ticlfeffcnral sich im wesentlichen um den kommunistischen Antrag drehen wird, hier ist jede Ueberraschung möglich, da bisher völlig ungewiß ist, wie sich die Parteien zu diesem Antrag stellen werden.
Bon Bedeutung wird hier nicht nur die Haltung der NSDAP, sein, deren Zustimmung genügt, um die Entscheidung herbeizuführen, sondern auch die Haltung der SPD. Ob die -sPD. dem Antrag zu- stimmen wird, scheint zweifelhaft, da sie bisher aus den verschiedensten Gründen Wert auf Zusammentritt des Reichstages gelegt hat, was sie nur erreichen kann, wenn sie gegen den kommunistischen 'Antrag stimmt. Stimmt die SPD. jedoch dem kommunistischen Antrag zu, so muß sich die NSDAP, gegen den Antrag aussprechen, wenn Neuwahlen vermieden werden sollen.
Für die Stimmung der NSDAP, ist eine Bemerkung im „Völkischen Beobachter' beachtlich, wonach die NSDAP. Herrn v. S ch l e i - ch e r am liebsten Gelegenheit geben würde, noch über den Januar hinaus der deutschen Oefsentlichkcit den Zusammenbruch seiner Politik aus das Deutlichste zu zeigen. In diese Kerbe schlägt auch ein Artikel von Dr. G o e b b e l s im „B. B ", der u. a. ausführt, daß das Lipper Bolksurteil keine lokale Angelegenheit sei, sondern durchaus der augenblicklichen Stimmung im Lande entspräche. Es beginne wieder das große Wandern unter den Massen, und zwar in der Richtung auf die NSDAP, hin. Warte Herr von Schleicher noch zwei bis drei Wochen, dann würde die NSDAP, den Stand vom 41. Juli vollends wieder erreichen. Die Zeit fei für die Nationalsozialisten.
Gerückte. — Schleicher wird schnell handeln.
Wie es vor den großen Entscheidungen üblich ist, waren <un Donnerstagabend in Berlin eine Reihe von Gerüchten verbreitet. So wurde u. a. behauptet, Herr v. Popen habe eine Unterredung mit dem Kanzler gehabt, aus der hervorgeht, daß seine Vermittlungsaktion gescheitert sei. Zuverlässiges war hierüber jedoch nirgends festzustellen. Eine Reihe von Blättern, und zwar meistens die Gegner einer derartigen Lösung, sprachen von der bevorstehenden Bildung einer Harzburger Front. Tatsache war, daß irgendwelche Verhandlungen der Deutsch nati- o n a l e n selbst am Donnerstag nicht stattgefunden haben. Ruch wurde von einer Erschütterung der Stellung des Kanzlers gesprochen. Da der Reichspräsident keineswegs gewohnt sein dürfte, seine Kanzler allzu häufig zu wechseln — Schleicher ist erst seit sieben Wochen Kanzler — ergibt es sich von selbst, daß diese Behauptungen nicht den Tatsachen entsprechen.
Jür den Fall, daß die Regierung zu handeln gezwungen ist, dürfte sie auch die Vollmacht zur Auflösung des Reichstags erhalten. Daß sie erforderlichenfalls schnell zu handeln gewillt ist, das ist jedenfalls nach allen zuverlässigen Informationen sicher.
Beklemmungen in Bayern.
München, 19. Jan. (ERB.) Zur innerpolitischen Lage im Reich bemerkt der „Bayerische Kurie r", die Frage: „W as wird der Reichspräsident tun?" beschäftige die Oeffentlichkeit seit zwölf Stunden in viel stärkerem Maße, als alle übrigen sicherlich nicht unbedeutenden einzelnen Er- eignisie. Wiederum nehme man das Wort vom Dor» handensein eines Notstandes in den Mund. Gedanken, die vor wenigen Wochen eine große Rolle gespielt hätten, würden weiter verfolgt. Ihre Verwirklichung würde nichts anderes bedeuten als die Sammlung von Nationalsozialisten, Deutschnationalen, Stahlhelm und anderen Verbänden und die re st lose politische Ausschaltung des Zentrums und der Bayerischen Volks- Partei. Am polttischen Horizont stiegen dunkle Wolken auf und kündigten sich Gefahren an, auf die man nicht rechtzeitig genug aufmerksam machen könne.
Rückgabe der einstigen Aaiaillonsfahne Hindenburgs.
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Die französischen Kriegsteilnehmer haben ihre Regierung gebeten, ihnen die Erlaubnis zur Ueberbrm- qunq der Fahne des 3. Garde-Regiments an den Reichspräsidenten zu geben. Die Fahne war im Weltkrieg unter der Leiche eines deutschen Soldaten gesunden worden, der sie noch im Tobe durch Umwickeln des Fahnentuchs um feinen Leib verbarg, um sie nicht in die Hände der Franzosen fallen zu lassen. — Links- Hindenburg als Oberleutnant des 3. Garde-Regiments, in dem er den Krieg von 1870/71 mitmachte. — In der Mitte: Die Jahne des 3. Garde-Regiments (rechts), unter der Hindenburg emst — Rechts: Hindenburg in seiner Reichspräsidentenzeit, in der er nun hoffentlich die Rückgabe der Fahne erlebt.
Das Programm der WelwirffchMonserenz.
Oer Schiußbericht des SachverständigenauSschuffeS.
f eitigung der heutigen Handelsschranken und Ausfuhrhemmnifse erreicht werden.
Die gegenwärtige Handelspolitik lähme die gesamten internationalen Handelsbeziehungen. Die Regierungen müßten daher unverzüglich zu einer Wiederherstellung des normalen internationalen Handelsverkehrs schreiten.
Vor allen Dingen müßten die Kontingente und Ausfuhrverbote beseitigt werden, und es mühte zu einer allgemeinen Senkung und Stabilisierung der Zolltarife geschritten werden.
Die allgemeine Tagesordnung der Londoner Weltwirtschaftskonfcrenz (der 2. Teil) umfaßt sodann folgende sechs Punkte:
1. Währung und Kreditpolitik,
2. Warenpreise,
3. Wiederherstellung des Kapitalverkehrs,
4. Beseitigung der Hemmnisse des internationalen Handels,
5. Zolltarif und Handelsvertragspolitik,
6. Organisation der Produktion und des Devisenverkehrs.
Der dritte Teil des Arbeitsprogramms umfaßt den bisher noch nicht veröffentlichten, jedoch in einzelnen Teilen bereits bekanntgewordenen Kommentar des SachverständigenauLschusses zu den Einzelpunkten der Tagesordnung.
Die deutschen Sachverständigen haben in ihrer positiven Mitarbeit an dem Bericht der Sachverständigen mit größtem Nachdruck auf die einheitliche Durchführung und den Zusammenhang der behandelten Maßnahmen auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet hingewirkt. Deutschland ist wie kein zweites Land an einem Erfolg der weltwirtfchaftskonferenz interessiert.
Die Stärkung der Kaufkraft in Deutschland erheische einen Abbau der Handelshemmnisse und des übermäßigen Weltzollniveaus. Es verdient aber bei dieser Gelegenheit hervorgehoben zu werden, daß die deutschen Auffassungen über die Rotwendigkeit der Einengung derMeist- begünstigungsklauseln durch Kollektivabkommen auch in dem Bericht ihren Riederschlag gefunden habem Es wird allgemein anerkannt, daß die deutschen Sachverständigen unter jeglichem Verzicht auf theoretische Referate den Hauptnachdruck auf positive Vorschläge für die Londoner Konferenz gelegt haben. 3n den wesentlichsten Punkten trägt der Bericht auch der deutschen Auffassung weitgehend Rechnung.
G e n f, 19. Ian. (SU.) Der große Sachverständigenausschuh für die Weltwirtschaftskonferenz hat am Donnerstagabend nach zehntägigen Verhandlungen seine Arbeiten mit der endgültigen An n ahme desAr- beitsprogramms für die Londoner Welt- wirtschaftskonserenz abgeschlossen. Das Arbeits- programm gliedert sich in drei Teile: die Einleitung allgemeinen Charakters (Präambel), die eigentliche Tagesordnung der Konferenz und den Kommentar des Sachverständigenausschusses zu den von der Konferenz zu lösenden grohen Wirtschafts- und Finanzproblemen.
Der erste einleitende Teil schildert die gegenwärtige Rotlage der Weltwirtschaft. Weiter unterstreicht die Präambel den Währungswirrwarr. Gewisse Zeichen der Besserung, insbesondere durch den kürzlichen Aufschwung an den großen internationalen Börsen könnten jedoch festgestellt werden.
Eine endgültige Wiederherstellung der Weltwirtschaft werde aber nur bann erreicht werden können, wenn der gegenwärtige Kampf zwischen den einzelnen nationalen Wirtschaften aufgegeben werde. Das Londoner Arbcitsprogramm müsse daher ein Programm der wirtschaftlichen
Abrüstung fein.
Das internationale Schuldenproblem gehöre als solches nicht au der Zuständigkeit der Konferenz, jedoch fei ohne eine Regelung dieser entscheidenden Frage eine wirtschaftliche und fi
nanzielle Gesundung völlig undenkbar. Die Welt müsse von der schweren Beunruhigung und Belastung der internationalen Schulden endgültig befreit werden.
Der Bericht des Sachoerständigen- ausschusses faßt sodann das Londoner Arbeitsprogramm in folgenden vier Hauptpunkten zusammen:
I. Wiederherstellung der Beziehungen durch langsame vorsichtige Rückkehr zur Goldwährung in Zusammenarbeit der Zentralbanken.
2. Hebung des internationalen Preisniveaus zur Wiederherstellung dqr Wirtschaft durch eine allgemeine billige Zins- und Kreditpolitik, Organisierung der Ausfuhr und der Erzeugung besonders für das Getreide.
3. Die Abschaffung der Devisenzwangswirtschaft als eine entscheidende Voraussetzung für die Belebung der Wirtschaft, ferner Herstellung des Haushaltsgleichgewichts und wirtschaftliche und finanzielle Anpassung an die Lage. Die Regelung der kurzfristigen Verschuldung sei hierzu unerlählich. Vor allen Dingen müsse das Vertrauen auf den internationalen Kapitalmärkten wiederkehren. Die Herstellung des freien Devisenverkehrs könne durch die Verwendung der immobilisierten Fonds und Stabilisierungskredite für die Staaten mit passiver Zahlungsbilanz erleichtert werden.
4. Eine größere Bewegungsfreiheit des internationalen Handels könne am besten durch Be -
Aus aller Well.
6 Millionen Reichsmark Unlersiühungszahlunge» der Hindenburg-Spende.
Unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten trat das Kuratorium der Hindenburg- Spende zusammen. Rach dem von dem ehrenamtlichen Geschäftsführer der Stiftung, Ministerialrat Dr. K a r ft e ö t, erstatteten Jahresbericht, hat sie seit ihrer Gründung im Jahre 1927 rund 6 Millionen Mark an Unterstützungen verausgabt. Im Jahre 1932 wurde über eine Million in ungefähr 7000 Fällen an Schwerkriegsbeschädigte, Veteranen und Kriegerhinterbliebene ausgezahlt.
Grippe-Epidemie im Siegkreis.
Im Siegkreis treten die Grippeerkrankun- ge n in einem derart ungewöhnlichen Umfange auf, daß man von einer Seuche sprechen kann. Täglich werden seit mehr als einer Woche 120 bis 13 0 neue Erkrankungen an Grippe gemeldet. Ganze Familien liegen grippekrank zu Bett. Dreizehn Schulen, in denen von 2720 Kindern 1046 an Grippe erkrankt waren, mußten geschlossen werden. In einzelnen Betrieben ist ein Viertel der Belegschaft durch Grippeerkrankung nicht zur Arbeit erschienen. ______________________
Verantwortlich für Politik:
9 V Ernst BIumichein
Tag im Nebel.
Don Peter Bauer.
Es will gar nicht hell werden. Der Himmel ist wie mit dickem Rauch zugeweht. Als hätten überall in der Rächt qualmende Feuer gebrannt. So dicht und unaufhörlich müssen die Wolken und Schwaden emporgestiegen sein, daß zuletzt kein Platz mehr für sie in der Höhe war. Daß sie vor den Bergwänden sich ballten, im Wintergeäst des Waldes sich einnisteten, jede Talmulde ausfüllten und schließlich vom Boden nicht mehr hochkommen.
Schattenhaft, mit verwischten Konturen, ragen die Häuser der nächsten Straßen in den Rebelhimmel. Die Gärten hinter und zwischen ihnen sind in seinem Grau ertrunken. Man meint in einer Küstenstadt zu leben und Ausblick auf das nahe Meer zu haben, auf seine weiten, von dichten Dünsten verhängten Wasserflächen, die mit dem Himmel eins zu sein scheinen.
Anfang und Ende der Straßen find zugefchwelt. Man geht immer wie auf einer kleinen Insel mit einigen wenigen Passanten allein. Sie tauchen plötzlich aus dem Rebel auf wie Gestalten eines lausenden Filmbandes und gehen, wenn man ihnen nachblickt, rasch in dichtem Grau unter. Von den Dachtraufen her hört man ab und zu Sperlinge auf die schlechte Sicht und den getarnten Himmel schilpen. Flattern sie fort, versinken sie wie geworfene Steine in der grauen Finsternis. Autos fahren mit kleinen gelben Lichtaugen. Sie sehen darum nicht besser, aber sie werden selbst, we- nigstens auf ein kleines Wegestück, besser gesehen.
Wohl färbt sich in den wenigen Mittagsstunden das Rebelgewölk weißer. Man ahnt Licht hinter ihm. Es scheint wie hinter dicken Milchglasscheiben durch. Zuweilen reicht der Schimmer sogar bis in die Straßen herunter, daß Häuser und Asphalt in warmem Glanze strahlen. Aber das sind nur flüchtige Aufheiterungen. Wie der Augenausfchlag einer schönen grau, die aus Traum und Schlaf lächelnd erwachte und im nächsten Augenblick wieder enttäuscht über die graue Wirklichkeit die Lider schließt. Und früher noch als sonst dunkelt der Abend herein.
Die Laternen leuchten auf. Sie sitzen wie dicke goldene Spinnen in Strahlennehen, deren Schimmer wie Heiligenscheine nur kleine Kreise in sanfte Helle rückt, lim sie herum wabern die feindlichen Gewalten der grauen Schwaden in zähen Angriffen und versuchen in das sprühende Lichtgeäder einzudringen. Aber die goldenen Spinnen behaupten ihr Feld und erwehren sich aller Bedrängnisse, älnermüdlich spannen und gittern sie neue Fäden und bessern aus, wo die zarten Strahlengewebe
Schaden genommen haben. Die Autos entfalten jetzt oft neben großen Augenlichtern riesige Scheinwerferfühler, die sich durch die graue Rebelnacht behutsam vortasten und gelegentlich ihr? ausein- anderfächernden Strahlen fu/benb bis zum Bürgersteig und den Häuserfassaden hin gleiten lassen. Unsicher zucken die Lichter der Radfahrer her und hin. Man merkt ihnen an, daß das langsame tastende Tempo die Menschen nervös macht. Unter einer Fuhre, die sich durch den metallig klingenden Hufschlag der trottenden Pferde verrät, pendelt in langsamen Schwüngen eine Laterne nahe über dem Boden hin schwache, aber gut gemeinte Licht- signale, so wie sic Eisenbahnbeamte auf dem Rangierbahnhof zu schwenken pflegen.
Auch aus den Häusern blinkt Licht durch die Scheiben oder blinzelt durch die Sprossen der geschlossenen Läden. Aber ihr Schein reicht kaum eine Spanne weit. Aus den Schaufenstern flutet gelber Glanz breit auf die Bürgersteige. Heber den Gcschäftseingängen glühen Transparente in Rot und Blau. All ihre Lichtenergien bleiben vereinzelt, wachsen nicht zum ineinandermündenden Strom, der das Gebirge des Rebels durchbricht und Raum schafft und Weite und Helle. Man geht immerzu im matten Schimmer wie in einem schlecht erleuchteten Saal, aus dessen Eingeengtsein und Unsicherheit man sich fortwünscht. Man möchte die tarnende Last von sich und den Dingen abschütteln wie Schnee oder Regen von den Kleidern.
Vergebens sucht man mit einem Blick nach oben die himmlischen Lichtspender, die allein helfen könnten: die funkelnden Sterne und den magisch silbernden Mond und man hofft auf eine sieghaft hereinbrechende Morgenröte ..
Das Rhinozeros - der Expreß-Zug des Urwalds.
Der Erpreßzug des Urwaldes — das ist nach der Ansicht des berühmten Großwildjägers Andrew M. Felton die einzig richtige Bezeichnung für ein zum Angriff heranstürmendes Rhinozeros. Kein anderes wildes Tier kann er ihm an Gefährlichkeit gleichstellen. Kein Hindernis hält vor ihm stand. Wer es jagen will, muß ein weittragendes Gewehr, einen sicheren Schuh und vor allem Mut besitzen. Viele unliebsame Ueber* raschungen kann man mit dem Rhinozeros erleben, von denen Felton einige in einer englischen Wochenschrift schildert. „Ich reifte einst mit einem jungen Londoner", so erzählt er, „durch das Rgamiland. Des Rachts hatte ich für meine Rachtruhe eine Art Grube gegraben, da man sich
nach meinen Erfahrungen fo am besten ausruht. Dasselbe hatte mein Begleiter getan. Ich erklärte ihm, er brauche nicht das Lagerfeuer in Brand zu erhalten, da es doch nicht, wie man so oft hört, die wilden Tiere fernhält. Das schwarze Rhinozeros ist ein ständiger Rachtschreck um Lagerfeuer. Ich fiel bald in tiefen Schlaf. Da wurde ich plötzlich von einem furchtbaren Brüllen geweckt. Bevor ich noch zum Bewußtsein kam, war das Ungetüm schon da: ein angriffsbereites Rhinozeros. Wie ein Expreßzug brauste es gerade auf das noch brennende Feuer zu. Cs stampfte mitten durch die Flamme. Die Erde erzitterte unter seinem Gewicht, und ich fühlte auf meinen Wangen den Wind, den fein Vorüberbrausen erzeugte. Wie durch ein Wunder verfehlte es uns beim ersten Angriff. Aber schon vernahm ich aus dem Dunkel sein erneutes Brüllen, das Zeichen zum zweiten Angriff. „Schnell das Gewehr!" rief ich meinem Gefährten zu. Diesmal stand die Sache noch schlechter für uns. Wutschnaubend und ben Kopf zur Erde neigend, stürmte die Bestie mit unglaublicher Geschwindigkeit wiederum heran. Ich feuerte. Aber meine Kugel prallte an seiner Hüfte ab. Das Rhinozeros ließ sich dadurch nicht stören, stürmte weiter und verschwand in der Dunkelheit auf dem gleichen Weg. aus dem es zum ersten Angriff hervorgebrochen war. Um Haaresbreite waren wir dem Tod entronnen." Es wird nur wenige Verwegene geben, die ein so gefährliches Tier mutwillig herausfordern, wie es ein junger englischer Aristokrat tat. Man hatte ihn, nachdem er den größten Teil seines Vermögens mit Spiel und Wetten vertan hatte, nach Afrika auf die Großwildjagd gesandt. Eines Tages, als er sich mit zwei Gefährten auf der Löwenjagd befand, bemerkten sie, selbst im Dickicht verborgen, ein auf einer Lichtung grasendes schwarzes Rhinozeros. Einer der Männer wollte aus das ein gutes Ziel gebendes Tier schießen. Aber der junge Spieler fiel ihm in den Arm und flüsterte: „Warte einen Augenblick! Ich wette um fünf Pfund mit jedem von euch beiden, daß ich ohne Waffe an das Tier heranschleichen und ihm mit der Hand hinten einen Schlag versetzen werde." Alle Mahnungen nützten nichts. Der tolle junge Mann kroch auf allen Vieren vorsichtig an dms Tier heran. Riemals war ein Mann in einer gefährlicheren Lage gewesen. Hätte die Bestie ihn erblickt, so hätte sie ihn in wenigen Sekunden zerstampft. Die zwei Jäger hielten ihre Flinten schußbereit. Aber noch lächelte der Mensch, der hier um sein Geben spielte. Jetzt war er bis auf wenige Meter herangekommen, ohne von dem Tiere bemerkt worden zu fein. Run richtete er sich auf, schlug mit der Hand auf das ahnungslose Tier. Und nun begann
das Rennen mit dem Tode. Doch erstaunlicherweise gelang es ihm, im hohen Grase zu verschwinden, bevor das völlig verblüfft dreinblickende Rhinozeros seinen schweren Körper umwenden konnte. Befriedigt lafficrte der junge Abenteurer die zehn Pfund für die gewonnene Wette ein, die er sehr leicht teuer hätte bezahlen können. Rur sehr wenigen Menschen ist es gelungen, ein ausgewachsenes Rlinoze.os lebend zu erbeuten. Meist werden die jungen Tiere in Gruben gefangen und sicher hinter Gitterstäbe gebracht, bevor sie ausgewachsen sind.
Oie Zahrt ins Blaue.
Der Reisende darf sich im allgemeinen Wohl darauf verlassen, daß er, wenn er den richtigen Eisenbahnzug besteigt, auch pünktlich an seinem Ziele anlangt. Ein Zug, der sich verirrt, wie ein Wanderer im Walde, erscheint uns als etwas ganz Unmögliches. Und doch ist dieser Tage eine nächtliche Irrfahrt eines Zuges auf einer frairzosischen Strecke vorgekommen. Der Zug, der von Paris nach Bourges fährt, teilt sich auf der Station Vierzon. und zwar so, daß der vordere Teil nach Bourges weiter fährt, während der Hintere nach Chateauroux geleitet wird. Durch irgendeinen unglücklichen Zufall wurden nun kürzlich die Wagen nach Bourges auf die falsche Strecke gebracht, und die Reisenden, die an der nächsten Station aussteigen wollten, bemerkten Mötzlich, daß sie durch eine ganz unbekannte Landscha't fuhren, deren Brücken uiü> Straßen, jäh in Oer Beleuchtung aus dem Dunkel auftauchend, einen höchst verwirrenden Eindruck hervorriefen. Der Lokomotivführer. der augenscheinlich völlig die Besinnung verloren hatte, durchfuhr eine Anzahl von Stationen, ohne zu halten, und die beunruhigten Insassen des Zuges glaubten sich in einem Ge- spensterzug auf einer unheimlichen Fahrt. Schließlich zog einer der Passagiere, der die Fahrt nach Bourges häufig machte und jede Telegraphenstange seiner Strecke zu kennen behauptete, mutig die Rotbremse, so daß der Zug plötzlich anhielt. Der Führer, der Schaffner und die Reifenden versammelten sich im tiefen Dunkel aus einem unbewohnten Fleck und fragten einander ängstlich, wo man sich nun eigentlich befände. Da niemand eine Karte ober einen Kompaß hatte, beschloß man schließlich, bis zur nächsten otation weiter zu fahren. Als man hier anlangte, erhielt man endlich Auskunft. Der Zug war fehlgeleitet worden und wurde nun nach Vierzon zurückgeschickt. Don dort konnte er dann nach einer dreistündigen Verspätung fe^ne richtige Fahrt antreten.
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