Ausgabe 
18.2.1933 Erstes Blatt
 
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Wirtschaft

Berlin freundlich.

Berlin, 18. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Stimmung an den Aktienmärkten war zum Wochenschluß trotz des nicht sehr großen Geschäftes recht freundlich. Das befriedigende Ergebnis der Stillhalteverhandlungen und das anhaltende Interesse für Spezialwerte veranlaßten die Speku- lation zu Deckungen und Rückkäufen. Das Publikum war erst im Verlaufe etwas stärker im Markte, eine Beobachtung, die nahezu jeden Samstag wegen des früheren Börsenbeginnes zu machen ist

Die Abweichungen gegen den Vortag waren zu­meist nicht sehr groß. Abschwächungen von mehr als 1 v. H. waren überhaupt kaum zu beobachten, lediglich Süddeutsche Zucker eröffneten 1,25 v. $). niedriger. Demgegenüber waren Rheinische Braun­kohlen, Westeregeln, Akkulumatorenfabrik, Lah- meyer, Berlin-Karlsruher Industrie, Stöhr und Reichsbank 1 bis 2 v. j). fester. Im Verlaufe waren dann besonders Montane, unter Führung von Gel­senkirchen und Rheinstahl, stärker gefragt, daneben bestand etwas größeres Interesse für Contigummi, die 2,50 d. S). gegen den Anfang anzogen und Salz- detfurfh, die mehr als 1 v. S). gewannen. Im übri­gen war die Kursgestaltung nicht ganz einheitlich, da auf den mehr vernachlässigten Märkten auch kleine Abbröckelungen festzustellen waren.

Deutsche Anleihen lagen f e st e r, besonders Altbesitz gewannen insgesamt 0,75 o. H. Variable Industrieobligationen zeigten kein ganz einheit­liches Aussehen, waren aber etwas freundlicher veranlagt. Reichsschuldbuchforderungen konnten etwa 0,50 v. f). gegen den Vortag gewinnen. Auch Reichsbahnvorzugsaktien zogen bis auf 93,75 v. f). an. An den übrigen festverzinslichen Märkten war das Geschäft nicht sehr groß, die Tendenz konnte jedoch als durchaus freundlich bezeichnet werden. Verschiedentlich ergaben sich Steigerungen um etwa 0,50 d. S). Von Ausländern fielen Oesterreicher durch freundlichere Haltung auf. Oesterreichische Staats­rente von 1914 war beinahe 0,50 v. H. höher. Sonst ergaben sich keine ganz einheitlichen Veränderungen.

Am Geldmarkt blieb die Situation weiter leicht. Tagesgeld war unverändert 4,40 bzw. 4,25 v. H. an der unteren Grenze. Prioatdiskonten waren weiter gesucht, doch lag angesichts der Hoffnung auf eine baldige Diskontsenkung kaum Angebot vor. Reichswechsel per 15. Mai und Reichsschätze per 16. Oktober waren weiter gefragt.

Sranffurf freundlich.

Frankfurt a. M., 18. Febr. (WTD.-Draht° Meldung.) Unter dem Eindruck der Tendenzbes­serung in Reuyork und des befriedigenden Ab­schlusses der Berliner Stillhalteverhandlungen blieb die Stimmung auch zum Wochenschluh freundlich. Infolge des nur sehr geringen Ordereinganges seitens der Spekulation übte auch die Kulisse Zurückhaltung, so daß die Um- sahtätigkeit keine Belebung erfahren hatte. Ledig­lich einige Spezialwerte erfreuten sich etwas grö­ßeren Interesses.

Gegen die Abendbörse betrugen die durch­schnittlichen Erhöhungen von 0,50 bis 1 Prozent. Darüber hinaus konnten sich Bekula um 1,13 Prozent, Reichsbank um 1,25 Prozent und Conti- gummi um 2,75 Prozent befestigen. IG. eröff­neten mit 109,40 Prozent zwar 0,75 Prozent höher, gingen aber dann auf 109 Prozent zurück. Montanwerte lagen durchschnittlich von 0,40 bis 0,65 Prozent höher. Buderus gaben leicht nach. Bon Elektrowerten lagen Gesfürel 0,75 Prozent, Schnckert 0,40 Prozent und Siemens 0,50 Prozent freundlicher. 2m übrigen eröffneten Süddeutsche Zucker 1 Prozent, Deutsche Linoleum und Conti­linoleum je 0,50 Prozent, Daimler Motoren 0,25 Prozent und Hapag 0,13 Prozent höher. Deutsche Atlanten Telegraf lagen mit 124 Prozent un­verändert.

Am Rentenmarkt war das Geschäft wei­ter ruhig, mehr Interesse zeigte sich für Alt- besitz (plus 0,50 Prozent) und späte Reichs- schuldbuchforderungen mit plus 0,65 Prozent. Reubesitz lagen 0.13 Prozent höher. Am Aus- lanbrentenmarft blieben Rumänen gut behaup­tet. Der Pfandbriefmarkt hatte nur sehr kleinen Umsatz. Die Kurse lagen meist unverändert. Auch Staats- und Stadtanleihen, sowie Industrieobli­gationen waren sehr lebhaft und etwa be­hauptet. Bon fremden Werten lagen Rumänen gehalten.

Im 03erlaufe war nur vereinzelt Umsatz zu verzeichnen. Während IG. bis auf 108,50 Pro­zent abbröckelten und auf den übrigen Gebieten meist etwas Rachfrage war, waren einige Mon­tanwerte ziemlich gut gehalten. So lagen Gelsen­kirchen 2 Prozent und Mannesmann 1 Prozent fester. Deutsche Anleihen und späte Reichsschuld­buchforderungen lagen unverändert.

Dberbeffen.

Landkreis Gieken.

CO Klein-Linden, 17. Febr. Der evange­lische Kirchenvorstand beschloß in seiner letzten Sitzung, die K i r ch e n st e u e r für das Rechnungs­jahr 1933 um ein Prozent, von 10 auf 9, zu ermäßigen.

A Wiefeck, 18. Febr. Gestern abend fand im Saale der Bürgermeisterei die Generalver­sammlung der Freiwilligen Feuerwehr statt. Kommandant Adolf Schäfer gedachte des verstorbenen Kreisfeuerwehrinspektors Dik- köre, den die Anwesenden durch Erheben von ihren Plätzen ehrten. Der vom Kommandanten erstattete Geschäftsbericht zeigte, daß die Wehr auch im Jahre 1932 rege tätig war, wenn auch die Beteiligung einer Anzahl Mitglieder bei den Hebungen zu wünschen übrig ließ. Der vom Rechner erstattete Kassenbericht ergab, daß die Wehr auch in dieser Hinsicht gut dasteht. Bei den Wahlen wurde der gesamte Borstand wieder­gewählt. Der Hebungsplan für 1933 wird vom Kommandanten festgelegt. Eine größere Aus­sprache ergab die Feier des 10jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr. Cs wurde beschlos­sen, diesen Tag nicht ungefeiert vorübergehen zu lassen.

X W ief e ck, 17. Febr. Evangelist Urban (Möttlingen* xhielt gelegentlich einer ©Bange« lisationsreise auch in unserer Kirche eine Feierstunde ab, zu der sich über 250 Besucher, auch aus Gießen, eingefunden hatten. Der Redner sprach von der falschen und von der rechten Ruhe des Christenmenschen. Das Schlußgebet sprach Pfarrer Hardt (Groh-Rechtenbach), ein zeitge­mäßes Schlußwort sprach der Ortsgeistliche.

Alten-Buseck, 17. Febr. Die hiesige Sängervereinigung hielt dieser Tage tm Saale von W. Rühl ihren Familienabend ab. Der erste Borsitzende W. Mutig begrüßte die Teilnehmer und wünschte dem Berein und feinem neuen Dirigenten (L. Schreiner) erfolgreiche Zusammenarbeit. Die von den Sängern unter Leitung von Dirigent Schreiner vorgetra­genen Chöre fanden reichen Beifall und ließen eine sorgfältige Schulung erkennen. Humorvolle Gedichtvorträge und musikalische Darbietungen des hiesigen Mandolinenklubs füllten den rest­lichen Abend.

z Rödgen, 17. Febr. Auf Veranlassung von Frau Pfarrer Bönning versammeln sich jeden Donnerstagabend eine Anzahl junger Mädchen

in der Kinderschule, um unter Leitung von Fräulein S ch w ö b e l - Gießen Handarbeiten zu machen. Jedem Mädchen ist hier Gelegenheit ge­geben, Rat und Förderung für feine RLh- und Handarbeiten sachkundig zu erfahren.

:/: Beuern, 17. Febr. Die Tiroler Volkskunstgruppe, de bereits in Gießen ein Gastspie. gab, erfreute auch die Einwohner­schaft unseres Ortes. Diele Besucher hatten sich eingefunden. Der Ehrenvorsitzende des Volks­bildungsvereins, Dr. H e n ß (Gießen), begrüßte die Teilnehmer, insbesondere die Gäste aus Tirol. Die Darbietungen befriedigten die Zuhörer außerordentlich und fanden starken Beifall. Zum Schluß sprach Studienrat Dr. König (Gießen) über die Aufgaben des Vereins für das Deutsch­tum im Ausland.

D Lich , 17. Febr. Am Mittwoch verstarb Fabrikant Gwrg S ch i e f e r ft e i n, b:r Begründer der weit über die Grenzen unseres Hessenlandes hinaus bekannten Fabrik landwirtschaftlicher Ma­schinen. Aus dem benachbarten Ettingshausen stammend, kam er als junger Mann in unsere Stadt, in die Schmiede am Schlohplatz, übernahm später diese und baute sie zu einer Schlosser- und Maschinenwe.kstätte aus. Schon vor dem Kriege genügten die engen Räume nicht mehr den An­forderungen, so daß das Geschäft in neuerbauten Räumen in der verlängerten Bahnhofstraße unter­gebracht werden mußte

* Lich, 18. Febr. Die Wiederbesehung der Stelle des Feuervifitators des 5. Bezirks (Burkhardsfelden, Eberstadt, Ettingshausen, Hat­tenrod, Lich, Münster, Rieder-Bessingen, Ober- Bessingen, Oberhörgern und Oppenrod) ist durch den Tod des Feuervisitators S t e n g l e r (Lich) notwendig geworden. In einer Bekanntmachung im Amtsverkündigungsblatt werden Maurer­meister oder sonstige geeignete Personen, die in dem Bezirk wohnen und sich mit der Absicht tragen, die Stelle zu übernehmen, aufgefordert, sich beim Kreisamt Gießen zu bewerben.

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