Ausgabe 
19.12.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Montag vor dem Polizeirichter. Die An­klage lautete auf Landfriebensbruch und tätlichen Widerstand gegen die Polizei. Ein Jugendlicher, der sich seiner Verhaftung widersetzt hatte, wurde mit 10 Schilling Geldstroft bestraft. Gegen drei weitere wurde die Verhandlung unter der Bedingung aus­gesetzt, dah sie sich wahrend der nächsten sechs Monate keines neuen Landsriedensbruche» schuldig machen. Der deutsche Botschafter hat sich bei den Polizeibehörden nach dem Befinden der bei den Demonstrationen verletzten Polizisten erkundigt.

Vie großzügige bauliche Umge­staltung Roms unter Mussolini.

Mussolini hat bestimmt, daß die Straße zwi­schen dem Palatin und dem Aventin in Rom, an der die Reite des Zirkus Maximus liegen, am 2S. Qrtobcr 1934 durch eine Parade der italienischen Sportverbände eingeweiht werden soll. Schon vor einigen lagen hatte Mussolini dos erwähnte alte Viertel Roms um den Aventin besichtigt und die Richtlinien für seine Neugestaltung er- I teilt. Die Aventinstraße, die am Südrand des j)ü- 8 eis gegen den Iber zu führt, wird als Fortsetzung | er kürzlich geschaffenen Straße derMonumental-

Triumphe" verbreitert werden. An ihrem Be­ginn, d. h. am Ende der Straße der Triumphe, wird man dasneue Auditorium", ein riesiges Sloruertgebäube, errichten, bas den berühmten xon» zertfaal de» Augufteums ersetzen soll. Die Meldun­gen, die durch eine amtliche österreichische Agentur verbreitet wurden, daß das Kolosseum au einem riesigen Auditorium ausgebaut werden solle, sind barer Unsinn. Die Aoenlinslraße wird zugleich mit der freigclegten Engelsburg bereits am nächsten Geburtstag Rom» (21. April) eingeweiht werden. Am 28. Oktober sollen bann die beiden Straßen, die den Zirkus Marimus entlangführen, fertigge­stellt sein. Die eine, schon bestehende, wird von allen den kleinen Häusern befreit werden, die auch die Reste des Zirkus Maximus überwuchern. Sie er­hält den allen NamenStraße des Zirkus Mari- mus". Die andere wird auf der westlichen Seite des Zirkus unmittelbar am Aventin entlang laufen und neu geschaffen werden. Der Zirkus Marimus soll ganz freigelegt und archäologisch durchforscht werden. Darauf wird das ungeheure Projekt einen vorläufigen Abschluß finden, das mit der Frei­legung der ftaiferforen begann und einen neuen gewaltigen Eindruck von dem antiken Rom zwischen dem Kapitol und der alten Dia Appia vermittelt.

Die Reichsbank ermäßigt ben Transferbetrag der Anslanbsschntben auf 30 Prozent.

Ungenügender Vev senonfalt aus dem Exportüberschuß.

Berlin, 18. Dez. (WTB) Im Zentralausschuß der Reichsbank erörterte Reichsbankpräsident Dr. Schacht das Transferproblem. Die Reichsbank fei bemüht, ben Ansichten der Auslandgläubiger nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Eine eingehenbe Prüfung habe jedoch ergeben, daß die von ben (ölaubigeroertretcrn aufgestellte Meinung, es brauche an ber bisherigen 50prozentigen Transferguote nichts geänbert zu werden, ben Tatsachen nicht stanb- halte. Seit bem 1. Juli bis zum 15. Dezember b. I. habe bie Reichsbank eine Erhöhung ihrer Währungsreserven um127Miilionen Mark erfahren. Daooii stammten rund 100 'JJhllio non Mark aus Ablieferungen auf @runb des Gesetzes über wirtschaftlichen Volksoerrat, also aus einem nicht wiederkehrenden, mit dem Transferaufschub nicht zusammenhängenben Zu­wachs. Es liege beinnach ziffernmäßig klar, daß ein SOproAentiger Transfer bas Höchstmaß dessen barftclle, was überhaupt transferiert werden konnte. Da der H a n b e l s ü b e r f ch u ß währenb ber ersten fünf Monate bes Jahres monatlich 52 Millionen Mark betrug, nahm bie Reichsbank einen 50prozen- tigen Transfer in Aussicht, wozu monatlich 4 1 Millionen Mark Ueberschuß hätten genü­gen müssen, so baß noch Plan für eine beschei­dene Stärkung der Währungsreserve gewesen wäre.

Diese» Ziel sei n i ch l e r r e i ch t worden, haupt­sächlich, weil die Exportüberschüsse nicht voll 1 n Devisen heretngekommen seien. Der aus dem warcnexportüberschuh zu deckende monatliche Betrag betrage nicht, wie ursprünglich errechnet, 81, sondern nur 74 Millionen Reichs­mark. Für den Durchschnitt der Monate Juli bi« November betrug der deutsche Ausfuhr- übersäruß rundö5 Millionen Reichs- m a r k. wenn die Reichsbank trotzdem nicht In der Lage sei, den 50prozentigen Transfer auf- rechlzuerhalten, so liege da» daran, daß dieser Exportüberschuß nicht in voller hohe mit Devisen bezahlt werde, sondern zum erheblichen Teil mit Sperrmark unddeutschen Ausland- b o n d», die dem Auslande gehörten. Die Reichsbank habe sich auch jetzt wieder entschlossen, für die nächsten sechs Monate das Maxi­mum dessen zu transferieren, was möglich sei, nämlich 30 Prozent.

Die Reichsbank würde glücklich fein, wenn eine Be­lebung des Welthandels und ber beutschen Ausfuhr ihr Unrecht geben sollte, da sie dadurch in den Stand geweht werden würde, für das zweite Halbjahr 1934 die Transserquoie wieder zu erhöhen. Zur Errei­

chung dieses Zieles werde bie deutsche Deoisenwirt- schäft auch in Zukunft darauf bedacht sein müssen, zusätzliche Exporte nach Kräften zu fördern. Würden diese zusätzlichen Exporte nicht mehr möglich fein, so mühte der Transfer auf die Auslandoerschuldung überhaupt einge­stellt werden. Was Deutschland durch dieEnt- wertung von Sterling und Dollar buchmäßig auf dem Bilanzkonto gewinne, werde durch bie effeftioen 23 e r (u ft e, bie Deutschland im internationalen Warengeschäft durch bas Valutadu m v i n g von England, Skandinavien, Japan und Amerika erleide, um ein Vielfaches übertroffen. Die Reichs­bank fei bestrebt, auf eine Aenderung ber zwischen­staatlichen Schulden und Handelsverhältnisse hinzu­wirken in bem Sinne, daß ein freier interna­tionaler Zahlungsverkehr ohne künstliche Beschränkung und Währungskontrollen wieder mög­lich werde.

Die Erklärung der Reichsbank wurde vom Zen­tralausschuß nach Erörterung einstimmig gebil­ligt.

öte englische presse kritisiert bie neue Transferquote.

London, 19. Dez. (CNB. Funkspruch.) Die englische Presse beschäftigt sich einaehend mit ber neuen Transferquote.Times" behauptet, baß Deutschland sehr wohl im Stande sei, seine Zah­lungen zum mindesten in der bisherigen Höhe fort- zusetzen,ohne feiner Bevölkerung irgend welchen Schaden zuzufügen", wenn es nur den Willen da­zu habe. Im übrigen wird Dr. Schockt beschuldigt, die schweizerischen und holländischen Ansprüche be­günstigt und somit eine unterschiedliche Behand­lung in die ganze Angelegenheit hineingetragen zu haben. Man könne es zwar nicht vollkommen auf Deutschlands Konto schreiben, wenn es seine Aus- lanbsgläubtgcr nicht voll habe bezahlen können. Das ändere aber nichts an der Tatsache, daß ein ehrlicher Schuldner sein äußerstes tun müsse, um zahlungsfähig zu werden und daß er seine Gläu­biger nicht verschieden behandeln dürfe.

Financial Jltror fordert ein Eingreifen ber britischen Regierung. Dazu seien zwei Wege offen, nämlich bie Schaffung von Sonder-Zolltari­fen und die Einführung eines Devisen-Clearing- Systems. Um nicht den amerikanischen Gläubigern die Hauptlast aufzubürden, müßten sich alle inter­essierten Länder an einem solchen Deviscn-Clearing- System beteiligen, damit das Nettoergebnis eine gerechtere Verteilung erfahre.

Verlängerung her Dienstzeit

Tardicu spricht für Ausbau her Armee und des Bündnissystems.

der Mobilmachung, der Besetzung ber Befestigungs­anlagen und ber für ben Bewegungskrieg in Frage tommenben Truppen gewährleistet wird. Die zweite besteht darin, uns durch bestimmte Bünd-

Uum blc Saflc )u versetzen, im Namen ber 150 Millionen Europäer zu sprechen, bie bie glei- x n ,n*eren haben wie wir und von benen uns Das Viermächteabkommen etwas getrennt hat werben wir ohne theatralische Zusammen- als eine einfache Mitteilung auf biploma- "schem Wege Reichskanzler Hitler bie Ören je n bekanntgeben können, bie roeber mögen ®reunbe Z" überschreiten ver-

Verstärkung her britischen Lustflotte.

Bonben 19. Bc,;. <WIB..gun,spruch.>Dailn S W te * mItikn bah in bem Im April nächsten Jahres fälligen Etat für bas fommenbe Öman3iabr eine Verstärkung ber drill- |d)en Luftstreitmacht um vier Geschwader e- »T?C,f°hr 60 Flugzeuge, größtenteils X a mp ff I ug x e u g e, vorgesehen sei. Das Blatt das diese Zahlenttäuschend niedrig" nennt schreibt im Jahre 1932 (ei festgestellt war- de", daß bie Minbeststarke ber heimischen Luftstreit- wacht 52 Geschwaber betrage. Tatsächlich habe Onglanö aber gegenwärtig nur 42 Geschwa- ber. Aber bie Regierung halte bie Lage nicht für ernst genug, um eine wellergehenbe Bermehruna ZU machen. *

Pari», 18. Dez. (WTB.) DerTemps" will berichten können, baß in ber heutigen Sitzung des Obersten Kriegsrates ein Gesetzentwurs über bie Rekrutierung erörtert worden sei. Es handele sich um Maßnahmen im Hinblick auf ben aus ber Ariegojeit sich ergebenben Geburtenaus­fall. Die (Einberufung ber Rekrutenjahrgänge 1933 35 soll um zwei Monate verschoben werden. Den dadurch entstehenden Mannschasts- aussall von rund 18 000 Mann hoffe man reichlich zu decken durch die Einstellung von 15 006 S p eziolisten und die Heranziehung der in Marokko stehenden Truppen. Gewisse Kreise de» Kriegsministeriums sollen daran denken, bie drei-, vier- unb fünfjährigen Dienstverpflichtungen wiebereinzuführen, weil man baburch etwa ÜOÖOO Mann zu gewinnen hofft.

Der. französische Koresponbent be»Daily leie- araph" meldet, Kriegsminister Daladier habe in ber gestrigen Sitzung des Obersten Kriegsrates die Wiedereinführung der zwei jäh- rigen Dienstzeit vorgeschlagen, wodurch d i e Friedensstärke der französischen Armee u in ungefähr 40000 Mann erhöht werden würde

Zu den (Er Märungen bes deutschen Reichskanzler» zur Abrüstungsfrage habe so heißt e» in ber Pariser Meldung besDaily Tele­graph" weiter. Ttinifterpräfibent Ehautemp» offenbar noch nicht endgültig Stellung genommen Der französische Botschafter in Berlin sei angewiesen worden, wegen gewisser Punkte ber beutschen Mitteilungen weitere In- formationen einzuholen

Der Führer ber französischen Rechtsoppofition Andrö Tardieu legt In ber Agence Economlaue et Financi-re bar, wie nach seiner Ansicht auf die beutfche Bereitschaft zu einer Aussprache mit Frank- reich geantwortet werden müßte. Er schreibt: Die birekte Aussprache scheint für Frankreich weniger dringend zu sein als zwei v o r s i ch t s m a . nahmen, auf die ich Immer wieder h?nmn|<n werde. Die erste befiehl barm, unsere Armee \ o ausflu bauen, daß ein gut«» Funktionieren

Oie'Reifefoftetwerqüfung der Beamten

h Via1» l8' ?ad in b<r letzten Sitzung

be» Reichskabmetts beschlossene Gesetz über Reise- roftenDcrguning ber Beamten wirb im Reichsgesetz- b'.°" oerossenllicht Das Tagegeld beträgt im Hochpfalle 12 Mark, im Mindestfalle 4,50 Mark Da» U ebernadjtungsqelb bewegt sich ywi. eben V mb 3,50 Mark Die Bestimmungen über

Q h r r 0 " e ne'» tfd)äblflung sehen Ber- gunlhgungen für Schwerkriegsbeschädigte. Schwer- nanPe usw. vor. Da» Gesetz gilt für die Dienst-

Der Völkerbund ist iok! Ls lebe der Völkerbund!

Don unserem römischen E.-Korrespondenten.

Rom, Dezember.

Wenn sich derVölkerbund" nicht bloß mit Opium und Lehrfümen, sondern auch mit der Presse be- faßt hatte, so wäre er ietzt wahrscheinlich nicht tot Mindesten» hätte er sich das unsterbliche Verdienst erwerben können, bie Völker beizeiten von seiner gefährlichen Erkrankung zu unterrichten und ihnen auf biefe Weise Emotionen, Sensationen undBom­ben" au ersparen. Denn bei Licht betrachtet lösen tich alle diese Nachrichtenbomben, wie jetzt wieder a s italienische Ultimatum an Gens, in mangelhafte Berichterstattung auf. Halte ber Völkerbund erreicht, daß dem Nachrichtenhandel ebenso scharf auf die Finger zu sehen sei wie dem Opiumhandel, hätte er es fertiggebracht, daß die Pressevertreter im Ausland so berichten dürfen, wie die Dinge nun einmal liegen, so hätte es keine Ueberraschung gegeben. Leider, und es ist schmerz­lich, aber notwendig, einmal aus ber Schule zu plaubern, dürfen nicht alle Auslandberichterstattcr unparteiisch, neutral und objektiv berichten, es wird ihnen von ihren Zeitungen oorgeschrieben, wie sie bie Dinge zu sehen haben: niemals so, wie sie fmb, fonbern so, wie man sie gerne haben möchte.

Wir haben es erlebt, baß der Vertreter eines biederen Schweizer Bürgerblattes noch vor zwei Jahren, als das faschistische Regime fester baftanb als irgendein anderes auf diesem Globus, sich in blutrünstigen Prophezeiungen der vor der Türe stehenden Revolution von links her erging; wir erleben es täglich, wie der römische Vertreter der größten französischen Zeitungen bie Dinge so schil­dert, wie sie nicht sind, weil sie nur so zur französischen Politik passen. Unb säßen diese Aus- legungsfünftlee- selbst auf einer Leiche, sie würden berichten, daß sie auf einer Bank im Grünen sitzen und lyrische Gedichte machen. Das ist, bitte sehr, kein an den Haaren herbeigezogenes Beispiel, Herr L i t w i n o f f mußte es erfahren. In Amerika hatte er die Abrüstungskonferenz als Kadaver bezeichnet, und in Rom fragte ihn ein Journalist, was er darunter verstehe (denn Henderson sieht nun einmal einen sprunglebendigen Jüngling vor sich). Da ant­wortete der Russe sarkastisch: Was ein Kadaver ist, wird man doch wohl auf der ganzen Welt wissen.

Nun wußten wir seit Jahren, wie Mussolini über ben Völkerbunb bentt, wußten auch, baß er ihn am 5. Dezember vor bas Tribunal bes faschistischen Großrates ziehen unb ihm ben Prozeß machen werbe. Ader wie vielen von uns war es erlaubt, bies klipp und klar ihren Zeitungen zu melden? Wer mochte so etwas in Genf, in Pans, in Prag hören? In innenpolitischen Sachen kann sich eine Parteizeitung eine gewisse Führung ihrer Leser­schaft vorbehalten, das ist natürlich, aber wie will man die großen außenpolitischen Entwicklungen durch Verschweigen lenken? Ist Mussolini deswegen kleiner geworden, weil ihm kleine Schulmeister irgendwo in der weiten Welt gerne bie schlechteste Note geben? Hat bas Lächerlichmachen alsWinter­partei" bie Hitlerwoge aufhalten können? Keine

noch so groß« Sympathie für Frankreich wird die Revision der Äriegsocrträge zum Scheitern brin­gen, wie tausend falsche Nachrichten nicht ben Völkerbund retten konnten.

In dieser Stunde laufen aus ungezählten Stif­tungenDirektiven" an bie auslönbischen Presse- Vertreter in Rom ein, Aufsorberungen großer unb "einer Zeitungen, bie Entscheibung Mussolini» zu bagatellifieren, zu frisieren, zu retten, was noch zu retten ist. Immer ber gleiche Ton. Da» Ultimatum ist ja so beutlich, wie e» nur sein kann; tut nichts, ein Leichnam kann eine Dichterbank werben. Hat nicht auch Galilei widerrufen? Und Mussolini wird über Nacht erfahren, was er eigentlich zu meinen hat

Sagen wir daher denn gottlob gestattet unsere Zeitung ihrem römischen Vertreter bas freie Wort die Wahrheit: Und sie bewegt sich doch! Aus Genf bezogen: ber Völkerbunb i ft tot. Ob es bie Nutznießer berRaub- und Plünderung»- oerträge", um mit Vernarb Shaw zu sprechen, nun zugeben ober nicht. Unb weiter: Italien wollte unb will den bisherigen Völkerbund am Boden sehen, weil er nichts war als der Henker von Der- laiUes, der Zwangsvollstrecker der Zwangsoerträge. Versailles aber bedeutet Haß und Unfriebcn, wo Friebe und Eintracht das Gebot Europas wäre, mit bem ber Wille Mussolini» ibentisch ist. Da» ist klare Politik.

Aber bas würbe eine Revision der Ver­träge bedeuten! ruft man in Frankreich entsetzt. Mit Verlaub, ja was denn sonst? Die Revision ber Verträge ist b a» Ziel Italiens, Europa», aller wahren Friedenssreunbe, aller anftänbiqen Menschen also. Die anbern mögen sich Pazifisten heißen unb ba» Lob ber Kanonenherren fingen, deren Brot sie essen. Die große Entscheidung ist gefallen: wer für den Frieden ist, ist gegen Gens. Gegen ben Völkerbund in seiner gegenwär­tigen Form, öohlgemerh. Gegen einen ro i r f- lichen Bund der Völker hat Italien nicht» ein tu-' wenden, auch Deutschland nicht, auch Rußland nicht. Litwinofs hat das ziemlich deutlich in Rom zum Ausdruck gebracht.

Damit ist die Politik dieser Adoentswochen vor- gezeichnet. Auf der einen Seite bie Revisio­nisten als Vorkämpfer eines besseren Zeitalter», auf ber anberen bie Reaktionäre mit ihrem fturen Versailler Komplex. Dazwischen bie Bcruf»- biplomaten und Journalisten. Schon jetzt werden in Rom unb anbersroo Netze über Netze gesponnen, um bie Entscheibung Mussolinis womöglich so au»- zuhöhlen, wie e» Frankreich mit bem Diererpakt gelungen ist. Dann soll Mussolini bazu gebracht werben, den nur scheinbar veränderten Völkerbund anzunehmen und Deutschland unb Rußlanb, viel­leicht sogar die Vereinigten Staaten damit einzu­fangen. Der Völkerbund ist tot, es lebe ber Völker­bund! Soweit bie Pläne Der Kreuzspinnen.

Kalt unb nüchtern aber bricht ber lag an, bie kleinen Lügen werben zerreißen wie die große, die von Versailles unb St. Germain.

Oer neue Kurs in Spanien.

Ma dr ib, 16. Dez. (WTB.) Da» neue spanische Kabinett ist gebilbet worden: Ministerpräsident: ßerrouy, Aeußeres: Pita Romero, Krieg: Mar­tinez Barrias, Inneres: Rico Aoello, Finanzen: Lara. Nach der Parteizugehörigkeit setzt sich das Kabinett Lerroux aus acht Radikalen, einem gali- zischen Republikaner, einem unabhängigen Repu­blikaner, einem Fortschrittler, einem liberalen De­mokraten und einem Agrarier. Lerroux rechnet mit einer sicheren republikanischen Mehrheit. Sein Ka­binett tritt am Dienstag vor das Parlament.

Der Szenenwechsel in Spanien hat sich als not­wendige Folge der Wahl jetzt vollzogen. Das Kabinett Martinez-Barrioz, das ja von vornherein nur als Uedergangslösung gedacht war, ist zurückgetreten, und der neue Ministerpräsident Lerroux hat in wenig mehr als 24 Stunden das Kabinett auf bie Beine gestellt. Eine ausge­sprochene Minderheitsregterung stützt sich auf bie Radikalen, ist aber van Fall zu Fall auf eine Unterstützung von rechts her ange­wiesen. Die Monarchisten werden sich zurückhalten.

aus der Ueberzeuaung, daß ihre Zeit noch nicht ge­kommen ist, bie Agrarparteien aber, unb vor allem bie katholische Volkspartei, fmb in ihren Entschlüssen wieder frei; und es ist gewiß kein Zu­fall, daß gerade jetzt eine offiziöse Kundgebung de» 'Vatikans die kirchentreue Bevölkerung ersucht, die Regierung loyal zu unterstützen. Damit sind für das Kabinett Lerroux wenigstens bie Voraussetzun. gen zur Uebernahme ber Regierung geschossen. Ob es sich babei nur um eine neue Zwischenregierung hanbelt, ober ob sich um ben alten Kämpfer Cer- rour ein Block zusammenschlieht, der entschlossen ist. Die Zeit der Revolution zu liquidieren und den Neuaufbau Spaniens durchzuführen, kann erst bie Zukunft lehren. Die Basis ber neuen Regierung ist sehr schmal, sie hat parlamentarische unb außer­parlamentarische Stützen von links und eine nur sehr bedingte Unterstützung von recht» her zu er­warten. Sie kann sich also nur halten, wenn es ihr gelingt, der Mitte das Zutrauen zu erwecken, da» alle Voraussetzungen für eine ruhige Entwicklung unb bie Rückkehr zu georbneten Verhältnissen ge­geben sind.

reifen ber Reichsbeamten, ber Beamten ber Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände unb sonstigen Kör­perschaften, Anstalten unb Stiftungen bes öffent­lichen Rechts. Auf die Soldaten der Wehr­macht findet es solange sinngemäß Anwendung, bis für sie eine neue Reichskostenverordnung er­lassen ist. Das Gesetz tritt mit bem 1. April 193-1 in Kraft.

Der Arbeitsdienst schafft Soden für 5-10000 neue Vauernstellen. Kultivierung vonMoor-undLcdlandflächcn

Berlin, 18. Dez. (TU.) Wie ber Gauarbeits­führer Kapitän a. D T h o l e n ber Presse mitteilte, wirb bis zum Frühjahr etwa ein Dutzenb ganz großer Moor- unb Oeblanbflä- chen von je einigen tausend dis 20 000 Hektar Ausdehnung von dem Arbeitsdienst in Angriff genommen werden. Es handelt sich besonders um Moor- und Oedlandsflächen i m Ernsland, in Mittelhan nover, in Pom­mern und am Spottebruch in Schlesien. Für diese Arbeiten werden etwa 5 o. H. ber gegenwärti­gen Kräfte bes Ardeitsbienste» eingesetzt. Ls wirb damit der Grund geschaffen werden, der mindestens 5000, vielleicht sogar für 10 000 neue Bau­ernstellen, das sind einige hundert neue Dör­fer, bietet. Für rund 500000 Jugend­liche wird Beschäftigung geschaffen werden. Es ist vorauszusehen, daß diese 500 000 Arbeitsdienstträger Zw e i Jahrzehnte lang für bie jährliche Steigerung bes Bobeneriragcs um 2 Milliarben Mark tätig fein können Um benfelben Betrag wirb sich bann auch ber Einfuhrbedarf Deutsch land» Derminbern.

Der schnellste Weg zur Erledigung von Gesuchen.

müncheu . IS. Dez. (671B.) Die »bjntaofur bes Stellvertreter» bc» Führers teilt mit: Die Schreiben an ben Führer unb seinen Stell­vertreter nehmen einen Derartigen Umfang an. baß eine schnelle Bearbeitung nur möglich ist, wenn Die Absender sich so kur, wie möglich

fassen und klar ihre Dünsche zum Ausdruck bringen. Alle Gesuche finden schnellsten» Erledigung, wenn sie an die nächste zuständige Ortsdehörbe ober Darteidien st stelle gerichtet wer­den, weil die Gesuche im allgemeinen doch erst von hier au» dorthin zur Berichterstattung geleitet wer­ben müssen.

Der Leiter der pO. Dr. Ley veröffentlicht Im Völkischen Beobachter" folgende Anordnung:Um der überhanduehmenden Organisierung von Bereinigungen usw. Einhalt zu gebieten, be­darf von jetzt ab jede Neuorganisation irgendwelcher im Wirkungsbereich über Den Grün- bungsorl hinausgehender verbände und .Jronleu4 der Genehmigung be» Stellvertreter» De» Führer»."

Oie Reichskammer derTechnik im Werden.

Berlin, 18. Dez. (ERB.) Auf Anordnung be» Stellvertreters bcs Führers würbe Dr. Tobt beauf­tragt, bie Vorbereitungen für bie Bildung einer Reichskammer ber Technik zu treffen. Zu feiner Unterstützung würbe ein Ausschuß gebildet, dem fol- genbe Herren angeboren: Dr. Tobt als Vorsitzender, Dr. Schult, Dipl Jng. Hoffmann, Professor Dr. ® a r b o h, Dipl.-Jng. Seebauer unj> von Oven al» Beauftragter be» Herrn Dlpl.-Ing. Feber.

Hierzu wirb von Dr. Tobt mitgeteilt: In Verfolg dieser Anorbnung habe ich bie Vorarbeit zum orga­nisatorischen Zusammenschluß ber gesamten Techni- kerschast (Architekten, Chemiker, Inge­nieure) eingeleitet Um biefen Zusammenschluß sicherzustellen, Ist e» ersorberlich, baß alle Volksge­nossen, bie für bie Reichskammer ber Technik in Frage kommen, fick den Weg hierzu frei­halten. Die Zusammenfassung ber bestehenden Verbände ist im Gange. Die Mitglieder verblei­ben zunäch st auch, um zuiatzliche finanzielle Be­lastung zu vermeiden, in ihren bisherigen Organisationen Das Verhältnis bes einzel­nen, der künftigen Reichskammer angehörenden Techniker» zu anderen Organisationen wird durch die Reichskammer geregelt