Ausgabe 
21.9.1933 Erstes Blatt
 
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Maßgebend für das neue Kabinett Dollfuß ist die Konzentration der Befugniffe des Bundeskanzlers, der nunmehr zugleich Mi­nister fürAeußeres, Heereswefen, Sicherheitswesen und Landwirtschaft ist. Zu dieser nahezu diktatori- rischen Gewalt wird aber praktisch dadurch ein Gegengewicht geschaffen, daß der bisherige Sicher­heitsminister Fey zweifellos die stärkste Per­sönlichkeit des Kabinetts ist, der für den weiteren Gang des innerpolitischen Geschehens den wichtigen Posten des Vizekanzlers übernommen hat. Es wird sich insbesondere bald Herausstellen, ob der neue Vizekanzler tatsächlich auch einen härte­ren Kurs der Sozialdemokratischen Partei gegenüber cinschlägt, als es der zu­rückgetretene Vizekanzler Winkler getan hat. Inwie­weit durch die neue Lösung die latenten Gegen­sätze zwischen Dollfuß und Fey beseitigt sind, bleibt ebenfalls abzuwarten. Der äußerst scharfe Konflikt, der durch die demokratisch-parlamentarischen Ge­dankengänge Winklers zwischen ihm und Star- Hemberg ausgebrochen war, ist zugunsten derautoritären" Richtung entschieden. Durch das Ausfallen des cheeresministers Bau- goin, der gleichfalls Parteiobmann der Ehristlich- sozialen Partei ist, soll dieserüberparteiliche" und autoritäre" Charakter noch unterstrichen werden, was allerdings nichts an der Feststellung ändern kann, daß es sich eben doch um ein vorwiegend christlich-soziales Kabinett handelt. Auch die Neukonstruktion des Kabinetts Dollfuß zeigt keinen Ansatz zu einer wahren staatspolitischen Lö­sung der eigentlichen Aufgabe: der auch in Oester­reich zum Durchbruch kommenden Volksbe­

wegung ihren gebührenden Anteil an der Staatslenkung zu verschaffen.

Schutz für das deutsche wissenschaftliche Buch.

Berlin, 20. Sept. (TU.) Der infolge von Beschwerden des Auslandes dem deut­schen wissenschaftlichen Buche und der deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift stellenweise drohende Boykott hat das Reichsministerium des Innern veranlaßt, die Vertreter der zuständigen Aemter der Notgemeinschaft der deutschen Wis­senschaft und des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu einer Bespre­chung zu vereinigen. Die Besprechung fand unter dem Vorsitz von Ministerialdirektor Dr. B u t t - mann statt und ergab Uebereinstimmung über den Ernst der Lage und die Notwendigkeit im deut­schen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Belang durchgreifende Maßnahmen zur Behe­bung der vorgetragenen Mißstände und Schwierig­keiten zu treffen. Von diesem Standpunkt aus wurde die am 3. August 1933 in Münster von dem Verband der Deutschen Hochschulen und dem Bör­senverein der Deutschen Buchhändler abgeschlossene Vereinbarung als ein erster wichtiger Schritt der Selb st Hilfe der Autoren und Ver­leger begrüßt und von den Maßnahmen einzel­ner Firmen auf dem Gebiete der Preisbildung und des Umfanges der Zeitschriftenjahrgänge Kenntnis genommen. Das Reichsministerium des Innern erwartet von der wirtschaftlichen Einsicht und dem nationalen Pflichtbewußtsein der Autoren

und Verleger die strenge Durchführung und gegebenenfalls die notwendige Erweiterung der getroffenen Vereinbarung und eingeleiteten Maßnahmen und ist mit den übrigen beteiligten amtlichen Stellen bereit, sich an der Abwehr der der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft drohenden Gefahren durch geeignete Maßnahmen zu beteiligen.

Dr. Willo Mahr Letter des Giaais- preffeamts.

WSN. Darmstadt, 20. Sept. Der hessische Staatsminister Jung hat durch Verfügung mit sofortiger Wirkung Dr. Willo Mahr zum Leiter des S t a a t s p r e s s e a m t e s er­nannt. Damit ist die Verfügung des hessischen Staatsministeriums vom 16. September über die Beauftragung des Gerichtsaffeffors Dr. Will mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte der Staats­pressestelle aufgehoben. Dr. Willo Mahr ist am 18. Juli 1900 als Sohn des derzeitigen Amtsgerichtsrats Dr. Mahr in Darm stabt ge­boren. Er besuchte das humanistische Gymnasium in Darmstadt und studierte dann Staatswissen­schaften in Frankfurt und Würzburg. Er war dann bis 1930 in der Industrie tätig, bis April 1933 Steuer- und Wirtschaftsberater und vom April bis September 1933 kommissarischer Bürger­meister in Lauterbach (Hessen). 1919 nahm Dr. Mahr an den Befreiungskämpfen in Kurland teil und wurde vor Riga schwer verwundet. Im Herbst 1920 wurde er aus dem Heeresdienst ent­lassen. Sein Eintritt in die NSDAP, erfolgte im November 1931. 1932 wurde er Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe 3 in Darmstadt und 1933 stellver­tretender Kreisleiter in Lauterbach.

Der neue Wirtschastsplan -er Reichsregierung.

Reichskanzler und Reichswirischaftsminister erläutern vor dem Generalrat der Wirtschaft das Programm für den Winter.

Berlin, 20. Sept. (WTB.) Amtlich wird mit­geteilt: Am Mittwoch tagte der Generalrat der Wirtschaft zunächst unter dem Vorsitz des Reichs­wirtschaftsministers Dr. Schmitt, am Nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers.

Zu Beginn der Verhandlungen umriß der Reichs­wirtschaftsminister zunächst nochmals kurz d i e Aufgaben des Generalrates der Wirtschaft und gab dann dem Generalrat den umfassenden Wirtschaftsplan der Reichs- regierung bekannt, der bem Ziele einer weiteren nachhaltigen Besserung der Wirtschaftslage Deutschlands dient. Schon jetzt ist eine kräftige Belebung der deutschen Wirtschaft unverkennbar. Das wird beson­ders klar, wenn man sich vergegenwärtigt, in wel­chem Zustande die Regierung der nationalen Revo­lution die deutsche Volkswirtschaft am Anfang die- ses Jahres übernommen hat. Damals befand sich die deutsche Volkswirtschaft aus dem ti e f st e n Punkt, den sie seit langem nicht nur im Ver­laufe der jetzigen Wirtschaftskrise erreicht hat. Im Januar d. I. betrug die Zahl der Arbeitslosen über 6 Millionen. Sie ist bis heute um 2 Millio­nen gesunken. Die Zahl der beschäftigten Ar­beitnehmer hatte nach der Monatsstatistik der Krankenkassen im Januar 1933 mit 11,5 Millionen den tiefsten Stand erreicht. Heute sind wieder etwa 13,75 Millionen B e - schäft igte im Arbeitsprozeß. Dabei hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit beträchtlich gehoben. Die Beschäftigtenzahl steigt auch jetzt noch. Insbesondere ist auch die wirt­schaftliche Aufwärtsentwicklung gegenüber den ent­sprechenden Zeiten der Vorjahre unverkennbar. Im August d. I., um nur eine Vergleichszahl zu nennen, waren über 1000 000 Volksgenossen mehr beschäftigt als im August 1932.

Diese günstige Entwicklung ist aus die wirt­schaftspolitischen Maßnahmen der Regierung zurückzuführen, von den über 2 000 000 Arbeitskräften, die in den letzten acht Monaten eingestellt wurden, verdanken allein etwa 300 000 ihre Beschäftigung unmit­telbar den Arbeitsbeschaffungsmah- nahmen des Reiches, dec Reichsbahn und der Reichspost. Die größte Zahl der anderen Be­schäftigten verdankt ihr Brot den A u f 11 ä g e n der Länder, Gemeinden und der ander en öffentlichen Körperschaf­ten, vor allem aber der durch die Maßnahmen der Reichsregierung wieder kräftig gestärkten Initiative der Privatwirtschaft. Schon die seitherigen Maßnahmen haben durch das ganz neue System der mittelbaren Ar­beitsbeschaffung, durch Steuererleichterungen, Ehestandsdarlehen, Dedarssdeckungsscheine, Zu­schüsse für verschiedene Zwecke usw. d i e private Initiative auf breite ft er Grundlage belebt. Diese Maßnahmen stehen dabei er st am Anfang ihrer Durchführung, sie werden also in immer steigendem Maße Ar­beitskräfte in das Erwerbsleben zurückbringen.

Ich darf hier hervorheben, daß die Reichsregie­rung bei allen wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Landwirtschaft und der Bauwirt­schaft besondere Pflege hat angedeihen lassen. Bei der Förderung der Bauwirtschaft ist sie von der alten Erfahrung ausaegangen, daß die Be­lebung der Bautätigkeit die entscheidende Voraussetzung für einen allgemeinen Wirtschaftsaufstieg ist. Schon zwei Mo­nate nach der Uebernahme der Regierung durch die nationale Revolution hatte die Beschäftigung auf dem Baumarkt den Vorjahres st and weit überschritten. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, wird der Wert der baugewerblichen Produk­tion im lausenden Jahre um mehr als die Hälfte größer fein als 1932

Dieser Aufschwung hat sich erfreulicherweise auch der Landwirtschaft mitgeteilt. Deutsch­land wird in steigendem Maße durch seine heimische Landwirtschaft versorgt. Auf wichtigen Gebieten ist es schon heute Selbstversorger. Daß dabei die Reichsregierung entscheidenden Wert darauf legt, der Landwirtschaft ausreichende Erlöse zu sichern, geht aus den agrarpolitischen Maßnah. men Der letzten Tage hervor.

Der Belebung der Wirtschaft kann das deutsche Volk klar entnehmen, daß die Reichsregierung mit ihren Maßnahmen auf dem rechten Wege ist. Alle Erfolge können und sollen das deutsche Volk aber nicht darüber hinweatäuschen, daß erst die erste Etappe der Arbeitsschlacht gewon- neu ist, und daß noch ein weiter Wea bis zum end­gültigen Sieg über die wirtschaftliche Not zuruck-

zulegen ist. Die Reichsreaierung hat daher mit dem Generalrat der Wirtschaft neue Pläne beraten, die eine weitere organische Besserung der Wirt­schaftslage zum Ziele haben.

Der Ausgangspunkt für diese Pläne war nach der wirtschaftlichen Gesamtlage klar gegeben. Die unheilvolle Schrumpfung, die sich in allen Industrieländern, vor allem aber in Deutschland und in den Bereinigten Staaten vollzog, findet ihren deutlichsten Ausdruck darin, daß der Aufwandfür Erneuerungund Ben­in o e ft i t i o n in der Wirtschaft auf einen g e - ringen Bruchteil des Umfanges zurück- gegangen ist, den er vor der Krise ausmachte, hierin Haden wir die fundamentale Ursache der Krise und der Schrumpfung zu erblicken. Dem­gemäß muh die Wirtschaftspolitik darauf ab- zielen, Er Neuerungsbedarf und 3 n - vestitionsbedarf wieder zu wecken. Gelingt dies auch nur in einigermaßen nennens­wertem Umfange, so wird der wichtigste Schritt zur wirtschaftlichen Wiedergesundung getan sein, hierauf hat die Reichsregierung ihre Politik abgestellt.

Wir erwarten dabei, wie ich schon heroorhob, die Gesundung der Wirtschaft auf Die Dauer nicht von einer stärkeren Betätigung des Staates in der Wirtschaft, sondern von der wieder wachsen­den Initiative der Unternehmungen. Das bedeutet aber nicht, daß der Staat untätig sein dürfte. Seine Aktivität hat sich vielmehr in erster Linie darauf zu richten, in seinem eige­

nen Bereich Ordnung zu schaffen. Nur so kann er verhüten, daß von der öffentlichen Wirtschaft her die private Wirtschaft neue Störun­gen oder Hemmungen erfährt. Darüber hinaus Darf und soll er in der Depression noch einen Schritt weitergehen. In dieser Zest muß er auch das geht auf alte Erfahrungssätze zurück i m traditionellen Bereich seiner Auf­gaben planmäßig Arbeiten durch­führen, die entweder bisher zurückgestellt waren oder in nächster Zukunft auszusühren wären. Ar­beitsbeschaffungsprogramme, die sich in diesem Rahmen halten, sind unzweifelhaft rationell, da sie keine Uebersteigerung des öffentlichen Aufwan­des, sondern nur Die Verlagerung dieses Aufwandes in die K o n j u n k t u r p h a f e bedeuten, in Der ihre Ausführung neben dem un­mittelbaren Zweck noch mittelbar die bedeutsame Aufgabe einer allgemeinen Belebung Der Nachfrage und Der Anregung der Kon­junktur erfüllt.

Daraus ergeben sich klar folgende Grundlinien des Planes, den die Reichsregierung nach der heutigen Beratung mit dem Generalrat durchzuführen be­schlossen hat:

1. Gesundung der Kommunalfinanzen durch Konsolidierung der kurzfristigen Schul­den und Sanierung des Haushaltes durch starke Entlastung von Wohlfahrtsausgaben:

2. energische Weiterführung der Ar­beitsbeschaffung;

3. Lösung der Starre auf dem Geld- und Kapitalmarkt.

MßnahmenzurGesM-ungderGemeindesinaiizen

Umschuldung der kurzfristigenGchulden undEntlastung vonWohlfahrtsausgaben

Im Mittelpunkt dieses Planes steht die Ge­sundung der Kommunalwirtschaft. Die Reichsregierung hat ein Gesetz über die Um­wandlung kurzfristiger Jnlandsschulden der Gemein­den, das Gemeindeumschuldungsgesetz, verabschiedet. Sie ist hierbei davon ausgegangen, daß eine Ordnung Der Gemeindefinanzen auf die Dauer nicht möglich ist, wenn nicht der Schulden­dienst unter gleichzeitiger durchgreifender Sanie­rung Der Haushaltsgebarung auf eine trag­bare Grundlage zurückgeführt wird. Die Reichsregierung hat auf Der anderen Seite sich bemüht, dem Gesichtspunkt Rechnung zu tragen, daß Eingriffe in d i e Rechte der Gläubiger nach Möglichkeit ver­mieden werden. Die Verschuldung Der Gemein­den, insbesondere Die etwa zwei Milliarden Mark betragenden kurzfristigen Schulden, bil­den aber ein Problem, das für die Finanzgebarung der öffentlichen Körperschaften ernste Gefah­ren in sich birgt und den Geld- und Kapitalmarkt immer wieder beunruhigt, und das deshalb unter allen Umständen zu einer Lösung gebracht werden muß. Einem Umschuldungsverband als Mitglieder beitreten dürfen nur solche Gemein­den, die ohne Umschuldung ihren Zin­sendienst nicht erfüllen können. Kurz­fristige Forderungen sind im Sinne des Gesetzes solche Kapitalforderungen, die bereits fällig gewor­den sind oder die bis zum 31. März 1935 fällig werden.

£ieferanfenforberungen, zu denen auch die Forderungen der Handwerker gehören, Zins- und Tilgungszahlungen für langfristige Darlehensforderun- gen sowie Aufwerkungssorderungen sind ausdrücklich ausgenommen.

Die Mitglieder des Umschuldungsverbandes dür­fen jedem inländischen Gläubiger einer kurzfristi­gen Forderung die Umwandlung in Schuld­verschreibungen anbieten. Die Schuldver­schreibungen werden mit 4 o. H. verzinst und vorn 1. Oktober 1936 ab mit 3 o. H. jährlich ersparter

Zinsen getilgt. Das Opfer, das der Gläubiger da­durch bringen muß, daß er in Zukunft nur 4 v. H. Zinsen erhält, ist nur ein scheinbares, Denn in Den Fällen, Die umgeschuldet werden, hat er nicht mehr Die Gewähr, daß Die G e - meinDe ihren SchulDenDienst erfüllt. Die Erfüllung Des SchuldenDienstes Der Schuldver- schreibungen ist in jeder Weise s i ch e r g e st e 111, Da, falls Die Gemeinden mit ihren Leistungen im Rückstand bleiben. Der Reichsminister der Finan­zen die rückständigen Beträge dem Umschuldungs- verband überweist und sie Dann von Den Steuerüberweisungen an Die Länder a b z i e h t. Der Gläubiger braucht bas Umschul- Dungsangebot nicht anzunehmen. In diesem Falle kann er innerhalb Der nächsten fünf Jahre seine Ansprüche einschließlich Des Zinsanspruches gegen Die GemeinDe nicht geltend machen. Die Zinsen werden unter Aufrechterhaltung des vertraglichen Zinsfußes Dem Kapital z u- geschlagen.

wird durch diese Konsolidierung von den Ge­meinden der Alpdruck genommen, den die außer­ordentlich hohe kurzfristige Verschuldung heute darstellt, so sollen sie auf der anderen Seite eine durchgreifende Verbesserung ihrer haushalte dadurch erfahren, daß sie weitgehend von den Wohlfahrts­lasten entlastet werden. Die Entlastung ist so bemessen, daß sie zusammen mit der Zins- ersparnis, die bei der kurzfristigen Schuld un­mittelbar eintritt und bei der langfristigen Ver- schuldung im Zuge der weiterhin geplanten ka- pitalmarktpolitischen Maßnahmen zu erwarten ist, einen entscheidenden Schritt zur Gesundung der Gemeindefinanzen darstellt. Die Reichsregierung verfolgt hierbei die Absicht, den Gemeinden wieder die Bewe­gungsfreiheit zu verschaffen, die sie haben müs­sen, um ihre wichtigen Funktionen im Rahmen der Gesamtwirtschast zu erfüllen.

Weilerführmg der Arbeitsbeschaffung.

Ebenso wie in Der öffentlichen Wirtschaft, so soll auch auf wichtigen Gebieten Der Pri­vatwirtschaft Durch großzügige Maßnahmen förDernD eingegriffen werden. Zu Diesem Zweck roirD Der Reichsfinanzminister ermächtigt, 5 0 0 Millionen Mark zur FörDerung von JnstanDsetzungs- unD Ergänzungs­arbeiten an Gebäuden, für Die Teilung von

Wohnungen unD für Den Umbau sonstiger Räume zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung ist, Daß Der Eigentümer Das Vierfache Dieses Be­trages aus eigenen ober geliehenen Mitteln für bie eben genannten Arbeiten auf­bringt. Die Leistung bes Schulbenbienstes wirb ihm baburch erleichtert, baß ihm 4 v. H. bes aufgewen- beten Kapitalbetrages auf die Hauszins­

ft euer angerechnet werben. Weiter wird f ü r bie Landwirtschaft eine erhebliche Lasten- fenkung vorgenommen, inbem für sie bie Um­satz st e u e r a u s 1 v. H. festgesetzt wirb. Außerbem wirb bie landwirtschaftliche Srunboertnögens- ft eil e r ab 1. Oktober 1933 um einen Jahres« betrag bis z u 100 Millionen Mark g e senkt. Zur Förberung bes Wohnungsbaues und zur weiteren Anregung bes Baumarktes sind neue Steuerbefreiungen für neu er« richtete Kleinwohnungen unb Eigen« Heime vorgesehen.

In ber Arbeitsbeschaffung wirb bie Reichsregierung auf energische Durchführuna bes bisherigen Programmes bebacht fein. Im übrigen wirb sie nach ber Sanierung ber Gemeindefinanzen es als ihre ausschließliche Aufgabe betrachten, ein­zelne große, in ihrer Wirtschaftlichkeit gesicherte und nur zentral durchführbare Vorhaben, wie Auto­bahnen unb Ferngasleitungen, mit allen Kräften zu fördern.

Ein Gegenstand besonderer Sorge ist endlich die Gestaltung bes Kapitalmarktes, Dessen Entwicklung Die auf Den verschieDenen Gebieten der Wirtschaft angetretene Besserung noch nicht wider- Öelt. Die Reichsbank hat bisher keine ausrei» e Möglichkeit gehabt, hier helfend einzugrei­fen, insbesondere Die ungewöhnlich starke Span­nung zwischen Gelb- unb Kapitalmarkt zum Ver- schwinben zu bringen unb bie Zuführung offensicht­lich zurückgehaltener Mittel zum Kapitalmarkt wirk­sam anzuregen.

Die Reichsbank muh die Möglichkeit erhalten, auf dem Wege über eine entsprechende Regelung des Geldmarktes den Kapitalmarkt lei- stungsfähiger zu machen, feine Funk­tionsfähigkeit allmählich zu beleben und so d a s vertrauen der E f f e k t e n b e f i h e r, insbesondere auf dem Gebiet der festverzinslichen Werte, in die Aufnahmefähigkeit des Kapital­marktes zu festigen. Die Reichsbank ist ent- schlossen, diesen Weg zu gehen. Der gemeinsame feste Dille der Reichsregierung und der Reichs­bankleitung bietet die Gewähr dafür, daß die Reichsbank von der Erweiterung ihrer Bewe- gungs- und Betätigungsfreiheit nur unter gewissenhafte ft erBerückfichtigung der Währung Gebrauch machen wird. Die vorbereitenden Schritte zur Ergänzung des Bankgesehes sind bereits eingeleitet.

Als unerläßliche Voraussetzung einer erfolgreichen Durchsetzung dieser Pläne sieht es bie Reichsregie­rung an, bas Lohn- unb Preisniveau in seinem Gesamtdurchschnitt z u erhal- t e n. Das schließt jeboch eine Auflockerung bes Lohn- unb Preisgefüges in vereinzelten Fällen nicht aus. Alle Maßnahmen finb auf ber engen Schicksalsgemeinschaft zwischen Landwirtschaft unb übriger Wirtschaft aufgebaut.

Die Reichsregierung hat mit ben Wirtschafts- planen ein Werk geschaffen, bas alle Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Belebung auszunutzen versucht. Sie ist sich bewußt, baß auch biefes Werk Menschen- werk ist unb nicht vollkommen sein kann. Vor allem ist sie ber Ueberzeugung, baß es ohne tatkräf­tige Mitwirkung aller Schichten ber Bevölkerung nicht gelingen kann. Nur bas Bewußtsein ber großen wirtschaftlichen Not wird uns bie Kraft unb bie Beharrlichkeit geben, bie Voraussetzung für bie Ueberroinbung ber heutigen Wirtschaftskrise sinb. Ebenso wie bie national­sozialistische Bewegung im jahrelangen Kampf, der oft aussichtslos erschien, dadurch gesiegt hat, daß jeder einzelne an dem Gedanken am Endsieg un­verbrüchlich festgehalten hat, ebenso kann der wirt­schaftliche Wiederaufstieg Deutschlands nur gelin­gen, wenn jeder einzelne vorn endgül- t i g e n Erfolg zutiefst überzeugt ist unb in diesem Gedanken die Hindernisse bekämpft, die sich auf dem Wege zum Enderfolg häufen.

Tragen Sie, meine Herren vom Generalrat, diese Gedanken in das deutsche Volk hinaus, bann ist kein Zweifel, baß bas Enbziel unseres gewaltigen Kampfes erreicht wird. Je stärker und positiver die große Anstrengung der Regierung von dem Willen und ber Entschlossenheit aller Schichten bes beut- schen Volkes getragen wirb, befto mehr wirb es der Reichsregierung möglich fein, alle Einwirkungen von unserem Wirtschaftsleben fernzuhalten und einen lebendigen Beweis dafür zu erbringen, daß auch auf dem Gebiete ber Wirtschaft ohne ziel­bewußte Führung nicht auszukommen ist.

Nach ben Darlegungen bes Reichswirtfchafts- minifters gab ber Reichsfinanzminister Gras Schwerin von Krosigk noch nähere Erläu­terungen zu bem Gemeinbeumschulbungsgesetz, und Dr. Schacht sprach über bie Maßnahmen auf bem Kapitalmarkt. An ber anschließenben Diskus­sion beteiligten sich fast alle Mitglieber bes General­rates in sehr ergiebiger Weise. Die Bertjanblungen würben durch eine Mittagspause unterbrochen. Um 18.30 Uhr erschien Reichskanzler Adolf H i 11 e r in der Sitzung des Generalrates unb nahm sogleich bas Wort zu längeren Ausführungen über bie Lage unb die Aufgaben der Wirtschaft im na­tionalsozialistischen Staate.

Reichskanzler Adolf Hiller ging davon aus, daß die wirtschaftliche Entwicklung niemals von der politischen zu trennen ist. Die Macht ist immer die Wegbereiterin der Wirtschaft gewesen. In ben verflossenen acht Monaten ist ein starkes Postament geschaffen worben, auf bem bie Wirtschaft stehen kann, und ber Rah­men gegeben worben, in ben sie sich einfügen kann. Die Wirtschaft könne jetzt wieder auf lange Sicht Disponieren, weil bei biefer Regierung nicht bie Gefahr bestehe, baß sie morgen ober übermorgen nicht mehr da ist. Es sind 20.00000 Menschen wieder in den Produktionsprozeß einge­gliedert worden. Die Reichsregierung ist aber über­zeugt, daß dieser Erfolg nur dann ein dauer­hafter sein werde, wenn immer wieder gegen Die Arbeitslosigkeit mit energischen Angriffen unD mit fanatischer Beharrlichkeit cor« gegangen werde. Wenn es gelingt. Die saison- mäßige RückwanDerung Der Arbeitermassen im Herbst unD Winter aufzuhalten, werde im nächsten Frühjahr ein neuer Generalan­griff mit einem durchschlagenden Erfolg einsetzen können. Um Dies zu erreichen, finD große unD neue Maßnahmen erforDerlich. Nicht nur Die Reichs­regierung, fonDern auch Die Wirtschaft habe hierbei Die Erziehungsarbeit zu leisten, auf Die es in erster Linie ankomme.

Ls gilt vor allem, Die Ideologie ber V e - bürsnislosigkeit und ber systematischen Einschränkung des Vebarfes, also Den vom Kommunismus ausgehenden Primiti- vitätskult zu bekämpfen. Dieses bolschewi­stische Ideal der allmählichen Rückentwickelung der Zivilisationsansprüche müsse unweigerlich

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