Ausgabe 
20.1.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptstadt

werden.

In einer auf Einfachheit und Sparsamkeit ob­gestellten Finanzwirtschaft darf auch eine Sub­ventionierung einzelner Unternehmungen oder ganzer Erwerbszweige mit öffentlichen Gel­dern in Zukunft keinen Platz mehr finden.

Bei der immer dringlicher zu erhebenden Forde­rung auf Umstellung unserer gesamten sozialen Gesetzgebung mutz die Doranstellung der Er­haltung und Förderung der Wirtschaft vor der Für­sorge für die Versicherten der leitende Gedanke sein.

Eisenbahn und Post müssen durch eine Aenderung ihrer zu sehr fiskalisch eingestellten Tarifpolitik an ihrem Teile zur Gesundung der Wirtschaft beitragen. Wohl sind von beiden Ver­kehrsinstituten im Lause der letzten Jahre aner­kennenswerte Verkehrserleichterungen geschaffen worden; dies aber enthebt die beiden Verwaltun­gen nicht von der Verpflichtung sorgsamster Prü- ung der vorliegenden zahlreichen Resormoorschläge auf grundlegende Umstellung der Tarife.

In diesem Zusammenhang sei mit ganz beson­derem Nachdruck betont, datz die heutige Lage der deutschen Krastoerkehrswirtschaft gebie- terisch baldigste und durchgreifende Maßnahmen er- ordert, wenn nicht dieser für die gesamte Wirtschaft zu außerordentlicher Bedeutung gelangte Arbeits-

Vertrauen, was im Interesse einer weiteren Entwickelung und Belebung notwendig ist. Die Erkenntnis der Notwendigkeit, die steuerliche Be­lastung zu mildern, bestand in allen einsichtigen Kreisen. Bei der Negierung war der ernste Wille erkennbar, zu helfen, nur war diese Hilfe bei der Finanzlage des Reichs nicht mit sofortiger Wir» kung in die Tat umzusetzen. Durch die Steuer­gutscheine ist dieses Problem in hervorragender Weise gelöst worden. Die Wirtschaft bekommt mit alsbaldiger Wirlung Erleichterung, und die Re­gierung verteilt die Lasten in vo-l-chtig abgewo­gener Form auf längere Jahre. Es ist unbestrit­ten. datz hierdurch die leichte B^.erung geför­dert wird, und es besteht in führenden Kreisen die Tleberzeugung. datz die Einlösung dieser jetzt übernommenen Verpflichtungen ohne Schwierig­keiten geschehen kann. Auch die F i n a n z Ver­waltung findet jetzt in Wirlschas.slrcisenvoll­stes Vertrauen.

wenn eine nachhaltige Besserung für die All- gemeinheit eintreten soll, mutz es möglich ge­macht werden, die wirtschaft rentabel zu gestalten und wieder die kapitalbrldung zu fördern.

Rur wenn das letztere eintritt, wird hiervon ausgehend eine Befruchtung und eine weitere Be­lebung der gesamten wirtschaftlichen Lage ein- treten. , ,

Die Privatwirtschaft hat sich im großen und ganzen trotz einer nie gekannten und lang­anhaltenden Krise glänzend gehalten. Die An­würfe. die insbesondere von industriefemdlichen Kreisen in der Richtung erfolgt sind, datz der Wirtschaft die Köpfe fehlen, reichen an unsere Industrieführer nicht heran. So bedauerlich die in den letzten Iahren vorgekommenen großen Zu- sammcnbrüche sind und so viel Schuld auch die verantwortlichen Leiter hierbei haben mögen man darf bei gerechter Beurteilung daraus keine Verallgemeinerung ableiten. Erfreulicherweise ist der deutsche Kaufmann im Ausland nun wieder allgemein geachtet, und die Scl)ädigung seines Ansehens durch mancherlei Rachkriegsersche.nun- gcn ist verschwunden. Die Privatwirtschaft wird i im freien Konkurrenzkampf höchste Leistungen vollbringen und sich mit Erfolg durchsetzen, wenn

I sie von Hemmungen befreit bleibt.

In dem Streit um die Kontingentie­rung zugunsten der Landwirtschaft darf man nicht einseitig sein. Die grotze Slot der Land­wirtschaft ist bekannt. Sie ist verständlich, weil eine Anzahl ihrer Erzeugnilse erheblich unter Dorkriegspreis liegt, und auch bei diesem Be­rufszweig die Belastung in hohem Matze gestie­gen ist.

Die Gesundung der Landwirtschaft bedeutet für den wirtschaftlichen Aufbau unendlich viel, und sie ist für unsere Ernähruugspolitik als auch im vaterländifclien Interesse ungeheuer

Wald als Gewitterherd". Eine Doktor­dissertation über dieBezeichnung der Meise in den romanischen Sprachen"; ferner schreibt ein Mediziner hier etwas über denUnter­lippe n e r s a h", ein Gärtner über die lebens­fördernden Funktionen der Sellerie. Imposant macht sich auch die Arbeit eines Ehemikers über Cuprocupricyanidammoniakvcrbindungen. Schließ­lich seien auch die Bemühungen eines jungen Mannes nicht verschwiegen, der in seiner Doktor- arbeit wesentlich zur Klärung folgender Frage beigetragen hat:Fütterungsversuche an Kaul­quappen unter Berücksichtigung der Babikschcn Experimente über die Beeinflußbarkeit der Darm­länge durch verschiedene Rührung".

Winter im Zoo.

Es ist über Rächt so empfindlich kalt geworden, daß man schon von einem ernsthaften Winter sprechen kann, nach so viel Mildtätigkeit des Kli­mas in den vergangenen Monaten. Der Ber­liner Zoologische Garten trägt in diesen Tagen der Kälte, wie in jedem wirklichen Winter, auf einmal ein verändertes Gesicht zur Schau. Die Raubtierhäuser, in asiatischer Tenchelsorm er- baut, scheinen zu frösteln. Rur die Tiere, die in ihnen Hausen, täuscht man durch verdoppelte Hei­zung über die unangenehme Tatsache der Kälte hinweg. Rein, der Zoologische Garten im Win­ter ist ganz und gar kein Garten, sondern eine be­drückende Einöde.

Um so seltsamer, wenn in dieser Einöde auf einmal tropische Blumen im herrlichsten Smaragd­grün emporblühen. Zwar wuchern sie nicht im Freien, wie man das sonst an ihnen gewöhnt ist, sondern in den sorgfältig behüteten Häusern des Aquariums. Wie löst sich dieser merkwürdige Fall? Rimmt man sie näher in Augenschein, dann fällt es nicht schwer, sie als Seerosen zu entdecken. Diese Seerosen sind sonst dazu ange­stellt. die vielen offenen Teiche im Garten zur Frühlingszeit zu zieren. Wird es aber kälter, dann versagen sie ihren Dienst und verkriechen sich tief in ihre eigenen Wurzeln. Run ist man auf den Gedanken gekommen, diese Pflanzen zu übertölpeln. Sorgfältig löste man sie aus ihrer altgewohnten Umgebung und siehe da. in den Wasserbehältern der Aquarien, im gut gehe ten Raum, bildeten sie sich ein. sie befänden sich nach wie vor im Freien und der Len; sei mitten im Ianuar gekommen. Und sie schossen üppig ins Kraut...

Wer trotz der winterlichen Einöde sein Inter­esse am Berliner Zoologischen ©arten nicht ver­loren hat. der hat jetzt Gelegenheit, einer neum Schlange vorgestellt zu werden, die als Hoch­staplerin unter ihren Gesch'echtsgeirofsen lebt. Sie zeichnet sich nicht durch Giftzähne aus. noch we­niger durch tolbringende Muskelkraft um so mehr aber dafür durch eine Intelligenz, die wir 'uh g von ihr übernehmen könnten. Sie hat es der giftigen Korallenschlange abgeguckt, daß eine ' bunte Zeichnung auf dem Rücken anderen Tieren sehr ost als Warnungssignal dient. Wenn die Äorallenschlange in ihrer bunten Haut erscheint, dann wagt noch nicht einmal der größte Königs­tiger einen Angriff. Auch die schlangenfressen- dcn Tieriorten verzichten gerne auf diesen Fest- braten. Und deswegen promeniert diese harm­lose kleine Schlange gern als Schaf im Wolfs­pelz durch die Gegend an ihrem Rücken erschei­nen durchaus unrechtmähigerweise die Zeichen der Korallenschlange, und alle Welt läßt sie gerne i in Frieden. Der Gesürchtetste. so lehrt sie uns, I hat es also am leichtesten, wahrhaft friedfertig * zu sein.

zweig dem allmählichen Verfall preisgegeben wer­den soll."

Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1933, welcher den Erfordernissen der Zeit entsprechend Abstriche vorsieht, wird in der vorliegenden Fassung genehmigt.

Die hessischen Industrie- und Handelskammern sind mit der Hessischen Handwerkskammer und dem Hessischen Landesverband für den Einzelhandel überein gekommen,

im Lande Hessen drei Linigungvämler für TDettberoerbsflreitlgteilen einzurichten,

deren Aufgabe es sein soll, bei Streitfällen einen Ausgleich anzustreben. Das Einigungsamt für Oberhessen soll bei der Kamm e r G > e tz e n errichtet werden und sich auf die Bezirke der In­dustrie- und Handelskammern und der Handwerks kammer-Nebenstellen erstrecken. Nach Genehmigung der dem Herrn Minister des Innern im Entwürfe vorgelegten Verordnung werden die Einigungs­ämter ihre Tätigkeit aufnehmen.

Zur TNobiliar-Zwecksparkasfenbewegung

spricht sich die Kammer dahin aus, datz die staat­liche Aufsicht über die Bausparkassen auf die bc stehenden Mobiliar - Zwecksparkassen ausgedehnt wird, datz Neugründungen vorläufig untersagt werden, dis die bestehenden nachgeprüst, saniert oder liquidiert sind, datz sie nur als unpersönliche Gesellschaft zugelassen und daß ihnen die Verpslich- tung zur Prüfung der Belange durch Wirtschafts Prüfer und zur Veröffentlichung der Bilanzen auf­erlegt wird.

In der Realsteuersperrverordnung für dos Jahr 1932 ist angeordnet, daß grundsätzlich die landes- und gemeinderechtlichen Vorschriften nicht für den Steuerpflichtigen ungünstiger, die Steuersätze nicht höher sein dürfen, als für das Rechnungsjahr 1931. Diese Vorschrift hat aber eine bemerkenswerte Einschränkung dadurch erfahren, daß denjenigen Gemeinden, deren Lätze noch nicht den Landesdurchschnitt erreicht haben, das Recht eingeräumt wird, ihre

Steuern bis zum Landesdurchschnitt zu erhöhen, sofern die obersten Landesbehörden derartige Er­höhungen zulassen, wozu sie wiederum das Reichs gefetz ermächtigt. Run beabsichtigt die Stadt Gießen ihrerseits von diesem Recht Gebrauch zu machen. Die Kammer hält sich für verpflichtet, in aller Oes fentlichkeit vor diesem solgenschweren Schritt aufs e r n st l i ch st e zu w a r n e n , der die allgemeine Forderung auf steuerliche Erleichterung der Wirt schäft ins Gegenteil verkehrt.

Die Kammer hält es für wünschenswert, daß auch für das Land Hetzen, gleich wie in Preußen, eine Verordnung erlassen wird, wonach die Ver­anstaltung von Lotterien und Ausspielun­gen lediglich zum Zweck der G e s ch ä f t s r e - > flame verboten wird.

zndustrie- und Handelskammer Gießen.

Der alte Vorstand wiedergewählt. - Starke Zuversicht in die weitere Entwicklung.

Reicheigründungskommers des SC. zu (Stehen.

Wenn auch die Dot der Zeit ernst und schwer auf allen Deutschen lastet, so ist doch zur vater­ländischen Feierstunde und zur Rückschau auf die stolze Vergangenheit in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft lein Tag geeignet wie der 18 3 an u ar. An diesem Tage entstand un Jahre 1871 das einige Deutsche Kaiserreich, das uns Bismarck, der größte deutsche Korpsstudent, geschafen hat.

Die schöne Gitte, diesen Festtag durch einen SS. -Kommers zu begehen, hat der SC. zu Gießen in diesem Jahre wieder ausgenommen. In dem mit den Farben der drei Gießener Korps geschmückten Saal des Gesellschaftsvereins fan­den sich 250 alte und junge Korpsstudenten zu­sammen, um ihr Treuegelöbnis zu Vaterland und Korps zu erneuern. Die Leitung des Kommerses lag in den Händen des derzeit präsidierenden Corps Teutonia. Die Rede aus Reichs- gründung und Vaterland hielt llniversitatspro- fessor Dr. Koch Teutonias. Er sprach von dem mächtigen Geschehen am 18. Ianuar 1871 [ tm Spiegelsaal zu Versailles und von der ernsten Pflicht der Korpsstudenten, die alte deutsche Art zu bewahren und sich stets in .treue dem Dienst am Vaterland und dessen Wiederausi.au zu widmen, jeder an seinem Platz. In ehrfurchts­vollem Schweigen wurde das Andenken der gefal­lenen Korpsstudenten geehrt. Seine Magnisizenz der Rektor der Ludoviciana, Prof. Dr. I e ß, dankte für die Gäste mit einer Ansprache, in der er es begrüßte, daß der Gießeners, diesen Ehrentag des deutschen Volkes festlich begehe. Seinen Höhepunkt fand der Abend mit dem feierlichen Landesvater.

Die würdige, auf den Ernst der Zeit abge­stimmte Feier wird allen Teilnehmern m ein­drucksvoller Erinnerung bleiben.

Bornonzcn.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 20 Ahr, 15. Vorstellung im Freitag-Abonnement mit einer Wiederholung

Alltägliche Merkwürdigkeiten

Unpolitischer Bries aus der Reichshauptstadt.

Serlin, sofern es gelehrt ist...

Berlin besitzt nicht nur eine Universität, eine Technische Hochschule, andere Hochschulen der ver- schiedensten Disziplinen, sondern auch billige Abendkurse für Menschen, denen die Möglichkeit des Studiums nicht in die Wiege gelegt wurde und die dadurch die Handhabe besitzen. Versäum- tes in populärem, aber konzentriertem Abend­unterricht nachzuholen. Die Frage ist nun: was fängt der Berliner mit so viel Bildung an?

Es gibt Fälle, wo sich dies nicht so leicht ton- koitieren läßt. Wer fein Wissen z. B. bei solchen Hochschulen tankt, der geht damit m die weite Welt hinaus, und nur ein gütiges Geschick weiß, was sich daraus entwickelt. Anders bei der Uni­versität, anders bei den Hochschulen, die genau Buch führen über die Titel, die sie nach vollen­detem Studium ihrer Schüler zu vergeben hatten. Zum Beispiel gibt die Berliner Universität alle Jahre eine Statistik heraus, in der die verschiede- nen D o k t o r d i s s e r t a t i o n e n , fein fäuber- lich nach Themen geordnet, zahlenmäßig aufmar- schieren. Laßt uns sehen, mit welchem Rüstzeug ausgestattet die Berliner Doktoren ihre verschie- denen Wirkungskreise betreten.

An der Spitze der Statistik steht ein Gegen­stand, über den sich scheinbar nicht nur die Po­litiker aller Länder den Kopf zerbrechen, sondern auch die junge Generation der angehenden Ju­risten. Slaatsrechller. Rationalökonomen. 287 Doktordissertationen sind über die Fragen des Versailler Friedensvertrages ab- gefaßt worden. Die Schattierung der Fragestel­lungen ist sehr abgestuft. 28 junge Wissenschaft- ler fjaben sich bemüht, die Vorgeschichte des Krie­ges. speziell die Frage der Schuld in ihren Arbeiten zu ventilieren. Bei acht Kandidaten steht diese Frage der Schuld sogar unmittelbar im Vordergrund. 13 Mann schnitten die Frage der Kolonien an, 42 die mannigfaltigen Pro­bleme der territorialen Bestimmun­gen. 40 Studenten versuchten von sich aus, die aus dem Vertrag entstehenden finanziel - len Verwicklungen zu lösen. 21 zerbrachen sich den Kopf darüber, was nun eigentlich die wirtschaftlichen Folgen seien. Eine re­spektable Gruppe von 24 Mann warf sich ent» schloffen auf das KapitelF küsse und Ka- näle, demgegenüber scheint die Zahl jener 8 Leute verhältnismäßig gering, denen das bren­nendste Problem, die Abrüstung, am Herzen

I I Man muß aber nicht denken, daß diese 287 Arbeiten über Versailles nun einen verhältnis­mäßig hohen Prozentsatz unter dem ausma5en. was tatf". i geschrieben toorC-cn ist. Im Ge­genteil : der überwiegenden Mehrzahl der lot­ter arbeiten merkt man gar nicht an, daß sie aus- ger ebnet im Iahre 1932 verfaßt worden sind. Ebenso gut hätten sie 10 oder 20 Lahre früher geschrieben werden können. Fragen der Philo­sophie, die schlichtesten sowohl als auch die kom­pliziertesten Probleme stehen, so scheint es, nach wie vor bei den Studenten in bester Gunst. Auch . die Medizin erscheint begreiflicherweise in allen ! Ruancen. Weniger b l ebt scheint mittlerweile i die theolo".sche Fakultät zu sein, in deren Rah- } men zuletzt nur 60 Arbeiten eingereicht worden ^Was gibt es sonst noch alles? Eine Arbeit Heber d i e Anredeform bei den» mischen Elegikern". Eine tiefschürfende Studie überDas Riederfchlagsverhältnis im südlichen Libanon, in Palästina und im nördlichen Sinai" oder, weit biederer, über denSpree-

Ueber die Sitzung der Industrie- und , Handelskammer vom 17. Ianuar geht uns j folgender Bericht von der Kammer zu. '

D. Red.

Vor Eintritt in die Tagesordnung heißt der - Vorfitzende. Herr Fabrikant Rinn, die An­wesenden im neuen Lahr herzlich willkommen uno wendet sich dann mit besonderer Begrüßung an das im Rovember neu gewählte Mitglied, Herrn Kaufmann I. Sauer. Der Vorsitzende gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß Herr Sauer nunmehr der Handelskammer angehöre, der er. nachdem sie ihn schon vor Iahren zum Handels­richter vorgeschlagen habe, kein Fremder mehr sei, die Kammer wisse, daß von ihm als von einem Kaufmann der guten alten Schule wert­volle Unterstützung und tatkräftige Mitarbeit er­wartet werden dürfe.

Dann gedenkt der Vorsitzende des verstorbenen Ehrenmitglieds Herrn Kommerzienrats G r ü n e- wald - Alsfeld als eines treuen und besonders befähigten Kollegen, der der Kammer, solange es ihm seine Gesundheit auch nur einigermaßen erlaubt habe, seine Anhänglichkeit und sein In­teresse entgegenqebracht habe. Zu seinem Geden­ken erheben sich die Anwesenden von ihren Plätzen. , ... ..

Herr Sauer dankt in kurzen Worten für die ihm zuteil gewordene freundliche Aufnahme und verspricht, sich als eifriger Mitarbeiter und guter Kollege zu erweisen.

Wiederwahl des Vorstandes.

Der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herren Fabrikbesitzer Ludwig Rinn als Vor­sitzendem. Kommerzienrat Gustav Rarnspeck und Bankdirektor Ludwig G r ie ß b au e r als stellvertretenden Vorsitzenden, sowie Herrn Kauf­mann Karl Röhr als Rechner wird einstimmig wiedergewählt. Für diesen erneuten Beweis des Vertrauens dankt der Herr Vorsitzende im Ra- men des Vorstandes.

Rückblick und Ausblick.

Der Vorsitzende führt im Rahmen des in der ersten Iahressitzung üblichen R ü ck b l i ck s in das vergangene und des Ausblicks in das | kommende Lahr u. a. etwa folgendes aus:Der | Abschied vom alten Jahr ist wohl keinem unter uns schwer gefallen: denn es hat, besonders in der ersten Hälfte, eine schwere Krise nach der an­deren über die deutsche Wirtschaft gebracht und damit die Verheerungen vollendet, die die Vor­jahre vorbereitet haben. Es war höchste Zeit, daß durch den Kurswechsel die dauernde Mut­losigkeit endlich wieder einem steigenden Ver­trauen zu der Regierung Platz machen konnte. Die leichte Besserung, die damit erzielt worden ist und die hosientlich weiter zunimmt, ist unstrei­tig das Verdienst des Kabinetts Pa- pen. In den Vorjahren sind der schwer ringen­den W.rtsch ft immer und immer wieder Erleich­terung der drückenden Cl'uerlaft zu"'sa^ wor­den. Im Gegensatz zu diesen Dcrsp- chu igen standen dann die neuen Verordnungen, buud) die der CSirtf-Mt immer tee '.ere Last: ' au?erlegt wurden. Die Regierung Papen hat damrt ein End« gemacht und ist energisä uni) z r c l - bewußt für d i c Privatwirtscyaft etn- getreten. Wer Gelegenheit halte, d e Reden Pa- vens von Angesicht zu Angesicht, oder auch nn Rundfunk zu hören, der weiß, daßb.-.er der ganze Mann hinter dem einmal als ^<9^9 Er­kannten stand mit dem festen Willen, sich durch- zusehen. Es war undankbare Arbeit, die das Ka­binett Papen zu leisten hatte. Um so dankbarer muß ihm die deutsche Wirtschaft sein für den Mut und die Sachlichkeit, die dabei bcw.esen worden sind.

Die Besserung der wirtschaftlichen Lage ist zwar

gering, aber deutlich spürbar.

Sie drückt sich aus in der Verringerung der Vergleichsverfahren und Konkurse. Sie zeigt sich weiter darin, daß die WagengesteUung der Reichsbahn zur Güterbeförderung eine Zunahme erfahren hat. Die Wirtschaft hat wieder mehr

mit wohlbegründeter Zuversicht in die Zukunft sehen kann.

Es hängt jetzt alles davon ab. daß unsere politische Führung die nötige Rücksicht auf die För­derung der Wirtschaft ni mm t und dadurch auch den Reichsinteressen am meisten dient. Man darf in diesem Zusammenhang sagen, daß Politik und Wirtschaft bei den derzeitigen Derhältnissen nicht zu trennen sind."

Die Ausführungen des Herrn Vorsitzenden lösen in der Versammlung spontanen Beifall und leb­hafte Zustimmung aus.

Im Anschluß an diese Ausführungen erstattet Herr Bankdirettor Grießbauer einen eingehen­den und interessanten Bericht über die Entwick­lung der Danken im vergangenen Jahr, der . ebenfalls beifällig ukid mit großem Interesse ausge­nommen wird.

Der Synoikus faßt die von ihm in einem kurzen Referat vorgetragenen

Dünsche der Dirtschaft an das 3ahr 1933

in folgenden Leitsätzen zusammen:Das alles überragende und schwierige Problem der Ar­beitsbeschaffung kann nicht durch Vergebung öffentlicher Arbeiten größten Ausmaßes, sondern nur dadurch gelöst werden, daß man der freien Wirtschaft die Wege ebnet, die es ihr ermöglichen, wieder rentabel zu arbeiten und darüber hinaus produktives Kapital zu bilden. Es müßen daher alle diesem Ziel entgegenstehenden Hemmungen, die vor allem in der Ueberlastung der Wirtschaft mit Steuern und Abgaben zu suchen sind, beseitigt

der Komödie .Politik der Weiberröcke" von Reil Orant unter der Spielleitung Wolfgang Küh­nes. Gewöhnliche Preise. Ende 22.15 Uhr. Samstag, 21. Ianuar. 20 Uhr, zu ermäßigten Operettenprcisen Wiederholung der Operette2m weißen Rößl". Ende nach 23 Ahr. Ebenso findet am Sonntag um 19 Ahr zu ermäßigten Operetten­preisen eine Wiederholung des .Weißen Röhl" statt. Ende nach 22 Ahr. In beiden Vorstellungen haben Vorzugsgutscheine Gültigkeit. Außerdem verzeichnet der Spielplan für Sonntagnachmittag eine letzte Wiederholung des Weihnachtsmärchens Aschenbrödel". Diese Vorstellung findet au ganz kleinen Preisen statt. Spieldauer von 15 Ahr bis 17.30 Ahr. Das jüngste Curt Götz-Lustspiel, das Silvester im Landestheater Stuttgart seine er­folgreiche Uraufführung erlebte, wird amDiens- tag, 24. Ianuar. von seinem Autor, Regisseur und Schauspieler Curt Götz mit seinem Ensemble )ur Ausführung kommen. Die Intendanz geht nicht fehl in der Annahme, den Theaterfreunden einen amüsanten Abend zu bereiten. Dieses einmalige Gastspiel ist außer Abonnement, und es gelten an diesem Abend ermäßigte Operettenpreise. Allen Abonnenten gewährt die Intendanz jedoch auf allen Plätzen eine Ermäßigung von 50 Pfennig. Außerdem haben Radio-Gutscheine Gültigkeit. Abonnenments- und Dorzugsgutscheine haben je­doch keine Oültigleit

Taten für Freitag, 20 Januar.

1813: der Dichter Christoph Marttn Wieland in Weimar gestorben: 1859: die Schriftstellerin Elisabeth von Arnim in Berlin gestorben-, 1875: der französische Maler Jean Millet in Barbizon gestorben. *

* Kinderspeisung und Lahnkana 1 i - sierung im Bild. Im Schaukasten desGie- ßener Anzeigers" an unserem Geschäftshaus sind einige Bilder von der Kinderspeisung durch die Gießener Reichswehr zu sehen. Außerdem sind einige Bilder ausgestellt, die den Stand der Arbei­ten zur Lahnkanalisierung, unweit des Elektrizi­tätswerkes zeigen.

wichtig.

Es ist bedauerlich, daß es gerade in letzter Zeit zwischen Landwirtschaft und Industrie zu unerfreu­lichen Auseinandersetzungen gekommen ist. Es wäre Ausgabe der berufe..en Führer, eine Losung zu finden, die den berechtigten Interessen beider Teile soweit entgegenromm:, wie es die derzeitigen schwie­rigen Verhältnisse ermöglichen.

Die mannigfachen Anregungen, durch Way- rungsänderung den Wiederaufbau zu for­dern, müssen abgelehnt werden. Es darf zuge­geben werden, daß damit eine äugen, lickliche und wohl auch für die nächste Zeit anhaltende Besie- rung erzielt werden würde. Dahingegen bestehen mit Recht die allerschwerften Bedenken für die Zutunst, wenn wir unsere stabile Währung, die auch im Ausland volles Vertrauen genießt, durch eine an­dere ersetzen wollten. Wir müssen nach den ge­machten Erfahrungen alle Experimente unterlaßen und uns mit Energie in hartem Kampf durchsetzen.

Wenn ich Anfang des Jahres 1932 rein gefühls­mäßig insbesondere für die zweite Hälfte des Jah­res eine Besserung erhoffte, so freue ich mich heute, daß mir die Ereignisse recht gegeben haben und man jetzt