ein imposanteres Bild, als daß diese Nation vor kurzem noch aus 1000 Wunden blutend nun ' h r Schicksal in die Hand nimmt und mit der Not der Zeit auf ihre Art fertig z u werden versucht. Dafür gebührt dem deutschen Volk der ganze tiefgefühlte Dank der Reichsregierung, den ich hier auch im Namen des Kanzlers und Führers zum Ausdruck bringen möchte. M u t und Selb st vertrauen gehören dazu,
wenn die Nation weiter, wie in den oergange nen 6 Monaten, zusammensteht, wenn sie in Treue und Disziplin die Arbeit des Führers unter ft ü h t und fördert, wenn sie vor der Gröhe der unser harrenden Ausgaben nicht zurückschreckt, dann wird uns das schwere Derk gelingen, dann werden wir den verehrungswürdigen Feld- marscholl und Präsidenten für die Hochherzigkeit seines Entschlusses und die tiefe Weisheit, mit der er segnend seine Hand über uns hält, einen besseren Dank ab- statt-n, als das durch Worte möglich ist. Durch die Tat eines in allen Stämmen und Ständen geeinten deutschen Volkes, das vor der ganzen Welt wieder Ehre und Achtung genießt.
Oie Neubildung deutschen
Bauerntums.
Berlin, 17. Juli. ^ERB.) Das am 14. Suli 1933 vom Reichskabinett beschlossene Gesetz über die Reubildung deutschen Bauerntums hat folgen-’ den Wortlaut:
Die ländliche Siedlung, insbesondere die Schaffung von Bauernhöfen im gesamten Reichsgebiet (Neubildung deutschen Bauerntums) ist die Aufgabe des Reichs. Dos Reich hat hierüber die ausfchliehliche Gesetzgebung.
Zur Durchführung dieser Ausgabe kann sich das Reich der zuständigen Behörden der Länder bedienen. Diese haben den Weisungen des Reichs Folge zu leisten.
Die zuständigen Reichsminister werden ermächtigt. die zur Durchführung dieses Gesetzes erforderlichen Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften zu erlassen.
Schon der Name des Gesetzes: Neubildung deutschen Bauerntums kennzeichnet die grundsätzliche neue Linie, die auf dem Gebiet der ländlichen Siedlung jetzt eingeleitet worden ist. Es soll n i ch t mehr wie bisher jährlich einige tausend Siedler angesetzt werden, die_ auf ihrer Stelle nicht leben und nicht sterben können und sich als Staatsrentner fühlen, sondern aus dem Weg der Siedlung soll neues deutsches Bauerntum geschaffen werden. Es soll in Zukunft nicht mehr Bauern und Siedler, sondern nur noch freies, mit dem Boden fest verwurzeltes altes und neues Bauerntum geben. Das Gesetz ist gewissermaßen die erste Antwort der Reichsregierung auf das erschütternde Ergebnis der Volkszählung, die das weitere Anhalten der Landflucht und das Anschwellen der Großstadtbevölkerung nur allzu klar gezeigt hat. Das neue Gesetz läßt den entschlossenen Willen der Reichsregierung erkennen, eine Fortsetzung dieses Prozesses nicht mehr zu dulden. • Die Reubildung deutschen Bauerntums ist für die gesamte Ration von entscheidender Bedeutung. Darum hat das Reich die Führung übernommen, die ihm in den Lebensfragen der Ration ukoinmt.
Der deutsche Gruß bei der Reichsbahn
Berlin 17. Juli. (WTB.) Da bei der engen Verbundenheit der Deutschen Reichsbahn mit Reich und Voll die Gründe, die die Reichsregierung zur allgemeinen Einführung des deutschen Grußes bei den Reichsbehörden veranlassen, in vollem Umfang auch f >r die Reichsbahn gelten, hat der Generaldire.tor bcr Deutschen Reichsbahn mit so-
Reichsminister Darre auf der Wetzlarer Bauerntagung.
Reichsernährungsminister D a r r 6 im Gespräch mit Universitätsprofessor Dr. Kraerner, Gießen.
fertiger Wirkung für die gesamte Reichsbahn d i e Einführung des deutschen Grußes angeordnet.
Aufruf der Hauptgemeinschafi des deutschen Einzelhandels zur Arbeitsbeschaffung.
Berlin, 17. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels erläßt einen Aufruf, in dem der Einzelhandel aufgefordert wird, sich mit allen Mitteln in den Dienst des Gesamtwertes der Arbeitsbeschaffung zu stellen. Unter keinen Umständen, heißt es in dem Aufruf, dürfen Umsahbelebungen in den Geschäften z u Mehrbelastungen des vorhandenen, im Verlaufe der Krise sehr zusammengeschrumpften Personalbestände führen; sie müssen sich vielmehr in Reueinstellungen arbeitsloser Kaufmannsgehilfen auswirken. — Es wird weiter notwendig sein, die vielfach allzu eng gehaltenen Sortimente grundsätzlich unter dem Gesichtspunkt zu überprüfen, ob nicht m e h r A u f t r ä g e bei den Lieferanten möglich sind, die sowohl im Interesse der Wirtschaftsbelebung wie auch der Qualitätspflege liegen, die dem mittelständischen Spezialgeschäft besonders obliegt.
Der Einzelhandel wird schließlich an seinem Teil darüber wachen müssen, daß die Entwickelung der Weltmarktpreise nicht im Inlande unerwünschte Preisbewegungen der Fertigwaren hervorruft: denn nur ein für den Konsumenten tragbarer Preisstand kann eine dauerhafte Wirtschaftsbelebung auch in der Sphäre der Warenverteilung sicherstellen. Der deutsche Einzelhändler, heißt es zum Schluß, hilft der Reichsregierung, toemj er den Verbraucher immer wieder darauf hinweist, daß das Kaufen deutscher Waren Arbeit schafft, daß hingegen das Horten von Geld nicht nur sinnlos ist, sondern die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit behindert.
Die Konsumgenossenschaften
Hamburg, i-.Suli. (TU.) In Hamburg fand eine Besprechung des n der Deuts chen Ar beitsfront einbegriffenen Wirtschaftsausschusses zur Regelung der Konsumgenossenschciftsf'-agen statt. Es vurde bei dieser Besprechu cg ool’e Heber» e i n |t m m u n g darüber erzielt, daß jede öf
fentliche Behandlung der konsumgenossenschaftlichen Fragen in Presse-Kundgebungen und Versammmlungen irgendwelcher Organisationen oder durch Nachgeordnete Dienststellen künftighin unter allen Umständen 3 u unterbleiben haben. Alle Quertreibereien im Lande werden von jetzt ab mit den schärfsten Mitteln unterbunden und verfolgt. Der Wirtschaftsausschuß ist vom Führer der Deutschen Arbeitsfront zur Lösung der Konsumgenossenschaftsfragen einye- setzt und wird diese im Sinne des Nationalsozialismus in organischer Weise lösen.
Die ersten Erfolge der Arbeitsschlacht in Ostpreußen.
Königsberg, 17. 3uU. (wTV.Funkspruch.) Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit In Ostpreußen nach dem Plan des Oberpräsidenten und (Bauleiters Koch hat schneller als erwartet zu bedeutenden Erfolgen geführt. Durch planvolle Arbeitsbeschaffung ist es in wenigen Wochen gelungen, im östlichsten Kreise der Provinz, im Kreise Pi 1 lka11 en, die Arbeitslosigkeit völlig zu beseitigen. Darüber hinaus ist der Kreis in der Lage, in den nächsten drei Wochen weitere 1 0 0 0 21 1 - b e i t s l o f e aus anderen Kreisen zu übernehmen. Spätestens am 1. August soll der gesamte Regierungsbezirk Allen st ein frei von Arbeitslosen sein, in etwa vier Wochen auch der gesamte Regierungsbezirk Gumbinnen. Dank des günstigen Fortganges der in Gang befindlichen Maßnahmen soll dieser (Beneral- angriff gegen die Arbeitslosigkeit in Ostpreußen etwa bi« zum 1. Oktober den Erfolg zeitigen, daß die Erwerbslosigkeit in der ganzen Provinz überwunden ist.
Haussuchungen bei Kasseler Freunden Scheidemanns.
Kassel, 18.3uli. (WTB.) Auf Grund der landesverräterischen Veröffentlichung Scheidemanns in der ausländischen Presse wurden bei verschiedenen Kasseler Freunden Scheidemanns Haussuchungen abgehalten, um festzustellen, ob diese mit ihm in Verbindung stehest und ob sie irgendwelche Vermögenswerte von ihm in Verwahrung haben. Die Haussuchung hatte bei Rechtsanwalt Z i n n ein überraschendes Ergebnis.
Man sand bei ihm eine Anzahl lener Greuelphotographien, wie sie in ausländischen Zeitungen abgebildet waren. Insgesamt wurden in dieser Angelegenheit fünf Personen fest genommen.
Aus aller Welt.
Zwei litauische Weltslieger tödlich verunglückt.
Zwei litauische Weltflieger, die in Neuyor k zu einem direkten Fluge nach kowno g e ft a r t e t waren, sind inderNeurnarkver- u n g l ü ck t. Die Trümmer des Flugzeuges wurden bei Kuhdamm in der Nähe von Solbin gefunden. Die Leichen der beiden Flieger wurden unter den Trümmern geborgen. Das Unglück Hal sich offenbar früh um 2 Uhr ereignet. Um diese Zeil Hörle ein Landwirt aus dem friederizianischen Sied- lerborf Kuhbamm ein furchtbares krachen. Er konnte nichts näheres feftfteUen. Als man morgens in bet Umgegend des von Wald umgebenen Dorfes nachsuchte, sand man die Trümmer des Flugzeuges, konnte aber noch nicht feststellen, um wen es sich handelt, da die Maschine v o l l - ständig zertrümmert und die Leichen bet Flieger grauenhast zerstümmelt waren. Der Apparat ist zwischen zwei Bäume gestürzt. Dabei sinb bie beiben Tragflächen sofort abgebrochen. Daß es sich um bie litauischen Flieger hanbelt, würbe erst im Lause bes Vormittags da- burch feftgefteUt, bah man ben Rumps bes Flugzeuges anhob unb am Rumps bann bie Inschrift „Ehikago — Neuyork — Kaunas" fanb, bie barauf schließen liefe, bafe es sich um bie litauischen Ozeanflieger hanbeln mufete. Neben bem Flugzeug fanb man morgens um 7 Uhr eine brennenbe Taschenlampe mit brennenbem Scheinwerfer. Die Flieger haben also offenbar versucht, vom Loben aus feftjufteUen, wo sie sich befanben. Man nimmt an bafe sie bie grünen walbwipsel für eine wiese gehalten unb eine Notlanbung oer- sucht hatten.
Das Balbo-Geschwaber vor bem Rückslug.
General 58 alb o beabsichtigt, wie aus Ehikago gemeldet wird, am Mittwoch den Rückflug nach Italien anzutreten unb wird voraussichtlich in Neuyork eine Zwilchenstation machen. Er hat die Einladung des Präsidenten Roosevelt angenom» men diesen im Weißen Haus zu besuchen. Der Besuch wird gegen Ende der Woche stattfinden.
Hochwasser unb Neuschnee in Bayern.
Die seit Tagen nahezu ununterbrochen über Bayern niedergegangenen Regenfälle haben die Flüsse, insbesondere die Alpenflüsse, stark anschwellen lassen Die Flüsse führen Hochwasser, das im Laufe des Montag noch weiter angestiegen ist. In der Gegend von Rosenheim (Oberbayern) stehen Fel» der und Wiesen teilweise meterhoch im Wasser. Vielfach mußte das Vieh aus den Ställen geholt werden. Zahlreiches Federvieh ist ertrunken. Die Straßen sind unpassierbar geworben. Das aufgeschichtete Heu wurde von den Fluten mit fortgerissen Auch her Wildbestand wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Im oberen Allgäu sind bie Quellbäche zu Flüssen, und die Flüsse zu Strömen geworden Vielfach wurde durch Vermurung oon Wiesen großer Schaden an» gerichtet. In den Bergen ist bis auf 1800 Meter herab Neuschnec gefallen.
Wettersturz in den Alpen. — Fünf Todesopfer.
Der plötzlich eingetretene Wetter st urz im nördlichen Alpengebie' hat zahlreiche Unfälle zur Folge gehabt In Rax-Plateau stürzten zwei aneinandergeseilte Touris en aus Wien im schlüpfrigen Gestein 60 Mete»- tief ab; sie waren sofort tot. Im Gesäuse befinden sich zwei Gruppen, vermutlich Wiener Hergsteiger, mit etwa elf Personen in schwerer Bergnot. Aus den westlichen Alpen werden ferner noch drei Abstürze mit tödlichem Ausgang gemeldet
Oie Libelle.
Don Peter Bauer.
Plötzlich zuckte sie wie ein winziger silberner Blitz aus blauen Himmelshöhen nieder in den Vorgarten, aber nicht bis auf den braunen Erdboden hinab, sondern handhoch über den rod flammenden Büschen des Phlox hielt sie fick überraschend in der Schwebe. Ihr langer, schlanker Leib l uchtete jetzt in zartem Himmelblau, und die beiden großen Flügelpaare glitzerten wie Glas, auf dem die Sonne spielt. Rach einigen Sekunden flitzte sie wie ein geschnellter Pfeil in fast waagerechter Bahn nach rechts, nach links hinauf, Über die blauen Blütenstäbe des Rittersporns und — schon war in den brutalen Klammern der borstigen Vorderfüße eine dicke, grünschillernde Schmeißfliege gefangen. Sie summte kläglich, als der schnelle Räuber mit ihr davonschoß.
Ein großer Teil der Mücken, die auf den warmen Blättern und Wegkieseln sich gesonnt, schienen den kleinen Schrei der Todesangst vernommen zu haben und geflüchtet zu sein. Auch die goldbrüstigen Bienen hatten sich davongemacht. In den zahlreichen Ritterspornblüten, die an den ragenden Schäften wie Stockwerke von Hochhäusern übereinandersitzen, war kein einziger der honigschleckenden Gäste zurückgeblieben. Dagegen saß ein feister Rosenkäfer unbekümmert in das weiche Purpurbett einer halb aufgeblätterten Rose eingeschmiegt wie ein grüngoldener Knopf. Er dachte gar nicht daran, sein duftendes Versteck zu verlassen, hatte auch wahrscheinlich überhaupt nichts von dem ganzen Vorgang gemerkt. Er war in so selige Weltverlorenheit versenkt, daß er sich sogar unempfindlich zeigte, als ich ihm mit den Fingern auf die prächtige Rüstung klopfte. Cs dauerte indes nicht lange, bis in die absolute Stille wieder die summende Fröhlichkeit der sonnetrunkenen Drummer einfiel. Sie surrten daher, setzten sich nieder, waren eben fort und jetzt wieder da in endlos hastendem Wechselspiel. x
ilnö da k hrte auch schon die Libelle zurück. Aus irgendeinem Strauchblatt oder gar am einer zarten Blume hatte sie mit den messerscharfen Kiefern ihr Opfer abgeschlachtet und verspeist. Sie schien mit ihrem Ausflug von einem Parkteich oder Tümpel in der Landschaft her zufrieden und versprach sich wohl von dem Jagd
gebiet der Vorgärten noch mehr Beute. Während ihr drahtdünner Körper, der jetzt schräg hoch vor mir schwebte, bald mit einem rötlichen, bald mit einem grünlichen Schimmer, ja regenbogenbunt oder wie ein seltener Opal glänzte, entging den großen Facettenaugen nichts Sichtbares. Trotzdem stieß sie nicht auf den trägen Rosenkäfer nieder. Ein plumper Ueberfall war nicht nach ihrem Geschmack. Da kam die Lust am Sagen zu kurz. Eben holte ein dicker Summer auf seinen wilden Schleifen und Kreisen mit einer Kurve zu weit aus und kam ihr zu nahe. Das reizte sie. Das war eine Herausforderung. Lind wie der Blitz war sie hinter ihm, ein grausames Verfolgungsspiel beginnend. Ieden Zickzack, jeden Bogen machte sie dem Brummer nach, als raste sie nur wie ein Anhängsel hinter ihm drein. Es gab offensichtlich für den armen Flüchtling keine Retung. Sein Schicksal hing nur von der Laune der Libelle ab. Ein paarmal hätte die ihn schon mit der Zange ihrer Vorderbeine fassen können. Aber sie wollte nicht. Es trieb sie, die Freude an der Iagd noch einige Zelt auszukosten.
Da schoß jäh aus in r Fliederhecke ein Buchfink auf die beiden herab und zerstörte das wilde Spiel der Libelle. Drummer lieh sich zwischen die Blumen fallen und war gerettet. Sie aber mußte alle ihre Flugkünste spielen lassen, um dem flinken Fink zu entrinnen, der zwar zuerst vorbeistieh, dann aber mit scharfer Wendung die Verfolgung aufnahm und die Libelle wiederholt hart bedrängte. Doch die Gefahr schien ihre Verwegenheit und Tollheit nur zu steigern. Anstatt ins Blaue zu entweichen wie ein verlöschender Funke, sauste sie bald kreuz und quer, bald in Spiralen auf und ab vor dem Buchfink her, bis diesem die Lust an der aussichtslosen Hetzjagd verging. Er flog auf eine Straßenlinde hinauf und schmetterte laut seine Enttäuschung und seinen Qlerger in die Luft.
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Die Libelle landete auf einer Margeritenblume, um ihren wundervollen Flügeln einen Augenblick Entspannung uyd Rast zu gönnen. Sie sah jetzt einem unscheinbaren Zweigstück ähnlich, von irgendwo hergeweht. Aber dann schwebte sie wieder entfaltet auf, blitzschnell im Tempo und doch voll spielerischer Leichtigkeit und gelassener Ruhe im Flugbild. Ein winziger Doppeldecker war sie, Flugzeug und Führer in einem. Vollendet wie keines der riesigen Menschenwerke, die ihre Gestalt nachahmen^ Vollendet
wie jedes zweckbestimmte Wesen in der Ratur. Lind vollkommen wie alle Geschöpfe Gottes.
„Die Nacht im ZorsthauS".
Dies ist ein Kriminalfilm der Märkischen Filmgesellschaft; eine ganz unheimliche Mordgeschichte um ein einsames Forsthaus, tief verschneit im winterlichen Walde. Die Technik des Aufbaues arbeitet mit bewährten, oft benutzten Motiven, aber sehr geschickt und wirksam. Rach angelsächsischen Vorbildern, die dergleichen zu einer gewissen Virtuosität gesteigert haben (Musterbeispiel: „®er Geisterzug") wird die Spannung im geeigneten Augenblick durch heitere Episoden gelockert, doch behält die Regie (Erich Engels) bis zuletzt die Fäden der Handlung in der Hand und entläßt den Zuschauer nie aus der Konzentration auf die Endlösung. Der Kameramann gibt gut geschnittene, scharfe und stimmungssichere Ausnahmen. In vorderster Front des Ensembles steht wiederum Hermann Speel- manä, sehr bewährt in ähnlichen Affären, obwohl ihm die Rolle hier nicht die gleiche erfrischende Aktivität gestattet, die wir ihn oft mit Vergnügen entwickeln sahen. Reben ihm die hübsche blonde Camilla Spira, die v'elen noch aus dem „Morgenrot"-Film erinnerlich sein wird. Sehr gut ferner Henckels Winter- stein, Rex, S ch l e 11 o w; in komischen Partien F a l k e n st e i n (als Schmierendirektor) und Kurt Lilien. Außerdem spielt ein drolliger kleiner Scotchterrier mit, der seine Sache tadellos macht. — Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus, im- Beiprogramm: die neue Wochenschau und eine interessante Reportage von treppensteigenden Schiffen (Schiffshebewerk Riederfinow).
Hochschulnachrichten.
Auf den Lehrstuhl für Dermatologie an der Universität Rostock wurde der 3enenfer Privatdozent Professor Dr. Drill berufen; er hat den Rus zum 1. Oktober d. 3 angenommen
Die ordentlichen Professoren an der Universität Tübingen Paul R i e ß l e r (Alttesta- mentliche Exegese), Carl Iohannes Fuchs (Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschast), Carl S a t o r i u s (Verwaltung-, Staats- und Kirchenrecht), Kurt W o l i (Hygiene, und Martin Heidenhain (Anatomie) sind mit Ablauf des Monats September kraft Gesetzes von den Amtspflichten enthoben.
Wie wandern die Dünen?
Die Wandergeschwindigkeit und die Formveränderungen von Dünen hat man bisher nur durch Vergleiche zwischen älteren und neueren Kartenaufnahmen studiert- Eine genauere Beobachtung und Messung der einzelnen Bewegungen solcher Wanderdünen ist vier Fohre lang von Dr. Kurd von Bülvw auf der Rehrung des hinterpornmerschen Leba-Sees durchgeführt worden und feine interefianlen Ergebnisse teilt er in der bei Hugo Bermühler in Berlin erscheinenden Monatsschrift „Der Raturforscher" mit. Das Dünengebiet am Leba-See zeichnet sich vor allen übrigen deutschen Wanderdünen durch das Auftreten „gebauter Dünenmassen" aus, die in schroffem Gegensatz zu den Dünenzügen der Kurifchen Rehrung stehen. Diese Dünen der Leba-See-Rehrung zeigen in ihrer großartigen Unberührtheit noch die natürlichen Bedingungen auf, unter denen diese eigenartigen Gebilde sich formen. Rach den Karten- Vergleichen hatte man Durchschnittsbeträge für die jährliche Wanderung errechnet und eine Verlangsamung der Bewegung seit 1889 sestgestellt. Die neuen genauen Beobachtungen ergaben aber, daß die jährlichen Wanderwege ganz erheblich von diesen errechneten Durchschnittsbeträgen abweichen. Die Wandergeschwindigkeit wechselt am gleichen Punkt von Jahr zu Fahr und kann innerhalb der gleichen Düne im selben Jahr an den einzelnen Stellen völlig verschieden sein. Es ist daher nicht möglich, irgend- welche Regeln anzugeben und noch weniger, das Verhalten der Dünen mit dem Witterungsvertaus in Beziehung zu sehen. Auch in der Art der Bewe» gung des Dünensandes ergeben sich neue Gesichtspunkte. Bisher unterschied man: Rollen und Treiben der Körnchen den Luv-Hang hinauf, Abstürzen und Breitlaufen am Lee-Hang. Doch geht die Ratur viel weniger schematisch zu Werke. Ein Teil des treibenden Sandes fliegt über den Dünenhang hinaus und bldet unter Umständen eine vorspringende zungenförmige Halde; steile Lee-Hänge verlieren, sobald sie feucht werden, den Halt, werden übersteil und briechen ab. Wiederholt sich dieser Vorgang eine gewisse Zeit hindurch, so wandert der Lee-Hang immer weiter luv-wärts, wobei allerdings windige regenfreie Zwischenzeiten mitwirken müßen. Aus allen Messungen des Verfassers ergibt sich, daß auch eine so sinnfällige Erscheinung wie die der Wanderdünen noch keineswegs geklärt ist, daß die Vorgänge im einzelnen noch sehr viele Rätsel aufgeben, und daß sich mit der Beobachtung der Wanderungen und Wandlungen dem in den deutschen Dünengebieten ansässigen Heimatfreund sich ein fruchtbares Tätig- keitsseld eröffnet


