Maßgebend für das neue Kabinett Dollfuß ist die Konzentration der Befugniffe des Bundeskanzlers, der nunmehr zugleich Minister fürAeußeres, Heereswefen, Sicherheitswesen und Landwirtschaft ist. Zu dieser nahezu diktatori- rischen Gewalt wird aber praktisch dadurch ein Gegengewicht geschaffen, daß der bisherige Sicherheitsminister Fey zweifellos die stärkste Persönlichkeit des Kabinetts ist, der für den weiteren Gang des innerpolitischen Geschehens den wichtigen Posten des Vizekanzlers übernommen hat. Es wird sich insbesondere bald Herausstellen, ob der neue Vizekanzler tatsächlich auch einen härteren Kurs der Sozialdemokratischen Partei gegenüber cinschlägt, als es der zurückgetretene Vizekanzler Winkler getan hat. Inwieweit durch die neue Lösung die latenten Gegensätze zwischen Dollfuß und Fey beseitigt sind, bleibt ebenfalls abzuwarten. Der äußerst scharfe Konflikt, der durch die demokratisch-parlamentarischen Gedankengänge Winklers zwischen ihm und Star- Hemberg ausgebrochen war, ist zugunsten der „autoritären" Richtung entschieden. Durch das Ausfallen des cheeresministers Bau- goin, der gleichfalls Parteiobmann der Ehristlich- sozialen Partei ist, soll dieser „überparteiliche" und „autoritäre" Charakter noch unterstrichen werden, was allerdings nichts an der Feststellung ändern kann, daß es sich eben doch um ein vorwiegend christlich-soziales Kabinett handelt. Auch die Neukonstruktion des Kabinetts Dollfuß zeigt keinen Ansatz zu einer wahren staatspolitischen Lösung der eigentlichen Aufgabe: der auch in Oesterreich zum Durchbruch kommenden Volksbe
wegung ihren gebührenden Anteil an der Staatslenkung zu verschaffen.
Schutz für das deutsche wissenschaftliche Buch.
Berlin, 20. Sept. (TU.) Der infolge von Beschwerden des Auslandes dem deutschen wissenschaftlichen Buche und der deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift stellenweise drohende Boykott hat das Reichsministerium des Innern veranlaßt, die Vertreter der zuständigen Aemter der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft und des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu einer Besprechung zu vereinigen. Die Besprechung fand unter dem Vorsitz von Ministerialdirektor Dr. B u t t - mann statt und ergab Uebereinstimmung über den Ernst der Lage und die Notwendigkeit im deutschen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Belang durchgreifende Maßnahmen zur Behebung der vorgetragenen Mißstände und Schwierigkeiten zu treffen. Von diesem Standpunkt aus wurde die am 3. August 1933 in Münster von dem Verband der Deutschen Hochschulen und dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler abgeschlossene Vereinbarung als ein erster wichtiger Schritt der Selb st Hilfe der Autoren und Verleger begrüßt und von den Maßnahmen einzelner Firmen auf dem Gebiete der Preisbildung und des Umfanges der Zeitschriftenjahrgänge Kenntnis genommen. Das Reichsministerium des Innern erwartet von der wirtschaftlichen Einsicht und dem nationalen Pflichtbewußtsein der Autoren
und Verleger die strenge Durchführung und gegebenenfalls die notwendige Erweiterung der getroffenen Vereinbarung und eingeleiteten Maßnahmen und ist mit den übrigen beteiligten amtlichen Stellen bereit, sich an der Abwehr der der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft drohenden Gefahren durch geeignete Maßnahmen zu beteiligen.
Dr. Willo Mahr Letter des Giaais- preffeamts.
WSN. Darmstadt, 20. Sept. Der hessische Staatsminister Jung hat durch Verfügung mit sofortiger Wirkung Dr. Willo Mahr zum Leiter des S t a a t s p r e s s e a m t e s ernannt. Damit ist die Verfügung des hessischen Staatsministeriums vom 16. September über die Beauftragung des Gerichtsaffeffors Dr. Will mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte der Staatspressestelle aufgehoben. — Dr. Willo Mahr ist am 18. Juli 1900 als Sohn des derzeitigen Amtsgerichtsrats Dr. Mahr in Darm stabt geboren. Er besuchte das humanistische Gymnasium in Darmstadt und studierte dann Staatswissenschaften in Frankfurt und Würzburg. Er war dann bis 1930 in der Industrie tätig, bis April 1933 Steuer- und Wirtschaftsberater und vom April bis September 1933 kommissarischer Bürgermeister in Lauterbach (Hessen). 1919 nahm Dr. Mahr an den Befreiungskämpfen in Kurland teil und wurde vor Riga schwer verwundet. Im Herbst 1920 wurde er aus dem Heeresdienst entlassen. Sein Eintritt in die NSDAP, erfolgte im November 1931. 1932 wurde er Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe 3 in Darmstadt und 1933 stellvertretender Kreisleiter in Lauterbach.
Der neue Wirtschastsplan -er Reichsregierung.
Reichskanzler und Reichswirischaftsminister erläutern vor dem Generalrat der Wirtschaft das Programm für den Winter.
Berlin, 20. Sept. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Am Mittwoch tagte der Generalrat der Wirtschaft zunächst unter dem Vorsitz des Reichswirtschaftsministers Dr. Schmitt, am Nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers.
Zu Beginn der Verhandlungen umriß der Reichswirtschaftsminister zunächst nochmals kurz d i e Aufgaben des Generalrates der Wirtschaft und gab dann dem Generalrat den umfassenden Wirtschaftsplan der Reichs- regierung bekannt, der bem Ziele einer weiteren nachhaltigen Besserung der Wirtschaftslage Deutschlands dient. Schon jetzt ist eine kräftige Belebung der deutschen Wirtschaft unverkennbar. Das wird besonders klar, wenn man sich vergegenwärtigt, in welchem Zustande die Regierung der nationalen Revolution die deutsche Volkswirtschaft am Anfang die- ses Jahres übernommen hat. Damals befand sich die deutsche Volkswirtschaft aus dem ti e f st e n Punkt, den sie seit langem nicht nur im Verlaufe der jetzigen Wirtschaftskrise erreicht hat. Im Januar d. I. betrug die Zahl der Arbeitslosen über 6 Millionen. Sie ist bis heute um 2 Millionen gesunken. Die Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer hatte nach der Monatsstatistik der Krankenkassen im Januar 1933 mit 11,5 Millionen den tiefsten Stand erreicht. Heute sind wieder etwa 13,75 Millionen B e - schäft igte im Arbeitsprozeß. Dabei hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit beträchtlich gehoben. Die Beschäftigtenzahl steigt auch jetzt noch. Insbesondere ist auch die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung gegenüber den entsprechenden Zeiten der Vorjahre unverkennbar. Im August d. I., um nur eine Vergleichszahl zu nennen, waren über 1000 000 Volksgenossen mehr beschäftigt als im August 1932.
Diese günstige Entwicklung ist aus die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung zurückzuführen, von den über 2 000 000 Arbeitskräften, die in den letzten acht Monaten eingestellt wurden, verdanken allein etwa 300 000 ihre Beschäftigung unmittelbar den Arbeitsbeschaffungsmah- nahmen des Reiches, dec Reichsbahn und der Reichspost. Die größte Zahl der anderen Beschäftigten verdankt ihr Brot den A u f 11 ä g e n der Länder, Gemeinden und der ander en öffentlichen Körperschaften, vor allem aber der durch die Maßnahmen der Reichsregierung wieder kräftig gestärkten Initiative der Privatwirtschaft. Schon die seitherigen Maßnahmen haben durch das ganz neue System der mittelbaren Arbeitsbeschaffung, durch Steuererleichterungen, Ehestandsdarlehen, Dedarssdeckungsscheine, Zuschüsse für verschiedene Zwecke usw. d i e private Initiative auf breite ft er Grundlage belebt. Diese Maßnahmen stehen dabei er st am Anfang ihrer Durchführung, sie werden also in immer steigendem Maße Arbeitskräfte in das Erwerbsleben zurückbringen.
Ich darf hier hervorheben, daß die Reichsregierung bei allen wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Landwirtschaft und der Bauwirtschaft besondere Pflege hat angedeihen lassen. Bei der Förderung der Bauwirtschaft ist sie von der alten Erfahrung ausaegangen, daß die Belebung der Bautätigkeit die entscheidende Voraussetzung für einen allgemeinen Wirtschaftsaufstieg ist. Schon zwei Monate nach der Uebernahme der Regierung durch die nationale Revolution hatte die Beschäftigung auf dem Baumarkt den Vorjahres st and weit überschritten. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, wird der Wert der baugewerblichen Produktion im lausenden Jahre um mehr als die Hälfte größer fein als 1932
Dieser Aufschwung hat sich erfreulicherweise auch der Landwirtschaft mitgeteilt. Deutschland wird in steigendem Maße durch seine heimische Landwirtschaft versorgt. Auf wichtigen Gebieten ist es schon heute Selbstversorger. Daß dabei die Reichsregierung entscheidenden Wert darauf legt, der Landwirtschaft ausreichende Erlöse zu sichern, geht aus den agrarpolitischen Maßnah. men Der letzten Tage hervor.
Der Belebung der Wirtschaft kann das deutsche Volk klar entnehmen, daß die Reichsregierung mit ihren Maßnahmen auf dem rechten Wege ist. Alle Erfolge können und sollen das deutsche Volk aber nicht darüber hinweatäuschen, daß erst die erste Etappe der Arbeitsschlacht gewon- neu ist, und daß noch ein weiter Wea bis zum endgültigen Sieg über die wirtschaftliche Not zuruck-
zulegen ist. Die Reichsreaierung hat daher mit dem Generalrat der Wirtschaft neue Pläne beraten, die eine weitere organische Besserung der Wirtschaftslage zum Ziele haben.
Der Ausgangspunkt für diese Pläne war nach der wirtschaftlichen Gesamtlage klar gegeben. Die unheilvolle Schrumpfung, die sich in allen Industrieländern, vor allem aber in Deutschland und in den Bereinigten Staaten vollzog, findet ihren deutlichsten Ausdruck darin, daß der Aufwandfür Erneuerungund Benin o e ft i t i o n in der Wirtschaft auf einen g e - ringen Bruchteil des Umfanges zurück- gegangen ist, den er vor der Krise ausmachte, hierin Haden wir die fundamentale Ursache der Krise und der Schrumpfung zu erblicken. Demgemäß muh die Wirtschaftspolitik darauf ab- zielen, Er Neuerungsbedarf und 3 n - vestitionsbedarf wieder zu wecken. Gelingt dies auch nur in einigermaßen nennenswertem Umfange, so wird der wichtigste Schritt zur wirtschaftlichen Wiedergesundung getan sein, hierauf hat die Reichsregierung ihre Politik abgestellt.
Wir erwarten dabei, wie ich schon heroorhob, die Gesundung der Wirtschaft auf Die Dauer nicht von einer stärkeren Betätigung des Staates in der Wirtschaft, sondern von der wieder wachsenden Initiative der Unternehmungen. Das bedeutet aber nicht, daß der Staat untätig sein dürfte. Seine Aktivität hat sich vielmehr in erster Linie darauf zu richten, in seinem eige
nen Bereich Ordnung zu schaffen. Nur so kann er verhüten, daß von der öffentlichen Wirtschaft her die private Wirtschaft neue Störungen oder Hemmungen erfährt. Darüber hinaus Darf und soll er in der Depression noch einen Schritt weitergehen. In dieser Zest muß er — auch das geht auf alte Erfahrungssätze zurück — i m traditionellen Bereich seiner Aufgaben planmäßig Arbeiten durchführen, die entweder bisher zurückgestellt waren oder in nächster Zukunft auszusühren wären. Arbeitsbeschaffungsprogramme, die sich in diesem Rahmen halten, sind unzweifelhaft rationell, da sie keine Uebersteigerung des öffentlichen Aufwandes, sondern nur Die Verlagerung dieses Aufwandes in die K o n j u n k t u r p h a f e bedeuten, in Der ihre Ausführung neben dem unmittelbaren Zweck noch mittelbar die bedeutsame Aufgabe einer allgemeinen Belebung Der Nachfrage und Der Anregung der Konjunktur erfüllt.
Daraus ergeben sich klar folgende Grundlinien des Planes, den die Reichsregierung nach der heutigen Beratung mit dem Generalrat durchzuführen beschlossen hat:
1. Gesundung der Kommunalfinanzen durch Konsolidierung der kurzfristigen Schulden und Sanierung des Haushaltes durch starke Entlastung von Wohlfahrtsausgaben:
2. energische Weiterführung der Arbeitsbeschaffung;
3. Lösung der Starre auf dem Geld- und Kapitalmarkt.
MßnahmenzurGesM-ungderGemeindesinaiizen
Umschuldung der kurzfristigenGchulden undEntlastung vonWohlfahrtsausgaben
Im Mittelpunkt dieses Planes steht die Gesundung der Kommunalwirtschaft. Die Reichsregierung hat ein Gesetz über die Umwandlung kurzfristiger Jnlandsschulden der Gemeinden, das Gemeindeumschuldungsgesetz, verabschiedet. Sie ist hierbei davon ausgegangen, daß eine Ordnung Der Gemeindefinanzen auf die Dauer nicht möglich ist, wenn nicht der Schuldendienst unter gleichzeitiger durchgreifender Sanierung Der Haushaltsgebarung auf eine tragbare Grundlage zurückgeführt wird. Die Reichsregierung hat auf Der anderen Seite sich bemüht, dem Gesichtspunkt Rechnung zu tragen, daß Eingriffe in d i e Rechte der Gläubiger nach Möglichkeit vermieden werden. Die Verschuldung Der Gemeinden, insbesondere Die etwa zwei Milliarden Mark betragenden kurzfristigen Schulden, bilden aber ein Problem, das für die Finanzgebarung der öffentlichen Körperschaften ernste Gefahren in sich birgt und den Geld- und Kapitalmarkt immer wieder beunruhigt, und das deshalb unter allen Umständen zu einer Lösung gebracht werden muß. Einem Umschuldungsverband als Mitglieder beitreten dürfen nur solche Gemeinden, die ohne Umschuldung ihren Zinsendienst nicht erfüllen können. Kurzfristige Forderungen sind im Sinne des Gesetzes solche Kapitalforderungen, die bereits fällig geworden sind oder die bis zum 31. März 1935 fällig werden.
£ieferanfenforberungen, zu denen auch die Forderungen der Handwerker gehören, Zins- und Tilgungszahlungen für langfristige Darlehensforderun- gen sowie Aufwerkungssorderungen sind ausdrücklich ausgenommen.
Die Mitglieder des Umschuldungsverbandes dürfen jedem inländischen Gläubiger einer kurzfristigen Forderung die Umwandlung in Schuldverschreibungen anbieten. Die Schuldverschreibungen werden mit 4 o. H. verzinst und vorn 1. Oktober 1936 ab mit 3 o. H. jährlich ersparter
Zinsen getilgt. Das Opfer, das der Gläubiger dadurch bringen muß, daß er in Zukunft nur 4 v. H. Zinsen erhält, ist nur ein scheinbares, Denn in Den Fällen, Die umgeschuldet werden, hat er nicht mehr Die Gewähr, daß Die G e - meinDe ihren SchulDenDienst erfüllt. Die Erfüllung Des SchuldenDienstes Der Schuldver- schreibungen ist in jeder Weise s i ch e r g e st e 111, Da, falls Die Gemeinden mit ihren Leistungen im Rückstand bleiben. Der Reichsminister der Finanzen die rückständigen Beträge dem Umschuldungs- verband überweist und sie Dann von Den Steuerüberweisungen an Die Länder a b z i e h t. Der Gläubiger braucht bas Umschul- Dungsangebot nicht anzunehmen. In diesem Falle kann er innerhalb Der nächsten fünf Jahre seine Ansprüche einschließlich Des Zinsanspruches gegen Die GemeinDe nicht geltend machen. Die Zinsen werden unter Aufrechterhaltung des vertraglichen Zinsfußes Dem Kapital z u- geschlagen.
wird durch diese Konsolidierung von den Gemeinden der Alpdruck genommen, den die außerordentlich hohe kurzfristige Verschuldung heute darstellt, so sollen sie auf der anderen Seite eine durchgreifende Verbesserung ihrer haushalte dadurch erfahren, daß sie weitgehend von den Wohlfahrtslasten entlastet werden. Die Entlastung ist so bemessen, daß sie zusammen mit der Zins- ersparnis, die bei der kurzfristigen Schuld unmittelbar eintritt und bei der langfristigen Ver- schuldung im Zuge der weiterhin geplanten ka- pitalmarktpolitischen Maßnahmen zu erwarten ist, einen entscheidenden Schritt zur Gesundung der Gemeindefinanzen darstellt. Die Reichsregierung verfolgt hierbei die Absicht, den Gemeinden wieder die Bewegungsfreiheit zu verschaffen, die sie haben müssen, um ihre wichtigen Funktionen im Rahmen der Gesamtwirtschast zu erfüllen.
Weilerführmg der Arbeitsbeschaffung.
Ebenso wie in Der öffentlichen Wirtschaft, so soll auch auf wichtigen Gebieten Der Privatwirtschaft Durch großzügige Maßnahmen förDernD eingegriffen werden. Zu Diesem Zweck roirD Der Reichsfinanzminister ermächtigt, 5 0 0 Millionen Mark zur FörDerung von JnstanDsetzungs- unD Ergänzungsarbeiten an Gebäuden, für Die Teilung von
Wohnungen unD für Den Umbau sonstiger Räume zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung ist, Daß Der Eigentümer Das Vierfache Dieses Betrages aus eigenen ober geliehenen Mitteln für bie eben genannten Arbeiten aufbringt. Die Leistung bes Schulbenbienstes wirb ihm baburch erleichtert, baß ihm 4 v. H. bes aufgewen- beten Kapitalbetrages auf die Hauszins
ft euer angerechnet werben. Weiter wird f ü r bie Landwirtschaft eine erhebliche Lasten- fenkung vorgenommen, inbem für sie bie Umsatz st e u e r a u s 1 v. H. festgesetzt wirb. Außerbem wirb bie landwirtschaftliche Srunboertnögens- ft eil e r ab 1. Oktober 1933 um einen Jahres« betrag bis z u 100 Millionen Mark g e • senkt. Zur Förberung bes Wohnungsbaues und zur weiteren Anregung bes Baumarktes sind neue Steuerbefreiungen für neu er« richtete Kleinwohnungen unb Eigen« Heime vorgesehen.
In ber Arbeitsbeschaffung wirb bie Reichsregierung auf energische Durchführuna bes bisherigen Programmes bebacht fein. Im übrigen wirb sie nach ber Sanierung ber Gemeindefinanzen es als ihre ausschließliche Aufgabe betrachten, einzelne große, in ihrer Wirtschaftlichkeit gesicherte und nur zentral durchführbare Vorhaben, wie Autobahnen unb Ferngasleitungen, mit allen Kräften zu fördern.
Ein Gegenstand besonderer Sorge ist endlich die Gestaltung bes Kapitalmarktes, Dessen Entwicklung Die auf Den verschieDenen Gebieten der Wirtschaft angetretene Besserung noch nicht wider- Öelt. Die Reichsbank hat bisher keine ausrei» e Möglichkeit gehabt, hier helfend einzugreifen, insbesondere Die ungewöhnlich starke Spannung zwischen Gelb- unb Kapitalmarkt zum Ver- schwinben zu bringen unb bie Zuführung offensichtlich zurückgehaltener Mittel zum Kapitalmarkt wirksam anzuregen.
Die Reichsbank muh die Möglichkeit erhalten, auf dem Wege über eine entsprechende Regelung des Geldmarktes den Kapitalmarkt lei- stungsfähiger zu machen, feine Funktionsfähigkeit allmählich zu beleben und so d a s vertrauen der E f f e k t e n b e f i h e r, insbesondere auf dem Gebiet der festverzinslichen Werte, in die Aufnahmefähigkeit des Kapitalmarktes zu festigen. Die Reichsbank ist ent- schlossen, diesen Weg zu gehen. Der gemeinsame feste Dille der Reichsregierung und der Reichsbankleitung bietet die Gewähr dafür, daß die Reichsbank von der Erweiterung ihrer Bewe- gungs- und Betätigungsfreiheit nur unter gewissenhafte ft erBerückfichtigung der Währung Gebrauch machen wird. Die vorbereitenden Schritte zur Ergänzung des Bankgesehes sind bereits eingeleitet.
Als unerläßliche Voraussetzung einer erfolgreichen Durchsetzung dieser Pläne sieht es bie Reichsregierung an, bas Lohn- unb Preisniveau in seinem Gesamtdurchschnitt z u erhal- t e n. Das schließt jeboch eine Auflockerung bes Lohn- unb Preisgefüges in vereinzelten Fällen nicht aus. Alle Maßnahmen finb auf ber engen Schicksalsgemeinschaft zwischen Landwirtschaft unb übriger Wirtschaft aufgebaut.
Die Reichsregierung hat mit ben Wirtschafts- planen ein Werk geschaffen, bas alle Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Belebung auszunutzen versucht. Sie ist sich bewußt, baß auch biefes Werk Menschen- werk ist unb nicht vollkommen sein kann. Vor allem ist sie ber Ueberzeugung, baß es ohne tatkräftige Mitwirkung aller Schichten ber Bevölkerung nicht gelingen kann. Nur bas Bewußtsein ber großen wirtschaftlichen Not wird uns bie Kraft unb bie Beharrlichkeit geben, bie Voraussetzung für bie Ueberroinbung ber heutigen Wirtschaftskrise sinb. Ebenso wie bie nationalsozialistische Bewegung im jahrelangen Kampf, der oft aussichtslos erschien, dadurch gesiegt hat, daß jeder einzelne an dem Gedanken am Endsieg unverbrüchlich festgehalten hat, ebenso kann der wirtschaftliche Wiederaufstieg Deutschlands nur gelingen, wenn jeder einzelne vorn endgül- t i g e n Erfolg zutiefst überzeugt ist unb in diesem Gedanken die Hindernisse bekämpft, die sich auf dem Wege zum Enderfolg häufen.
Tragen Sie, meine Herren vom Generalrat, diese Gedanken in das deutsche Volk hinaus, bann ist kein Zweifel, baß bas Enbziel unseres gewaltigen Kampfes erreicht wird. Je stärker und positiver die große Anstrengung der Regierung von dem Willen und ber Entschlossenheit aller Schichten bes beut- schen Volkes getragen wirb, befto mehr wirb es der Reichsregierung möglich fein, alle Einwirkungen von unserem Wirtschaftsleben fernzuhalten und einen lebendigen Beweis dafür zu erbringen, daß auch auf dem Gebiete ber Wirtschaft ohne zielbewußte Führung nicht auszukommen ist.
Nach ben Darlegungen bes Reichswirtfchafts- minifters gab ber Reichsfinanzminister Gras Schwerin von Krosigk noch nähere Erläuterungen zu bem Gemeinbeumschulbungsgesetz, und Dr. Schacht sprach über bie Maßnahmen auf bem Kapitalmarkt. An ber anschließenben Diskussion beteiligten sich fast alle Mitglieber bes Generalrates in sehr ergiebiger Weise. Die Bertjanblungen würben durch eine Mittagspause unterbrochen. Um 18.30 Uhr erschien Reichskanzler Adolf H i 11 e r in der Sitzung des Generalrates unb nahm sogleich bas Wort zu längeren Ausführungen über bie Lage unb die Aufgaben der Wirtschaft im nationalsozialistischen Staate.
Reichskanzler Adolf Hiller ging davon aus, daß die wirtschaftliche Entwicklung niemals von der politischen zu trennen ist. Die Macht ist immer die Wegbereiterin der Wirtschaft gewesen. In ben verflossenen acht Monaten ist ein starkes Postament geschaffen worben, auf bem bie Wirtschaft stehen kann, und ber Rahmen gegeben worben, in ben sie sich einfügen kann. Die Wirtschaft könne jetzt wieder auf lange Sicht Disponieren, weil bei biefer Regierung nicht bie Gefahr bestehe, baß sie morgen ober übermorgen nicht mehr da ist. Es sind 20.00000 Menschen wieder in den Produktionsprozeß eingegliedert worden. Die Reichsregierung ist aber überzeugt, daß dieser Erfolg nur dann ein dauerhafter sein werde, wenn immer wieder gegen Die Arbeitslosigkeit mit energischen Angriffen unD mit fanatischer Beharrlichkeit cor« gegangen werde. Wenn es gelingt. Die saison- mäßige RückwanDerung Der Arbeitermassen im Herbst unD Winter aufzuhalten, werde im nächsten Frühjahr ein neuer Generalangriff mit einem durchschlagenden Erfolg einsetzen können. Um Dies zu erreichen, finD große unD neue Maßnahmen erforDerlich. Nicht nur Die Reichsregierung, fonDern auch Die Wirtschaft habe hierbei Die Erziehungsarbeit zu leisten, auf Die es in erster Linie ankomme.
Ls gilt vor allem, Die Ideologie ber V e - bürsnislosigkeit und ber systematischen Einschränkung des Vebarfes, also Den vom Kommunismus ausgehenden Primiti- vitätskult zu bekämpfen. Dieses bolschewistische Ideal der allmählichen Rückentwickelung der Zivilisationsansprüche müsse unweigerlich
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