Nr. Ub Erstes Blatt
185. Jahrgang
greitag.lO. Mai 1935
Lnchein, tägltd), autzn Sonntage und feiertags Beilagen: Die Illustriert» (Bießener Familienbiälter Heimat'm Bild Die Scholl»
Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM 1.95 Ohne Illustriert» . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25
Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.
Hernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiger Eiehen.
Pol(d)edfonto: fironlfurt am Main 11686.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Drud und verloa: vrühl'fche Umverfilätr-Vuch- und Sternörudcrei B. Lange in Stehen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulttrahe 7.
Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr.
Chefredakteur
Dr. Friede. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den An- zeigenteil I.V. Th. Kümmel sämtlich in (Biegen.
Oie Auswirkungen der Kanzlerrede
des
Eine deM-sranzösische Aussprache?
Oie amerikanische Preffe stimmt Hitler zu.
fetzlichkeit der Kunst einzugreifen. Man wolle die Kunst in ein neues Verhältnis zum Staat bringen unter strengster Wahrung ihrer Eigengesehlichkeit. Natürlich könne die neue Negierung nicht dulden, daß Gedanken, die sie politisch ausgerottet habe, auf künstlerischem Wege wieder in das Land hineingefchmuggelt würden. Der Gleichschaltung der Kunst sei mit der Erklärung vollauf Genüge getan, daß ihre Freiheit sich nur an der Grenze des VolkswohleS stoße. Aebergriffe unverantwortlicher Elemente, die geeignet seien, das Filmschaffen lahmzulegen, müßten von Stund an aufhören. Der Minister wandte sich abschließend gegen internationale Verwafchenheit deutscher Filme. Der deutsche Film müsse ein eigenes Gesicht bekommen. Beachte die Kunst die Grenzen, die ihr bei aller im weitesten Maß zugestandenen Freiheit im Hinblick auf das Volkswohl gezogen seien, so werde die politische Blütezeit Deutschlands auch zu einer Blütezeit des deutschen Kunstschaffens werden.
New York, 18. Mai. (MTB.) Die Rede Reichskanzlers wurde von fast allen führenden Bläk» tern des Landes im Wortlaut in entsprechender
reiche Blätter, die von der französischen Rüstung». Industrie kontrolliert werden, versuchen lag nm lag ein Stückchen von dem Eindruck der Rede dadurch abzutragen, daß sie die Tatsachen einfach umlügen. Sypisch für diese Art des Arbeitens ist „Echo'de Paris' Dieses Blatt behauptet, die Rede des Reichskanzlers werde im Auslande m i t sehr viel Vorbehalten ausgenommen^ Die völkische Bewegung und die „völkischen Exzesse" hätten eine Erregung geschossen, die durch die geschickten Sätze des Reichskanzlers keineswegs beseitigt sei.
Echt französische Arbeit wird auch vom „Petit P a r i s i e n" geleistet. Fast überall, so schreibt diese Zeitung, werde die Beweisführung Hitlers m t t Argwohn und Zurückhaltung ausgenommen. Auf der Abrüstungskonferenz lasse sich fast „niemand" durch die anscheinend maßvolle Form der Reichstagserklärungen täuschen. „Fast" niemand stelle die Widerspräche, die sie enthalten, in Abrede. — Die radikale „Volants" meint dagegen: Oer Reichskanzler hat eine ausgezeichnete Stellung gegenüber der englischen und der amerikanischen Oessentlichkeit eingenommen. Frankreich muß sich auf einen eben solchen Standpunkt {teilen, falls es nicht die Unterstützung verlieren will, dank deren Deutschland schließlich von seinen Auirüstungsgedonken zur Abrüstungsoufsas- sung zurückkehrte.
Oer französisch-russische Nichtangriffspakt.
Paris, 18. Mai. (XU.) Die französische Kammer nahm den französisch-russischen Nichtangriffsvertrag mit einer Entschließung an. in der sie ihrer Genugtuung über den Austausch der Natiftzierungsurkunden zu diesem Vertrage Ausdruck gibt, .der zum gemeinsamen Wohle Europas die Organisierung des Frieden« Härte . In den Neben wurde immer wieder die Hoffnung ausgesprochen, daß dem Nichtangriffsvertrag bald eine wirtschaftliche 3 u 1 am» menarbeit folgen möge. Der ehemalige Mt- nisterpräsident H e r r i o t, der die Berhand- lungen über den Nichtangriffsvertrag seinerzeit geführt hat, erklärte u. a., daß er dte Sto- r un g des Gleichgewichts in den Beziehungen Nußlands mit Europa zu beseitigen versucht habe, die der Vertrag von Rapallo bzw. Berlin hervor- gerusen habe. Der Nichtangrifssvertrag habe zwei sofortige Ergebnisse gezeitigt, erstens die Erklärung Litwinos in Genf und sein Eingreifen in der Frage der Defintion des Angreifers und zweitens den Artikel Nadeks, der sich als Gegner der Dertragsrevision bekannt habe.
Besuch! Deutschland!
FremdenverkehrSwerbung eine nationalpolitische Aufgabe.
Der bayerische Staatsminister Esser erklärte gegenüber der Modetorheit, unbedingt ins Ausland zu reifen, müsse der innerdeutsche Wanderungs- und Reiseoerkehr belebt werden, und es müsse einer strengen Prüfung unterzogen werden, wem gestattet werden soll, als würdiger Vertreter Deutschlands ins Ausland zu reifen.
Der Allgemeine Deutsche Bäderoerband richtete dann durch seinen wissenschaftlichen Beirat Professor Vogt, Bad Pyrmont, an den Reichsminister Dr. Goebbels folgende Bitten: 1. Durch ein Reichs- kurortgesetz möge die Berechtigung, die Bezeich- nung „Bad" zu führen, genau geregelt werden; 2. Förderung der wisfenschaftlichen gor- schungder Balneologie, die gerade jetzt vor wichtigen neuen Erkenntnissen stehe, 3. wohlwollende Nachprüfung der Steuerverhältn i s s e der Kurorte und Anwendung des Arbeitszeitgesetzes für diese; 4. die genaue Regelung des Verhältnistes zwischen Bädern und Verkehrswesen; 5. „Geben Sie von Zeit zu Zeit die deutschen Sender frei für die Propaganda: Reist in Deutschland!"
Handlung tcilgenommen hat, tritt in einem Brief an die „Times" unter Bezugnahme auf die Kanz- lerrede für Abrüstung und Vertrags- revifion ein. Er schreibt: Hillers Rede läuft auf einen Ausruf an die Nationen hinaus, d i e Bedingungen ihres eigenen Vertrages hinsichtlich der Abrüstung zu erfüllen. Hnö er hat vollkommen recht. Die Hauptursachc der deutschen Empörung ist die Nichterfüllung des 19 19 gegebenen Be r- sprechens. Wenn Deutschland jetzt aufrüsten würde, so würden die Nationen, die den Vertrag verfaßt haben, kein moralisches Recht haben, Einwendungen zu erheben. Hoffentlich werde Frankreich jetzt auch für Abrüstung eintreten. 3n dieser Beziehung habe Hitlers Rede die Lage zum mindesten erleichtert. Der Brief schließt: „N ichts an dem Friedensvertrag ist heilig. Warum soll denen, die Beschwerden haben, keine Genugtuung gegeben werden, durch Revision der Punkte, die im Interesse des Friedens und der Beruhigung der Welt einer Revision bedürfen? Auch in der Hinsicht hat Hitlers Rede den Weg geebnet.
Berlin. 19. Mai. (TU.) Vor der National- sozialistischen Betriebszellen-Organisation der Bühnen- und Filinbetriebe und zahlreichen am Filmwesen interessierten Gästen sprach Reichsminister Dr. Goebbels über den deutschen Film. Der Minister gab unter starkem Beifall bekannt, dah in allernächster Zeit ein großzügiger Finanzierungsplan für die Wiederankurbelung der Filmwirtschaft veröffentlicht werden wird. Der Minister hob weiter hervor, daß er keineswegs Tendenz im Sinne des Nachäffens äußerer Symbole oder im Sinne des bloßen Kopierens täglicher Lebensvorgänge wünsche. Das sei niemals Sinn und Zweck gewesen. Wollte man Programmforderungen auf die Bühne bringen, so brauchte man nicht Dramen zu schreiben, sondern diese Programme nur zu dialogisieren. Das wäre blasse und blutlose $en* denzmacherei. Richt die Symbole sollten über die Bühne getragen werden, sondern die ihnen zugrunde liegenden Ideen sollten I e» bendige Gestalt gewinnen. Es werde auch keinesfalls beabsichtigt, in die innere Ge
rung gegenwärtig vor allem fürchtet, von deutscher Seite zu einer eindeutigen Erklärung über ihre tatsächliche unnachgiebige Haltung gezwungen zu werden. Demgegenüber wird von deutscher Seite betont, dah weitere Erklärungen sich erübrigen und nunmehr das Wort an Frankreich und den übrigen schwer gerüsteten Mächten sei.
Oie pariser preffe hetz! weiter.
Paris, 19. Mai. (WTB. Funksvruch.) Ein großer Teil der heutigen Morgenpresse nimmt nochmals zur Rede des Reichskanzlers Stellung. Fast könnte man glauben, daß die Presse eine Weisung dahingehend erhalten habe, von der Kanzlerrede, die die Erfüllung der Abrüstungsverpflichtung durch die hochgerüsteten Mächte fordert, zu sagen: W orte, denen nunmehr Taten durch durch das abgerüstete Deutschland folgen müssen.
Das Blatt Herriots, „E r e N o u v e 11 e", läßt wiederum die Kleine Entente auf marschieren und erklärt, die kleinen Staaten seien über die Ausführungen Hitlers beunruhigt. Einige einftuß-
<Ber in, 17.Mai. (WTB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels hatte die Vertreter der deutschen Fremden- oerkehrsverbände zu einer Kundgebung in das Pro- paganbaminiftenum gebeten. Ausgehend oon den Bemühungen der letzten Jahre, Plakate und Bilder in den Dienst der Werbung für Deutschlands schöne Natur zu stellen, bemerkte Dr. Goebbels, daß sich die Regierung selbst an die Spitze dieser Bestrebungen stellen werde. Eine beispiellos a n t i b e u tj d) e Propaganda durchzieht die Well mit der Fabel von barbarischen Zuständen in Deutschland. Ange- sick.ts dieser Tatsache erklärte der Minister: „Ich stelle vor den Vertretern des deutschen Fremdenverkehrsgewerbes aus allen Teilen des Reiches feierlich fest, daß an diesen Gerüchten kein wahres Wort ist, daß sie nichts weiter sind als böswillige, aus Konkurrenzgründen erfolgte Propagandalügen. Ich kann umgekehrt nur den einfachen Rat geben, an alle Völker die einfache Aufforderung zu richten: Be- sucht Deutschland, und Ihr werdet Euch oon der Haltlosigkeit dieser Gerüchte überzeugen. Ihr werdet besser als irgendwo aufgehoben sein in Deutschland, demLand der deutschenGastfreundfchaft."
Berlin. 19. Mai. (OB. Funkspruch.) Das englische Heuler-Bureau berichtet aus Gens über die in französischen und amerikanischen Kreisen erörterte Absicht, die Abrüstungskonferenz durch eine direkte Aussprache zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und dem deutschen Reichskanzler zu beleben. Die Anregung soll von Norman Davis, nach anderer Version von dem sranzösischen B o t - schaster in Berlin ausgegangen sein. Als Ort der Zusammenkunst soll eine Stadt in der Schweiz, jedoch nicht Gens in Frage kommen.
Es ist nicht ersichtlich, welche neuen Momente eine derartige Zusammenkunst im Augenblick für die Abrüstungskonferenz ergeben könnte, da die Haltung Deutschlands durch die Reichstagserklärung des Kanzlers restlos geklart ist und die Entscheidung über (Erfolg ober Nichterfolg bet genfer Arbeiten nach wie vor bei den großen Militärmächten liegt. Frankreich kann dieser Entscheidung nicht mehr mit der Behauptung aus- weichen, daß es über die deutschen Absichten nicht hinreichend unterrichtet sei.
Das Bestreben, den Fortgang der Konferenzarbeiten weiterhin oon neuen deutschen (Erklärungen und Zusicherungen abhängig zu machen, bekundet sich auch darin, daß die englische und französische Presse, ebenso wie Henderson dies gestern in Genf getan hat, entscheidende deutsche Erklärungen im Hauptausschuß der Abrüstungs- konfcren; anzukündigen in der Lage sein will. Durch diese Ablenkung soll offenbar wieder einmal der tote Punkt überwunden werden, auf den die Konferenz mangels Wortmeldungen von anderer Seite heule nachmittag zu gelangen droht.
3n Berlin über eine Zusammenkunft nichts bekannt.
Berlin, 19. Mai. (ENB.-Funkfpruch.) Aus die Meldung des Reuterbureau über eine bevorstehende Zusammenkunft des Reichskanzlers mit dem französischen Ministerpräsi- denken wird oon zuständiger Seite erklärt, daß über eine derartige Zusammenkunft hier nichts bekannt ist.
Botschafter Nadolny, der heute früh 6 Ahr Berlin im Flugzeug verlassen hak, ist nach vierstündigem ununterbrochenem Flug kurz nach 10 Ahr in Genf eingetroffen. Der hauptausschuh der Abrüstungskonferenz tritt heute um 1530 Ahr zusammen. um zunächst den Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson anzuhören. 3m Anschluß daran wird eine Diskussion skattfinden, in der Botschafter Nadolny in knapper Form nochmals den deutschen Standpunkt, wie er sich nach der Reichstagsrede des Reichskanzlers ergibt, umreißen wird. Botschafter Nadolny hatte bereits eine Unterredung mit Henderson.
Oie Taktik in Gens.
Genf, 18. Mai. (TU.) Bei den Verhandlungen im Hauptausjchuß der Abrüstungskonferenz, die am Freitagnachmillag wieder fortgesetzt werden sollen, besteht in leitenden französischen und englischen Kreisen die Absicht, an den deutschen Vertreter eine Reihe von formellen Fragen zu richten, um Aufklärung über den Standpunkt der Reichsregierung zu den Hauptfragen der Abrüstung, besonders der L e r e i n h e i t l i ch u n g der e u r o p ä i s ch e n Heerestypen und den deutschen Kriegsmaterialforderungen, zu erhalten. £ as taktische Ziel auf der Gegenseite geht offensichtlich dahin, jetzt oon neuem die angeblich „untragbaren Forderungen Deutschlands" sest- zustetten und trotz der Reichskanzlererklärung eine für die übrigen Mächte unannehmbare deutsche Haltung sestzustetten und damit die Schuld Deutschlands für einen etwaigen ergebnislosen Ausgang der Konferenz nachweisen zu können. Es besteht der Eindruck, daß die sranzöfische Regie--
Oer Weg zum neuen Film
Eine Rede des Reichsministers Or. Goebbels.
Aufmachung gebracht. „Times" schreibt, die Rede Hitlers fei , ü r d i e g a n z e W e l t e i n e g r o ß e Erleichterung und für die Amerikaner eine Genugtuung, daß der deutsche Kanzler dem Angebot ihres Präsidenten zugestimmt habe. „Herold Tribüne" bezeichnet die Ansprache des Kanzlers an den Reichstag und an die Welt als bemerkenswert gemäßigt im Ton und als politisch g eich i ck t. Allerdings kehle die Der- icherung, daß Deutschland nicht ausrüsten werde, aUs man seinen Forderungen nicht nachkomme, aber wenigstens die unmittelbare Krisis fei überwunden worden Die Abrüstungskonferenz fei nicht gescheitert und die dieser zugrunde liegenden Probleme gelangten nicht zu einer sofortigen scharfen Gegenüberftel- lung. Eine Lösung des Konfliktes fei zwar noch nicht abzufehen, aber jedenfalls fei ein Waffenstillstand erreicht, was von bem amerikanischen Volk als entscheidender Gewinn verbucht werde. Denn der Zeitgewinn berechtige zu der Hoffnung, daß die fortschreitende wirtschaftliche Entspannung auch die politische herbeifuhren werde.
„Washington Poft" schreibt: Hitlers Rede gibt der Welt neue Hoffnung, daß die Abrüstungskonferenz den von Roosevelt vorgezeichneten Weg f;ehen wird. Hillers klare und eindrucksvolle Worte ind o o n z w i n g e n d e r Logik. Es ist erfreulich, daß der deutsche Reichskanzler an die Vernunft anstatt an die Gewalt appellierte und Del auf die Wogen goß. Frankreich mußnun ebenfalls ehrlichen Willen zeigen. Die allgemeine Auffassung in Kreisen des Senats kennzeichnet das Blatt dahin, dah Frankreich jetzt feinen Vorwand für eine Verzögerung der Abrüstung habe.
Washington ist zuversichtlich.
Für ein deutsch-französisches Kompromiß.
Paris, 19. Mai. (WTB. Funkspruch.) Havas meldet aus Washington, daß die offiziellen Kreise zuversichtlich gestimmt und der Meinung seien, die Abrüstungskonferenz könne in etwa zehn Tagen, auf jeden Fall aber noch vor dem Zusammentritt der Weltwirtschaftskonferenz vertagt werden, da vorher ein Abkommen abgeschlossen sein werde, das für fünf Iahre die erste Abrüstungsetappe regele und bestimme, daß nach dieser Frist Deutschland die tatsächliche Gleichheit erhalten werde- In Washington fei man der Auffassung, daß heute alles davon ab- hungc, ob Deutschland sich mit der Verschiebung der praktischen Verwirklichung der Gleichheit um fünf Iahre einverstanden erkläre und ob Frankreich dem etappenweisen Abbau der Offensivwaffen zustimme. Man sei überzeugt, daß Deutschland ohne Angrifsswaffen nicht m d c r Lage wäre, die französischen Grenzbefestigungsgürtel zu durchbrechen und man folgere daraus, daß die Beseitigung der Offensivwaffen die militärische Sicherheit Frankreichs merklich erhöhen würde.
England erwartet in Genf konkrete deutsche Vorschläge.
London, 18. Mai. (TU.) Die Rede Adolf Hitlers vor dem Reichstage ist von den englischen amtlichen Stellen eingehend geprüft und erwogen worden. Mit Befriedigung wird festgeftellt, daß sie durchaus versöhnlich gehalten ist. Cs wird bedauert, daß eine ähnliche Erklärung nicht schon früher abgegeben worden ist, weil hierdurch die Ansammlung von Mißtrauen über die politischen Ziele Deutschlands hätte verhindert werden können. Wenn die deutsche Regierung ihre Politik ehrlich au* der Grundlage der Erklärungen Hitlers verfolge, so bestehe die Hoffnung, daß m absehbarer Zeit das innerliche Mißtrauen verschwinden werde. Wie fest das Mißtrauen sich selbst in führenden Kreisen Englands feftgefressen habe, gehe daraus hervor, daß zummdestens d r e i englische Kabinetts mim st er durch den friedfertigen Ton des Reichskanzlers völlig überrascht waren, da sie bis zum letzten Augenblick nicht an diese Möglichkeit glauben wollten, obwohl den Regierungskrellen schon An- Deutungen über das voraussichtliche Emlcnken Deutschlands gemacht worden waren.
Man erwartet jetzt in englischen Regierungskreisen, daß der deutsche Vertreter in Gens m i t pro k - tischen Vorschlägen über die Reichswehr herauskommen wird, wobei englifcherselts zugegeben wird, daß sich der Umbau nicht f o f ort vollziehen kann, sondern daß hierzu eine gewisse Zeitspanne notwendig ist. Sollten sich die englischen Hoffnungen betätigen, so hält man es in London nicht für ausgeschlossen, daß sich hierdurch d i e ß a g c in Genf wesentlich ändern und Deutschland aus seiner isolierten Stellung herauskommen kann. Angesichts der Entspannung der Lage, die durch die Hitlerrede unzweifelhaft eingetreten ist, besteht in englischen diplomatischen Kreisen keine Neigung, auf irgendwelche französis ch e n K o n'tr o 11 a b s i ch t e n aber den deutschen Ru- stungsstand einzugehen, obwohl z. B. im Kriegsmini ftcrium Stimmung für eine Investigation vorhanden war.
Der Genfer Sondervertreter der „Times" charakterisiert die in Völkerbundskreisen herrschende Stimmung als „h o f f n u n g s v o 11 e U n s i ch e r h e i t". Die Kanzlerrede gebe der deutschen Politik einen neuen Charakter. Aber Herr Hiller habe sich nicht darauf fcstgelegt, irgendeine der bisher von Herrn Nadolny gestellten Forderungen aufzuheben. — Der Pariser Korrespondent der „Morning Post" erklärt, von zuverlässiger Seite erfahren zu haben, daß Norman Davis in Genf die Erklärung abgeben werde, Amerika fei bereit, im Falle des Ausbruchs eines Krieges
1. einen Beobachter in den Ausschuß zu entsenden, der den Angreifer f e ft ft e 11 e n soll,
2. keine Neutralitätserklärung ab- zugeben;
3. den amerikanifchen Staatsangehörigen, die weiterhin Handel mit dem Angreifer treiben würden, den diplomatischen Schutz zu entziehen.
Der frühere britische Minister Nicolle Barnes, der dem Kriegskabinett angehört und 1919 als britischer Delegierter an der Friedensver-


