Ausgabe 
20.3.1933 Erstes Blatt
 
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Stunden an einzelne Zeitungen und Presse­vertreter vermietet.

Schon jetzt haben zahlreiche fliegende Händler mit Würstchen und Süßigkeiten für Potsdam angemeldet. 3n den Buchhandlungen sieht man überall Bücher über den Reichskanzler, ferner Bilder von Hindenburg. Hitler und an­deren Mitgliedern des Kabinetts. Schtoarztoeih- rote Fahnen und Hakenkreuzfahnen sind in Pots­dam nicht mehr zu bekommen. Mit der Vor­bereitung der Hörberichte des Rundfunks und der Herstellung der vielen für die Hebet- tragung aus Potsdam und Berlin erforderlichen technischen Anlagen sind seit Tagen zahlreiche Kräfte beschäftigt. 21 verschiedene Mikro­phone mit teils wechselnden Standorten wer­den die fortlaufende Berichterstattung ermög­lichen.

Neuordnung

der Krankenversicherung.

Berlin, 18. März. (WTB.) DerReichs­anzeiger" veröffentlicht heute die vom Reichska­binett beschlossene erste Verordnung zur R e u - ordnung der Krankenversicherung. Die Verordnung befaßt sich mit der Aufsicht über die Krankenkassen, ihre Verbände und Vereini­gungen und führt eine Stellensperre bei Krankenkassen ein.

Die Oberversicherungsämter werden ermächtigt, den Dersicherungsämtern Weisungen für die Auf­sichtsführung zu erteilen. Der Reichsarbeitsmi­nister kann selbst in die Aufsicht eingreifen, in­dem er im Einzelfall Fachbeamte alsKom- m i s s a r e bestellt und sie nötigenfalls ermächtigt, die Aufgaben derOr^anezuüberneh- m e n. Die von den großen Kassenvereinigungen eingerichteten Prüfun^sstellen werden der Auf­sicht der Oberversicherungsämter unterstellt. Die Verordnung ermächtigt ferner den Reichsarbeits- minister, die Aufsicht über die Spit­zenverbände und ihre Eigenbe­triebe selbst zu übernehmen. Mit einer ent­sprechenden Anordnung ist in den nächsten Tagen zu rechnen.

Dis auf weiteres dürfen die leitenden und son­stigen gehobenen Stellen bei den Krankenkassen und ihren Verbänden nicht neu besetzt, oder ihre Inhaber hinsichtlich der Besoldung oder der Dauer der Anstellung günstiger gestellt werden.

Eine ähnliche Regelung ist für die Stellenbeset­zung in der Reichsknappschaft getroffen.

Kleine politische Nachrichten.

Eine Verfügung des hessischen Staatskommis­sars für das Polizeiwesen Dr. Best ordnet an, daß das Verbot der sozialdemokra­tischen Presse in Hessen bis zum 2 6. März verlängert wird.

Wie verlautet, wird in den nächsten Tagen auch in Hessen durch eine Verordnung die Einsetzung von kommissarischenBür- germeistern verfügt werden, die die Ober­bürgermeister, Bürgermeister oder Beigeordneten, die der KPD. oder der SPD. angehören oder sich im Sinne dieser Parteien betätigt haben, e r - setzen sollen. Die Ersetzung kann auch erfolgen, wenn das Verbleiben der jetzigen Stelleninhaber eine Störung der öffentlichen Ordnung befürch­ten läßt.

Wie derMontag Morgen" meldet, wird sich die Eiserne Front, die aus dem Reichs­banner, den Hammerschaften der Gewerkschaften und den Arbeitersportorganisationen besteht, selbst a u f l ö s e n. Besonderen Wert auf die Selbstauslösung legen die Gewerkschaftskreise, die der Auffassung seien, daß für die Eiserne Front zur Zeit keine Aufgaben mehr vorlägen.

Wie sie ihn bezwang

Originalroman von 3 Schnewer-Zoerstl.

Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S. 21 Fortsetzung Nachdruck verboten >

Warum bist du so still?" frug er legte die Zigarre beiseite und kam zu ihr in den Erker herüber. Auf die Seitenlehnen ihres Stuhles gekauert, strich er ihr das Haar zurück.Ich wollte Dir nicht wehe tun. Aber ich ertrüge keine zweite Enttäuschung. Zu Hause die Frau, an deren Treue ich glaubte. Und wenn nun auch du jetzt, während ich bei dir bin, an einen andern denkst! Das wäre zu viel!"

Die Augen von zurückgedämmten Tränen ver­schleiert, sah sie zu ihm auf. Er küßte sie rasch auf die Lider:Wir wollen uns den Abend nickst ver­derben, Kind. Soll ich dir ein bißchen von mir erzählen? Du weißt ja sonst gar nicht, mit wem du es zu tun hast", und als sie nickte, entdeckte sie eine neue Eigenschaft an chrem Manne, nämlich die, daß er ein glänzender Gesellschafter sein konnte. Sie hatte ihn nur als Schweiger in Erinnerung.

Er sprach ihr von seiner Tätigkeit in Konstanz, seinen Plänen, ließ sie Einblick in seine Erfolge und Mißerfolge tun. Er erklärte ihr seine neuesten Er­findungen und die Widerstände die er noch zu besiegen hatte. Wie ein guter Kamerad legte er jein Leben vor sie hin. Sie saß mit geweiteten Augen und horchte auf jedes Wort und verlor keines von allem, was er sagte.

Ein brennendes Verlangen ergriff sie, die Arme um ihn zu werfen und ganz in sie hinein zu betten.

Aber da stand wieder das andere. Ungeklärte, und siegelte ihr die Lippen zu. Er würde, wenn sie sich ihm jetzt zu erkennen gab, wohl ausspringen und sie von sich stoßen. Und sie wollte und wollte die Süßigkeit dieser Tage bis zur letzten Neige kosten, sie hatte so lange nach seiner Liebe gehungert.

Die Schulter gegen seinen Arm gelegt, unterbrach sie ihn mit keinem Worte. Als er geendet hatte, nahm er ihre Linke hoch un-d legte sein Gesicht darein. Nun weißt du alles, Kind! Es ist eigentlich nur ein Leben der Arbeit, geteilt, zwischen Erfolg und Ent­täuschung, das ich führe. Um so mehr aber will ich dankbar sein für jede Stunde Der Liebe, die du mir schenkst. Wollen wir jetzt zur Ruhe gehen?"

In dem kleinen Schlafzimmer standen die Fenster geöffnet. Man vernahm den Wellenschlag des Meeres, der in ewig gleichem und doch immer neuem Rhythmus gegen die Küste schlug.

Ein Trupp sorgloser Jugend zog mit Gitarren und Mandolinen vorbei und sang einer Herzliebsten ein Schlummerlied. Die vom Wind bewegten Gar­dinen zauberten ein allerliebstes Schattenspiel auf Den Boden. Es tanzte in Ringeln, wand sich in Kreisen, flatterte nach den Ecken zu und stand dann für Sekunden reglos.

| Im Nürnberger Rathaus wurden in einer abgelegenen verschlossenen Bodenkammer 112 Selbstladepistolen, 20 Trommelrevolver, Tot­schläger. Gummiknüppel und 10 000 Schuh Mu­nition gefunden. Oberbürgermeister Dr. Luppe wurde von der Landespolizei in Schu tzh a f t genommen.

Das thüringische Volksbildungsministerium hat verfügt, daß Lehrkräfte, die marxistischen Organisa­tionen angehören, ferner solche, die sich zur marxisti­schen Weltanschauung bekennen oder deren Verhal­ten sie als Vertreter dieser Weltanschauung kenn­zeichnet, Religions-, Deutsch- und Geschichtsunter­richt in den höheren und mittleren Schulen,'sowie in Den oberen Klassen der Volksschulen vom Schuljahr 1933'34 ab nicht mehr erteilen dürfen. Den Beamten und Ange st eilten des Staates ist die Zu­gehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei und ihrer Hilfs- oder Nebenorganisationen verboten.

Die politische Bluttat in Freiburg, bei der durch den oziald.m.krct schm Abgeordneten Ruß­baum der Polizeihauptwachtmeister S ch e l s - Horn tödlich verletzt wurde, hat nunmehr ein zweites Opfer gefordert. Zur gleichen Zeit, als zum Staatsbegräbnis für seinen Kameraden Schclshorn die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, ist Kriminalsekretär Weber, der von Nußbaum einen Bauchschuß erhalten hatte, gestern nachmittag seinen schweren Verletzungen erlegen.

Reichskanzler Adolf Hitler empfing im Drau- nen Haus in München eine Abordnung des Ge­meinderates von Dietramszell. Bürgermei­ster I a u d überreichte dem Herrn Reichskanzler im Ramen der Gemeinde Dietramszell die Eh­renbürgerurkunde. Gleichzeitig übergab er ein Gemälde von Dietramszell. Der Herr Reichskanzler dankte in kurzer herzlicher Rede.

*

Der bisherige Intendant des Deutsch­land senders Professor Dr. S ch u b o tz ist auf seinen Wunsch bis auf weiteres beurlaubt wor­den. Mit der vorläufigen Leitung des Deutschland­senders ist Götz Otto Stoffregen, Dem zur be= fonDeren Verwendung Eugen Hadamowski zu- geteilt worden ist, beauftragt worden. Professor Schubotz, der seinerzeit aus Dem Kultusministerium zum Rundfunk übertrat, ist für eine Wiederverwen­dung innerhalb der preußischen Verwaltung in Aus­sicht genommen.

Aus aller Welt.

Zangaras Hinrichtung.

Rach einer Meldung desRew Bork Herald" aus Miami wird der Italiener Z a n g a r a, dessen Anschlag auf den amerikanischen Präsiden­ten Roosevelt der Bürgermeister von Chi­cago, C e r m a k, zum Opfer gefallen ist, heute (Montag) durch den elektrischen Stuhl h i n ge­richtet.

LA.-Mana ermordet aufgefunuen.

Unweit Angerburg (Ostpr.) wurde auf der Chaussee nach Waldheim die völlig verkohlte Leiche des 22jährige Mechanikergehilfen Her­mann G r i g o w aus Surminnen aufgefunden. Etwa l1/2 Meter von Der Leiche entfernt lag ©ri- gows völlig verbranntes Motorrad. Die Mmftänbe lassen darauf schließen, daß Grigow, der der SA. angehörte, von politischen Gegnern ermordet worden ist. In dem Tank des Mo­torrades wurde eine Deffnung entdeckt, die von einem Schuh herrühren dürfte. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt.

Raubmord in Essen.

Einem Raubmord fiel Der Lotterieeinneh­mer Dolkening in Essen zum Opfer.

Polizei fanD ihn in seiner Geschäftsstelle, an Händen und Füßen gefesselt, ermordet auf. Der in Der Lotterieeinnahme befindliche Geldschrank

Stephanie zog mit dürstenden Lungen die Luft ein, die zu Den Fenstern hereindrang. Sie war von köstlicher Milde und obgleich sie der Frische ent­behrte, war sie doch immerhin kühl gegen die Schwüle, welche Der Tag gebracht hatte.

Während sie sich entkleidete, trat Hans Jörg auf die Loggia. Unter das weiße Leinen der Decke schlüpfend, hörte sie, daß er mit jemand sprach. Er mochte unten im Vorgarten stehen. Sie täuschte sich nicht: es war eine Männerstimme.

Nach einer Weile kam er zurück und neigte sichrer sie:Wer war bei dir?" flüsterte sie etwas erschreckt.

Nur mein Freund! Er wollte mir noch gute Nacht sagen!"

Das heiße ich anhänglich sein!" Ihre Arme hoben sich zu ihm auf und zogen ihn dann zum Kissen herab.Du bist ihm wohl sehr gut,Hans Jörg?"

Ja, mein Kind! Sehr gut! Obwohl er meine Frau liebt!"

Ihre Hände fielen von seinem Nacken. Halb­geöffneten Mundes starrte sie ihn an. Er nickte und legte ihr die Hand über die Augen.Es ist so, mein Kind. Soll ich ihn deswegen verdammen? Nur deshalb, weil sein Herz die Frau verehrt, die nun zufällig mein eigen ist? Kann er Dafür?"

Das ist es ist Jörg

Warum erregst du dich?" beschwichtigte er.Ich kenne ihn doch! Er würde sich eher die Zunge herausreißen, als ihr das zu sagen. Und sich eher eine 'Kugel durch die Schläfen jagen, als mich zu hintergehen. Er glaubt sein Geheimnis so gut gehütet und ist der sicheren Annahme, daß ich nichts von seinen Gefühlen weiß. Was soll ich ihm da den Frieden stören?"

Ein anderer"

Er unterbrach sie:Ich frage nie, was ein anderer in dieser oder jener Lage tun würde. Man soll im­mer nur so handeln, rote das eigene Innere es für recht und gut heißt. Willst du mich jetzt für ein paar Minuten entschuldigen? Er steht noch unten. Möglich, daß er mir noch etwas zu sagen hat."

Ihr Blick wurde angstvoll beschwörend:Du kommst wieder?"

Aber sicher, Kind! Was denkst du überhaupt von mir? Schon gestern in der Champagna hast du gefürchtet, daß ich dich allein lassen könnte, und heute srägst du mich das gleiche!"

Ich trage solche Angst in mir!"

Weshalb?" beschwichtigte er.Ich liebe dich doch Sollte ich aber wirklich zu irgend einer Be­sprechung nach Rom müssen, es ist gut möglich, daß ich es vergessen habe, dann komme ich erst noch zurück und sage es dir." Er küßte sie auf Den Mund und rückte sie in die Kissen zurecht.

An der Türe winkte er noch einmal nach ihr herüber. Sie hörte ihn die Treppe hinabgehen und den Riege! der Haustüre zurückschieben. Er hatte wohl recht vermutet, daß Oehme wartete, Denn sie vernahm seine Simme, auf die Hans Jörg Antwort gab,

war aufgebrochen. Den Raubmördern sind 450 Mark in Die HänDe gefallen. Offenbar haben Die Täter in großer Eile gchanDelt, Da Der Geld- schrank nicht völlig ausgeraubt war. Auf Die Ergreifung Der Täter ist eine Belohnung von 500 Mk. ausgesetzt worden.

Acht englische Fischer ertrunken.

Bei schwerem Sturm stießen an Der schottischen Küste ungefähr 150 Kilometer von AberDeen ent­fernt ein englischer FischDampfer und ein von Danzig kommender TankDampfer zusammen. Der FischDampfer sank: acht Mann ertranken.

Englischer Fischdampfer

und nordischer Robbensänger gesunken.

Ein furchtbares Unwetter, Das an Der norDnorweg.fchen Küste namentlich im Weihen Meer herrscht, hat mehrere Schiffe als Opfer geforDert. Der englische FischDampferLorD Dear- more" aus Hüll scheiterte nachts bei Der Hornö in Der Rähe von Vardö unD sank im Laufe von Drei Minuten. Vier Maschinen­heizern gelang es nicht mehr, sich an Deck zu

begeben. Sie gingen mit dem Schiff unter. Der Kapitän, ein geborener Däne, weigerte sich, sein Schiff zu verlassen und ertrank ebenfalls. Sei- Sohn, Der sich an BorD befanD, konnte gerettet toerDen. Ein Rettungsboot mit 10 Mann er­reichte Den norwegischen Fischerei-Inspektions- DampferMichael Sars", Der gerade fünf­zehn Fahrgäste des norwegischen Passagier- DampfersPrinzeß RagnhilD" an BorD genom­men hatte.Prinzeß Ragnhild", die in Der Rahe a u f GrunD gestoßen war, gehört zu Den schnellsten Passagierschiffen, Die zwischen West- und Rord-Rorwegen verkehren. Es dürfte sehr zweifelhaft sein, ob Dieser Dampfer gerettet wer­den kann. Die Geretteten des Fischdampfers er­klärten, daß ein anderes Passagierschiff,Kong Walfdan", das Rettungsboot passiert hatte, ohne es zu bemerken. Ferner ist ein norwegischer Rob­benfänger im Weißen Meer untergegangen. Er . wurde vom Eise niedergedrückt, das der Sturm gegen ihn aufgetürmt hatte. Die Mann­schaft des Robbenfängers würde von einem ande­ren Robbenfänger an Bord genommen.

Aus der Provinzialhauptstadt

Dil-

bei'

für

und das zur

Volksaufklärung werden anläßlich des Reichs­tagszusammentritts am Dienstagabend in allen Städten und Dörfern Fackelzüge der nationalen Parteien und Verbände, der Stu­dentenschaft und der Schuljugend stattfinden. Auch in Gießen ist ein solcher Fackelzug vor­gesehen, zu Dem Die StaDtverwaltung außer Den

Hessen und die feiern zur Rechstagöeröffnung.

Schulfrei am 21. März.

WSR. Der Minister für Kultus und

dungswesen hat angeorDnet: Aus Anlaß des Zusammentritts des ersten im neuen Geist ge­wählten Deutschen Reichstags am 21. März in Potsdam um 12 Uhr mittags fällt an diesem Tage Der Unterricht in allen Schulen des Voltsstaats Hessen aus. In Der letzten Unter- richtsstunDe am Montag toerDen Die Schüler auf Diese Tatsache unD ihre BeDeutung hingetoiesen. Wo es sich ohne Kosten ermöglichen läßt, emp­fiehlt es sich, Die Klaffen um Die Mittagszeit in geeigneten Räumen zu versammeln, wo sie Die ReDen Des ReichspräsiDenten und Reichskanzlers durch den Lautsp Her anhören können. Samt-

Feier der Reichstagseröffnung am Dienstag sämtliche unterstellten Behörden Des Staats unD Der Gemeinden mir Der schwarz-toeiß-roten unD Hakenkreuzfahne flag­gen. Die Behörden haben Sonntagsdienst. Militärische Feier auf dem Kasernenhof.

Anläßlich der morgigen Reichstagseröffnung findet auf Dem Hofe Der Reuen Kaserne eine große militärische Feier statt. Um 11.45 Uhr beginnt Der FelDgottesDienst, Der bis gegen 12.30 Uhr 'Dauern toirD. An- fchliehenD hält Der Bataillonskommandeur, Major von Wachter, beim Appell eine Ansprache, an Deren Schluß Das DeutschlanDlieD gesungen toirD, während Das Bataillon präsentiert. Hier­auf erfolgt Parademarsch in Zügen vor Dem BataillonskommanDeur. Die ganze Feier ist öffentlich, jedermann hat daher Zutritt zum Ka- sernenhof.

liche Schulgebäude aben an Diesem Tage die Den Fahnen Des neuen Reichs hochzuziehen.

Flaggenanweisung.

In Uebereinstimmung mit Dem Flaggen» Diensterlah Des Reichsinnenministers hat hessische Gesamtministerium angeorDnet, Daß

Fackelzug in Gießen.

Rach einem Aufruf Des Reichsministers

genannten Vereinigungen alle auf vaterländi­schem Boden stehenden Vereine, überhaupt die gesamte nationale Bevölkerung Gießens aufruft.

Zu einer Besprechung über Ausgestaltung und Beteiligung an Dem Fackelzug toerDen Die Vertreter Der Vereinigungen, Der Vereine und sonstigen Organisationen, sowie Der Schulen, heute, Montag, 18 Uhr, im Sitzungssaal Des Stadt­hauses, Bergstraße, zusammentreten.

Der Oberbürgermeister lädt im heutigen An­zeigenteil zum Schmuck Der Häuser Durch Flaggen unD zur Beteiligung am Fackelzug ein.

Morgen frühzeitiger Bankenschluß.

Die hiesigen Geldinstitute machen im heutigen Anzeigenteil Darauf aufmerksam, daß am morgi­gen Dienstag aus Anlaß Der Eröffnung De8 Reichstages die Kassen bereits um 13 Uhr ge­schlossen werben. Auf Die Anzeige sei besonders hingetoiesen.

Wieder normale Uniformen und Oienstgruß bei der Polizei in Hessen.

Der hessische Minister des Innern hat über Das Tragen von Hakenkreuzbinden unD schtoarz-weih- roten DinDen im Dienste Der Polizeibeamten un­geordnet:

Die Tage der Feier des Sieges Der nationalen Bewegung finD vorüber. Die Arbeit Des Alltags beginnt toicDer. Ich ordne daher an: Mit Ab­lauf des Samstags, 18. März 1933, sind von den Polizei- und Gendarmeriebeamten die Haken- kreuzbinde und Die schwarz-weiß-rote Armbinde im Dienst nicht mehr zu tragen. Bei Der Teil­nahme an Auf» unD Umzügen ist das Tragen dieser Armbinden gestattet. Mit dem Ablauf des gleichen Tages ist Dienstlich wieder Der normale Gruß zu erweisen.

Bornotizen.

TageskalenderfürMontag: Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der Rebell".

*

** Die Fristverlängerung für Zu­schüsse Des Reiches für die Instand­setzung von Wohngebäuden. Der hessische Minister des Innern gibt bezüglich der Zuschüsse dcs Reiches für die Instandsetzung von Wohngebäuden, für die Teilung von Wohnungen und den Umbau gewerblicher Räume zu Wohnungen nach den Be­stimmungen vom 17. September 1932 bekannt, daß nach diesen Bestimmungen die Jnstandsetzungs- und Umbauarbeiten vor dem 1. April 1933 begonnen und spätestens am 1. Juli 1933 vollendet sein mußten. Nach ihm zugegangenen Mitteilungen könne in einer großen Anzahl von Fällen der Zeitpunkt für den

Es litt sie nicht mehr im Bett. Sie mußte wissen, was Die beiden sprachen. Aus bloßen Füßen schlich sie über den Steinboden nach der Loggia und horchte nach dem kleinen Garten hinab.

Sie konnte die beiden nicht sehen. Wahrscheinlich standen sie unter dem Vorsprung Der Loggia. Nur ihre Stimmen klangen im Flüsterton herauf. Ein Name fiel. Sie vermochte nicht meyr zu ent­scheiden, ob es Das Meer war, Das in ihren Ohren rauschte, oder ob Das Brausen von ihrem eigenen Blute kam. Ihr Gehirn glich einem Hämmerwerk. Immer war es Der eine Name, Der Darin anschlug: Joe Brandt! Joe Brandt! Joe Brandt!

Obgleich er von Hans nur einmal genannt worden war, hallte er immer wieder in ihr nach. War sie zu laut gewesen? Sie sah ihren Mann unter Dem Vorsprung heraustretend und nach oben spähen. Dann ging er mit Oehme durch die Gartentüre.

Nach einer Weile tarnen sie wieder zurück. Der Doktor schien ihn zu beschwichtigen. Aber es war nichts, was sie sprachen, zu verstehen. Sie schlich sich nach dem Zimmer hinein und sah nach Der Uhr, Die er mit offenem Deckel auf Den Nachttisch gelegt hatte. Es war sieben Minuten nach zehn. ,

Als unten die Tür einschnappte, schlüpfte sie er­schrocken ins Bett. Sie hörte Hans Jörg Die Treppe heraufkommen und sah ihn gleich Darauf ins Zimmer treten. Es glückte schlecht, jetzt irgendwelches Schlaf­bedürfnis oorzutäuschen. UnD als er nun zu ihr trat, frug fie:Nun bleibst Du aber! Ja?"

Ich wollte so gerne. Aber Oehme hat mir Da einige Telegramme gebracht, Die sofortige Rück­antwort erheischen. Hier in Ostia gehen sie nicht vor morgen früh weg. Und es hat Eile."

Gib sie Doch Deinem FreunDe mit!" warf sie ein.

Er wurde verlegen.Es hanDelt sich um Wichtiges. In ein paar Stunden hast Du mich wieder. Du fürchtest dich Doch nicht, wenn ich Dich allein lasse?"

Doch ich fürchte mich. Ich gehe mit!"

Nein!" Sie schrak zusammen, so befehlend war bas gesagt.Sei vernünftig", bat er. UnD als sie Den Kops nach Der Wand drehte, bog er ihn sachte zu sich herüber.Bist du denn böse, wenn ich tue, was meine Pflicht ist?"

Du hast nichts als Pflichten, bei Tag und Nacht!"

Er lachte.Es wird wohl stimmen. Bei Tag Der Beruf! Bei Nacht du! Ihr Frauen habt es schön! Ihr braucht nur zu lieben!"

Glaubst du, Daß das immer leicht ist?"

Wie Denn?" frug er.

Sie sah ihn an, zog Das Spitzengeriefel ihres NachthemDes über Der Brust zusammen, zuckte Die Achseln und schwieg.Warum antwortest du nicht?" Auf Dem Rand Des nieDeren Bettes fitzend, schob er mit Der Spitze seines Schuhes den gemusterten Plüschvorleger zurecht.Lieben ist manchmal"

Sie ließ ihn nicht weitersprechen. Irgend etwas mahnte zur Vorsicht. Den Blick nach Der Decke ge­richtet, sagte sie nachdenklich:Früher habe ich geglaubt, daß Liebe immer und allezeit bezwingt.

bis meine Mutter mich belehrte, daß es nur dann Der Fall ist, wenn sie erwidert wird!"

Das mag wohl stimmen", gab er zu und erhob sich.Nun aber muß ich wirklich eilen. Ich werde sehr leise fein, wenn ich zurückkomme!"

Er nahm den Mantel vom Haken und f(hüpfte hinein, ging nochmal zu ihr herüber und küßte si> Auf Wiedersehen, mein Siebes!"

Auf Wiedersehen!" Sie hielt einen Moment seine Hände fest.Wie lange bleibst du?"

Ich kann es dir nicht sagen. Jedenfalls werde ich mich nach Möglichkeit beeilen, daß du nicht lange warten mußt!" Er lief eilig über Die Treppe. Unten fiel erst Die Haustüre, Dann Die Gartenpforte ins Schloß. Dann entfernten sich Die Schritte zweier Männer. Demnach hatte Oehme auf ihn gewartet. Sie saß bereits aufrecht, lauschte noch eine Weile unD setzte Dann die Füße zu Boden.

Im Zimmer, Das an Die Küche stieß, hatte sie bet ihrem Rundgang ein Telephon gesehen. Leise, Damit Die Stufen nicht knarrten, schlich sie sich hinab. Die ©egenftänDe warfen einen bizarren Schatten, alles war zum Unwirklichen verzerrt. Die weiße Scheibe Des Apparats leuchtete. Sie mußte Licht machen, Die Ziffern, zu sehen. 80755 Eine Stimme melDete sich.Kann ich Frau von Guielmo sprechen?"

Etwas verärgert kam Die Antwort.Sie gaben sich in Der Nummer geirrt."

Verzeihen Sie!" Ist bas möglich? Dachte sie. Einen Moment war sie starr vor Schrecken. Dann beruhigte sie sich. Die Nummer stimmte. Nur ihre Finger hatten fehlgegriffen. Vorsichtig, Daß ihr Das nicht zum anDernmal passierte, setzte sie Die Scheibe wieder in Bewegung. Es mochte der Bediente sein, der Antwort gab.

Sie hatte teilt Glück mit ihrem Anruf. Frau von Guielmo war ausgegangen und Joe Brandt gleich nach Dem AbenDtjsch mit einem Taxi weggefahren. Wohin, Darüber habe er keinen Bescheid gegeben. Vielleicht könne sie später noch einmal telephonieren.

Sie legte Den Hörer in Die Gabel und verspürte eine ungeheure Depression, als sie nun wieder nach Dem Schlafzimmer hinaufstieg. JeDenfalls würde sie morgen Vormittag unter irgend einem Vorwande nach Rom hineinfahren und Joe aufmerksam machen, Daß Gefahr Drohte. Heute nacht war wohl nichts mehr zu befürchten. Es ging beinahe auf ein halb elf Uhr.

Die Schwüle in Dem Hause Dünkte sie mit einem Male unerträglich. TrotzDem Die Fenster offenstanden, war die Hitze lähmend. Jetzt sich wieder zu Bett zu legen, war unmöglich. Sie legte in ihrem Zimmer Das Nachtkleid ab und warf ein dunkles Gewand über, über Das sie noch einen schwarzen Seidenmantel nahm. Geräuschlos schlüpfte sie über Die Treppe. Die Gartentüre knarrte kaum hörbar als sie diese öffnete.

(Fortsetzung folgt))