Ausgabe 
20.1.1933 Frühausgabe
 
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Kretin.

Nr. 17 KvützauSsade

185. Jahrgang

Aeitag, 20. Januar 1955

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Landnöten.

Ein typischer Fall von Verschleuderung deutschen Grundbesitzes an Ausländer wird aus A l l e n st e i n berichtet. Schon am 7. De­zember vorigen Jahres sollte beim Amtsgericht Allenstein die Dampfmühle Gruel zwangsoersleigert werden. Der Wert dieses Fabritgrundstücts ein,chl. des Villengrundstücks war damals vom Amtsgericht auf 70 000 Mark festgesetzt worden. Das Höchstgebot betrug 7000 Mark, aljo ein Zehntel des vom Gericht festgesetzten Wertes. Der Versteigerungstermin mußte verschoben werden, weil durch das Höchst­gebot nicht sieben Zehntel des Einheitswertes er­reicht wurden. Der zweite Termin, auf dem dem Höchstgebot der Zuschlag erteilt werden mußte, ohne Rücksicht darauf, ob sieben Zehntel des Einheits­wertes erreicht werden, fand am 11. Januar statt. Die Zwangsversteigerung wurde von der O st - preußifchenLandesbank betrieben, die eine Forderung von 40 000 Mark an bevorrechtigter Stelle und noch etwa 10 000 Mark für Zinsen und Kosten angemeldet hatte. Weiter hatte die Deutsche Bank eine Forderung von 50 000 Mark an bevor­rechtigter Stelle. Da das Finanzamt nach einer neuen Schätzung den Grundstückswert von 50 000 auf 32 000 Mark ermäßigt hatte, kam auch das Amtsgericht zu einer Herabsetzung des Einheitswer­tes von 70 000 auf 60 000 Mark. Das Mindestgebot hätte demnach 42 000 Mark betragen müssen, das Höchstgebot betrug aber nur 22 500 Mark und das Amtsgericht mußte, weil dies bereits der zweite Dersteigerungstermin war, den Zuschlag erteilen. Der Erwerber des Grundstücks, Dampfmühle, Ge­treidesilo und Wohnvilla, ist der Schuhfabrikant S ch i m b o r s k i in Allenstein. Er ist polnischer Staatsangehöriger, geriet während des Krieges in deutsche Gefangenschaft und machte sich nach dem Krieg in Allenstein ansässig, wo er seiner­zeit aber für Polen optierte. Die Polen ver­suchen ständig, in dem von Preußen durch den Korridor abqetrennten Ostpreußen wirtschaftlich Fuß zu fassen. Welche Gefahren daraus für O st preußen erwachsen, braucht nicht erwähnt zu werden. Es ist klar, daß der p o 1 n i s ch e n In­vasion in O st preußen solange Vorschub geleistet wird, wie es möglich ist, daß Polen bankrott gewordenen deutschen Grundbesitz für ein Drittel des herabgesetzten Einheitswertes ersteigern können.

*

Inflation und Deflation haben das eine mitein­ander gemeinsam, daß sie zu einer harten V e r- minderung des Volkseinkommens, also des Ertrages der Arbeit des Gefamwolks führen. Man würde zu erstaunlich niedrigen Ziffern gelan­gen, wenn man versuchen wollte, das Einkommen des deutschen Volkes etwa in den Jahren 1922 oder 1923 in Goldwährung zu berechnen. Die Deflation, unter der wir gegenwärtig fo schwer leiden, hat sich gleichfalls in einer, wenn auch keineswegs so kata­strophalen Verkleinerung des deutschen Volksein­kommens ausgcwirkt. Das Statistische Reichsamt beziffert das Gesamteinkommen des deutschen Volkes für 1929 auf rund 76, für 1930 auf rund 70 und für 1931 auf nur noch 57 Milliarden IBlart Das Absinken des Volkseinkommens hat sich im Jahre 1932 noch fortgesetzt, so daß dieses im toufenben Jah?e wohl keinesfalls mehr als 50 M 11 - liaröen Mark betrugen wird. Daraus geht her­vor, daß durch Deflation und Wirtschaltskrife unser Volkseinkommen um mehr als em Drittel verkürzt worden ist. Teilweise wird die Einkommcns- schrumpfung allerdings in ihrer Wirkung dadurch gemildert, daß infolge der allgemeinen Preis­senkung die Kaufkraft der Mark geft.egen ist.

Aber selbst wenn man die Kaufkrastzunahme auf 20 v. H. beziffert, bleibt zwischen diesem Fünftel und dem Drittel, um das unser Volkseinkommen zurück- gegangen ist, eine bedeutende Differenz, die ze gt, wie sehr der Wohlstand durch die Krise beeinträch­tigt worden ist. Schon für 1931 berechnet das Sta« t.stifche Reichsamt die Minderung des Dolkseinkom. mens auf 25 v H, die Zunahme der Kaufkraft aber auf nur 15 v. H. Der Versorgungsgrad des deut­schen Volkes lag nach diesen Berechnungen schon im Jahre 1931 um 6 Prozent unter dem im Jahre 1925 und um 22 Prozent unter d e m V o r - triegsnioeau. Er ist >u der ersten Hälfte des Jahres 1932 in verstärktem Tempo weiter gefun- ken, und es kann daher nut Sicherheit behauptet werden daß der Wohlstand des deutschen Volkes gegenwärtig weit unter dem des letzten Vorkriegs- jahres liegt.

Das Statistische Reichsamt teilt aber auch be­merkenswerte Ziffern über d.e Verteilung der Ver­minderungen des Volkseinkommens auf die einzel­nen Landlsteile und die einzelnen Berufszwe.ge mit. Hier ergeben sich bemerkenswerte Unterschiede. Am ftänften ist ba* Volkseinkommen im Vergleich zur Vorkriegszeit in den industriellen San. bestellen gesunken. Dabei ist aber zu berück- sichtigen daß in den landwirtschaftlichen Oebieien Deutschlands der Wohlstand der Massen schon vor dem Kriege sehr viel geringer war als in den industriellen Landestellen, so daß hier einem Absinken der Einkommen von vornherein engere Grenzen gesteckt waren. Sicherlich liegt heute hQ5 Einkommen breiter Schichten der landwirt­schaftlichen Bevölkerung beträchtlich unter dem E r i st e n z m i n i m u m. Es verdient, wenn man Vergleiche ziehen will, vor allem Erwähnung, daß z B im Jahre 1928 das Einkommen je Kopf der Bevölkerung in Ostpreußen, Oberschlesien und der Grenzmark um etwa 7 0 o. H. unter bem Reichsdurchschnitt lag.

Was die verschiedenen Einkommensguel- l e n anbetrifft, fo sind die Einkünfte aus Land- Lrirtschaft deshalb besonders schwer zu berechnen, weil die geldmäßige Bewertung der Naturalein- fommen auf große Schwierigkeiten stößt. Nach dem

Was geschieht im Aeltestenrat des Reichstags?

Oie IZeichsregierung wünscht rasche Klärung der Lage.

Ein offiziöser Bericht.

Berlin, 19. Ian. (OB.) wie wir erfahren, hat der Reichskanzler heule den Abgeordneten Simpfenbörfer von den Christlich-Sozialen empfangen. lUorgen wird er im Zuge dieser Be­sprechungen den Prälaten Leicht von der Baye­rischen Bolfspartei bei sich sehen. Naturgemäß kon­zentriert sich das Hauptinteresse seht auf die mor­gen stattfindende Sitzung des A e i f e ft e n r a t e s. Sie wird offiziell den Zweck haben, die Tagesord­nung für die Reichstagssihung vom 24. ds. Bits. feff}u;een. wie sich die Dinge entwickelt haben, liegt die Bedeutung der Sitzung des Aelteftenrates aber doch in der Frage, ob der Reichstag zu dem ursprünglich vorgesehenen Ter­min überhaupt Zusammentritt, ober ob man zu einer neuen Vertagung kommt. In kre.en, die der R e i dj s r e g i e r u n g nahe- siehen, wird kein hehl daraus gemacht, daß die Re­gierung eine kurze Vertagung von etwa zwei ober vier Wochen nicht für tragbar hält: denn bann würde man im nächsten Blonat, ober doch spätestens Anfang März wieder vor derselben Situation eines ftänöigen hängens und würgens stehen, wie wir sie augenblicklich er­leben. Das hält die Reichsregierung offenbar schon mit Rücksicht auf die wirtschaft für einen unmög­lichen Zustand, und man kann wohl annehmen, daß Staatssekretär planck in Vertretung des Reichskanzlers morgen im Aeltestenrat eine ent­sprechende Erklärung abgeben wird, wie die Dinge morgen laufen werden, darüber herrscht heute abend noch immer vollkommene Unklarheit. Es wird be­hauptet, daß die Auffassungen über den Zeit­punkt der Reichstagstagung bei den Nationalsozialisten nicht ganz ein- heitlich und jedenfalls geroiffe Tendenzen für eine Vertagung vorhanden seien. Auf der anderen Seite ist die Reichsregierung gegen eine weitere Hinauszögerung der Ent­scheid u n g, und es wäre nach Auffassung poli­tischer kreise durchaus denkbar, daß sie eine solche Verschleppung mit einer energischen Maß­nahme verhindern konnte.

Oer kommumsnsche Antrag.

Keine Neigung zu schnellem Ko? flitt

Berlin, 19. Jan. (VDZ.) Die kommu­nistische Reichstagsfraktion teilt mit: In der Aeltestenratssihung am Freitag werden die kommunistischen Vertreter fordern, daß als er st er Punkt auf der Tagesordnung der Ple­narsitzung des Reichstags am 24. Ianuar die Abstimmung über den Mihtrauensantrag der kommunistischen Reichstagsfraktion gegen die Regierung Schleicher-Vracht gesetzt wird. Jede Verzögerung einer Entscheidung ge­gen das Kabinett Schleicher-Vracht, sei es durch Regierungserklärung, lange Debatten oder parla­mentarische Kuhhandeleien, soll durch Antrag der Kommunisten verhindert werden.

Bei keiner der übrigen Fraktionen des Reichs­tags dürfte jedoch, wie das Rachrichtenbureau des VDZ. aus parlamentarischen Kreisen hört. Neigung bestehen, es vorzeitig zum Konflikt und damit zur Auslösung des Reichstags zu treiben.

Man erwartet vielmehr einen Beschluß des Ael- testenrats, zunächst die Regierungs­

erklärung entgegenzunehmen, darauf in die Debatte einzutrcten und über die W i h - trauensanträge erst nach Abschluß der politischen Aussprache abzustimmen. Die Haltung der Rationalsozialisten hängt allerdings von dem Ergebnis der noch im Gange befindlichen Bespre­chungen ab, insbesondere von der Zusicherung des Reichskanzlers, daß er nicht vor Abschluß der Debatte im Reichstag die Parlamcntsauflösung vornehmen werde.

Oie Meinung der Parteien.

Berlin, 19. Jan. (TU.) In parlamenta­rischen Kreisen wurden vor dem Zusammen­treten des Aeltestenrates vor allem zwei Fragen erörtert:

1. Die Frage, ob doch noch irgendeine der Par teien einen Vertagungsantrag einbringen würde und, falls dies nicht geschieht, 2. wie die einzelnen Parteien sich zu dem tonimu- n i st i s ch e n Antrag stellen, den Mißtrauens- antrng als ersten Punkt auf die Tagesord­nung zu setzen. Viel beachtet wird, daß dieGer­mania" hervorhebt, daß keine Partei außer­halb der Nationalsozialisten einen Antrag auf 'Ber­ta gung stellen werde und daß es noch völlig un­geklärt sei, ob die Nationalsozialisten selber sich hierzu entschließen würden.

Für wahrscheinlicher hält man es jedoch, daß es beim Zusammentritt des Reichstages am 24. Januar bleibt und daß der Kampf im

Drei Forderungen der Landwirtschaft.

Gras Kalckreuth spricht in Berlin.

Berlin, 19. Jan. (ERD.) Der Landbund Riederbarnim veranstaUete heute einen Groß-Berüner Landbundtag. Das Hauptreferat hielt der geschäftsführende Präsident des Reichs­landbunds Graf K a 1 ck r e u t h. Der Redner er­klärte u. a., der Weg zur Gesundung führe in erster Linie über eine Handelspolitik, in by: den landwirtschaftlichen Veredclungs- erzeugnissen derselbe Schuh gegen die ausländische Konkurrenz gegeben werde, wie er für das Getreide unter Minister Schiele ge­schaffen werden sei. Graf Kalckreuth stellte in diesem Zusammenhang drei Forderungen auf:

1. Autonome Gestaltung der Zolle für alle hier in Frage kommenden Produkte, soweit die bisherigen Zollbindungen durch die Losung der Handelsverträge mit Holland, Südslawien und Schweden frei werden, in einer dem Stand der heimifchen Produktion entsprechen­den hohe.

2. Kontingentierung der Einfuhr derjenigen landwirtschaftlichen Produkte, deren Zolle in anderen Handelsverträgen noch gebunden bleiben.

3. Möglichst schleunige Losung der Verträge, die noch unerträgliche Bindungen enthalten.

Die Forderung nach angemessenen Prei - s c n werde, so sagte der Redner weiter, stets das Kernstück der Agrarpolitik bleiben. Bei einer ver­ständigen Verteilung der Konsum- b e 1 a ft u n g auf ausländische und einheimische Produkte konnte der deutsche Landwirt auf feine Produkte angemessene Preise erhalten, ohne daß der Konsum fühlbar belastet werde, und ohne daß der Staat einen Einnahmeausfall erleide. Der Staat brauche nur das, was er heute an Kon - fum steuern auf heimische Lebensmittel erhebe, in der Form von Zoll auf die ausländischen Lebensmittel zu verlegen. Diese Forderung erhebe der Reichslandbund und als eine grundsätz­liche Selbstverständlichkeit für eine zielklare Bin­nenmarktpolitik. Wer heute eine solche Binnen­marktpolitik ablehne, müsse den Mut haben zu er­klären, daß er einen völligen Zusammenbruch der deutschen Landwirtschaft verantworten zu können glaube. Der ungeheuere Ernst dieser Frage sei es gewesen, der Ton und Inhalt der Bundesvorstands- entschließung vom 11. Januar bestimmt habe. Die Aufgabe des Reichslandbunds sei es nicht, Par­te i p o 1 i t i k zu betreiben, auch nicht Kabinette st ü r z e n oder schaffen zu wollen.

Seine Ausgabe sei es, von jedem Kabinett mit allen zu Gebote stehenden Mitteln eine Wirt­schaftspolitik zu erreichen, die Deutschland vor dem drohenden Zusammenbruch seiner Land­wirtschaft retten könne: denn sterbe der Bauer, dann sterbe mit ihm Volk und Vaterland.

Von der Mitgliederversammlung des Land­bunds Riederbarnim, die vor der Tagung statt- fand, wurde eine Entschließung angenommen, in der Protest gegen die Behandlung der Land­wirtschaft erhoben und eine grundsätzliche Umstellung der Landwirtschaftspo­litik gefordert wird.

Hessische Bauern an Hindenburg.

Cm Notruf des hessischen Landbundrs.

WER. F r i e d b e r g, 19. Jan. Ter Hessische Landbund hat durch den Landesvorsitzenden Dr. von Helmolt an den Reichspräsi­denten im Anschluß an das Telegramm an den Reichslandbund ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:

1. Die radikalen Proteste und Entschließungen der Landwirtschaft sind ein Ausfluß der Stim­mung der Bauern, die infolge der Erfahrungen der letzten zwei Jahre jeglichen Glauben an regierungsseitige Versprechungen verloren haben.

2. Die durch die unerfüllten Ver sprechungen der Kabinette Brüning, von Po­pen und von Schleicher hervorgerusenen Enttäu­schungen haben zu Stimmungszuständen geführt, die eine leidenschaftslose Diskussion einfach aus­schließen.

3. Entschließungen von Bauernorganisationen wie z. D. die des Reichslandbundes, die zum Abbruch der Beziehungen zwischen dieser unserer Spitzenorganisation und der Regierung von Schlei­cher geführt hat können heute nicht anders auefallen als scharf und schonungslos.

4. Die Empörung auf dem Lande muß auch schon aus dem Grunde verständlich fein, weil die Organisationen der Landwirtschaft, voran die Landbünde, die Katastrophe und das Elend, das heute über die Dörfer hereingebrochen ist, seit Jahren warnend vvrausgesagt haben.

Ew. Exzellenz dürfen versichert sein, daß die Rot unserer De re de l u n g s w i r t s cha s- t e n viel zu groß und sozial beelendend ist, als daß demagogischer Mutwille bei scharfen Ent­schließungen die Hand führen könnte.

v. H e l m o l t.

schon Gesagten aber kann kein Zweifel darüber herrschen, daß die landwirtschaftlichen Einkommen, die schon in der Vorkriegszeit im Vergleich zu den übrigen sehr niedrig waren, noch beträchtlich zurückgegangen sind. Die g e w erb­lichen Eikommen sind nach den vorliegenden Berechnungen im Jahre 1931 um mehr a.s ein Drittel niedriger gewesen als im Jahre 1928. Die Mieteinkommen sind heute aus den bekann­ten Gründen um ein Viertel geringer als in der Vorkriegszeit, wenn man ihre Kaufkraft in Be­tracht zieht. Am stärksten aber sind die Ein­künfte aus Kapitalvermögen abgesun­ken. Sie besaßen im Jahre 1931 nur etwa zwei Fünftel der Kaufkraft normaler Vorkriegszeiten, nachdem sie freilich im Jahre 1925 schon einmal bis auf 12,5 Prozent des Vorkriegsstandes zusam- menge-schrumpfl waren. Zugenommen haben da­gegen die Einnahmen aus Renten, Pensionen und aus der Arbeitslosen, und der Wohlsahrtsfürsorge. Das ist aber ganz gewiß keine erfreuliche Erschei­nung. Der Anteil der Arbeitseinkommen am gesamten Volkseinkommen ist feit 1913 von 45 auf 57 Prozent gestiegen, was jedoch nur daraus zurückzuführen ist, daß die Zahl der Arbeitnehmer sehr bedeutend angefchwollen ist. Schallet man die­ses Moment aus und berücksichtigt man andrerseits die ungeheure Arbeitslosigkeit, so zeigt sich, daß auch das Arbeitseinkommen dem Goldwert nach um ein Viertel, der Kaufkraft nach um etwa 13 Prozent gesunken ist. Hierbei sind die Ende 1931 erfolgten großen Lohnsenkungen noch gar nicht berücksichtigt.

In allen seinen Tellen ist das deutsche Volks­einkommen also zurückgegangen, wenn auch bei den

einzelnen Einkommensarten in verschiedenem Aus- . maß. Wenn das deutsche Volk schon vor dem Ein­tritt der Wirtschaftskrise, wie das vorliegende stati- l stische Material zeigt, den Woh.stand der Vorkriegs- i zeit nicht wieder erreicht hatte, so muß man heute I bereits ein Ab sinken des Volkswohlstandes fest­stellen, das man, ohne zu übertreiben, als Ver­elendung bezeichnen darf.

profeffor Poelzig tritt zurück Welche Haltung hat das Auswärtige Amt cing nominell?

Berlin, 19. Jan. (TU.) Professor Poelzig hat am Donnerstag sein Amt als Vizepräsi­dent der Akademie der Künste nieder­gelegt. Diesen Schritt begründet er eingehend in folgendem Schreiben an den Reichskommis- s a r für das preußische Kultusministerium :

Hochgeehrter Herr Reichskommissar! Aus der Presse erfahre ich, daß der Vorsitzende der Deutsch- nationalen Fraktion im Preußischen Landtag, Herr von Winterfeld, in einem Briese an Sie wegen der Veranstaltung der belgischen Aus- st e 11 u n g meine Abberufung vom Amt der kom­missarischen Leitung der Vereinigten Staatsschulen fordert. Ebenso hat der 1. Vizepräsident des Land­tages, Herr von Kries, in einem Briefe an mich als den Vizepräsidenten der Akademie mitgeteilt, daß er der Einladung zur Eröffnung der Ausstellung nicht folgen könne, weil die Veranstaltung dieser Ausstellung wenige Wochen nach der 2lusweisung des Kaplans Gilles feiner

Auffassung von nationaler Würde nicht ent­spräche.

Die Ausstellung100 Jahre belgische Kunst" ist seit langen Monaten unter der Leitung des Prä­sidenten von Schilling im vollsten Einver­nehmen mit der Kulturableilung des Auswärtigen Amts eingehend vorbereitet worden. Diese Aus­stellung sollte ein Entgegenkommen sein auf die Veranstaltung der Ausstellung der großen deut­schen staat.ichen Porzellanmanufakturen in Brüssel und auf die zahlreichen und in Belgien begeistert auf genommenen muf.falifcfjon Darbietungen deut­scher Künstler, z. B. des Philharmonischen Or­chesters unter Furtwängler, von Richard Strauß, Bruno Walter usw. 1

Nachdem durch das vorgehen der belgischen Regierung gegen den Pfarrer Gilles veran­laßten Zwischenfall ist die Akademie der Künste dauernd mit dem Auswärtigen Amt in engster Fühlung geblieben und hat in Erkenntnis der durch den Zwischenfall geschaffenen schwierigen Lage nur im Sinne der durch das Auswärtige

Amt erteilten Auskünfte gehandelt.

Ich selbst hatte, da Herr von Schilling auf mehrere Wochen verreist, lediglich die Pflicht zu erfüllen, als Vizepräsident der Akademie die Einladung zur Eröffnung zu unterzeichnen.

Da aber durch die politische Gärung eine für sachliche Arbeit denkbar ungünstige Lage ge­schaffen wurde, lege ich. um zur Entspannung dieser Lage beizutragen, mein Amt als Vize­präsident der Akademie der Künste nieder.

Mit vorzüglicher Hochachtung Poelzig.