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20.6.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. l4l äroeites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger sur Gberhesfen»

Dienstag, 21). juni |955

Jeder Deutsche tue seine Pflicht!

Aufruf der Ortsleitung Gießen des.Volksbundes für das Deutschtum im Auslande"

Auch in diesem Jahre tritt der VDA. wieder an die Bevölkerung heran durch eine Haussarnrn > l u n g und eine Ttraßensammlung am kom­menden Sonntag, 2 5. Juni. Noch niemals dürfte diese Sammeltätigkeit des VDA. vom deut- schen Volke als so dringend notwendig rr- könnt worden fein, als gerade in diesem Jahre.

wer da weih, dah der Kampf des deutschen Volkes heule In hohem Maße zu einem Kamps um seine Stellung und Geltung innerhalb der Völker geworden ist, und dah in diesem Kampfe unser Auslanddeutschtum nicht nur Brücke, son­dern auch Amboh ist, der wird keinen Augen­blick darüber im Zweifel sein, dah diese Samm­lung notwendig ist.

Rund 40 Millionen Deutsche wohnen im Auslande, 60 Millionen innerhalb der Grenzen des Reiches. Für den innerpolitischen Kampf des deutschen Volkes gib es eine Bewegung, für die über 2 Millionen Deutsch monatlich einen Beitrag zahlen. Was gibt es für den ungleich schwereren Kampf der Außen-

üeulichen/ Sollte sich da nicht jeder Deutsche ver­pflichtet fühlen, wenigstens im Jahre einmal nur eine Mark zu zahlen für diesen Kamps? Man sage denen, die kein Verständnis dafür aufbringen können, daß der innerpolilische Sieg des deutschen Volkes nur dadurch seine Krönung erfährt, wenn Deutschland aucki wieder nach außen frei und geachtet dasteht unter den Völkern. Im Kamps um diesen Sieg muß Innen- und Außen- deutschlum zusammen st ehen als eine Kampf« gemeinschaft, deren Ziel ist

die Schaffung einer freien und starken groh- deutschen Volksgemeinschaft aller Deutschen.

Wir erwarten, daß jeder Deutsche seine Pflicht tut!

Volk Heil!

Volksbund für das Deutschtum im Ausland. Ortsgruppe Gichen.

Gez.: Professor Dr. Th. Mayer, 1. Vorsitzender.

Dr. W. Henß,

2 Vorsitzender und Geschäftsführender Vorsitzender.

60 Jahre Kriegerverein Lich.

) Lich, 19. Juni. Am Samstag und am Sonn- tag sand hier die Jubiläumsfeier des 60jährigen Bestehens des Krieger­vereins Lich statt, mit der das Bezirks- krieg er fest des Bezirkes Lich verbunden war. Das Protekorat des Festes hatte Se. Durch­laucht Fürst Reinhardzu Solms-Hohen- f o l m s - L i ch übernommen.

Der ftTiegeroerein Lich wurde im Jahre 1873 ge­gründet. Zehn Jahre später bildete sich der Krieger- oereinsbezirk Cid) mit insgesamt acht Vereinen. Gegenwärtig gehören zum Bezirk Lich die Krieger­vereine von Bettenhausen, Birklar, Ettingshausen, Harbach, Hattenrod, Lich, Muschenheim, Rieder-Bes» fingen, Nonnenroth und Ober-Bessingen. Vorsitzen­der des Jubeloereins ist Stadtrechner Häuser, Bezirksvorsitzender ist Lehrer D ö . m e r in Lich.

Erster Tag.

Die Jubelfeier war ein Fest der ganzen Stadt. Reicher Flaggen- und Grünschmuck zierte die Stra­ßen und Häuser. An den Ortseingängen waren Ehrenpforten errichtet. Der Festsamstag brachte trübes, regnerisches Wetter. Den Auftakt des Festes bildete ein Platzkonzert der gesamten Kapelle des 1. Batl. Jnf.-Regts. 15 Gießen auf dem Adlerplatz, an das sich würdige Erinnerungsfeiern an den beiden Kriegerdenkmälern an der Stiftskirche und am Friedhof unter Beteiligung des Jubeloer­eins, der SA. Res. 11/116 und der Reichswehr­kapelle anfchlossen.

Ein in den Abendstunden aufgestelller Festzug brachte die Wehrverbände, Ortsvereine und sonstige Festteilnehmer unter Dorantritt der Kapelle in das Festlokal, die Turnhalle. Zwei Musikstücke und die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Jubel­vereins eröffneten den Kommersabend. Sein Will­kommgruß galt besonders dem Protektor des Festes, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Reinhard, fer­ner Generalmajor a.D. Gros als Vertreter des Deutschen Offizierbundes, sowie den Ehren- und Ausschußmitgliedern, und klang aus in einem Hoch auf das Deutsche Reich, den Reichspräsidenten Gene- ralfeldmarschall o. Hindenburg und den Volks­kanzler Adolf Hitler. Die Festversammlung sang im Anschluß hieran den ersten Vers des Deutsch­land- und des Horst-Weffel-Liebes.

Se. Durchlaucht Fürst Reinhard feierte das Wiedererstarken des Wehrgedankens und überreichte dem Jubeloerein als Geschenk ein schönes Fahneß- banb. Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung wurden einer ganzen Anzahl verdienter Mitglieder des Jubelvereins für 40« und 25jährige Mitglied- schäft Hassiaehrenzeichen durch den Vereinsoor­sitzenden überreicht. Begeisterte Aufnahme fand das abwechslungsreiche Konzert der Reichswehrkapelle. Die Chöre des GesangvereinsRoth'scher Männer­chor" und des MännergesangoereinsCäcilia" Lich, sowie die Darbietungen des Turnvereins Lich wur­den ebenfalls beifällig aufgenotnmen. Die Vorsit­zenden der beiden letzteren Vereine überreichten unter besonderer Hervorhebung der freundschaft­lichen Beziehungen wm Jubelverein je einen Fah­nennagel. Das reichhaltige Programm hielt die Festteilnehmer bis lange über Mitternacht in fröh­licher Kameradschaft beisammen.

Zweiter Tag.

Der Hauptfesttaa begann mit einem Weckruf der gesamten Reichswchrkapelle. woran sich ein Platzkonzert vor dem fürstlichen Schloß und dann ein feierlicher F e st g o 11 e s d i e n st in der Stiftskirche unter Mitwirkung der Reichswehr­kapelle anschlossen. Die Festpredigt hielt Stifts­dechant Kahn. Ausgehend von dem christlichen und deutschen Pfingsten sprach der Festprediger über Gottes große Festgaben. Sie beständen in einem starken Mut, in großer Kraft, in bren­nender Liebe und eiserner Zucht.

3n den Mittagsstunden wurden die auswär­tigen Vereine von berittenen Mitgliedern des hiesigen Reitervereins in Kavallerieuniform der alten Armee eingeholt und vom Empfanasaas- schuh des Jubelvereins begrüßt. Hm 14 älhr stellte sich in den Straßen an den beiden Bahn­höfen ein großer

Jefljug

auf, der durch kleinere Trupps in den Uniformen der alten Armee ein farbenfrohes Bild erhielt. Voran reitenden Leib-Garde-Dragonern folgte ein feldmarschmäßig bespanntes und besetztes Feldgeschütz- (Atrappe). Nach Radfahrern mit ge­schmückten Radern tarnen die Ehrengäste in blumengeschmückten Personenkraftwagen und dann in unübersehbarem Zuge die braunen und grauen Kolonnen der Wehrverbände SS., SA., SAR. und Stahlhelm zum Teil mit eignen Spielmanns­zügen, sowie die Jugendverbände. Der lange -Zug der sich anschließenden Gast- und Bezirks- Vereine mit wehenden Fahnen wurde unter- brochen durch reichgeschmückte Festwagen. Die im Zuge verteilten vier Musikkapellen mit zu­

gehörigem Trommlerkorps gaben ein strammes Marschtempo an und erfreuten die Festzugteil­nehmer und die dicht gedrängt stehenden Zu­schauer durch die immer wieder gern gehörten Armeemärsche.

Die Jeler auf dem Feslplah.

Leim Eintreffen des Festzuges auf dem Festplatz Ichwenkte das bespannteFeldgeschütz" sofort ab, ging an den vom Festplatz aus zu überblickenden Höhler- berg in Stellung und zeigte hier exerziermäßig allerlei Uebungen, die große Begeisterung er­weckten. Dann formierten sich die Festteilnehmer im Karree. Im Namen der Stadt begrüßte Bür­germeister. G e i 1 den Protektor, die fürstliche Fa- milie, den Vertreter des Präsidiums Landgerichts­rat Tr tempert, die beiden Vertreter des Deut­schen Ossiziersdundes Generalmajor a. D. Gros und Herrn Major d. R. Koch, die Gast- und Be° zirksvereine und sämtliche übrigen Verbände und Festteilnehmer. Er wies auf das Sich-Wiederfin- den unseres Volkes und auf die wiedererweckte nationale Begeisterung hin und sprach dem Krie­gerverein im Namen der Stadt herzliche Glück­wünsche zu seinem Jubiläum aus. Zum Schluß seiner Ausführungen brachte er auf den Krieger­verein und seine weitere vaterländische Betätigung ein Sieg-Heil aus. Alsdann entbot der Vorsitzende des Kriegervereinsbezirkes Lehrer D Ö r m c r einen herzlichen Willkommengruß und beglückwünschte den Jubeloerein. Landgerichtsrat Irümpert als Vertreter des Präsidiums der Hassia übermittelte dessen Glückwünsche. Er verglich die Kriege 1870,71 und 1914/18 und deren Ausgang und betonte, daß der Kriegerverein Lich trotz des unglücklichen Aus­gangs des Weltkriegs immer treu zur Hassia ge­standen habe. Im Auftrag der Hassia überreichte er daher einen goldenen Fahnenagel. SeinSieg- Heil" galt dem Reichspräsidenten Generalfeldmar­schall v. Hindenburg. Anschließend sang die Festversammlung den ersten Vers des Deutlchland- liedes.

Die Festansprache hielt Herr Pfarrer D r a u b t Lich. Er verglich das deutsche Volk nach dem Schandvertrag von Versailles mit einem in natio­naler Hinsicht brachliegenden Felde, das erst in langer, unermüdlicher Arbeit der Säemann Adolf Hitler wieder bearbeitet und in das er die Samenkörner seiner zahllosen braunen Scharen ein­gestreut habe. Die Saat sei im Frühjahr dieses Jahres aufgegangen und nun gelte es die Ernte, den Gedanken der Vaterlandsliebe, der Wehrhaftig­keit und des Gottoertrauens zu pflegen und vor­zubreiten. An dieser Aufgabe seien in hervorragen­der Weise die Kriegeroereinc beteiligt. Sie hätten das Erdreich locker gehalten und immer wieder mit dem nationalen Wehrgedanken durchtränkt. Das Ziel für uns Deutsche müsse sein, wieder ein starkes Heer zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu er­halten, denn nur ein wehrhaftes Volk verbürge den Frieden, ein wehrloses Volk dagegen sei den Raub­gelüsten aller ausgesetzt. SeinSieg-Heil" galt dem Volkskanzler Adolf Hitler. Die begeisternden Ausführungen fanden stürmischen Widerhall bei der großen Festversammlung, die im Anschluß daran unter der Begleitung der Militärkapelle den ersten Vers des Horst-Wessel-Liedes sang.

Dr. Schneider (Lick) sprach im Namen des Stahlhelms des Kreises Gießen Er feierte die Idee der Wehrhaftigkeit, die so alt wie die Weltgeschichte sei und die im Geiste an der Front des Weltkrieges wieder zum Erlebnis geworden sei. Wehrhaftigkeit, und Gottvertrauen seien dem deutschen Volke not und würden es wieder aus der heutigen Lage heraus- führen. Unter Ueberreichung eines Fahnennagels beglückwünschte er den Kriegerverein mit dem Stahlhelmgruß. Dann sprach Lehrer Stein hier im Namen der hiesigen Ortsgruppe des Flottenvereins und wies darauf hin, daß Kriegerverein und Flvt- tenoerein auf gleichem Weg zum gleichen Ziele streb­ten. Auch er überreichte dem Jubelvereiy unter Glückwünschen einen Fahnennagel. Glückwünsche un# ter Ueberreichung eines Fahnennagels sprach auch der Vorsitzende des Kavallerievereins Gießen aus. Ein weiterer Redner gedachte in kurzer Ansprache der Gefallenen des großen Weltkrieges.

Der Abschluß.

Nach der offiziellen Feier entwickelte sich auf dem Festplatz und in der Turnhalle ein fröhliches Trei­ben. Mit dem Anbruch der Dunkelheit verließen die Mitglieder der auswärtigen Vereine die Stabt. Die Abenbfeier in ber Turnhalle war aber noch sehr stark besucht. Ein Feuerwerk um bie Mitternachts- ftunbe bilbete ben Abschluß bes in allen Teilen gut verlaufenen Festes.

Verkehrsarbeiisgemeinschast Oberlahn

Am Samstag fanb in Marburg unter bem Vor­sitz von Oberbürgermeister a. D. Dr. Stadler (Kassel) eine Tagung der Derkehrsinteressenten der Oberlahn statt, die für die künftige Verkehrs- entwicklung dieses Gebiets von großer Bedeutung war. Derlehrsdirektor Dr. R e h o rn (Kassel)

ti.ng in lemem Reserat oavou aus. Daß es zweck­mäßig sei, innerhalb des großen regionalen Der- kehrsrerbandes die Bearbeitung einer Reihe von Derlehrssragen von besonderer ört­licher Bedeutung noch mehr als bisher zu dezentralisieren. Eo feien bereits eine Reihe von Derkehrsarbeitsgemcinschaften gegründet, die im Rahmen des Verkehrsverbandes und in enger Verbindung mit der Verbandszentrale unter Be­rücksichtigung genereller Richtlinien zahlreiche mehr örtlicheDertehrsangelegenhei- ten mit Erfolg selbständig bearbei- t e n. Auch die Oberlahn mit ihren sehr reizvollen Seitentälern im Zuge der Städte WetzlarGießen Marburg- Biedenkopf bis zur westfälischen Grenze fei ein geschlossenes Verkehrs- gebiet mit gleich starkem Interesse an der Her­anziehung des Fremdenverkehr-. Rach diesem Referat entschlossen sich die Ver­treter der anwesenden Städte, größeren Ge­meinden und Verlehrsvercine einstimmig zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Oberlahn mit dem Vorort Marburg, der ermächtigt wurde, im Benehmen mit dem Derkehrsverband unverzüglich die erforderlichen Werbungsmahnah- men in die Wege zu leiten.

-Arbeitsbeschaffung für NSOAp.-Mitglieder.

WSR. Gauleiter Sprenger weist in einem erneuten Aufruf darauf hin, daß die Durchfüh­rung seines Ausrufs vom 30. Mai, die Partei­genossen mit den Mitgliedsnummern 1 bis 200 000 raschmöglichst in Arbeit zu bringen, nicht mit je­nem Rachdruck betrieben wird, der ein selbstver­ständliches Erfordernis sei. Der Gauleiter hat deshalb eine Kontrolle für Arbeitsbe» s ch a f f u n g eingerichtet und überwacht die Durchführung seines Aufrufs persönlich. Die Ortsgruppen bzw. die Kreise haben sofort unter der persönlichen Anschrift des Gauleiters, Frank­furt a. M., Elbestraße 61, die auf Grund des Ausrufs Dom 30. Mai eingegangenen Bewer­bungen einzureichen. Die SA.» und SS.-Dienst­stellen sammeln die Bewerbungen und reichen sie über den Dienstweg ein. Zur Durchführung der Unterbringung innerhalb der freien Berufe hat Gauleiter Sprenger den Präsidenten der In­dustrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.» Hanau, Dr. 2 ü c r, und den Gau-Wirtschafts- referenten Eckart berufen, die bereits mit den Vorarbeiten begonnen haben. Für die Kontrolle der Kommunal-, Landes- und Staatsbehörden bzw. Verwaltungen, sowie für die Reichsbahn

ist der Leiter der RS.-Gau-Beamtenabteilung K r e m in e r bestellt worden. Ferner werden auf Vorschlag des Leiters der Gau-Betricbszellen- abtcilung Decker geeignete Parteigenossen zur Durcyfuhrung herangezogen. Die Arbeitsbeschaf­fung wird mit sofortiger Wirkung aus die Par­teigenossen ausgedehnt, die eine Mitgliedsnum­mer bis 300 000 haben.

Oas Baby.

Ein Baby ist ein Lustspiel, ist ein Witz, ein holder «cherz, ist Freude, Lust und Sonnenschein für jedes Menjchenherz.

Und wo bie Langeweile schon an manchen Seelen fraß, ist erst ein Baby in bem Haus, bei Gott, da rührt sich was!

Wenn es mit wildem Kriegsgeschrei bie Eltern morgens weckt, ein völlig neues Menschenkind wirb jebesmal entberft.

Noch niemals war ber Augen Licht so strahlenb unb so klar, unb Baby ist viel schöner heut, als es noch gestern war.

Unb wie es schon, wenn man es fragt, mit seinem Köpfchen nickt!

Unb wie es alles schon versteht unb so oerftänbig blickt!

Die Grübchen in ben Hänbchen, auf bem Kopf ber weiche Flaum ... Ein Baby ist Vollkommenheit, ist Krönung, Gipfel, Traum!

Unb wie bas kleine Herzchen schon so regelmäßig schlägt!

Unb wie bie Brust beim Atmen sich in schönem Wechsel regt!

Unb selbst ber Vater, ben bie Last bes Tages hart bebrückt, kommt er bes Abenbs müb nach Haus, fo ist er still beglückt.

Ein Baby ist zu jeher Zeit ein münbelsichres Pfanb, unb manches Paar, bas schon entzweit, reicht sich erneut bie Hanb.

Unb mancher, ber verzweifelt war am Leben unb am Glück, fanb burch bas Baby frohe Kraft unb neuen Mut zurück!

Puck.

Obecheffen.

Bärenjagd im Vogelsberg.

L Breungeshain, 19. Juni. Am Freitag versetzte ein Tanzbär einige Dörfer des oberen Dogeisberges in nicht geringe Aufregung. Ein Bärenführer, der in der Gegend umherzog und von hier aus nach Rudingshain wollte, be­nutzte einen Feld- und Waldweg. Die Müdig­keit schien ihn aber überwältigt zu haben, außer­dem schien er etwas betrunken zu sein, jeden­falls legte er sich unter einen Baurn und schlief ein. Den Bären hatte der Mann nur nachlässig cm Baurn angebunden, so daß es dem Tier nicht schwer fiel, sich zu befreien. Auf eigene Faust und recht willkürlich setzte der Bär voll Freude über feine ungewohnte Freiheit den Weg fort. Zunächst brachte er Weidevieh von Rudingshain in tiefste älnruhe, Jungens und Mädchen, die sich auf dem Felde Herumtrieben, gerieten in große Aufregung und verbreiteten rasch die Rach- richt von dem Bären. Glücklicherweise waren auch, einige Männer mit auf dem Weideplan, die Hunde auf das Tier hetzten und es zu stellen versuchten. Die Hunde setzten dem Bären heftig zu- Der Bär wechselte wieder auf die Breunges- hainer Gemarkung und erschreckte nun die Frauen die auf dem Felde arbeiteten. Inzwischen hatte sich die sensationelle Rachricht weiter verbreitet. Männer kamen mit Mistgabeln an und wollten das Tier einfangen, auch der Förster Geb­hardt war herbeigeeilt. Telephonisch wurde in Schotten beim Kreisamt angefragt, ob man den Bären erschießen dürfe. Zwei Männern war es jedoch gelungen, den Bären an einer Kette, allerdings nicht an der Kette am Rasen­ring, zu fassen diese war nämlich abgerissen und wurden nun hinterhergezogen. Der Bären­führer war inzwischen aber auch aufgeweckt wor­den, er eilte herbei und rief, man solle bem Bären einen Stein auf die Rase werfen. Das geschah denn auch durch Schmiedemeister Lin­ker, der gleich auf den ersten Wurf traf. Der Bär konnte wieder gefangen genommen werden. Der Bärenführer setzte seinen Weg nach Rudingshain fort.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linben, 19. Juni. Am Freitag, abenb fanb im Saale bes Gasthauses ,Zur beutschen Eicke" auf Einlabung ber Nationalsoziali­stischen Betriebszellenorganijation Klein-Linben (NSBO.) eine große Versamm­lung von Arbeiterinnen, Arbeitern unb Angestellten statt. Der Leiter ber hiesigen NSBO., Herr Neu­ßer, eröffnete bie Versammlung. Sobann sprach Herr Bartholomäus (Gießen) über bas Thema Die Gleichschaltung ber freien Gewerkschaften unb bie Arbeit ber Gewerkschaften für bie beutsche Ar­beiterschaft". Der Rebner führte u. a. aus, baß ber Sinn ber Gleichschaltung nicht mehr ber Klassen- fampf, sonbern bie Bilbung einer Volksgemeinschaft sei. Wie ber Klassenkampf, so sei auch ber Staubes« bünfel zu verwerfen. Die Zugestehung bes Tarif­lohnes schließe in sich, baß jeber Arbeitnehmer an seinem Platze seine Pflicht unb Schulbigkeit tue. Der Arbeit brauche sich niemanb zu schämen. Es sei heute Pflicht jebes Arbeiters, feiner Organisation beizu­treten unb bort mitzuarbeiten, benn es gelte, bie Gewerkschaften in biefer kritischen Zeit zum Nutzen ber beutschen Arbeiter unb Angestellten roieber stark 3u machen. Einige Fragen aus ber Versammlung würben von bem Rebner beantwortet. Mit bem Sieg-Heil!" auf unfern Volkskanzler Abolf Hit­ler, bem gemeinsam gesungenen Deutschlanblieb unb bem Horst-Wessel-Lieb fanb bie Versammlung ihr Enbe.

:/: Beuern, 19. Juni. Rachdem heute vor­mittag erneut an Blinddarmentzündung ertränkte junge Leute zur Operation nach Gießen

verbracht werden mußten, ist die Zahl der im Lause der letzten zwei Monate auf solche Weise Erkrankte^ auf neun gestiegen. Davon sind nicht nur solche aus verschiedenen Haushaltungen be­troffen, sondern es liegen Fälle vor, bei denen Geschwister der Reihe nach erkrank­ten und operiert werden mußten.

* TraisHorloss, 19. Juni. Herr Heinrich Karl H u b l i tz von Trais Horloff begeht am Mitt« wach, 21. Juni, seinen 9 0. Geburtstag. Don 1873 bis 1919 war er Gemeinberechner, ein Amt, baß schon sein Vater seit 1854 inne hatte unb bns jetzt sich in ben Händen feines Sohnes befinbet. 46 Jahre war er Kirckenrechner bes Kirchspiels Trais-Horloff. Die im Jahre 1900 hier errichtete Unter-Erhebstelle übernahm er ebenfalls. Im Jahre 1905 erhielt er bas Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste. Er ist noch einer ber wenigen, bie bie brei großen Kriege miterlebt haben. Der Greis erfreut sich einer ungewöhnlichen geistigen unb körperlichen Rüstigkeit. Möge ihm noch ein heiterer unb froher ßebensabenb beschieben sein.

Wirtschaft.

Frankfurt befestigt.

Frankfurt a. M., 20. Juni. (WTB. Draht, melbung.) Da zu Beginn ber heutigen Mittagsbörse verschiedene Kauforders aus Kundjchaftskreifen Vor­lagen, faßte auch die Kulisse wieder Mut und be­teiligte sich am Geschäft, bas somit etwas lebhafter wurde als gestern. Man ist auch gegenüber ben letz« ten Melbungen von ber Lonboner Konferenz nicht allzu pessimistisch gestimmt, da man von vornherein keine übertriebenen Hoffnungen hegte unb sich ba- burch vor Enttäuschungen gesichert hat. Ein ein» heutig belebendes Moment stellte bie feste Ver- fassung ber Neuyorker Börse dar, auch die Befesti- gung ber internationalen Warenmärkte würbe viel beachtet. Zunächst buchten Reichsbank einen Ge- roinn von 2 v. H. unb Farben einen solchen von 0,40 v. H., bie Mehrzahl ber sonstigen Papiere würbe hiervon mit Gewinnen bis zu 1 v. H. mitgezogen. Beson.bers Montanaktien konnten profitieren, 'Be­tula, Mannesmann unb Rheinstahl bis zu 1,25 d. H., Harpener, Klöckner unb Stahlverein bis zu 0,5 o. H. Am Elektromarkt waren Lahmeyer mit plus 3 v. H. recht fest, Gesfürel konnten 1,75 o. H. gewinnen, nur Lechwerke Augsburg aaben 0,5 v. H. nach. Von Vcr- kehrswerten fielen Allgemeine Lokal unb Kraft durch einen 2,5«v. H.«Verlust auf, Reichsbahnoor- zugsaktien lagen knapp, unb Schiffahrtswerte waren gut gehalten. Don sonstigen Aktien verbesserten sich Scheibeanstalt um 2 v. H., dagegen brodelten Conti- gummi 0,5 o. H. unb Zement Heibelberg 0,5 o. H. ab. Im Verlause schrumpfte bas Geschäft roieber zu- Jammen, Aktien blieben jeboch gut behauptet, in Reichsbankanteilen sollen verschiebentlich Stillhalte- täufe Vorgelegen haben.

Am Rentenmarkt waren Deutsche Anleihen meist vernachlässigt. Neubesitz gaben 0,20 unb Alt­besitz 0,65 v. H. nach. In Reichsschuldbuchforberun- gen unb Schutzgebieten waren anfangs etwas leb­haftere Umsätze festzustellen, die aüerbings nicht von Dauer waren. Schutzgebiete waren bann im Ver­laufe etwas schwächer. Der Pfanbbriefmarkt zeigte uneinheitliches Aussehen: Goldpfanbbriefe waren eher gesucht unb eine Kleinigkeit fester, dagegen Li- quibatwnspfanbbriefe in engen Grenzen uneinheit- lich. Auslanbrenten waren zum Teil recht fest, so gewannen 5-v. H.-Golbmexikaner Aeußere 0,5 v. H. unb Bagbab I 0,10 d. $)' während Zolltürken gut gehalten waren. Stahloereinbonds gaben 1,5 v. H, nach. Tagesgeld blieb zum Satz von 3,5 v. H. un­verändert.