Eine unangebrachte Beschwerde.
Prag, 18. Mai. (WTB.) Im Abgeordnetenhaus kam Justizminister Dr. Meißner auf den Passus der Rede des Reichskanzlers, der dem Brünner Prozeß gegen die Mitglieder der nationalsozialistischen Bolkssportorganisattzn gewidmet war, zu sprechen. Er erklärte, daß die Aeußerung des Reichskanzlers vom internationalen Standpunkt aus als ein unberechtigter Eingriff in die inneren Verhältnisse der Tschechoslowakei, insbesondere als Eingriff in die Ausübung der tschechoslowakischen Justiz angesehen werden müsse. Auf Grund des internationalen Rechts und der internationalen Gepflogenheiten fei eine Beschwerde bei der Berliner Regierung beschlossen worden.
Es darf angenommen werden, daß an den zuständigen deutschen Stellen dem angekündigten Schritt mit großer Ruhe entgegen s e h e n wird und daß man um die richtige Antwort nicht verlegen sein wird. Es handelte sich bei den Worten des Reichskanzlers, die sich auf die Tschechoslowakei bezogen, nicht um eine Einmischung in die inneren Verhältnisse eines fremden Landes, sondern um den Hinweis, daß das in dem Brünner Volkssportprozeß erstattete Gutachten auf völliger Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse imReich beruhte.
Oie tschechischen Sokols sind keine Wehrverbände.
Genf, 18. Mai. (WTB.) Der Effektivausschuß der Abrüstungskonferenz hat heute in seinem technischen Komitee die Einzeluntersuchung über die vormilitärische Ausbildung fortgesetzt. Es wurde u. a. die Frage der Sokols in der Tschechoslowakei beraten. Ein Antrag, der diese Formationen gleichzeitig bei der Effektivstärke der tschechoslowakischen Armee in Anrechnung bringen wollte, ist natürlich vom Ausschuß fast einstimmig abgeleh nt worden. Der deutsche Delegierte hat sich der Stimme enthalten.
Kamenew unterwirst sich Stalin.
Moskau, 18. Mai. (TU.) Amtlich wird gemeldet, daß der stellvertretende Vorsitzende der Rechtsoppo- sition, Kamenew, der Schwager Trotzkis, der, wie bekannt, große Aemter in der Sowjetunion bekleidet hat, an Stalin ein Schreiben gerichtet hat, in dem er erklärt, daß er sich zu seinen Fehlern bekenne und um die Wiederaufnahme als einfaches Mitglied in die Partei bittet. Kamenew erklärt, oaß er feine Beziehungen zu den oppositionellen Kreisen abbrechen und sich ganz in die Dienste der Partei stellen wird. Ob Kamenews Gesuch stattgegeben wird, ist noch nicht neklärt
Lustschuhunterricht in allen Schulen.
Berlin, 18. Mai. (Ddz.) Zwischen dem Luft- ahrtministerium und den Kultusministerien der deut- chen Länder schweben Verhandlungen über die E i n- ührung eines obligatorischen Luft- chutzUnterrichts in allen deutschen Schulen. In einzelnen Schulen wird bereits ein derartiger Unterricht erteilt, das geschieht aber nur auf die Initiative einzelner Schulleiter hin. Die Unterweisung der Jugend in den Gefahren des Luftkriegs und im Verhalten bei Luftangriffen soll nun in den Lehrplan aller deutschen Schulen ausgenommen werden. Dabei dürfte es sich sowohl um theoretische Aufklärung wie auch um praktische Uebun- gen im Anschluß an den Turnunterricht handeln.
Oer neue Vorstand des Vereins Oeuifcher Zeitungsverleger.
Berlin, 15. Mai. (Vdz.) Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsoerleger Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, Liegnitz, und der erste stellvertretende Vorsitzende Kommerzienrat Dr. h. c. Neven-Dumont, Köln, haben ihre Aemter unter Uebertragung der vom Vorstand des Vereins Deutscher Zeitungsoerleger erteilten Vollmachten auf den zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Dr. I ä n e ck e- Hannover, niedergelegt. Der nunmehr erfolgte Eintritt der nationalsozialistischen Zeitungsverlage in den Verein Deutscher Zeitungsverleger hat zur Umbildung des Präsidiums in folgender Zusammensetzung geführt: Verlaasdirektor Max Amann (Völkischer Beobachter, München), Vorsitzender; Dr. Walter I ä n e ck e (Hannoverscher Kurier, Hannover), 1. stellvertretender Vorsitzender; Verlagsdirektor Jahr (Angriff, Berlin), 2. stellvertretender Vorsitzender; Dr. A. Knittel (Karlsruher Zeitung, Karlsruhe, Beisitzer; I. K. v. Zweck (Anhalter Kurier, Bernburg), Beisitzer.
Das Präsidium beschloß, den langjährigen Vorsitzenden, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, Lieg- nitz, zum Ehrenpräsidenten des Vereins Deutscher Zeitungsverleger und den bisherigen ersten stellvertretenden Vorsitzenden Dr. h. c. N e o e n - D u- mont, Köln, zum Ehrenmitglied des Vorstandes zu ernennen.
Das neue Präsidium des Vereins deutscher Zeitungsverleger hat an den Reichskanzler Adolf Hitler das nachstehend« Telegramm gesandt: Das neugebildete Präsidium des Vereins deutscher Zeitungsverleger gelobt Ihnen, Herr Reichskanzler, daß die im Verein deutscher Zeitungsverleger zusammengeschlossenen Zeitungen ihre Kraft freudig in den Dien st Ihrer Führerschaft für die politische Wiederaufrichtung des Staates und für die geistige und seelische Erneuerung der deutschen Ration stellen werden. Das Präsidium: Amann, Dr. Iänecke, Iahr, Dr. Knittel, v. Zweck.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichsstatthulter in Bayern Generalleutnant Ritter v. Epp. Ferner empfing der Herr Reichspräsident den neubestellten Präsidenten des Deutschen Landwirtschaftsrates Dr. D a r r 6.
Reichskanzler Adolf Hitler kann an den Düsseldorfer S ch l a g e t e r f e i e r n nicht teilnehmen, da er durch wichtige Regierungsarbeit daran verhindert ist.
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Der Reichs st atthalter für Hamburg, Kaufmann, hat den bisherigen Senat in seinem Amt bestätigt. Neu eingetreten ist der bisherige Polizeipräsident Dr. N i e l a n d. Ausgeschie- den sind der Finanzsenator Dr. M a t t h ä i, der der Staatspartei angehörte, und der deutschnationale Senator Staoenhagen.
Die Abgeordnetenversammlung des Deutschen Anwaltsvereins hat beschlossen, daß der Deutsche Anwaltsverein als selbständige Rechtspersönlichkeit dem Bund Rationalsozialistischer Deutscher Iuristen korporativ beitritt.
Das Präsidium der Äotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft hat seine Aemter zur Verfügung gestellt. Das neue Präsidium dürfte, wie bisher üblich, durch die Hauptversammlung gewählt werden.
Aus aller Welt.
lieber vier Millionen Mark Geldstrafen für Tabakschmuggler.
Dor dem Wormser Schöffengericht kam ein Zollhinterziehungsprozeß zur Verhandlung, in dem Geldstrafen von noch nie erlebtem Ausmaß verhängt wurden. Angeklagt waren vier Personen aus Worms, sowie die Händler Ingenhaag aus Longerich im Rheinland und Willi H o r m e s aus Hinsbek im Rheinland. Die Verhandlung ergab, daß Ingenhaag Tabak über die holländische Grenze geschmuggelt und an Hormes weitergeleitet hat. Beide hatten dann den Tabak nach Worms geschafft, wo er seine Abnehmer fand. Im ganzen wurden etwa 20 Zentner unverzollten Tabaks abgeseht. Die Sache kam dadurch heraus, daß Hormes in der Trunkenheit einen Brief schrieb, aus dem die Zollhinterziehungen ersichtlich waren und dieses Schreiben verlor. Kriminalpolizei und Zollbeamten gelang es dann.
sämtliche an dem Schmuggel beteiligten Personen festzustellen und vor Gericht zu bringen. Rach mehrstündiger Verhandlung verkündete das Gericht folgendes Urteil: Ingenhaag 8 Monate Gefängnis und 1 500 000 Mark Geldstrafe oder 6 Monate Gefängnis, sowie eine Wertersatzstrafe von 20 200 Mk. oder 10 Tage Gefängnis wegen Steuerhehlerei, Hormes 102400 Mark oder 2 Monate Gefängnis wegen Steuerhehlerei. Die übrigen vier Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von einigen Monaten und Geldstrafen von zusammen 210)000 Mark, die durch Gefängnisstrafen abgegolten werden.
Riesiger Waldbrand in Mexiko. — 40 Köhler gelötet.
In der Rühe der mexikanischen Stadt Puebla sind bei einem gewaltigen Waldbrande 40 Köhler verbrannt, die vom Feuer umringt wurden und nicht mehr entkommen konnten. Weitere 200 Personen kämpfen in höchster Gefahr um ihr Leben, da der Brand weiter zugenommen hat. Riesige Rauchwolken und der noch nie dagewesene Umfang des Waldbrandes machen, wie man befürchtet, ihre Rettung praktisch unmöglich.
Sieben Städte in USA. durch einen Tornado zerstört. 22 Tote, 200 verletzte.
Wie aus Helene (Alabama) berichtet wird, zerstörte ein Tornado in einer der letzten Rächte sieben kleine Städte des dortigen Grubenbezirks. Zahl der Verletzten über 20) beträgt. Einige Orte wurden vollständig vom Erdboden weggefegt. Der Sachschaden beträgt mehrere Millionen Dollar. Die Breite des von dem Tornado genommenen Weges betrug fast einen Kilometer-
Aus -er provinzialhauptfia-t.
Ein Wort an die Ettern.
Der Gießener Tierschutzverein, Hensel- straße 10, schreibt uns:
Seit das Leben draußen sich fühlbarer zu regen beginnt, erwacht in vielen Kindern der Forschertrieb. Ihrem Interesse an allem Lebendigen folgend machen sie Jagd auf alles, was da kriecht, flattert und schwimmt, um es einzufangen und zu Haufe mit meist geringer Ausdauer zu Tode zu „pflegen". Solche Freude am Tier ist falsch geleitet. Den meisten Kindern ist leicht klarzumachen, daß man nicht ohne weiteres berechtigt ist, Lebewesen aus dem großen Lebenszusammenhang in der Natur, aus moorigen Gründen, sonnigen Wiesen und klaren Gewässern von ihren Brut- und Laichgeschäften weg herauszulöfen, und daß Kenntnis und Sorgfalt dazu gehört, diesen wunderlichen, zarten Geschöpfen ihre natürliche Heimat so zu ersetzen, daß sie fröhlich gedeihen.
Daß Kinder das Bedürfnis haben, interessante Tiere draußen zu beobachten und zu beschleichen, ist schön und ein Zeichen von Sinn für die Natur. Sie mögen sie auch vorsichtig fangen und betrachten, aber nur nicht gleich einsperren und mehr oder weniger liebevoll zu Tode maddeln. Kinder fühlen selbst, auch dem armen Maikäfer gegenüber, daß das eigentlich nicht in Ordnung ist. Aber sie bedürfen in diesem Gefühl der Unterstützung des Erziehers.
Auch bei Schädlingen erlaube man Kindern, wenn es schon sein muß, nur rasches Töten, kein Quälen. Im Umgang mit wehrlosen Geschöpfen der Natur können Kinder gut Verantwortungsgefühl und Rücksichtnahme lernen.
LlnierstühungSgesuche an die „Adolf-Hiiler-Epende".
Das Kuratorium der „Adolf-Hitler- Spende" teilt mit:
Bekanntlich hat der Führer bestimmt, daß seine monatlichen Gehaltbezüge als Reichskanzler für die Hinterbliebenen solcher SA.-, SS.- Männer, Polizei- und Hilfspolizeibeamten zu verwenden sind, die in Ausübung ihres Dienstes für die nationale Erhebung ihr Leben gelassen haben.
Fortlaufende Unterstützungen werden nicht gewährt, sondern Einzelbeihilfen in Fällen der Rot. In besonderen Fällen können Unterstützungsgesuche auch wiederholt werden.
Um auch wirklich die schlimmsten Rotfälle zu erfassen und eine Rachprüfung zu ermöglichen, sind die Gesuche nicht unmittelbar an den Herrn Reichskanzler, oder das von ihm eingesetzte Kuratorium zu richten, sondern von feiten der Hinterbliebenen der SA.- oder SS.-Männer über die örtlichen Dien st st eilen dieser Formationen an die Hilfskasse der RSDAP-, München 43, Brienner Straße 45, von feiten der Hinterbliebenen der Polizei- und Hilfspolizeibeamten auf dem Dienstwege an das zuständige Innenministerium des Landes. Die Hilfskasse bzw- das betreffende Innenministerium leiten die Gesuche nach Prüfung und mit Stellungnahme dem Geschäftsführer des Kuratoriums, Polizeigeneral Geibel, Berlin NW 7, Unter den Linden 73, zu.
Die Gesuche müssen enthalten:
1. Vor- und Zunamen, Wohnort, Straße und Hausnummer, sowie das Geburtsdatum des Gesuchstellers.
2. Angabe des Familienverhältnisses zum Verstorbenen.
3. Vor- und Zanamen des Verstorbenen, Angaben über seine letzte dienstliche Eigenschaft in der SA., SS., Polizei oder Hilfspolizei und Belege über die näheren Umstände, unter denen er in Ausübung seines Dienstes sein Leben gelassen hat. Hierüber ist die Bescheinigung des Sturmführers bzw. der vorgesetzten Polizeidienststelle beizulegen.
4. Angaben über die wirtschaftlichen und beruflichen Verhältnisse des Gesuchstellers und darüber, ob und welche anderweitigen Unterstützungen, Renten, Pensionen bereits bezogen werden.
5. _ Angaben über Zahl und Alter versorgungsbedürftiger Kinder oder anderer Anverwandter, die vom Gesuchsteller zu unterstützen sind.
6. Angaben über etwaige Erwerbsbeschränktheit durch Krankheit.
Es wird dringend gebeten, von Gesuchen, die den Bestimmungen der Stiftung nicht entsprechen, absehen zu wollen. Bei der großen Anzahl der einlaufenden Gesuche ist es leider nicht mehr möglich, allen Einsendern unbegründeter Gesuche in jedem Einzelfalle zu antworten.
Die ersten Auszahlungen sind bereits erfolgt.
Oer ehrenamtliche Zählerdienst hei der Volkszählung.
WTB. Die Reichsregierung hat beschlossen, daß die Beamten und Angestellten des Reichs in weitestem Umfang als Zähler bei der am
16. Iuni stattfindenden Volks-, Berufs- und Betriebszählung heranzuziehen sind. Um ihnen die ordnungsgemäße Durchführung des Zählgeschäfts zu ermöglichen, wird am 17. Iuni, an dem die Zähler hauptsächlich tätig sind, bei den Reichsbehörden Sonntagsdienst gehalten, soweit im einzelnen nicht eine andere Regelung getroffen ist.
Ein entsprechender Beschluß ist vom preußischen Staatsministerium für die preußischen Landes» und Kommunalbehörden gefaßt worden. Die Hochschulen werden am 17. Iuni geschlossen, in den Schulen fällt der Unterricht aus. In den anderen Ländern sind ähnliche Regelungen vorgesehen. Darüber hinaus wird an alle deutschen Männer und Frauen, die hierzu in der Lage sind, die Aufforderung gerichtet, sich als ehrenamtliche Zähler zur Verfügung zu stellen. Meldungen nehmen die Gemeindebehörden und städtischen statistischen Aemter entgegen.
Hausgehilfinnen
und Invalidenversicherung.
WTB. Nachdem die Hausgehilfinnen von der Pflicht zur Arbeitslosenversicherung befreit worden sind, hat der Reichsarbeitsminister seine Zusage, auch in der Invalidenversicherung die Beiträge für die Hausgehilfinnen zu senken, durch die Verordnung vom 16. Mai eingelöst. Hiernach sind die Beiträge für Hausgehilfinnen allgemein nach Lohn- klasse II und, wenn der Barentgelt 50 RM. monatlich übersteigt, nach Lohnklasse III zu entrichten. Da die Beiträge bisher meist nach Lohnklasse IV zu entrichten waren, tritt in der Mehrzahl der Fälle eine Ermäßigung um zwei Lohnklassen, also um 60 Rpf. wöchentlich, ein. Durch die Befreiung von der Pflicht zur Arbeitslosenversicherung und durch die Senkung der Beiträge zur Invalidenversicherung wird eine Gesamtentlastung erreicht, die sich durchschnittlich auf etwa 100 RM. jährlich beläuft, und die den Hausfrauen den Entschluß zur Einstellung von Hausgehilfinnen erleichtern wird.
Deutscher Abend der Guttempler in Gießen.
Der Deutsche 2lbend der Guttempler in der Turnhalle am Oswaldsgarten war — wie man uns berichtet — ein voller Erfolg. Rach einem Begrüßungslied und einem Begrüßungstanz, ausgeführt von der Guttemplerjugend, konnte der Vorsitzende August Weigel eine zahlreiche Zuhörerschaft begrüßen. In seiner Ansprache betonte er zunächst die Volksgemeinschaft, die gerade jetzt durch die deutsche Rot allen bewußt geworden sei. Im Guttempler-Orden sei diese Volksgemeinschaft seit seiner Gründung ein Grundpfeiler gewesen. Der Redner bezeichnete als Hauptaufgabe des Ordens die Bekämpfung der Alkoholnot und wies auf die Ablehnung jeglichen Alkoholgenusses durch den Reichskanzler Adolf Hitler hin. Die Alkoholgegner-Bewegung habe bereits 1930 eine offizielle Anfrage an die RSDAP. gerichtet und darauf die Antwort erhalten, daß die Einstellung der RSDAP. wohl am besten dadurch gekennzeichnet fei, daß Hitler selbst seit vielen Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr genießt. Schon früher hat Hitler die Ansicht vertreten, daß der Alkohol ein Schädling der Menschheit und daß der Kampf gegen den Alkohol zu einer unbedingt moralisch unangreifbaren Völker- Mission geworden fei. Unser Volk kämpse jetzt um seine Existenz, und der Kampf gehe darum, daß es nach 50 oder 80 Iahren überhaupt noch so etwas wie deutsches Volkstum und deutsche Kultur gebe. In diesem schweren Existenzkampf dürfte es für alle Träger unseres Volkstums nur eines geben: alle Kräfte zusammenzuraffen, damit dieser Aufbruch in die Freiheit gelingt. Ein Volk in einer so schweren Lage dürfe es sich nicht gestatten, jährlich Milliarden zu vertrinken. Wer an Deutschlands Zukunft glaube, der wisse auch, daß eine Erneuerung unseres Volkes nicht von außen her und nicht mit Gewalt kommen könne, sondern daß sie nur erwachsen kann aus den in unserem Volke ruhenden seelischen Kräften.
Der Redner ging dann auf die Arbeitsweise des Guttempler-Ordens ein. Kampf gegen den Alkohol sei nicht in erster Linie Stützung des Schwachen, sondern Schutz der Kraft, nicht zuletzt der seelischen Kraft unseres Volkes. Daß der Kanzler des neuen Deutschland persönlich die Rauschgifte ablehne und damit dem gesamten deutschen Volke ein leuchtendes Beispiel verantwortungsbewußter Lebensführung gebe, fei den Gut- templern ein Symbol und verpflichte jeden Deutschen, durch eine solche Lebensführung die Liebe zu unserem Volke und die Verantwortung für die Ration zu bekunden. Der Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das deutsche Volk, den Reichspräsidenten von Hindenburg und den abstinenten Reichskanzler Adolf Hitler.
3m weiteren Verlaufe des Abends zeigten die Jung- und Wehrschar ihr Könnern Die Lieder uni) Tänze aus altem deutschem Volksgut fanden rei
chen Beifall, Insbesondere der Rüpeltanz und ein Tanzspiel. Rach der Pause kamen besonders die Kleinen durch die Aufführung des Waldkonzerts von G. Ehr. Dieffenbach und der Kinder-Sinfonie von Romberg zur Geltung. Ein Werbespiel für die deutschen Jugendherbergen „Klamke wird bekehrt" löste große Heiterkeit aus. Besondere Anmut und Durchbildung war in den vorgeführten Tänzen (Annen-Polka, Walzer zu dreien, von Johann Strauß) zu sehen. Auch das Menuett von Schubert fand reichen Beifall. Mit dem gemeinsamen Liede „Und wenn wir marschieren" fand der Abend seinen Abschluß.
Kreisrinderzuchtverein für Vogelsberger Vieh/ Gießen.
Der Kreisrinderzuchtverein für Vogelsberger Vieh, Gießen, hielt im Eisenbahnhotel Hopfeld seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Direktor Traut mann, Grünberg, begrüßte neben den Mitgliedern besonders den Vertreter des Landwirtschaftskammer-Ausschus» ses für Oberhessen, Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner, sowie Zuchtverwalter R i ch t b e r g und die Kreistierärzte Dr. M o n n a r d , Dr. Stein und Dr. Schneider. Gleichzeitig gedachte er des Herrn Herm. Velten sen. in Göbelnrod, der an diesem Tage das Fest der goldenen Hochzeit feierte, und bat Velten jr., feinen Eltern die besten Glückwünsche des Vereins zu überbringen.
Den Geschäftsbericht erstattete der Vorsitzende. Er wies darauf hin, daß ein Teil der Mitglieder aus finanziellen Gründen im Laufe des Jahres ausgetreten fei und dies mit dem Sinken der Fleisch- und Milchpreise in Zusammenhang zu bringen ist. Der Verein unterstützt seine Mitglieder bei der Durchführung der Leistungsprüfungen und hielt eine Stallschau ab, um die Mitgliedes wieder finanziell zu unterstützen. Er richtet an dis Mitglieder die Ditte, ihre Viehbestände zu reduzieren, dafür aber bessere Tiere zu halten, damit der Viehbestand eine Rente abwerfe. Zu dem im Vorjahre gestellten Antrag betr. die Ankaufskommissionen für Faselvieh gab der Vorsitzende das vom Kreisamt Gießen eingegangene Schreiben bekannt. Einem Antrag beim Mitteldeutschen Rotviehzüchterverband auf Wiedereinführung de« Zuchtviehversteigerungen in Gießen wurde vorerst nicht stattgegeben.
Die Rechnungsablage erstattete Obersekretä« Philipp. Die Rechnung schloß in Einnahme mit 783,41 Mk., in Ausgabe mit 462,48 Mk. ab. Als Rechnungsprüfer wurden Velten, Göbelnrod, und Böß, Grünberg, gewählt. Da Anstände nicht gefunden wurden, beantragte Böß Entlastung des Rechners, die einstimmig genehmigt wurde.
lieber die DLG.-Ausstellung und die Abholung einer Bezirkstierschau berichtete Oberland- wirtschaftsrat Dr. Wagner. Er teilte mit, daß der Verband der Herdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind sieben Tiere zur Ausstellung nach Berlin bringen wird, wovon Oberhessen drei und Wetzlar und Biedenkopf je zwei Tiere stellen. Es ist außerdem beabsichtigt, ein Gespann im Großen Ring vorzuführen. Ob die Abhaltung einer Dezirksfchau in Frage kommt, ist noch nicht bestimmt. Der Vorstand wird für den Fall der Abhaltung ermächtigt, einen entsprechenden Betrag zu Prämiierungszwecken zur Verfügung zu stellen.
Unter Punkt „Verschiedenes" wurde beschlos- fen, für Mitglieder, die ausgetreten waren, und wieder eintreten, ein Eintrittsgeld von 3 Mark zu erheben. Die Generalversammlung soll künftig nicht mehr in Gießen und Grünberg abgehalten werden, sondern der Ort für die nächste Versammlung soll auf der Hauptversammlung festgelegt werden. Als Tagungsort für die nächstjährige Generalversammlung wurde Großen- Buseck bestimmt. Falls die obenerwähnte Bezirks- schau nicht möglich wird, soll im Bezirk I Gießen eine Stallschau zur Durchführung kommen. Als Preisrichter wurden Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner, Direktor Trautmann und Heinr. Münster (Hattenrod), bestimmt. Außerdem wurde ein Antrag von Schlapp (Staufenberg), auf die Tagesordnung der nächstjährigen Generalversammlung „Anschluß sämtlicher Mitglieder an die freiwillige Tuberkulosebekämpfung" zu fetzen, einstimmig angenommen.
Der Vorsitzende schloß hierauf die offizielle Tagung. Es wurde den Mitgliedern von Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner noch ein interessanter Film über Rotvieh gezeigt.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadt- theater: 20 bis 22 Uhr: „Die deutschen Kleinstädter". — Heilsarmee: 20 Uhr, Universität, Hörsaal 33, Vortrag über „Die Heilsarmee in Beziehung zu Staat und Kirche". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Tochter des Regiments". — Astoria-Lichtspiele, Sei» tersweg: „Ich geh aus und du bleibst da" und „Sirenen um Mitternacht".
*
* * Universitäts-Gottesdienst. Am .Sonntag, 21. Mai, 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Cordier.
* * D i e Jahres-Tagung der Gießener Hochschulgesellschaft am morgigen Sams- tagnachmittag im Vorlesungsgebäude der Universität sei noch einmal in Erinnerung gebracht. Zu der öffentlichen Festsitzung sind auch Gäste bei freiem Eintritt willkommen; diese Sitzung beginnt um 17.15 Uhr im Großen Hörsaal. Den Festvortrag wird Professor Dr. Kuhn über „Die medizinischen Fakultäten in Deutschland" halten. Das Collegium mu- sicum der Universität wird vor und nach dem Dor- trage Kompositionen von Schubert zu Gehör bringen.
" Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 15. Mai verstorben in Gießen: 1. Gerhard Hemstege, Gastwirt, 69 Jahre, Dammstraße 29. 5. Jakob Schreiner, Schneidermeister, 79 Jahre, Dammstraße 30; Elisabeth Hilke, geb. Wallbott, 33 Jahre, Bruchstrahe 6. 9. Auguste Dorothea Riedel, geb. Brendel, 32 Jahre, Kaiserallee 85; Helene Henneberg geb. Fritze 58 Jahre Frankfurter Straße 10; Emilie Loos, geb. Löber, 73 Jahre, Ebelstraße 2. 11. Louis Köhlinger, Schlossermeister, 75 Jahre, Wetzsteinstraße 4; Elly Heuser, Räherin, 23 Jahre, Frankfurter Straße 148. 12. Konrad Bonarius, Krankenkassenkontrolleur i. R., 71 Jahre, Liebigstraße 87; Adam Reichhold, Fuhrmann, 76 Jahre, Kaplans- gasse 25. 15. Anna Elise Stieber, geb. Herling, 34 Jahre, Schottstraße 33.
* * Probealarm bei der Sanitäts» kolonne. Gestern um 19.30 Uhr wurde durch den stellvertretenden Inspekteur für Oberhessen Regie» rungs-Medizinalrat Dr. Kortüm die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Gießen unoer»


