Ausgabe 
18.7.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupistadt

Zeit

des Krie<

Zu- um- der

Vortragsabende für die Verwundeten ges geschaffen wurden.

100 Jahre Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

Warnung vor falschen Zeitungswerbern.

Mtt vor dem Rückslug, beabsichtigt, wie aus Lhikaao ^twoch den Rückflug nach 1 und wird voraussichtlich in enstation machen. Er hat die >enten Roosevelt angenomi en Haus zu besuchen. Der Le- i der Woche stattfinden.

ib Reuschuee in Bayern.

nahezu ununterbrochen über enen Regensalle haben die ie Alpenslüsse, stark anschwellen ihren Hochwasser, das un roch weiter ongesliegen ist. 9n nheim (Oberbayern) flehen Fel- eife meterhoch im Wasfer. Siel» aus den Ställen geholt werden. ) 7/7 ertrunken. Sie Straßen orben. Das jufgeltfjiihielt Heu 'n mit fortgerifieii ftud) her

herein ein gut gewählter. Tradition und kunftsfreudigkeit deutscher Naturwissenschaft schließender Rahmen. Der zweite Vorsitzende Gesellschaft,

Studienrat Or. Heußel

Es ist festgestellt worden, daß in letzter___

mehrfach versucht wurde, Eintritt in Wohnungen zu erhalten, unter der Vorgabe, von der Reichs- Pressestelle mit der Nachprüfung von Presse­

rs in Mitleidenschaft ,d die QutWe wen ywotten vielfach tourt! n Mchn zrvher Schaden an- nzen ist bis aus 1800 Meter gefallen.

i Alpen. - Jünf lobesopfet. getretene Wettersturz m &- hat zahlreiche Unfälle git Rur-Plateau fturjten। ab i iouris en aus Wien im lchluph Ileter tief ab; sie waren soi°rt eilnden sich zwei Gruppen, ver- .afteiqer, mit etwa elf Petfomn rei Abstürze mit tödlichem

Hur Feier des hundertsten Geburtstages der Ober- hessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde ver­einigten sich am Samstaaoormittag zahlreiche Mit­glieder und geladene Gäste im Hörsaal des Bota­nischen Instituts. Blumen in Fülle hoben den Reiz des intimen Raumes ins Festliche, die Fahnen des Landes und des neuen Reiches grüßten von den Wänden und durch die geöffneten Fenster drangen die sommerlichen Farben des Botanischen Gartens

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Nach der Heimkehr der Truppen ging die Gesellschaft ungebrochenen Mutes an die alte Arbeit. Eine gemeinsame Festsitzung vereinigte im Dezember 1921 beide Abteilungen zur Feier des 100. Geburtstages von Hermann v. Helm­holtz. Mit einem Ausblick auf die neuen er­weiterten Aufgaben und Ziele, die die Jetztzeit der Overhessischen Gesellschaft stellt und die sich durch die Worte Heimatforschung und Naturschutz im wesentlichen kennzeichnen lassen, schloß der Redner seine mit lebhaftem Bei­fall aufgenommenen Ausführungen.

Anschließend ergriff Herr

Professor Or. Küster

das Wort zu seinem Festvortrag:Aequale und inäquale Teilung der Pflanzenzelle". Die Zel­lenlehre, so führte der Redner aus, ist begründet durch den Engländer Robert Brown im Jahre 1833, gleichen Alters wie die Oberhessische Ge­sellschaft. Die Zusammensetzung aller Pflanzen aus gleichartigen oder ungleichartigen Zellen stellt die mannigfachsten Fragen, zu deren Lö­sung die vergangenen hundert Fahre Wesent­liches beigebracht haben. 3m Gegensatz zum Tier­körper liegt bei den Zellen Sherer Pflanzen keine Spezifität vor, wie sich das besonders aus Beobachtung an Gallen und Wundgeweben zei­gen läßt. Cs fragt sich also zunächst, worin die Voraussetzungen für die Gleichheit aller Zel­len eines Pflanzenkörpers gegeben sind. Drei Sorten von lebenden Substanzen sind dabei in der Zelle zu unterscheiden, der Zellenkern, die Plastiden oder Farbstoffträger und das Proto­plasma selbst. Die gegenseitigen Beziehungen von Kern und Plasma finden ihren Ausdruck in der sog. Kernplasmarelation, die erkennbar wird, wenn die Chromosonenzahl in irgendeiner

angelegenheiten, Zeitungsbezug usw. beauftragt zu sein. Es handelte sich dabei meistens um Abonnementswerbungen für Zeitungen und Zeit- schriften. Zum Teil wurde bei diesen Versuchen unerlaubterweise SA.-Unisorm getragen.

Das Reichsmini st erium für Volks­aufklärung und Propaganda weist darauf hin, daß die Abteilung Presse niemand zu derartigen Handlungen beauftragt hat und ersucht jeden, bei dem Betrüger oder Provo­kateure unter diesem Vorgeben und unter miß­bräuchlicher Benutzung des Braunhemds ein­zudringen versuchen, diese sofort der Polizei zu übergeben.

Vornotizcn.

Tageskalender für Dienstag. Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Die Nacht im Forst­haus".

»

* Schulpersonalie. Der Oberstudien­direktor an der Oberrealschule zu Gießen, Prof. Dr. Karl Roller, tritt auf sein Nachsuchen un­ter Anerkennung der dem Staate geleisteten Dienste und unter besonderer Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinnes mit Wirkung vom 16. August in den Ruhestand.

** Ein Achtzigjähriger. Der Lokomotiv­führer i. R. Georg Ott, wohnhaft Hinter der West- anlage 15, begeht am heutigen Dienstag bei guter Gesundheit seinen 80. Geburtstag.

** Die Kennzeichnung der Kraft­räder. Vom Kreisamt Gießen wird mitge­teilt: Nach Artikel 1 Ziffer 16 und Artikel 2 A Ab­satz 3 der Verordnung über den Verkehr mit Kraft­fahrzeugen müssen alle Krafträder einschließlich Kleinkrafträder den neuen Vorschriften über Kenn­zeichen und Beleuchtung ab 1. Juli 1933 genügen. Von diesem Zeitpunkt ab müssen sämtliche Kraft­räder einschließlich der Kleinkrafträder mit einem vorderen und hinteren Kennzeichen versehen sein.

Or. Wagner

Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Znstituts

WSN. Darmstadt, 17. Juli. Die Staats­pressestelle schreibt: Auf Vorschlag des Reichs- rnährungsministers Darr6 wurde der Landes­bauernführer für Hessen und Hessen-Nassau, Dr. Wagner, zum Mitglied des Kuratoriums des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Züchtungsforschung er­nannt.

findet auch ein so spezielles Gebiet wie die Quellen­kunde Berücksichtigung. Der rege geistige Austausch innerhalb der Gesellschaft wird offenbar, tpenn es in den Worten des Berichterstatters vom Jahre 1858 heißt, daßdie freimütigen nur durch die Formen der Sitte gehaltenen Diskussionen" eine Zierde der Versammlungen gewesen seien.

3m zweiten Vierteljahrhundert haben sich die Beziehungen der Gesellschaft über die ganze Welt verbreitet, sie steht in Schriftenaustausch mit na­turwissenschaftlichen Vereinen aller Erdteile und schon fanden sich unter den behandelten Gegen­ständen Berichte über naturwissenschaftliche Fra- gen aus aller Herren Länder, ohne daß jedoch die Gesellschaft dabei etwas von ihrer bodenständigen Eigenart aufgibt. Nur gering sind die Störungen durch die politischen und kriegerischen Ereignisse der 3ahre 1866 und 1870. Das 50jährige Jubi­läum im 3ahre 1883 brachte eine Aenderung in der Zusammensetzung der Gesellschaft, in dem die schon früher gegründete medizinische Abteilung in den Rahmen der Gesellschaftfür Natur- und Heilkunde" eintritt. Mit dem Wachsen der Uni- versitätsinstitute und der Anzahl der Aerzte nimmt die medizinische Abteilung bald einen be­deutenden Aufschwung. Da gegen Ende des 3ahr- hunderts die Teilnahme der Bürgerschaft an den immer mehr in Spezialgebiete vorstoßenden wissen­schaftlichen Darstellungen erlahmt, trifft die Ge­sellschaft die Einrichtung von allgemeinverständ­lichen Dorträgen neben den wissenschaftlichen Sitzungen. Auch der Weltkrieg findet sie auf dem Posten; die Abhandlungen aus jenen 3ahren be­richten von Dorträgen über die Bedeutung der Chemie und die Derwendung der Naturkräfte für den Krieg und lassen erkennen, daß besondere

Keine Sonderveranstaltungen vor und nach Saisonschluß.

Von der Industrie - und Handelskam­mer Gießen wird uns geschrieben:

Die Beeinträchtigung, die das regelmäßige Ge­schäft des Einzelhandels durch Sonderveranstaltun- aen und durch Auswüchse der Saisonschluß- und Znventuroerkäufe findet, hat zu der immer nach­drücklicher erhobenen Forderung geführt, diese Veranstaltungen auf das unbedingt erforderliche Maß einzuschränken. Der Deutsche Industrie- und Handelstag und die Haupt- Gemeinschaft des Deutschen Einzelhandels unter­stützen diese Forderung und werden Vorschläge für eine zukünftige Regelung ausarbeiten. Als besonders schädigend hat sich vor allem auch die Häufung der­artiger Veranstaltungen durch die Vornahme von Sonderoeranstaltungen vor und nach den Saifon- schluß- und Inventurverkäufen erwiesen. Außerdem werden die gesunden Bestrebungen, die Saisonjchluh- verkäuse nach Möglichkeit an das Ende der Saison zu verlegen, durch vorher vorgenommene Sonder- oeranstaltungen gestört.

Bis zu einer endgültigen Regelung empfehlen des­halb der Deutsche Industrie- und Handelstag und die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, von Sonderveranstaltungen vier W o - chenvorundnachdemfürSaisonschluß- und Inoenturoerkäufe allgemein zugelasse­nen Zeitraum abzusehen.

persönliche Vorstellungen beim hessischen Personalamt zwecklos.

Das Hessische Personalamt in Darm­stadt nimmt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß persönliche Vorstellungen beim Personalamt völlig zwecklos sind. Falls ein Bedürfnis zur Stellung­nahme oorhegt, ist dazu der schriftliche Weg zu wählen.

Hessische Personalien.

Aus Grund des Gesetzes Über die Alters­grenze traten der Strommeister 3ohann Lebert zu Groß-Steinheim und der Förster Georg Lud­wig Zimmermann zu Forsthaus Wildbahn mit Wirkung vom 1. August in den Ruhestand. Der Berufsschullehrer Heinrich Lorenz F r i e h in Jugenheim a. d. B. trat mit Wirkung vom 16. 3uli in den dauernden Ruhestand. Auf eige­nes Nachfuchen traten Kreisdirektor Dr. Otto Michel bei dem Kreisamt Lauterbach und der Bauoberinspektor Matthias Otto zu Mainz mit Wirkung vom 1. Oktober in den Ruhestand. Der Derwaltungsinspektor Nikolaus K o s e r aus Bensheim wurde auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.

eröffnete die feierliche Sitzung mit Worten der Be­grüßung an den Rektor der Alma mater Ludovi- ciana, derGärtnerin, die den Baum gepflanzt und durch alle Jahre mütterlich betreut" habe, an den Direktor der Universitätsbibliothek, die feit vielen Jahren mit der Gesellschaft in fruchtbringender Ge­meinschaftsarbeit stehe, an die Vertreter der Volks- und höheren Schulen und an die Vertreter der Presse. Als Ehrengast durfte die Gesellschaft Herrn Professor van Wals em, den ausgezeichneten Pathologen und Haematologen, einen alten Freund deutscher Wissenschaft mit besonderer Freude be­grüßen. Mit Gruß und Gegenrede beglückwünschten die Gesellschaft sodann: Herr Prof. Dr. I e ß als derzeitiger Rektor der Landesuniversität, Herr Prof. Dr. Ebel als Direktor der Universitätsbibliothek und Vertreter des Oberhefsifchen Geschichtsoereins und des Vereins für Volkskunde, Herr Landgerichts­präsident Dr. N e u e n h a g e n als Vertreter des Vereins für Erd- und Völkerkunde. Telegramme, darunter eines des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen, reihten sich diesen Glückwünschen an, die der Vorsitzende mit Dank und Gelöbnis entgegen­nahm. Die Gesellschaft, auf die Unterstützung und Hilfe aller genannten Behörden und Körperschaften angewiesen, gedachte durch seinen Mund auch der unermüdlichen Tätigkeit ihrer Mitglieder, durch die allein ihre Arbeit und ihr Fortbestand gesichert sei und ernannte anläßlich des festlichen Tages zu Ehrenmitgliedern die Herren Professoren Geheim­rat Fromme und Geheimrat König.

Sodann gab Herr Dr. Heußel einen kurzen Bericht über die vergangenen hundert Jahre. Unter Derzichr auf eine rein historische Aufzählung und auf Nennung der Namen der zahlreichen bedeutenden Manner, deren Mitarbeit die Gesellschaft gefördert ließ er in großen Zügen den geistesgeschicht­lichen Wandel der Zeiten und seine Spiegelung in ben Geschicken der Gesellschaft erstehen. Inmitten der politischen Reaktion und dem seelischen Druck des Jahres 1833 erstand der Entschluß zur Grün­dung der Gesellschaft, über deren erste Verhandlun­gen nur spärliche Mitteilungen vorliegen. Bald machte sich das Bestreben geltend, neben medizini­schen Fragen tn erster Linie naturwissenschaftlichen Gebieten sich zuzuwenden.

Gleichzeitig mit dem hervortreten der experi­mentellen Forschung auf allen Gebieten und dem Siegeszug der organischen Chemie von Gießen aus erlebt die Gesellschaft die Blütezeit ihres ersten Vierteljahrhunderts.

Zukunftsweisende, von hohem Idealismus getragene Dorte spricht der damalige Vorsitzende bei der Feier ie5 25jährigen Bestehens. Die seit 1847 in ununter­brochener Folge erscheinenden Abhandlungen der Gesellschaft geben einen Einblick in die Vielseitigkeit ihrer Interessen und die Sorgfalt der auf allen Ge­bieten geleisteten Arbeit. Neben Vorträgen über Flora und Fauna der Heimat finden sich solche über Geologie, Anthropologie, Klimatologie, Meteorolo­gie und neben Chemie und experimenteller Physik

Zelle durch ZufaN oder künstlich verändert wird. Auch zwischen Zellenkern und Plastiden besteht zweifellos eine gegenseitige Abhängigkeit. Wie kommt nun Gleichartigkeit, wie Mannigfaltigkeit zustande?

In sorgfältigster Weise verteilt die inbirrfte Kern­teilung die Substanz eines Kernes auf die Kerne von Tochterzellcn. Weniger sorgfältig und mit einem geringeren Aufwand können auch die Plastiden und das Protoplasma einer Zelle gleichmäßig auf Toch­terzellen verteilt werden. Manigfaltigkeit kommt im Gegensatz zu Gleichartigkeit dadurch zustande, daß der Zellteilungsmechanismus, z. B. bei der Ge- schlechlszellenbildung, ungleichwertige Anlagen ver­teilt und so eine irreversibele Ungleichheit schafft. Auch bei anderen Zellen kommt gelegentlich in- äquale Verteilung von Anlagen vor, z. B. bei der Bildung weißer Sektoren in einer roten Blüte. Mit Hilfe des Experimentes ist es auch möglich, Plastiden inäqual zu verteilen, z. B. alle Plastiden in eine von zwei Schwesterzellen zu locken und die andere Schwesterzelle plastidenfrei zu machen, die dann

dem Hungertode ausgeliefert ist. Jnäquale Derlei- lung von Fähigkeiten führen, wie das an der in- äqualen Teilung bei der Bildung des Schließzellen« apparates der Schwertlilie gezeigt werden konnte. Schließlich wurde dargetan, daß bei den Kieselalgen Zellen Vorkommen, die sich überhaupt nicht mehr äqual teilen können, ja durch die Besonderheit ihres Teilungsoorganges schließlich an einem Punkt an- langen, der Regulationen nötig macht. Weitere Mag- lichkeiten inäqualer Teilungen liegen in der inäqua­len Verteilung bestimmter Protoplasmabestandteile oder sogar von Molekülgruppen, doch sind die kau­salen Bedingungen solcher Teilungen heute noch keineswegs zu übersehen.

Hier stoßt vorläufig der Versuch, die Manigfaltig- feit der Pflanzenzellen zu erklären, auf seine'Gren­zen. Die Zuhörer dankten mit lebhaftem Beifall den formvollendeten, auch dem Laien verständlichen Aus- sührungen des Redners. Unter fachkundiger Füh­rung des Herrn Dr. Heidt wurde sodann ein Rundgang durch den im Blütenschmuck prangen­den Botanischen Garten unternommen.

Slips von derQueen Mary.

Wie ein Foxterrier der Skagerrak-Schlacht entrann.

Nach der Erzählung eines deutschen Marineoffiziers.

Es war in der Skagerrakschlacht. 5.15 Uhr nach­mittags hatten sich das englische Schlachtgeschwader und die deutschen Panzerkreuzer im Kampf ver­bissen. Der Feuerkampf entbrannte zu äußerster Hef­tigkeit. Die deutschen PanzerkreuzerSeydlitz" und Derfflinger" richteten ihre Salven auf den eng­lischen SchlachtkreuzerQueen Mary". Ihr Schicksal war besiegelt. Um 5.26 Uhr wurdeQueen Mary" durch eine Salve vonSeydlitz" undDerfflinger" schwer getroffen. Hierdurch war eine heftige Ent­ladung verursacht worden, vermutlich durch Ent­zündung der Munitionskammern. In zwei Teile zer­rissen, sankQueen Mary" mit 57 Offizieren und 1209 Mann in die Tiefe. Es konnten nur wenige Ueberlebenöe aus dem Wasier gerettet werden.

Die Boote der X. Torpedobootshalbflottille wur­den von Admiral Scheer zum Suchen nach lieber- lebenden entsandt. Es konnten aber nur sehr wenige Ueberlebenbe noch gefunden und aufgefischt werden. Eines dieser Boote rettete einen englischen Fähnrich, der schon halb ohnmächtig war und sich nur sehr langsam wieder an Bord erholte. Aus einem ande­ren Boot leitete der Oberleutnant z. S. d. R. A. diese Rettungsarbeiten, und dieser erzählte mir spä­ter die Rettung von seinem Foxterrier Stips, der einst auf die untergegangeneQueen Mary" gehörte.

Ich gebe seine Schilderung hier wieder.

Während die Matrosen meines Torpedobootes mit den Bootshaken nach Schwimmenden angelten, sah ich plötzlich einen merkwürdigen Gegenstand auf die Bordwand zutreiben. Ich traute meinen Augen nicht. Es war ein Foxterrier! Er hatte sich an einer Spillspake krampfhaft feftgebiffen und so den Kops oben behalten, war aber durch das viele Wasser­schlucken und den ausgestandenen Schrecken sehr matt. Mit seinen Augen schien er zu sprechen und um Rettung zu flehen.

Jeder Seemann hat eine Schwäche und Leiden- schäft für Tiere. Zu gleicher Zeit hatten sich viele Mannschaften an der Reling festgehalten und mit den Bootshaken das Stück Holz mit dem Hund an die Bordwand herangehievt. An einer Seine ließ sich ein Seemann herab und brachte in wenigen Augenblicken das Tier an Bord. Der englische Fox meü)et sich, wie es an Bord üblich war, auch an, bellen konnte er vor Ermattung zwar nicht, aber er wedelte vor Freude über seine Rettung und den festen Untergrund mit seinem kleinen Schwänzchen. Das Maul war noch verkrampft, man konnte das Stück Holz noch nicht lösen.

Die Liebe zu dem Tier und das Mitleid ließ die Seeleute ganz vergessen, daß im Augenblick eine große Seeschlacht geschlagen wurde, und an derselben Stelle 1266 Mann den Heldentod für ihr Vaterland gefunden hatten.

Stips, fo wurde er genannt, wurde an Bord des Bootes sorgsam betreut, abgerieben. Im Gefühl der Geborgenheit erholte er sich auch soweit, daß er den Krampf verlor und sich, wenn auch mühsam, wieder auf seine Beine stellte und sich selbst von Oel und Fett reinigte. Futter verschmähte er. Deutsch konnte

er noch nicht verstehen. Stips kam nun in die Ossi- ziersmesse, wurde trocken und weich gebettet und wurde dann die nächsten Stunden sich selbst über­lassen. Die Seeschlacht ging weiter, und die Boote wurden zum Gros zurückgerufen.

Im Lauf der Schlacht waren die II., V. und VII. Torpedobootsflottille nicht zum Anarisf gekommen. Obwohl diese drei Flottillen zum Angriff für die Nacht an den Feind angesetzt worden sind, gelang es ihnen nicht, da ihnen jeder Anhalt über den Standort des Feindes fehlte, den Feind zu finden. Daher kehrten diese Boote am 1. Juni um 3 Uhr vormittags befehlsgemäß wieder zu ihren eigenen Verbänden zurück. Stips brauchte also keinen weite­ren Kampf mitzumachen und schlief auf seinem deut­schen Lager einen tiefen Schlaf. Am 1. Juni 1916 gab Admiral Scheer um 5.07 Uhr früh den Be­fehl: Verbandsweife einlaufen.

Es wurde jetzt wieder in der Höhe von Helgoland in gewöhnliche Kriegswache gegangen. Oberleutnant A. hatte Freiwache und begab sich jetzt erst nach Stunden zu seinem SchützlingStips". Er mußte ihn auf Englisch wecken und um seine Gunst betteln.

Aber Stips fletschte mit den Zähnen, er wollte seine englische Ruhe haben. Sehr wahrscheinlich waren seine Nerven nach diesem schrecklichen Er­lebnis noch nicht beruhigt. Auch war es nicht die Stimme seines Herrn. Armer Stips, vielleicht waren auch feine Ohren noch taub von den Salven und Treffern der Seeschlacht?

Den etwas später eintretenden Kommandanten, der so mit seinem Boot manövriert hatte, daß er an die Bordwand antreiben mußte, beachtete Stips schon gar nicht; er war eben stolz wie ein Engländer.

Als aber der Kommandant englisch zu ihm sprach, da spitzte er die Oehrchen.

Endlich waren die Boote in den Hasen eingelaufen.

Die Begeisterung über die gewonnene Seeschlacht war überwältigend.

Stips wurde nun als stiller Held allgemein be­staunt. Inzwischen hatte er sich gut von den Schreck­nissen erholt, und als der Steward den Frühstücks- tich fertig machte, übersah er den Tisch; aber er hatte Anstand, er stahl nicht. Er mußte sich nun doch langsam an die deutsche Sprache gewöhnen. Im Laufe der Zeit war er fo gut dressiert worden, daß er alles verstand.

Stips blieb der Liebling der Besatzung und der gesamten Torpedobootsflottille. Gr ging im Hafen mit Wache, auf der Brücke musterte er jeden Frem­den und fletschte mit den Zähnen. Aber er war sonst gutmütig. Später ging er selbständig in Wilhelms- hafen spazieren, den Weg zum Kasino kannte er ge­nau. Kannte auch seine Freunde. Er war eben ein richtiger Marinehund!

Seinem neuen Herrn war er treu ergeben, machte noch viele Fahrten mit in See, blieb aber zumeist dabei unter Deck; anscheinend hatte er doch beim Anblick des großen Wassers eine Erinnerung an schreckliche Stunden.

Buntes Allerlei.

Ein alter Zopf wird abgeschnitten.

Bei der Durchsicht der alten Polizei- und Straf­gesetze wurden einige höchst merkwürdige Vorschriften entdeckt, die zwar schon lange veraltet, formell "jedoch noch immer in Kraft waren. Diese für die heutige Zeit kuriosen Bestimmungen wurden durch einen Be­schluß der zuständigen Ministerien nunmehr außer Kraft gesetzt. Unter diesen netten Sachen befindet sich auch die Allerhöchste Bekanntmachung vom 31. August 1815 über das gefährliche Tabakrauchen. Um diese Zeit war das öffentliche Rauchen noch verpönt und besonders wurden an demfeuerge­fährlichen" Tabakrauchen Anstoß genommen, da hierdurch sehr leicht Brände entstehen konnten. Des­wegen wurde nach einer Deklaration von Jahre 1764 in Preußen das Rauchen mit erheblichen Strafen bedroht, und der, der einen Raucher anzeigte, erhielt dafür 25 TalerDenunziations-Prämie". Zu Anfang des 19. Jahrhunderts jedoch erschien dem Preußen- könig Friedrich Wilhelm III. die Strafe als auch die Prämie etwas reichlich hoch, und so wurde in dem Gesetz von 1815 bestimmt, daß für das verbotene Rauchen nur eine Strafe von 2 Talern erhoben wer­den dürfe, und derDenunziantenanteil" künftighin nur einen Taler betragen könne. Formell galt dieses Gesetz auch heute noch, wurde aber natürlich nicht mehr angewandt. Gleichzeitig mit diesem Erlaß gegen das Tabakrauchen wurden noch einige andere alte Gesetze aufgehoben, so die Verfügung über die Ab­schaffung der Backöfen in den Häusern auf dem plat­ten Lande von 1724.

Weite Reise einer Renntier Herde.

Nach einer Wanderung von 31/, Jahren ist jetzt eine Rennlier-Herde, die von geübten Eskimos und Lappen geführt wurde und gegen Ende des Jahres 1929 von der Westküste von Alaska aufbrach, in dem kanadischen Renntier-Schutzgebiet angelangt, das sich in einer Ausdehnung von 25000 qkm oft» lich vom Mackenzie-Delta in der Nähe von Aklavik, der Eskimo-Hauptstadt am Polar-Meer, aus dehnt. Es ist eine denkwürdige Reise, die die Tiere zurück­gelegt haben. Wolfsrudel, furchtbare Schneestürme und alle Unbilden des hohen Nordens bedrohten die Herde und ihre Hirten und lichteten die Reihen,

so daß von den ursprünglichen 4000 Tieren 1000 ihr Ziel nicht erreichten. Eine anschauliche Schilderung der großen Wanderung hat der sechzigjährige Lapp­länder Andrew Bahr, der als Oberhirte den Zug leitete, dem Berichterstatter eines in Vancouver er­scheinenden Blattes gegeben. Im November 1929, dem ersten Monat der Weltkrise, zog die Herde nord­wärts, am Rande des Stillen Ozeans entlang, dann ostwärts, den Küsten des Polarmeeres folgend. Zwei Mannschaften Eskimos mußten wegen Erschöpfung die Weiterreise aufgeben, aber ihre Plätze wurden durch andere nomadisierende Söhne des Nordens eingenommen, die sich dcr Herde anschlossen. Häufig wurde der Zug von Wölfen angegriffen, die in einem Winter mehr als 100 Tiere töteten. 3n einem Sturm im Winter 1931 gingen 500 Stück verloren; es dauerte sechs Monate, bis man sie wieder zusammengebracht hatte, und während dieser Zeit litten die suchenden Eskimos furchtbar an Nahrungsmangel; einer starb dabei. Der Leiter des Eskimo-Lagers und sein Sohn waren auf der Jagd nach Wild zwei Wochen lang verschollen, kehrten dann aber wohlbehalten zurüL 2ahr hörte drei Jahre lang nichts von den Seinen. Die Hirten mußten beständig in Bewegung sein, um die Herde zufammenzuhalten, und umkreisten sie auf ihren Schneeschuhen. Von Schäferhunden unterstützt, arbeiteten sie so in 24stündigen Schichten. Während der Zeit der Schneestürme blieben stets zwei zu­sammen und lösten sich bei der Bewachung der Tiere ab, in dem sie nur alle 48 Stunden schliefen. Bei einer Kälte bis zu 50° C ertrugen sie die härtesten Strapazen, die nur Eskimos und Lappen aushalten können. Auch die Frauen der Lappen und Eskimos nahmen an der Wanderung teil. Sie fuhren auf Schlitten, die von den Renntieren abwechselnd ge­zogen wurden; die Tiere waren so zahm wie Rind­vieh und ließen sich mit dem Laffo fangen. Die Frauen kochten für die Männer, fertigten für sie frische Kleidung an und versorgten sie in jeder Weise. Die ganze Karawane, Renntiere, Hirten und ihre Familien mit Schlitten und Vorräten, ist jetzt in gutem Zustande an ihrem Ziel angelangt; damit ist eine der größten Leistungen in der Domestizierung des Renntiers nach Zurücklegung einer Strecke von 3000 km vollbracht worden.