Ausgabe 
20.6.1933 Erstes Blatt
 
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von Persönlichkeiten der anderen Par­teien hineinnehmen, die durch gegenfei ti « ges Vertrauen eine Verbindung ge° währleisren könnten. Erfreulicherweise gelang es, hinsichtlich des Zentrums eine Einigung zu erzielen. Vesondere Bedingungen wurden dabei nicht gestellt. Bei den Verhandlungen mit der Deutschnationalen Partei war es da­gegen notwendig, einige Wünsche zu äußern, um die immer noch bestehende K a m p f s i t u a - t' o n aus der Wahlzeit her zu bereinigen. Leider fanden die an sich vom Standpunkte der NSDAP. selbstverständlichen und berechtigten Wünsche bei der Deutschnationalen Partei kein Entgegenkommen. Es ist demnach nicht die Schuld der NSDAP., wenn abermals durch eine wenig elastische Führung. der Deutschnatio­nalen Partei die Verständigung mißglückte und für den Wiederaufbau wertvolle Kräfte außer­halb einer geschlossenen Front bleiben müssen.

Die Deutschnationalen haben gleichzeitig eine Darstellung der Vorgänge, die zum Scheitern der Verhandlunge führten, veröffentlicht. In dieser Darstellung wird erklärt, daß die Erfüllung der nationalsozialistischen Bedingungen mit der Würde und (Ehre einer Partei nicht vereinbar sei und auf die Auflösung der Deutschnationalen Front hinausliefen. In der deutschnationalen Er­klärung wird schließlich der NSDAP, unterstellt, daß diese überhaupt nicht den ernsten Willen gehabt habe, mit den Deutschnationalen zu einer Einigung zu kommen.

Diese Darstellung wird in ein wesentlich ande­res Licht gerückt durch die Veröffentlichung von zwei Briefen, die Dr. Rauschning in den letz­ten Tagen an den Senatspräsidenten Dr. Ziehm gerichtet hat. Sn dem ersten vom 13. Suni datier­ten Schreiben begrüßt Dr. Rauschning namens der NSDAP, die Bereitschaft der Deutschnatio­nalen, in die neue Negierung einzutreten und ihre Erfahrungen für das Wohl des Staates zur Ver­fügung zu stellen. Dr. Rauschning gibt jedoch aus­drücklich seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Deutschnationalen für die Führung der Ver­handlungen Vertreter benannt hätten, mit denen nach ihrer ganzen Einstellung die für die Herstellung einer einigen nationalen Front not­wendige offene Aussprache unmöglich sei. In seinem zweiten Schreiben, das am Sams­tag Dr. 3 i e b m zugestellt wurde, stellt Dr. Rauschning mit besonderemBedauern die inzwischen von den Deutschnationalen erfolgte Ablehnung der nationalsozialistischen Wünsche fest. Diese Wünsche, so betont Dr. Rauschning, seien nur im Hinblick auf das zu erstrebende neue tragbare Vertrauensverhältnis aus­gesprochen worden. Eine Einmischung in die inneren Parteiverhältnisse der Deutschnationalen liege derRSDAP. fern. Vertrauen aber sei an bestimmte Bedingungen und Persönlichkeiten geknüpft.

Hugenberg und sein Werk.

Zum68.GcburtstagdesReichs-Wirtschafts° und Ernährungsministers.

Berlin, 19. Juni. (TU.) Aus Anlaß des 68. Geburtstages des Reichsministers Dr. Hugen­berg smach der Pressechef der Deutschnationalen Front, Hauptmann a. D. Brosius im Rundsunk überHugenberg und sein Werk". Dabei führte er u. a. folgendes aus:

An seinem diesjährigen Geburtstage steht der Minister Hugenberg im Mittelpunkt weltpolitischen Geschehens. Das Vertrauen des Reichspräsidenten hat ihn in fein Amt berufen. Das Vertrauen des Reichskanzlers Hitler hat ihm die Aufgabe über­tragen, in London als Führer der deut- schen Wirtschaft Deutschlands Inter­essen zu vertreten. Mit dem gleichen Ver­trauen begleitet das deutsche Volk seinen Kampf gegen den Haß und die Verständnislosigkeit der anderen Mächte.

Alfred Hugenberg ist Niedersache von Geburt. Sein Lebensweg vermittelte ihm eine alles um­fassende Vorbildung zum Staatsmann und Wirt- schastsführer. Er stand bald in den Reihen derer, die gegen die Außenpolitik der Nachfolger Bis­marcks den alldeutschen Verband gründeten, deren RufDeutschland erwache" zum ersten Male in das deutsche Volk hineingetragen wurde. Als vor nun fünf Jahren das Vertrauen der Deutschnationalen ihn an die Spitze der Partei stellte, da griff er aktiv handelnd in die deutsche Politik ein. Hugen­berg führte seine Partei, nachdem er sie vom par­lamentarischen Geist und von parlamentarischen Kostgängern befreit hatte, in den Entscheidungs­kampf um Deutschlands Neugestaltung. Die Tat­sache, daß sich Hugenberg als Minister hinter die politische Führung Hitlers gestellt hat, die Tatsache, daß Hitler die wirtschaft­liche Autorität Hugenbergs aner­kennt und seiner Wirtschaftsführung vertraut,' das ist die psychologische Voraussetzung für den Pakt, der am 3 0. Januar g e - schlossen i ft.

Hitler und Hugenberg beide find entschiedene Gegner jenes Liberalismus, der den letzten Sahr- zehnten deutscher Geschichte sein Gepräge gab. Beide find Geyner des internationa­len Kapitalismus. Hugenberg vertritt im Kabinett jenes konservative Element, das nicht gleichbedeutend mit dem falschen Schlag- Wort reaktionär ist, sondern das Bewahrtes aus der Vergangenheit für die Zukunft des Volkes nutzbar machen will. Ohne diesen konservativen Einschlag ist das Dritte Reich nicht zu denken. Aus der Erfahrung eines langen Lebens hatte Hugenberg als Bedin­gung für seinen Eintritt in das Kabinett die Z u - fammenfaffung der gesamten Wirt­schaftspolitik im Deich und in Preußen in einer Hand gefordert. Sn zäher organischer Arbeit hat er feine Wirtschaftsneugestaltung mit dem Kamps für den Bauern begonnen. Die grundlegende Aenderung der Handelspo­litik machte den Weg frei für eine wirksame Vertretung der deutschen Notwendigkeiten. Das kam auch dem gewerblichenMittelstand und der Sndustrie zugute, die überdies von einengenden Fesseln und Lasten befreit wurden.

Staatssekretär v. Rohr hat an Reichsminister Dr. Hugenberg anläßlich seines 68. Geburtstages folgendes Telegramm gesandt: Die Beamten und Angestellten des Reichsernährungsmini- st e r i u m s sprechen Shnen, Herr Nkinister, ihre gefjorfamften Glückwünsche aus. Wir bringen Shnen keine Blumen, sondern werden Shnen zu Ehren heute alle eine Stunde länger arbeiten. Der stellvertretende Parteiführer Dr. v. Winterfeld sandte fol­gendes Telegramm: Die Deutschnationale Front gedenkt Shres Führers in Treue und mit heißen Wünschen für persönliches Wohlergehen und er-

Giovinezza in Dalmatien.

Bon unserem Dr. 8t.-Sonderberichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) Dubrovnik (Ragusa), Suni 1933.

Sn den letzten Wochen hat die jugoslawische Regierung ihr Gendarmeriekorps um rund 20 000 Mann vermehrt und mindestens ein Drit­tel des Zuwachses an die adriatische Küste kom­mandiert. Wohin man auch kommen mag, auf die kleinen, stillen, sonst nur dem Dadesport dienenden Snseln, in die größeren Hafenstädte oder in die idyllischen, malerischen, meist von Türken und Albanesen bewohnten Orte des mon­tenegrinischen Littorales, überall wimmelt es von jungen, meist noch recht unerfahrenen Gendar­men, die hier im Grenzdienst ausgebildet werden.

Die ganze 1700 Meter lange südslawische Adriaküste ist nämlich eine einzige Grenz­linie, die nur durch ein paar markante Stütz­punkte unterbrochen wird. Diese Stützpunkte wie Fiume, Tara und Lagosta befinden sich aber im italienischen Besitz. Lind durch diese Stützpunkte, die in der ersten Zeit nach der italienischen Besetzung in wirtschaftlicher Be­ziehung etwas zurückgingen, jetzt aber als Zen­tralen eines glänzend organisierten Schmuggels sich immer mehr erholen, be herrsch tMusso- lini bereits heute die Adria.

Es überrascht nicht wenig, wenn man «erfährt, wie sehr sich in Dalmatien die öffentliche Mei­nung während der drei letzten Sahre geändert hat. Früher bemerkte man eine geschlof­fen e. u n d entschlossene Abwehrfront aller slawischen Devölkeruergskreise gegenüber den italienischen Aspirationen. Der von der Bel­grader Regierung mit Stallen am 20. Suli 1925 abgeschlossene Nettunovertrag über den Grenzverkehr in Dalmatien hat in Kroatien wenig Anklang gesunden. Hielt Mussolini in Rom eine Rede, die sich unter anderem auch auf die nie aufgegebenen Ansprüche Staliens auf die Ostküste Der Adria bezog, dann schwol­len in Dalmatien und Kroatien die Kämme mächtig an, dann regnete es Proteste und spon­tane Demonstrationen. Die Adria muh slawisch bleiben, hieß es. Wenn aber heute kriegerische Töne aus Rom herüberklingen, dann zucken die Leute in Damatien ein wenig resigniert mit den Achseln und meinen:Mögen sie kommen! Es kann nur besser, nicht schlechter wer- d e n". Südslawiens nationaler Wehrwille ist, wenigstens an der Adria, im Erlöschen.

Daß die kroatischen Dalmatiner mit der Belgrader Diktatur unzufrieden find, braucht nicht erst betont zu werden. Sie kommen häufig mit Stalienern zusammen und hören, wie drüben im faschistischen Stalien Ordnung und Gesetz herrscht, ärgern sich grün und blau, daß sie beispielsweise für den Zucker, auf den der jugoslawische Staat ein Monopol hat, 15 Dinare für das Kilo bezahlen müssen, während er bei­spielsweise im italienischen Freihafen Lagosta nur 5 Dinere das Kilo kostet. Aehnliche Unter­bliebe bestehen beim Kaffee und beim Tabak. Aber auch die serbische Bevölkerung der Adriaküste, die Bokesen und Mon­tenegriner, fühlen sich durch die Diktatur be­drückt, die sie zuSugoflatoen stempeln will. Charakteristisch ist der Ausspruch eines serbischen Politikers, eines Vorkämpfers der südslawischen Sdee während der österreichischen Herrschaft, der mir sagte:Sn Oesterreich haben wir Serben der dalmatinischen Küste die Freiheit gehabt, neben der österreichischen Staatsflagge unsere serbische Nationalfahne zu hissen. Heute, i n un­ter e m eigenen Königreich, ist uns das verboten. Wir müssen die neugeschaffenen jugoslawischen Farben zeigen, mit denen uns nichts oerbinbet.

Noch mehr kränkt es die patriotisch gesinnten Dalmatiner, bah ihre Söhne von den jugosla­wischen Militärbehörden nicht, wie es bisher der Fall war, für b e n Seebienst ausgehoben, sondern als Rekruten in das Landheer eingestellt und irgendwohin nach Mazedo­nien kommandiert werden, wo sich die Füchse Gutenacht sagen. Sn Belgrad meint man, und wohl nicht mit Unrecht, daß es nötig sei, den serbischen Bauernsöhnen die Adria nahe- und die Liebe zum Meere beizubringen. Man schickt darum viele junge Serben, die nie­mals in ihrem Leben Salzwasser gerochen haben, ans Meer und läßt sie als Matrosen ausbilden. Das wäre nicht so schlimm. Aber man ergänzt auch den Seeoffiziersnachwuchs aus Serbien und das können die Dalmatiner, die früher in der österreich-ungarischen Kriegsmarine eine be­deutende Rolle spielten, nicht verwinden. Die Dalmatiner sind geborene Seeleute. Schon unter der Herrschaft der Republik Venedig, der Dal­matien seine herrlichsten, mittelalterlichen Bau­ten verdankt, haben sie das beste Mannschafts­material für die Kriegsflotte geliefert, sie ver­stehen sich auf das nasse Element und sind na­türlich begeisterte Wasserratten. Ohne den schwan­kenden Boden der Schiffe unter ihren Füßen fühlen sie sich heimatlos und deklassiert. Kein Wunder, wenn sie nur mit Unlust in der Land­armee dienen.

Während also in der psychologischen Behand­lung der dalmatinischen Küstenbevölkerung von der Belgrader Regierung ein Fehler nach dem anderen gemacht wird, wird von Rom aus planmäßig für die faschistische Sdee und den italienischen Staatsgedan- ken geworben. Auf Grund des Londoner Ab­kommens genießen die italienischen Minderheiten in Dalmatien nicht nur den intensiven Minori­tätenschutz der jugoslawischen Regierung, die natürlich zwecks Vermeidung von Konflikten eifrig bestrebt ist, die italienischen Optanten so sanft wie möglich zu behandeln, sondern sie er­freuen sich auch der Förderung des ita­lienischen Staates, der jährlich viele Mil­lionen für seine Volksgenossen an der aöria- tischen Ostküste verausgabt. Sn ganz Dalmatien dürfte es unter jugoslawischer Hoheit rund 7000 Reichsitaliener geben, aber diese 7000 sind na­tional geschlossen und organisiert. Besondere Sorgfalt wird auf die Erhaltung und Führung der italienischen Minderheiten­schulen gelegt. Sn jeder italienischen Schule Dalmatiens prangt das Bild des italienischen Königs neben dem des Duces, in jeder ita­lienischen Schule lernt das Kind als erstes Lied die Giovinezza. Gerät ein italienischer Optant in Rot, nimmt sich seiner das nächste italienische Konsulat in vorbildlicher Weise an, unterstützt ihn, verschafft ihm Arbeit und läßt seine Kinder in italienischen Privatschulen erziehen.

Ungeheure Aufbauarbeit wird auf diese Weise durch den Faschismus geleistet, dessen positive Leistungen von der slawischen Bevölkerung teils mit scheelem Neid, teils mit ehrlicher Bewun­derung verfolgt werden. Es zeigt sich hier, welche Kraft in einer starken, einheitlichen, nationalen Staatsführung steckt und wie mächtig sie sich auch im Ausland auswirkt. Zwar gibt es in Sugo- slawien auch eine in der öofolbetoegung zusammengefahte Sugenborganifation, aber wie schwächlich und ziellos erscheint sie im Ver­gleich zu der B a l i l l a, die auch im jugo­slawischen Dalmatien bereits kräftige Wurzeln gefaßt hat und der Heranwachsenden Sugenö Ziel und Richtung weist. Seit die katholischen Bischöfe gegen die Sokols Stellung genommen haben, gibt es in Sugoslawien keine nationale Organisation mehr, die beide christlichen Kon­fessionen des Staates, die Katholiken und Prawo- flawen (Serbisch-Orthodoxe) unter einem Hut hält. Die Adriaslawen haben keinen nationalen Rückhalt mehr. Sie tasten ins Wesenlose. Spra­chen sie früher vom Sahre 1918 als vomSahre der Befreiung", so ist dieses Wort wieder in Vergessenheit geraten. Hat man im ersten Ver­einigungstaumel nach dem Weltkrieg alles ge­ächtet, was mit denverfluchten Schwabas" in Beziehung stand und sich ganz den französischen Freunden in die Arme geworfen, so unter­streichen jetzt die Kroaten und Dalmatiner ihre europäische Tradition gegenüber dem Balkanismus der Serben und betonen ihre unter deutscher bzw. österreichischer Führung erworbene Kultur.

Ueberhaupt findet die Belgrader Anlehnung an Frankreich bei den Adriakroaten wenig Liebe. Sie weisen darauf hin, daß Italien 34 Prozent der jugoslawischen Einfuhr und 71 Prozent der jugo­slawischen Ausfuhr durch seinen Schiffspark besorgt, sie halten es daher für wichtiger, daß man in ihren Mittelschulen italienisch statt französisch lehrt, da der Handelsverkehr Jugoslawiens haupt­sächlich nach Italien geht. Man erkennt langsam, daß man die politischen Interessen nicht im Gegensatz zu den wirtschaftlichen stellen darf. .Aus der politischen Einkreisung Jugoslawiens durch Italien ist in den letzten Jahren auch eine moralische geworden, und das Bündnis mit Frankreich findet in den breiten Massen der Bevölkerung keinen Widerhall. So herrscht ein Zustand der Lethargie, die leben Widerstand gegen die italienischen Machtan­sprüche auf der Adria immer mehr erstickt und den Boden für eine neue Konstellation vorbereitet, von deren Entwicklung man sich vorläufig noch keine klaren, noch keine scharf umrissenen Vorstellungen macht. Genau wie von der nahen, südslawischen Re­volution, über die seit Jahr und Tag sowohl im Ausland als auch in Kroatien immer wieder gespro­chen wird, der aber die einigende Parole fehlt.

Die politische Hochspannung, die in den einzelnen Gebieten des südslawischen Königsreiches herrscht, erzeugt nur Wetterleuchten. Zu irgendeiner starken, bewußten Aktivität konnten sich die verschiedenen Oppositionsparteien der Herren Matschek (Kroa­tenführer), K o r o s ch e tz (Slownenführer und frühe­rer Ministerpräsident), Spa ho und des serbischen Demokraten Davidowitsch nicht aufschwingen. Die ganze kurze Geschichte des südslawischen Staates ist ein Beweis für die bekannte Anschauung verschie­dener Historiker, daß den meisten slawischen Volks­stämmen, so auch den Polen, auf die Dauer das staatsbildende.Ferment abgeht. So erhält der kul­turelle, wirtschaftliche und moralische Einfluß, den das faschistische Italien immer stärker auf die fla- wische Ostküste der Adria ausübt, eine symptoma­tische Bedeutung. Reife Früchte braucht man nicht immer zu pflücken, sie fallen zum gegebenen Zeit­punkt einem von selbst in den Schoß.

folgreiche Arbeit zum Segen des Vaterlandes. Auch der deutschnationale Bund des gewerblichen Mittelstandes hat an den Reichswirtschaftsminister Dr. Hugenberg eine Glückwünschadresse gerichtet.

Reue Parteileitung der GPO.

Berlin, 19. Juni. (DDZ.) Eine gemeinsame Sitzung der erweiterten Parteileitung der Sozial- demokratischen Partei zusammen mit den Vorstän-- den der Fraktionen im Reichstag und Preußischen Landtag beschloß, die Führung der Parteigeschäfte den Mitgliedern Westphal, Stelling, Rin- ner und Künstler zu übertragen unter Hinzu­ziehung der Vorsitzenden der Reichstags- und Land­tagsfraktionen Löbe und Szillat. Der neu ge­wählte Parteioorstand in Berlin hat allein d i e verantwortliche Führung der Partei. Deutsche Parteigenossen, dieinsAusland ge­gangen sind, können keinerlei Erklä­rungen für bte Partei abgeben. Für alle ihre Aeußerungen lehnt die Partei jede Verant­wortung ausdrücklich ab.

Von den 4 neuen Vorstandsmitgliedern ist West­phal preußischer Landtagsabgeordneter seit dem 5. März d. I., er ist Schwerkriegsbeschädigter und bekleidet die Stelle eines Parteisekretärs in Berlin. Stelling ist Reichstagsabgeordneter und war von 1921 bis 1924 Ministerpräsident in Mecklen­

burg-Schwerin. Rinner war volkswirtschaftlicher Mitarbeiter im Bureau der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, während Künstler Vorsitzen­der der Groß-Berliner sozialdemokratischen Organi­sation ist.

Oie Kasseler Landeskirche zur Bischosssrage.

WSN. Kassel. 19. Suni. Sn einer Kund­gebung des Landesoberpfarrers D. Moller an die Geistlichen der Landeskirche Hessen-Kassel teilt D. Moller mit, daß er von der Kirchenregierung bevollmäch­tigt sei zu allen Verhandlungen, Erklärungen und Maßnahmen für die evangelische Landes­kirche in Hessen-Kassel, die aus der Neuordnung des deutschen Kirchenwesens sich als notwendig ergeben. Namens der Landeskirche habe er f ü r den zum Reichsbischof nominierten P a st o r von Bodelschwingh votiert als für den echten Sohn seines glaubens- und liebesmächtigen Vaters, dessen Segenswerk er mit kräftiger Hand zu gesunder Weiterentwick- lung in schwerster Zeit geführt habe. D. Möller teilt weiter mit, daß er demnächst einen Aus­schuß berufen werde, der ihn beraten solle. Als Bevollmächtigter der Landeskirche müsse er fordern, daß die Amtsbrüder als mitverant­wortlich ihm Gefolgschaft leisten.

Kleine politische Nachrichten.

Der Polizeipräsident von Berlin hat die Sonn­tagsausgabe desReichsboten" beschlag­nahmt, weil der LeitartikelKreuzzug des Gei­stes" geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden.

Der Vorsitzende des Deutschen und des Preu­ßischen Städtetages sowie der Führer des Deut­schen Gemeindetages haben den Präsidenten Dr. M u 1 e r t aus seinem Dienstverhältnis zum Deut­schen und Preußischen Städtetag fristlos ent­lassen. Durch die fristlose Entlassung wird das eingeleitete Ermittlungsversahren der Staatsan­waltschaft nicht berührt.

Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Borchmeier - Recklinghausen hat in der letzten Zeit bei verschieoenenen Gelegenhei­ten an der Entwicklung der politischen Lage in Deutschland scharfe Kritik geübt. Unter anderem hat er bei einer Wahlrede in Danzig Redewendungen gebraucht, die den Polizeipräsi­denten veranlaßt haben, Borchmeier ernstlich zu verwarnen.

Der Leiter der rumänischen Luftstreitkräfte General S i e ch i t i u ist in Begleitung von zehn Offizieren in Flugzeugen in Warschau ein- getroffen. Der Unterstaatsserretär im rumänischen Luftfahrtamt ist bereits seit mehreren Tagen in Warschau.

Ans aller Welt.

Fünf Todesopfer eines Autounglücks in Württemberg.

Auf der Chaussee bei Jreubenffabf ereignete sich ein furchtbares Autounglück, dem fünf Per­sonen zum Opfer fielen. Die Blinden, die im Kloster Heiligenbronn untergebracht sind, machten in Begleitung von Schwestern einen Autoaus- f l u g. Aus dem Rückwege geriet das mit 41 Per­sonen besetzte Lastauto aus der Fahrbahn und stürzte die sehr fteile Böschung hinunter. Das Auto überschlug sich und begrub die Insassen unter sich. Fünf Personen, alles Blinde, wurden sofort getötet Lin Schwer­verletzter und mehrere Leichtverletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.

Der Genter-Prozeß in Lübeck.

In der Verhandlung gegen den Berliner Arzt Dr. Genter teilte Dr. med. Weigmann zunächst Aas Ergebnis der bakteriologischen Unter­suchung des Genierschen Mittels in Kiel mit. Die Probe des Genterschen Präparates war b a t te­rt e n f r e i. Prof. Dr. Steuermann erklärte, daß die Abszeßbildung bei den Kindern mit den In­jektionen Dr. Genters in Verbindung stehe. Die Abszesse seien, stets erst nach Aufgabe'der Behand­lung durch Dr. Genter entstanden und ausschließlich bei den Kindern vorgekommen, bei denen Jejekiionen oorgenommen wurden, und zwar am Einstichkanal. Es sei anzunehmen, daß die Spritzen, die Dr. Genter benutzte, Jnfektionskeime enthielten, da sie nicht einwandfrei gehandhabt worden leien. Auch müsse angenommen werden, daß die Infektion durch die Einspritzungen Dr. Genters heroorgerufen wor­den sei. Bei den in Frage kommenden drei Kin­dern sei der Tod sowieso sicher gewesen, eine Be­schleunigung des Todes sei aber durch Infektion ein­getreten. Prof. Dr. Bessar betonte bann, wenn ein junger Arzt in seiner Klinik solche Vorsichtsmaß. nahmen unterlassen hatte, wie es bei Dr. Genter vorgekommen sei, bann wäre er von ber Klinik ver­wiesen worben.

3m wasser vorn Blitz getroffen.

Dieser Tage ging ein kurzes Gewitter über Königsberg nieder. Dabei schlug der Blitz in der Nähe einer Badeanstalt ins Wasser und traf den 17jährigen Schwimmer Davis aus Königsberg, der sofort getötet wurde und unterging. Später konnte die Leiche geborgen werden.

Besuch Reichsstatihatters Sprenger bei den Opel Werken.

Rüsselsheim, 19. Juni. (WSN.) Der Reichs­statthalter in Hessen Sprenger stattete heute den Opel-Werken in Rüsselsheim einen Besuch ab. Aus diesem Anlaß sand eine große eindrucksvolle Kundgebung der annähernd 10 000 Ar­beiter und Ange st eilten der Adam Opel A. G. auf dem Fabrikgelände statt. Ein Mitglied des Vorstandes begrüßte den Reichsstatthalter im Namen der Belegschaft, des Vorstandes unb des Aufsichtsrats der Adam Opel A.-G. und betonte den Willen zur produktiven und gemeinförbernben Zu- fammenarbeit ber Werksleitung mit ben Werksan­gehörigen zum Besten des deutschen Vaterlandes. Im Anschluß daran hielt Reichsstatthalter Spren­ger eine Ansprache, in ber er u. a. ausführte: Das jahrzehntelang fehlgeleitete beutsche Volk habe zum Wiederaufbau kein anbers Kapital und keine anbere Kraft mehr zur Verfügung als die Arbeit.Arbeit und Brot", die Worte des Hoheitszeichens ber na­tionalen Regierung, bebeuteten nichts anberes, als umgewertete Arbeit auf dem Boden eines gesunden Wirtschaftslebens. Alle Arbeitenden haben die Pflicht, zur Gesundung unserer Wirtschaft beizu­tragen. Gemeinnutz gehe vor Eigennutz. Die etwa 10 000 Teilnehmer dieser Kundgebung sollen stolz und froh auf ihre Arbeitsstätte sein und auch derer gedenken, die draußen vor den Toren der Arbeit darauf warteten, in den Arbeitsprozeß eingeglie- bert zu werben. Nicht kleinliche Grenzen sollten bei dieser Eingliederung gezogen werden, sondern jeder solle sich vor Augen halten, daß seine Arbeit der Allgemeinheit zugute komme. Mit einem drei- fachenHeil!" auf den Reichskanzler, den obersten Schutzherrn der deutschen Arbeit, unb mit kurzen Dankesworten der Werksleitung schloß die Kund­gebung.

Wettervoraussage.

Die Wetterlage steht weiterhin unter dem Einfluß des tiefen Druckes. Der Vorüberzug der Wirbel über Nord- und Ostsee verursacht anhaltende Zufuhr vzea- bischer Luft, die bei wechselhafter Bewölkung zeit- weise 3t Regenschauern, teils mit Gewitterbeglei- tung führt und keine sommerliche Wärme auftom« men läßt.

Aussichten für Mittwoch: Weiterhin wechselhaftes Wetter, bewölkt mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, noch Regenschauer, mäßig warm.

Aussichten für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung.

Lufttemperaturen. Am 19. Juni: mittags 19,6 Grad Celsius; abends 12 Grad. Am 20. Juni: mor­gens 12,7 Grad; Maximum 21,8 Grad, Minimum 11,5 Grad; Niederschläge 13,2 mm.