Ausgabe 
19.4.1933 Erstes Blatt
 
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Die Abrüstungskonferenz nimmt ihre Arbeit wieder auf.

Botschafter Navolny skizziert die deutschen Forderungen und Ziele.

Berlin, 18. April- (TA.) Am 25. April wer­den die Verhandlungen der Abrüstungskonferenz in Genf wieder ausgenommen. Der deutsche Ver­treter auf der Abrüstungskonferenz, Botschafter RadolnY, gibt daher noch einmal einen Aeber- blick über die Stellungnahme der Reichsregie- rung zu dem Gesamtkomplex, in dem es heißt: Durch die Annahme des englischen Ent­wurfs als Diskussionsgrundlage für die Kon­vention hat sich die Konferenz eine Basis ge­schaffen, die der Ausgangspunkt für eine positive Lösung sein kann. Deutschland ist A b r ü st u n g s g l ä u b i- g e r und seine Forderung ist l ä n g st fällig. Eine weitere Verzögerung würde von uns nicht mehr hingenoinmen werden. Weiter muß es sich nun entscheiden, ob es möglich ist die verschiedenen Forderungen der Par­teien zum Austrag zu bringen.

Deutschland verlangt die Herstellung des im Pakt vorgeschriebenen Zustandes, also die Begrenzung der Rüstung aller Staaten auf das Maß, das zum Schuhe ihrer nationalen Sicherheit notwendig ist. Das bedeutet, daß d i e hochgerüsteten Staaten ab^urüsten haben und daß unsere Rüstung oa s Mi­nimum an nationaler Sicherheit zu gewährleisten hat. Die Bestimmungen des Paktes haben für alle Staaten zu gelten. Die Fünf-Mächte-Vereinbarung vom 11. Dezem­ber Hal die deutsche Gleichberechtigung noch einmal ausdrücklich bestätigt. Dem etappenweisen Abbau der Rüstungen haben wir 1927 beigestim nt. Wir haben auch nichts dagegen, daß die jetzige Kon­vention nur eine erste Etappe der Her­absetzung der hohen Rüstungen festlegt. Aller­dings muß diese Herabsetzung bereits eine entscheidende sein.

Der Pakt bestimmt, daß bei der allgemeinen Abrüstung das jedem Staat zuzumessende Rü­stungsminimum seiner nationalen Sicherheit Rech­nung tragen muh. Wir bestehen darauf, jetzt daraus die Konsequenzen zu ziehen. Der eng­lische Entwurf sieht für die volle Verwirklichung der Gleichberechtigung eine Aebergangs- Periode von fünf Jahren vor. Diesen Gedan­ken haben wir angenommen. Im Interesse des Gelingens der Abrüstung wollen wir auch nicht darauf bestehen, dah sich die Gleichberech­

tigung voll auswirkt, wie wir es an sich verlangen könnten. Diese freiwillige Beschrän­kung ist lediglich ein Beweis für das heiße Ver­langen nach endlicher Befriedung der Welt. Wir fordern keinerlei offensive Rü­stung, aber man darf uns nicht jede Möglichkeit der Verteidigung der nationalen Sicherheit ver­wehren.

Die Gegner haben drei Grundforderungen: Schaffung weiterer vertraglicher Sicherheits­garantien, Vereinheitlichung der europäischen Heere auf einen einheitlichen Armee-Typ mit kurzer Dienstzeit und wirksame Kontrolle der Abrüstung. Auch wir haben nichts dagegen, daß die Abrüstung kontrolliert wird, sie muß nur alle in gleicher Weise treffen. And auch wir müssen als Kontrolleure mitwir­ken. Das Verlangen nach weiteren vertraglichen Sicherheiten ist nicht begründet. Die vor- handenen Sicherheiten genügen. Trotzdem hat Deutschland die Diskussion des französischen Sicherheitsplanes nicht von sich gewiesen und es wird auch die entsprechenden Bestimmungen des englischen Entwurfs in bester Absicht erörtern.

Die französische Forderung nach einem e i n h e i t - lichen Heerestyp, die leider auch in dem eng­lischen Entwurf ausgenommen ist, richtet sich im wesentlichen auf die Abschaffung unserer Reichswehr. Als Deutschland abrüsten mußte, wurde ihm die Berufsarmee an Stelle der Volks­armee auferlegt, um eine Angriffspolitik zu oerhin- dern. Jetzt ist auf einmal die langdienende Armee einAngriffsheer, und wir sollen wieder zum Typ der kurzdienenden übergehen. Es entstehen da verschiedene schwierige Fragen. Man darf sich darum nicht wundern, wenn wir dieser Forderung m i t äußer st er Vorsicht gegenüberstehen. Wir sind bereit, bei der Reichswehr einiges zu ändern, ver­langen aber, daß hinsichtlich des Heeressystems j e - der Regierung die Freiheit gelassen wird, es nach den besonderen Verhält- nissenihresLandeszu regeln.

Das sind die Hauptfragen, deren Regelung in der kommenden Konferenzpyase vor uns liegt. Sie zeigen, daß uns noch eine schwere Arbeit bevorsteht. Es ist daher notwendig, daß die anderen Mächte nun endlich einen ebenso großen Verständigungswillen zeigen, wie wir.

Japan ein internationales Abkommen auf der Grundlage der Doppelwäh­rung erstrebe. Der Zweck dieses Abkommens wäre die Herstellung einer festen Beziehung zwischen den Währungen aller Länder und damit die Verhinde­rung internationaler Kursschwankungen. Roose­velt teilte dem Kongreßführer mit, daß er eine kontrollierte Währungsausweitung befürworte. Für einen genauen Plan habe er sich jedoch noch nicht entschieden. Staatssekretär Woodin hat die Gouverneure der 12 Bundesreservebankbe­zirke für Mittwoch zu einer Besprechung über die Anstauung der in den geschlossenen Banken eingefrorenen4bis5MilliardenDol° 1 a r eingeladen. Die amerikanische Regierung ver­tritt die Ansicht, daß die Industrie der Vereinigten Staaten für eine Konjunkturbesserung reif sei, falls ihr Betriebskapital in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden kann.

Das Moskauer Urteil

Die Gerichte der Sowjetunion find, wie der Staatsanwalt am Sonntag ausdrücklich feststellte, Klassengerichte: ihre Aktion richtet sich nach den Interessen des kommunistischen Klassenstaates und erst in zweiter Linie oder überhaupt nicht nach der Schuld oder Nichtschuld des Angeklagten. Auch das Urteil in dem jetztzu Ende gegangenen Sabo­tageprozeß, in dessen Mittelpunkt die sechs eng- lischen Ingenieure der Metro Vickers-Gesell­schaft standen, ist eine ausgesprochen politische Maßnahme, deren Milde gegenüber den englischen Angeklagten zeigt, daß auch für die Sowjetunion die Außenpolitik den Vorrang vor dem innerpolitischen Agitationsbedürfnis hat. Das Urteil ist ein voller Erfolg der energischen Intervention Englands, das mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und einer Einfuhrsperre für russische Waren drohte, falls die englischen Ingenieure zu Opfern dieser Propaganda zur Vertuschung der Schwächen des Fünfjahres- planes gemacht würden.

Auch sonst verlies der Prozeß nicht ganz regie- gemäß. Man Halle wieder die beiden typischen Ge­stalten jeder derartigen Schaustellung, denreu­mütigen Angeklagten" und denH a u p t- b e l a st u n g sz e u g e n" auftreten lassen, aber weder der Angeklagte Macdonald noch die Sekre­tärin Kutusowa spielten ihre Rolle konsequent und überzeugend. Dazu die Panne mit anderen Eng­ländern, die offenbar zwischen Furcht und Hoffnung herumgeworfen wurden, bald die Geständnisse der Voruntersuchung, bald ihre eigene Meinung vor- trugen, ohne daß bezeichnenderweise sich das Gericht für die Aufklärung dieser Widersprüche interessiert oder die überaus kompromittierenden Geständnisse bei der Urteilsfällung berücksichtigt hätte.

Die zwei- und dreijährigen Freiheitsstrafen für die beiden Engländer Macdonald und Thorn­ton, die freilich in keinem Verhältnis zu der langjährigen Verurteilung der meisten russischen Angeklagten stehen, werden sicher noch den An­laß weiterer Auseinandersetzun­gen zwischen England und der Sowjetunion bilden. Zwischen der Milde des Arteils gegenüber den Engländern und den Vergehen, die ihnen auch in der Begründung wieder zur Last gelegt werden, klafft ein unüberbrückbarer Widerspruch. Die westliche Welt ist wie bei früheren Pro­zessen auch diesesmal nicht davon über­zeugt worden, daß die unverkennbaren Schwie­rigkeiten des forcierten industriellen Aufbaues in der Sowjetunion auf eine Schädlingstätigkeit ausländischer Bourgeoisie und konterrevolutio­närer Gruppen zurückzuführen ist.

Das englische Verbot der Einfuhr russischer Waren.

London. 19. April (BIB. Funkspruch.) Die Proklamation über das Verbot der Einfuhr russischer Baren ist im Anschluß an die Be­ratung des Königs mit dem Geheimen Rat im Schloß Binfor unterzeichnet worden. Sie wird

Oie stummen Gäste von Zweilinden

Roman vonAnny vonpanhuys.

Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.

19 Fortsetzung Rachdruck verboten I

Konrad Zweilinden dachte: Das war deutlich! Klarer konnte der Vater der jungen Schönheit wirk­lich nicht zu verstehen geben, er wünschte keine Unter­haltung über seine Vergangenheit. Er schien Angst gehabt zu haben, die Tochter könne ihm, dem Frem­den, noch den Ort nennen, wo er herstammte.

Angela war errötet, es kränkte sie, daß sie der Vater vor dem Fremden so auffallend zur Eile nmhnte. Sie machte den Strauß fertig und schlug ihn in einen großen Bogen Seidenpapier. Konrad Zweilinden zahlle vier Peseten dafür, und dann mußte er gehen.

Die hellgrauen Augen des Aelkeren drängten ihn förmlich zur Tür.

Angela wollte ihn hinausbeglellen, doch ihr Vater stand auf, ging bis zur Haustür mit, erklärte dem Jüngeren, wie er von hier aus am raschesten den Platz Catalunja erreichen konnte.

Angela stand am Herd, als er wieder eintrat. Sie fragte hastig:Warum warst du so zurückhaltend, Vater, warum vermiedest du alles, was mit deiner engeren Heimat zufammenhängt, auch nur mit einer Silbe zu berühren. Es ist doch keine Schande, daß du einmal dein großes Besitztum in Deutschland verloren hast."

Er machte eine abwehrende Handwegung.Rein, das ist keine Schande, aber es ist auch kein angeneh­mes Gefühl, sich zu sagen, wielleicht ist der Deutsche dort in der Nähe zu Hause, wo ich früher lebte, und wenn wir ihm erzählen, wer ich bin, dann tut er sich, wenn er wieder daheim ist, dort überall damit wichtig, er hat den Grafen Speerau als altes Hinke­bein in einer Barackenwohnung Barcelonas getrof­fen. Ich habe mit meiner Vergangenheit endgültig gebrochen, und du bist der einzige Mensch, mit dem ich darüber rede. Fremde sollen sich nicht damit herumschlagen."

Angela sah nachdenklich aus, als sie zugab:Du hast wohl recht, Vater, du mußt das jedenfalls am besten wissen."

Sie nahm die Brotsuppe vom Feuer, goß Del tn die Pfanne, um frische Sardinen zu braten.

Aber während sie das Mittagessen fertigmachte, sann sie darüber nach: war ihr der Deutsche deshalb wirklich gefolgt, weil er seiner Mutter Rosen mit= bringen wollte, oder war das nur eine Ausrede gewesen?

Ihr Herz klopfte plötzlich stark, und sie atmete schwer. Schade, daß der Deutsche nicht hier in Bar .

heule abend in einem Beiblatt zum Amtsblatt er­scheinen.

Oer japanische Vormarsch auf Peking.

Peking, 18. April. (TU.) Der Vormarsch der japanischen Truppen südlich der großen Mauer in Richtung auf Peking und Tientsin wird weiter fortgesetzt. Die chinesischen Trup­pen sind über den Fluh Luan zurückgegangen und verschanzen sich am südlichen Fluhufer. Der 19 Kilometer südwestlich von Tschinwangtau ge­legene Badeort P e i t a i h o ist von den japani­schen oder mandschurischen Truppen besetzt wor­den. 40 Ausländer, darunter mehrere Deutsche, muhten in großer Eile flüchten. Die Hauptkämpfe sind zur Zeit etwa 25 km westlich von Peitaiho im Gange, wo die Japaner die Eisenbahnlinie Peking Mulden abgeschnitten haben, um einen chinesischen Gegenangriff zu verhindern.

Japanische Bombenflugzeuge haben bereits das 30 Kilometer weiter südlich gelegene

celona wohnte, weil doch dann die Aussicht bestände, daß sie ihm vielleicht zufällig einmal begegnet wäre. So aber reifte er wieder fort, möglicherweise mor­gen schon, und im ganzen Leben sah sie ihn nicht mehr.

Sie fuhr mit dem Zeigefinger über die Augen­winkel, die ihr feucht geworden waren. Zu dumm, daß ihr jetzt so eigen ums Herz war, als müsse sie laut und fassungslos meinen.

Der fremde Herr aus Deutschland ging sie doch gar nichts an, und ihre traurige Stimmung hatte bestimmt nichts mit ihm zu tun. Eher -hing sie da­mit zusammen, daß sie durch ihn stärker an Deutsch­land denken mußte und ihre alle Sehnsucht, es kennenzulernen, dädurch heißer als je geworden war.

Am nächsten Vormittag wunderte sich Angela über ihren Vater. Er, der sonst stets über die geweihten Palmenwedel gespottet hatte, sagte:Trage nur auch einen Palmenzweig in die Kirche, wir wollen ihn an der Haustür befestigen, er soll ja ein Schutz gegen Unheil und Krankheit fein/

Angela nickte froh und begriff nicht, daß der Vater jetzt etwas ernst nahm, worüber er noch im vorigen Jahr gespöttelt. Sie dachte, diese Wandlung mußte mit seinen Ausgängen Zusammenhängen, von denen er immer mit so seltsam zufriedenem Gesicht heim­kehrte. Sobald er wieder ausging, würde sie ihm folgen

15.

. Frau Bettina trug noch Trauerkleider. Sie stand in ihrem Zimmer des eleganten HotelsRitz" und blickte durch die weitgeöffnete Balkontür auf die breite Straße de las Cortes hinaus. Ihre Gedanken waren nicht bei dem, was das 2luge sah, ihre Ge­danken waren daheim in den Taunusbergen. Sie sann nach, daß sie viel zufriedener gewesen, wenn sie daheim geblieben wäre. Dann befände sie sich vielleicht um all diese Stunde auf dem Dorffriedhof, um all ihren Lieben Kränze und Blumen zu bringen. Der Hausarzt hatte gewünscht, daß sie auf Reisen gehen sollte, um einmal aus der Umgebung heraus­zukommen, in der sie alles an ihren Mann er­innerte. In der sie fast tiefsinnig geworden, weil sie seinen jähen Tod noch immer nicht zu fassen ver­mochte. Ihr Sohn hatte es bann durch Ueberrebung zustanbegebracht, sie zu ber Auslandsreise zu be­wegen, sie nach Paris unb Madrib, nach Sevilla unb Valencia zu bringen. Unb nun war sie in Barcelona, der wunderschönen Hafenstadt am blauen Mittelmeer.

Es klopfte mehrmals in kurzen Abständen. Sie wußte, er war es, auf den sie wartete.

Konrad Zweilinden trat ein. Er trug einen großen Strauß, man sah Rosen durch die dünne Seidenhülle schimmern.

Bringst Du mir schon wieder Blumen, Ver­schwender", schalt Frau Bettina mit glücklichen Augen,unb noch bazu solch ein Riesenbukett! Dafür muß man ja eigens eine Vase anfertigen." Sie

Tschanali bombardiert. In nächster Rähe des amerikanischen Marinelagers bei Tschinwangtau fielen japanische Bomben nieder. Bei Schischia wurden 11 Mitglieder des chinesischen Roten Kreu­zes durch eine japanische Bombe getötet. Die chinesischen Verluste bei den letzten Kämpfen süd­lich der großen Mauer werden von ausländischen Beobachtern auf 4000 Tote und über 10 000 Ver­wundete geschätzt. Japanische Kavallerie soll sich bereits 85 Kilometer von der Stadt D o l o n o r in der Provinz T s ch a ch a r befinden.

Reuorganisation der ORVp. zur Aktivierung der Partei.

Berlin, 19. April. (ERD.) Don der deutsch­nationalen Parteileitung find eine Reihe von or­ganisatorischen Maßnahmen getr-ffen worden, die einer Aktivierung der Partei lienen sollen. Die F ü h r e r der Landesverbände, Kreis­gruppen und Ortsgruppen löerden in Zu­kunft nicht gewählt, sondern berufen. Die berufende Stelle ist der Führer der nächsthöhe­ren Gliederung. Die Führer regeln ihre Ver-

entfernte bas Seibenpapier, hob ben Strauß, stutzte unb lächelte oerbutzt, als sie ihn näher betrachtet.

Das sind doch künstliche Blumen, Konrab, bu hast wirklich brollige Einfälle", sagte Frau Bettina lächelnd.

Konrad Zweilinben nickte:Ja, Mutter, es sind künstliche Blumen, aber sie gefielen mir, weil sie so natürlich wirken."

Frau Bettina war keine Freunbin von künstlichen Blumen. Ihr schöner Park daheim lieferte vom Frühling bis zum Spätherbst frische Blumen für die Vasen, und sie hätte sich niemals eine künstliche Blume Ins Zimmer gestellt. Doch dachte sie, daß ihr Konrad hatte eine Freude bereiten wollen, und sagte darum:Die Rosen sind wirklich ber Natur über- raschend getreu nachgebildet, ich begreife, wie sie dir gefallen konnten, wir nehmen sie mit nach Zwei- linben."

Man im Speisezimmer des Hotels, und beim Nachtisch fragte Konrad:Mochtest du nicht auch noch andere Blumen von dieser Art haben, Mutter. Sie hat zum Beispiel sehr schöne Lilien unb Nelken."

Frau Bettina horchte auf.

.Wer hat noch sehr schöne Lilien und Nelken", fragte sie nun ihren Sohn, inbem sie ihn dabei forschend anschaute.

Er lächelte ein bißchen verlegen:Ich meine natürlich die Blumenoerkäuferin, hebe Mutter." .

Hast bu die Blumen hier in ber Nähe gekauft?" fragte seine Mutter weiter.

Er zuckte die Achseln.

Das kann man nicht gerade behaupten. Ich habe mal so eine kleine Entdeckungsfahrt gemacht, weißt bu, abseits von b?n vorgeschriebenen Wegen." Er erzählte von seiner Fahrt aufs Geratewohl mit bem Autobus B.

Sie lächelte:Unb da, wo bu gelandet, fandest du dann eine alte, kranke Frau, die künstliche Blumen verkaufte, und in deiner Gutherzigkeit nahmst du ihr gleich den ganzen Vorrat ab, um ihr dadurch einen großen Gefallen zu erweisen."

Er erwiderte hastig:Bewahre, die Blumenver­käuferin war doch kerne alte, kranke Frau, sondern das schönste Mädchen, das ich in meinem ganzen bisherigen Leben jemals gesehen habe."

Frau Bettina drohte ihm scherzhaft mit dem Finger: Also so verhält sich die Sache! Das ist der Grund zu deiner Noblesse, mich mit künstlichen Blumen zu beschenken. Weil dir ein hübsches Mädel gefällt, soll sich deine arme Mutter eine Waggonladung von bem bufllosen Zeug mit nach Hause schleppen. Ich brauche mir aber wenigstens keine Gewissensbisse zu machen, wenn ich beine Gabe nicht mit nach Deutschlanb nehme."

Er lehnte sich bagegen auf.Natürlich müßen wir bie Rosen mitnehmen. Mir gefallen sie sehr. Du kannst sie mir ja daheim in mein Arbeitszimmer

Frau Bettina schüttelle den Kopf.Künstliche Blumen sind Staubfänger und, wenn man sich

tretung selbst. Sie können von ihrem Ami jeder­zeit abberufen werden. Die abberufende Stelle ist der Führer der nächsthöheren Gliede­rung. Es gelten in Zukunft folgende Bezeichnun­gen: Parteiführer, Fraktionsführer, Landessüh- rer, Kreisführer, Drtsgruppenführer. Die Dor- stände in den Landesverbänden, Kreisgruppen und Ortsgruppen werden inBeiräte" um- gewandelt. Die «Beiräte" sollen beraten: ent­scheiden soll der Führer.

Kleine politische Nachrichten.

Wie berTag" hort, wirb die 'Verordnung über den Verkehr in itErzeugnissenderMar- garinefabritation und Delmühlen am 15. M a i in Kraft treten. Dieser Tag ist ge­wählt, um ben Gastwirtschaften unb Bäckereien ge­nügend Zeit zur Vorbereitung unb zur Umstellung ihrer Betriebe auf ben erhöhten Verbrauch einheimi­scher Fette zu lassen.

Das Volkshaus in Bremen wurde durch ein größeres polizeiliches Ausg-sbot besetzt. Der frühere SPD.-Senator Sommer, der bis­herige Syndikus der Arbeiterkammer, Oskar Schulze, und vier sozialdemokratische Funktio­näre wurden in Schutzhaft genommen we­gen dringenden Verdachts der Veruntreuung und der mißbräuchlichen Verwendung von öffentlichen Mitteln.

Der Danziger Senat hat als Termin für die Reuwahlen zum Danziger Volks- t a g den 28. Mai 1933 bestimmt.

Aus aller Welt

Auf der Osterkour tödlich verunglückt.

Auf der linksrheinischen Ryeinuferstraße zwi­schen Brechtingshausen und Riederheimbach trug sich ein schwerer Hnglüddfall zu, der den Tod eines Beteiligten zur Folge hatte. Der 22jährige kaufmännische Angestellte Oswald Fritz aus Göttingen hatte zu Ostern seine in Kirn a. d. Rahe wohnenden Eltern besucht: auf der Rückfahrt mit seinem Motorrad ist er mit einem Radfahrer zusammenge stoßen. Der Motorradfahrer wurde gegen eine Mauer ge­schleudert, wobei er sich einen schweren Schädel­bruch zuzog. Der Radfahrer Fritz Reinhardt aus Linxweiler (bei Völrlingen a. d. Saar) kam zu Fall und erlitt eine Gehirnerschütterung. Die beiden Sch werverletzten wurden ins Heilig-Geist- Hospital Bingen eingeliefert, wo Fritz inzwischen geworben ist.

Brandstiftung an der Mosel.

In Erden an ber Mosel wurden das gesamte An­wesen eines Winzers unb ein angrenzes Wohnhaus durch Brandstiftung vollkommen einge- äschert. Der Schaden beträgt 30 000 Mark. Un­geheuere Erregung beinächtigte sich der Bevölkerung, als ber Täter jetzt in der Person des 37jährigen Win­zers Johann H a n i o ermittelt wurde, zumal der Brandstifter ein geborener Erdener ist. Im Anschluß an eine öffentliche Versammlung, in der der Uebel- täter gebranbmartt wurde, errichteten die erbitter­ten Einwohner einen Galgen. Mit Knüppeln be­waffnet zogen sie bann vor bas ßanbratsamt unb forderten bie Herausgabe bes Brandstifters. Hanio war zuvor jeboch schon in einen anberen Ort ge­bracht worben. Außer ber Erdener Tat ist er noch weiterer Brandstiftungen verdächtig.

Der Tod in der Gletscherspalte.

Der bekannte Turnier-AlP'.nist Palestreri ist in der Rähe von Pontresina tödlich ver­unglückt. Palestreri mußte von der Reitungs- kolonne aus einer Tiefe von 35 Meter heraus­geholt werden. Der Tod dürfte sofort nach dem Sturz in die Gletscherspalte eingetrelen sein. Di« Leiche wird nach Turin transportiert.

andere als Zimmerschmuck leisten kann, nicht be­sonders zu empfehlen."

,Sie verkauft aber rasend viele davon, unb wirk­lich, ich finde die Blumen sehr schön", trat er für seinen Kauf ein. Er lächelle: 'Auch irrst du, wenn bu vorhin den Ausdruckein hübsches Mädchen" gebraucht hast. Die Blumenoerkäuferin ist so auf­fallend schön, daß ich sie minutenlang angestarrt habe, ehe ich überhaupt fassen konnte daß es sich bei ihr um ein Wesen von Fleisch unb Blut hanbelte. Ich dachte, ich sähe eine Erscheinung."

Frau Bettina blickte ihren Sohn etwas befremdet an.Du schwärmst ja förmlich Konrad."

Du würdest mich begreifen und mitschwärmen, Mutter, wenn du das Mädchen sähest! So etwas wie Sie gibt es wohl sehr selten", gab Konrad be­geistert zurück.Sieh sie dir doch einmal an. Wir könnten ja dort, wo sie ihre Blumen verkauft, vor­beigehen. Glaube mir, bie kurze Fahrt lohnt sich."

Frau Bettina war wirklich schon neugierig ge­worben, auch sah sie schone Menschen gern. Sie horte noch von Konrad, der Vater der Blumenverkäuferin wäre ein Deutscher unb bas Mädchen spräche fliehend Deutsch.

Angela hatte geäußert, heute verkaufe sie auch nachmittags, was sie sonst nicht zu tun pflegte. Daran erinnerte sich Konrad, und um drei Uhr nahmen Mutter und Sohn im Autobus B Platz und fuhren bis dorthin, wo die Linie aufhörte. Unb bann zeigte Konrad ber Mutter von ber gegenüber­liegenden Seite aus Angela, bie in ihrem Kiosk faß, umgeben von den oerschiebensten Blumen in allen nur denkbaren Farbenabstufungen, lieber einer nied­rigen Blumenmauer sah man den feinen Kopf Angelas. In blauschwarzen Locken lag das Haar über ber schmalen Stirn, unter ber zwei herrliche schwarze Augen flammten.

Schön, fast unbegreiflich schon war die Blurnen- verkauferin. Bettina Zweilinden muhte es ihrem Sohne zugeben. Sie beobachtete, wie der Blick Kon­rads voll Leidenschaft an bem Antlitz bes jungen Mädchens haften blieb, und sie empfand plötzlich ein beklemmendes Gefühl. Es wäre nicht das erstemal, dah sich ein Mann Hals über Kopf in ein Mädchen verliebte, die sozial weit unter ihm stand. Es war Torheit von ihr gewesen, Konrad hierher zu be­gleiten. Sie hätte ihn auslachen und bie ganze Sache scherzhaft nehmen sollen.

Sie legte ihre Hanb auf seinen Arm.Wirklich, bie Dlumenverkäuferin war ein schönes Mäbchen, aber genau besehen, lohnt es sich boch nicht, deshalb so weit zu fahren. Komm, wir wollen jetzt nach dem Haien."

yrau Bettina war es gewöhnt, dah ihr Sohn ihr sofort jeden Wunsch erfüllte, unb bas beklemmende Gefühl, bas sie empfanb, wuchs noch, als er, anstatt sich nach einer Fahrgelegenheit umzusehen, sagte: Ick will bir noch Ljlien kaufen, Mutter, bie sind noch schöner als bie Rosen."

(Fortsetzung folgt.)