Nachdruck verboteni
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Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser lieber Altersbruder und Vorstandsmitglied Herr Philipp Breitwieser nach langem Leiden entschlafen ist.
Der Vorstand.
Die Beerdigung findet Freitag, den 21. Juli, nachmittags 21/2 Uhr statt. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung unserer Mitglieder. ^90
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der „Berliner lllustrirten Zeitung" vom 23. Juli 1 933. Nr. 29
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Franzose während des Fluges eingetragen. Dazu eine Skizze des Werkes, wie es die Frau am letzten Tage scharf und treffend gesehen. Der Mann, der sein Freund gewesen und den sie zum Verrat verführt, war seit ihrer Abreise ebenfalls verschwunden. Viel Freude würde ihm aus dieser Serbin« duna nicht erwachsen, dem armen schwachen Heinz Gebier, den seine Gläubiger nun überall suchten...
Auch das Verhalten der Kalesso hatte einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. War sie auch oberflächlich, ein echtes Kind ihrer Zeit — em wenig mehr Anstand und Tiefe des Gefühls hatte er ihr doch zugetraut. Ueberall Lug und Trug, hinter der Maske von Liebe und Freundschaft verbarg sich nur die Gier nach seinem Geld.
Vandro fühlte, was in des anderen Seele vor- ginq, und litt mit ihm. Aber das Bewußtsein seiner Stellung als Untergebener verschloß ihm die Lippen. Ruhig, korrekt wie stets, in unveränderter Freundlichkeit tat er seinen jetzt oft schweren Dienst. Das Wetter war rauh geblieben. Schneestürme kündeten den Winter an, der lang und hart zu werden drohte. Die weiten Fahrten, meist im offenen Wagen, das lange Warten in Kälte und Wind waren nicht geeignet, die Kraft zu ersetzen, die Krankheit und Unterernährung ihm im Laufe der letzten Jahre geraubt. _
Aber nie kam ein Wort der Klage über Georg von Dandros Lippen, die stets ein Lächeln fanden, wenn er durch die nächtliche Dunkelheit des Parks dem kleinen Hause zustrebte, dessen erleuchtete Fenster ihn schon von weitem grüßten. Dann pfiff er ein paar Takte irgendeines Volksliedes — die Tur flog auf, auf der Schwelle stand die Frau, die der Inbegriff aller Seligkeit für ihn geworden, und breitete die Arme aus in zärtlichem Willkommen.
Es war eine glückliche Heimkehr, auf die er sich den ganzen Tag freute. Und einmal, als fein Herz besonders stark davon erfüllt war, vergaß er feine Zurückhaltung und sprach davon zu Steinherr, mit dem er eben von weiter Fahrt nach Hause gekommen.
„Man muß sich auf etwas freuen können, um das Leben zu ertragen", sagte er, und seine Augen hingen besorgt an dem verschlossenen Gesicht, das jetzt nie mehr ein Lächeln erhellte.
Steinherr nickte langsam. „Ja, Sie in Ihrem Ehe- glück! Möchte es Ihnen lange erhalten bleiben! Enttäuschung ist ein bitteres Brot."
„Nehmen Sie teil daran, Herr Steinherr", bat Vandrr. „Schon längst wollte ich gestehen, daß Ihre freundliche Teilnahme an unserem Dasein uns schmerzlich fehlt, wollen Sie uns nicht einmal wieder mit Ihrem Besuch erfreuen? Freilich, wir können Ihnen wenig bieten ..."
„Ihr Wenig ist tausendmal mehr wert als das Viel der anderen", unterbrach ihn Steinherr, die Hand auf feinen Arm legend. $um ersten Male war der alte warme Klang in der Stimme, die Vandro lange Wochen nur hart und herrisch gehört.
wie eine Königin ihr Prunkgewand. Und der Mann meinte, nie etwas Schöneres gesehen zu haben.
„Werden Sie dem Eindringling verzeihen, der Ihre kurzen Stunden mit dem Gatten stört?" fragte er, ihre Hand in der seinen haltend. „Oder den Egoisten schelten, der Ihre Gesellschaft der Einsamkeit in seinem großen Kasten da drüben vorzieht? Ihr Mann forderte mich auf, mitzukommen — und die Versuchung war größer als der Takt, der gebot, zwei glückliche Menschen sich selbst zu überlassen."
Eine feine Röte färbte das zarthäutige Gesicht, das sich ihm voll unbewußter Anmut entgegenhob. „Der Gast meines Mannes ist auch mir von Herzen willkommen", erwiderte sie, in leichter Befangenheit ihre Finger aus seinem Griff lösend, „wenn er vorliebnehmen will mit unserer einfachen, kleinen Häuslichkeit."
„Ist sie einfach?" Versonnen schweifte fein Blick durch den Raum. „Mir scheint sie schön und heimelig."
„Das bewirken diese Wunderhände", sagte Vandro und neigte sich über die schlanken Finger seines jungen Weibes, dessen Augen ihn in samtweichem Glanz anstrahlten. „Und nun sage, ob du zwei hungrigen Männern etwas zu essen geben kannst, wogegen keiner etwas einwenden würde!"
Wera nickte, ein wenig verlegen lächelnd. „Die Herren werden schon satt werden." Und verschwand in die kleine Küche, von wo durch die geschlossene Tür das gedämpfte Geräusch von klappernden Tellern und Töpfen herüberklang.
Magnus Steinherr, behaglich feiner ganzen Länge nach in Vandros altem Ledersessel ausgestreckt, lächelte still vor sich hin. Er hätte ja leicht seinen Koch mit einem fertigen Abendessen hierher zitieren können, aber es reizte ihn, zu sehen, wie die kleine Gräfin — wie er sie in seinen Gedanken stets nannte — sich mit der Ausgabe eines unerwarteten Besuches abfinden würde.
Vandro, der sich nebenan schnell umgezogen, erschien im dunklen Anzug, erfrischt und heiter. Sein Gast nickte ihm zu:
„Das war ein guter Gedanke von Ihnen, Doktor — den Sie noch bitter bereuen werden, wenn ich den Aufbruch vergesse!" Und dann begann er von dem zu reden, was seinem Herzen am nächsten lag, vom Gang der Arbeit in den Werken. Dem interessiert lauschenden Mann war es, als ob sich ihm eine Seele erschließe. Und seine Liebe zu diesem Manne, dem er Brot und Glück verdankte, wuchs und vertiefte sich.
Als die junge Hausfrau mit eifergeröteten Wan- gen hereinkam, um den Tisch zu decken, sand sie die beiden ins Gespräch vertieft. Aber da sie das Zimmer betrat, schwieg Magnus Steinherr, und die Frau spürte, wie das' Blut in ihren Wangen sich vertiefte unter seinen Blicken, die unbewußt ihre Hantierungen verfolgten.
l Fortsetzung folc' '
„Ich danke Ihnen für die freundliche Einladung, Doktor —aber bei drei ist immer einer zuviel. Gehen Sie, Ihre junge Frau wird Sie erwarten, sie hat ohnedies wenig von Ihnen."
Doch Vandro blieb vor ihm stehen. „Kommen Sie doch mit, Herr Steinherr, gleich jetzt! Meine Frau wird sich ebenso sehr über den willkommenen Gast freuen wie ich!" .
Der große Mann sah ihn lange durchdringend an, als wolle er die Tiefen seiner Seele erforschen. Aber was Magnus Steinherr in dem offenen, klaren Blick las, schien ihn zu befriedigen.
„Das letzte bezweifle ich — komme aber trotzdem. Und die Folgen fallen auf Ihr Haupt. Nanu — verschluckt?"
Georg von Vandro war jählings von einem heftigen Hustenanfall gepackt worden, der seine ganze Brust zusammenzuschnüren schien. Ganz gekrümmt lehnte er gegen die Tür und rang mühsam nach Atem.
Steinherr schob ihm einen Stuhl hin und klingelte nach Wasser, das Vandro, sobald der Krampf sich ein wenig gelegt, gierig trank. „Vielen Dank!" Er wischte sich den Schweiß vom dunkelroten Gesicht, saß ein paar Minuten still und zusammengesunken da. Hörbar, schnell und ein wenig rasselnd ging sein Atem, bis er sich allmählich beruhigte. Dann richtete er sich auf.
„Verzeihen Sie, Herr Steinherr!" Schon lag der gewohnte, ruhig freundliche Ausdruck auf dem vornehmen Gesicht, das Magnus Steinherr, der es scharf betrachtete, schmäler als ehedem vorkam.
„Haben Sie Schmerzen?" fragte er, während sie das Haus verließen und langsam durch den Park gingen, dessen Schneehülle geheimnisvoll im abendlichen Dunkel schimmerte.
Vandro verneinte. „Nur ein bißchen heiß und trocken ift’s in der Brust, und es sticht ab und zu — aber das gibt sich bald wieder. Zu Anfang des Winters erkältet sich jeder mal. Nur — wenn ich Sie bitten dürfte, meiner Frau nichts von dem dummen Hustenanfall zu sagen? Sie sorgt sich nach Frauenart allzusehr um solche Kleinigkeiten."
„Hm." Es klang mehr nach Zweifel als Zustimmung.
Aber als Steinherr über die Schwelle des kleinen Hauses trat, vergaß er alles andere über dem reizenden Bild, das sich ihm bot. Behagliche Wärme erfüllte den niedrigen Raum, der wie zum Fest in allen Winkeln und Ecken mit selbstgezogenen Blumen geschmückt war. Goldgelbe Astern leuchteten froh in der Mitte des Tisches, über den die große Lampe traulich sanften Schein goß. Und so festesfroh wie das Zimmer war die Erscheinung der jungen Frau, die ihm mit der verbindlichen Liebenswürdigkeit der großen Dame die Hand zum Gruß reichte. Ein helles Kleid hatte Wem angelegt, eingedenk der Vorliebe des Gatten für freundliche Farben. Billigster Art waren Stoff und Verarbeitung, aber sie trug es mit der gleichen Anmut und Würde
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Ein rätselvoller Ausdruck von Spott und Schmerz war in dem blassen Frauengesicht, das sich ihm ent- aegenhob. „Wozu das, Magnus Steinherr? Auch Sie leiden!" Mit einer impulsiven Bewegung reichte sie ihm ihr silbernes Handtäschchen hin. „Da, nehmen Sie sie, zum Andenken! Ihr Inhalt dürfte Sie interessieren, für mich hat er keinen Wert mehr." Ein letztes Aufleuchten der Augen, bann, neigte die Maloreen das Haupt: „Leben Sie wohl."
Hart fiel da« Tor hinter ihr ins Schloß. Und das metallische Geräusch dünkte den Mann wie das Fallen eines eisernen Vorhangs über einem Spiel, das froh begonnen und traurig geendet. Er sah herab auf bas Täschchen, bas er in ber Hanb hielt. Was sollte bas? Halb mechanisch öffnete er es.
Zwischen Spitzentüchlein, einem silbernen Puber- döschen unb anbcren Toilettenutensilien lag ein kleines, schwarz eingebundenes Heft voll rätselhafter Zeichen. Das enthielt auf ber letzten Seite eine in Bleistift hingeworfene Skizze irgendeines Grund-
*Da strafften sich Magnus Steinherrs Schultern. Er verwahrte die Tasche, tat einen tiefen Atemzug unb trat an ben Schlag: „So, bas wäre erledigt. Weiter, Vanbro!"
26. Kapitel.
Die folgenden Wochen waren nicht leicht für Georg von Vanbro, ber seinen Freunb unb Brotherrn nun von jener Seite kennenlernte, bie ber Außenwelt zur Genüge bekannt, von ber er aber bisher verschont geblieben.
gebe Spur von Wärme war aus seinem Wesen geschwunden; es war, als hätten bie Ereignisse ber letzten Zeit ihn völlig oeränbert. Kalt unb ver- schlossen ging er seines Wegs, ohne Rücksicht unb ohne Teilnahme am Ergehen seiner Mitmenschen. Nur bie nötigsten Worte würben gewechselt, Einlabungen abgesagt, Besuche verbeten.
Magnus Steinherr lebte nur noch für bie Arbeit, in bie er sich ganz vergrub. Trotz ber schweren Zeiten nahm bas Werk einen ungeahnten Aufschwung, rastlos würbe geschafft, bie Hochöfen dampften, unb bie Arbeiter waren zufrieden. Dennoch fraß Bitterkeit wie ein giftiger Stachel an bes Mannes Herz, dem dieser Erfolg beschieden.
Gerade diesmal, wo er — der sich so selten einem Menschen zu erschließen vermochte — Vertrauen geschenkt, wurde er getäuscht unb betrogen. Alles, was er je ber Maloreen erzählt, seine Lebensgewohnheiten, fein Umgang, kleine Bemerkungen über besonders tüchtige Beamte — alles war in dem kleinen, vom geheimen Nachrichtenbienst entzifferten Heft enthalten, nebst ben Instruktionen, bie ber
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Wir benachrichtigen hiermit unsere Mitglieder von dem Ableben unseres passiven Mitgliedes
Herrn Phil. Breitwieser, Kulturinspektor i. R.
Der Verstorbene, der während seiner langjährigen Mi^jüedschatt einige Jahre unserem Vorstand angehört hat, ist uns stets ein guter Berater gewesen, seine stets fördernde Mitarbeit für den deutschen Männergesang läßt ihn uns nie vergessen.
Die Beerdigung ist am Freitag, dem 21. Juli, nachmittags 273 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. 4660d Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand.
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