Ausgabe 
20.7.1933 Erstes Blatt
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. (67 Zweites Blatt

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ist die Feststellung des einfachen Artende­st a n d e s im einzelnen Lebensraum.

Die nächste Stufe hat den Grad der Ver­bundenheit mit dem jeweiligen Lebens- raum zu untersuchen.

Die weitere Entwicklung der Forschung hat die

Tierschutzvereins und seit Verkündung der grotzange- legten Pläne zur Gründung des Hessisch H e i m a t b u n d e s auf der Jubiläumsfeier in

Die neue Dichtung in der hessischen Tier- und Heimaiforschung.

Nach Vorträgen, gehalten auf den ZubiläumStagungen des Hessischen Tierschutz- und des Vogelschutzvereins für Hessen in Darmstadt.

Von Or. Karl Rudolf Fischer, staatlichem Vertrauensmann für Naturschutz in Hessen.

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Die niedrigste Stufe der Lebensraumforschung

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also nicht zum Ziele führen. Dagegen könnte Frank­reich durch den U-Boot-Krieg Englands Ernährung und Rohstoffversorgung in Frage stellen.

Kann also England allein gegen Frankreich nichts ausrichten, so müßte es sich dafür nach Bundes­genossen umsehen. Wer kommt hierfür in Frage? Italien könnte zwar ein militärisch be- achtlicher Bundesgenosse fein, aber die weite räum- liche Trennung von England erschwert ein Zusam­menwirken der Streitkräfte und die sehr schwierigen Grenzverhältnisse zwischen Italien und Frankreich aestatteten es diesem, einen etwa beabsichtigten Ein­fall der Italiener in Südfrankreich in den Alpen mit verhältnismäßig geringen Kräften abzuwehrcn. Ein Bündnis Englands mit Italien allein würde demnach schwerlich die Entscheidung gegen Frank­reich bringen. Spanien ist militärisch so schwach, daß es als Gegengewicht gegen Frankreich nicht in Frage kommt, abgesehen davon, daß sich in abseh­barer Zeit keine Möglichkeit bieten dürfte, es für Englands Interessen gegen Frankreich einzuspan- nen. Ueberdies liegen durch die Pyrenäengrenze Frankreichs Derteidigungsmöglichkeiten gegen Spa­nien mindestens so günstig wie gegen Italien.

Bleibt also Deutschland. Rur über Deutsch­land könnte England auf einen kriegerischen Erfolg gegen Frankreich hoffen. Was liegt also näher, als daß England alles tut, um Deutschland die Möglich­keit zu bieten, seine militärische Kraft zu Lande wiederherzustellen, um mit ihm im Bunde Frank­reich im Schach halten zu können? Was tut aber England? Mit allen Mitteln will es bei den Ab- rüstungsoerhandlungen Deutschlands militärische Ohnmacht aufrechterhalten, denn anderes bedeutet der Macdonald-Plan nicht. Selbst, wenn Frankreich in Genf den Maedonaldschen Vorschlägen im vollen Umfange entsprechen sollte, was wohl im Ernst niemand glaubt, jo wäre immer noch seine militä­rische Ueberlegenheit gegenüber Deutschland gewahrt und es bliebe unangreifbar, da ihm feine Grenz­befestigungen bei dem Verbot aller wirksamen An- grisfswaffen für Deutschland völligen Schutz ge­währen.

Wenn England seine Militärpolitik nicht grund­legend ändert, wird seine Gesamtpolitik auch fer­nerhin im Schlepptau Frankreichs bleiben. Damit aber wird das Inselreich aufhören, eine Weltmacht zu bedeuten. Schon jetzt knistert es allenthalben im Gebälk des britischen Weltreiches. Werden ihm Tlänner erstehen, die das einsehen und das Steuer umlegen, ehe es zu spät ist?

Klärung zu bringen:W arum leben nur diese Tiere hier?" Dies geschieht durch Feststellung der Vorherrschaft physi­kalischer, chemischer, geologischer und biologischer Faktoren.

4. Dann kommt das vergleichende Le­bensraum st udium, dem die Aufgabe zu- fällt, die Beziehungen aller Lebens- räume untereinander abzuleiten und allgemeine Gesetzmäßigkeiten f ü r denNaturhaushalt ausfindig zu machen.

Wir können sagen, daß wir mit Ausnahme der kleinen und kleinsten Tiergruppen in der tierkund- lichen Heimatforschung heute zwischen der ersten und zweiten Stufe stehen und daselbst nicht weiter als über die Feststellung der Landesbestandsliste hinsichtlich der vertretenen Arten gekommen sind. Wir sind also hier weit zurück hinter der pflanzen- kundlichen Forschung. Das kommt daher, daß in der zoologischen Forschung im Gegensatz zu der Botanik erhebliche Schwierigkeiten in der Erfor­schung der Beziehungen zwischen Lebensraum und Tierwelt bestehen. Zum Teil sind diese daher na« turbedingt, daß dem Tier freie Beweglichkeit ge­geben ist, was bei Pflanzen niemals vorkommt, und daß ein Tier unter Umständen mehrere Le­bensräume gleichzeitig nebeneinander benützt, so daß man gezwungen ist, mitunter einen Nahrungs-,

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Wenn heimatkundliche Studien aus irgendeinem Zweig der Geschichte oder Naturforschung einer streng wissenschaftlich urteilenden Kritik standhalten sollen, wenn sie dem Fehler dilettantischer Urteils­vereinseitigung subalterner Meinungsverflachung und Engstirnigkeit überhoben werden sollen, dann ist daraus zu achten, daß allen Folgerungen aus der Erkenntnis von speziellen Forschungen eine gründ­liche Vororientierung über die historischen und zeit- gleichen geophysikalischen Verhältnisse vorauszu- gchen hat, die diesen Spezialforschungen zugeordnet sind.

Insbesondere hatdietierischeund pflanz­liche Erforschung unserer Heimat unter dem Gesichtswinkel zu erfolgen, daß Tierwelt, Pflanzenleben und der zugehörige landschaftliche Lebensraum keine zufallsgegebene Tatsache oder eine gesetzmäßig nicht weiter bedingte Naturlaune sind, mit der man sicheinfach" abfinden muß, son­dern daß diese aus drei Grundelementen bestehende Lebensgemeinschaft unter dem Einfluß mannigfal­tiger, von außen einwirkender Kräfte der Vor- und Jetztzeit ein außerordentlich intimes Zusammen­leben und Jneinandergreifen erhalten hat, die es zur Kardinalaufgabe machen, bei allen rein bota- nischen und zoologischen Bestandserhebungen einer Landschaft, die sich auf die gegenwärtig vorkom- menden Arten beziehen, gleichzeitig^auch die lier- uni) Pflanzengeographie, also die Siedlungskunde, sowie die Abhängigkeit aller Lebewesen vom geo­logischen Aufbau und Untergrund des Bodens, von der die Landschaftsform bestimmenden Land­oberfläche und von dem Einfluß des Klimas zu klären.

Leider ist aber in der Zeit der bei der Wissen­schaft modern und aber auch zwangsläufig gewor­denen Tendenz, alles zu spezialisieren, auch für die Anhänger der von Humboldt vertretenen universellen Intelligenz nicht mehr die Möglichkeit gegeben, mehrere naturwissenschaftliche Fächer so in­tensiv zu beherrschen und damit die einzelnen über­kommenen und geisteseigenen Bausteine harmonisch in das Gesamtmosaik unseres Wissens einzuordnen. Denn trotz auch des heute noch bei der akademischen Ju­gend vorhandenen Dranges, sich möglichst vielsei­tig zu bilden, wird man bei der Fülle, das heißt der Ausdehnungsbreite und dem Tiefgang des Stofflichen außer feinem engbegrenzten Spezialfach hinsichtlich der Nachbargebiete nicht weiter als über eine gutfunbamentierte Allgemeinbildung hinaus­kommen, der je nach dem individuellen Jntelligenz- grad mehr oder weniger brauchbares Fingerspitzen» gefühl, nützliche Kombinationsbefähigung und Ein­passungstaktik von der Vorsehung beigesellt ward.

Da aber alles Fingerspitzengefühl von der wissen­schaftlichen Exaktheit mit Recht nur alsSpeku­lation" gewertet wird, so ist es zu verstehen, wenn man sich nach neuen Wegen umsieht zu einer Zeit, da es darum gilt, alle der neuaufblühenden Heimatforschung dienenden Kräfte dahingehend zu­sammenzufassen, daß eine in allen Einzel­teilen vollwertige Gesamtschau des heimatlichen Naturlebens zustande- kommt, eine Synopsis, welche es für alle Zeiten unmöglich macht, daß auch in diesem neuen und lebensnotwendigen Lehrfach das in den anderen Disziplinen eingerittene Neben- ober gar Segen« einanberarbeiten, sowie bie im Verfolg jedweber Spezialisierung wahrzunehmenbe Zersplitterung ber besten Kräfte ihre erkenntnishemmenben Blüten treibt. I n biefer Richtung also soll an bie­der Stelle auf neue Gesichtspunkte hingewiesen wer- ben hinsichtlich ber von nun an anzustrebenben Forschungsmethoben bei jeglicher Art von heimat- kunblichen Erhebungen.

Darmstadt, von sich sagen zu können, baß bie Be­lange ber hessischen Heimatforschung einen neuen unb mustergültigen Aufschwung zu neh­men versprechen. Die Intensität unb Geschäftigkeit, mit ber man allenthalben an bie neu gestellten Aus­gaben herangeht, beweist, wie bereit man allerwärts bie Männer fanb, bie gern unb freubig unter einem günstigeren Zeichen, als seither ihrer Heimat unb ba­nnt ihrem Daterlanbe bienen wollen. Wenn es ge­lingt, in ber großen Richtung ber hier oorgetrage- nen Gebauten alle fähigen unb arbeitsbereiten Kräfte zusammenzusassen, wie bas vorgesehen ist, bann barf Hessen sich rühmen, anberSpitzeber beutschen Lanbesforschung zu marschieren unb ridjtunggebenb zu sein für bie Arbeit ber an- bereu. Denen oben im Staate, bie biefen Weg an« bahnten, gilt unser Dank unb unsere Anerkennung. Ihren Weitblick wirb bas Werk einst krönen. Denen aber, bie mit uns arbeiten, ist unsere gegenseitige Hilfe gewiß. Vivant sequentes!

Wettervoraussage.

Der hohe Druck über Zentraleuropa verlagert sich ostwärts und wirkt aber trotzdem noch auf unsere Wetterlage ein. Durch die zunehmende Er­wärmung einerseits und andererseits durch die sich im Westen entwickelnde Störungstätigkeit wer­den sich aber allmählich Gewitterstörungen bilden.

2lussichtensür Freitag: Fortdauer des sommerlichen Wetters, später aufkommende Ge­witterstörungen.

Lufttemperaturen am 19. Juli: mittags 24,0 Grad Celsius, abends 18,2 Grad: am 20. Juli: morgens 14,8 Grab. Maximum 24,0 Grab, Minimum 11,5 Grab. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe a$n 19. Juli: abenbs 25,7 Grab: am 20. Juli: morgens 18,5 Grad Celsius. Sounenscheinbauer 11X Stunben.

Englands MMpoM von Versailles dis Gens

Von Erhard Wegeli, Oberstleutnant a. O.

Durch bie Politik Englands vor ber Regierungs­zeit Ebuarbs VII. zog sich wie ein roter gaben stets bas Bestreben, auf bem europäischen Festlanbe bas Gleichgewicht ber Mächte zu erhalten. Die klugen Politiker bes Jnselreiches wußten recht wohl, wie nützlich es für ihre Zwecke war, wenn auf bem Festlanbe militärisch etwa gleichstarke Mächte sich gegenseitig im Schach hielten. Um fo leichter war es für Englanb, Weltpolitik zu treiben, b. h. sich mög- lichst große Teile ber bewohnten Erbe anzueignen unb ihnen bie Segnungen ber Kultur bes von Gott hierfür auserwählten britischen Volkes angebeihen zu lassen. Daß babei bas Inselreicht recht schon ver- biente, schabete ja weiter nichts unb war Golt sicher wohlgefällig.

Daß Englanb mit biesem Grunbsatze unter ber Regierung Ebuarbs VII. brach unb burch ben Ab- fchluß ber (Entente eine starke Gleichgewichtsverschie­bung zu Ungunften ber Mittelmächte, vor allem Deutschlands herbeiführte, war Mittel zu bem Zweck, biefen Nebenbuhler im Hanbel unb Jnbuftrie nieberjuringen unb feine wachsende Seemacht zu zertrümmern. Soweit ist bie englische Politik ver- ftänblicf), wenn sie sich auch als falsche Rechnung erwiesen hat, insofern als bie wirtschaftliche Schädi- flung Deutschlanbs keineswegs ber englischen Wirt­schaft zugutegekommen ist.

Deutschland war 1918 mit Hilfe ber Vereinigten Staaten von Amerika niebergebrodjen. Jetzt trat an bie englischen Politiker bie Frage heran, was zu tun wäre, um bas Gleichgewicht auf bem Fest- lanbe wieberherzustellen unb dadurch ber englischen Staatsführung roieber bie Freiheit zu schaffen, un- gebinbert burch irgend eine Festlandsmacht Welt­politik zu treiben.

Was taten dagegen bie englischen Politiker in Versailles? Lloyd George ließ sich lediglich von dem Bestreben leiten, das verhaßte Deutsch- land, das England im Weltkriege zu nie geahnten militärischen und finanziellen Opfern unb Anstren­gungen gezwungen hatte, bas nur mit H'lfe ber Vereinigten Staaten von Amerika unb ber meisten Völker bes Erbballes niebergerungen werben konnte, zur bauernben militärischen Ohnmacht zu ver­urteilen. Haß ist in ber Politik ein schlechter Be­rater, sie erforbert vielmehr kühle Köpfe unb weites Dorausbenken. Beibes hat Lloyb George gefehlt.

Es war vom englischen Stanbpunkt aus ver- ftänblid), baß bie beutsche Flotte vernichtet würbe. Durch bas Erstarken ber Flotten ber Ver­einigten Staaten, Japans, Frankreichs unb Italiens war ber englische Anteil an ber Welttonnage ber Kriegsflotten erheblich gesunken. Das Axiom ber britischen Kriegsslotten-Politik, ber Zwei-Mächte- Standarb, ließ sich nicht mehr aufrechterhalten, war doch allein bie norbamerikanische Flotte bei Kriegs- eiibe fast auf bie Höhe ber britischen anaewachsen. Es lag also im englischen Interesse, ben Anteil sei­ner Kriegsflotte an ber Welttonnage burch Vernich­tung bes größten Teiles ber beutschen Kriegsflotte zu heben. Wir müssen bies objektiv betrachten, so schmerzlich cs auch für uns ist, baß unsere herrliche unbesiegte Kriegsflotte dieser Erwägung zum Opfer gefallen ist.

Anders lagen aber die Verhältnisse bei den Landarmeen. Eine noch so starke deutsche Land­armee konnte England nie gefährlich werden, wenn ihr nicht eine Kriegsflotte zur Seite stand, die in der Lage war, die englische vernichtend zu schlagen. Weder den britischen Inseln noch den Kolonien konnte von Der deutschen Landmacht allein Gefahr drohen. Wurde bie beutsche ßanbarmee tn etwa ber gleichen Stärke wie bie französische einschließlich beren Bunbesgenossen belassen, so war bas mili­tärische unb damit das politische Gleichgewicht auf bem europäischen Festlanbe wiederhergestellt. Einer­seits war Deutschlanb trotzbem nicht in ber Lage, etwa einen Vergeltungskrieg gegen Frankreich gegen Cnglanbs Willen zu entfesseln, ba bas Fehlen Der Seemacht Deutschlanb von der Duldung Englands abhängig machte. Andererseits war Frankreich bann verhinbert, bie Hegemonie auf bem europäischen Festlanbe an sich zu reißen unb damit jeden Ein­fluß Englands auf die Festlandspolitik auszu- schalten.

Es war eine Verblendung der englischen Politiker sondergleichen, daß gerade sie in erster Linie Deutschlands Entwaffnung zu Lande betrieben und ihm ein Heeressystem auszwinaen halfen, das in seiner Beschränkung das Deutsche Reich wehrlos und damit auch bündnisunfähig machte. Daß nach der Völkerbundssatzung die Ent­waffnung Deutschlands bie Abrüstung ber alliierten 3)läd)tc nach sich ziehen sollte, war eine Phrase, beren ganze Verlogenheit wir gerabe jetzt klar sehen. Sollte aber wirklich Lloyb George bar an geglaubt haben, so wäre bies ein Zeichen von Tor­heit, bie bei einem verantwortlichen Politiker ans Verbrechen grenzt. Jebenfalls verschaffte bie ein­seitige beutsche Abrüstung Frankreich d'e Hege­monie Europas burch seine erbrudenbe militärische Ueberlegenheit. Englanb ging in seiner unglaub­lichen Kurzsichtigkeit aber noch weiter, indem es feine eigene, allerbings wenig volkstümliche, a 11 = gerne ineWehrpflicht roieber ab schaffte beren Notwendigkeit boch gerabe ber Weltkrieg ihm ge­zeigt hatte. Nicht bnmit genug, entlebigte es sich bes größten Teiles seiner Luftrüstung unb räumte damit Frankreich gerade in dieser für bie fetzige Kriegführung so wichtigen Waffe eine starke Ueber- leqenheit ein War früher Englands bester Schutz neben seiner Kriegsflotte seine insulare Lage ge­wesen, so hatte boch ber Weltkrieg gelehrt, baß durch die Entwickelung der Luftwaffe dieser «chutz einen großen Teil seiner Wirksamkeit verloren hatte Eng­land hätte im Gegenteil seine ßuftruftung uitf den höchsten Grad steigern müssen, um öaburd) den Schutz des Jnselreiches weitgehend sicherzustellen. Es hat dies ja später eingesehen und feine ßuft» rüstung allmählich erhöht. Den Vorsprung Frank- reichs wird es aber wohl kaum einholen können. England hat auch in der Entwickelung seiner tech­nischen Kampfmittel, wie Kampftagen, motorisierte Geschütze, Nachrichtenmittel usw. m den letzten Jahren viel getan und pflegt auch die Militärische Jugendvordilbung in gewissem Maße. Dav alles kann aber keinen vollgültigen Ersatz für ein starkes sofort oerwendungsfähiges Frledensheer mit ben nur burch bie allgemeine Wehrpflicht zu schaffenden Reserven gebienter Mannschaften bieten

Unbegreiflich ist es, baß Englanb auch ber Un­terseeboots-Frage nicht bie 2Iufm.e^amte,t geschenkt hat, bie ihr gebührt hatte, nachdem der beutsche U-Boot-Krieg bas britische Reich fast au| bie Knie gezwungen hätte. Man sollte es kaum für möglich halten, baß auch in biefer wichtigen Waffe

Englanb bie Ueberlegenheit Frankreich überlassen hat. Frankreich ist aber in ganz anberer Welle in ber ßage, von (einen Kanal- und atlantischen Häsen aus Englands Seeverkehr durch den U-Boot-Krieg lahmzulegen als Deutschland im Weltkriege mit sei­ner sehr ungünstigen U-Boot-Basis. Vergebens ver­sucht England, bei Abschluß von Flottenbegren- zungspokten auch die U-Boot-Frage zu lösen, indem es auf gänzliche Abschaffung ober boch starke Ein­schränkung dieser ihm besonders gefährlichen Waffe bringt Keine ber interessierten Mächte, am wenig­sten Frankreich, tut Englanb biefen Gefallen.

Es scheint in ber Tat, als ob Englanb aus bem Weltkriege militärpolitisch nichts gelernt hat. Ober träumen bie englischen Politiker vom eroigen Frieben unb glauben sie insbesondre, baß Rei­bungen mit Frankreich, bie zum Kriege führen rön­nen, für alle Zukunft ausgeschlossen seien? Sieht Englanb nicht schon jetzt, baß seine militärische Un- terlegenheit gegenüber Frankreich es politisch diesem stets machthungrigen Volke ausgeliefert hat, daß es keine selbständige Entscheidung ohne Frankreichs Duldung treffen kann? Macht man sich in England nicht klar, daß Frankreich in kolonialer Hinsicht ein weit ernsterer Konkurrent ist als Deutschland es je hätte werden können? Daß Frankreich auch seine Industrie mehr und mehr entwickelt und England diesem Umstande einen großen Teil seines Arbeits­losenheeres verdankt, sollte doch ebenfalls dort nicht unbekannt sein. Es gibt also Reibungsflächen ge­nug zwischen beiden ßänbern. Wenn die englifqje Politik auch nur ein wenig von ihrem früheren Weitblick hätte, so müßte man sich dort sagen, daß dereinst eine kriegerische Auseinandersetzung mit Frankreich im Bereich der Möglichkeit liegt, und müßte seine Militärpolltik daraus einstellen. Tat­sächlich hat sich aber England selbst völlig außer­stand gesetzt, bei einem Konflikt mit Frankreich diesem seinen Willen aufzuzwingen. Eine ßanbung in Frankreich wäre bei Englands militärischer Ohn­macht undenkbar und selbst, wenn sie an einzelnen Stellen durch Uederraschung glücken sollte, so wür­den die gelandeten Kräfte, um ein Bismarck-Wort zu brauchen, dortverhaftet" werden. Frankreich zur See niederzuringen wäre aussichtslos, da das reiche ßanb sich selbst ernähren kann. Eine Hunger- blocfabe wie gegen Deutschlanb im Weltkriege würbe

Brut- unb Balzbiotop (wie bei ben Vögeln zum Beispiel) zu unterscheiben.

Um nun bie heimische Tierforschung aus dem seitherigen toten Stanb herauszuheben unb in ein lebenbiaes Stabium zu bringen, war es notwendig, neue Mittel unb Wege zu finden, die es gestatten, ber Forschung weiter zu helfen. Folgerichtigerweise mußten sie sich auf den vorhin festgelegten zwei­ten Forschungsgrab konzentrieren, ber es sich zur Aufgabe gesetzt hat, ben Grab ber Verbun­denheit mit bem jeweiligen ßebensraum ber Art zu ermitteln unb bann weiterhin bie Frage zu klären: Warum leben nur biese Tiere hier?"

Zu biesem Zwecke würben im Rahmen ber im Gang befindlichen Arbeiten zur Erforschung ber Wirbeltierfauna von Heften, als beren erster Band bie Veröffentlichung zu erwarten istDie Dogelwelt Hessens in ihrem biologischen Aufbau", neue For­schungsmethoden angewandt, die durch nahezu 800 Einzelerhebungen in allen ßandesslellen belegt sind unb unter Unterstützung zahlreicher sachzustänbiaer Mitarbeiter zusammengetragen würben. Diese Un- tersuchungen beziehen sich barauf, bieSieblungs- bichte unb Vorkommensbreite ber vertretenen Arten in einem einheitlichen, b. h. nicht burch natür­liche Beränberungen irgenbwelcher Art burchbroche- nen ßebensraum festzustellen. Im einzelnen hanbelt es sich barum, flebensräume von einer bestimmten umroeltgcgcbenen Einheitlichkeit unb Umgrenzung au burchsvrschen, wie wir sie alsWiese",Kultur- selb",Buchenhochwalb",Nabelwald",Fichten­dickung",ßaubholzniederwalb",Brachgelänbe", Park" usw. zu bezeichnen pflegen. Es kann heute schon mitgeteilt werden, daß diese Erhebungen über die jeweils in diesen ganz bestimmt gearteten ße- bensräumen unzutreffende Siedlungsdichte der darin vertretenen Arten hochinteressante Einblicke in den inneren Zusammenhang unseres heimischen Natur- lebens ergeben haben. Hinsichtlich der praktischen Arbeitsmethoden sei mitgefeilt, daß bei den vogel- kundlichen Erhebungen z. B. nach bestimmten Ver­fahren die Anzahl der singenden Männchen in einem bestimmten Gelände und zu einer bestimmten Zeit festgestellt wurde, um somit einen Hochprozentischen Wahrscheinlichkeitseinblick in bie Dichte ber brüten- ben Arten zu bekommen.

ßogischerwcise ergab es sich bei berartigen Unter­suchungen, baß man in Gebirgen barauf achten müßte, ob unter dem Einfluß von Pflanzen- ober Klimawechsel ober unter bem Einfluß von Veränbe- rungen beiber Faktoren gemeinsam in vertikaler Hinsicht von unten nach oben eine Abnahme in ber Sieblungsbichte bestimmter, befonbers weicher Tier­arten wahrzunehmen war. Im Vogelsberg, in ber rauhen Rhön, an geographisch befonbers exponierten Punkten bes Taunus unb offenbar (bas Material ist noch nicht vollstänbig) auch in bestimmten Forma­tionen bes Obenroalbes haben biese Erhebungen ebenfalls sehr wertvolle unb interessante Ergebnisse in biefer Richtung gehabt.

Unb nun komme ich an Hanb biefer methobisch ausgeprobten Forfchungsrichtung zu ben im Aus- gana meiner Betrachtung ausgestellten Forberungen an Die neue Heimatforschung.

Es ist nur bann möglich, bie mannigfaltigen unb intimen Beziehungen unb Zusammenhänge bes Na­turlebens nach außen hin sichtbar, üderzeugenb unb beweiskräftig barzustellen, wenn man bie Möglich­keit hat, sich bie in ber gleichen Richtung laufenben Ergebnisse ber benachbarten Forschungsreihen als Grunbverbjnbung zum eigenen Stoff zu eigen zu machen. Es wäre, zum Beweis, ohne Zuhilfenahme ber geologischen Blätter, ohne gleichzeitigen Eintrag ber in geologisch befonbers gearteten ßanbeslaaen vertretenen Pflanzenvergesellschastungen, ohne Kenntnis ber jeweiligen Höhenlage unb bes mit ihr meist ibentifizierbaren Klimas nicht möglich gewesen, eine solche Gesamtschau ber naturoerbunbenen Ver- hältnifse, ihres organischen Zusammenhanges und ber logischen Notwendigkeit ihres augenblicklichen Aussehens zu vermitteln.

Deshalb muß für jeglichen wissenschaftlich produk­tiven Fortschritt in der Heimatforschung die Aufgabe zur Kardinalforderung erhoben werden, durch staat­lich herbeigeleiteten Zusammenschluß aller der Darstellung und bem Verstänbnis bes gegenseitigen Angepaßtseins ber Tier- unb Pflanzenbesieblung an ben bobenftänbigen ßebensraum unb bie Umwelt bienenben Erfahrungen zu einem abgerundeten Ge­samtbild soweit zu kommen, daß die einzelnen Zweige der Heimatforschung auch wirklich gegenseitigen Nutzen vo ne inander haben und nicht mehr wie seither fremd und un­erkannt nebeneinander herlaufen und sich zerarbci- ten statt zusammenzutragen unb aufzubauen.

Hessen ist in ber ßage, seit ben programmati­schen Richtlinien bes in Sachen ber Heimatsorschung außerorbentlich rührigen Ministerialrates Rings­hausen auf der Vorstandssitzung des Hessischen

Mit -wenigen Worten läßt sich bas Wesentliche, worum es hierbei geht, folgenbermafjen sagen. Wir müssen bei unserer Heimatforschung so weit kom­men, baß es gelingt, zur Feststellung einer ein= roanbfreien Gesamtschau bes Naturlebens auf organisatorischen Wege alle Fachspezialisten unter staatlich betonter Initiative so in ben Forschungs­apparat einzugliebern, baß es jebem als sein Bei­trag zur ßöjung einer bestimmten gestellten Auf. gäbe zittällt, aus bem reichen Schatze feiner spe­ziellen Kenntnis für einen bestimmten Punkt bas Typisch e" aufzuzeigen, aus bemTopischen" bas Dermittelnbe Binbeglieb zum Nachdarfach her­beizuleiten unb so aus ber gleichzeitigen organischen Verbinbung aller einzelnen Fächer einen wohlge- orbneten unb gesetzmäßig in ben gegenseitigen Ab­hängigkeitsbeziehungen ibentifijierbaren Zusam­menhang zu finben. Für bie praktische Verwirk­lichung biefer zeitgemäßen Jbeen kommt ein Weg in Frage, besten Enbstation auf ben Folgerungen nachstehenber Betrachtungen aufgebaut ist.

In ben letzten Jahren ist in Deutschlanb eine planmäßig organisierte Erforschung ber sogenannten Pflanzenassoziationen in Schwung ge­kommen. Sie hat bie ersten Versuche zu einer syste- malischen Vergesellschaftungsforschung ins ßeben gerufen. Es konnte von vornherein keinem Zweifel unterliegen, baß bas Ziel ber zoologischen Bebens» raumsorschung ein Parallelstück zur Vegetations- kunbe sein würbe, unb wie biese von ber naturge« bunbenen Erschließung aller Assoziationsbeziehun­gen ausgeht, so muß bas Stubium ber zu einem großen ßanbschaftsraum vereinigten kleinen Ein­zellebensräume bie Grunblage unserer künftigen Forschungen bilben.

Aus biesem Rückblick auf ben Werbegang ber Heimatforschung ergibt sich bie von nun an anzu- ftrebenbe Forschungsrichtung. Man hat je nach deren Entwicklungsgrad vier Forschungs-