lösung von Innungen unb übergeordneter Verbände darf auf keinen Fall vollzogen werden.
Gleichberechtigung und Kameradschaft im Arbeitsdienst. Ein gemeinsamer Erlaß von Reichsminister
Seldte und Staatssekretär Hierl.
Berlin,18. Mai. (CNB.) Reichsarbeitsminister Franz S e l d t e und Staatssekretär Hierl veröffentlichen einen gemeinsamen Erlaß, der sich mit den Fragen des Führertums im Arbeitsdienst befaßt. In dem Erlaß wird u. a. ausge- füßrt:
Die von der Regierung der nationalen Revolution geschaffene Arbeitsdienstpflicht ist das hervorragendste Mittel, das deutsche Volk im neuen deutschen Geist zu einer Gemeinschaft zu formen, in der der deutsche Sozialismus, d. h. die keinen Klas- sengeist und keine Eigensucht kennende Frontkameradschaft die Beziehungen aller Volksteile zu einander bestimmt. Die Berufung von Führern, die Berechtigung, Führer sein zu dürfen, wird nicht von Aeußerlichkeiten bestimmt, sondern nur von der inneren Haltung und von daraus entspringenden L e i st u n g e n. In der Spitze des Reichsleitung des deutschen Arbeitsdienstes, welche zu seinem Aufbau berufen ist, stehen Nationalsozialisten und Stahl Helmer, beides Träger der deutschen nationalen Revolution, gleichberechtigt und kameradschaftlich Schulter an Schulter. Ich verlange, daß dieser Grundsatz der Gleichberechtigung und Kameradschaft sich bis in die kleinste Einheit im ganzen Arbeitsdienst durchsetzt und verpflichte hiermit alle Führer, ihnen Geltung zu verschaffen.
Kultivierung der Moore durch den Arbeitsdienst.
Berlin, 18. Mai. ($11. Amtlich.) Die nationale Regierung hat den Aufbau des deutschen Arbeitsdienstes in Angriff genommen. Wenn dieser seinen großen Zielen gerecht werden soll, müssen ihm geeignete Betätigungsg ebie te und Arbeitsaufgaben von nationalem Charakter gegeben werden, wie es die italienische Regierung mit ihren Meliorationen in der Campagna und den Pontinischen Sümpfen getan Hot.
Trotz aller Kleinarbeit der letzten Jahre und Jahrzehnte sind in Deutschland noch etwa drei Millionen Hektar kultivierbare Moor- und Oedländereien vorhanden. 3n der nationalen Bevölkerung Deutschlands lebt und kehrt immer wieder der Gedanke an die große Aufgabe, die hier noch ihrer Lösung harrt. Rach den vielen wissenschaftlichen Vorarbeiten und praktischen Erfahrungen, die in den letzten Jahren geleistet und gesammelt worden sind, kann dem Arbeitsdienst das große Werk gelingen.
Zur Besprechung dieser Probleme und der Mittel und Wege ihrer Durchführung hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft in einem Rundschreiben an die Landesregierungen zu einer Sitzung des Reichsausschusses für Moor-Kultur und Oedlanderschließung auf Freitag, 26. Mai, nach Berlin eingeladen.
Oie Vertriebseinrichtungen der Gaswerke.
Berlin, 18. Mai. (ERB.) Der Beauftragte der gasfachlichen Organisationen, Dr. Gerdes, hat an alle Gaswerke ein Rundschreiben gerichtet, dos den AbbauderstädtischenDetriebe zum Gegenstand hat, die als eine Konkurrenz Des Mittel st andes betrachtet werden können. Sn diesem Rundschreiben wird gefordert, daß die Mehrzahl der von den Gaswerken betriebenen Installations- und Ladengeschäfte, die weniger Erwerbszwecken, als der Werbung von erhöhtem Energieabsah dienen, abgebaut wird. Voraussetzung dafür sei jedoch, daß Handwerk und Einzelhandel sowohl in finanzieller wie in technischer Beziehung als vollwertiger Ersah für die städtischen
Tobessturz beim Avus-Training.
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Am ersten Tage des offiziellen Trainings zum 8. ADAC-Avusrennen in Berlin ereignete sich ein schwerer Unfall. Der bekannte deutsche Rennfahrer Otto Merz, der am Sonntag einen der beiden Mercedes-Benz-SSK-Stromlinien- wagen steuern wollte, geriet infolge nasser Dahn ins Schleudern. Bei der hohen Geschwindigkeit konnte Merz den Wagen nicht mehr ausbalan
cieren und flog im Dogen auf die Bahn, wo er schwerverletzt liegen blieb. Der Wagen fuhr die Böschung hinunter und wurde zertrümmert. Der Verunglückte ist bald darauf seinen Verletzungen erlegen. — Reichskanzler Adolf Hitler hat der Firma Daimler-Benz zum Tode des Rennfahrers Otto Merz sein aufrichtiges Beileid ausgesprochen
Betriebe eintreten können, womit die Sicherheit und Zufriedenheit der Abnehmer gewährleistet werde und auch die Werbung für den Verbrauch keinerlei Einbuße erleide. Diese Voraussetzungen seien durch das Darniederliegen der beteiligten Kreise zur Zeit weder f inanziell noch technisch gegeben. Es werde Aufgabe der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung sein, durch systematische Stärkung und folgerichtige Einschaltung von Handwerk und Einzelhandel diese Voraussetzungen zu schaffen. Plötzlich einschneidende Maßnahmen könnten nicht zu dem gewünschten Erfolge führen, vielmehr dem Handwerk und Gewerbe sowie auch der Energieversorgung selbst und damit der Masse der Abnehmer schaden. An der Frage der organischenEin- gliederung des gewerblichen Mittelstandes in den Gerätcabsah und die Energieverteilung werde zur Zeit gearbeitet.
Zusammenschluß der lutherischen Landeskirchen.
Einsetzung eines Lirektormms.
Berlin, 18. Mai. (CNB) Der Evangelische Pressedienst teilt mit: Ein bedeutsamer Schritt zur kommenden Kircheneimgung ist geschehen. Die sämtlichen evangelisch-lutherischen Landeskirchen Deutschlands haben sich zusammengeschlossen. Der Zusammenschluß ist auf derGrundlagedesfolgendenStatutes vollzogen worden:
§ 1. Die lutherischen Landeskirchen Deutschlands schließen sich zur Wahrung und Vertretung ihres gemeinsamen lutherischen Bekenntnisses und zur Förderung der daraus sich ergebenden gemeinsamen Aufgaben zu einem lutherischen Z w e i g innerhalb der werdenden Deutschen Evangelischen Kirche zusammen unter Vorbehalt der Selbständigkeit der einzelnen Kirchen im übrigen.
§ 2. Zur Wahrung der in § 1 bezeichneten Zwecke wird ein Direktorium gebildet, bestehend aus je zwei Vertretern der süddeutschen, der mitteldeutschen und der niederdeutschen lutherischen Landeskirchen, die aus ihrer Mitte einen Vorsitzer bestellen.
§ 3. Im Rahmen der Zwecke des § 1 ist das Direktorium zuständig
l .zur Vertretung der Landeskirchen,
2 . zur Aufstellung allgemeiner Grundsätze für die Ordnung des kirchlichen Lebens.
In das Direktorium wurden die Vertreter der bayerischen, der württembergischen, der thüringischen, der sächsischen, der hannoverschen und der schleswig-holsteini- s ch e n Kirchen gewählt. Zum Vorsitzer wurde Landesbischof D. HR eifer in München bestellt.
Kunst und Wissenschaft.
Geheimrat Professor Dr. Mohling f.
Der bekannte Berliner Theologe Geheimer Konsistorialrat Professor D. Dr. Friedrich Mohling ist an einem Herzschlag plötzlich gestorben. Professor Mahling war erst am 1. April d. S. in den Ruhestand getreten. Er wurde am 14. Februar 1865 in Frankfurt a.- M. geboren. 1909 wurde er an die Berliner Universität auf den Lehrstuhl für praktische Theologie berufen. Er hatte ihn fast ein Vierteljahrhundert inne und war zuletzt Leiter des Praktisch-Theologischen Sen.inars an der Berliner Universität. 1925 hat er die „Akademischen Gottesdienste" eingerichtet, die seither regelmäßig in der Kaiser-Friedrich- Gedächtniskirche stattfinden.
veil Stoß-Gedächtnisausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
Die Vorbereitungen zur Veit Stoß-Ausstellung in Nürnberg nähern sich ihrem Abschluß. Die hervorragendsten Werke sind bereits eingetrofsen, darunter das Spätwerk des greisen Meisters, der Bamberger Altar vom Jahre
1523, und seine volkstümlichste Schöpfung, der „Englische Gruß" aus St. Lorenz. Sn den Werkstätten des Germanischen Museums macht die Mehrzahl der Altarwerke, Einzelfiguren und Gedächtnisbilder zur Zeit noch eine gründliche Wandlung chrer Oberflächen durch, die durch grobe ilebermalungen den Reiz der originalen Modellierung und den Glanz der alten Fassung eingebüht hatten. Am 26. Mai findet im Großen Rachaussaal in Nürnberg ein Festakt statt, wobei Geheimrat Prof. Dr. Wilhelm Pinder, München, sprechen wird. Am 27. Mai wird in Anwesenheit der Vertreter der Regierungen des Reiches und Dch;erns in der Karthäuserkirche des Museums die Ausstellung eröffnet werden.
Aus oder Welt.
Ein Denkmal der nationalen Arbeit in Berlin.
Staatskommissar Engel erörterte in der letzten Magistratssitzung der Stadt Berlin seine Pläne über Errichtung eines gewaltigen Denkmals der nationalen Arbeit anläßlich der Bildung einer Einheitsfront aller Schaffenden am 1. Mai 1933. Der Magistrat begrüßte diese Sdee aufs wärmste und erklärte sich bereit, sie nach Kräften zu unterstützen, insbesondere durch Meberlaffung eines geeigneten Platzes für das Denkmal.
Deutsche JrauenfronL
Der „Zeitungsdienst" in Berlin teilt mit: Der Bund Deutscher Frauenvereine hat sich bekanntlich am 15. Mai d. I. aufgelöst. Die bisher dem Bund Deutscher Frauenvereine angegliederten Vereine sind jetzt aufgefordert worden, sich der Deutschen Frauenfront, deren Bureau sich im Hause des Preußischen Staatsrats befindet, anzuschließen. Bisher haben folgende Frauenverbände sich der Deutschen Frauenfront unterstellt: Bund „Königin Luise", Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz mit seinen Landesverbänden, Reichsverband Deutscher Haüsfrauen, Deutscher Frauenbund E. V., Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, Deutsche Willkommen-Gesellschaft.
Oesterreichs Studenten an die ungarischen Kommilitonen.
Die deutsche Studentenschaft Oesterreichs hat an die ungarischen Studentenverbände ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:
„Sehr geehrte Kommilltonenl Die deutsche Studentenschaft Oesterreichs ist der Meinung, daß das ungarländische Deutschtum und sein Führer Exzellenz Professor Satob Dleher oft und eindeutig chre Treue gegenüber dem ungarischen Staat bewiesen haben. Besonders die letzte Parlamentsrede Dr. Bleyers hat erneut erkennen lassen, in wie hohem Maße das ungarländische Deutschtum zugleich staatstreu und volkstreu ist. Es ist uns daher unverständlich, wieso die „Magyar Nemzeti Diakßövetseg" (Ungarische nationale Studentenvereinigung) eine gegen den Abgeordneten Bleyer und das deutsche Volkstum gerichtete Entschließung fassen konnte. Wir bedauern ihre Stellung und diese Ausschreitungen gegen Professor Bleyer um so mehr, als diese geeignet sind, die Zusammenarbeit der deutschen und magyarischen Studenten ernsthaft zu gefährden, eine Arbeit, die, wie die Wiener Tagung für die Revisionskundgebung in Sofia gezeigt hat, notwendig und fruchtbar ist. Gegen das unritterliche Vorgehen ungarischer Studenten, im besonderen gegen die Handgreiflichkeiten an Frau Dleher und gegen die Gewalttätigkeiten an ungarländischen deutschen Studenten protestiert die deutsche Studentenschaft Oesterreichs auf das entschiedenste.
Autounglück. — Fünf Personen verletzt.
Wie aus Bad Reichenhall gemeldet wird, ereignete sich am Saalachsee ein Autounglück, bei dem fünf Personen mehr oder minder schwer verletzt wurden. Der Autounternehmer Ernst Grimm lud vier SA.-Kameraden zu einer Fahrt ein. Bei Baumgarten stürzte der Wagen an einer Kurve über die hohe Böschung in ein Wildbachbett, wo er die fünf Snsassen unter sich begrub. Der Lenker erlitt einen Schädel- b r u ch und andere schwere Verletzungen. Seine vier Kameraden wurden gleichfalls zum Teil schwer verletzt und befinden sich bis auf einen im Krankenhaus.
Oie Wiener
Prinz Eugen-Ausstellung.
Von Rodert Braun.
„Prinz eugene hat meriten und verstandt", schreibt die Prinzessin Elisabeth Charlotte an die Raugräfin Luise von dem jungen Mann am Hofe Ludwig XIV., „ist aber klein und häßlich von person hott die oberlefszen so kurtz daß er den Mundt nie zuthun kan man sieht also allezeit zwey große breithe Zähn, die Naß hatt er ein wenig aufge- schnupfft und ziernblich weitte Naßlöcher, aber Die Augen nicht heßlich und lebhafft." Viele Jahre später findet Eugen aus der Höhe des Ruhms einen anderen Schilderer, der gleichwohl die früheren Merkmale bestätigt. „Er ist von sehr mittelmäßiger Taille" heißt es dort, „und hat nicht viel mehr Fleisch als bequem ist, soviel Trabaillen auszustehen . . ." Den Kopf pflege er stetigst hoch zu tragen, der Mund aber stehe ihm offen, „weil er sich zu sehr an den Schnupstoback gewehnt."
Die Porträts, die man jetzt von ihm in der Wie - ner Prinz-Eugen-Au st ellung sieht (in feinem Sommerpalais, Dem Belvedere) entsprechen, wenn man von der zeitgemäßen Verschönerungsabsicht absieht, dieser Beschreibung. (Nur der Mund erscheint immer gemaltfam geschlossen). Das längliche Gesicht des Mannes mit dem Marschallstab und dem scharlachroten, um den Brustharnisch sich schlingenden Ordensband des goldenen Vliesses trägt viel mehr das Zeichen eines vornehmen, die Künste liebenden Herrn an sich als eines Feldherrn. Aufgetragenes Selbstbewußtsein, verbissene Entschlossen- heit sind diesem Antlitz fremd. Von den starken braunen Augen geht Wohlwollen aus, zugleich empfindet man eine gewisse Geradheit seines Wesens, die das Wort bestätigt „Ich würde glauben, die Pflicht eines ehrlichen Mannes zu verletzen, wenn ich nicht die Wahrheit bekennen würde." Was feine Gestalt betrifft, so wird ihre Kleinheit durch den ausgestellten Küraß bestätigt, der gewiß der Schulter eines größeren Schuljungen passen würde. Ein münzengroßer Eindruck stammt von einer Kugelspur.
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Die Ausstellung gruppiert sich eigentlich um das zweihundertfünfzig Jahre zurückliegende Ereignis der Befreiung Wiens von den türkischen Belagerern, die Eugen als eben aus Frankreich geflohener und nun die Feuertaufe empfangender Offizier mit-
Ein seltener Anblick sind die Schlachtenbilder des Malers Parrocel, die der Prinz in die Wände feiner Schlösser rahmenlos einlegen ließ. Sie scheinen zwar sämtlich nach einer gewissen Schablone gearbeitet, doch haben sie den Reiz des Zeitgenössi- schen, das uns die Vorstellung der alten, noch überfehlbaren und durch das Bunte von Uniform und Fahne wirkenden Schlacht ermöglicht. Der Vordergrund ist meist angefüllt von Flüchtlingen, die ihre Habe auf Karren fortführen, mit Proviantkolonnen, anmarschierenden Reserven ober Gehöften, wo Verwundete gebettet liegen. Gegen die Mille zu rücken
machte. So ist das Jahr 1683, da seine Laufbahn begann, das hier vorherrschende. Man sieht das vollständige Zelt eines türkischen Großen, eine wundervolle Probe islamischer Ornamentik in Rot und Grün, die von der exotischen Pracht einer Zeltstadt einen Begriff gibt. Ueberhaupt beutet bas hochentwickelte Kunsthandwerk ber Türken auf eine hohe Kultur gerabe zu biefer Zeit: wie etwa ein silberner getriebener Becher, eine Pulverflasche mit Golb- unb Silberstickerei, ober bie prächtig ausgeführte Ratifikation bes Karlowitzer Friedens. Freilich wider- fpricht bem ihre unmenschliche Kriegsführung. Es ist erwiesen, baß sie wehrlosen Männern bie Köpfe ab» fabelten, Kinber bei ben Füßen packten unb an Mauern zerschmetterten. Ihre fanatische Grausamkeit erweckte natürlich ben unversöhnlichsten Haß. In einer Vitrine sieht man eine ber bunfelgrünen gläsernen Hanbgranaten, bie wegen ihrer furchtbaren Sprengwirkung als eine Art Dum-dum-Geschosse betrachtet würben unb gegen christliche Feinde verboten waren, — gegen Türken aber, bie nicht als Menschen galten, unbebenklich Verwendung fanben.
Der Held biefer Tage, ba ber Großwesir Kara Mustapha mütenbe Angriffe gegen bie Basteien Wiens unternahm, ist Rüdiger Gras S t a r Hemberg, ber bie verzweifelte Abwehr leitete. In einer Ecke steht bas Fernrohr, burch bas er vom Stephans» türm aus bas Anrücken bes Ersatzheeres beobachtete, unter Glas liegt sein schlanker Degen unb bie von Kaiser öeopolb urkunblich verfügte Wappenverbesserung nach bem Sieg. Daneben anberes Anek- botisches: ber schwarze breitkrempige Hut des Reitergenerals Siegbert Heister, der seinem Tröger burch einen Türkenpfeil an ben Kopf genagelt würbe. Unb in einem kunstvollen Reliquiar eine Pfeilspitze, bie ©uibo Starhemberg, Rübigers Bruder unb Eugens größter Rivale, jahrelang in der Achselhöhle trug, bis sie durch bie Kunst eines Arztes entfernt würbe
georbnete Reihen Fußvolks ober Kavallerie vor, in geschloffenen Fronten empfängt sie ber Feinb. Reiter sprengen zwischen ben Truppen wie zum letzten Appell, Pulverdampf wölkt auf. Feuer schlägt aus Häusern. Auf bem begrenzten Ort bes Schlachtfeldes liegen ein wenig zu ordentlich die Leiber der Gefallenen und Tiere. Trotzdem tritt angesichts dieser Schilderungen von Zenta und Belgrad, Malplaquet und Höchstädt, Qudenaarde und Cassano der Mann lebendig hervor, der mit höchster Geistesgegenwart diese für bas Schicksal Europas so entscheidenden Stunden lenkte.
Es ist ja eine merkwürdige Fügung, daß die Abneigung Ludwigs XIV. gegen die Nachkommen Mazarins die eigentliche Ursache dafür war, daß der Monarchie ein Retter erstand. Als er nach Oesterreich kam, befand sich die Armee in einem heruntergekommenen Zustand. Nur seinem zähen Willen ist es zuzuschreiben, daß aus ihr endlich ein schlagkräftiges Werkzeug wurde. Freilich erschöpfte er sich an dieser Mission. Ein Zeitgenosse schreibt von ihm: „Vordem trug er sein eigen Haar, welches schwartz, aber wegen der großen Sorge, so er in Italien aus- gestanden, hab ich mit meinen eigenen Augen gesehen, daß es in einer Campagna halb grau geworden, weswegen er vor jetzo eine Peruque trägt."
Dies bezieht sich auf bas Krisenjahr 1702, ba es ihm nicht gelingen wollte, bie Aufmerksamkeit bes Kaisers auf bie Not bes Heeres zu lenken. Eugen war bes steten Mahnens unb Drängens schon so mübe, baß er, ber Sieger so vieler in Europa berühmt geworbener Schlachten, sich ernstlich mit ber Absicht trug, ben kaiserlichen Dienst zu verlassen. „Man mag mich eitleren ober nit," schreibt er an ben Hofkriegsrat, „so ist gewiß, baß ich hinausgehe, ben solchergestalt chue nit verlangen unb will auch nit bienen, wie man mich biese zwei Campagnen allenthalben hat stekhen unb nur mit führen Worten hat speisen lassen." Doch wie wenig selbst biefer sehr entfdjiebene Ton fruchtete, bezeugt ein zweites Schreiben — zwei Monate später. „Ich aber khan (enger, also bifes Ellendt nit mehr ansehen, fonbern bin gänzlich gewinnen zu quittieren, weilten solchergestalt mir nit mehr zu bienen verlange."
Schließlich überroanb er nicht nur diese, sondern bie nicht minber großen Schwierigkeiten ber inneren Rivalität am Wiener Hof. Als bie Gegenpartei bes Günstlings Grafen Althan nichts unversucht ließ, seine Stellung zu untergraben, konnte er sich in einem Gespräch mit bem Kaiser Karl VI., bas unter vier Augen geschah baburch rechtfertigen, baß er auf die fünfundbreißig Schlachten hinwies, bie er
ruhmreich für bas Haus Habsburg geschlagen. Das brachte nach mehrjähriger Ungnabe den Kaiser zur Besinnung. Er umarmte ihn erschüttert und versprach, die Verleumder zu bestrafen, was auch geschah.
Eugens Verbindung mit den geistigen Mächten seiner Zeit illustriert die Ausstellung mit einer Anzahl in verschiedenfarbiges Saffianleber gebunbener, wappengeschmückter Folianten. Proben seiner berühmten Bibliothek. Angesichts ihrer Rücken und ber schmalen strengen Bücherschränke benkt man, baß sie Zeugen ber Begegnung mit Leibniz waren. 3n bem Saal feines Winterpalais in ber Himmel- pfortgaffe, von besten einstiger Beschaffenheit noch ein Stich Kunbe gibt, unterhielten sich ber größte Felbherr unb ber größte Philosoph ber Epoche über ein gemeinsames Thema: ben ewigen Frieben.
„Oie Tochter des Regiments."
Dies ist ber neueste unb enfschieben originelle Schottenwitz: Anny O n b r a , die uns vor nicht langer Zeit als „Kiki" amüsiert hat, erscheint hier als Kriegswaisenkind und Regimentstochter in einem Hochländerregiment, dem als kriegerische Spezialaufgabe die Ausrottung einer Bande von Whisky- fchmugglern zugefallen ist. Das führt zu den merk- würdigsten und komischsten Situationen einer ganz burlesken Spielhandlung: im Mittelpunkt der von Karl Lamac beweglich unb pointenreich ent- wickelten Szenenfolge steht Anny O n b r a , zierliches Persönchen, Puppengesichtchen, fprubelnbes Tem- perament unb eine komische Begabung, bie zwar oft an die Grenze der Clownerie streift, aber auch gelegentlich von erstaunlich parodistischer Wirkung ist, wie zum Beispiel die Szene im verschneiten Hauptquartier der Schmugglerbande überraschend und ergötzlich vor Augen führt. Jedenfalls gibt die bis zu gewissem Grade unnachahmliche Eigenart der Ondra auch diesem Film sein charakteristisches Gesicht. Vom übrigen Ensemble: der dicke W a 11 b u r g im schottisch-karierten Röckchen, eine Sache für sich. Werner Futter er, lange nicht gesehen, spielt einen netten Leutnant, wie er sein soll. Adele Sandrock, in griesgrämiger Majestät, steuert die landesüblichen Scherze bei. (Einer der hübschesten ist übrigens bas Duett im Weinkeller man muß es sich anhören.) Albert Heine unb Willy S t e 11= ner finb noch zu nennen. — Ein unterhaltsamer Nachmittag, oder Abend im Lichtspielhaus.


