B 518
tyvonnes Geheimnis
Vornan von Klothilde von Stegmann llcheberrechldschuh: lyflnf-Türme »Serlag Hakle (Saale) 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Freudestrahlend fuhr Irene noch Hause und teilte der Mutter und Berta die Neuigkeit mit. Die Freude Frau von Mertens war groß. Auch Berta strahlte über das ganze faltige Gesicht
„Wie schon, Fräulein Irene! Ihnen ist das gar nicht gut bekommen, das Zuhausesitzen Sie sehen schon ganz blaß aus. Aber mit Fraulein Dumont wird das jetzt eine schöne Geschichte geben, wenn Sie aus dem Hause sind. Die hat mir in ihrem Französisch wieder allerhand oorerzählt. Ich sag' jeßt bloß immer: „Bon*. Dann ist sie entweder zufrieden, ober sie fangt an, noch schneller zu sprechen. Die macht sich noch mal 'nen Knoten in die Zunge. Nachher ist die gnädige Frau gekommen, und da hat sich herausgestellt, daß Fräulein Dumont den kleinen Handkoffer haben wollte, weil sie auf einen Tag verreist. Ich kann mir nicht helfen — wenn ein anderer mal auf einen Tag wegfährt, dann redet er nicht so viel.*
11. Kapitel.
Seeburg hatte sich im Amt zwingen muffen, fein Pensum gewissenhaft zu erledigen. Immer wieder mußte er an TJoonne denken und an den kommenden Abend. Noch nie waren die Stunden so geschlichen wie jetzt! (Einmal ertappte er sich dabei, daß ihm mitten in der Bearbeitung eines Aktenstücks eine Szene aus seiner Primanerzeit plötzlich einfiel. Es war vor dem ersten Nendezoous mit seiner Tanzstundendame gewesen. Die kleine Breesen war seine erklärte Flamme. Das gehörte damals zur Tanzstunde. Und genau die gleiche Spannung, das leichte Herzklopfen und die gleiche Erwartung, mit etwas Schuldgefühl gemischt, wie jetzt hatte er damals empfunden! Schuldgefühl? Der Gedanke blieb bei ihm haften. Wem gegenüber? Er war doch frei und unabhängig. Warum sah er plötzlich das blaffe Gesicht Irene von Mertens vor sich?
Was hatte er eigentlich mit Irene zu schaffen? Eie ging ihn doch nichts an und hatte ihm doch deutlich genug gezeigt, daß er auch ihr gleichgültig war. Unwillig griff Seeburg nach den Akten und murmelte halblaut vor sich hin: „Wenn du so weiter trödelst, mein Iunae, wirst du nicht zur Zeit im .Esplanade^ sein. Also, nun Schluß mit der Grübelei — und an die Arbeit —*
Alles ging so, wie Seeburg und Yvonne es verabredet. Sceburg schickte seinen Koffer mit Nacht
sachen und Abendanzug ins Hotel .International* und bezog gegen sieden Uhr das telephonisch bestellte Zimmer. Nachdem er gebadet und sich um- gekleidet, fuhr er ms Hotel ..Esplanade*. Korrekt begrüßte er die dort bereits wartende ’JJoonne mit einem Handkuß. Sie schien ihm an dem Abend schöner und begehrenswerter. Noch nie hatte er sie in großer Abendtoilette gesehen, sondern nur in der diskreten Eleganz ihrer Tageskleidung. Und wenn er in ihrer Nahe nur immer ganz leise eine (Erinnerung an ihr Parfüm zu verspüren meinte, so flog ihm jetzt der betäubende Duft voll entgegen, der für ihn mit Yvonnes Person untrennbar oer- knüpft war, als er sich herabbeugte, ihre Hand zu küssen.
Das mittelgroße, zierliche Persönchen wirkte in dem bis zur Erde wallenden Kleid größer. Ihre Haltung hatte etwas Stolzes, Triumphierendes, und auch im Gesicht lag ein Zug stolzer Befriedigung.
Das Duell Lucienne—Yvonne schien zu ihren Gunsten ausgefallen zu sein. Auch wenn er diese Frau nicht geliebt hätte, würde er sich vor so viel Scharm, Grazie und Schönheit beugen müssen. Wie eine schillernde Haut schmiegte sich der Goldbrokat an ihre Figur. Yvonne verstand, solche Sachen zu tragen. Der Hals und die Arme zeigten den Schimmer von mattem Elfenbein.
Direktor Perloin, der mit Yvonne geplaudert hatte, als Seeburg eintrat, war nun nähergetreten. Yvonne machte die Herren miteinander bekannt. Perlain schien Ende der Fünfzig zu fein; er hatte ein kluges und angenehmes Gesicht, in dem nur die kohlschwarzen Augen ein wenig zu listig um- herblickten. Sein Haar war grau, während der Schnurbart, nach der neuesten Mode geschnitten, noch fast ganz schwarz erschien. Auf scherzhafte Fragen wegen dieses Kontrastes pflegte Perlain gutgelaunt zu erwidern: „Sie sind im Irrtum. Die schwarze Farbe des Bartes ist echt, nur das graue Haar ist gefärbt."
Perlain versuchte liebenswürdig, die Unterhaltung in gebrochenem Deutsch aufzunehmen. Er war erfreut, als Seebnrg ihn in fließendem Französisch bat, sich seiner Muttersprache zu bedienen, die auch ihm ganz geläufig sei.
Yvonne sah Direktor Perlain fragend an. Der verstand den Blick und sagte:
„Wenn es Ihnen recht ist, Herr Baron, lassen wir uns jetzt die Filme vorführen, die Fräulein Dumont die Güte hatte, vorbereiten zu lassen. Ich hoffe, daß unsere Berufsarbeit Sie nicht langweilt; aber es wird auch Sie interessieren, die Vielseitigkeit einer so großen Künstlerin bewundern zu können. Seien Sie glücklich, daß Sie, Herr Boron, als Laie sich ungestört dem Genuß bingeben können, während wir armen Leute vorn Bau selbst bei den Darbietungen einer schönen Frau kritisch prüfen müssen. Fräulein Yvonne hat die Güte gehabt, sich zur Mitwirkung an einem neuen Großfilm bereit ZU erklären. Einige fachliche Fragen sind zwischen
uns noch im Zusammenhang mit dieser Vorführung zu regeln." (Er zog die Uhr. „Es wird jetzt alles bereit fein — wenn es den Herrschaften recht ist, gehen wir in den Vorführungsraum."
Mit einfachen Mitteln war ein kleiner Saal des Hotels zur Filmvorführung eingerichtet worden. Die Fenüer waren mit dunklem Stoff verhängt; der Dorführungsapparat, den drei Leute bedienten, skand aui einem kleinen Podium. An der gegenüberliegenden Schmalseite des Raumes war in einem Rahmen eine weiße Wand gespannt. In der Mitte des Raumes standen vier Sessel. Yvonne ging noch einmal zur Tür und wies den dort stehenden Pagen an, unter keinen Umständen eine Störung zu gestatten. Der Raum fei für die Vorführung reserviert, der Zutritt jedermann untersagt.
Man nahm Platz. Nun gab Direktor Perlain das Zeichen zum Beginn. Für Seeburg hatte diese Vorführung einen eigenartigen Reiz. Hier gab es keine Einführung des Geschehens. Bilder zogen an feinen Augen vorüber und rollten ab, ohne jeden gedanklichen Zusammenhang, verschwanden; bann tauchte eine spätere Szene des gleichen Films auf, aus dem Zusammenhang gerissen, plötzlich ein- setzend Eine andere Handlung, eine andere Landschaft, scheinbar sinnlos. Und doch war für ihn ein Sinn in diesem Durcheinander. Ein Mittelpunkt: Yvonne!
Sie wollte er sehen, sie allein interessierte ihn. Yvonne als Geliebte, Yvonne als Verschmähte, Yvonne im Glück, im Jubel, in tiefstem Schmerz, in rasender Eifersucht, gütig, höhnend, liebevoll, lockend, verführend, kalt, abweisend — Yvonne, Yvonne, nichts als Yvonne in tausend Gestalten, und doch immer sie selbst! Es kostete Seeburg übermenschliche Anstrengung, die gesellschaftliche Form 3U wahren und ruhig neben der Frau sitzenzu- bleiben, die er mit allön Fasern feines Seins begehrte. Welche Wandlungsfähigkeit und vor allem: wie schön war Yvonne! Das überschwengliche Wort der Verliebten^.„Für mich bist du immer schön!*, Seeburg lernte es erst jetzt verstehen. Ein starkes, atemberaubendes Glücksgefühl durchftrömte ihn. Diese wunderbare Frau, diese geniale Künstlerin, sie liebte ihn, liebte ihn so sehr, daß sie alle Schranken zwischen ihnen niederreißen wollte, nichts sein als Frau, als liebende Frau, die Glück gewähren will ..
Die Leinwand verdunkelte sich, die Deckenbeleuchtung wurde eingeschaltet. Der erste Teil der Vorführung war beendet. Lächelnd wandte sich Yvonne Dumont zu Seeburg:
,,S)ab’ ich dir so wenig gefallen in meinen Glanzrollen, Cheri, daß du kein Wort für mich hast?"
Flüsternd war es gesprochen. Seeburg ergriff Yvonnes Hand und küßte sie stürmisch.
„Das ist meine Antwort! Ich wußte ja nicht, welch große Künstlerin du bist, Yvonne."
„Nicht die Künstlerin, die Frau fragt nach dem Eindruck, den sie gemacht hat."
„Der ist so stark, daß er nicht mehr gesteigert
werden farm, Yvonne*, gab Seeburg tn gleichem Flüsterton zurück.
Direktor Perlain, der aleich nach dem Schluß der Vorführung aufgeftanoen war und mit Dem Operateur gesprochen hatte, gesellte sich jetzt wieder zu ihnen.
„Es hat mich doch sehr interessiert, Fräulein Dumont, auf diese Weise einen Ueberblirf zu erhalten. Denn ich auch längst wußte, wie groß Ihr Können ist, so war ich dach überrascht. Ich habe durch meine Reisen die eine und die andere Premiere versäumen müssen. Und zu anderen Aufführungen kommt unsereins doch nicht. Aber ich freue^ mich, daß es meiner Gesellschaft gelungen ist. Sie für unseren neuen Film zu gewinnen.* Er verbeugte sich verbindlich gegen Yvonne.
„Für Sie, Herr Baron, muß das ja ein tolle« Durcheinander gewesen fein! Aber jetzt sollen Sie dafür etwas Zusammenhängendes zu sehen bekommen. Leider konnte der Film, den ich Ihnen nun zeigen will, in Deutschland noch nicht aufge- führt werden. Irgendeine Instanz der Prüfung- beworben hat da Schwierigkeiten gemacht. Wir konnten leider nie erfahren, welche. Auch den Grund nicht. So wird Ihr Urteil sehr interessant für uns fein. Ich bebaute hoppelt, baß ber Film hier nicht gespielt werben konnte, weil Fräulein Dumont nicht nur als Künstlerin, fonbern auch finanziell bar- unter leibet.. .*
„3a, Herr Baron*, fügte Yvonne hinzu, „bas Verbot war ein schwerer Schlag für mich Nach jeder Richtung. Ich habe einen Teil meines Geldes mit hineingesteckt. Auf diese Schwierigkeiten waren wir wirklich nicht vorbereitet."
„Liegt denn ein direktes Verbot vor?" fragte Seeburg. „Um welchen Film handelt es sich denn >*
„Er sollte ,Ostfronf genannt werden für Deutsch, land. Es spielt da eine Verräterei eine Rolle. Ich glaube, die deutschen Behörden haben sich daran gestoßen", fiel Perlain schnell ein. „Aber Sie werden sich ja gleich selbst ein Urteil bilden können, Herr Boron. Ich habe angeordnet, den Film im Zusammenhang laufen zu lasten. Wenn es Ihnen recht ist, lasse ich anfangen — ja?"
Perlain gab das Zeichen zum Beginn. Schon beiden ersten Szenen wurde Seeburg aufmerksam. Er erinnerte sich des Falles, der viel Aufsehen gemacht hatte. Sein Vorgänger in diesem Dezernat, das Seeburg zur Zeit selbst bearbeiten mußte, hatte den Ausschlag beim Verbot des Films gegeben. Jetzt schwebte die Sache beim Oberprüfungsamt. Und er selbst würde den Einspruch zu wiederholen ober zurückzuziehen haben. Das war eigentlich eine peinliche Situation, in ber er sich jetzt befanb! Da saß er nun und ließ den Film an sich vorbeiziehen, den er in wenigen Tagen erst offiziell sehen würde. Bis jetzt war wenig zu beanstanden. Aber er konnte doch nicht gut anders entscheiden als Cegationsrat von Matzow. Da müßten schon ganz zwingende Gründe vorliegen.
(Fortsetzung folgt.)
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ist am Sonntag nach schwerem Leiden im 35. Lebensjahr helmßcßanßen.
Im Namen der Hinterbliebenen: Heini ich Ptaff und Kinder nebst Angehörigen
Gießen, Wiesede. Lollar, den 19 Dezember 1933.
Die Beerdigung findet Donnerstag. 21 Dezember, nachmittags 2 Uhr. auf dem Neuen Friedhot statt.
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