Ausgabe 
20.6.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 141 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Dienstag, 20. Juni 1955

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dt. Fnedr. Wilh. Lange, verantwortlich fürPolitili Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlumschein und für den An» zeigenteil i. D.TH.Nümmel sämtlich m (Sieben.

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Randnoten.

Der überraschende Besuch deS ungarischen Ministerpräsidenten ® ö m b ö 6 in Berlin hat in dem stets neugierigen Auslande eine ganze Fülle von Kombinationen ausgelöst, die sogar bis zur Wiederaufrollung der ungarischen Königsfrage aehen. Eigentlich ist es ziemlich sinnlos, sich den Kopf au zerbrechen über eine Angelegenheit, die en sich nicht schwierig liegt. Es war kein offi­zieller Staatsbesuch. Aber selbstverständlich sind bei den Unterhaltungen der beiden Tage alle politischen Fragen, soweit sie die Beziehungen der beiden Länder berühren, durchgesprochen worden. Dir erfahren vor allem, daß es gelungen ist, wirtschaftliche Verstimmungen zu beseitigen und dadurch die Bahn für ein politisches Zusammenarbeiten zu öffnen. Tat­sächlich gehen ja auch die Interessen Ungarns und Deutschlands sehr weit parallel, die Linie Ber­linBudapest öffnet uns das Tor in dem ganzen südöstlichen Raum, der für uns schon aus han­delspolitischen Gründen von ausschlaggebender Bedeutung ist.

Kein Wunder, daß deshalb Leute, die den Balkan arm für sich pachten möchten, nervös geworden sind. Wir denken dabei vor allem an den tüchtigen Herrn Bene sch, der Prag so gern zum Mittelpunkt des ganzen Ostens machen will. Er sicht setzt, seit Doll« suß seine Extratour tanzt, neue Möglichkeiten und ist deshalb auch schnell mit entsprechenden Vorschlä- | fl«n J>ei der Hand: in einem fein stilisierten Artikel bot "r zwischen den Zeilen der österreichischen Re­gierung nicht mehr und nicht weniger als ö e n Ein­tritt in bie Kleine Entente angeboten. Ein geschickter Schachzug, der darauf berechnet ist, die österreichische Verärgerung auszunutzen, um für immer einen Keil zwischen Deutschland und Oester­reich zu treiben. Ader die Methode ist doch zu plump, al '' sie Erfolg haben könnte. Schließlich ist cs oi der Regierung Dollfuß klar, daß sie in der C. atc höchstens dasfünftcRadam Wagen sein würde, weil sich ihre Aufgabe darin erschöpfen müßte, die Kastanien für die anderen aus dem Feuer zg holen und sie sehr leicht in die deutsch- ungarische Zange tömmen könnte. Gerade ein enge­re? Aneinanderrücken zwischen Ungarn und Deutsch­land legt cs den Oesterreichern nahe, sich dieser Ar­beitsgemeinschaft anzuschließen und dadurch die Grundlage für eine wirklich erfolgreiche Friedens- Politik auf dem Balkan zu legen; vielleicht zum Berger von Benesch, weil dann Prag stark an die Peripherie jedes Einflusses gerückt wäre.

Der Auszug der deutschen Delegation auf der Genfer Arbeitskonferenz ist ein Protest Bf flen den Mißbrauch, den die Vertreter der Amster­damer Internationale mit der internationalen Ar- bfitsorganifation treiben, in dem sie diese Organi- fation als Tribüne für ihre Propa - Sanda und als Tummelplatz ihrer Klassenkamps, bfftrebungen benutzen. Das Internationale Arbeits- °int in Genf ist nach dem Kriege geschaffen worden, um entsprechend der erhöhten Bewertung der So- jialpolitik daraus hinzuarbeiten, daß in allen ßän- bftn ein Mindestmaß an Schutz der menschlichen Arbeitskraft geschaffen und fortschreitend ausgebaut wird. Deutschland, dessen soziale Einrichtungen seit ^hrzehnten einen Stand erreicht hatten, der für andere Industrieländer vorbildlich war, konnte von dcin Internationalen Arbeitsamt keine besonderen Anregungen mehr erwarten, wohl aber der übrigen ;.fi«lt seine großen Erfahrungen zur Verfügung gellen. Die politischen Verhältnisse beim Kriegsende achten es mit sich, daß die sozialistische A m st e r - d«mer T e w e r f fd) a f t s i n t e r n a t i o n a 1 e doh Anfang an im Genfer Arbeitsamt die unein- kkschränkte Vorherrschaft besaß, die sie in rücksichts­los «r Weise zur Ausschaltung aller ande - ren Richtungen, zunächst der Christlichen und sföter auch der faschistischen Arbeiteroertreter bc- nagte. Insbesondere im Verwaltungsrat ics Internationalen Arbeitsamtes nahmen die Am- bcrdamer sämtliche sechs Arbeitnehmersitze ein. Seit hr Beteiligung des faschistischen Italien ergaben Ich jedes Jahr auf der Internationalen Arbeits- lonferenz dadurch Zwischenfälle, daß die Amster- icrier das Mandat der italienischen Vertreter be­tritt cn und diese auch sonst politisch provozierten. Crft nach zähem Kampfe konnte die italienische Re- perung eine Aenderung der Geschäfts- trbnung der Konferenz durchsetzen, die diese fortgesetzte Wiederholung des gleichen klasfenkämpfc- trdien Propagandastückes unmöglich machte. Eben- I) hat Italien gewisse Sicherungen für die Berück- schtigung der nichtmarxistischen Arbeitervertreter trrtid)t.

Cs war oorauszusehen, daß gegen das na* iunalsozialistische Deutschland d ie laiche Methode der Anschuldigungen einsetzen würde. ;chon vor der Umbildung des deutschen Gewerk* lastswesens versuchte der französische Gewerkschafts- ihrer Iouhaux im April dieses Jahres im Ver- Ddltungsrat eine tendenziöse Erörterung der Vor- Pnge in Deutschland herbeizuführen. Man wollte luter keinen Umständen wahr haben, daß hinter der Jipierung Hitler Millionen deutscher Arbeitnehmer sehen, man wollte infolgedessen die Vertreter der ; rrbeitnehmcrgruppe nicht als die Abgesandten des d u ischen werktätigen Volkes anerkennen. Dom ersten rage an stießen unsere Vertreter immer wieder auf hien haßerfüllten Widerstand, der sie zwang, in ossntlicher Sitzung mit den Vertretern der Inter- »rionale Abrechnung zu halten und die Interessen deutschen Hand- und Kopfarbeiter gebührend »chrzunehmen. Bis in interne Besprechungen der «utichcn Abordnung hinein gelangten Spitzel, was k'hier aufschnappten, gaben sie entstellt in der aus- Indischen Hetzpresse wieder. Von hier aus holten sich »inn die Vertreter der ausländischen Gewerkschaften

Oie Arbeit der Londoner Wirtschafts-Konferenz.

Oer deutsche Delegierte poffeüber die Lage der Ausfuhr. Professor Gaffel über Hebung des Preisniveaus.

London, 19. Juni. (TU.) In der Sitzung des Wirtschaftsausschusses erklärte der russische Außen­minister Litwinow: Er hoffe, daß die russische Entschließung für die Ausschaltung aller aggressiven und diskriminierenden Handclsmaßnahmen bald zur Erörterung komme und unterstütze ferner die von der amerikanischen und anderen Delegationen vorge­schlagene Ausdehnung des Zollwaffenftillstandes. Der Ausschußvorsitzende C o 1 i j n sagte, daß einer Besprechung der russischen Entschließung nichts im Wege stehe, beuetete jedoch an, daß dies angesichts der Besonderheit der russischen Vorschläge erst später der Fall sein werde, Ministerialrat Posse wies auf die besondere Lage Deutschlands im Ausfuhrhandel hin. Die deutsche Ausfuhr fei in letzter Zeit in ganz außerordentlichem Maße zurückgegangen. Es habe daher den Anschein, als ob die Erkenntnis, daß der Schuldner seine Schulden nur in Waren bczahlen kann, immer noch in der Theorie stecke und noch nicht in die Praxis umge- fetzt fei Die eigentliche Ursache für die Hemmnisse» des Warenaustausches sei die allgemeine 3 er* rüttung der Produktion. Die deutsche Dele­gation begrüße daher den französischen Vorschlag einer Organisierung der Produktion, der Regie- rungsmaßnahmcn für den Warenaustausch folgen sollen. Man dürfe nicht vergessen, daß der Bauer das stabilste Element in Deutschland sei und daß seine Erhaltung daher ein Le­be n s i n t e r e s s e für Deutschland bedeute. Eine befriedigende Lösung der finanziellen Fragen sei un­bedingt notwendig, ehe eine befriedigende Regelung der Handclssragen erzielt werden könne. Das Pro- blem der Handelsbeschränkungen müsse im allgemei­nen Rahmen der Zollfragen geschehen. Es werde kaum möglich sein, daß die Lasten, die den Staaten durch die Aushebung der Restriktionen erwachsen, nachträglich wieder durch Zollmaßnahmen ausge­glichen werden- In diesem Sinne sei Deutschland be­reit, bei der Behandlung der Zollfragen mitjuarbei- ton. Es wurde dann ein Unterausschuß für die Er­örterung der einzelnen Vorschläge eingesetzt. Zum Präsidenten dieses Unterausschusses, der das ganze Gebiet der Zollfragen und Handelsbeschränkungen behandelt, wurde auf Vorschlag von Eolijn Bürger­meister Krogmann einstimmig gewählt. Als näch­ster Punkt der Tagesordnung wurde dann die Frage der Märkte diskutiert. Der britische Delegierte erklärte, daß die Agrarpreise den Grund für alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten bildeten. Zwi­schen den Produzenten der verschiedenen Länder seien Vereinbarungen zu schließen, denen möglichst viele Staaten beitreten müßten. Wenn ein Kartell arbeitsfähig sein solle, so müsse es sich eben immer um ein Produzentenkartell handeln. 3m Unterausschuß, der sich mit sofortigen Maß- nahmen des finanziellen Wiederaufbaues befaßt, fragte der Vorsitzende, der italienische Minister Jung, den schwedischen Delegierten Prof. Gaf­fel, ob er einen praktischen Vorschlag über die Hebung des Preisniveaus machen könne. Cassel erwiderte, es müsse eine Erhöhung der Welt- preise eintreten, die dem Erzeuger eine genügende Spannung lasse und das Gleichgewicht zwischen Produktionskosten und Prei- s e n wieder herstelle. Wenn der Unterausschuß eine solche Empfehlung einbringe, dann sei man einen großen Schritt vorwärts gekommen. Der Ver­treter Rumäniens Radgearu erklärte, wenn nicht in jedem Lande das Preisniveau von 1929 wieder hergestellt werde, so feien alle Bemühungen finanzieller ober wirtschaftlicher Art zwecklos.

Chamberlain kündigte eine Entschließung an, die sich sowohl mit der Frage des Preisniveaus als auch mit der Kreditpolitik befassen werde.

Oer amerckamsche Währungs­vorschlag.

Noch immer Aufsicht auf eine baldige Einigung.

London, 19. Juni. (TU.) Der amerikanische Senator Pittman hat im zweiten Unterausschuß des Währungsausschujses der Weltwirtschaftskonse- rcnz eine Entschließung eingebracht, die beträcht­liches Aufsehen erregt. In der Entjchießung wird die Uebernahme folgender Derpflich- tun gen durch die an der Konferenz beteiligten Staaten vorgeschlagen:

1. Rasche Herstellung der Währungsstabl- l i t ä t.

2. Wiederherstellung des Goldes als Wäh­rungsstandard.

3. Der Gebrauch des Goldes soll auf die Um- laufdeckuna und die Regelung des internatio­nalen Zahlungsausgleiches beschränkt werden.

4. Standardisierung der gesetzlichen Gold­deckung, die geringer als die gegenwärtige Durch- schnittsdeckung fein foll.

5. Einladung an die Zentralbanken, sich sofort zur Erörterung der Frage der metallischen Re- serve zu versammeln. Hierfür wird die Zahl von 25 v. H. vvrgeschlagen.

6. Angesichts der Wichtigkeit des Silbers und der Notwendigkeit, das Vertrauen in dieses Metall im Fernen Osten wiederherzustellen, wird oor- geschlagen, daß

a) die hauptsächlichsten silbcrerzeuaenden Länder vereinbaren, den Verkauf des Silbers zu b e g r e uze n;

b) die Staaten sich verpflichten, eine Entrocr» t u ng des Silbers zu verhindern, und

c) die Staaten dazu schreiten, Silber wieder für Währungszwecke zu verwenden;

d) den Zentralbanken wird empfohlen, daß sie 80 v. H. ihrer Währungsdcckung in Gold halten und die übrigen 20 v.H. nach Wahl in Gold oder Silber, das zu einem niedrigeren Preise als der allgemeine Preisstand dieses Metalls getauft werden soll.

In zuständigen Kreisen ist man der Ansicht, daß man keineswegs von einem Zusammen­bruch der Verhandlungen über b i e Stabilisierung ber Währungen sprechen könne. Die Abreise bes Gouverneurs ber Ncuyorkcr Fcberal Reserve Bank werbe keinen Einfluß auf bie weiteren Verhanblungen ausüben, da ja noch andere Delegierte der Federal Board und bes amerikanischen Schatzamtes in Conbon geblie­ben seien und an ben Verhanblungen teilnehmen könnten, sobald ein Termin dafür festgesetzt worden sei. Don mehreren Seiten ist wiederholt die Hoff­nung ausgesprochen worden, daß man wohl doch noch vor Ende dieser Woche zu einem Ergebnis gelangen werde, wenn man auch wahrscheinlich nicht zu einer feften Rela­tion der Währungen kommen werde, Io werde vielleicht doch ein Uebereintommen getroffen, daß die Zentralnotenbanken Frankreichs, Englands und Amerikas im gegenseitigen Einver­nehmen vorgingen. Dieses Ergebnis würde be­reits genügen, damit die Konferenz zu den anderen Fragen, die eine gewisse Stabilität der Währungen zur Voraussetzung haben, übergehen könnte.

Oie neue Oanziger Regierung.

NSDAP, und Zentrum arbeiten zusammen. - Oie Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Oeutschnationalen gescheitert.

Danzig, 19.3uni. (WTB.) Laut Mittei­lung der Gaupressestelle der Danziger RSDAP. wird sich die neue Regierung wie folgt zusammensehen:

Präsident und Chef der auswärtigen Politik: Dr. R a u s ch n i n g (RSDAP.).

vorläufiger Vizepräsident und Innensenator: Greiser (RSDAP.),

Kultussenator: Bocck (RSDAP.),

Senator für die Betrieoe: Dipl.-3ng. Huth (RSDAP.),

Finanzsenator: Dr. Hoppenrath (NSDAP.),

Senator für Bauwesen: Professor Hopfner (RSDAP.),

Senator für Volksgesundheit: Medizinalrat Dr. Kluck (RSDAP.),

Iustizsenator: Dr. Wierzinski-Keiser (Zentrum),

Senatoren zur besonderen Verwendung: von W n u ck (RSDAP.) und Prälat S a w a tz k i (Zentrum).

Der zwölfte Senator, so heißt eS in der parteiamtlichen Mitteilung, wird durch einen deutsch nationalen Vertreter gestellt wer­den, der sich aber inzwischen infolge des unver-

ständlichen Verhaltens seiner Partei gezwungen gesehen hat, seinen Bund zur DRVP. zu lösen.

Wie wir dazu erfahren, handelt es sich hier­bei um den Abgeordneten Bertling, der seinen Tlebertritt tzur RSDAP. vollzogen hat.

Das neue Präsidium des Danziger V o l k s t a g c s wird sich aus folgenden Per­sönlichkeiten zusammensetzen:

Präsident: von Wnuck (RSDAP.), erster Vizepräsident: Potrykus (Zentrum), zweiter Vizepräsident: B atz er (RSDAP.). Sie Verhandlungen zwischen

ASDAp.undDeutschnalionalen.

Danzig, 19. Juni. (CRB.) Zu dem Schei­tern der Verhandlungen zwischen der RSDAP. und den Deutschnationalen in Danzig veröffentlicht die RSDAP. eine Er­klärung, in der u. a. gesagt wird: Die RSDAP. beabsichtigte nicht, eine ausgesprochene Koali­tion einzugehen, sondern wollte nur in dem nationalsozialistisch geführten Senat eine Anzahl

ihr Kampfmaterial geaen bie deutsche Delegation.

Es ist ein Zeichen des hohen Verantwortungs- bcwußtseins ber beutschen Delegierten, daß sie nicht schon auf die ersten Anpöbelungen hin die soziali- stiiche Internationale unter sich ließen, sie haben sich vielmehr immer wieder bemüht, eine einiger­maßen erträgliche Zusammenarbeit herbeizuführen, um bie Probleme losen zu können, bie hier im Interesse ber gesamten europäischen Arbeitnehmer­schaft zur Debatte gestellt würben. Aber bie Amster- bamer gingen so weit, bie Abhaltung von privaten Beratungen anzuberaumen, deren Ergebnisse dann nachträglich von der Konferenz offiziell zur Kenntnis genommen werden sollten, nur um zu verhindern, baß bie deutsche Arbeitnehmerschaft in den Aus­schüssen vertreten wurde. Wie bedauern es, daß die Gegenseite uns gezwungen hat, die Konferenz zu verlaßen, deren Arbeitsergebnisse von nun ab gle.ch Null sein werden. Es war aber notwendig, diesen Schritt zu tun, den uns unsere nationale Ehre gebot

OerBombenanschlaginKrems

Wien, 20. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Der Haupttäter in dem Kremser Attentat ist noch in der Rächt in der Person des 21jährigen Hand­lungsgehilfen Herbert Mosel festgenom­men worden. Er hatte die beiden zusammenge- buntenen Handgranaten von seinem Bruder Hans, ter ter Garnison Krems als Wehrmann angehört erhalten. Die dritte Handgranate war von einem 17jährigen Burschen geworfen wor­den, ter aber noch flüchtig ist. Hans Mosel war Zeuge des Anschlags und gab den beiten Tätern Anweisungen zum Werfen ter Handgranaten. Eine Verlautbarung des Sicherheitsdirektors für

Riederösterreich zu dem Vorfall in Krems be­sagt, daß der in Haft genommene Haupttäter Her­bert Mosel, ter SA.-Scharführer des nationalso­zialistischen Pioniersturms 7/49 sei, ein G e st ä n d- nis abgelegt habe. Mosel, ter selbst durch Spreng stücke leichte Verletzungen erlitten hat, soll weiter zugegeben haben, daß an dem Attentat ein zweiter SA.-Mann des Pioniersturms, Adolf Weichselbaum, teilgenommen hat. Rach Weichselbaum wird gesahndet. Roch in der Rächt wurde die gesamte Bezirksparteileitung ter RSDAP. in ihren Wohnungen verhaftet und heute früh in Mililärkraftwagen nach Wien gebracht in das Landgericht. Unter den Ver­hafteten befindet sich ein aktiver Oberleutnant ter Garnison Krems, Brandner, und der Chef­redakteur der .Landzeitung", Dr. Faber. Ins- gesamt wurden 18 führende Personen der RSDAP. in Krems verhaftet.

Giahlhelmverboi im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Düsseldorf, 20. Juni. (TU.) Die Regie­rungspressestelle teilt mit: Der Regierungsprä­sident in Düsseldorf hat am Montag im ge­samten Bereich des Regierungsbe­zirks den Stahlhelm in seiner bis­herigen Organisationsform bis aus weiteres verboten. Unmittelbare Veran­lassung zu diesem Verbot gab die ernste Ge­fährdung der öffentlichen Sicher­heit und Ordnung, wie sie durch d i e wahllose Ausnahme neuer, vielfach politisch unzuverlässiger und staats­feindlicher Mitglieder in den Stahl­

helm seit dem 30. 3anuar d. 3. und durch ein gesetzwidriges Verhalten von Stahlhelmsormationen, namentlich in ter letzten Zeit immer bedrohlicher hervorgetreten war. Die 'Vermeidung schwerwiegender Konflikte und die Wahrung der öffentlichen Ruhe ist aber t vor allem in einem Bezirk notwendig, der wich­tigste Teile ter deutschen Wirtschaft umfaßt und als Grenzbszirk sich in einer besonders exponierten Lage befindet. DaS Verbot richtet sich in kei­ner Weise gegen die 3 b e a l e und al» ten Best ä n d e des Stahlhelms, sondern bezweckt lediglich den Stahlhelm von den Miß­bräuchen der letzten Monate zu säubern und i n neuer Jorm der Mitarbeit an den Ausgaben des nationalen Staates wieder nutzbar zu machen.

Oer Essener Gauleiter der NSOAp. zum Stahlhelmverbot in Düsseldorf.

Essen, 20. 3unt (WTB. Funkspruch.) Der Gauleiter des Gaues Essen ter RSDAP., Ter* boven, hat einen Aufruf an die SA., SS. und den Stahlhelm erlassen, in dem et eine Begründung zu dem Verbot des Stahl­helms im Regierungsbezirk Düsseldorf gibt Er fordert die Stahlhelmer, die schon vor Beginn der nationalsozialistischen Revolution im Kamps gegen das alte System gestanden haben, auf, sich unter der Führung Adolf Hit­lers erneut zu formieren, um gemeinsam die m der Zukunft noch nötigen Schlachten zu schlagen. Die Formierung soll in dem alten Ehrenkleid und unter ben alten Fahnen des S ta hlhelm S vor sich gehen. Der Gauleiter berief den Gau-Stohlhelmftihrer Major R i e d e r h o f s zum Führer des neuen Stahlhelms.