Kasseler Fleischmarkt absetzten. Die beiden Qter- dächtigen hatten sich gestern vor dem Marburger Schöffengericht zu verantworten, das die Sitzung in Homberg abhielt. Nach einer bis in die späten Abendstunden dauernden Verhandlung konnte das Gericht aber zu keiner Verurteilung der 2Inge- klagten gelangen. Sie muhten trotz der vorliegenden schweren Verdachtsmomente freigesprochen werden, weil auch noch andere Personen als Täter in Frage kommen können.
mit einverstanden erklärt, daß die „Deutsche Zeitung" ab Mittwoch, 19. Juli, w i eder erscheint, obwohl die unwahren Ausführungen der „Deutschen Zeitung" geeignet waren, die Beziehungen des Reiches zu einer befreundeten auswärtigen Macht zu beeinträchtigen und hierdurch die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden.
Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes in der Beamtenschaft.
(Berlin, 18. Juli. (MTV.) Amtlich. Ministerpräsident Göring hat einen Erlaß an die preu» hische Beamtenschaft gerichtet, in dem es beißt:
Anläßlich der älebernahme der Dienstgeschafte des preußischen Ministeriums des Innern habe ich die Beamtenschaft aufgefordert, getreu den Idealen altpreuhischen Beamtentums Preußen wieder zum Hort der Sauberkeit, Sparsamkeit und hinge ben d en Pflichterfüllung zu machen. Ich habe Veranlassung, erneut darauf hinzuweisen, daß es Pflicht jedes Beamten ist, diesen Zielen nachzu- leben. Dazu gehört in erster Linie, daß jeder ferne eigenen Wünsche, Interessen und vermeintlichen Ansprüche zurück st eilt gegenüber dem Dienst amGanzen. Dies aus innerer Lebrr- zeugung zu tun, wird einem jeden um so leichter gelingen, je mehr er bestrebt ist, sich mi t dem Gedankengut der nationalsoziallstl- schen Weltanschauung und Staatsauffassung vertraut zu machen. Nur dann wird die Gewähr gegeben sein, daß die Arbeit der Behörden volksverbunden bleibt und die richtunggebenden Anordnungen der Staatsführuna verständnisvoll, ziel bewußt und einheitlich ausgeführt werden.
Alle Dehördenleiter haben die Beamten zu eingehender Beschäftigung mit den Grundsätzen der heutigen Staatspolitik und mit dem Gedankengut des Nationalsozialismus anzuhalten. Sie haben dafür zu sorgen, daß jedem Beamten sowohl die grundsätzlichen Ausführungen der Landtagsrede vom 18. Mai 1933 als auch insbesondere die wichtigsten Werke des nation a.lsoz iali st ischen Schrifttum e s in ausreichendem Maße zugänglich gemacht werden. Auf das Buch des Führers „M ein Kampf" weise ich besonders hin.
Ich erwarte, daß alle Behördenbüchereien der Anschaffung des nationalsozialistischen Schrifttumes und seiner Verbreitung unter der Beamtenschaft ihr besonderes Augenmerk zu- wenden. Die Leiter von Behörden, die über keine eigene Bücherei verfügen, haben aus den ihnen für Geschäftsbedürfniszwecke zur Verfügung stehenden Mitteln wenigstens die wichtig- sten Schriften zu beschaffen und ihre Beamten darauf hinzuweisen.
Den Dehördenleitern mache ich zur Pflicht, auch persönlich aufklärend und belehrend auf die Beamtenschaft in diesem Sinne einzuwirken und sich bei Gelegenheit davon zu überzeugen, daß den Beamten das wesentliche Gedankengut der Bewegung nicht mehr fremd geblieben ist.
Fortführung der vorstädtischen Kleinsiedlung.
Berlin, 18. Juli. (WTB.) In diesen Tagen gelangte ein Teilbetrag von 50 Millionen Mark für die Fortführung der vorstädtischen Kleinsiedlung durch den Reichsarbeitsminister zur Verteilung. Bisher sind rund 120 Millionen Mark für dis Kleinsiedlung verwendet worden, mit denen rund 4 6 0 0 0 Siedler st eilen gefördert wurden. Mit den neuen 50 Millionen Mark hofft man weitere 20000 Siedler st eilen schaffen zu können. An Orten, an denen die Kleinsiedler voraussichtlich künftig keinen Erwerb finden werden, dürfen Kleinsiedlungen nicht geschaffen werden. Zum Zweck der Entlastung der Großstädte und Jndustriebezirke sollen bevorzugt solchen Personen Siedlungsdarlehen gegeben werden, die aus dem Land in die Stadt gezogen und nunmehr willens sind, auf das Land wieder zurückzukehren, um dort eine neue Existenz zu gründen. Während bisher als Kleinsiedler nur solche Personen angesetzt werden konnten, die eine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln bezogen, können nunmehr allgemein solche Familien als Siedler ausgewählt werden, deren Einkommen d a s d u r ch- schnittliche Einkommen von Erwerbslosen nicht wesentlich übersteigt. Voll- beschäftigte Arbeiter können jedoch angesichts der beschränkten Mittel noch nicht zugelassen werden. Dagegen können kinderreiche minderbemittelte Familien mit fünf und mehr minderjährigen Kindern auch dann als Siedler angesetzt werden, wenn der Siedleranwärter in voller Arbeit steht. Anträge auf Gewährung von Siedlungsdarlehen sind allein an die örtliche Gemeindebehörde zu richten.
Kleine politische Nachrichten.
Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, Henderson, wird sich bereits am Donnerstag von Prag nach München begeben, um mit Reichskanzler Adolf Hitler zusammenzutreffen. Reichs- außenminister vonReurath wird zu dieser Aussprache nach München fahren.
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Vizekanzler v. Papen ist in Rom ein- aetrofsen Zu seinem Empfang hatten sich der deutsche Botschafter beim Quirinal, v. H a s s e l l, der Geschaftsträaer der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl, Botschaftsrat Klee und der bayerische Gesandte beim Heiligen Stuhl, Baron Ritter, sowie Vertreter der deutschen Kolonie eingefunden. Die Unterzeichnung des Reichskonkordats mit dem Heiligen Stuhl ist für Donnerstag vorgesehen.
Reichsbankpräsident Dr. Schacht und der regierende Bürgermeister von Hamburg, Krogmann sind nach Deutschland abgereist. Die Führung der deutschen Abordnung auf der Weltwirtschaftskonferenz übernimmt der deutsche Botschafter in London von Hoesch.
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Nachdem mehr als die Hälfte der Mitgliedsstaaten des Völkerbunds sich für eine Vertagung der Völkerbundsversammlung um einige Wochen ausgesprochen haben, hat der Generalsekretär heute den Negierungen die Mitteilung gemacht, daß die diesjährige Völkerbundsversammlung erst am 2 5. September zusammentreten wird.
oiuf Veranlassung des Untersuchungsrichters ist d°r TS D-NI
in Danzig wegen des dringenden Verdachtes des Betruges, der Unterschlagung und der Kovit al Verschiebung im Zusammenhang mit der Aktion gegen die Freien Gewerkschaften verbaftet worden. Es soll sich um eine Summe von 15 000 Gulden handeln. Drill ist Dolkstagsabgeordneter und Führer der sozialdemokratischen Fraktion.
Aus aller Well.
Das Löwenbaby in Berlin.
In der Nähe des Preußischen Landtags in Berlin bot sich dieser Tage den Fußgängern em nicht alltägliches Bild. Auf dem umzaumten Gelände der jetzt abgerissenen Schauburg tummelte fich ein junger Cötoe, der sich auf dem Berliner Boden offensichtlich sehr wohl fühlte. Es stellte sich heraus, daß es sich um.den erst wenige Monate alten Löwen handelt, den der Leipziger Zoo dem Ministerpräsidenten Göring zum Geschenk gemacht hatte. Der kleine Löwe vollführte wie eine junge Katze allerliebste Spiele mit seiner Pflegerin.
Museum „Großes Hauptquartier 1917/18 in Bad Kreuznach."
Am 23. Juli wird in Bad Kreuznach im Oranien- Hofpark ein Museum „Großes Houpt- quartier 1917/18 in Bad Kreuznach" eröffnet. Unter den Ehrengästen befindet sich auch General d. Inf. v. Kuhl, ehemaliger Chef der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht von Bayern und zur Zeit der Marneschlacht Generalstabschef der 1. Armee. Das Museum ist errichtet mit Unter, stützung des Reichsarchivs zur Erinnerung an die Anwesenheit des Großen Hauptquartiers in Bad Kreuznach während des Weltkrieges. Es enthält Sammlungen von hochinteressanten Dokumenten, Karten, Bildern, Schriftstücken, Erinnerungsgegen- ständen, sowie Stiftungen Kaiser Wilhelms II., nie. ler Heerführer und anderer Persönlichkeiten. Die durch einen Teil der Presse gegangene Nachricht, wonach zur Eröffnung Reichswehrminister von Blomberg und Ministerpräsident Göring nach Bad Kreuznach kommen werden, ist unzutreffend. Das Museum findet jetzt schon großes Interesse im In- und Ausland.
Schlageler-Flammenmal in Kaiserswerth.
Als Symbol der Wacht, die die Hitlerjugend zu Ehren Schlageters hält, wird demnächst auf der Südseite der alten Barbarossa-Pfalz in Kaiserswerth am Rhein ein schlichtes Flammenmal Aufstellung finden. Auf einem 3 Meter hohen Sockel — im Grundriß in Kreuzesform — ruht eine einfache Schale aus Bronze, auf der lediglich das Wort Schlageter steht. In den Kunststeinsockel, auf dem die Schale ruht, sind die Worte eingemeißelt: .Heilige Flamme, glüh', glüh' und verlösche nie — fllr's Vaterland." Die Flamme, die ihre Nahrung aus dem städtischen Gasnetz erhält, brennt tagsüber mit gedrosselter Flamme und des Nachts mit vollem Licht, also eine ewige Flamme. Die Kosten dieses Gasverbrauchs werden in der Form aufgebracht, daß alljährlich einmal am Schlagetertag jeder Hitler- junge seinem Führer einen Pfennig geben muß. Der Entwurf des Flammenmals stammt von Regierungsbaumeister Knothe und Architekt Clemens Traut- mann, beide in Düsseldorf. Die Vorbereitungen sind soweit gediehen, daß die Schlagcterflamrne schon bald von der Barbarossa-Pfalz weithin über den Rhein sichtbar emporlodern wird als mahnen- des Zeichen der Unlösbarkeit der Jugend vom vpfergedanken Schlageters.
Die Berufsbezeichnung „Ingenieur".
Der Verein deutscher Ingenieure hat beschlösse, seinen Mitgliedern zur Pflicht zu machen, daß sie ihrem Namen bei Vordrucken die Buch- st a b e n V D I hinzufügen. Da der Verein deutscher Ingenieure nur den Ingenieuren die Mitglied- schäft zuerkennt, die eine bestimmte theoretische und praktische Ausbildung nachweisen können, bedeutet der Zusatz VDI nicht nur Zugehörigkeit zu einem Verein, sondern bietet Gewähr- für Erfüllung persönlicher und fachlicher Voraussetzungen. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß nur durch Mitarbeit der Jugend der Weg in eine bessere Zukunft führt, hat der Verein wesentliche Erleichterun- gen für die Aufnahme von Jungingenieuren geschaffen.
Blassenvergiftungen in Sizilien. — Sechs Tote.
Ein noch unaufgeklärter Fall einer MassenVergiftung, der bisher sechs Opfer forderte, ereignete sich im Dorfe Ficarra bei Messina, wo ein Bauer mit dreien seiner Töchter sowie zwei Säue- rinnen gleichzeitig an Vergiftung starben, während die Frau des Bauern und noch drei andere Tochter des Ehepaares an den gleichen Erscheinungen mit dem Tode ringen. Der Staatsanwalt hat sich sofort an Ort und Stelle begeben und die 23er- haftung von vier der Schuld verdächtigen Personen anneorbnet.
Sedjs Häuser niedergebrannt.
In Wiensteig (Württ.) brach in der Nacht ein »ranb aus der m kurzer Zeit fünf Anwesen und die alte Zehntscheuer erfaßte. Der Göppinger Löschzug war zusammen mit dem Geislinger Löschzuq und der Wlesensteier Feuerwehr bis zum Morgen tätig um das Feuer einzudämmen. Die Wehren r?. en aber nicht verhindern, daß die bereits er- satzten Gebäude meberbrannten. Einwandfreie Feststellungen über die Ursache des Brandes konnten noch nicht getroffen werden, doch wird Brand- stiftung vermutet.
Fünf G-chwerverlehte bei einem Autounsatt.
WSN. M a i n z. 19. Juli. Vergangene Nacht Segen » M^r war der Chauffeur Georg Heinz aus Hahnheim (Kreis Oppenheim) mit seinem mit vier Personen besetzten Auto auf der Fahrt
Darmstadt nach Mainz begriffen. In der Nahe der Dreschhalle bei Bischofsheim fuhr der Lenker des Wagens gegen einen Linden- ff??!?’ 3et heftigen Anprall wurden der Chauffeur und sämtliche vier Insassen, die alle aus Mainz stammen, schwer verletzt Da sämtliche Personen bewußtlos waren, konnten die werden Fahrgäste noch nicht festgestellt
Ein sonderbares Verbrechen unaufgeklärt.
WSN. Marburg. 19. Juli. Ein sonderbares Verbrechen verursachte im vergangenen Frühjahr mehreren Landwirten in der Gegend von Homberg (Esze) schweren Schaden. Als die Landwirte morgens ihre Kuhställe betraten, fanden sie einige
ihrer besten Kühe mit schweren Verletzungen vor. Ein unbekannter Täter hatte den Tieren die Bäuche aufgeschliht, so daß teilweise die Eingeweide heraushingen. Natürlich mutzten die Kühe sofort notgeschlachtet werden. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich auf zwei Händler, Vater und Sohn, aus Lenderscheid bei Treysa, welche auffallenderweise immer kurz nach den sonderbaren Vorfällen im ®orf erschienen, das Fleisch der notgeschlachteten Tiere billig erwarben und es dann mit gutem Verdienst am
Das „Hans her Deutschen Kunst" in München.
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Das Modell von Professor Paul Tro ost für das Ausstellungsgebäude, das auf Veranlassung des Reichskanzlers an Stelle des niedergebrannten Glaspalastes in München errichtet werden und den Namen „Haus der Deutschen Kunst"erhalten soll.
Aus der Provinzialhauptstadt.
3m Kampf gegen den Hausbeiiel...
Wohl jeder Hausbesitzer hat sich schon über bas zur Lanbplage geworbene Hausbetteln geärgert und wartet sehnsüchtig auf biesbeziigliche, burchgreifenbe Gegenmaßnahmen.
Mancher Leser benkt jetzt vielleicht: „Wie kann man ben armen, notleitenden Menschen ein Stückchen Brot mißgönnen?"
Das geschieht auch nicht; aber bie Art, in ber man basfelbe hergeben muß, ist nicht bie richtige. Die Belästigung ist für Einzelne zu groß. Wer unabhängig in seinem Hause wohnt, schließt einfach bie Tür zu unb sieht ruhig und schabenfroh zu, wenn ber ungebetene Gast nach vergeblichem Rütteln weiterzieht, um seinen Nachbar, ber nicht abschließen barf, glücklich zu machen. Wer dber im übertragenen Sinn ein „offenes Haus" hat, kommt nicht so leicht burch.
Der „zähe" Gast schellt einmal, wenn man sich nicht innerhalb einer viertel Minute gemelbet hat, schon zum zweiten Mal unb wirb, wenn bann nicht sofort geöffnet wirb, ärgerlich; denn er pocht auf fein gutes Recht unb — hat keine Zeit zu verlieren. Zeit ist bei ihm Gelb. Er zerrt an ber Klingel. Im Galopp ist ber Türpförtner ja längst unterwegs. Er befand sich aber im 3. Stockwerk. Unten ange= kommen, finbet er niemand mehr vor. Er hatte sich also noch nicht genug geeilt.
Aber was ist benn bas? Was ist mit der Klingel passiert? Der ungebetene Gast hat aus Aerger über bie Bummelei ben Klingelknopf abgerissen unb mitgenommen. Ein Nachbar sieht gerabe noch, wie ber „arme, bebauernsroerte" Mann etwas Glänzendes in bie Gegenb wirft. Er hebt es auf unb gibt es feinem Besitzer roieber, ber es burch seinen Nachbar Schlossermeister roieber befestigen läßt.
Anbere machen roieber anbere Erfahrungen. Ein Bettler trank in einem Wirtshaus fünf große Schoppen unb bezahlte sie mit, sage unb schreibe, 30 ungekochten Huhnereie r n. Ob bas ber nachher zu erroähnenbe Familienväter war, ber angeblich seine Familie ernähren mußte, entzieht sich meiner Kenntnis. Wieder ein anderer machte am Schluß der Woche Kassensturz und stellte ein Saldo von 23,75 Mark fest. Auch die Anschaffung von Wohlfahrtsmarken hat nicht zum Ziel geführt. Die Belästigung bleibt die gleiche. Die Zahl der Bettler ist vielleicht etwas zurückgegangen.
Da sind die beiden vorher erwähnten Nachbarn auf ein neues Mittel verfallen: bas Mittel ber Arbeitsbeschaffung, benn bie armen Menschen betteln ja nur, weil sie keine Arbeit haben, also nichts vevbienen können.
Auf ber gegenüberliegenben Seite der Straße hat der Nachbar einen Wagen Sand abgeladen. Ah! Jetzt haben wirs! Eine pensionierte Diakonieschwester bringt der Sache trotz ihres angeborenen, aber auch noch anerzogenen guten Herzens ebenfalls ein warmes Verständnis entgegen. Die Gründung eines Vereins vollzieht sich reibungslos. Statuten werden nicht schriftlich niedergelegt. Es wuß sie jeder im Kopf auswendig behalten.
Also! Jeder Bettler erhält 21 Pf., wenn er die Hälfte des Sandhaufens auf die andere Seite schafft. Eimer unb Schippe werben gestellt.
Anfangs Juli entstand der genannte Verein. Manche Bettler gingen ein und aus. Es ging aber wie bei dem Fest in der Bibel: Alle hatten eine Entschuldigung. Da, am 17. Juli, fand sich der erste , „arme" Mann, der sich die 21 Pf. verdiente. Arbeitszeit etwa eine Viertelstunde.
Interessant sind überhaupt die Entschuldigungen, mit denen sich die einzelnen von der Arbeit drücken. Einer erklärte, ihm fehle an jeder Hand ein Finger. Die Sache wird fachmännisch untersucht. Eins der Vereinsmitglieder ist im Nebenberuf zufällig noch Arzt. Die Daumen sind unverletzt. Die amputierten Fingerstümpfe sind mit gutverschieblicher Hautnarbe längst verheilt. Zweite Entschuldigung: Es fehlt auch eine Fußzehe. Dies wird aus begreiflichen Gründen nicht untersucht, aber geglaubt. Dritte Entschuldigung war: er sei auch noch Epileptiker. Da strahlt der Doktor. Der Mann ist wie geschaffen zur Arbeit. Mit einem verächtlichen Blick über die Achsel zieht der „kranke" Mann weiter. Die anderen Absagen sind wieder in anderer Art humorvoll: Einer sagt, er habe keine Zeit zur Arbeit, er sei Familienvater und müsse seine Familie ernähren usw. Nachbar und Vereinsbruder Schlossermeister kann wieder mit anderen Humoristika aufroarten. So hat man auch durch bie Bettelplage seinen Zeitvertreib.
Schließlich muß alles aber einmal ein Ende nehmen.
Man hofft sehnlichft, baß in absehbarer Zeit auch in btefer Angelegenheit einmal höheren Orts ein Machtwort gesprochen wird.
Wiedersehenöseier alter Gießener Gymnasiasten.
Gelegentlich der Weihe des Gefallenendenkmals im Landgraf-Ludroigs-Gymnafium fand eine Zusammenkunft der sog. „Jubiläums-Oberprima" statt, die im Jahre 1907 anläßlich der Dreihundertjahr- fcier des Lanbgraf-Lubroig-Gymnapums die Antigone aufgeführt hat und die dann 1908 das Abitur bestand, zu dessen 25jähriger Wiederkehr sie sich jetzt zusammengefunden hatte. Bei ber Wiebersehens- feier waren insgesamt 15 Konabiturienten versammelt, von ben übrigen waren schriftliche unb telegraphische Grüße eingetroffen, barunter auch ein Kabeltelegramm aus Amerika. Die Zusammenkunft begann am Sonntagvorrnittag mit einer Erinnerungsfeier an bem Gebenkstein im Gymnasium, an bem ein Kranz mit ben Namen ber Gefallenen des Jahrgangs 1907/08 nlebergelegt würbe. Die Ansprache hielt babei Pfarrer Linbenstruth, Butzbach, ein Abiturient von 1908. Nachmittags folgten Kranznieberlegungen an verschobenen Ge- benksteinen auf bem Neuen Friebhof. Sonntag abend vereinigten sich bie alten Gymnasiasten zu einer geselligen Zusammenkunft im „Hinbenburg, bie in Form eines zwanglosen Bierabenbs in schönster Kamerabschaft verlief unb mancherlei Erinnerungen wach werben ließ.
Zu ber Wiebersehensfeier ber alten Schulkameraden wurde den Konabiturienten von 1908 von ihrem Schulkameraden Hermann Schlosser in Frankfurt und zugleich auch dem Landgraf-Ludroigs- Gymnafium ein besonderer Gruß in Gestalt eines wertvollen Erinnerungsbuches gewidmet, das auch lokalgeschichtlich von besonderer Bedeutung ist. Die interessante Schrift ist unter dem alten Kampfruf ber Jubiläums-Oberprima „Sehr zum sechsundzwan^ig- ften" geschrieben unb bringt neben dem ehrfurchtsvollen Gruß für bie verstorbenen Kameraden mancherlei Gedenken aus der Gemeinschaft der alten Schulkameraden. Neben einem Gedenkartikel für die im Weltkrieg gefallenen Kameraden der Jubiläums- Oberprima enthält das wertvolle Buch Schreiben des Oberftubienbireftors Altenborf, der früheren Lehrer Urstadt und Professor Hüter, ferner einen Aufsatz des früheren Lehrers Leopold Geller, einen Abdruck des Programms von der Aufführung der Antigone am 2. November 1907, ein Verzeichnis und Bilder der Jubiläums-Oberprima 1907/08 bzw. Sexta 1899 und ein Gedenkblatt mit dem Gebäude des Gymnasiums. Die wertvolle Erinnerungsgabe wird nicht nur bei den alten Schulkameraden, sondern auch bei den anderen Empfängern dieser schönen Jubiläumsschrift mit Recht als ein bedeutsames Erinnerungsstück in Ehren gehalten werden.
Gießener Wochcnmnrktpreise.
"Gießen, 20. Juli. Es kosteten auf bem heutigen Wochenmarkt. Lanbbutter 120 bis 125, Kochbutter 100, Matte 25 Pf. das Pfund, Käse 4 bis 10, Eier, inländische, 8,5 Pf. das Stück, Wirsing, grün, 10 bis 12, Weißkraut 10 bis 12, Notkraut 20, Gelbe Nüben 12 bis 15, Note Rüben 10 bis 15, Spinat 20, Römischkohl 10, Bohnen, grün, 2(* bis 30, gelb 25 bis 30, Erbsen 12 bis 15, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 10 bis 12, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 25 bis 30, Kartoffeln, neue, 4 bis 6, Pfirsiche 40, Himbeeren 35 bis 50, Birnen 20, Kirschen 20 bis 28, Heidelbeeren 25 bis 28, Stachelbeeren 15 bis 18, Johannisbeeren 12 bis 15, Pflaumen 40, Junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 4 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 6, 06er- Kohlrabr 5 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück Radieschen 5 Pf. das Bund, Kartoffeln, neue 3. bis 3.50 Mk. per Zentner.
'L .notigen.
— lagesfalenber f ü r Donnerstag. Bergschenke (Leihgesterner Weg): 20 Uhr, Künstler- konzert — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Liebelei .
. ionäfeft der Lutherge- mem oe. Em Missionsfest wird Sonntag, 23. PU o/1 Luthergemeinde gefeiert. Am Mon- tag, 24. Juli, 20 Ähr, hält der Festprediger in Ft* orlebhofskapelle einen zeitgemäßen Vortrag über Mission und Rasse.
** Sonntags-Rückfahrkarten zur r~a Regatta. Zu ber am Samstag und Sonntag (22. und 23. Juli) in Mainz stattfinden- den 49. Internationalen Mainzer Ruder-Regatta werben von allen Bahnhöfen im Umkreis von 200 Kilometer um Mainz Sonntagsrückfahrkarten aus- gegeben. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom nn 0 Uhr bis 23. Juli, zur Rückfahrt vom
22. Juli 12 Uhr bis 24. Juli 12 Uhr. Bis zum letzt- ^euannten Zeitpunkt muß bie Rückfahrt angetreten
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Denn nach der der beiden Shega sich nicht iederzcit Staat einseht;
Wenn einer der lichen geistigen ode die feine Wir der Dolksgemmsc
Wenn nach dem eines ober beider die Ehegatten ih zahlung des Sark
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Das Darlehen t Der Antrag ist be len, in deren Dezii Wohnsitz ober ( Oertlich zuständig meinte des Dohnl vorhanden ist, die Aufenthaltes. Der nen Mitgliedern d Zveckmäßigleitsgrün der Bearbeitung zu zick ter Stabt ®; Anordnung erganger gehend dahin zu prüf aussehmgrn für die «füllt lind. Aann hi ioähri werden, |o ist
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