Ausgabe 
20.2.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

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SA.-Ausmarsch in Gießen und Wieseck

Geschichten aus aller Welt

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Tagung der hessischen Turnlehrer

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l?sung des Landtage- einbringe. _ .

löfung hätten sich aber Sozialdemokratie und Kommunisten verkrochen und dagegen gestimmt. Hitler-Regierung im Reich bedeute auch Httler- Regierung in Heilen. Hessen wolle keine Ge­schäftsführung mehr, sondern Männer, die das Vertrauen des hessischen Volkes hätten. Del der Reichstagswahl werde auch das hessische Geschick entschieden. Dann werde sich hoffentlich zeigen, daß Reichsrecht Landesrecht und Reichsmacht Lan­desmacht breche. 3m Vertrauen auf die eigene Kraft allein könne sich das deutsche Volk den Weg in die Freiheit bahnen. Die RSDAP. werde immer zum Kampf bereit sein, am 6. wie am 4 März, nach den Anordnungen des Füh­rers für das deutsche Volk. Mit Heilrufen auf Deutschland und den Führer Adolf Hitler, die begeistert ausgenommen wurden, schlaft die An-

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Der Hessische T u r n l eh r e r v e r e i n ver- einigte am Samstag imBayerischen Hof seine Mitglieder zur Jahreshauptversamm­lung. D-r Vereinsvorfitzende K i r s ch. Mainz, eröffnete die Tagung und begrüßte die ^eil- neftmec. Lehrer Paul. Gießen. ftteft bie Gaste im Ramen der Ortsgruppe Gießen willkommen.

Zunächst wurde der Kassenbericht er- stattet. Die Einnahmen betrugen 1253,12 9*.. Die Ausgaben 811.84 Ml. Io daft ein Ucbcrjcbuft von 4,1 03 Mk. zu verzeichnen war. Die Rech- nung war geprüft w^^en. dem Rechner wurde Entlastung erteilt.

Der Vorsitzende erstattete sodann den Zahres- bericht. Das Jahr 1932 habe viele ödjtoiccig- keitcn, erheblich- Drosselungen im Schulwesen viele Hemmungen gebracht, und auä bet -arbeit deS Vereins sei Kampf geworden. Die Schaffung einer Interessengemeinschaft zwischen Zeichen-, Musik- und Turnlehrern sei leider g e - scheitert. Der Verein sei bestrebt, die Inter­essen seiner Mitglieder im Rahmen des Möglichen zu vertreten. Rach wie vor solle die gründ- lichste Ausbildung der Turnlehrer gelordert werden.

Notwendig fei vor allem, daft viel mehr Turn­lehrer im Schuldienst Verwendung finden.

Die gegenwärtigen Verhältnisse bedürften einer gründlichen Bereinigung. Rach dem gegenwärti­gen Stand der Dinge seien die Aussichten der jungen Turnlehrer für eine Anstellung die dent- bur schlechtesten. Die Bemühungen um die Unterbringung von Turnlehrern in den ver­schiedensten Schulen seien bisher leider fast er­folglos gewesen. Zwar finde man bei allen Vorhaltungen Verständnis für die Rottoendigkett der Abhaltung eines zeitgemäße Turnunteir.chts, aber die Konsequenz werde von den auflanDigen Stellen nicht gezogen. Man werde seitens des Ve.eins hessischer Turnlehrer nun andere Schritte ergreifen und sich an den Staatspräsi­denten wenden.

Gefordert müsse auherdem eine Stelle werden, eine Landeshauptstelle gewissermafteu, die die Belange des Turnunterrichts in den Schulen amtlich vertrete.

Diese Hauptstelle müsse von fachmännischer Seite geleitet werden. Die dringendsten Forderungen

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der Turnlehrer im Interesse eines geregelten Turnunterrichts an den Schulen brachte der Red­ner in umfassender Vorlage zum Vortrag- Die Vo läge ziele hin auf eine zeitgemäße Au s- gestaltung des Turnunterrichts tm Interesse der körperlichen Ertüchtigung der Iu- gend Die bisher gemachten Einsparungen, die du.ch die Einschränkung des T^nuntcrrichts er­zielt worden seien, mühten als höchst unzweck- mäftig bezeichnet werden. Im gesamten Aus­land werde der Ertüchtigung der Jugend viel mehr Aufmerksamkeit zugewandt, als in Deutsch­land.

Ls gebe insbesondere in Hessen viele Schulen, die keinen Turnlehrer beschäftigen und den denk­bar geringsten Turnunterricht erteilen.

Die Versammlung beschäftigte s.ch dann in reger Aussprache mit den im Iahresbericht vorgetra- genen Fragen und beschloß, die vom Vorsitzenden vorgetragenen 5o-"" ungcn in einer Eingabe andie Fraktionen des Landtags und an den Staatspräsidenten weiterzu­leiten. Ein weiterer gesonderter Antrag ioll hin­sichtlich der Schaffung einer amtlichen Hauptstelle für Turnen gestellt werden.

Der Vorstand soll die dementsprechenden Schritte unternehmen.

Im weiteren Verlaufe der Tagung berichtete der Leiter des Instituts für Leibesubungen an der Universität Gieften, Dr. Möckelmann, über d.eAusbildungderjungenTurn- philologen am Institut für Le.besubungcn. Die Ausbildung, so führte er u. a. aus, er­strecke sich gegenwärtig noch auf den Zeitraum von 8 Semestern. Eine gemeinschaftlich- tob;en- schaftliche Prüfung beschließe das Studium. Prak­tisch- Prüfungen werden vorher abgehalten.

Leider würden nur sehr wenige Studierende in den Lehrberuf übernommen.

Ueber die körpert.ch-n Leistungen der Studen­ten werde ein ..Leistungsbuch' geführt. LeibeS- übung an der Landesuniversität werde als Haupt- und Rebenfach betrieben. Allerdings feien bi« aufgetretenen Widerstande gegen diese Reu- crung sehr groft gewesen. Man müsse s.ch vor Augen halten, daft es unmöglich f«, !das Turn­fach mit anderen wissenschaftlichen »achern In Zw- samrnenhang zu bringen. Für die Auswahl und

keinen Bürgerkrieg. Hitler verlange für die Durchführung seines Aufbauprogramms vier Iahre Zeit, um dadurch Arbeit und Brot zu schassen. Rach diesen vier Iahren werde der Marxismus von selbst tot sein. DieseS Programm fordere auch eine saubere und geordnete Staats­führung im ganzen deutschen Vaterlande. Er (Redner) habe angeordnet, daft die Fraktion der RSDAP. auch in Hessen einen Antrag auf Aus- Ifuna des Landtage« einbringe. Vor dieser Aus-

- Reichsbahn-Rückfahrkarten für die Osterferien. Auch in diesem Iahre wird die Reichsbahn den Festtagsverkehr zu Ostern durch Ausgabe von verbilligten Fcsttagsrückfahr- karten erleichtern. Die Geltungsdauer der Fest­tagsrückfahrkarten ist für die Zeit vom 6. A p r 11 (Donnerstag vor Palmsonntag) bis zum 19. April (Mittwoch nach Ostern) festgesetzt, und zwar gelten die Festtagsfahrkarten zur Hinfahrt an allen Tagen vom 6. April 0 Uhr bis zum g April 24 Uhr und vom 13. April 0 Uhr vis zum 18. April 24 Uhr (die Hinfahrt muft am 9. und 18. April um 24 Uhr beendet fein), zur Rückfahrt an allen Tagen vom 8. April 12 Uhr bis zum 10. April 24 Uhr und vom 13. April 12 Uhr bis zum 19. April 24 Uhr (die Rück­fahrt muft am 10. und 19. April um 24 Uhr beendet fein). Die Arbeiterrückfahrkarten können während der ganzen Geltungsdauer vom 6. bis 19. April an jeöcm Tage zur Hin- und Rück­fahrt benutzt toerben; die Rückfahrt muft am 19. April ebenfalls um 24 Uhr beendet fein. Die Fefttagsrückfahrkarten sind bereits vom 10. Tage vor dem ersten Geltungstage, also von Montag, 27. März, ab zu erhalten.

Hierauf setzte die Standarte ihr4n Marsch fort durch die Ostanlage, Walltorstrafte, Kirchenplatz, Schulstrafte, Sonnenstrafte, Seltersweg, Westan- läge, Bahnhofstraße, Reustadt, Oswaldsgarten. Eleinstrafte, Marburger Strafte, Wieseckerweg nach Wies eck. Dort standen starke Polizei- postierungen mit Karabiner, um beim Durchmarsch bet Standarte durch eine Reihe von Ortsstraften die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu ge­währleisten. In mustergültiger Ordnung durch- schritten die SA.-Formationen bei Marschmusik und Gesang von SA.-Liedern den Ort, vorbei an einer großen Menge von Schaulustigen.

Durch das Wiesecktal und den Philosophenwald ging es dann zum Trieb zurück, wo noch ein Vorbeimarsch der Standarte vor dem Standarten- sührer-Slellvertreier M ü n k e r stattsand. Damit war der Aufmarsch, der überall vyne Zwischenfall verlief, beendet. Die Polizei hatte umfangreiche Sichcrungsmaftnahmen getroffen, die sie überall vorbildlich und anerkennenswert in entgegenkom­mender, aber doch bestimmter Weise durchführte.

Am Abend fchloft sich in der Volkshalle eine sehr stark besuchte öffentliche Kundgebung der RSDAP. an, bei der der preußische Kultusmini­ster Dr. Rust sprach. Wir werden über diese * Kundgebung noch berichten.

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Bewertung bet Studierenden sei nicht allein die Leistung, sondern die ganze seelische Struktur deS Anwärter- maßgebend. Die Auslese sei also eine sehr problematische, beim eS gelte, den gan­zen Menschen zu erfassen, wenn er wahrer Turn­lehrer sein solle. Besonder» Forderung sei na­turgemäß pädagogische Fähigkeit.

Die Leibesübung müsse, um sie aller Anfeindung . ;u entheben, endgültig eingeschaltet werden in den fiulturfrei» der Gesamtheit.

Hier gelte eS besonders daS in Hessen noch reich­lich stiefmütterlich behandelnde Wandern zu pflegen. Sodann referierte Fräulein LüderS, die Leiterin des TurnlehrerinnenseminarS in Gießen, über ihre Arbeit. Sie schilderte den Aufbau der Arbeit (die in einem Artikel im Sportteil des Gießener Anzeiger- bereits vor einiger Zeit ein­gehend gewürdigt wurde) und wie- besonder- daraus hin, baß das Wandern im Turn» lehrerinnenseminar bereits eine beachtliche För­derung erfaßten habe. Sie schilderte ferner die vielen Möglichkeiten, die das Seminar durch die glückliche Verbindung mit dem Institut für Lei­besübungen an der Landesuniversität genieße. Besonder- erfreulich sei eS. daß den Schülerin­nen des Seminars viel Gelegenheit zu wertvoller Lehrprobe gegeben sei.

Der Vorsitzende deS Verein-, Herr Kirsch- Mainz berichtete kurz über die Arbeit de- lurn- lehrerinnen-Seminars in Mainz und forderte eine zuverlässige körperliche Ausbildung der Schüler

Die Standarte 1 16 der RSDAP- ver­anstaltete gestern nachmittag einen Aufmarsch in Gießen und in Wiescck. «<bon tm Laufe des Vor­mittags und Mittags machte sich daS Ereignisim Straßenbild bemertbar, sowohl durch daS Er­scheinen zahlreicher einzelner SA.- und Sw.- Leute, wie auch durch geschloßene Formationen.

Von 14 Uhr ab erfolgte die Aufstellung der Standarte auf dem Trieb. In weitem, offenen Viereck waren die Stürme aufmarschiert. Trotz Kälte und lebhaftem Schneegestöber hatte sich eine große Mensch-nmenae eingefunden, die <o- wohl am Trieb, wie in der Grunberger Strafte Aufstellung nahm. Rach adgech«o,sener Grup­pierung der Formationen schritten EA.-Oberfuh rer H a u e r-Darmstadt und Standartenführer- Stellvertreter M ü n k e r - Gießen unter den Klan- aen des Präsentiermaisch-S der Standartenkapelle ßie Front der Stürme ab. Anschließend hielt Gauleiter Sprenger» Frankfurt a M. eine kurze Ansprache, in der er die SA. auf die große Aufgabe des Führers hinw.es und bte Rotwendigkeit unverbrüchlicher Treue für den Führer betonte. . .

Dann begann der Aufmarsch der Standarte durch Gießen und Wieseck. Dem Spielmannszug und der Standarten-Kapelle folgte zunächst die Gießener SS., dann die Stürme aus der Pro­vinz. Riesige Menschenmengen hatten in den Marfchstraften Aufstellung genommen und folg­ten mit starkem Interesse dem in guter Disziplin durchgesührten Umzug. Der Marsch ging zunächst durch die Kaiserallee, Moltkestrafte, Senckenberg- strafte zum 116er*®entmal auf dem Landgraf- Philipp-Plah. Hier hatte sich rundum wieder eine große Menschenmenge ein gefunden.

Vor dem llber-Denlmal hatten Gauleiter Sprenger und Oberführer H au e r Aufstel- lunq genommen, an denen die ©tanöarte bei schneidiger Marschmusik vorbeimarschierte. um dann in dem weiten Rund des Fahrdammes um daS Denkmal Aufstellung zu neymen. Gau- leiter Sprenger hielt eine Ansprache, in der er die Reichstagswahl am 5. März als die letzte ' Wahl, die deutsche Freihellswahl bezeichnete und dem bisherigen System deS. Parlamentarismus schärfsten Kamps anfagte. Die Uebernahme der Staatsmacht durch Hiller tourue leden Sinn ver­lieren wenn auf dem bisherigen Wege weiter- gegangen werden sollte. Mit diesen Wahl wende sich Adolf Hitler an den freien deutschen Men- schon mit der Aufforderung, sich hinter ihn zu stellen zum Wiederaufbau Deutschlands auf neuer Grundlage. Dazu gehöre vor allem die Aus- rettung des Marxismus, ledoch bedeute das

enden Spaltn« Ide (Äiift Ml) nan jeden ®runt>« te Anzahl -patzen tzlums abjuhefetn. Ergebnis nicht « n Spatzen 10 Pf- ihlen. Mit diesem n Feldbefitztr ent«

Alsdann bittschön: Der Herr Bürgermeister möge Gnade für Recht ergehen lassen und die Kochkurse abbestellen. Schließlich gibt es nicht nur eine kri­senbeschwerte Gegenwart, sondern auch eine schö- nere Zukunst.

Hoffentlich hat der Bürgermeister der Donau­stadt Verständnis für dieletzte Waffe' und für den hausaemachten, oft kopierten, nie erreichten Wiener Apfelstrudel ...

Mari?, Marie ...

(Avk) Bubapeft

Lang, lang ist', her. Graf Bethlen war noch am Ruder und hielt im ungarischen Parlament eine seiner bekannten großen Reden. Auf der Tribüne saß jedoch ein weltoergeßenes Pärchen, ein be­kannter Budapester Rechtsanwall mit einer klei­nen unbekannten Schauspielerin. Auch er hielt ihr eine große Rede, und die hatte augenscheinlich mehr Erfolg als die des Grafen Bethlen: Sie war bald besiegt" und schenkte ihm die kirschroten Lippen. DerKuß im Unterhaus" erregte ziemliches Auf- sehen, und Fräulein Marie Sz. wurde plötzlich ebenfalls bekannt ...

Monate waren vergangen. Graf Bethlen zog sich von der Politik zurück, die Sitzungen de« Un­terhauses verliefen rußfrei, und die kleine Marie machte auch nicht mehr von sich reden. Bis sie neu­lich abermals eine Reichstagskarte geschenkt be­kam. Diesmal besuchte sie aber ohne Begleiter die Sitzung und benahm sich recht manierlich. Ein Ab- geordneter erkannte jedoch die dereinstigeRuhe­störerin" und meinte:Kinder, die Kuß-Marie ist wieder da. Sie will sich wohl der neuen Gömbos-

Regierung vorstellen !!! .

An diesem Nachmittag gingen alle Regierungs- anträge ohne Debatte durch. Alles wartete auf bif Vorstellung". Leiber ohne Erfolg ...

MaulschclliN-Wettbcwerb.

(s) Belgrad.

3m Zeitalter der Rekorde und des Rekordwahn« sinns fühlten sich auch zwei beamtete Würdenträ­ger der serbischen Gemeinde Kragujevac (1915 von der Heeresgruppe Mackensen besetzt!) veranlaßt, einen neuartigen Wettbewerb auszutragen. Der Kirchendiener und der Magistratsbote nahmen aus dem Marktplatz Ausstellung, die schaulustige ivevol- kerung gruppierte sich um dieMatadoren , unb nun begann ein Zweikamps sondergleichen. Es ging darum, wer von den beiden mehr Maulschellen vertragen könne! Nach einiger Zeit hatten beide Parteien rote und angeschwollene Gesichter. Nichts- destotrotz führten sie ihr sreundliches Duell weiter bis zur Kampsunsähigkeit des Kirchendieners Die­ser Schwächling hieltnur" knappe 27 Maulschel- len aus und fiel in Ohnmacht. Der Sieger Des neuesten jugoslawischen Weges zur Kraft und Schon- hell wurde angemessen gefeiert. Der Zustand des Besiegten ist nicht unbedenklich.

BacchuS'Scherze am Schwarzen Mccr.

(Br) Sofia.

Anchialo am Schwarzen Meer, Stadtgründung der Griechen aus Byzanz, ist eine berühmte bul- garische Weinstadt. Dort kostet der Liter Wemvon der Quelle" aber ohne Wasserbeimischung 4 Lewa, 12 Pfennig. Kein Wunder, daß die Bur­ger von Anchialo gerne einen Schoppen trinken. Und wenn sie mehr trinken, dann haben si-e zu ihren Füßen das Meer, das ihnen Kühlung ver- chafft. So faßen unlängst imCasino" die Hono­ratioren beisammen und becherten tüchtig. Draußen heulte mit Eis und Schnee der Wind übers Schwarze Meer. Zur nächtlichen Stunde bot da der Wein- Händler Ewloimenoff eine Wette aus; Gegenstand: ein nächtliches Bad im Meer in voller Kleidung! Der Stadtrat Mascharoff hielt die Wette und zwar mit 100 Lewa Bargeld für ein weiteres Zechgelage mit 250 Liter Wein zu den billigen Preisen Anchia- los, dazu zwei Spanferkel, zwei große Topfe ein­gemachter Pfefferschoten und 20 Brotlaiben Die

Sitzung" wurde unterbrochen, die ganze Gesell- schall begab sich an den Kai und schon hatte der Weinhändler seinen Hechtsprung in die dunkle, eisige Flut getan. Er tauchte, machte ein paar Schw mmst^ße und ging wieder an Land, wo er mit gewaltigem Jubel empfangen und im Triumph ins Casino zu- rürfgeleitet wurde, wo am rotglühenden Dien ein Kleiderwechsel stattfand. Anschließend wurde die Wette ausgetragen und das hat (der kühne und ab­gehärtete Schwimmer allen voran) bis zum nächsten Mittag gedauert.

Eine Triumphbrücke fällt intz Waller.

(?) Istanbul.

Außer der großen Galatabrücke, hie Galata mit dem Stambuler Stadtviertel Emin Denü, dem Hauptgeschäftsviertel verbindet, führt noch eine zweite, die Alte Brücke, etwas weiter oberhalb über das Goldene Horn. Sie verbindet das stille Kassim Pascha mit dem uralten Handwerkerviertel von Unkapan. Der Verkehr auf ihr ist sehr germg tm Verhältnis zu dem der Galatabrucke, es führt auch nicht einmal eine Straßenbahn über diese »rucke. So war man sich eines Tages klar darüber, daß diese Brücke neu erbaut, ein Teil des Verkehrs der

und Schülerinnen. Er forderte insbesondere via Ausbildungszeit von zwei Iahren.

In einer kurzen Au-sprache warnte Dr. Möckelmann vor einer Ver-Theoretisierung der Tumiehrer-Au-bildung.

Hieraus sprach Lehrer Reinhard (Main-) über seinen Besuch im Wehrsportlager Ohrdruf, daS er auf Einladung deS ReichS- kuratorium- für Iugendertüchtigung für den Hes­sischen Turnlehrerverein kennenzulernen Gelegen­heit hatte. Er gab vielerlei Aufschluß über die Art dieser Arbeit, schilderte da« Milieu, die Aus­gaben, die Vorzüge und Rachteile der Arbeit in diesem Lager, betonte aber, daß für den Turn­unterricht in den Schulanstalten keine Anregung von diesem Lager au-gehen könne, da diese Ar­beit im Rahmen de« Lehrplanes der Schulen nicht durchgeführt werden könne.

In d-n Beratungen nach der Mittag-paufe be­schäftigte sich die Versammlung mit verschiedenen Fragen interner Ratur. Lehrer Mohr (Gießen) referierte über die Teilnahme von sechs jugend­lichen Turnlehrern an der Schulungswoche in Berlin, die vom ReichSverdand für Fachturnlehrer veranstaltet war.

Im Rahmen der Tagung wurde tm Laufe de« RachmittagS von Fräulein Mendel (Mainz) im Phyfikfaal der Goethcschule ein Lichtbildervortrag über den Segelflug gehalten, bei dem sich die Rednerin mit grundsätzlichen Fragen des Segel- fluge« beschäftigte und außerdem von ihrem eige­nen Werdegang al« Segelfliegerin erzählte. Die 1 Zuhörer folgten mit großer Aufmerksamkeit.

Vornotizcn.

Au« dem Stadttheater-Bureau wird un« geschrieben: Morgen, Dien«tag, 20 Hßr, 20 Vorstellung im DienStag-Abonnement: -Aar- aelö lacht", Lustspiel von Eammerlohr und Sber- matjer ; gewöhnliche Preise. Ende 22 Ähr. Rillt- woch, 22. Februar, 19.30 Uhr, südwestdeutsche Erstaufführung des BauernkriegSdrarnaSSer Bundschuh", von Karl Reurath (2. Abend im Zykiu« hessischer Dramatiker). 20. Vorstellung tm Mittwoch-Abonnement. Gewöhnliche Pre.se. Ende nach 22 Uhr. In Vorbereitung ist ein dem Fasching-fest besonders angepaftte« Programm. Da« Faschingstreib-n eröffnet am SamStag. 25- Februar, ein .Große- ZirkuS-Kabarett". Dieser ZirkuS-Premiere folgt am FafchingSfonntag eine Wiederholung der Operetten-Revue .Im weißen Röft l" (18.30 Uhr bi- 21.30 Uhr). Am gleichen Tage, um 22.15 Uhr ein mit vollkommen neuem Programm ausgestattetes und auf Fasching ein­gestellte-Racht-Kabarett". Der Vorverkauf zu diesen Faschingssonderveranfialtungen hat bereits eingesetzt.

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(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

DerEngel von Bowcrh".

(d) Neuyork.

Jene Frau, die man einst nur denEngel von Dowery" nannte, weil sie wohltätig war wie keine andere, weil sie in East Sidc im ärgsten Elend half wo sie konnte, Überrascht die Welt auf einmal als Malerin. DerEngel" Irving T. Bush, jetzt die Gattin eines bekannten Finanzmanns, betrachtet sich freilich nicht selbst als Malerin, sondern nur als Werkzeug, als Medium. Sie malt nämlich Geisterbilder".

Hunderte von Bildern sind so entstanden. Sell- same Malereien, die beträchtliches Aufsehen erregten. Seit elf Fahren hat derEngel von Bowery" dauernd Bilder gemalt. Damals starb ihre Mutter, und nun ijt sie überzeugt, daß der Geist ihrer Mutter chre j)anb führe.

Da sie keine Kunstschule besucht hat, da sie ferner eine sehr eigenartige Technik entwickelt, sind die Kritiker stutzig geworden und haben sie darüber befragt, wie sie male. Sie erklärte:

Ich brauche nicht zu denken, sondern ich kann an der Leinwand träumen. Wenn ich beginne, weiß ich nie, was daraus wird. Aber nachher ist immer ein Bild daraus geworden, das andere zu deuten und zu bewundern wissen ..."

Die Bilder desEngels sind augenblicklich Die große Sensation von Neijyork. Man weiß, daß Mrs Irving Bush nichts um des Geldes willen tut, weil sie selbst sehr reich ist und auch schon reich war, ehe sie den Finanzmann Bush heiratete. Sie traf ihren Gallen übrigens in jenem East dicke, wo sie lange als Wohltäterin lebte. Dort begegneten sie einander bei der Verteilung von Geschenken an die

Aermsten. . e_,r .

Erst viel später erkannte Bush, em kühler, smar­ter amerikanischer Kaufmann, baß ereines der größten spiritistischen Medien Amerikas geheiratet hatte.

Ordnung muh sein!

(r) Amsterdam.

Ein Kolonialbeamter auf Sumatra, der seit fünf Jahren gewissenhaft unb fleißig seinen amtlichen Pflichten nachgekommen ist, erhielt vor einiger Zell bie Mitteilung seiner vorgesetzten Behörde, baß ihm ein halbes Jahr Heimaturlaub nach Europa bewil- ligt sei. Wer konnte froher sein, als biefer Mann, der in ber genannten Zeit fast nur in einer halben Wilbnis gelebt unb in stillen Stunben sehnsüchtig der fernen nieberlänbischen Heimat gedackst hatte? Flugs bestellte er, was gar schnell geschah, sem Haus, übergab seinem Nachfolger bzw. Stellver­treter sein Amt unb seine Obliegenheiten unb war gerade im Begriffe, den Ort seiner bisherigen Tä­tigkeit zu verlassen, als ihm von einem Eingebore­nen ein Diensttelegramm gebracht wurde. Er über­flog es unb knickte zusammen.

Denn in diesem Diensttelegramm teilte ihm seine vorgesetzte Behörde mit, bei einer Durchsicht ber Kos- senbücher habe es sich herausgestellt, baß er, ber Mynheer X., ber Behörde noch mehrere hundert Gulden schulde für Vorschüsse, bie er in Den letzten fünf Iahren auf fein Gehalt gezogen habe. Die llrtaubsbemifligung könne selbstverstänblich nur be« (tätigt werben, wenn Mynheer vor ber Heimreise dieses Saldo begleiche.

l)a diese Summe jedoch gerade bte Halste pes Reisegeldes ausmachte, das er benötigte, um seine heimatlichen Tristen Wiedersehen au können, packte Mynheer betrübt unb resigniert seine Koffer Bie­ber aus und blieb in seiner Wildnis.

Die Zeitungen regen sich über diesen Unverstand- sichen Bürokratismus der Kolonialbehörde mächtig auf. Sie haben gut reden, denn wenn Mynheer unterwegs etwas passieren sollte, brauchen sie das Defizit in ber amtlichen Kasse nicht auszugleichen.

Dio tctztc W> is .

(c. s.) W i e n.

Nehmt uns nicht unsere letzte Waffe!" Diesen nicht alltäglichen Hilserus richteten, man höre und staune, bie vielgepriesenen, ostbesungenen Wiener Frauen an den Magistrat ber Donaustabt. Die seschen, unwiberstehllchenWeanerinnen", über deren Charme und vielseitige Begabung bte ganze Welt unterrichtet ist.

Was war bie Ursache? Em folgenschwerer En - schluß ber Stabtoerwaltung, wonach für beschäf­tigungslose Männer städtische Gratis-Kochkurse ein­gerichtet werben fällten.

Sämtliche Frauenoereine ber Donaustadt pro- testiertenwie ein Mann" gegen den geplanten Dolchstoß. Sie führten aus, baß in ben heutigen wenig rosigen Zeiten bie Kochkunst die einzige und letzte Waffe des schwachen Geschlechtes sei. Daß le­diglich bie Zubereitung von krästiaer, schmackhafter Hausmannskostreizvoll" sei unb ben einzigen An­laß für die ehemüden Männer bilde, sich em Heim zu gründen. Wenn nun die Herren selbst im Stru- , belfeigtneten unb sonstigen Finessen unterrichtet werben, dürfte die Liebe gar bald nicht einmal , mehr durch den Magen gehen. Dann wird aus , Wien, der Stadt der Träume,^ ein Irümmerfelb von i unzähligen altenSchachteln"