von Persönlichkeiten der anderen Parteien hineinnehmen, die durch gegenfei ti «■ ges Vertrauen eine Verbindung ge° währleisren könnten. Erfreulicherweise gelang es, hinsichtlich des Zentrums eine Einigung zu erzielen. Vesondere Bedingungen wurden dabei nicht gestellt. Bei den Verhandlungen mit der Deutschnationalen Partei war es dagegen notwendig, einige Wünsche zu äußern, um die immer noch bestehende K a m p f s i t u a - t' o n aus der Wahlzeit her zu bereinigen. Leider fanden die an sich vom Standpunkte der NSDAP. selbstverständlichen und berechtigten Wünsche bei der Deutschnationalen Partei kein Entgegenkommen. Es ist demnach nicht die Schuld der NSDAP., wenn abermals durch eine wenig elastische Führung. der Deutschnationalen Partei die Verständigung mißglückte und für den Wiederaufbau wertvolle Kräfte außerhalb einer geschlossenen Front bleiben müssen.
Die Deutschnationalen haben gleichzeitig eine Darstellung der Vorgänge, die zum Scheitern der Verhandlunge führten, veröffentlicht. In dieser Darstellung wird erklärt, daß die Erfüllung der nationalsozialistischen Bedingungen mit der Würde und (Ehre einer Partei nicht vereinbar sei und auf die Auflösung der Deutschnationalen Front hinausliefen. In der deutschnationalen Erklärung wird schließlich der NSDAP, unterstellt, daß diese überhaupt nicht den ernsten Willen gehabt habe, mit den Deutschnationalen zu einer Einigung zu kommen.
Diese Darstellung wird in ein wesentlich anderes Licht gerückt durch die Veröffentlichung von zwei Briefen, die Dr. Rauschning in den letzten Tagen an den Senatspräsidenten Dr. Ziehm gerichtet hat. Sn dem ersten vom 13. Suni datierten Schreiben begrüßt Dr. Rauschning namens der NSDAP, die Bereitschaft der Deutschnationalen, in die neue Negierung einzutreten und ihre Erfahrungen für das Wohl des Staates zur Verfügung zu stellen. Dr. Rauschning gibt jedoch ausdrücklich seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Deutschnationalen für die Führung der Verhandlungen Vertreter benannt hätten, mit denen nach ihrer ganzen Einstellung die für die Herstellung einer einigen nationalen Front notwendige offene Aussprache unmöglich sei. In seinem zweiten Schreiben, das am Samstag Dr. 3 i e b m zugestellt wurde, stellt Dr. Rauschning mit besonderemBedauern die inzwischen von den Deutschnationalen erfolgte Ablehnung der nationalsozialistischen Wünsche fest. Diese Wünsche, so betont Dr. Rauschning, seien nur im Hinblick auf das zu erstrebende neue tragbare Vertrauensverhältnis ausgesprochen worden. Eine Einmischung in die inneren Parteiverhältnisse der Deutschnationalen liege derRSDAP. fern. Vertrauen aber sei an bestimmte Bedingungen und Persönlichkeiten geknüpft.
Hugenberg und sein Werk.
Zum68.GcburtstagdesReichs-Wirtschafts° und Ernährungsministers.
Berlin, 19. Juni. (TU.) Aus Anlaß des 68. Geburtstages des Reichsministers Dr. Hugenberg smach der Pressechef der Deutschnationalen Front, Hauptmann a. D. Brosius im Rundsunk über „Hugenberg und sein Werk". Dabei führte er u. a. folgendes aus:
An seinem diesjährigen Geburtstage steht der Minister Hugenberg im Mittelpunkt weltpolitischen Geschehens. Das Vertrauen des Reichspräsidenten hat ihn in fein Amt berufen. Das Vertrauen des Reichskanzlers Hitler hat ihm die Aufgabe übertragen, in London als Führer der deut- schen Wirtschaft Deutschlands Interessen zu vertreten. Mit dem gleichen Vertrauen begleitet das deutsche Volk seinen Kampf gegen den Haß und die Verständnislosigkeit der anderen Mächte.
Alfred Hugenberg ist Niedersache von Geburt. Sein Lebensweg vermittelte ihm eine alles umfassende Vorbildung zum Staatsmann und Wirt- schastsführer. Er stand bald in den Reihen derer, die gegen die Außenpolitik der Nachfolger Bismarcks den alldeutschen Verband gründeten, deren Ruf „Deutschland erwache" zum ersten Male in das deutsche Volk hineingetragen wurde. Als vor nun fünf Jahren das Vertrauen der Deutschnationalen ihn an die Spitze der Partei stellte, da griff er aktiv handelnd in die deutsche Politik ein. Hugenberg führte seine Partei, nachdem er sie vom parlamentarischen Geist und von parlamentarischen Kostgängern befreit hatte, in den Entscheidungskampf um Deutschlands Neugestaltung. Die Tatsache, daß sich Hugenberg als Minister hinter die politische Führung Hitlers gestellt hat, die Tatsache, daß Hitler die wirtschaftliche Autorität Hugenbergs anerkennt und seiner Wirtschaftsführung vertraut,' das ist die psychologische Voraussetzung für den Pakt, der am 3 0. Januar g e - schlossen i ft.
Hitler und Hugenberg — beide find entschiedene Gegner jenes Liberalismus, der den letzten Sahr- zehnten deutscher Geschichte sein Gepräge gab. Beide find Geyner des internationalen Kapitalismus. Hugenberg vertritt im Kabinett jenes konservative Element, das nicht gleichbedeutend mit dem falschen Schlag- Wort reaktionär ist, sondern das Bewahrtes aus der Vergangenheit für die Zukunft des Volkes nutzbar machen will. Ohne diesen konservativen Einschlag ist das Dritte Reich nicht zu denken. Aus der Erfahrung eines langen Lebens hatte Hugenberg als Bedingung für seinen Eintritt in das Kabinett die Z u - fammenfaffung der gesamten Wirtschaftspolitik im Deich und in Preußen in einer Hand gefordert. Sn zäher organischer Arbeit hat er feine Wirtschaftsneugestaltung mit dem Kamps für den Bauern begonnen. Die grundlegende Aenderung der Handelspolitik machte den Weg frei für eine wirksame Vertretung der deutschen Notwendigkeiten. Das kam auch dem gewerblichenMittelstand und der Sndustrie zugute, die überdies von einengenden Fesseln und Lasten befreit wurden.
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Staatssekretär v. Rohr hat an Reichsminister Dr. Hugenberg anläßlich seines 68. Geburtstages folgendes Telegramm gesandt: Die Beamten und Angestellten des Reichsernährungsmini- st e r i u m s sprechen Shnen, Herr Nkinister, ihre gefjorfamften Glückwünsche aus. Wir bringen Shnen keine Blumen, sondern werden Shnen zu Ehren heute alle eine Stunde länger arbeiten.“ — Der stellvertretende Parteiführer Dr. v. Winterfeld sandte folgendes Telegramm: Die Deutschnationale Front gedenkt Shres Führers in Treue und mit heißen Wünschen für persönliches Wohlergehen und er-
Giovinezza in Dalmatien.
Bon unserem Dr. 8t.-Sonderberichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) Dubrovnik (Ragusa), Suni 1933.
Sn den letzten Wochen hat die jugoslawische Regierung ihr Gendarmeriekorps um rund 20 000 Mann vermehrt und mindestens ein Drittel des Zuwachses an die adriatische Küste kommandiert. Wohin man auch kommen mag, auf die kleinen, stillen, sonst nur dem Dadesport dienenden Snseln, in die größeren Hafenstädte oder in die idyllischen, malerischen, meist von Türken und Albanesen bewohnten Orte des montenegrinischen Littorales, überall wimmelt es von jungen, meist noch recht unerfahrenen Gendarmen, die hier im Grenzdienst ausgebildet werden.
Die ganze 1700 Meter lange südslawische Adriaküste ist nämlich eine einzige Grenzlinie, die nur durch ein paar markante Stützpunkte unterbrochen wird. Diese Stützpunkte wie Fiume, Tara und Lagosta befinden sich aber im italienischen Besitz. Lind durch diese Stützpunkte, die in der ersten Zeit nach der italienischen Besetzung in wirtschaftlicher Beziehung etwas zurückgingen, jetzt aber als Zentralen eines glänzend organisierten Schmuggels sich immer mehr erholen, be herrsch tMusso- lini bereits heute die Adria.
Es überrascht nicht wenig, wenn man «erfährt, wie sehr sich in Dalmatien die öffentliche Meinung während der drei letzten Sahre geändert hat. Früher bemerkte man eine geschloffen e. u n d entschlossene Abwehrfront aller slawischen Devölkeruergskreise gegenüber den italienischen Aspirationen. Der von der Belgrader Regierung mit Stallen am 20. Suli 1925 abgeschlossene Nettunovertrag über den Grenzverkehr in Dalmatien hat in Kroatien wenig Anklang gesunden. Hielt Mussolini in Rom eine Rede, die sich unter anderem auch auf die nie aufgegebenen Ansprüche Staliens auf die Ostküste Der Adria bezog, dann schwollen in Dalmatien und Kroatien die Kämme mächtig an, dann regnete es Proteste und spontane Demonstrationen. Die Adria muh slawisch bleiben, hieß es. Wenn aber heute kriegerische Töne aus Rom herüberklingen, dann zucken die Leute in Damatien ein wenig resigniert mit den Achseln und meinen: „Mögen sie kommen! Es kann nur besser, nicht schlechter wer- d e n". Südslawiens nationaler Wehrwille ist, wenigstens an der Adria, im Erlöschen.
Daß die kroatischen Dalmatiner mit der Belgrader Diktatur unzufrieden find, braucht nicht erst betont zu werden. Sie kommen häufig mit Stalienern zusammen und hören, wie drüben im faschistischen Stalien Ordnung und Gesetz herrscht, ärgern sich grün und blau, daß sie beispielsweise für den Zucker, auf den der jugoslawische Staat ein Monopol hat, 15 Dinare für das Kilo bezahlen müssen, während er beispielsweise im italienischen Freihafen Lagosta nur 5 Dinere das Kilo kostet. Aehnliche Unterbliebe bestehen beim Kaffee und beim Tabak. Aber auch die serbische Bevölkerung der Adriaküste, die Bokesen und Montenegriner, fühlen sich durch die Diktatur bedrückt, die sie zu „Sugoflatoen“ stempeln will. Charakteristisch ist der Ausspruch eines serbischen Politikers, eines Vorkämpfers der südslawischen Sdee während der österreichischen Herrschaft, der mir sagte: „Sn Oesterreich haben wir Serben der dalmatinischen Küste die Freiheit gehabt, neben der österreichischen Staatsflagge unsere serbische Nationalfahne zu hissen. Heute, i n unter e m eigenen Königreich, ist uns das verboten. Wir müssen die neugeschaffenen jugoslawischen Farben zeigen, mit denen uns nichts oerbinbet.“
Noch mehr kränkt es die patriotisch gesinnten Dalmatiner, bah ihre Söhne von den jugoslawischen Militärbehörden nicht, wie es bisher der Fall war, für b e n Seebienst ausgehoben, sondern als Rekruten in das Landheer eingestellt und irgendwohin nach Mazedonien kommandiert werden, wo sich die Füchse Gutenacht sagen. Sn Belgrad meint man, und wohl nicht mit Unrecht, daß es nötig sei, den serbischen Bauernsöhnen die Adria nahe- und die Liebe zum Meere beizubringen. Man schickt darum viele junge Serben, die niemals in ihrem Leben Salzwasser gerochen haben, ans Meer und läßt sie als Matrosen ausbilden. Das wäre nicht so schlimm. Aber man ergänzt auch den Seeoffiziersnachwuchs aus Serbien und das können die Dalmatiner, die früher in der österreich-ungarischen Kriegsmarine eine bedeutende Rolle spielten, nicht verwinden. Die Dalmatiner sind geborene Seeleute. Schon unter der Herrschaft der Republik Venedig, der Dalmatien seine herrlichsten, mittelalterlichen Bauten verdankt, haben sie das beste Mannschaftsmaterial für die Kriegsflotte geliefert, sie verstehen sich auf das nasse Element und sind natürlich begeisterte Wasserratten. Ohne den schwankenden Boden der Schiffe unter ihren Füßen fühlen sie sich heimatlos und deklassiert. Kein Wunder, wenn sie nur mit Unlust in der Landarmee dienen.
Während also in der psychologischen Behandlung der dalmatinischen Küstenbevölkerung von der Belgrader Regierung ein Fehler nach dem anderen gemacht wird, wird von Rom aus planmäßig für die faschistische Sdee und den italienischen Staatsgedan- ken geworben. Auf Grund des Londoner Abkommens genießen die italienischen Minderheiten in Dalmatien nicht nur den intensiven Minoritätenschutz der jugoslawischen Regierung, die natürlich zwecks Vermeidung von Konflikten eifrig bestrebt ist, die italienischen Optanten so sanft wie möglich zu behandeln, sondern sie erfreuen sich auch der Förderung des italienischen Staates, der jährlich viele Millionen für seine Volksgenossen an der aöria- tischen Ostküste verausgabt. Sn ganz Dalmatien dürfte es unter jugoslawischer Hoheit rund 7000 Reichsitaliener geben, aber diese 7000 sind national geschlossen und organisiert. Besondere Sorgfalt wird auf die Erhaltung und Führung der italienischen Minderheitenschulen gelegt. Sn jeder italienischen Schule Dalmatiens prangt das Bild des italienischen Königs neben dem des Duces, in jeder italienischen Schule lernt das Kind als erstes Lied die Giovinezza. Gerät ein italienischer Optant in Rot, nimmt sich seiner das nächste italienische Konsulat in vorbildlicher Weise an, unterstützt ihn, verschafft ihm Arbeit und läßt seine Kinder in italienischen Privatschulen erziehen.
Ungeheure Aufbauarbeit wird auf diese Weise durch den Faschismus geleistet, dessen positive Leistungen von der slawischen Bevölkerung teils mit scheelem Neid, teils mit ehrlicher Bewunderung verfolgt werden. Es zeigt sich hier, welche Kraft in einer starken, einheitlichen, nationalen Staatsführung steckt und wie mächtig sie sich auch im Ausland auswirkt. Zwar gibt es in Sugo- slawien auch eine in der öofolbetoegung zusammengefahte Sugenborganifation, aber wie schwächlich und ziellos erscheint sie im Vergleich zu der B a l i l l a, die auch im jugoslawischen Dalmatien bereits kräftige Wurzeln gefaßt hat und der Heranwachsenden Sugenö Ziel und Richtung weist. Seit die katholischen Bischöfe gegen die Sokols Stellung genommen haben, gibt es in Sugoslawien keine nationale Organisation mehr, die beide christlichen Konfessionen des Staates, die Katholiken und Prawo- flawen (Serbisch-Orthodoxe) unter einem Hut hält. Die Adriaslawen haben keinen nationalen Rückhalt mehr. Sie tasten ins Wesenlose. Sprachen sie früher vom Sahre 1918 als vom „Sahre der Befreiung", so ist dieses Wort wieder in Vergessenheit geraten. Hat man im ersten Vereinigungstaumel nach dem Weltkrieg alles geächtet, was mit den „verfluchten Schwabas" in Beziehung stand und sich ganz den französischen Freunden in die Arme geworfen, so unterstreichen jetzt die Kroaten und Dalmatiner ihre europäische Tradition gegenüber dem Balkanismus der Serben und betonen ihre unter deutscher bzw. österreichischer Führung erworbene Kultur.
Ueberhaupt findet die Belgrader Anlehnung an Frankreich bei den Adriakroaten wenig Liebe. Sie weisen darauf hin, daß Italien 34 Prozent der jugoslawischen Einfuhr und 71 Prozent der jugoslawischen Ausfuhr durch seinen Schiffspark besorgt, sie halten es daher für wichtiger, daß man in ihren Mittelschulen italienisch statt französisch lehrt, da der Handelsverkehr Jugoslawiens hauptsächlich nach Italien geht. Man erkennt langsam, daß man die politischen Interessen nicht im Gegensatz zu den wirtschaftlichen stellen darf. .Aus der politischen Einkreisung Jugoslawiens durch Italien ist in den letzten Jahren auch eine moralische geworden, und das Bündnis mit Frankreich findet in den breiten Massen der Bevölkerung keinen Widerhall. So herrscht ein Zustand der Lethargie, die leben Widerstand gegen die italienischen Machtansprüche auf der Adria immer mehr erstickt und den Boden für eine neue Konstellation vorbereitet, von deren Entwicklung man sich vorläufig noch keine klaren, noch keine scharf umrissenen Vorstellungen macht. Genau wie von der nahen, südslawischen Revolution, über die seit Jahr und Tag sowohl im Ausland als auch in Kroatien immer wieder gesprochen wird, der aber die einigende Parole fehlt.
Die politische Hochspannung, die in den einzelnen Gebieten des südslawischen Königsreiches herrscht, erzeugt nur Wetterleuchten. Zu irgendeiner starken, bewußten Aktivität konnten sich die verschiedenen Oppositionsparteien der Herren Matschek (Kroatenführer), K o r o s ch e tz (Slownenführer und früherer Ministerpräsident), Spa ho und des serbischen Demokraten Davidowitsch nicht aufschwingen. Die ganze kurze Geschichte des südslawischen Staates ist ein Beweis für die bekannte Anschauung verschiedener Historiker, daß den meisten slawischen Volksstämmen, so auch den Polen, auf die Dauer das staatsbildende.Ferment abgeht. So erhält der kulturelle, wirtschaftliche und moralische Einfluß, den das faschistische Italien immer stärker auf die fla- wische Ostküste der Adria ausübt, eine symptomatische Bedeutung. Reife Früchte braucht man nicht immer zu pflücken, sie fallen zum gegebenen Zeitpunkt einem von selbst in den Schoß.
folgreiche Arbeit zum Segen des Vaterlandes. — Auch der deutschnationale Bund des gewerblichen Mittelstandes hat an den Reichswirtschaftsminister Dr. Hugenberg eine Glückwünschadresse gerichtet.
Reue Parteileitung der GPO.
Berlin, 19. Juni. (DDZ.) Eine gemeinsame Sitzung der erweiterten Parteileitung der Sozial- demokratischen Partei zusammen mit den Vorstän-- den der Fraktionen im Reichstag und Preußischen Landtag beschloß, die Führung der Parteigeschäfte den Mitgliedern Westphal, Stelling, Rin- ner und Künstler zu übertragen unter Hinzuziehung der Vorsitzenden der Reichstags- und Landtagsfraktionen Löbe und Szillat. Der neu gewählte Parteioorstand in Berlin hat allein d i e verantwortliche Führung der Partei. Deutsche Parteigenossen, dieinsAusland gegangen sind, können keinerlei Erklärungen für bte Partei abgeben. Für alle ihre Aeußerungen lehnt die Partei jede Verantwortung ausdrücklich ab.
Von den 4 neuen Vorstandsmitgliedern ist Westphal preußischer Landtagsabgeordneter seit dem 5. März d. I., er ist Schwerkriegsbeschädigter und bekleidet die Stelle eines Parteisekretärs in Berlin. Stelling ist Reichstagsabgeordneter und war von 1921 bis 1924 Ministerpräsident in Mecklen
burg-Schwerin. Rinner war volkswirtschaftlicher Mitarbeiter im Bureau der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, während Künstler Vorsitzender der Groß-Berliner sozialdemokratischen Organisation ist.
Oie Kasseler Landeskirche zur Bischosssrage.
WSN. Kassel. 19. Suni. Sn einer Kundgebung des Landesoberpfarrers D. Moller an die Geistlichen der Landeskirche Hessen-Kassel teilt D. Moller mit, daß er von der Kirchenregierung bevollmächtigt sei zu allen Verhandlungen, Erklärungen und Maßnahmen für die evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel, die aus der Neuordnung des deutschen Kirchenwesens sich als notwendig ergeben. Namens der Landeskirche habe er f ü r den zum Reichsbischof nominierten P a st o r von Bodelschwingh votiert als für den echten Sohn seines glaubens- und liebesmächtigen Vaters, dessen Segenswerk er mit kräftiger Hand zu gesunder Weiterentwick- lung in schwerster Zeit geführt habe. D. Möller teilt weiter mit, daß er demnächst einen Ausschuß berufen werde, der ihn beraten solle. Als Bevollmächtigter der Landeskirche müsse er fordern, daß die Amtsbrüder als mitverantwortlich ihm Gefolgschaft leisten.
Kleine politische Nachrichten.
Der Polizeipräsident von Berlin hat die Sonntagsausgabe des „Reichsboten" beschlagnahmt, weil der Leitartikel „Kreuzzug des Geistes" geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden.
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Der Vorsitzende des Deutschen und des Preußischen Städtetages sowie der Führer des Deutschen Gemeindetages haben den Präsidenten Dr. M u 1 e r t aus seinem Dienstverhältnis zum Deutschen und Preußischen Städtetag fristlos entlassen. Durch die fristlose Entlassung wird das eingeleitete Ermittlungsversahren der Staatsanwaltschaft nicht berührt.
Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Borchmeier - Recklinghausen hat in der letzten Zeit bei verschieoenenen Gelegenheiten an der Entwicklung der politischen Lage in Deutschland scharfe Kritik geübt. Unter anderem hat er bei einer Wahlrede in Danzig Redewendungen gebraucht, die den Polizeipräsidenten veranlaßt haben, Borchmeier ernstlich zu verwarnen.
Der Leiter der rumänischen Luftstreitkräfte General S i e ch i t i u ist in Begleitung von zehn Offizieren in Flugzeugen in Warschau ein- getroffen. Der Unterstaatsserretär im rumänischen Luftfahrtamt ist bereits seit mehreren Tagen in Warschau.
Ans aller Welt.
Fünf Todesopfer eines Autounglücks in Württemberg.
Auf der Chaussee bei Jreubenffabf ereignete sich ein furchtbares Autounglück, dem fünf Personen zum Opfer fielen. Die Blinden, die im Kloster Heiligenbronn untergebracht sind, machten in Begleitung von Schwestern einen Autoaus- f l u g. Aus dem Rückwege geriet das mit 41 Personen besetzte Lastauto aus der Fahrbahn und stürzte die sehr fteile Böschung hinunter. Das Auto überschlug sich und begrub die Insassen unter sich. Fünf Personen, alles Blinde, wurden sofort getötet Lin Schwerverletzter und mehrere Leichtverletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.
Der Genter-Prozeß in Lübeck.
In der Verhandlung gegen den Berliner Arzt Dr. Genter teilte Dr. med. Weigmann zunächst Aas Ergebnis der bakteriologischen Untersuchung des Genierschen Mittels in Kiel mit. Die Probe des Genterschen Präparates war b a t tert e n f r e i. Prof. Dr. Steuermann erklärte, daß die Abszeßbildung bei den Kindern mit den Injektionen Dr. Genters in Verbindung stehe. Die Abszesse seien, stets erst nach Aufgabe'der Behandlung durch Dr. Genter entstanden und ausschließlich bei den Kindern vorgekommen, bei denen Jejekiionen oorgenommen wurden, und zwar am Einstichkanal. Es sei anzunehmen, daß die Spritzen, die Dr. Genter benutzte, Jnfektionskeime enthielten, da sie nicht einwandfrei gehandhabt worden leien. Auch müsse angenommen werden, daß die Infektion durch die Einspritzungen Dr. Genters heroorgerufen worden sei. Bei den in Frage kommenden drei Kindern sei der Tod sowieso sicher gewesen, eine Beschleunigung des Todes sei aber durch Infektion eingetreten. Prof. Dr. Bessar betonte bann, wenn ein junger Arzt in seiner Klinik solche Vorsichtsmaß. nahmen unterlassen hatte, wie es bei Dr. Genter vorgekommen sei, bann wäre er von ber Klinik verwiesen worben.
3m wasser vorn Blitz getroffen.
Dieser Tage ging ein kurzes Gewitter über Königsberg nieder. Dabei schlug der Blitz in der Nähe einer Badeanstalt ins Wasser und traf den 17jährigen Schwimmer Davis aus Königsberg, der sofort getötet wurde und unterging. Später konnte die Leiche geborgen werden.
Besuch Reichsstatihatters Sprenger bei den Opel Werken.
Rüsselsheim, 19. Juni. (WSN.) Der Reichsstatthalter in Hessen Sprenger stattete heute den Opel-Werken in Rüsselsheim einen Besuch ab. Aus diesem Anlaß sand eine große eindrucksvolle Kundgebung der annähernd 10 000 Arbeiter und Ange st eilten der Adam Opel A. G. auf dem Fabrikgelände statt. Ein Mitglied des Vorstandes begrüßte den Reichsstatthalter im Namen der Belegschaft, des Vorstandes unb des Aufsichtsrats der Adam Opel A.-G. und betonte den Willen zur produktiven und gemeinförbernben Zu- fammenarbeit ber Werksleitung mit ben Werksangehörigen zum Besten des deutschen Vaterlandes. Im Anschluß daran hielt Reichsstatthalter Sprenger eine Ansprache, in ber er u. a. ausführte: Das jahrzehntelang fehlgeleitete beutsche Volk habe zum Wiederaufbau kein anbers Kapital und keine anbere Kraft mehr zur Verfügung als die Arbeit. „Arbeit und Brot", die Worte des Hoheitszeichens ber nationalen Regierung, bebeuteten nichts anberes, als umgewertete Arbeit auf dem Boden eines gesunden Wirtschaftslebens. Alle Arbeitenden haben die Pflicht, zur Gesundung unserer Wirtschaft beizutragen. Gemeinnutz gehe vor Eigennutz. Die etwa 10 000 Teilnehmer dieser Kundgebung sollen stolz und froh auf ihre Arbeitsstätte sein und auch derer gedenken, die draußen vor den Toren der Arbeit darauf warteten, in den Arbeitsprozeß eingeglie- bert zu werben. Nicht kleinliche Grenzen sollten bei dieser Eingliederung gezogen werden, sondern jeder solle sich vor Augen halten, daß seine Arbeit der Allgemeinheit zugute komme. Mit einem drei- fachen „Heil!" auf den Reichskanzler, den obersten Schutzherrn der deutschen Arbeit, unb mit kurzen Dankesworten der Werksleitung schloß die Kundgebung.
Wettervoraussage.
Die Wetterlage steht weiterhin unter dem Einfluß des tiefen Druckes. Der Vorüberzug der Wirbel über Nord- und Ostsee verursacht anhaltende Zufuhr vzea- bischer Luft, die bei wechselhafter Bewölkung zeit- weise 3’t Regenschauern, teils mit Gewitterbeglei- tung führt und keine sommerliche Wärme auftom« men läßt.
Aussichten für Mittwoch: Weiterhin wechselhaftes Wetter, bewölkt mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, noch Regenschauer, mäßig warm.
Aussichten für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung.
Lufttemperaturen. Am 19. Juni: mittags 19,6 Grad Celsius; abends 12 Grad. Am 20. Juni: morgens 12,7 Grad; Maximum 21,8 Grad, Minimum 11,5 Grad; Niederschläge 13,2 mm.


