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20.2.1933 Frühausgabe
 
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WiederausMhobenes Derbolder Zentrumspresie.

Ein Aufruf der katholischen Verbände wird beanstandet. Oer ehemalige Reichskanzler Marx bei Reichsminister Göring.

Münster. 18. Febr. (£11.) Auf Grund eines in der Zentrumspresse erschienenen von einer Reihe katholischer Verbände unterzeich­neten Aufrufs ist außer für dieGermania" dem Berliner Zentrumsorgan auch für eine An­zahl Zentrumszeitungen in Westfalen und im Rheinland das Verbot ausgesprochen worden. Das Oberpräsidium Münster hat versucht, auf dem Verhandlungswege mit dem Ministerium des Innern in Berlin eine Rückgängigmachung des Verbots zu erreichen. Das ist jedoch nicht gelungen. Oberpräsident Granowski hat in diesem Zusammenhang u m seine Beurlaubung nachgesucht.

In der Provinz Hessen-Rassau wurden ver­boten die ZentrumsblätterHessischer Ku­rier" Kassel und dieFuldaer Zeitung" in Fulda, ferner eine Reihe anderer Zentrums­blätter in Erfurt, Breslau, in Heidelberg u. ä.

Das Verbot der Zeitungen, die den Aufruf der katholischen Verbände Deutschlands wörtlich nach­gedruckt hatten, war wie folgt begründet:

Der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern hat sich gezwungen ge­sehen, sämtliche Zeitungen, die den Auf­ruf der katholischen Verbände Deutschlands ver­öffentlicht haben, auf drei Tage zu verbieten. Der Aufruf stellt einen un- qualifizierbaren Angriff auf die Reichsregierung dar. Er ist von Verbänden unterzeichnet, die der Zentrumspartei aufs engste verbunden sind oder einen Bestandteil von ihr bilden. Die Behauptung jedoch, daß durch diese Verbote ein Kampf gegen den ka­tholischen deutschen Dolksteil beginne, ist eine böswillige und unwahre Unter­stellung. Keine Regierung, die sich nicht selbst

aufgeben will, kann sich eine derartige Herab­setzung bieten lassen. Da jedoch die betreffenden Zeitungen in ihrer eigenen Kritik sich Herabsetzungen von der Art des Aufrufes ent­halten haben, hat der Kommissar des Reiches für das Ministerium des Innern das Verbot auf nur drei Tage beschränkt.

Göring hebt das Verbot auf.

Eine Erklärung des Vorsitzenden der katholischen Verbände.

Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Auf dieses Verbot hin fand nun am Sonntagvor- mittag eine Besprechung zwischen dem Reichs­kanzler a. D. Dr. Marx (Vorsitzender der katho- lischen Verbände Deutschlands), Dr. Vockel (Ge­neralsekretär der Zentrumspartei) und dem Kom­missar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern Reichsminister Doering statt. Dr. Marx und Dr. Vockel gaben die Erklärung ab, daß in dem Aufruf in keiner Weise ein« Beleidi - gung oder böswillige Verächtlich­machung der Reichsregierung gemeint fei, sondern der Aufruf von der Sorge über die politische Entwickelung getragen war, wie sie nach Meinung der katholischen Verbände die Zukunft nehmen könnte. Daraufhin entschloß sich Reichs- Minister Goering, das bereits verhängt« drei­tägige Verbot der Zeitungen aufzuheben, da durch die obige Erklärung der Standpunkt der Re­gierung Genugtuung erfahren hat. Der Minister nahm zugleich Anlaß, die betroffenen Zeitungen zu warnen, Aufrufe, die beleidigend« Erklärun­gen enthalten, einsach abzudrucken, da ein solches Verfahren für di« betreffenden Zeitungen zum Rach- teil gereichen muß.

Frankreichs Hirienberger Schuß gegen Italien.

Frankreich hat mit den schärfsten diploma­tischen Waffen auf das wehrlose Oe st erreich ein- geschlagen. Ein Riese tritt einen Zwerg, aber nicht der Zwerg begehrt auf, sondern der Ä i d e r h a l l auf die Drohnote Frankreichs kommt aus R o m. Manche Zusammenhänge werden dabei klar, vor allem auch, daß der erneute Abschluß desKlei - nen Verbandes, sich durch wechselseitige Ver­träge machtpolitisch auszubauen, nicht nur zufällig dieser Tage bekannt geworden ist. Frankreich hat auf den Abschluß gedrängt. Es wird nicht zu widerlegen sein, daß der Kleine Verband nicht nur Ein- richiung, sondern auch eine Waffe Frank­reichs ist, dazu bestimmt, Italien in Süd- osteuropa unter Druck zu halten. Um dem Kleinen Verband eine für Italien unmittelbar ge­fährliche Spitze zu geben, ift es nur noch notwendig, D e ft c r r c i d) freiwillig ober unfreiwillig zu einem Teilhaber zu machen. Dadurch wäre Ungarn völlig eingekapselt, also auch völlig wertlos für Italien als Bundesgenossen, zumal jede Verbindung zu Wasser oder zu Lande zwischen Italien und Un­garn entweder über Oesterreich oder über Süd- flaroien führt.

Indessen sind die diplFinatischen Mittel, deren sich Frankreich bedient, um aus Oesterreich ein willenloses Werkzeug der französischen Gewalt­politik zu machen, doch sehr ungewöhnlich. Sie werden auch dadurch nicht besser, daß es Frank­reich gelungen ist. die englische Regierung zu veranlassen, sich der Drohung an Oesterreich anzuschließen, wobei die Gründe nicht so offen zutage liegen, wie das bei Frankreich der Fall ist. England hat sich zwar an der Anleihe für Oesterreich beteiligt, aber gerade deshalb hat Eng­land doch wohl ein Interesse daran, daß Oester­reich sich wirtschaftlich etwas regen kann. Die Wiederherstellung von einigen 10 000 Gewehren, wie das in Hirtenberg besorgt werden sollte, wird zwar nicht Dutzende von Millionen

Raritäten

in der Rumpelkammer.

Lon Heinrich Hauser.

Es gibt Gegenstände, Dinge der Vergangenheit, die mir so deutlich sind, daß ich nur die Augen zu schließen brauche, um ihr Gesicht, ihren Geruch und chr Gefühl vollkommen zu erleben. Habe ich sie nicht tausendmal betrachtet und betastet auf dem Boden? Es war heiß dort unter den Dachziegeln. Ich stemmte die Dachluken auf, aber trotzdem gab es wenig Licht. Wie Gefängnisgitter waren die Latten der Zwischenwände. Tief tauchte ich ein in die Bäuche halbzertrümmerter Kisten, zerriß mir die Hände an starrenden Nägeln und leckte das Blut ab. Immer hatte ich Angst, es käme wer die Treppe herauf.

Seltsame Dinge fand ich:

Immer stand der Apoll von Belvedere mir im Weg und klang hol. Staub lag auf feinen Locken und auf seine Schultern aus Gips und wenn ich ihn wegschob, zart, doch ablehnend, dann bröckelte er etwas.

Da war das Gestell des Damenrads. Auf dem Kopf stand es, aufgestützt auf Lenkstange und Sattel. Höchst untechnisch waren die ausgebogenen, ver­löteten Stangen seines Rahmens und bedeckt mit goldenen Rosenranken. Es trug ein Netz über sei­nem Hinterteil aus bunten Wollfäden geknotet, mit Glasperlen darin und oben mit Karabinerhaken in das durchlöcherte Schutzblech eingehakt: cs fläp­perten die Häkchen.Du steifbeiniges Gestell", redete ich es an, griff ihm in die Speichen des Vorder­rades, gab ihnen Schwung und es drehte sich «rnd drehte sich leise schwirrend mir im Rücken und klirrend glitt das Kettchen der Ventilklappe an einer Speiche auf und ab. Von Zeit zu Zeit sah ich mich um: es kreist immer noch.

Da waren die Tennisschläger meiner Eltern.

3d) faßte einen am Griff und mein Gesicht ver­zog sich breit: Was waren das für Dinger! Wie Schmetterlingsnetze, oben kreisrund und übergewich­tig und unten ein dünnes Stöckchen dran.

Und so sah es ja auch immer aus, wenn sie Ten­nis spielten, die Alten: als ob sie Schmetterling« hoschm wollten in der Luft.

Die Keulen, das war ihr anderer Sport. Häß­liche Dinger wie Hühnerschenkel, oben fett und unten dürr und knochig mit einem kleinen Knauf. Nußbaum, poliert. In halberhobenen Händen lie­ßen sie die Dinger kreisen, als ob sie damit schmei­ßen wollten, aber sie schmissen nie. Wenn fie steif

Mark nach Oesterreich bringen, wohl aber eine Entlastung für die schwerheimgesuchten alten Waffenstädte Stehr und Hirtcnberg. Fast sieht es so aus, als ob sich die englische Regierung von Frankreich hat an der Rase herumführen lassen, denn das eigentliche Ziel der französi­schen Politik, Oesterreich dem Klei­nen Verband in die Arme z u trei­ben, dient weder mittelbar noch unmittelbar Englands Interessen auf dem Balkan, oder im Rahen Osten. Englands Stellung im Mittelmeer ist nur dann einigermaßen gesichert, wenn es Frankreich und Italien gegeneinander ausspielen kann. Stellt sich aber England an die Seite Frank­reichs, so wird es im Mittelmeer auf ©nabe oder Ungnade Frankreich ausgeliefert fein, daS mit U-Booten alle Wege zwischen Gibraltar und Port-Said sperren kann.

Die Regierung Oesterreichs hat nicht die geringste Veranlassung, sich der Drohnvte Frankreichs zu beugen, zumal Oesterreich in keiner Weise die Verträge als solche ver­letzt bat

Stärkstes Befremden in Berlin.

Berlin, 18. Febr. (ENB.) Die Note wegen der Hirtenberger Waffenangelegenheit, die der englische und der französische Gesandte in Wien überreicht haben, hat in hiesigen politischen Kreisen stärkstes Befremden hervorgeru­fen. Sie kann nach Form und Inhalt nur als ge­radezu unerhört bezeichnet werden, und sie stellt eine glatte Vergewaltigung d e r kleineren Staaten dar. Völlig unverständ­lich ist insbesondere das Verlangen nach einer eidesstattlichen Versicherung, zumal es sich über­haupt nur um ganz geringfügige Materialien han­delt. Ebenso unverständlich ist das Verhalten Eng­lands und Frankreichs auch im Hinblick auf die gegenwärtig im Gang befindlichen Verhandlungen

sich verbeugten ober zurück, bann keuchten sie stark. Sie stemmten bie Hänbe in die Hüften unb sahen zum äußersten entschlossen aus: Kniebeuge.

Da waren ihre Moben: in langen, stoffbespannten Kasten bie Hutnabeln. Köpfe aus farbigem Glas, aus Zelluloid unb Jett, aus lackiertem Blech: aus allem, was unecht war. Da waren Streifen von selbem Fischbein, gelöchert und geschlitzt: ich bog ie, ließ sie wegspringen wie Flöhe. Das nähten ich die Frauen um den Hals, bamit die Klagen ihrer gestickten Blusen aufrecht stünden.

Speckige kleine Dinger wie Zähne mit vier Wur- |dn: Kragenglätter, bah bie harten Ränder sich nicht cheuerten, viel zwerghast-gelenkiges Metall, schnap. »ende unb klappernde Stückchen, vergolbetes Mes- ing, eingelegt mit Perlmutt: bas Arsenal der Kragentnöpfe. Ich würbe kribblig, zerknitterte mir bie Finger, wenn ich sie ausprobierte. Da waren alte, blaugebrannte Brennscheren unb bie ledernen Schwänzchen ber Lockenwickler. Ballhanbschuhe wie bestickte Raupen, schlaff, lang, auf famtne Kissen gebreitet.

Da waren Hüte aus vertrockneten Möwenleibern mit gläsernen Augen unb andere aus faltigem Samt mit Agraffen unb Reiherfebern. Schlaff hingen bie feibenen Futter nach unten.

Da waren bie Instrumente ihrer Krankheiten: Patentierte Wärmeflaschen, Zinkblechkasten, weiß oxidiert, innen mit Salz gefüllt. Ein Inhalations. apparat mit grünem Blecherhitzer, Tabletten von Trockenspiritus, seltsame Glaskolben, gewinkelte Röhren und Abzweighähne, Gebrauchsanweisung mit Bildern: Querschnitte durch Menschen mit edel- geformten Nasen, unb Buchstaben an Luftröhren unb Lungen, mit a, b, c. Es waren Mann unb Frau, bie sich im Bilbe gegenübersaßen, unb heiter lächclnb sogen sie burch ben Querschnitt ihrer Lippen aus gläsernen Kolben krause Wolken heilender Dämpfe ein.

Ich fanb messingne Äugeln mit Schraubstiften, bie Knäufe von Betten. Umsponnene Sosatroddeln brach ich auf unb rippelte bie Fäben unb fand im 3nnern gedrechselt« Hohlkörper aus Holz. Ich fand geschweifte Beine zerbrochener Möbel, geschnitzt unb unten mit eisernen Rollen verschraubt: allerlei Haken unb Ziernägel für Silber.

Eine unbeschreibliche Art von schleichendem Tod ging von ben Dingen aus. Sie quollen von 21t- mosphäre. Ich spürte im Rücken ber Sdjneiberpuppe: staubiger Rumpf aus Pappe, ftrdff überspannt mit schwarzem Alpaka über üppiger# Formen, oben fo glatt geköpft.

Unb ich fühlte, es müßte etwas geschehen, mich wiederherzustellen, und ich setzt« bie Pupp« in das

der Abrüstungskonferenz, deren wesent­lichste Aufgabe es ist, die in den Friedensoerträ­gen enthaltenen Diskriminierungen zu be­seitigen. Es ist eigentlich unbegreiflich, wie gerade diejenigen Staaten, die ihren 21 b - rüftungsDerpflidjtungen feit 14 Jah­ren nicht nachgekommen find, einen der­artigen Schritt unternehmen können.

Schluß der Lausanne-poM?

Berlin, 18. Febr. Unter dieser Ueberschrift chreibt dieBerliner Börsenzeitung" u. a.: Wir stauben nicht falsch unterrichtet zu fein, wenn wir agen, das Bundeskanzler Dollfuß heute zu der Erkenntnis gekommen ist, daß feine Lausanne- Politik ein Irrweg war.

wir glauben sagen zu können, daß er bereit ist. aus dieser Einsicht die Folgerung zu ziehen, die Lausanne-Politik zu liquidieren, vorausgesetzt, daß sich auf reichsdeutscher Seite die Mitspieler finden. Daran wird e» prinzipiell nicht fehlen. Denn auch In Berlin wird man die Chance erkennen, die Dinge in Oesterreich mit raschem Entschluß wieder dem gesamtdeutschen Kurs zuzuwenden.

Noch ist Lausanne nicht praktisch Wirklichkeit ge­worben. Die notwendigen rund 7 5 Millionen konnte Oesterreich auch von Deutschland unb befreunbeten Staaten bekommen, wie ihm ja auch burch ben beutschen Reiseverkehr mühe­los kräftig geholsen worben ist. Damit wurde das Lausanner Protokoll hinfällig werden unb Frankreichs Plan ber dauerndes! Trennung der beiden deutschen Staaten wäre zunichtegemacht.

Italien durchschaut die französische Intrige.

Mailand, 18. Febr. Die scharfe Stellungnahme ber italienischen Presse gegen Frankreich hält unvermindert an.

(Sortiere bella Sera" beleuchtet in fei» nein Leitartikel bie Genfer Ereignisse unb schreibt, baß die Bildung des neuen Dreibundes den Vor- teil habe, Gründe und Ziele ber französischen Presse­kampagne gegen Italien unb bie verblüffenden Er­klärungen Herriots über ein italienisch-ungarisch- deutsches Bündnis zu klären. Man wolle in Frank- reich Italien um jeden Preis als unversöhnlichen, aggressiven unb drohenden Feinb hinstellen, um ein moralisches Alibi für eine italienfeindliche Politik zu haben, bie ja keinem guten Franzosen im Ge­denken an bie alten geistigen Beziehungen, bie ge­meinsame Kultur, das gemeinsam im großen Kriege vergossene Blut verstänblich sein würbe.

Um eine der letzten Taten des Qual d'Orsay, die Schaffung der Donau-Dreibundes, einem so leichtgläubigen Volke wie den Franzosen klarzu- machen. fei man in Frankreich auf die Nachricht über einen anderen Dreibund, nämlich den Halle- nisch-deutsch-ungarischen verfallen. Das Manöver sei zu plump, als daß es nicht durchschaut würde.

Wan habe wahrhaft hoffen können, daß man nach soviel Erklärungen, von ber Geheimdiplo- matie abzulassen, mit bleiern System besancien rtgime Schluß machen würbe. Aber nur Musso­lini habe bas getan unb man werbe an bem praktischen Refulkät eines Tages sehen, baß er Recht gehabt habe.

Der .,P o p o l o b'I t a l i a beleuchtet in einem Leitartikel die Auswirkungen ber Aktion ber Kleinen Entente auf ben Bölkerbunb- Frankreich unb seine Vasallen hätten zum Ab­schluß des neuen Pattes ausgerechnet Genf gewählt, weil sie in dec kindlichen Illusion be­fangen seien, dadurch Sank) in bie Augen ber Dummen zu streuen-

Die aus rein militärischen Gründen erfolgte Bildung des Balkanblocks negiere die Existenz und Arbeitsberechtigung des Völkerbundes über­haupt. wenn nämlich gewisse Staaten sich ver- bündelen, um für sich die politischen Beziehungen mit dem Ausrnnd zu regeln, bann sei die Exi­stenz einer höheren Organisation einfach über­flüssig.

Damenrad unb obenauf den Apoll und auf den Apoll den Taffethut mit Straßenfedern und besteckte ihn mit allen Hutnadeln, als Arme und Hände gab ich dem Popanz Tennisschläger an die Lenkstange. Apoll lächelte.

Und ich ging fort

Geschichten von Orchideen-Zagern.

Die Abenteuer ber Orchibeen-Iäger, bie in den Dschungeln von Südamerika, Sumatra oder Madagaskar seltene Arten sammeln, lassen Groß- tierjagden und Forschungsreisen in bas Polar- gebiet als ungefährlichen Zeitvertreib erscheinen. Das zeigen einige Geschichten, die inReclams Universum" von den Erlebnissen dieser kühnen Pflanzer sommler erz hlt toerben. Jeder Dschungel forbert seinen Tribut an Orchibeen-Iägern, unb Die Rainen ber Pioniere, bie jahrelang jeber Zi­vilisation en sag en unb ewiger Gefahr ins Auge sahen, um neue, unbekannte Orchibeen-Arten zu entbeden, werben von ben Sammlern mit Ehr­furcht genannt Fieber, feindselige Eingeborene, wilde Tiere, giftige Insekten und Reptilien sind die gewöhnlichen Gefahren. Dazu wachsen bie Or- chideen in den Wipfeln hoher Bäume: es erhebt sich also die Frage, ob der Jäger ben Baum er- klettern soll oder ob er ben Ast. auf bem bie Pflanzen schmarotzen, mit dem Lasso fangen kann, unb falls bas nicht gelingt, ob der ganze Daum gefällt werden muß. Der Engländer Hamlin, der auf Madagaskar Orchideen suchte, fand keinen an­dern Ausweg, zu seinem Ziele zu gelangen, als daß er sich mit der königlichen Familie imMoya. bassam-Gebiet verband. Er nahm die Häuptlings­würde an und schloß Blutsbrüderschaft mit dem König: schließlich mußte er die Familie des könig­lichen Schwagers übernehmen, als dieser bei einer Orchideen-Iagd von Jaguaren getötet wurde. Der deutsche Orchideen-Sammler Fostermann, der über 40 neue Arten entdeckte, bemerkte eines Tages tief in den Dickichten Siams kurz vor Sonnen­untergang durch seinen Feldstecher eine prächtige flamingofarhone Orchidee hoch über sich in einem Daum. Da er fürchtete, ben Daum am nächsten Morgen nicht mehr feststellen zu können, teilte sich die Gesellschaft: ein Mann ging voraus, einen Lagerplatz zu suchen unb Fostermann blieb bei dem Daum. Plötzlich horte man einen furchtbaren Schrei, und als der Jäger mit seinen Leuten ihm nachging, sanden sie nur noch Tigerspuren, ber Gefährte war verschwunden. Am nächsten Mor­gen stießen sie auf die traurigen ileberrefte des Orchideensucher-, den der Tiger zerrissen hatte.

Denn um das Gleichgewicht wieder herzu-» stellen, würden nun Gegenblocks entstehen zur Verteidigung ber bebrohten gemeinsamen Interessen. Hierin liege bie große Gefahr der Blocib ldung deren Urheber eine Verantwortung, die vielleicht tragisch werden könnte, auf sich, geladen hätten.

Aus aller Welt.

Reichstagung

der evangelischen Schulgemeindebewegung.

Dor Reichsverband deutscher evangelischer Schulgemeinden EV. Sitz Wuppcrtal-Darmen hält vom 22. bis 23. April in Mülheim (Ruhr) seine diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Die Ta­gung wird sich mit folgenden Hauptthemen be­schäftigen:Volk in Rof,Kind in Roll" Nebenher geht eine Reihe von Fachvertreter­versammlungen, in denen u. a. bie schulpolitische Lage unb Gestaltung beraten werben spll.

Acht Todesopfer

des Einsturzunglücks auf derfiönigin-Cuife-(Brube.

Wie von der Verwaltung der Preußag in Hin­denburg mitgeteilt wird, ist der bei dem Ein- sturzu n glück auf der ,Fönigin-Luife".Trube schwerverletzte Wagenstößer Thomas Burek in- zwischen gestorben. Sein Ableben kam ganz un­erwartet, da fein Befinden in den vergangenen Ta­gen zu keinerlei Besorgnissen Anlaß gab. An der Unglucksstelle wurde das letzte Opfer, der Wagen­stößer Michael G r a l k a , aus den Gesteinsmafsen als Leiche geborgen. Die Bergungsarbeiten find danach eingestellt worden. Das Unglück hat fomit insgesamt a ch t Todesopfer gefordert.

Kesselexplosion in einem Krankenhaus. Ein Toter, zwei verletzte.

Im St. Rochus-Sp.tal in Budapest explo­dierte ber Sterilifierungskessel, der erst vor drei Wochm einmont'.ert worden war unb jetzt ausprobiert werden sollte. Die Detonation ber- ursochte im Spital e ne Panik. Durch bie Ex­plosion wurde ein 35jähriger Kramenwärter auf ber Stelle getötet, außerbem wurde ein Mechaniker schwer und ein anderer Arbeiter leicht verletzt. Bis zur Stunde konnte die Ursache der Explosion nicht ermittelt werden.

Dreifacher Mord. Selbstmord und Brandstiftung.

Eine furchtbare Bluttat ereignete sich in einer ber letzten Rächte auf bem Dominium in ©triefe, Kreis Trebnitz (Schlesien). Der Invali­denrentner Paul Liebethal erschlug feine beiden Söhne unb seine Tochter mit einem Beil, zündete das Haus, in bem die Familie wohnt, an unb erhängte sL ch in einer Scheune. Der Täter war vor einiger Zeit in einer Grube ver­schüttet worden unb feitbem nicht mehr zurech­nungsfähig. Er hatte sich schon einmal eine Ku­gel in ben Kopf gejagt, bie noch nicht entfernt werden konnte. Mehrmals hat er ben ältesten Sohn, der in diesen Tagen heiraten wollte, be­droht, seine Kinder zu erschlagen, wenn es zu ber Hochzeit kommen sollte. Die in einer anderen Stube schlafende Frau des Täters unb auch die Braut des Sohnes sind dem Blutbad entgangen. Der Dachstuhl des Hauses ist abgebrannt.

Straßenbahn entgleist. Sieben verletzte.

In Mannhe.m sprang der Anhängewagen eine- zum Schloß fahrenden Dtraftenbahnzuges auS noch nicht festgestellter Ursache aus den Schienen und stellte sich quer zur Fahrtrichtung. In diesem Augenblick stieß ein entgegenkommender Straften» bahnzug gegen ben Anhängewagen. Durch ben Zusammenstoß gingen bie Scheiben bes Anhänge­wagens größtenteils in Trümmer. Sieben Per­sonen wurden verletzt.

Arme Spatzen.

Der angeblich überhandnehmenden Spatzen- plage will «man in Mollenfelde (Kreis Kassel) dadurch zu Leibe gehen, daß man jeden Grund­besitzer verpflichtet, eine bestimmte Anzahl Spatzen je nach der Größe seines Besitztums abzuliefern. Wenn er das vorgesehene Jagdergebnis nicht er­reicht, soll er für jeden fehlenden Spatzen 10 Pf. Strafe an die Gemeindekasse zahlen. Mit diesem Gelbe sollen dann die geschädigten Feldbesitzer ent­schädigt werden.

Die Orchidee erhielt ben RamenTger-Orchidee". In Südamerika hatte ein Orchideen-Jäger, als schon die Regenzeit und damit das Ende ber Jagd für ihn herannahte, noch keine seltene Blume ge­funden, als ihm ein Indianer eine Auslese von fast hundert Exemplaren brachte. Darunter war ein so prachtvolles Exemplar, wie er noch keines gesehen hatte. Er nahm es in die Hand, um es näher zu betrachten, unb in bem Dämmerlicht glühten die Farben, als wären sie lebendig. Plötz­lich regte sich einer ber tiefen juwelenartigen Flecken unb setzte sich in Bewegung ber Orchi- deen-Sammler warf bie scheinbare Blüte auf ben Boden unb sprang entsetzt zur Seite. Was er in Händen gehalten hatte, war keine Orchidee, son­dern eine Giftschlange. Kein Wunder, baß bei solchen Schwierig! iten für den Sammlur die Orchi­deen teuer sind. Dazu kommt, daß die Pflanzen schwer aus ihrer Heimat fortgebracht werden kön­nen. Von einer Schiffsladung von 21003 Orchi­deen aus Südamerika überstanden nur wenige Pflanzen bie Seereise, von einer nach Deutsch- lanb bestimmten Ladung von ben Philippinen unb Boninen-Inseln von 1C03 Pflanzen nicht eine. Kommen sie auch wohlb halten im Treibhaus an, so gelingt es oft nicht, biefe Orchideen unter künst­lichen Bedingungen zum Blühen zu bringen.

Zeitschriften.

Das Februarheft berS übdeutschen Monatshefte" (Verlag München) ist ben Problemen des deutschen Films gewidmet. Aus dem reichhaltigen unb vielfältig oricnticrenben Inhalt seien bie folgenden Beiträge genannt: Den Kulturstandpunkt verfechten Peter Dörfler (Film und Dichter") unb Tim Klein (.Film unb Theater"). Den Weg vom alten Pantomimus zum Film skizziert Eduard Stemplinger. Vom Film alsErlebnis" plaudert aus filmkritischer Erfahrung R. Prevot. Einen aufschlußreichen Querschnitt durch das deutsche Filmwesen" zieht Hugo Rütters. Adolf Engi sprichtVon der Bedeutung des deutschen Filmtheaters": Pro­duktion und Filmindustrie behandelt E- H Gor­rell; über das bedeutsame Gebiet desLehr- und Kulturfilms" unterrichtet Walther Günther; überFilm und Musik" Hans Deneke: in bie Rechtsfragen des Films führt W- Plügge ein: in die kulturpolitischen Maßnahmen deS Staates E. Seeger: Djrellor E. Schopen behandelt die ©onberfragen des FilmS im süddeutschen Kultur­kreis; in einem Aichang äußern eine Reihe be­kannter Filmschauspieler und Regisseure ihre Ge­danken unb Wünsche.