Ausgabe 
19.9.1933 Frühausgabe
 
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Paris, daß man keine positiven Ergebnisse vor der Beendigung des Meinungsaustausches zwischen den verschiedenen Regierungen erhoffen dürfe und daß dieser Meinungsaustausch bis zum Vorabend der Konferenz, d. y. bis x u m 15. Oktober aus­gedehnt werde. Auch Henderson äußerte sich wenig optimistisch und betonte, daß die Lage seit der letzten Sitzung der Abrüstungskonferenz viel gespannter geworden sei. Er hoffe aber den­noch, daß sich schließlich alle von der Nützlichkeit der Abrüstungskonferenz überzeugen ließen.

Der Machtkampf in Irland.

De Valera verbindet sich mit der Arbeiter­partei gegen die Blauhemden L'Duffys.

Dublin, 18. Sept. (TU.) De Valero hat die Unterstützung der Arbeiterpartei zu einem sehr teueren Preise erkaufen müssen, wie aus einer Rede des Führers der Arbeiterpartei, Nor­ton, in Kildare hervorgeht. Die Regierung hat sich verpflichtet, in 14tägigen Sitzungen den Vertretern der Arbeiterpartei ihre gesetzgeberischen Pläne mitzuteilen und die Stellungnahme der Arbeiterpartei entgegenzunehmen. De Valera hat sich ferner verpflichtet, Gesetze für die Witwen- und Waisenpensionen, für eine Erwerbslosen­zulage nach Ablauf der Versicherungs­zeit, für eine Beschleunigung der städtischen Haus­baupläne, für ein Arbeiterentschädigungsgesetz und fit höhere Löhne bei Notstanosarbei- e n einzubringen.

De Valera hat einen solchen Pakt in einer Rede bestätigt, ohne die Bedingunaen anzugeben. Seine Rede wandte sich hauptsächlich an diejenigen seiner Anhänger, die durch gewaltsame Maßnahmen, wie die Verhinderung des Verkaufs englischer Biere, den Kampf gegen die neue Vereinigte Irlandpartei erschweren. Der Führer dieser Partei, General O'Duffy hat den Landwirten versprochen, bei einer etwaigen Regierungsübernahme sofort zwei Millionen Pfund für die Landwirt­schaft bereitzustellen, weil die Politik der jetzigen Regierung die Farmer vollständig ruiniert habe

und ihnen auch noch die letzte Kuh aus dem Stalle nehmen werde.

Zwei Oanz»g-polnische Abkommen unterzeichnet. Die erste Frucht der Verhandlungen.

Danzig, 18. Sept. (WTB.) Das Protokoll über die Durchführung des Danzig-polnischen Abkommens über die Ausnutzung des Danziger Hafens ist heute um 14 Uhr in Warschau unterzeichnet worden. Auch das seinerzeit nur paraphierte Abkommen über die B e - Handlung polnischer Staatsangehö­riger und anderer Personen polnischer Herkunft oder Sprache im Gebiet der Freien Stadt Danzig ist von dem Präsidenten des Senats und dem diplomatischen Vertreter Polens in Danzig un­terzeichnet worden.

Zu der Unterzeichnung des Danzig-polnischen Hasenprotokolls weist die Pressestelle des Danziger Senates darauf hin, daß die polnische Regierung die Verpflichtung übernommen hat, eine Vermin­derung des gegenwärtig über den Danziger Ha­fen gehenden Verkehrs zu verhindern. Dem Danziger Hafen soll in Zukunft ferner nach Mög­lichkeit eine gleiche Beteiligung am see­wärtigen Verkehr gewährt werden. In der Zeit vom 1. Oktober 1933 bis zum 30. September 1934 müssen bestimmte Mengen gewisser in einer besonderen Liste enthaltenen Waren im Dan­ziger Hafen umgeschlagen werden. Tritt bei dem Verkehr dieser Waren eine Verminderung ein, die nicht durch Zunahme einer anderen Ware ausgeglichen wird, so weroen die beiden Regierun­gen über die Möglichkeit eines Ausgleiches ver­handeln. Beide Regierungen werden innerhalb ihrer Zuständigkeit und ihres finanziellen Leistungsver­mögens Maßnahmen zur Senkung der Umschlagskosten im Danziger Hafen auf ein Niveau treffen, das den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Hinterlandes

entspricht und dem Danziger Hafen ermöglicht, dem l Wettbewerb anderer Häfen zu begegnen. Eine paritätische Kommission wird vierteljährlich | über die Verkehrsentwicklung berichten. Die Dan­ziger Regierung, so heißt es dann in dem Commu- niquö, weist erneut daraus hin, daß die jüdi­schen Händler im Danziger Hafen bei ihrer Betätigung volle Freiheit haben und daß diese Freiheit nicht angetastet oder be­schränkt werden wird.

In dem amtlichen Bericht der polnischen Regierung über die Unterzeichnung des Dan­zig-polnischen Abkommens heißt es u. a.: Dadurch sei ein langjähriger Streit zwischen Polen und dem Freistaat Danzig, sowie die dauern­den Prozesse in Genf beendet worden. Das Abkommen stelle schließlich einen konkreten Versuch einer realen Zusammenarbeit zwischen Danzig und seinemnatürlichen Hinter­land" dar. Ergänzend kann noch hinzugefügt wer­den, daß Polen in dem Abkommen Danzig u. a. ein Jahreskontingent von 3 Millionen Tonnen Kohlen zugesichert hat.

Das Programm der AeiHs- sührertagung des Stahlhelms.

Hannover, 18. Sept. (CNB.) Für den am Samstag in Hannover stattfindenden Neichs- führertag des Stahlhelms, an dem auch der Stabs­chef der SA., Ernst Röhm, teilnehmen wird, ist endgültig folgendes Programm vorgesehen:

Am Freitag, 22. September: zwangloses Beisam­mensein im Hotel Ernst August in Hannover.

Samstag, 23. September: Reichsführertagung des Stahlhelms; um 19 Uhr Empfang der Gäste in der Kuppelhalle; 20.30 Uhr: Großer Zapfenstreich vor dem Rathaus.

Sonntag, 24. September: bis 8.30 Uhr Aufmarsch zum Führerappell; 9 Uhr Beginn des Führer­appells: Einmarsch der Fahnen, Ansprachen, Fah­nenweihe; 10 Uhr: Abfahren der Front, Vorbei­marsch und Abmarsch.

Das deutsche Volk in Oesterreich fordert Selbstbestinmumgsrecht.

Landesinspekteur Habicht spricht im Berliner Sportpalast.

Berlin, 19.Sept. (TU.) Der Kreis IV der NSDAP, veranstaltete zugunsten der nationalsozia­listischen Freiheitskämpfer in Oesterreich eine große Kundgebung im Sportpalast. Der Landesinspektor für Oesterreich, Habicht, führte dabei u. a. aus: Die jetzt beginnenden großen Kundgebungen der NSDAP, sollten dem deutschen Volke Klarheit über das Verhältnis Oesterreichs zu Deutschland geben und den Brüdern in Oesterreich zeigen, daß sie nicht auf verlorenem Po st en kämpften. Darüber hinaus würden die Kundgebungen der Welt sagen, daß die Zeit vorbei sei, wo europäische Politik gemacht werden könnte mit der Spekula­tion auf die Ohnmacht Deutschlands. Das Thema Oesterreich werde man nicht mehr zur Ruhe kommen lassen, bis diesem Sechsmillionenvolk das primitive Recht der Selbstbestim­mung geworden sei. Habicht wies hin auf den Zusammenschlußwillen der beiden deutschen Völker nach dem Kriege, der trotz vieler Proklamationen vom Selbstbestimmungsrecht der Völker von Frankreich durchkreuzt worden sei.

Scharf wandte sich Habicht gegen d i e Unter­drückung der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich, die dort noch nie so stark gewesen sei, wie in der Zeit ihres Verbotes. Die bekannte Intervention der Großmächte sei auf Betreiben der österreichischen Re­gierung erfolgt. Die Nationalsozialisten ver­wahrten sich auf das Allerentschiedenste gegen Dar­legungen, als ob Deutschland über Oesterreich her- gefallen sei. Es handele sich nicht um Auseinander­setzungen zwischen Berlin und Wien, sondern um Auseinandersetzungen zwischen dem österreichischen Volk und seiner Re­gierung, die, nur auf das Ausland gestützt, das DeutsttzSmn vergewaltige. Eine Verständigung mit der gegenwärtigen österreichischen Regierung hielten die Nationalsozialisten niemals für möglich. Sie verlangten Durchführung von Neuwahlen und die Bildung einer neu» en Regierung auf Grund der Wahlergebnisse. Wenn eine breite Front gegen die Herrschaft einer Minderheit aufstehe, bann gebe es nur zwei Mög­lichkeiten, entweder die einer evolutionären Lösung der politischen Machtfraae ober bie revolutionäre Lösung, bei ber man nicht garantieren könne, was babei für bie herauskomme, bie heute bie Herr­schaft ausübten. Der Wille, Hitler auch in Oester­reich zum Siege zu verhelfen, sei ungebrochen. Die Welt habe kein Recht, in diesen Kampf einzugreifen, weil es sich um Ausein - a n d e r s e tz u n g e n zwischen Deutschen hanbele. Die Gegner bes Anschlußwillens könnten beibe ßänber nicht Hinbern, sich zu vereinen. Eine europäische Politik, so schloß ber Rebner, bie sich gufbauen wolle auf Vergewaltigung bes beutfdjen Volkes, ober eines Teiles bes deutschen Volkes, könne niemals von Bestand fein.

Oie Sonntagsreden.

Das Echo der Presse.

Wien, 18. Sept. (ENB.) (Eigene Meldung.) Die Stellungnahme der Wiener Presse zu den Reden, die von Vizekanzler Winkler in Graz und Fürst Starhemberg in Kufstein gehalten worben sinb, ist burchaus uneinheitlich.

Das christlich-sozialeWiener Montagsblatt" will offenbar auf Grunb einer Einflußnahme von Re- gterungsfeite aus ben Kunbgebungen in @rax unb Kufstein einen bemerkenswerten Gleichklang heraushören, ba bie Hauptrebner beiber Tagungen sich zur Führerschaft Dollfuß' bekannt hätten. Unter Hinweis barauf erklärt bas christlich-soziale Blatt, über hie Wege, bie zum Enbziel führen, bürste bie Diskussion ber Anschauungen noch manche Klärung herbeisühren. Eines aber erscheine sicher: Schon die allernächste Zeit werde einigende gemeinsame Arbeit an dem großen Aufbauwerk bringen, bas gelingen müsse, wenn Oesterreichs Politik ben Weg in eine bessere Zukunft finben solle.

In ähnlichem Sinne sucht auch bieW i e n e r Sonn- unb Montagszeitung" zu be- ruhigen, inbem sie schreibt: Vizekanzler Winkler habe sich zwar mit aller Entschiebenheit gegen ben von Starhemberg proklamierten AusbruckFaschis­mus" erklärt, aber nach bemstarken Bekenntnis beiber Politiker zur Politik bes Bunbeskanzlers" unterliege es wohl keinem Zweifel, baß gar kein Anlaß z u irgenbwelchen Besorg­nissen über die weitere Entwicklung unb Gestal­

tung ber innerpolitischen Verhältnisse in Oesterreich Dorliege. Dagegen spricht berM o r g e n" von einem Schicksalssonntag für Oesterreich, ber Vize­kanzler habe mit seiner Rebe bie unbebingt not- wenbige Klärung herbeiführen wollen unbeküm­mert barum, was baraus entstehen möge. Die

Neue Freie Presse" ist der Ansicht, daß Vizekanzler Winkler eine Situation geschaffen habe, die in kürzester Frist einer unbedingten Klärung bedürfe. Man müsse dringend auf eine baldige Einigung hoffen, ba sonst eine innerpolitische Krise herbeigeführt werben bürste.

Der Zwist im Wiener Rrgiernngslager.

Starhemberg will von Dollfuß Klarstellung des Kurses fordern.

Wien, 19. Sept. (TU.) Am Montag fanb bie Lanbesführersitzung des österreichi - schen Heimatschutzes unter Starhem - berg statt. Die von dieser Landesführersitzung her- ausgegebene Erklärung bedeutet eine neuerliche scharfe Kampfansage an die national- ständische Front des Vizekanzlers Winkler. Es heißt darin u. a., ber Heimatschutz halte un­erschüttert an der von ihm seit jeher vertretenen Ibee eines ständischen Staates nach fa­schistischen Grundsätzen fest. Der Heirnat- schutz sei dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß in der Uederzeugung gefolgt, daß er tatsächlich diesen Kurs unbeirrt z u gehen gewillt sei. Der Hei­matschutz lege den größten Wert auf eine u n - zweideutige Feststellung des Regie­

rungskurses. Der Bundesführer werde schon in ben nächsten Tagen beim Bunbeskanzler vor­sprechen unb, so sagt die Erklärung, es bestehe kein Zweifel ,daß der Bundeskanzler bieabwegigen, zum politischen Bodenkram gehörenden libe­ralen Ideen b es Herrn Vizekanzlers durch die Tat widerlege". Eine Politik, wie sie der Vizekanzler in Graz mit Zuhilfenahme von teeren Schlagworten entwickelt habe, werde der Heimat­schutz stets auf dasEntschiedenstebe- kämpfen. Der Vundesführer werde das Ergebnis feiner Besprechungen mit dem Bundeskanzler auf einer Sitzung am 27. September den Landesführern mitteilen, die endgültig dazu Stellung nehmen werden.

Die Eingliederung der Jugend in die Deuffche Arbeitsfront.

Berlin, 18. Sept. (TU.) Der Führer der Deut­schen Arbeitsfront, Dr. Ley, hat folgende Anord­nung erlassen:

Nach Uebernahme der alten Gewerkschaften und nach Schaffung einer einheitlichen großen Organi­sation aller Arbeitenden Deutschlands, der Deut­schen Arbeitsfront, wurde auch die werktätige Jugend in den großen Rah­men der Deutschen Arbeitsfront eingebaut. Die Jugend, vorher in den Gewerkschaften stark zer­splittert, nicht zusammengehörig sich fühlend, teil­weise aufgehetzt, soll und muß in dieser Deutschen Arbeitsfront eine Einheit bilden, die sie zuruck- gehen läßt vom Marxismus, von der Zersplitterung zum Nationalsozialismus, zur Einheit.

Wenn es auch im Augenblick nicht möglich ist, die organisatorische Grundlage für eine vollkommene Einheit aller Schaffenden zu geben, so muß doch für die Zukunft Der Begriff der Deutschen Arbeits­front und ihrer allumfassenden Organisation bei der Jugend eingeprägt werden. Aus diesem Grunde muß die Jugend über bem Rahmen ber einzelnen Verbänbe hinaus straff unb einheitlich zusammengefaßt wer­ben, um später einmal bie letzte Vervollkommnung bes großen Werkes ber Deutschen Arbeitsfront zu gewährleisten. Aus biesem Grunbe wirb bewußt unb mit aller Entschiebenheit bem jungen arbeiten* ben Menschen ber Begriff Deutsche Arbeits - front-Jugenb eingeprägt unb barauf bie ganze Organisation ber Jugenb in ber Deutschen Arbeitsfront eingestellt. Diese Jugend sichert der Deutschen Arbeitsfront den Nach­wuchs unb hat beshalb bie Verpflichtung, bahin zu streben, bah sie heute schon in ihrer Organi­sation ben Nationalsozialisten barstellt. Um biese Aufgabe verwirklichen zu können, verfüge ich fol- genbes:

1. Die Verbänbe sind verantwortlich allein für die fachliche und berufliche Durch­bildung Der ihnen angeschlossenen Jugendlichen.

2. Die weltanschauliche Schulung und nationalsozialistische Gleichrichtung der jungen arbeitenden Menschen in der Deutschen Arbeitsfront wirb zentral von einer Stelle, bem Jugenbamt, in ber Deutschen Arbeitsfront in engster Zusammenarbeit mit bem Schulungs ° amt der Deutschen Arbeitsfront geleitet. Das Jugendamt in ber Deutschen Arbeitsfront gibt bie Richtung für bie fachliche und berufliche Durchbil­dung ber gesamten beutschen Arbeitsfrontjugenb, soweit es sich um Dinge hanbelt, bie nicht ein Fach unb einen Beruf betreffen.

3n jebem Verband ist ein Verbanbs-Iu-

g e n b [ e i t e r ernannt, ber bie Verbinbung Her­stellen muß zwischen ber beruflichen Schulung bes Verbanbes einerseits unb ber Weltanschauung ber Deutschen Arbeitsfront andrerseits. Die Einheit­lichkeit im Reiche wirb baburch gewährleistet, baß bie Bezirksjugenbleiter ber Deutschen Arbeits­front bie Ueberwachung ber weltanschaulichen Schulung burchführen unb ihrerseits burch Vor­schläge usw. für eine rege Tätigkeit innerhalb ihres Bezirkes ber Deutschen Arbeitsfrontjugenb Sorge tragen. Die Verbanbsjugenbleiter unb Be­zirksjugenbleiter werben jeweils auf Vorschlag bes Jugenbamtes ber Deutschen Arbeitsfront von bem Verbanbsleiter bzw. vom Bezirksleiter ernannt unb müssen vom Leiter bes Jugenbamtes bestätigt wer­ben.

4. lieber bie Durchführung biefer Anorbnungen unb über bie einheitliche Zusammenfassung ber Jugenb in ben Stäbten bzw. über bie Zusammen­fassung ber weiblichen Jugenb ergehen A u s f ü h - rungsanorbnungen bes Jugenbamtes in ber Deutschen Arbeitsfront.

Dr. Ley führte zur Erläuterung feiner Anorb- nung noch u. a. folgendes aus: Den größten Teil ber Deutschen Jugenb habe bie Hitlerjugend erfaßt, ein Teil der Jugend aber stehe noch abseits, nicht nur aus eigenem Antrieb, eben deshalb, weil bie Eltern noch abseits stehen. Hier habe bie Deutsche Arbeitsfront einzusetzen unb bie Eltern und bie Jugenb zu gewinnen. Die Erziehung in ber Deutschen Arbeitsfront sei naturgemäß eine anbere, als die in ber HI. Der Berufunddieberuf- liche Fortbildung sei die Hauptaufgabe ber Arbeitsfrontjugenb. In ber Arbeitsfrontjugenb wer­ben wir bie ganze Jugend der einzelnen Verbände zusammenfassen. Die Verbände ber einzelnen Fach­schaften sollen nicht mehr felbftänbig auftreten, son- bern sie müssen ©lieber sein, beren einzige Aufgabe die Ueberwachung ber beruflichen Fortbilbung ist, während in all ben anberen Dingen nur die Führung ber Arbeitsfrontjugenb zu entscheiben habe. Auf diese Weise werde der Be­griff ber Arbeitsfront unb ber Begriff ber Zusam­mengehörigkeit schon in der Jugend fest verankert. Auf diese Weise werde es möglich sein, eine neue Gesellschaftsordnung zu bilden.

Mit Beendigung des 18. Lebensjahres werde künf­tig in ganz feierlicher Form dieUeberführung ber Jugenblichen aus ber Jugend der Deut­schen Arbeitsfront unb ber Jugend der RSBO. i n die Deutsche Arbeitsfront und in die NS BO. erfolgen. Man werbe den 1. Mai, der ja schon offizieller Staatsfeiertag ist, und auch den 2. Mai dazu benutzen, die Jugend sozusagen mün­

dig zu sprechen und sie feierlich zu Staatsbür­gern zu machen. Ebenso werde am 1. April, dem Tag, an dem die Jugend aus der Schule in den Beruf tritt, die Aufnahme in die Deutsche Arbeitsfrontjugend feierlich ausgestaltet werden. Mit der Hitlerjugend seien über bie Stellung ber beutschen Arbeitsjugend im Volk bereits be­stimmte Abmachungen getroffen worben.

Gestattung des Feierabends.

Lrganisatorische Pläne Dr. Leys.

Berlin, 18.Sept. (WTB.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, ergänzte seine Anordnung über bie Schaffung einer einheitlichen beutschen Arbeitsfrontjugenb noch durch längere Ausführungen und betonte, daß der Arbeiter von Alltagssorgen unterjocht sei, wenn man ihm nicht seinen Feierabend gestaltet und Der- schönt. Nur eine besonders gute Unter- 1) a It u n g, wie gute Theater-, Opern- und Film­vorführungen unb vielerlei anbere Möglichkeiten geben bas Mittel, ben Feierabenb auszugestalten. Wir werden keine Gewalt anmenben und nieman­den kommandieren. Wir werden jedem ermöglichen, selbst zu wählen, was er am Feierabend sich vor- nehmen wolle, und bann werben wir alle diese Wünsche in eine Form fügen unb organi­sieren. Auf biese Weise werbe ein groß­zügiges Feierabenbwerk entstehen, das wohl die sozialste Errungenschaft dieses Jahrhun­derts für ben deutschen Arbeiter sein werde. In dieses Feierabendwerk gehöre auch die Jugend der Deutschen Arbeitsfront hinein.

Nur noch der deutsche Gruß bei der preußischen Polizei.

Berlin, 18. Sept. (WTB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat ber preußische Ministerpräsident Göring in seiner Eigenschaft als Minister bes Innern einen neuen Runderlaß über Grußbestimmungen für bie Polizei an alle Polizeibehörben gerichtet. Danach haben künftig abweichenb von ben bisherigen Bestimmungen, bie Beamten ber Schutzpolizei, ber ßanbjägerei unb ber kommunalen Polizei, auch mit Kopfbe­be ck u n g, in unb außer Dem Dien ft den deutschen Gruß anzuwenden.

Aushebung emes staatsfeindlichen intellektuellen Nestes.

Berlin, 19. Sept. (CNB. Funkspruch.) Wie der Zeitungsdienst" meldet, hatte vor kurzem die Ge­heime Staatspolizei auf einem einsam ge­legenen Schloß in der Nähe von Heiden­heim eine umfangreiche Razzia abgehalten. In Der. binbung mit biefer Maßnahme waren verschiedene Gerüchte aufgetaucht, zu deren Klarstellung nun eine Verlautbarung amtlicherseits erfolgt ist. Unter der Vorgabe, als Kurgäste auf dem Schloß zu wei­len, hatte eine aus etwa 50 Damen und Herren be­stehende intellektuelle Klique eine Art Jn- tellektuellenschule errichtet. Es handelt sich vornehm­lich um frühere Staatsbeamte, Professoren und An­gehörige höherer Adelskreise. Man wollte sich dort in aller Einsamkeit für einen geistigen Sa- botagefampf gegen den National­sozialismus und gegen ben Bestand des neuen Staatesschulen".

Prag und die Slowaken.

Konflikt zwischen Nuntius und Regierung.

Prag, 18. Sept. (TU.) Zwischen bem Prager päpstlichen Nuntius unb ber Prager Regierung scheint ein ernster Konflikt auszubrechen. Der päpst­liche Nuntius in Prag, Ciriaci, hat nämlich an ben Vorsitzenben ber slowakischen katholischen Volksartei, Pater H l i n f a , als Antwort auf bas Begrüßungsschreiben folgenben Brief in lateinischer Sprache geschrieben:

Währenb man in Prag den Heiligen Vater bl- rekt ober burch bie Person seines Vertreters i n einer Weise beleihtet, bie alle Vorschriften ber internationalen Höflichkeit mißachtet, habt Ihr Slowaken ber hohen Autorität bes Heiligen Vaters gegenüber bie geziemende Ehrfurcht be- kunbet unb bafür gebührt Dir, Hlinka, unb ben Deinen ßob. Ich banke Dir und den Deinen auch dafür, daß Ihr dem päpstlichen Nuntius, ber nur aus Gehorsam bem Heiligen Vater gegenüber in Prag leben muß, Trost in feinem bitteren Kummer gebracht habt. Das werbe ich Euch nie vergessen. Die eble slowakische Nation wirb mir immer in Erinnerung bleiben."

Das Dr. Benesch nahestehenbe tschechisch-nationa­listische Blattßibove Noviny" nennt ben Brief einegänzlichunzulässigeKundgebung gegen Prag unb auch gegen bie Regierung. Keinem Vertreter einer fremben Macht in Prag könne es erlaubt werben, bie Regierung öffentlich ber Mißachtung internationaler Vorschriften zu zeihen. Kein Vertreter einer internationalen Macht bürfe sich öffentlich beschweren, baß er nur aus Gehorsam in Prag zu leben gezwungen ist. Das Blatt nennt bas Schreiben einen taktlosen unb unzulässigen Eingriff in inner- politische Fragenburch bie augenfällige Unterstreichung einer angeblich felbftänbig bestehen» ben slowakischen Nation, abressiert an ben angeb­lichen Vertreter dieser Nation, Pater Hlinka, ber erst vor kurzem unsere Regierung in Neutra ge­schmäht hat".

Das Kabinett hat sich in einer außerordent­lichen Ministerratssitzung mit bem offenen Brief besaßt. Das Kabinett hat beschlossen, ben H1. Stuhl zu ersuchen, Msgr. Ciriaci zur Bericht­erstattung nach bem Vatikan zu berufen.

Kleine politische Nachrichten.

Am heutigen Dienstag, 19. b. Mt., von 20 bis 20.10 Uhr, fenbet ber Deutschlanbsenber einen Vor­trag bes Generalleutnants a. D. von Metzsch zum ThemaIst Gens eine Gefahr?" Der Vortrag geht über alle beutschen Sender, zum Teil direkt, zum Teil auf Wachsplatten.

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Im Rahmen der Bekämpfung des Bett­lerunwesens fand am Montag i m ganzen Reich eine Aktion statt, bie von ber Polizei, ber SA. unb SS. unb ben Wohlfahrtsbehörden durchgeführt wurde.

Stabschef Röhm unb ber Reichsstatthalter in Bayern, General Ritter o. Epp, trafen in Königsberg ein. Nach einer Begrüßung durch bie Führer ber ostpreußischen SA. unb SS. be­gaben sich Röhm unb Epp, in beren Begleitung sich u. a. bie Obergruppenführer Krüger unb Schreyer von ber Obersten SA.-Führung befanden, nach P illau zum Besuch der Ostseeflotte.