Ausgabe 
20.9.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptstadt

Ein Vertreter unserer Redaktion hat auf Einladung des Herrn Reichsstatthalters an der Besichtigungsfahrt teilgenommen, lieber feine Ein­drücke von dem vorbildlichen Wirken des Arbeits­dienstes im Ried und von dem ernsten und dankens­werten Streben des Herrn Reichsstatthalters und seiner Mitarbeiter wird unser Vertreter noch be­richten.

Das hessische Meliorations- und Sied- lungswerk im Med.

EineBesichtigungsfahri.-EinebedeutsameMdedesMichsstaithaliersSprenger

LlgenslaatNchkett nannte und dergleichen Aus­drücke mehr. Heber Reformen aus diesem Ge­biet haben wir nicht zu diskutieren, darüber wacht der Kanzler von Reichswegen. Was wir zu tun haben ist. von uns aus praktisch an die Arbeit zu gehen, positiv für das Volkswohl tätig zu sein und hierbei keine künstlichen

Grenzen zu beachten.

Wenn wir das tun, dann glauben Sie mir, finden wir Anerkennung überall. So haben wir den A r - b e i t s d i e n st geschaffen, wir haben den Treu­händer der Arbeit, der aus unfern Reihen hervor­gegangen ist, wir haben den Arbeitsausschuß, der dafür sorgt, daß die nötigen Mittel für unsere Ar­beit dauernd fließen. So freuen wir uns über die herrlichen Erfolge. Dennoch bedarf es der inten­sivsten Arbeit aller, ans Werk zu gehen. Dann wird auch unsere Arbeit sich durch sich selbst durchsetzen, ihren Segen in sich tragen und Aner­kennung von allen, zuerst von unserm Führer, fin­den, und sie wird den Segen Gottes erfahren, der segnet, wo eine rechte Tat geschieht.

3m Med.

Rach dem Mittagessen wurde die Besichtigungs­fahrt fortgesetzt. Es wurden die verschiedenen Ar­beitsvorgänge bei der Feldbereinigung in der Ge­markung Bensheim, verschiedene Baustellen der Arbeitsdienstabteilungen Bensheim und Lorsch am Seilersgraben, Notstandsarbeiten am Meerbach, an der Wattenheimer Brücke bei Lorsch, das ge­plante große Siedlungsgelände am Rosengarten vor der Straßenbrücke bei Worms wo bereits die ersten Siedlungshäuser erstellt sind und Not­standsarbeiten in der Gemarkung Biblis besich­tigt. Ueberall wurden die Kameraden der Arbeit, zum Teil im Wasser stehend, bei ihrer uneigennützi­gen Arbeit für das Volksganze und zur Verbesse­rung der Volksernährung bzw. zur Katastrophen­beseitigung bearüßt. An Ort und Stelle wurde von verschiedenen Referenten der einzelnen Bauabschnitte Auskunft über Zweck und Ziel der einzelnen Vor­haben gegeben.

Die Besichtigungsfahrt hat den Teilnehmern einen Einblick in das vaterländische Arbeiten des Freiwil­ligen Arbeitsdienstes gegeben und allenthalben den besten Eindruck hinterlassen.

keinem Gebiet mehr möglich sein, jene alte These wieder auszustellen, wie sie in jüngster Vergangenheit wieder versuchte Boden zu ge­winnen, daß zwischen den Teilen des Gaues nördlich und südlich des Blains Widerspruch be­stehe, daß zwischen den Zentren Blainz, Wies­baden, Darmstadt, Frankfurt usw. eine Gegen­seitigkeit bestehe, die zu Ilnliebsamkeiten führen müsse. Diese These ist mit dem lleberschreiten des Mains, mit der Vollendung der Revolution in Hessen endgültig für alle Zeiten begraben. Ich werde jedermann und jeden versuch, der sich mir dabei entgegenstellt, rücksichtslos be­seitigen. Ich kenne dabei weder Rainen, noch

Stand, noch Stellung in der Partei.

Uns Nationalsozialisten trennen Flüsse nicht; unsere Flüsse sind das uns umschlingende Band, das d i e Ufer vereint. Von dieser Einheit soll im wohl­verstandenen Interesse die gesamte Bevölke­rung gleichen Nutzen Haden. Gleichen Nutzen können wir aber nur erzielen, wenn wir glei­chermaßen an die Arbeit gehen. Ich habe immer betont, meine ernstete Sorge werde es sein: Niemand soll das Gefühl haben, es werde ihm etwas genommen. Ich sehe als meine Pflicht an, so zu handeln, daß jeder sieht: mir wird gegeben, und wenn dies zunächst vielfach nur auf ideellem Gebiet liegt. Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, daß in dieser Be­ziehung in meinem Gau nunmehr keine M e i - nungs Verschiedenheit en mehr bestehen.

Wit der hessischen Regierung und dem Staats­minister Jung einerseits und drüben meinen Mitarbeitern im nassauischen Teil weih ich mich eins im willen, in der Arbeit, im Kamps.

Ich glaubte, Ihnen das sagen zu müssen. Der Weg, den ich gegangen bin, den wies mir die praktische Arbeit. Ich kann nicht zusehen, daß ein Teil des Gebiets, in diesem Falle Hessen, zurückbleibt, und wieder ein anderer Teil, weil er besser organisiert, rascher geführt und zielfreudiger in der Leitung war, Vorteil haben sollte. Das ging nicht so, und die Entwicklung mußte deshalb vorwärtsschreiten.

Das Rhein-Maingebiet ist ein Gebiet, wir kümmern uns nicht um das, was man früher

NGOAp. Gießen.

Die Frauenschaft, Ortsgruppe Mitte, hält heute, Mittwoch, 20. September, ihren Zellen­abend im Cafs Ebel ab.

In der Ortsgruppe G i e ß e n - O st finden Zel­lenabende mit Vorträgen zur bevölkerungspoliti­schen Aufklärung statt am Donnerstag, 21. Septem­ber, 21 Uhr, Zelle 8 (Annerod) bei Wallbott, am Freitag, 22. September, 20.30 Uhr, für Zelle 1 (Heil- und Pflegeanstalt, Doeringstraße, Anneröder Weg, Posener Straße, Memeler Straße, Danziger Straße, An der Kaserne, Licher Straße 61 bis Ende) in derStadt Lich", Licher Straße 59.

In der Ortsgruppe Gießen-Nord, Zelle 4, Block 1 (Asterweg, Ederstraße, Steinstraße) ist am Freitag, 20.30 Uhr, Blockabend bei Stephan, Stein­straße 76.

Die Ortsgruppe Gießen-Süd veranstaltet am nächsten Freitag, 20.15 Uhr, im Physiologischen In­stitut den zweiten Luftschutzabend für die Zellen Kliniken (3) und Frankfurter Strafe (4). Pg. Dr. Eichler spricht überAbwehr von Gaskampf­stoffen". Zu dem Vortrag sind auch alle in diesem Stadtteil wohnenden Volksgenossen eingeladen.

Sonderzugfahrt zum Gauparteitag.

Am kommenden Samstag wird ein Sonder- 3 u g von Gießen zum Gauparteitag in Frank­furt a. M. fahren. Der Zug verläßt den Gießener Bahnhof um 15.40 Uhr, Großen-Linden 15.51 Uhr, Lang-Göns 15.58 Uhr, Kirch-Göns 16.04 Uhr, Butz­bach 16.14 Uhr, und kommt in Frankfurt a. M.-Siid um 17.32 Uhr an. Die Fahrt kostet ab Gießen 1,40 Mark, Großen-Linden 1,20 Mark, Lang-Göns 1,20 Mark, Kirch-Göns 1,10 Mark, Butzbach 1 Mark. Genen Dorzeigen des Parteitags-Abzeichens sind die Fahrkarten auf den für die Ortsgruppen in Be­tracht kommenden vorerwähnten Einsteigestationen erhältlich, lieber die Rückfahrt des Sonderzuges werden noch Mitteilungen gemacht. An der Fahrt können sich SA.- und SS.-Kameraden in Uniform beteiligen, falls sie nicht an sich in geschlossenen SA- bzw. SS.-Formationen teilnehmen.

Zum Gauparteitag schließen sich die Mitglieder des NS. - Lehrerbundes Hessen mit ihren Kreisfahnen den übrigen Parteigruppen ihres Be­zirks an, sowohl auf der Fahrt als auch in Frank­furt selbst. Wer zum Tragen des Braunhemdes nicht berechtigt ist, erscheint in dunkler Hose und weißem Hemd.

Ich wollte eigentlich nicht, aber ich tue es doch ...

Erstens möchte ich furchtbar gerne, zweitens ist es meine Staatsbürgerpflicht und drittens: wenn ich will, dann wird es schon gehen! Früher hatte ich selbstverständlich immer eine Platzmiete. Dann fand ich plötzlich, daß ich sparen müsse. Ich wollte hier und da Einzelkarten kaufen, aber es wurde nichts daraus, es kam immeretwas dazwischen". Kam ich aber einmal dazu, dann war es doch I nicht dasselbe wie früher. Der Platz, den ich gern | gehabt hätte, war vergriffen. Ich saß als Fremder I zwischen Fremden. Die Künstler waren mir zum größten Teil fremd (früher kannte ich viele per­sönlich). Kurz und gut, der Genuß war ungetrüb­ter, als ich noch Platzmieter war, meinen gewohn­ten Platz hatte, mich um nichts zu bekümmern brauchte.

Ich will und muß das Theater wieder besuchen, aber nur durch die Platzmiete. Ich freue mich schon auf die festlichen Abende im Theater, auf Anregung und Ausspannung im arbeitsreichen Winter. Ich freue mich auf das regelmäßige Zusammentreffen mit meinen Bekannten, außerhalb des Alltags, in festlicher Umgebung. Ich freue mich darauf, wieder in lebendige Verbindung zur Kunst und zur Künst- lerschaft zu kommen. Ich will wieder mitreden können, wenn vom Theater die Rede ist. Ich will teilhaben am Aufbau des deutschen Nationaltheaters und nicht zurückstehen, wo andere sich zusammen­schließen.

D a r m st a d t, 19. Sept. (WEN.) Der Reichs­statthalter in Hessen Gauleiter Sprenger hatte heute die Dienststellen, sowie die gesamte Presse des Rhein-Main-Gebiets bis nach Württemberg einge« laden, von dem

großzügigen hessischen Meliorations- und Siedlungsprogramm

unter Beteiligung des Freiwilligen Arbeitsdienstes der NSDAP. Kenntnis zu nehmen. Im Hofe des Alten Palais hatten um 8 Uhr etwa 1300 Mann der verschiedenen Arbeitsdienstabteilun- gen, der Bezirksschulen und der Ried- Dien ft arbeitet Aufstellung genommen.

Michsstaithalter Sprenger

schritt die Front der Freiwilligen d e r A r - bett ab und nahm dann mit Staatsnumster Jung und seinem engeren Mitarbeiterstab den Vorbeimarsch ab. Der Reichsstatthalter begrüßte die Arbeitsdienstfreiwilligen mit einer Ansprache und hob ihre besonderen Verdienste um die Entwicklung der Nation hervor.

gerade ihre Arbeit beweise, wie falsch vielfach die Vorstellung von der Tätigkeit des Freiwil­ligen Arbeitsdienstes sei. Er diene nur der An- erkennung der deutschen Arbeit und dem Zu­sammengehörigkeitsgefühl aller Stände des deutschen Volkes.

Die Tätigkeit des Freiwilligen Arbeitsdienstes würde mehr als viele öffentliche Reden Deutschland die Achtung der Welt wieder erringen helfen.

Nach der Abnahme des Vorbeimarsches begrüßte der Reichsstatthalter im großen Sitzungs­saale des Alten Palais die Teilnehmer der Besich- tigungsfahrt durch das Meliorations- und Sied­lungsgebiet im hessischen Ried. Gerade diese auf­bauenden Landeskultur- und Siedlungsarbeiten seien berufen, für das Wirken und Wollen des jungen Deutschland zu sprechen. Im Saale waren zahlreiche Pläne und Einzelprojekte des großen Meliorations- und Siedlunaspro- gramms, sowie der Landesplanung im gesam­ten GaugebietHessen-Nassau mit Sied­lungshäusern usw. aufgestellt.

LandeSbauernpräsivent Or. Wagner gab in etwa einstündiger Rede einen Einblick in die große Bedeutung, die das Siedlungs - und Meliorationsprogramm im Rah­men der Aufbauarbeit der Reichsregieruna und der hessischen Regierung besitzt. Die vernünftige und durchdachte planvolle Siedlung diene vor allem dazu, deutsche Volksgenossen, die nicht mehr in der industriellen Produktion untergebracht werden können, seßhaft zu machen und mit dem deutschen Boden und Blut zu verwur­zeln. Mit dem Meliorations- und Feldbereim- aungsprogramm wolle man vor allem den viel­fachen Leerlauf und die rentenlose Arbeit in der Landwirtschaft beseitigen. Der Landesbauernprast- dent gab Einzelheiten bekannt über die großzügigen Maßnahmen, die geplant sind, um der schweren Arbeitslosigkeit, besonders in den Gebieten des Westerwaldes, des Hohen Vogelsbergs und des hessischen Rieds, zu steuern. Er gedachte dankbar der Unterstützung, die tue hessi- schen Vorschläge insbesondere bei dem Herrn Reichs st atthalter gefunden hätten.

Das deutsche Volk wolle Arbeit und Frieden um jeden Preis, und man würde bei der Aufbau­arbeit über den wesenlosen BegriffGeld" nicht stolpern. Die Maßnahmen des Führers erfüllten die hessischen Bauern nach langen Jahren der Trostlosigkeit mit neuer Hoffnung und neuem . Mut.

Darauf erläuterte an Hand von reichhaltigem Kartenmaterial und Berechnungen

Ministerialoberrevisor 2Reid)/ der an dem Landesplanungs- und Meliorations­programm Hessens hervorragenden Anteil hat, die Einzelheiten der in Angriff genommenen und noch zur Ausführung gelangenden Arbeiten, sowie die Finanzierung des großzügigen Programms.

3n Griesheim und Bensheim.

Anschließend besichtigten die Teilnehmer die lan­deskulturtechnische Arbeitsdienststelle im Freiwil­ligen Arbeitsdienstlager Griesheim bei Darm­stadt. In Bensheim wurden der Reichsstatthal­ter und die Teilnehmer durch den Bürgermeister, die Beigeordneten und den Freiwilligen Arbeits­dienst herzlich begrüßt. Im Speiseraum der Arbeits­dienstabteilung Bensheim wurde das gute Mittag­essen aus der Küche des Freiwilligen Arbeitsdien­stes eingenommen. Zunächst sprach der Leiter des Arbeitsgaues 25 der NSDAP. (Südwest) F a a tz über den tieferen Sinn des Arbeitsdienstes. Er be­tonte, daß aus jedem Spatenstich neues Blut für das deutsche Volk oder ein Baustein für die deutsche Zukunft erwachsen müsse. Er wies nach, daß der Arbeitsdienst keine Konkurrenz für die freie Wirtschaft darstelle, vielmehr ihr als ankurbelnder Faktor diene. Er schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Volkskanzler Adolf Hitler, worauf der erste Vers des Horst-Wessel- Liedes gesungen wurde.

Michsstaithalier Sprenger

dankte dann zunächst dem Führer des Arbeits- dienstes Faatz in herzlichen Worten für die muster­gültige Organisation des Arbeitsdienstes in Hessen- Nassau. So, wie der Arbeitsdienst heute dasteht, erklärte der Reichsstatthalter, sehe ich in ihm un­gefähr

die Verwirklichung der Ueberbrückung der Mainlinie,

eine Tat, wie ich sie seinerzeit in den Tagen vom 5. und 13. März gepredigt und als Parole im Wahlkampf herausgestellt habe. Ich freue mich außerordentlich, daß wir als erstes Ergebnis einen einheitlichen Arbeitsdienst haben. Un­bekümmert um Hessen oder Nassau sind Männer am Werk, vom gleichen Volk und gleichen Stamm, nur von einem beseelt: aus tiefer N o t her­aus sich emporzuarbeiten. Die Verdienste öes Führer des Deutschen Arbeitsdienstes, des be­liebten Pg. Oberst Hier!, brauche ich nicht zu betonen; sie sprechen für sich.

Der ausgezeichnete Anfang unseres Arbeits- dienstes soll uns ein Fingerzeig sein, wie wir zu denken und zu handeln haben. Ls darf auf

Dor dem Herbst.

Wenn der Frühling mit Buchfinkenfanfaren seinen Einzug hält, dann ist das Kommen des Herbstes vergleichbar einem Recken, der nach einem taten­vollen Leben unter der Sonne der Erfolge sich nun auf sein Altenteil setzt und an den Früchten seines Wirkens, die von den letzten Strahlen des Abend­rots vergoldet sind, die Krone des Lebens sich auf ein Haupt senken fühlt. Mit gedämpftem Saiten- piel, in dem leise Molltöne der Wehmut des Schei- i)ens von sommerlichem Jauchzen vorherrschen, zieht der Herbst über das früchteschwere Land, das seine volle Kraft in ihnen verausgabt hat und sich nun langsam für die Winterruhe bereit macht, die Zeit der Sammlung für ein neues Schöpferjahr.

Und dach ist der Herbst kein müdes Entsagen, kein kampfloses Verzichten, kein Kapitulieren vor einem unabwendbaren Schicksal. Wenn auch viele in dieser Jahreszeit nur Melancholie, eine schwermütige Ver­träumtheit sehen, so hat der Herbst trotzalledem seine lebensnahen Schönheiten, die ihm allein zu eigen sind, und die nicht nur Verwehen und Vergehen bedeuten, sondern die auf ihre Art gleichfalls zu dem lebensbejahendenLied von der Erde" gehö­ren, zu dem ewigen Lobgesang ihres Schöpfers. Der Herbst ist der Schlußsatz, in dem diese Hymne sich vollklingend aufschwingt zu der Sternennähe von Tod und Verklärung".

Denn der winterliche Scheintod, wie ihn das Ster­ben im Herbst ankündigt und einleitet, ist kein end­gültiges Verlöschem kein abschließender Strich unter das Sein im All. Das fallende Laub ist nur für den einTotentanz", dessen Blick und Gedanken an der Oberfläche der Dinge haften. Der grüne Schmuck der Bäume hat sich in flammende Farben verwan­delt, und in unvergleichlich malerischem Reiz schrei­tet der Herbst wie mit wehendem braungoldenem Mantel über die Flur, und Erntelieder und Ernte­dankkränze geben ihm das festliche Geleit. In stür­mischen Nächten braust der Troß desWilden Jä­gers" durch den dunklen Forst, und knarrende Fen­sterläden und ächzende Wetterfahnen lassen in ängst­lichen Gemütern Gespenstiges spuken. Die Rauchfah­nen der Kartoffelfeuer steigen wie von Brandopfern aus den kahlen Feldern auf in die feuchtkalte Luft, die sie nur schwer aufzusaugen vermag.

Herbsteinzug ist noch Nachsommer und doch schon Vorbote seines Gegenteils. Herbstsonne ist noch Sonne und schon Herbst! 'Kig.

personalveränderungcn in Hessen.

Das Personalamt des Hessiscken Staatsministe­riums teilt u. a. folgende Personalveränderungen mit:

Mit sofortiger Wirkung wurden ernannt: Bri­gadeführer Hauer (Darmstadt) zum kommissari­schen Polizeidirektor in Darmstadt; Polizeimajor Dr. I v e r s (Darmstadt) zum Führer der Landes­polizei Darmstadt; SS. - Standartenführer Her­bert (Darmstadt) zum kommissarischen Polizei­direktor in Mainz; Standartenführer Eichel (Schönberg) zum kommissarischen Polizeidirektor in Worms; der kommissarische Polizeidirektor I o st (Worms) zum kommissarischen Polizeidirektor in Gießen; Polizeidirektor Kayser in Gießen wurde mit Dienstleistung beim Kreisamt beauftragt.

Der Polizeihauptmann Wilhelm Leyerer zu Darmstadt wurde auf Grund des Artikels 17 des Gesetzes über die Schutzpolizei vom 20. Juli 1923 mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 aus dem hessi­schen Staatsdienst entlassen.

In den Ruhestand versetzt wurde auf Nachsuchen am 13. September der Direktor Wil­helm K o ch an der Berufsschule zu Offenbach.

Rechtsanwalt Dieter Stammler in Grünberg hat seine Zulassung zur Rechtsanwaltschaft Grün­berg aufgegeben. Die Löschung in der Liste der Rechtsanwälte ist erfolgt.

Vornotizen.

T a g e s f a I e n b e r f ü r Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Saison in Kairo".

Stadtrandsiedlung für Erwerbslose.

Am Montagabend fand im GasthausZum Lamm" (Horst-Wessel-Wall) eine gutbesuchte Perv ammlung von Erwerbslosen, Wohlfahrtsunter, tützungsempfängern und sonstigen Interessenten tatt, die sich mit der Frage der Stadtrandsiedlung beschäftigte.

Der Leiter der Versammlung, Heinz Berg, er- läuterte zunächst den Zweck der Zusammenkunft, um sich bann eingehenb mit bem Projekt ber Stadt- ranbsiedlung zu beschäftigen. Die praktische Durch­führung soll in ber Weise erfolgen, daß sich zunächst etwa 15 Erwerbslose, vorwiegenb Bauhandwerker, zu einer Arbeits- unb Schicksalsgemeinschaft zusam- menschließen, um in gemeinsamer Arbeit für bie Beteiligten ein Heim unb möglichst auch eine Exi­stenz zu schaffen. Zu biefem Zweck soll bie Stabt Gießen jebem Beteiligten 1200 Quadratmeter Ge­lände in Erbpacht geben, auf bem bie geplanten

Tut Euerepslicht für Dolkund Kultur! Denkt an den deutschen Künstler, an das deutsche Theater!

Häuschen erstellt werben sollen, währenb bas übrige Gelänbe, zum Anbau landwirtschaftlicher Erzeugnisse, insbefonbere zur Anlage von Ebel­obstbäumen Verwendung finden soll. Die Bau­kosten für die Errichtung eines Häuschens würden etwa 3400 Mark betragen. Durch die Arbeitsleistun­gen der Beteiligten würden diese Kosten auf 2200 Mark gedrückt.

In Aussicht genommen sind u. a. Haus 200 Quadratmeter umbauter Raum, im Erdgeschoß Wohnküche und zwei Zimmer, im Dachgeschoß zwei Zimmer, außerdem ist im Haus ein Stall und Raum für Heu eingebaut. Eine andere Skizze sieht ein Haus mit 170 Quadratmeter umbauten Raum vor, außerdem noch einen besonderen Anbau für Stall unb Futterküche mit 34 Quabratmeter. Das Wohnhaus enthält im Erbgefchoß Wohnküche unb Schlafzimmer, im Dachgeschoß zwei weitere Zim­mer.

Die Mittel für bie Durchführung bes Projekts sollen in ber Weise aufgebracht werben, baß bie Stabt vor allem bas Gelänbe zu besonbers gün­stigen Bebingungen zur Verfügung stellt, bah sie außerdem bie erforberlichen Materialien, soweit bie« selben aus stäbtischen Betrieben unb Walbungen entnommen werben können, kostenlos überläßt. Die sonst noch erforberlichen Mittel sollen von Stabt unb Reich aufgebracht werben. Diese Forde- rung wirb bamit begrünbet, baß bie Beteiligten später aus ber Fürsorge ausscheiben, woburch Stabt unb Reich wesentliche Ersparnisse erzielen würden. Nach Fertigstellung ber Siedlung würben von den Beteiligten monatlich je 14 bis 15 Mark aufge­bracht, die zur Tilgung des von Stadt und Reich zinslos zur Verfügung zu stellenden Kapitals Ver­wendung finden sollte, so daß die Beteiligten nach einer Reihe von Jahren Eigentümer der errichteten Bauten würden.

Die Stadt Gießen habe bereits weitgehendes Entgegenkommen in Aussicht gestellt. Insbesondere sei damit zu rechnen, daß die Ausarbeitung ber Pläne unb bie Bauleitung durch bie Stabt erfolge. Außerbem seien Lanb- und Materialfrage soweit geregelt. Als Gelände für die Errichtung der Stadt­randsiedlung sei Grundbesitz hinter Marburger Straße bzw. am Wiesecker Weg in Aussicht ge­nommen. Auch in der Krofdorfer Straße stehe evtl. Gelände zur Verfügung. Die Vorarbeiten für die Errichtung der Siedlung sollten noch in diesem Jahre getroffen werden. Bis 1. Oktober 1934 sollten 12 Häuser fertig sein. Vorgesehen seien Fachwerk­bauten, die mit Plattenbims ausgefüllt würden, innen mit Gipsplatten und außen mit einer Schal­wand versehen würden.

In der anschließenden Aussprache wurde das Problem, das bereits in anderen Städten in An- ariff genommen wurde, durchweg gutgeheißen. Allerdings wurden Bedenken geltend gemacht gegen­über der vom Redner vertretenen Auffassung, daß es möglich sei, auf einem Gelände von 1200 qm die Existenz einer Familie zu sichern. Auch auf die Schwierigkeit der Verwertung der Erzeugnisse wurde unter Bezugnahme auf die zu erwartenden gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen. In seinem Schlußwort versuchte der Referent die vorgebrach­ten Bedenken zu zerstreuen und wies besonders darauf hin, daß die Verwertung der Erzeugnisse nur auf genossenschaftlicher Grundlage erfolgen könne. Am Schluß der Versammlung meldete sich eine entsprechende Anzahl Interessenten zur Mit- arbeit bei der Ausführung der geplanten Siedlung.

Tagung der OHV.-Bildungsobleuie in Marburg.

Am Sonntag waren die Berufsbildungsobmänner und Obmänner für Volkstumspflege im Deutschen Handlungsgehilfen-Verband der beiden Kreise Nie- derhessen und Mittelhessen zu einer richtungweisen­den Arbeitstagung in Marburg versammelt. Die Tagung hatte die Aufgabe, den Amtswaltern des DHV. auf dem Gebiet des Bildungswesens die Grundlage zu geben für die gesamte berufliche Bildungsarbeit und Volkstumspflege.

Kreisgeschäftsführer Pg. Brack (Gießen) er­öffnete die Tagung und gedachte in seinen Be° arühungsworten des Orgamsationsleiters der Deut­schen Arbeitsfront, Reinhold M u ch o w. Richtung­weisend für die Bildungsarbeit waren die Aus­führungen des Bezirksbildungsobmannes im Bezirk Main-Weser des DHV., Pg. D e 11 m e r-(Frank­furt a. M.), über das ThemaKaufmanns- arbeit im nationalsozialistischen Staa t". Pg. Dettrner stellte die verpflichtenden Grundsätze nationalsozialistischer Weltanschauung heraus, die auch im Arbeitsleben und in der Wirt­schaft eine ganz neue Arbeitsgesinnung fordern. Die Heranbildung dieses verantwortungsbewußten und dem Ganzen dienenden Arbeitsmenschen, der nicht mehr Arbeitnehmer und Angestellter, sondern Berusskamerad und Volksgenosse zu sein hat, ist die wichtigste Aufgabe des Bildungsobmannes in der Deutschen Arbeitsfront. Der Bildungsobmann der Arbeitsfront muß wissen, daß berufliche Lel- ftungsfteigerung allein nicht das Ausschlaggebende ist, sondern daß diese sich auf den Grundkräften der deutschen Seele und des deutschen Charakters aufbauen muß. Berufsbildung und Volkstumspflege müssen darum miteinander verbunden sein.

lieber die Arbeitsformen zur Durstführung dieser' Arbeit bis in die kleinste Ortsgruppe hinein sprach bann Kreisgeschäftsführer Rothaar (Kassel). In einer längeren Aussprache berichteten die Bildungs- obmänner über ihre Pläne und vorhandene ort»