basiere auf einer niederträchtigen «eidlichen Gesinnung. Diese Lehre von der Zurückentwicklung ,ur Primitivität führe zu einem feigen, ängstlichen Nachgeben und stelle daher eine ungeheure Gefahr für die Menschheit dar. Das Entscheidende ist nicht, daß alle sich beschränken, sondern daß alle sich bemühen, vorwärlszulommen und sich zu verbessern. Die deutsche Wirtschaft kann nur bestehen unter einer ganz be- stimmten Ledarsshöhe und unter einer ganz bestimmten ftulturforberung des deutschen
Volkes.
Der Reichskanzler ging bann im einzelnen auf bie in bem vom Reichswirtschaftsminister vorgetragenen Wirtschaftsplon enthaltenen Maßnahmen ein, insbefonbere auf bie Umschulbungsaktion für bie ©emeinben, bie nun roieber zu fiefunben Finanzen unb zu einem gefunben Eigen- eben kommen sollen, ferner auf bie Erleichterungen, bie für ben ßanbroirt burch neue Ermäßigungen geschaffen werben, und auf bie große Aktion für Hausreparaturen, bei ber mit verhältnismäßig geringen Mitteln ein aufjerorbcnt- lich großer Nutzeffekt erzielt unb für ben Winter neue Arbeitsmöglichkeiten in erheblichem Umfange sichergestellt werben. Das riesenhafte Straßen- b a u p r o j e k t werbe sich allmählich auch auswir- fen. Der Reichskanzler roanbte sich energisch g e g e n die professionellen Kritiker, die Kritik nur um ber Kritik willen üben unb nicht zu sagen vermögen, wie man es besser machen könne. Für gute unb brauchbare Ratschläge fei bie Regierung bankbar. Sie müsse sich aber eine Kritik verbitten, bie alles ber Kritik unterwerfe, nur nicht bie eigene Kritik. Wenn bie Regierung nach reiflicher Heber* legung eine Maßnahme verkünbet, muß alles hinter eine solche Maßnahme treten. Der Sinn bcs Generalrates ber Wirtschaft sei ber, eine Gemeinschaft zu schaffen zryifchen ber Reichs- regierung unb ben Männern, bie in ber praktischen Wirtschaft stehen. Die Reichsregierung könne zwar die kranke Wirtschaft in eine gefunbe Situation setzen, aber gefunb werben müsse bie Wirtschaft aus s i ch selbst heraus. Der Reichskanzler schloß feine Ausführungen mit einem Bekenntnis xu ben ewigen Qualitäten bes beutschen Volkes. Aus neuen Fähigkeiten werben sich immer roieber neue Möglichkeiten für ben Ausstieg auch ber beut- schen Wirtschaft ergeben.
Oer Vorsitzende des Reichsflandes der OeutschenZnduflrieOr.Krupp v Bohlen dankte im Namen des Generalrates dem Reichskanzler für das Vertrauen, das er den Männern ber praktischen Wirtschaft burch bie Berufung in in ben Generalrat zum Ausbruck gebracht habe unb gelobte feierlich rückhaltlose unb bebin- gungslofe Unter ft ützung ber Reichs- regierung in ihren überaus schwierigen Ausgaben burch alle Zweige unb Organisationen ber Wirtschaft. Der unerschütterliche Glaube des Reichskanzlers an bie Zukunft unseres Volkes gebe auch ben Männern ber Wirtschaft den Mut und bie Kraft, alles einzusetzen für ben Wieberaufbau einer gefunden nationalen Wirtschaft in einem starken nationalen Staat unter nationalsozialistischer Führung.
Das nationalsozialistische Deutschland und die Welt.
Jules Sauerwein hat eine Unterredung mit Recchsminister Goebbels.
Paris, 20. Sept. (TH.) Unter der Heberfchrist „N a ch sieben Monaten Hitler-Regierung" veröffentlicht der Sonderberichterstatter des „Paris Soir", Jules Sauerwein, unter Copy- riahl by Sauerwein und „Paris Soir" eine Unterredung mit dem Reichsminisler für Lolksaufklärung unb Propaganda, Dr. Josef Goebbels.
Man kann sagen — so beginn! Sauerwein — daß, wenn in dem Triumvirat, bas in einer Kraftanstrengung von 10 Jahren Deutschland erobert hat, Hitler bie Seele unb Göring bie treu benbe Kraft ist, Dr. Josef Goebbels bas organisatorische massengestaltenbe Gehirn ist. Sauerwein schildert bann bvn imponierenben Aufgabenbereich bes von ihm geleiteten Ministeriums, für ben ber Ausbruck „Propaganba" zu schwach lei unb gibt bann sehr lebenbig bie Unterrebung selbst roiber. Auf ein Stück Papier zeichnet Dr. Goebbels einen Strich, rechts unb links kleine Kreise, bie Dr. Brüning unb bie Staatsgewalt barstellen. Links zwei Arten Sterne, bie Hitler unb bas Volk versinnbilblichen. Also zwei Schalen einer Waage.
„An dem Tage", so sagt ber Minister, „wo bas den Staat darstellende Gewicht sich zu unserer Seite, dem Schwergewicht des Volkes zuneigt, haben wir gesiegt. Wir sind nicht so verbohrt, um nicht auch die Vorzüge Frankreichs zu schätzen, aber ich bin erstaunt, daß man im Ausland den Nationalsozialismus so wenig versteht. Es ist wahr, er ist eine rein deutsche Grunderscheinung. Der Deutsche hat wenig Neigung zum Parlamentarismus, er braucht starke Führer und eine kraftvolle Regierung. Wir haben d i e Sprache des Volkes gesprochen, damit es uns verstand. Es hat sich für unsere Ideen begeistert, bis es dazu kam, für sie zu sterben. Unfere Toten unb unfere Derwunbeten zeugen bafür. So würben wir z u Vertretern wahrer bemokrati- f cf? e r Tenbenzen. Aber unsere Anschauung ist bie bes Persönlichkeitswertes unb in- bem wir von biefer bie Masten überzeugt haben, haben wir über bie Demokratie triumphiert.
Ich kann nicht verstehen, so fuhr Dr. Goebbels fort, weshalb uns bas Ausland kriegerische Bestrebungen vorwirst. Im Mai vor dem Reichstag unb noch seht auf dem Nürnberger Parteitag hat der ftanjlet unumwunden erklärt, daß wir nicht die geringste kriege- rische Absicht hätten. Dir wollen keinerlei (Eroberungen. Dir sind mindestens ebenso friedfertig wie jede bürgerliche Regierung. Ein nationalsozialistisches Deutschland ist eine ebenso gute Garantie für den Frieden wie ein bürgerliches Deutschland. Ein Kanzler sowie Minister, die selbst den Krieg mit- gemacht haben, und die noch einmal daran tcil- nehmen würden, würden sich schwer dazu entschließen. einen neuen zu entfesseln.
Dr. ©oe-bbefs sagte diese letzten Worte mit besonderem Nachdruck. Er fand dann folgenden einleuchtenden Vergleich: „Sehen Sie, Das ist so wie in einem Prozeß. Es besteht ein großer Hnterschied zwi- schen dem Anwalt unb bem, ber bie Prozeßkosten zahlen soll. Die parlamentarischen Regie- r u n g e n gleichen Anwälten, bie meber Haß noch Liebe kennen, weil ber Prozeßausgang s i e persönlich nicht berührt. Solche Leute finb auch z u einem Kriege bereit, weil sie nicht baran teilnehmen. Wir finb nicht bie Anwälte des beutschen Volkes, sonbern wir sind bas deutsche Volk f e I b ft unb ber, ber große Dinge vollbringt, wirb immer bie respektieren, die auf ber anberen Seite Großes leisten.
wohlverstanden: Deutschland will fein Lebensrecht. Ich würde lügen, wollte ich das Gegenteil behaupten. Deutschland muh fein Brot und feine Sicherheit haben. Es hat in Deutschland noch nie einen Kanzler gegeben, der die anderen Völker so sehr achtet, wie Adolf Hitler. Dir sind nicht so töricht, Europa in einen neuen Krieg st ür- zen zu wollen. Sie werden nie von uns hören.
daß wir den Mut der Franzosen in Zweisei ziehen, wir wissen im Gegenteil, sie sind tapser, aber wir wollen, daß uns ein anderes Volk dieselben Gefühle der Achtung entgegenbringt. Abgesehen davon haben wir keinerlei Groll, vorausgesetzt, daß man uns unser Recht gibt. Ich bin zu nahe an Ihrer Grenze großgeworden, um Frankreich nicht zu verstehen. Den einzigen Krieg, den wir führen und den wir erklärt haben, ist der gegen die Arbeitslosigkeit, gegen hunger und Kälte. Die Welt wird in diesem Winter sehen, wie wir uns hierbei schlagen werden."
Zum Schluß machte ber Minister noch grunbsätz- liche Ausführungen über bie 3ub en frage. Der Nationalsozialismus habe niemals verhehlt, daß er antisemitisch fei. Ich möchte wissen, was b i e P a -
r i s e r sagen würben, wenn in Paris Dreiviertel ber Rechtsanwälte unb Aerzte Juben wären, wenn alle Krankenhäuser in jüdischen Händen wären und Kunst unb Presse ausnahmslos von ben Juden beherrscht würben Ich glaube, die Pariser würben sich mit dem gleichen Instinkt wie wir dagegen wenden. Ich gebe zu, bah ich bie Propaganda ber Juden nicht verstehe. Es ist ihre Schuld und nicht bie unsere, bah bie Jubensraae jetzt in ber ganzen Welt zur Diskussion gestellt ist. Wenn sie geschwiegen hätten, würbe bas Problem nicht so bren« nenb geworden fein unb in Dcutfchlanb selbst wäre es nicht mehr an ber Tagesordnung. Vergessen Sie nicht, bah in ber Vergangenheit bie rcindeutschen Intellektuellen unb Künstler gar nichts zu sagen hatten, weil die öffentliche Meinung von einseitiger Propaganda beeinflußt war. Wir wollen aber, daß ber beutfche Gebaute frei unb in vol - ler Lebenskraft zum Ausbruck kommt, auch in ber Kunst unb in ber Wissenschaft.
England legi sich nicht fest.
Oie Beschlüsse des britischen Kabinetts zur Abrüstungsfrage. — Simon fährt nach Paris. —Zn Genf erst die Entscheidung.
werben.müsse, baß sich Schwierigkeiten entgegen- stellten, sei boch ein beutliches Element ber Ermutigung bank bes jüngsten Kontaktes zu verzeichnen, ber zwischen Frankreich unb Italien hergestellt sei. Dieses enge Einvernehmen über bie jetzt zur Erörterung stehenden Dünkte lasse bie Zustimmung Deutschlands erhoffen. Die politischen Veränderungen, bie in Deutschland ftattgefunben hätten, dürsten jedoch nicht über- sehen werden und im Hinblick auf diese fei es keineswegs überraschend, daß bie französische Regierung unb bie französische öffentliche Meinung boppelt nervös geworben fei. Dies mache bie Lage schwieriger. Die englische Regierung vertrete bie Ansicht, bah jebe Anstregung gemacht werden müsse, weil ein Nichtzustandekommen einer Vereinbarung weittragende Folgen Haden würde.
Die Frage ber Heberwachung, bie in ben letzten Tagen besonbere Aufmerksamkeit gefunben habe, fei eigentlich nur eine Frage der Methode bes Vorgehens unb ber Maschinerie. In ber britischen Abrüstungskonoen- tion sei eine ftänbige Abrüstungskontrolle vorgesehen, bie jegliche Beschwerbe über einen Vertragsbruch untersuchen sollte. Die fron- zösische Regierung bagegen ziehe ein Verfahren vor. Das funktioniert, ohne baß eine Beschwerbe vorzuliegen brauche. Man glaube aber nicht, baß biefe „verhältnismäßige kleine Meinungsver- schiebenheit" ein Hinbernis für eine Abrüstungs- konvention bieten werbe. In britischen Kreisen betont man, daß irgenbeine Form ber Kontrolle ber französischen Regierung beträchtliches Vertrauen zur Hnterzeichnung einer Abrüstungskonvention geben mürbe, verhehlt sich jeboch andererseits nicht, baß es für Deutschlanb nach ben Erfahrungen, bie es mit ber Heberwachung feiner Rüstungen im Jahre 1924 gemacht habe, schwie - r i g fein werbe, einem ähnlichen Verfahren in einer Abrüstungskonvention zuzustimmen, obwohl es auf alle Hnterzeichner bes Dokumentes An- roenbung’ finden würde.
Staatssekretär Sir John Simon wird zusammen mit Unterftaatsfefretär Eben gegen Enbe Der Woche auf bem Wege nach Genf in Paris Aufenthalt nehmen, um bie Ansichten ber britischen Regierung zum Stanbpuntt der Franzosen barzulegen. Die französische Regierung gibt beiben ein Essen, an bem auch Stanley Balbwin, ber feine Kur in Sübsrankreich beenbet hat, teilnehmen wirb. Die französisch-englischen Besprechungen werben am Freitagnachmittag roieber ausgenommen werben. Ob Balbwin hinzugezogen wirb, steht noch dahin. Die englischen Minister werben wahrscheinlich Freitag abenb in Begleitung von Paul-Boncour nach Genf reifen.
2 o n b o n, 20. Sept. (TH.) Das englische Kabinett hielt am Mittwochnachmittag eine xroeiftünbige Kabinettssitzung ab. Alle Minister mit Ausnahme bes Schatzkanzlers, bes Präsibenten des Staatsrates, Baldwin unb des Handelsministers Runciman, die nicht in London weilen, nahmen an ber Sitzung teil. Hnterstaatsekretär Eben berichtete über feine Abrüstungsbesprechungen in Paris. Das Kabinett war, wie verlautet, von ber „zweckbien- lichen, maßvollen unb vernunftgemäßen Haltung" ber französischen Vertreter stark beeinbrudt. Beibe Regierungen hätten gefunben, baß in keiner noch offenen Frage eine große Kluft zwischen ihren Aus- faffungen bestehe. Die von Frankreich in ber Heber- wachungssroge vorgebrachte Stellungnahme sei natürlich e i n neues (Element in ben Verhanb- lungen. Es sei jetzt nicht ber geeignete Augenblick, zu einer Entscheibung über einzelne Punkte bes gesamten Abrüstungs- Programms zu kommen. Man habe sich daher bie Frage vorgelegt, was für ein Ausmaß von Abrüstung sich jetzt erreichen lasse unb wie sich bas Element ber Rüstungsüber- wachung in Einklang mit bem Entwurf ber Ab- rüstungsvereinbarung bringen lasse. Englanb nähere sich infofern bem amerikani-schen Stanb- punkt, als es für ben Fall, baß eine Probezeit angeregt werden sollte, vorher greifbare Zusagen über bas Maß ber A d - r ü ft u n g erhalten will, bas nach Ablauf ber vorgesehenen Zeit burchzusühren sei. Hinsichtlich der Dauer ber Probezeit seien keine festen Vorschläge gemacht worben. Die Anregungen schwanken zwischen sechs Mo- naten unb fünf Jahren. Das Kabinett hat zu biefer Frage noch keine endgültige Stellung genommen. Es hofft, daß sich in G e n f die Möglichkeit ergeben werde, zwischen England, Frankreich, Italien, Deutschland und Amerika die Frage des Hineinnehmens ber Heberwachungsvorschläge in bie Abrüstungsvereinbarung, sowie die weiteren Aussichten für bie Abrüstungsvereinbarung zu besprechen, auf beren Zustanbekommen bie englische Politik ben größten Wert lege.
Nach Beenbigung ber Sonbersitzung bes englischen Kabinetts würbe in amtlichen englischen Kreisen betont, baß ber englische Abrüstungsoor- schlag nach wie vor ber Mittelpunkt ber Verhandlungen unb biefer Vorschlag noch voll in Kraft sei. Die bestehenben Schwierigkeiten hätten in keiner Weise bem Willen ber englischen Regierung Abbruch getan, alles nur Menschenmögliche zur Erreichung einer Abrüstungsoereinbarung zu tun. Die Abrüstungsoereinbarung solle bie Unter- schrist aller Mächte tragen unb einen erheblichen unb wirklichen Beitrag zur Weltabrüstung enthalten. Obwohl zugegeben
fetzen. Vorwärts mit Hitler gegen hunger und Kälte!
Gez. Dr. Robert Ley.
Jeder Gaubetriebszellenleiter hat bis zum 1. Oktober feinen Werbefelbzugsplan bei ber Reichsleitung ber NSBO. einzureichen.
Senkung der Krankenkaffenbeiträge in Pommern.
Stettin, 20. Sept. (TU.) Auf Anorbnung bes Bezirksleiters ber Arbeitsfront Pommern Pg. lief- böhl hat ber pommerfche Lanbesverbanb im Hauptverband der Deutschen Krankenkassen eine erhebliche Beitragssenkung beschlossen. Die durch Beseitigung ber bisherigen Mißwirtschaft erzielten Ersparnisse ermöglichen ben pommerschen Ortskrankenkassen eine Senkung der Beiträge um durchschnittlich 10 bis 15 v. H. Diese Ermäßigung, bie zum 1. Oktober in Kraft treten wirb, erfaßt runb 145 000 Mitglieber unb bebeutet für bie pommerfche Wirtschaft eine (En Haftung in Hohe von einer Million Reichsmark jährlich.
Ole Grußpflicht in der SA.
Berlin, 20. Sept. (ERB.) Wie bie NSK. mitteilt, hat ber Chef bes Stabes ber SA. unb SS. eine Verfügung über bie Grußpflicht innerhalb ber SA. erlassen, in ber u. a. fol- genbe Bestimmungen festgelegt finb:
Es ist zu unterscheiben zwischen bem beutschen Gruß unb bem SA.°Gruß. Währenb ber beutfche Gruß in einem Erheben ber rechten Hanb unb. in beliebiger Ausführung besteht, also mehr einen allgemeinen lamerab- schaftlichen Gruß barfteüt, wirb ber S 21. - Gruß nach ben Bestimmungen ber SA.-Dienst- Vorschrift (usw.) burch 2lWegen ber linken Hanb an bas Koppel unb Heben Wes ausgeftreeften rechten Armes ausgeführt.
Der SA.-Gruß ist zu erweisen: Allen ranghöheren Führern ber SÄ. unb SS., bes in bie SA. eingeglieberten Wehrstahlhelms sowie gegenüber ben Offizieren ber Reichswehr unb ber Lanbes- unb Schutzpolizei.
Der kameradschaftliche deutsche Gruß ist zu wechseln zwischen allen im Range gleichgestellten Angehörigen ber SA. unb SS. untereinanber, sowie mit ben eine entsprechende Dienststellung einnehmenden
Angehörigen ber Reichswehr, ber Polizei, mit ben Angehörigen bes Stahlhelms, bes Deutschen Luft- sportverdanbes, ber Hitler-Jugenb, bes Bahnschutzes, sowie mit ber gesamten Parteigenossenschaft, sofern sie burch vorschriftsmäßige Betreibung als solche erkenntlich ist.
Oie Londoner Fnstizkomödie beendet.
L o n b o n , 20. Sept. (TH.) Der sogenannte „Hntersuchungsausschuß" über bie Ur- fache bes Reichstagsbranbes veranstaltete am Mitt- wochadenb in ber Caxton-Hall in Lonbon eine Versammlung, um seinen Bericht bekanntzugeben. Der Saal gähnte vor Leere. Kaum mehr als 10 0 Menschen hatten sich eingefunben. Der Bericht ist ungefähr acht eng beschriebene Schreibmaschinenseiten lang unb faßt bie Londoner Ver- Handlungen zusammen. Die Schlußfolgerungen, bie der Ausschuß zieht, stellen einen Gipfelpunkt in dieser ganzen Londoner Komödie dar. — Daß van der Lubbe ber B k*a n b st i f t e r gewesen ist, kann auch biefer Ausschuß nicht gut bestreiten. Der Ausschuß meint aber, daß van ber Lubbe Dies nicht allein habe tun können. Auch gegen biefe Feststellung wäre nichts einzuwenben, wenn der Ausschuß nicht eine Folgerung gezogen hätte, bie mit Sicherheit zu erwarten war. Er sagt nämlich: Da bie Nationalsozialistische Partei ben größten Vorteil aus bem Feuer gehabt habe, bestehe ber „23 e r b a ch t", baß ber Reichstag von führenben Personen ber Nationalsozialistischen Partei ober in ihrem Namen in Branb gesetzt worben sei. Der Ausschuß will wieder zusammentreten, falls sich „im Laufe ber Leipziger Derhanblungen ober nach ber Bekanntgabe bes Urteils neue Tatsachen herausstellten." Der amerikanische Vertreter, Rechtsanwalt Hans, wirb sich als einziges Mit» glteb dieser Komöbiantenoersammlung nach L e i p • zig zu den dortigen Verhandlungen begeben.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichskanzler empfing am Mitt- wach bie Rechtsanwälte Dr. Neubert (Berlin), Dr. N o a ck (Halle) und Ranz (Berlin), alle Mitglieder des Präsidiums ber Reichsrechtsanwaltskammer.
Um bie enge Verbunbenheit bes Stahlhelm- ftubentenringes ,Langemarck" mit ber nationalsozialistischen Jugenb auch äußerlich zu kennzeichnen, hat sieh bie stubentische Stahlhelm- jugenb bem Reichsjugenbführer ber NSDAP, unterteilt. Balbur von Schirach hat biefer Einglieberung in bie nationalsozialistische yugenbfront 3 u g e ft i m m t.
Der Danziger D 0 lkstag wählte ben bisherigen Senator Dr. Wiercinski-Keiser, ber vor einigen Tagen aus dem Zentrum ausgetreten war unb sein Amt niebergelegt hatte, auf Antrag ber Nationalsozialisten von nu-em zum Senator. Das Zentrum enthielt sich ber Stimme.
Die Tätigkeit bes „B u n b e s Oder 1 anb" ist für ganz Oesterreich verboten worben unb bie Mitglieberwerbung unter Strafe gestellt. 22 Personen würben feftgenommen, von benen einige bereits xu Arreststrafen verurteilt wurden. Polizeirat Dr. Begus wurde wegen Verdachts des Ämtsmißbrauchs dem Landesgericht eingeliefert.
Wettervoraussage.
_ Das lief über ben britifdjen Inseln hat sich jetzt sübckstlich nach Frankreich und Deutschland verlagert. Es wird vorerst noch unsere Wetterlage beherrschen, und zwar gelangen wir mehr in ben Bereich seiner Norbseite. Dabei gehen mit dem Wechsel ber Luftzufuhr bie Temperaturen zurück^ es kommt noch zur Wolkenbilbung mit zeitweisen Niederschlägen, jedoch setzt auch zwischendurch leichte Aufheiterung ein.
Aussichten für Freitag: Meist wolkig, aber auch etwas ausheiternd, zeitweise noch Niederschläge, etwas kühler.
Aussichten für Samstag: Zunächst nur vereinzelt etwas Niederschlag, teils wolkig, teils auf- heiternd, kühl.


