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20.9.1933 Erstes Blatt
 
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Mittwoch, 20. September (953

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Nr. 220 Zweiter Blatt

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Nationalsozialistische Revolution in Medizin und Gesundheitspolitik

Don Professor Or. H. Reiter, Präsidenten des Reichsgesundheitsamtes, Berlin.

Hoboist und Astronom.

Das romantische Schicksal des zum Engländer ge­worbenen Hannoveraners Friedrich Wilhelm Her­schel, der einer der größten Astronomen aller Zeiten wurde, wird jetzt zum ersten Male aus Grund von bisher noch nicht veröffentlichten Familienpapieren von seiner Enkelin Constanze A. Lubvock in einem in London erschienenen Werk erzählt. Diese .Lebens- geschichte William Herschels und seiner Schwester Caroline' beruht aus den Driesen und autobiogra­phischen Aufzeichnungen Herschels sowie vor allem auf den umfangreichen Tagebüchern seiner Schwester, die den größten Teil ihres Lebens seine ergebene Helferin war und selbst ffeben neue Kometen zu der damals noch dürftigen Liste dieser Sterne hinzufügte. Herschel, der am 15. November 1738 zu Hannover geboren wurde, begann seine Laufbahn als Hoboist in der hannoveranischen Armee und folgte dem Dorbilde seines Daters, der ihn zum Militärmuffker ausgebildet hatte. Sein höchstes Ziel war es da­

Kindergarten aus dem Schreibtisch

Don Paul Eipper.

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mals, bei dem Staatsorchester unterzukommen, aber die Unfähigkeit des Herzogs von Cumberland, der damals die hessischen und hannoveranischen Streit- hätte im Siebenjährigen Kriege gegen Friedrich den Großen befehligte, gab seinem Leben eine andere Wendung. Nach der Niederlage bei Hastenbeck im Jahre 1757 verlieh er seine Truppe; doch darf man nicht, wie bisher üblich, von einer Desertion spre­chen, denn er hatte keinen Eid geschworen und wurde, wie er selbst sagte, »von niemandem vermißt". Eng­land bot ihm eine Zufluchtsstätte vor den Gefahren, zum Militärdienst gepreßt zu werden, und zunächst sand er hier weiter als Musiker Deschäftigung, wurde Organist und beschäftigte sich in seinen Mußestunden mit Mathematik. Durch die Dorlesungen von Fer­guson, die er sich zufällig kaufte, kam er auf die Astronomie, die von nun an sein Lebensinhalt wer- den sollte. Dald ging es in seinem Hause höchst merkwürdig zu, denn er hatte sich in den Kopf ge­setzt, ein Fernrohr zu bauen, so stark, wie es da- mals niemand besah, und .in jedem Zimmer zeig­ten sich die Spuren, indem er alles auf den Kopf slellie", wie seine Schwester traurig bemerkt.Ilm ihn nur am Leben zu erhalten", schreibt sie, .war ich gezwungen, ihn zu füttern, indem ich ihm Diffen für Diffen in den Mund steckte." Selbst sein geliebtes Dioloncell lehnte, mit einer dicken Staubschicht be- deckt, in der Ecke, obwohl er noch immer die Orgel spielen und 6 bis 8 Muffkstunden am Tage geben muhte. In unermüdlicher Arbeit schliff Herschel inner­halb von 15 Jahren über 400 Spiegel, und das gröhte Fernrohr, das er schliehlich zustande brachte, halte einen Spiegel von 1,22 m Durchmesser und 11,89 m Brennweite. Dabei passierte es ihm, dah geschmolzenes Metall in den brennenden Herd tropfte und eine Explosion hervorrief, bei der er und seine Mitarbeiter sich nur mit knapper Not durch die Tür retteten, die nach einer Bemerkung Carolines .glück­licherweise in dem Raum vorhanden war". Die erste Grohtat, die Herschel mit seinem Fernrohr vollbrachte, war die Entdeckung eines neuen Planeten des Ura­nus, die ihm am 13. März 1781 gelang. Nun wurde er Hofastronom des Königs Georgs III- und konnte sich ganz seiner Lieblingswiffenschaft widmen. Seine Leistungen gehören der Geschichte an. Er erschloh der Himmelskunde ganz neue Gebiete, wie die Welten der Doppelsterne, Nebelflecke und Sternhaufen. Dald hatte er 466 neue Nebel und 498 neue Doppelsterne gefunden. Dann ging er zu einer richtigenDolks- zählung" am Himmel über, indem er durch seine .Stern-Eichnngen" die Zahl und Helligkeit der Sterne feststellte und so als erster den Dau des Fixstern- Systems erkannte. E« S.

Photographien.

Schon den ganzen Tag bin ich um diese Aus­stellung herumgegangen, sehe immer wieder von oben her über die Reihen, stelle mich davor, nehme ein Blatt in die Hand, vergleiche, benutze das Ber- großerungsglas, vertausche die links liegenden Blät­ter mit denen der andern Seite Stunde um Stunde ging so vorüber; und nun sitze ich inmitten dieser Herrlichkeiten; die Lampe beleuchtet die aus­gebreiteten Photographien, undKinder aller Zonen" sehen mich an. Die Bromsilberschicht hat sie alle festgehalten. Es ist gar keine Magie mehr um diese fast unvorstellbare Fixierung einmaliger Situationen: vor Jahren vielleicht, vielleicht auch vor Wochen, hat dieses burmesische Kind an der Erde gekauert und seine dicke Zigarre geraucht. Wo hockt wohl jetzt der kleine Chinesenknabe mit den doppelwandigen Filzkleidern, der mich unter seiner helmartigen Lumpenhaube so trotzig und angstvoll ansieht? In der Sonnenglut Perus, mitten im Wüstensand, saß das andere Kind, vom großen Strohhut beschattet, und hielt eine süße Frucht in feinen dicken, sicher sehr schmutzigen Kinderhandchen. Was ist aus dem Punjab-Sohn geworden, der stolz und ein wenig träge dasitzt im Schmuck der bunten Seidenweste, wohl wissend, daß sein Vater ein rei- chcr Mann ist und die Kinder andrer Kasten keine solche Mütze haben, mit Silberdraht und glitzernden Steinen bestickt.

Und du, kleiner Negerbub, der du nackt wie ein junges Tier, vom Hirsebrei verschmiert auf dem Boden sitzest, den großen Schädel mit der Wall- haarhauDe zur Seite gedreht? Springst du letzt im Krieqstanz mit andern Jünglingen? Wo hast du die Glasperlen deiner ersten Jugend, die Staun- muschelkette, die dir deine Mutter als schützendes Amulett um den speckigen Hals gelegt hat?

Ob ihr groß geworden seid, ob ihr euer Geben bereits vollendet habt, heute seid chr bei mir Der-

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diesen Anregungen und Ausfassungen nachzugehen, sie auf ihre Berechtigung zu prüfen, um dadurch das im Schwinden begriffene Vertrauen zur Schulmedizin wiederzugewinnen und die der Schulmedizin gegen­über angeblich abweifend eingestellte Volksmedizin zur Verbündeten der Volksmedizin zu machen bzw. in dieser ausgehen zu lasten.

Der nationalsozialistische Arzt wird niemals den Geist exakter und vorurteilsloser Prüfung und For­schung verleugnen. Ebenso aber wird er aus dem ganz neuen Blickfeld heraus feine Bereitschaft zur vorurteilslosen Prüfung heule auch manchem ©e- danken und mancher Methode gegenüber anwenden, die man gestern auf Grund einseitiger Ansichten allzu leicht verwarf.

Der deutsche Arzt der Zukunft muß in seinem innersten Wesen Nationalsozialist sein, weil er den Sinn des Arzttums begriffen hat, er muß National­sozialist Jein, weil in seiner Lebensarbeit sich Volks- gesundheit und Dolkserziehung miteinander ver­wachsen. Er muß die Verbindungen der Generativ- nen sehen und sich daher über den Weg des Jugend- arztes sich wieder zum A r z t d e s Vertrauens der Familie entwickeln. Schaffen wir genügend Aerzte mit echt nationalsozialistischer Gesinnung, und vertrauen wir ihnen die deutsche Jugend an, dann formen wir den deutschen Arzt, der die Jugend auf ihrem Weg bis zur Ehe begleitet, ber wieder der Vertraute von Heim und Familie wird und auch als bester Gesundheitsberater des Nachwuchses gelten kann! So entwickett sich neu der deutsche Hausarzt I als Arzt der Heimat und deutscher Dolksarzt.

siamesische Buddha, dessen Bronze grün versponnen ist, stellt nun an der Erde; das Elfenbeintempelchen aus Kalkutta, die Zwergkonifere, Zeitschriften und Mappen sind weggetragen, selbst der große dunkel- glühende Karneol aus dem Süden der Sahara mußte verschwinden und die ganze Fläche des braunpolierten Tisches ist bedeckt mit vielen, vielen

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freundlichen und bescheidenen Polizei unerwünschte Arbeit. Gefährlicher ist hier eher das heimliche Ein­dringen kommunistischer Ideen in die sog. In­te l l i g e n z, wie z. B. Lehrerschaft, Aerzteschaft uiw. Sonst aber sind die meistenKommunisten" Mit- läufer, arme Flüchtlinge, denen die Moskauer Emis­säre Schlösser auf dem Monde versprechen. Hinzu kommt die verhältnismäßig geringe Arbeitslosigkeit, die in Griechenland bisher nie zum Problem wurde, ferner, daß fast jeder, selbst der einfachste Arbeiter, eine kleine Scholle sein eigen nennt, wo er einige Hühner halten oder Einiges anpflanzen kann; mit einem Wort, man könnte Griechenland in dieser Beziehung mit dem glücklichen Württemberg vergleichen, nur mit dem allerdings sehr bedeutenden Unterschiede, daß die Lebensansprüche des kleinen Mannes hier weit, unglaublich weit bescheidener sind, als bei uns in der Heimat.

Kurz und gut, die griechischen Schwarzhemden und Stahlhelmer zeigen, daß es sich auch in Griechenland regt und eine nationalistische Bewegung einsetzt, die zwar mit dem italienischen Faschismus oder dem deutschen Nationalsozialismus nicht zu vergleichen ist, der aber noch eine Zukunft zu haben scheint und jedenfalls in der kurzen Zett ihres Bestehens schon ihre Daseinsberechtigung bewiesen hat. Einige der griechischen Führer besuchten vor einigen Monaten Berlin und wurden dort bei ihren deutschen NSDAP.» Kollegen freundlich ausgenommen.

Wohl knallten einige Schüsse roter Trupps in Athen in die aufmarschierenden Reihen, jedoch die Polizei und die Stahlhelmer selbst verschafften sich energisch Ruhe und Ordnung. Mit Fahnen und Ab­zeichen, dem Stahlhelm und schwarzen Hemden, und von der Bevölkerung begeistert ausgenommen, legte

1 die etwa 3000 Mann zählende Truppe vor dem Grabe des unbekannten griechischen Soldaten im Bei­sein von Regierungsvertretern und großer Volks­massen Kränze nieder. Die NamenHitler" und Mussolini" sind den griechischen Nationalisten und Stahlhelmern sehr geläufig und klangen mit voller Anerkennung in den blauen griechischen Himmel hin­ein. Noch heute zeugen die nationalistischen Abzeichen an den Häusern von dem vor längerer Zeit erfolgten

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Es gibt noch Landsknechte aufZava.

Die alte Romantik der malerischen Landsknechts- ttacht gehört zu jenen Merkwürdigkeiten, die längst verklungen sind. Aber es gibt noch einen Ort auf der Welt, wo sich dieser prächtige Ausdruck solda­tischen Abenteurergeistes erhalten hat. Das ist auf Java in dem Reich des Sultans von Djokjakarta. Hier trägt die 800 Mann starke Leibwache des Sultans die alten Uniformen derOstindischen Compagnie", die ein seltsames Gemisch aus der Uniform der Landsknechte und der Tracht, wie sie etwa dielangen Kerle" des Soldatenkönigs tru­gen, darstellen. Dieser altmodische Prunk einer kriegerischen Schaustellung tritt an einem Tage be­sonders sichtbar hervor, nämlich am Geburtstag Mohammeds, der in diesem dem Islam ergebenen Lande feierlich begangen wird. Das sonderbare Zeremoniell schildert Dr. Watther S ch e f f e n in der ,Leipziger Illustrirten Zeitung". Am Geburts­tag des Propheten zeigt sich der Sultan, der den TitelHamangku Buono",ber Schoß der Wett" führt, seinen Untertanen, die aus den entlegensten Teilen zu Tausenden herbeiströmen und auf dem großen Marktplatz von Djokjakarta vor dem äuße­ren Schloßhof auf das Erscheinen der Prozession warten. Zuerst marschiert ein Trupp rotgekleideter Soldaten mit weißen Schürzchen, mit weißen Strümpfen und langen spitzen Karneoalsmühen aus dem inneren Palasthof heraus; mit würdigem Ernst tragen sie ihre alten Musketen, die keinen Schuß mehr abgeben können, aber ihnen doch ein kriege­risches Aussehen verleihen. Trommeln und Pfeifen erklingen nach aller Landsknechtsart, und in lang­samen Schritt ziehen diese letzten Nachfahren ber Söhne Frunbsbergs vorüber.Dann kommt ber Sultan am Arm des Gouverneurs", so schildert ber Verfasser ben Zug weiter,mit ihm bie Prinzen in Hoftracht, einen rotbraunen Sarong um bie Hüften, alle mit bloßem Oberkörper, und die schar armseli­ger Krüppel und Verwachsener, bie ein sprechendes Zeugnis der offenen fürstlichen Hand fein sollen. Dann wieder Soldaten, noch sieben ÄompagnicH unter der Führung von sieben Prinzen, Kavalle­risten in hohen Stiefeln, Lanzenträger mit bloßen Füßen und vergoldeten Armen und Gesichtern und bann ein ungeorbneter Haufen einfacher Untertanen, bie auf großen Traggestellen bie Reis-Berge zur Moschee bringen, bamit sie bort geweiht werden unv Allahs Segen auf ber Ernte ruht. Und wieber zie­hen neue phantastisch getleibete Solbaten an bcs Sultans Thron vorbei, senken ihre Fahnen feier­lich zu Boben und schwenken um, zum Tore hin­aus .. .**

anberen geben lebiglich ber Gegenwart ein besseres äußeres Gepräge und verschleiern damit krank­hafte Zustände.

Neben diesen Fürsorgebestrebungen entwickelte sich eine M echanisierung der ärztlichen Tä­tigkeit, die ihren bezeichnenden Ausdruck in ber Normierung ärztlicher Hanblungen und deren tarif­mäßiger Bezahlung fand. Eine derartigeärztliche Kunst" mußte den Stand, der seinen Sinn nur aus ber Ethik nimmt, vernichtend treffen. Sie mußte be­wirken, daß die innere Verbindung zwischen Kranken und Arzt schwand, und daß an Stelle des wechsel­seitigen Vertrauens ein Mißtrauen Platz griff, das bem Patienten schabete unb ben Arzt begrabierte.

Man kann es nur als eine natürliche Entwicklung bezeichnen, wenn in bieser Zeit bes Mißtrauens zwi­schen Arzt unb Patienten bas Ansehen bes Kur­pfuschers wuchs, bem es häufig burch ein aus­geprägtes Menschenbeurteilungsvermögen gelang, das Mißtrauen gegen ben Arzt in ein oft unbegrenz­tes Vertrauen gegen ben Kurpfuscher umzuwerten!

Die starre Ablehnung mancher volkstümlicher An- schauungen burch bie Schulmebizin hat bas Vertrauen zu letzterer nicht gesteigert! Es wäre besser gewesen,

Besuch, während bie komunistischen sehr schnell und fast restlos verschwanden.

Es hal in Griechenland nie eineSozial­demokratie" in unserem Sinne gegeben. Ihr am nächsten stehen bie Veniselisten, trotzdem über- trifft bie heute regierendeRechte" in ihrer Sozial­gesetzgebung gegenüber dem Arbeiter noch bie oeni- selisttsche Linke. Herr Alekos Papanastasiu, ber in Deutschlanb ftubierte, ist am meisten links gerichtet, boch auch er versuchte es nicht, einesozialbemokra- tische Partei" zu grünben, sondern will deren Ideen unter bem Mantel einerBauern- unb Arbeiter­partei" verbreiten, da bieser Titel in Griechenland einen besseren Klang hat, als wenn erbas Ding bei feinem Namen nennen würbe". Aus all biefem ist zu ersehen, baß es eine reinelinke" oberinter­nationale" in Griechenlanb überhaupt nicht gibt. Mit Ausnahme einiger kleiner Splitterparteien, bie etwa auf biefenEhrentitel" Anspruch erheben, finben sich in Griechenland zwei HauptströmungenVenifelis- mus" undAntiveniselismus" unb Demokraten und Monarchisten.

Denise los war 23 Jahre lang fast ununter­brochen ber mächtigste Mann in Griechenlanb, Könige unb Präsidenten mußten ihm weichen. Er hat sein Land im Lause ber Zeit auch ein gutes Stück vor- roärts gebracht. Energisch, von unbeugsamem Willen, verschaffte er sich Weltruf unb behielt auch in Grie- chenlanb feinen Gegnern gegenüber, bis auf wenige, kurze Ausnahmen, die Oberhand; dagegen versagte er völlig gegenüber eigenen Freunden, denen er hauptsächlich seine Niederlage am 5. März 1933 verdankte Parteimißwirtschaft war der Grund seines Falles bei diesen Wahlen, die seit Jahrzehnten aus- geschaltete Vvlkspartei unter ber Führung des ruhi­gen unb sympathischen jetzigen Ministerpräsibenten T s a I b a r i s ans Ruber brachte.

Nunmehr setzte bie alte Fehbe in umgekehrter Rich­tung ein. Man bebattiert aus parteipolitischen ©rün- ben tagelang in ber Kammer, es kommt zu heftigsten Angriffen unb Hanbgemengen unter ben Abgeorb- neten, bas Bilb ber Besonnenheit, das bisher bie griechische Kammer vorteilhaft von ben Parlamenten anberer Nationen in ben letzten Jahrzehnten unter­schied, verschwindet vor dem unauslöschlichen Partei­haß, der noch von einer fast gänzlich freien Presse in unnützer Weise geschürt wird. Der Parlamentarismus zeigt auch in Griechenland feine Schwächen, und feine Beseitigung ist bas zweite Ziel, bas sich bie Nationalisten unb Stahlhelmer setzten. Ihrer weiteren Entwicklung stehen nunmehr keine Hinbernisse im Wege. Ihre Hauptaufgaben werben es aber sein, bie beiben gegnerischen Lager, Deniselismus und Sinti- veniselismus, Republikaner unb Monarchisten, zu versöhnen, um ein geeintes, kräftiges Griechenland zu schaffen, wie es die Not ber Zeit erforbert.

Oie neuen Gaue

im Provinzialverband Oberheffen des Hessischen Sängerbundes.

In einer Gauführersitzung bes Provinzialver- banbs Oberhessen im Hessischen Sängerbund unter Leitung des Prooinzialsührers Ludwig Wendler (Bad-Nauheim) wurde eine N e u e i n t e i lu n g ber Sängergaue nach rein Verkehrs- unb wirtschaftspolitischen Rücksichten burchgesuhrt. Die seitherigen GaueWetterau" undLahntal" wur­den aufgeteilt, so daß künftig 9 Gaue vorhanden sind, zu denen nach Eingliederung der um Alsfeld gelegenen Ortschaften ein zehnter tritt. Bindungen an früher bestehende Unterbünde konnten bei Fest­legung ber neuen Gaugrenzen nicht mehr berück­sichtigt werben. Auch der unhaltbare Zustanb, baß Vereine berfelben Ortschaft verschiebenen Gauen zugeteitt waren, ist beseitigt.

Die neue Gaueinteilung sieht vor: 1. Gau Tau­nus mit Friebberg und Bad-Nauheim, 2. Gau Hausberg mit Butzbach, 3. Gau Gießen, 4. Gau Grünberg, 5. Gau Dogelsbera- S ü d mit Bübingen, Allenstabt unb Gebern, 6. Gau Vogelsberg-Norb mit Lauterbach und Schlitz, 7. Gau Niddatal mit Schotten unb Nibba, 8. Gau Chattia-Wettertal mit Lich, Hungen, Laubach, 9. Gau Wetzlar.

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Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Athen, Anfang September.

Trompetengeschmetler unb Trommelwirbel! Die Athener sinb zwar auf bas Kommen ber griechischen Nationalisten unb Stahlhelmer vorbereitet, reiben sich aber doch bie Augen beim Anblick ber schmuck ein- gekleideten, in militärischer Haltung vorübermarschie­renden Fronljchützer gegen den Kommunismus. In von der Regierung zur Verfügung gestellten Sonder­zügen kamen sie aus Saloniki, und zum ersten­mal wurden in Athen Gruppenbildungen sichtbar, die man bisher hier nicht kannte. Stramm und mann- haft durchzog die Jugend Mazedoniens, die Griechen- land gegen den roten Feind und die innere Zwistig­keit verteidigen will, durch die Hauptstadt.

Der Kommunismus ist im Verhältnis zum Ganzen sehr unbedeutend. Nur in Saloniki bildete sich eine starke kommunistische Zell , die sich zur Zen- träte des Kommunismus auf bem Balkan ausdildete und enge Beziehungen nach Wien unterteil, in dem sich eine kommunistische Zentralorganisation nieder- gelassen hatte, bie speziell über Saloniki bie kommu­nistischen Belange im Süboften Europas leitete. Unb bort, wo ber rote Terror Fuß zu fassen suchte, bilbete sich auch bie e r ft e Gegenwehr: Stahlhelmer unb Nationalisten. Saloniki ist ferner seit Iahrhun- berten Heimatort ber aus Spanien vertriebenen Iuben, die ihre eigene Sprache Spaniolifd) sprechen. Wenn auch die Regierung bie Saloniler Juden in jeder Weise schützt, so zeigen diese beiden -einigungen doch eine judenfeindliche Tendenz. Sie verfolgen, wie bie beutschen Nationalfozialisten für Deutschlanb, ben Grundsatz:Griechenland den Grie- chen" und erstreben ebenfalls eine Scheidung der Rassen. Somit war gerade Saloniki ein günstiger Boden für bie Grünbung bieser ber mobernen Zett- ftrömung angepaßten Bewegung.

Nicht so Athen. In bem sog.Altgriechenlanb", wo­bei hier nicht bie Antike, sondern bas Griechenlanb vor 1912 zu verstehen ist, fehlen bie Bedingungen. Der Kommunismus verfügt hier nur über eine ver- hältnismäßig geringe Zahl von Arbeitern, er tritt nur ab unb zu bei Krawall unb Radau unliebsam in Erscheinung unb macht ber in Griechenlanb sonst so -jammelt, alle von ben vier Himmelsrichtungen her, auf einer Eichenplatte ausgebreitet. Ihr bringt im Schnitt eurer Gesichter, in euren Gewandungen ber Szenerie eurer Umgebung bie Rasse mit unb bie Heimat. Ihr lächelt, staunt, eßt und blinzelt; eure Kindlichkeit ist euer größter Schatz, und die Grund- melobie, bie euch alle eint. Unb je öfter ich euch betrachte, um so rätselhafter werdet ihr. Ich vermag keine Ueberlegungen anzustellen, will gar nicht erst versuchen, euch mit den Gedanken einesErwachse­nen" auszuforschen. Es geht mir mit euch, wie es mir immer gegangen ist, wenn ich durch em Säuglingsheim schritt unb burch Pflegestatten klei­ner Kinber. Ihr feib wie säftetreibende Pflanzen, eingesponnen in eure eigene Existenz; zuweilen leb­haft, gleich jungen Tieren, dann wiederum nur atmend, fast als wäret ihr noch festgehalten am mütterlichen Erdreich wie ein eben hochgeschossener Blättertrieb.

WirGroßen" stehen und sind beglückt von eurem Dasein. Jedes von euch hat eine Mutter, einen Baier, irgend jemand, bem ihr bie Sonne be­deutet unb bas Leben. Unb niemanb weiß im vor- aus, was bie Jahre aus euch machen, wie bie Wirk­lichkeit eure ©lieber formen wirb, eure Charakter­eigenschaften, euren Geist. Wir lieben euch, weil ihr unsre Zukunft bebeutet; wir möchten euch immer bei uns behalten unb spüren boch, baß es einst Abschieb nehmen heißt, daß ihr über uns hinaus- wachsen werbet, unb selber bie gleichen Sorgen haben werbet wie wir, unb bas gleiche Glück.

Die nationalsozialistische Weltanschauung, bie In ihrer Entwicklung unb Vollenbung zu weitgehenden Aenderungen der inneren Staatsstruktur führt, muß bort, wo diese Idee in engste Verbindung mit dem Dolkskörper selbst tritt, zu ganz grundlegenden Neu- orbnungen Veranlassung geben, bie heute nur ber Arzt sehen kann, Der Ursache, Weg und Ziel dieser Entwicklung begreifen durste!

Wir verstehen heute den Begriff derGesund­heit" anders als bisher, sowohl wissenschaftlich wie volkstümlich, und boch begegnet sich dieser neu­zeitliche Begriff wieder mit Den alten Anschauungen eines Paracelsus, ber offenbar ebenfalls®e- funbheit" wesentlich weiter faßte und in ihr nicht bas einfache Gegenteil vonKranksein" begriff, fon- bem mit ihr Hochleistung -bes einzelnen, Volk unb Staat gegenüber, oerbanb. Hierburch erklärt sich, baß heute bie Ausgaben ber Mebizin unb ber Ge- iunbhettspolitik anbers zu verstehen sinb als bei ben eng umrissenen Grenzen ber srüheren Sicht­weite.

So laut sich einst ber Marxismus um Mebizin unb Volksgefunbheit zu bemühen schien, seine Sicht war nur oberflächlich! Hierburch schon erklärt sich das Fehlschlagenmüssen aller marxistischen Bestre­bungen! Sozial klingende Wortspiele konnten dau­ernd nicht über die Leere ihres Inhaltes täuschen, unb so war es nur folgerichtige Entwicklung, wenn alle von ber Vergangenheit losgelösten marxistischen Bestrebungen in ihrem Ergebnis versagten.

Heute schauen wir erbbiologisch. Diese Sicht oerbinbet zwangsläufig jebe Medizin und Gesundheitspolitik mit Volk unb Staat, sieht im Volk nicht einen unorganischen Haufen lebenber Menschen, sonbern erkennt diese sowohl einzeln, wie in Gruppen in einer biologischen, organischen Derbinbung mit ber Vergangenheit, binbet sie gleich­zeitig durch diese gemeinsamen Wurzeln fest anein­ander und zeigt die Aufgaben, die sich nicht in ber Gegenwart erschöpfen, sonbern weit in bie Zukunft weisen nicht einzeln für Hanblungen ober Unter­lassungen maßgebend, sondern in Gemeinschaft.

Dadurch, daß der Begriff derGesundheit" sich deckend mit nationaler Leistung, gewisser­maßen beherrschend über Volk unb Staat schwebt, gewinnt ber Stanb, ber für bie Gesunbheitspflege bcs Volkes in erster Linie verantwortlich ist, eine noch nie vorhanben gewesene Beb-utung unb er­wirbt sich bas Recht, an maßgebenber Stelle ber Staatspolitik eingeschaltet zu werben.

Was uns heute als ein mertroürbiger geistiger Irrweg in ber Entwicklung ber letzten Jahrhun­derte erscheint, das ist der allmähliche Verlust einer Ganzheitsbetrachtung, wie sie in ber Vergangenheit überall intuitiv selbstoerstänblich war. An ihre Stelle ist in ber geistigen Haltung ber Menschheit mehr unb mehr eine Zertrümmerung bieser Ganzheiten getreten, eine seltsame Blickweise, bie überall Teile und Teilchen in ben Mittelpunkt ruckte und darüber ähnlich bie Schau des Ganzen verlor. Bei erbbiologischer Betrachtung von Ge­schichte und Kultur begreifen wir auch, baß bie schrankenlose Oeffnung ber Universitäten für nicht- beutsche Elemente zwangsläufig sowohl bei Hörern wie bei Lehrern zu einer Umfrembung bes beutschen A r z t b e g r i f s e s führen mußte.

Wir wissen heute: Menschenschicksale werben fest­gelegt im Augenblick ber Zeugung unb, burch spä­tere Einwirkungsversuche auf bie Umwelt können wir nur äußere Deränberungen herbeiführen, bie bie innere Struktur ber Betreffenben in keiner Weise ändern Wir treffen also durch alle der- artiger Maßnahmen nur das in der Gegenwart lebende Geschlecht und wissen, daß hierdurch kom- wende Generationen in keiner Weise beeinflußt werden. Nur erbbiologisch begründete sozialhygie nische Bestrebungen haben bleibenden Wert, alle

Nationalismus in Hellas

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